<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns:jxb="http://java.sun.com/xml/ns/jaxb" xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns:tns="http://textgrid.info/namespaces/metadata/core/2010" xmlns:tgl="http://textgrid.info/namespaces/metadata/language/2010" xmlns:tgs="http://textgrid.info/namespaces/metadata/script/2010" xmlns:tgr="http://textgrid.info/namespaces/metadata/agent/2010" xml:id="tg273" n="/Literatur/M/Rückert, Friedrich/Gedichte/Kindertodtenlieder/Trost und Erhebung/[Als das Kraut ward für den Winter]">
   <teiHeader xmlns:fn="http://www.w3.org/2005/xpath-functions" xmlns:xi="http://www.w3.org/2001/XInclude" xmlns:a="http://www.textgrid.info/namespace/digibib/authors">
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>[Als das Kraut ward für den Winter]</title>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0004-A226-0</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:tj1x.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
                                   davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von
                                   www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons
                                   Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid) veröffentlicht. Die
                                   Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden
                                   allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen). </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode">Lizenzvertrag</ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
               </p>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title>Friedrich Rückert: Kindertodtenlieder aus seinem Nachlasse, Frankfurt a.M.: Sauerländer, 1872.</title>
                  <author>Rückert, Friedrich</author>
               </titleStmt>
               <extent>267-</extent>
               <publicationStmt>
                  <date when="1872"/>
                  <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date notBefore="1788" notAfter="1866"/>
         </creation>
         <textClass>
            <keywords scheme="http://textgrid.info/namespaces/metadata/core/2010#genre">
               <term>verse</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
   </teiHeader>
                  <text>
                     <body>
                           
                              
                           
                           
                           
                           <div type="text" xml:id="tg273.3">
                              <div type="h4">
                                 <head type="h4" xml:id="tg273.3.1">[Als das Kraut ward für den Winter]</head>

                                 <lg>
                                    <l xml:id="tg273.3.2">Als das Kraut ward für den Winter</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.3">Vom Krautschnitter eingeschnitten,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.4">Sahen zu die beiden Kinder,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.5">Sitzend auf dem Fenstertrittchen;</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.6">Hatten eines um das andre</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.7">Hergelegt ein Aermchen jedes,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.8">Sie ihr linkes, er sein rechtes,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.9">Sie ihr linkes um den Bruder,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.10">Er sein rechtes um die Schwester.</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.11">Aber mit den freien Aermchen</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.12">Langten sie nach zwei Gefäßchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.13">Die beim großen Fasse standen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.14">Sie mit ihrem rechten Händchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.15">Er mit seinem linken, griffen</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.16">In den Vorrath der Gefäße,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.17">Kümmel und Wachholderbeeren,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.18">Die dem Kraut zur Würze dienen.</l>
                                    <pb n="267" xml:id="tg273.3.19"/>
                                    <l xml:id="tg273.3.20">Zusah ich mit Lächeln ihnen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.21">Wie sie unverdrossen streuten,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.22">Kümmel streut' er, sie Wachholder,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.23">Eifrig wie im Krieg begriffen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.24">Mit dem Wettstreit zweier Händchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.25">Und die Eintracht ihrer beiden</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.26">Andern hielt den Leib umschlungen.</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.27">Sollt' ich mir die Wonne kürzen</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.28">Dieses Anblicks? Zwar ich dachte,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.29">Wenn so streuet zu mein Pärchen</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.30">Kümmel und Wachholderbeerchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.31">Werden sie das Kraut verwürzen;</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.32">Ihnen doch die Lust zu wehren,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.33">Konnt' ich übers Herz nicht bringen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.34">Weil sie gar zu zierlich streuten.</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.35">Und nun ist es eingetroffen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.36">Schlimmer, als es war zu hoffen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.37">Kümmel und Wachholderbeerchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.38">Ihr, gestreut von meinem Pärchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.39">Habet uns das Kraut verwürzet,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.40">Es verkümmert und verbittert,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.41">Daß es ungenießbar worden,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.42">Weil die beiden, die uns freuten,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.43">Sich seitdem zum Flug geschürzet,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.44">Und in Trauer uns gestürzet.</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.45">Kümmel und Wachholderbeerchen!</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.46">Immer denk ich an das Pärchen,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.47">Das euch streute, das uns freute,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.48">Und im Kummer freut mich's heute,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.49">Daß ich doch, als es euch streute,</l>
                                    <l xml:id="tg273.3.50">Um die Freud' es nicht verkürzet.</l>
                                 </lg>
                              </div>
                           </div>
                        </body>
                  </text>
               </TEI>
