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            <title>Seemannstreue</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0004-996E-E</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:tfd0.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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               <p>
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               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Herausgegeben von Walter Pape, Band 1: Gedichte, Band 2: Gedichte, Band 3: Dramen, Band 4: Erzählungen, Band 5: Vermischte Prosa, Band 6: Mein Leben bis zum Kriege, Band 7: Als Mariner im Krieg, Zürich: Diogenes, 1994.</title>
                  <author key="pnd:118601121">Ringelnatz, Joachim</author>
               </titleStmt>
               <extent>103-</extent>
               <publicationStmt>
                  <date when="1994"/>
                  <pubPlace>Zürich</pubPlace>
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                              <head type="h4" xml:id="tg69.3.1">Seemannstreue</head>

                              <lg>
                                 <l xml:id="tg69.3.2">Nafikare necesse est.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.3">Meine längste Braut war Alwine.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.4">Ihrer blauen Augen Gelatine</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.5">Ist schon längst zerlaufen und verwest. –</l>
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                                 <l xml:id="tg69.3.7">Alwine sang so schön das Lied:</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.8">»Ein Jäger aus Kurpfalz«.</l>
                              </lg>
                              <lg>
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                                 <l xml:id="tg69.3.10">Wie Passatwind stand ihr der Humor.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.11">– Sonntags morgens wurde sie bestattet</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.12">In der Heide, wo kein Bäumchen schattet,</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.13">Und auch ihre Unschuld einst verlor.</l>
                              </lg>
                              <lg>
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                                 <l xml:id="tg69.3.15">Donnerstags grub ich sie wieder aus.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.16">Da kamen mir schon ihre Ohrlappen</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.17">So sonderbar vor.</l>
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                                 <l xml:id="tg69.3.19">Freitags grub ich sie dann wieder ein.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.20">Niemand sah das in der stillen Heide. –</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.21">Montags wieder aus. Von ihrem Kleide,</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.22">Das man ihr ins Grab gegeben hatte,</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.23">Schnitt ich einer Handbreit gelber Seide,</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.24">Und die trägt mein Bruder als Krawatte. –</l>
                              </lg>
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                                 <l xml:id="tg69.3.26">Gruslig wars: Bei dunklem oder feuchten</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.27">Wetter fing Alwine an zu leuchten.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.28">Trotzdem parallel zu ihr verweilen</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.29">Wollt ich ewiglich und immerdar.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.30">Bis sie schließlich an den weichen Teilen</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.31">Schon ganz anders und ganz flüssig war.</l>
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                                 <l xml:id="tg69.3.33">Aus. Ein. Aus; so grub ich viele Wochen.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.34">Doch es hat zuletzt zu schlecht gerochen.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.35">Und die Nase wurde blauer Saft,</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.36">Wodrin lange Fadenwürmer krochen. –</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.37">Nichts für ungut: Das war ekelhaft. –</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.38">Und zuletzt sind mir die schlüpfrigen Knochen</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.39">Ausgeglitten und in lauter Stücke zerbrochen.</l>
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                                 <l xml:id="tg69.3.41">Und so nahm ich Abschied von die Stücke.</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.42">Ging mit einem Schoner nach Iquique,</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.43">Ohne jemals wieder ihr Gebein</l>
                                 <l xml:id="tg69.3.44">Auszugraben. Oder anzufassen.</l>
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                                 <l xml:id="tg69.3.46">Denn man soll die Toten schlafen lassen.</l>
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