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            <title>Die Westküsten</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0004-4012-3</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:sh45.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
               </p>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
               </p>
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                  <title>Christian Morgenstern: Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Klaus Schuhmann, Leipzig: Insel, 1975.</title>
                  <author key="pnd:11881169X">Morgenstern, Christian</author>
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                  <date when="1975"/>
                  <pubPlace>Leipzig</pubPlace>
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Die Westküsten</head>

                                 <lg>
                                    <l xml:id="tg330.2.2">Die Westküsten traten eines Tages zusammen</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.3">und erklärten, sie seien keine Westküsten,</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.4">weder Ostküsten noch Westküsten –</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.5">»daß sie nicht wüßten!«</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
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                                    <l xml:id="tg330.2.7">Sie wollten wieder ihre Freiheit haben</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.8">und für immer das Joch des Namens abschütteln,</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.9">womit eine Horde von Menschenbütteln</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.10">sich angemaßt habe, sie zu begaben.</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
                                    <lb xml:id="tg330.2.11"/>
                                    <l xml:id="tg330.2.12">Doch wie sich befreien, wie sich erretten</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.13">aus diesen widerwärtigen Ketten?</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.14">Ihr Westküsten, fing eine an zu spotten,</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.15">gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten?</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
                                    <lb xml:id="tg330.2.16"/>
                                    <l xml:id="tg330.2.17">Und wenn schon! rief eine andre schrill.</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.18">Wenn ich seine Magd nicht mehr heißen will? –</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.19">Dann blieben aber immer noch die Atlanten –</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.20">meinte eine von den asiatischen Tanten.</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
                                    <lb xml:id="tg330.2.21"/>
                                    <l xml:id="tg330.2.22">Schließlich, wie immer in solchen Fällen,</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.23">tat man eine Resolution aufstellen.</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.24">Fünfhundert Tintenfische wurden aufgetrieben,</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.25">und mit ihnen wurde folgendes geschrieben:</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
                                    <lb xml:id="tg330.2.26"/>
                                    <l xml:id="tg330.2.27">Wir Westküsten erklären hiermit einstimmig,</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.28">daß es uns nicht gibt, und zeichnen hochachtungsvoll:</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.29">Die vereinigten Westküsten der Erde. –</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.30">Und nun wollte man, daß dies verbreitet werde.</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
                                    <lb xml:id="tg330.2.31"/>
                                    <l xml:id="tg330.2.32">Sie riefen den Walfisch, doch er tat's nicht achten;</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.33">sie riefen die Möwen, doch die Möwen lachten;</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.34">sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht;</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.35">sie riefen ich weiß nicht was, doch ich weiß nicht was kam nicht.</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
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                                    <l xml:id="tg330.2.38">Ja, wieso denn, wieso? schrie die Küste von Ecuador:</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.39">Wärst du etwa kein Walfisch, du grober Tor?</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.40">Sehr richtig, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh:</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.41">Dein Denken, liebe Küste, dein Denken macht mich erst dazu.</l>
                                 </lg>
                                 <lg>
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                                    <l xml:id="tg330.2.43">Da war's den Küsten, als säh'n sie sich im Spiegel;</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.44">ganz seltsam erschien ihnen plötzlich ihr Gewiegel.</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.45">Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land.</l>
                                    <l xml:id="tg330.2.46">Und die Resolution, die blieb unversandt.</l>
                                 </lg>
                              </div>
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