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            <title>Fest-Ode</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-F197-E</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:rp7k.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
                                   davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von
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               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Hermann von Lingg: Ausgewählte Gedichte, Herausgegeben von Paul Heyse. Stuttgart u. Berlin: Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, 1905.</title>
                  <author key="pnd:119002248">Lingg, Hermann von</author>
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                  <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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                                 <head type="h4" xml:id="tg328.3.1">Fest-Ode bei Einweihung der Schiller-Statue in München</head>

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                                    <p rend="zenoPC" xml:id="tg328.3.2">5. Mai 1863</p>
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                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.4">Bringet, ihr Wogen des Lebens, wieder jene begeisterten Stunden zurück,</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.5">Wo vor dem harrenden Volk zum erstenmal</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.6">Aus ehernem Gusse das Standbild seines Dichters leuchtend und groß sich erhob?</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.7">Einst spät des Nachts noch stund ich einsam still betrachtend dort, und ich redete viel mit dir im Geist,</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.8">Und die Nacht stund über uns mit ihren Sternen.</p>
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                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.10">Schmerzlich den letzten und bangen Hauch ausatmend, der Nachtigall gleich, noch im Tode,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.11">So starb, was an Schiller von Staub war. Frühlingslicht</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.12">Ruht über des Toten entschlafenem Antlitz, aus ist alles beengende Leid,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.13">Aus aller Kampf in trüber Erdennacht; Tränen, tief empfundene Tränen, geheiligt durch ihn selbst,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.14">Dem sie galten, weihte Deutschland seinem Sänger.</l>
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Schweigende du, die des Schöpfers Plan mit undurchdringlichem Schleier umgibt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.17">Du heilige Nacht um den Abgrund alles Seins,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.18">Durchleuchtet von Strahlen des Lichtmeers, höchste Schönheit, Geheimnis der Welt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.19">Die Seele, selbst sich Rätsel, denkt voll Sehnsucht viel sich Inniges über ihr Los hienieden aus,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.20">Oft in schwermutvollen, stets anmut'gen Bildern.</l>
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                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.22">Dichtend sah sie viel voll Tiefsinns schon, was der erforschende Geist</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.23">Spät hernach erst fand, vollbringend den Sieg der Idee.</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.24">Sie trägt dann, wie ihr eigenes Bild,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.25">Wie die geflügelte Sphinx an sich das Memento noch hat, so auch, und jetzt</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.26">Hehr und befreit im Triumph, die Totenmaske hoch in die blühende Welt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.27">Als das Sinnbild ihrer Abkunft von den Sternen.</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.28">Wie wir entstanden, woher wir kommen, welches der Ersten des Menschengeschlechts</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.29">Ursprüngliche Heimat und ihr Schicksal war, traumhaft</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.30">Die Mythe nur sagt es und wirft darüber blitzschnell sprühendes Streiflicht und weckt</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.31">Ein Vorgefühl vollkommener Einsicht; Sinnbild wird ihr alles Erscheinende, jede Lebensspur</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.32">Wird der Ausdruck einer Weltalloffenbarung.</l>
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                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.34">Und die Geschichte beginnt mit jener düstern Erinnerung an Frevel und Schuld,</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.35">An ein verlornes Paradiesesglück,</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.36">Dem dann finstrer Mächte Gewalt folgt, Mord und Gräu'l, unsäglicher Jammer der Welt,</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.37">Bis die erstehen, die kampfesfroh, Halbgötter, Unrecht tilgen und siegend vom Joch die Welt befrei'n,</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.38">
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Licht vom Himmel, Recht und Wahrheit den Menschen bringend.</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.39">Auch du, Poesie, edelst und befreiest den Menschen, du schaffest</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.40">Reihen lebensvoller Gestalten, der Tugend schönes Vorbild; deine Glut</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.41">Leuchtet voran und erhellt den streng vom Geschick uns gegebenen dunkeln Pfad.</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.42">An der Geschlechter, der Menschheit Wiege webst du Bilder der künftigen Zeit</p>
                                 <p rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.43">Und erhebst aus Grabesnacht ruhmreiche Vorwelt.</p>
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                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.45">Welchen Gedanken flocht deutungsvoll die Gottheit, welchen Gedanken an sich</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.46">In ihrer Erkornen Sendung? Denn die sind</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.47">Mit aller erhabnen Erinnerung eines Volks aufs tiefste verwoben und stets</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.48">Der Größe Mitvollbringer, weil ja ewig, Zeugschaft gebend von Geist- und Gemütskraft, unverfälscht</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.49">Als ein Erbgut stets der Dichtung Sprache fortlebt.</l>
                                 </lg>
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                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.51">Kühn wie der Adler vor Deutschlands Heereszug zu der Kaiser gewaltiger Zeit,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.52">So weht wie vom hohen Gebirg dein Flug! Dich mit Stolz</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.53">Voll innigen Dankes nennt sein das Vaterland, ja jedes Jahrhundert bekennt sich</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.54">Zu deinem Ruhm, die Gegenwart strebt, tiefgerührt von deines Gesanges Wohllaut, wetteifernd dich</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.55">Auch im Erzbild ragend stets vor sich zu schauen,</l>
                                 </lg>
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                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.57">Komm denn zu uns, wo, deines Genius Flügen verwandt,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.58">Säulenbau dich grüßt, wo der Antike geweiht, o Schiller, dich an die Welt</l>
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Tempel und Künste des Altertums erinnern in stillem Marmorglanz,</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.60">Edle Gestalten und Formen reiner Schönheit, wo mit heiliger Glut</l>
                                    <l rend="zenoPLm0n4" xml:id="tg328.3.61">Dich ein König ehrt und stets mit neuem Lorbeer!</l>
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