<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns:jxb="http://java.sun.com/xml/ns/jaxb" xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xmlns:tns="http://textgrid.info/namespaces/metadata/core/2010" xmlns:tgl="http://textgrid.info/namespaces/metadata/language/2010" xmlns:tgs="http://textgrid.info/namespaces/metadata/script/2010" xmlns:tgr="http://textgrid.info/namespaces/metadata/agent/2010" xml:id="tg72" n="/Literatur/M/Hölty, Ludwig Christoph Heinrich/Gedichte/Sämtliche Gedichte/An J.M. Miller">
   <teiHeader xmlns:fn="http://www.w3.org/2005/xpath-functions" xmlns:xi="http://www.w3.org/2001/XInclude" xmlns:a="http://www.textgrid.info/namespace/digibib/authors">
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>An J.M. Miller</title>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-7E50-8</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:qg5v.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
                                   davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von
                                   www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons
                                   Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid) veröffentlicht. Die
                                   Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden
                                   allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen). </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode">Lizenzvertrag</ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
               </p>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <notesStmt>
            <note>
                                 Entstanden 1773. Erstdruck unter dem Titel »An Miller« in: Musenalmanach 1775, Göttingen (J.C. Dieterich).
                              </note>
         </notesStmt>
         <sourceDesc>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title>Ludwig Christoph Heinrich Hölty: Sämtliche Werke. Kritisch und chronologisch herausgegeben von Wilhelm Michael. Band 1–2, Weimar: Gesellschaft der Bibliophilen, 1914.</title>
                  <author key="pnd:118552023">Hölty, Ludwig Christoph Heinrich</author>
               </titleStmt>
               <extent>125-</extent>
               <publicationStmt>
                  <date when="1914"/>
                  <pubPlace>Weimar</pubPlace>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1773"/>
         </creation>
         <textClass>
            <keywords scheme="http://textgrid.info/namespaces/metadata/core/2010#genre">
               <term>verse</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
   </teiHeader>
               <text>
                  <body>
                        
                           
                        
                        
                        
                        <div type="text" xml:id="tg72.3">
                           <div type="h4">
                              <head type="h4" xml:id="tg72.3.1">An J.M. Miller</head>

                              <lg>
                                 <l xml:id="tg72.3.2">Denk' ich, Bester, des Trennungstags,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.3">Ach, dann bricht mir das Herz, Tage der Zukunft, ach,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.4">Einer traurigen Zukunft, nahn,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.5">Mit umdüsterter Stirn, jeder den Wermuthkelch</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.6">In den Händen, und dräuen mir.</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.7">Ach, sie kommen zu bald, schütten den ganzen Kelch</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.8">Über deinen Getreuen aus,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.9">Wann er ferne von dir weinet, von eurem Kuß,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.10">Bundesbrüder, von eurem Sang,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.11">An der Leine Gestad weinet, und keinen Trost</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.12">Auf der Erde mehr finden kan.</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.13">Rosen schließen sich zu, nahet dein Traurer sich,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.14">Wo sie brannten in ihrem Thau,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.15">Als noch Lauren der Hain kühlte, das Abendroth</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.16">Um die Locken des Mädchens floß,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.17">Und mein Erstlingsgesang säuselte durch die Flur.</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.18">Ach, die Seelen der Abende,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.19">Die wir Brüder verkos't, werden oft vor mir stehn,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.20">Schön und lächelnd wie Seraphim,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.21">Und die Seelen des Sangs, welcher dem Harfengriff</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.22">Meiner Lieben entstürmete.</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.23">Deines Herzensgesprächs, Trauter, und Freundesblicks</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.24">Werd ich gehren, und, ach, umsonst!</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.25">Deines Minnegesangs, welcher so lieblich scholl</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.26">Guten Frauen, und, ach, umsonst!</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.27">Angeduftet vom May, flimmert der Abendstern</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.28">Durch die Blüthen, der Schauer war</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.29">Unsrer lenzlichen Lust, werd ich dich spähn, den Arm</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.30">Nach dir strecken, und, ach, umsonst!</l>
                                 <pb n="125" xml:id="tg72.3.31"/>
                                 <l xml:id="tg72.3.32">Keine Thräne, kein Flehn sehnet an diese Brust</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.33">Dich herüber, an diese Brust,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.34">Wo mit Lauren dein Bild lebet, und leben wird,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.35">Bis mich hüllet die Rasengruft.</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.36">Und die hüllet mich bald. Flüstert das Rebengrün,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.37">Wo du sitzest, im Mondenglanz,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.38">Flimmert eine Gestalt, Traurigkeit im Gesicht,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.39">Melancholisch vor dir vorbey,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.40">Winkt und lächelt dir zu, Bester, es ist dein Freund.</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.41">Er begegnet, der fromme Geist,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.42">Einen Engel am Arm, sinket dein Todesloos,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.43">Dir am Ufer der Ewigkeit,</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.44">Bleibet ewig dein Freund. Freundschaft und Liebe wohnt</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.45">Unter Palmen Jehovahs, setzt</l>
                                 <l xml:id="tg72.3.46">Himmelskronen uns auf, welche kein Schicksal welkt.</l>
                              </lg>
                              <lb xml:id="tg72.3.47"/>
                              <pb n="126" xml:id="tg72.3.48"/>
                           </div>
                        </div>
                     </body>
               </text>
            </TEI>
