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            <title>5. [Zu bitter wär' ich. Doch wer hat's verschuldet]</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-687B-E</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:q54z.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Paul Heyse: Gesammelte Werke, 3 Reihen in 15 Bänden, Stuttgart: Cotta, 1924. [Nachdruck: Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag, 1991].</title>
                  <author key="pnd:118550772">Heyse, Paul</author>
               </titleStmt>
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                  <pubPlace>Stuttgart</pubPlace>
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                                       <l xml:id="tg111.2.2">Zu bitter wär' ich? Doch wer hat's verschuldet,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.3">Wenn meine Zunge trieft von Bitterkeiten?</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.4">Ein feiger Knecht, wer ohne Murren duldet!</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.5">Ward nicht, was Süßes ich genoß vorzeiten,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.6">Mir über Nacht vergiftet und vergällt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.7">Entwertet meine liebsten Kostbarkeiten,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.8">Da, die ich über jeden Schatz gestellt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.9">Die goldne Freiheit, nun als schlimmste Bürde</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.10">Mir unerträglich auf die Seele fällt?</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.11">Es wog mir kein Gewinn, noch Ehr' und Würde</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.12">Den Adel auf: mir selber zu gehören,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.13">Nicht eingeschränkt in eines Dienstes Hürde;</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.14">Nicht mit banausischem Geschäft zu stören</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.15">Die stille Bildkraft, all die Schmerzenslust,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.16">In ernstem Ringen Geister zu beschwören.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.17">Wie war ich mir so streng und froh bewußt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.18">Daß meines Wirkens Maß und meiner Pflichten</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.19">Mir einzig ruht' im Grund der eignen Brust!</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.20">Und nun – wie möcht' ich gern auf mich verzichten</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.21">Und, fremdem Willen dienstbar untertan,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.22">Ein dumpfes Werk gedankenlos verrichten!</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.23">Den Bauer neid' ich, der in grader Bahn</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.24">Die Furche zieht, den Kärrner, der im Staube</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.25">Des Heerwegs seinen Rossen geht voran.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.26">Und jener dort in niedrer Reisiglaube,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.27">Der Steine klopft, gebückt am heißen Wege,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.28">Nicht ödem Müßiggang ist er zum Raube.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.29">Sein Tagwerk fördert jeder seiner Schläge,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.30">Und, wacker bis zum Feierabend, letzt</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.31">Ihn seine Flasche, wird der Arm ihm träge.</l>
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                                       <l xml:id="tg111.2.33">Und ich – dem selbst der Quell der Musen jetzt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.34">Der Himmelstrank, wie schaler Spülicht mundet,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.35">Wo ist ein Werk, ein Ziel, das mich ergötzt?</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.36">Denn die Gestalt, die sich dem Dichter rundet,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.37">Soll er beleben mit dem eignen Blut.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.38">Wie? wenn er selbst nun ward zu Tod verwundet,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.39">Daß Lebensüberfluß und -übermut</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.40">Versiegen und die Liebe geht verloren,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.41">Die auch an <hi rend="italic" xml:id="tg111.2.41.1">seinem</hi> Werk das Beste tut?</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.42">So hab' ich selbst mich wider mich verschworen.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.43">Mir selbst gehör' ich? Keinen schlimmern Herrn</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.44">Und keinen ärmern hätt' ich je erkoren.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.45">Sein schnödes Joch abschütteln möcht' ich gern,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.46">Der mich mißhandelt, der mich darben läßt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.47">Und kann nur knirschend an der Kette zerrn.</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.48">So wird der Freiheit jammervoller Rest</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.49">Mir noch zum Fluch. Wenn unser Wille schwankt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.50">Gleich einem Vogel, dem zerstört das Nest,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.51">Dann strebt das Ich, das an sich selber krankt,</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.52">Sich loszuwerden, von des Sehnens Not</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.53">Zu ruhn in einem Ziel, das nimmer wankt, –</l>
                                       <l xml:id="tg111.2.54">Und was ist hier gewiß, als nur der Tod?</l>
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