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            <title>8. [Mich dieser Tränen schämen. Ew'ge Mächte]</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-65E8-E</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:q4c8.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Paul Heyse: Gesammelte Werke, 3 Reihen in 15 Bänden, Stuttgart: Cotta, 1924. [Nachdruck: Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag, 1991].</title>
                  <author key="pnd:118550772">Heyse, Paul</author>
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               <extent>195-</extent>
               <publicationStmt>
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                  <pubPlace>Stuttgart</pubPlace>
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                                       <l xml:id="tg98.2.2">Mich dieser Tränen schämen? Ew'ge Mächte,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.3">Was gabt ihr Tränen uns, wenn solches Leid</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.4">Ein Menschenauge nicht zum Tauen brächte!</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.5">Wenn einer hingeht aus der Zeitlichkeit,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.6">Der sich am Glück gesonnt, des reifes Leben</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.7">In reichen Garben prangte weit und breit,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.8">Um solchen dürft ihr Klage nicht erheben.</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.9">An ihm ward milde das Gesetz vollstreckt,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.10">Dem alles Erdendasein untergeben.</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.11">Und wenn ein müdes Haupt der Hügel deckt,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.12">Das keinen Lohn der Lebensmüh' gesehen</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.13">Und fragte: ward ich nur zur Qual geweckt?</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.14">An dessen Grabe mögt ihr klaglos stehen.</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.15">Daß er gelebt, war eurer Tränen wert;</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.16">Nun darf er ausruhn. Ihm ist wohl geschehen.</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.17">Doch hier! – ein Kind, mit keiner Schuld beschwert,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.18">Die Blumenseele jedem Lufthauch offen,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.19">Vom Schimmer reinen Morgentaus verklärt;</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.20">Sein ganzes Sein ein schönverkündet Hoffen,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.21">Ein Feiertagsgedanke der Natur,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.22">Die es gebildet aus den zartsten Stoffen,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.23">Und doch von ihr vernichtet, spielend nur,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.24">Als ob sie nur am Schaffen sich erfreute,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.25">Nicht am Erhalten ihrer Kreatur; –</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.26">Und nun den süßen Leib dem Schmerz zur Beute,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.27">Die Seele sehn in Todesängsten ringen,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.28">Die einer Mücke wehzutun sich scheute,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.29">Und während blasse Ärmchen uns umschlingen,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.30">Veratmen sehn ein liebstes Lebensglück</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.31">In jammervoll hilflosem Händeringen – –</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.32">Wer da den Strom der Zähren hält zurück,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.33">Ward nicht gesäugt von einem Erdenweibe,</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.34">Wenn nicht zuvor schon der Medusenblick</l>
                                       <l xml:id="tg98.2.35">Des Irrsinns ihm versteint das Herz im Leibe.</l>
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