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            <title>[Ein Mensch, der mit Begier nach freyen Künsten strebt]</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-2657-2</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:pcwt.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Johann Christian Günther: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Herausgegeben von W. Krämer, 6 Bände, Band 5, Leipzig: Karl Hiersemann, 1935.</title>
                  <author key="pnd:11854327X">Günther, Johann Christian</author>
               </titleStmt>
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               <publicationStmt>
                  <date when="1935"/>
                  <pubPlace>Leipzig</pubPlace>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
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Auf das Absterben eines Studiosi</seg>
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                                       <l xml:id="tg514.3.4">Ein Mensch, der mit Begier nach freyen Künsten strebt,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.5">Trägt wohl, so lang er noch auf hohen Schulen lebt,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.6">Vor seinen Wechselbrief die allergrösten Sorgen;</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.7">Der Kummer, den er hat, ist seiner Eltern Geld,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.8">Zumahl wenn ihm der Muth aus leeren Beutheln fällt</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.9">Und Koch und Schneider ihm die lezte Nothdurft borgen.</l>
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                                       <l xml:id="tg514.3.11">Hat er nunmehr verthan, was ihm der Mutter Hand,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.12">Als sie den lieben Sohn mit Thränen fortgesand,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.13">Verstohlen auf der Flucht in alle Ficken steckte,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.14">So geht die Noth an Mann, so stüzt er Kopf und Arm,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.15">Verriegelt Thür und Schloß, macht Stuhl und Seßel warm</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.16">Und sizt so finster da, als wenn er Grillen heckte.</l>
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                                       <l xml:id="tg514.3.18">Er lauft den Kutschen zu, die er beladen spürt,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.19">Rennt täglich auf die Post und list und buchstabirt</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.20">Fast vierundzwanzigmahl die Nahmen aller Charten.</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.21">Zwey Fest im Jahre sind, die ihn gewis erfreun:</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.22">Er weis, daß Michael und Ostern Tröster seyn;</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.23">Nur dieses thut ihm weh: Er soll so lange warthen.</l>
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                                       <l xml:id="tg514.3.25">Hingegen schickt es sich, daß der verlangte Gast,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.26">Den er so wie ein Bär den Bienenzucker hast,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.27">Von Hause wieder kommt und wilde Männer bringet,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.28">Da wacht und lebt der Pursch, da zieht der Kummer aus,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.29">Und es erfährt es oft des sechsten Nachbars Haus,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.30">Wie seine Fröhligkeit durch alle Fenster singet.</l>
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                                       <l xml:id="tg514.3.32">Wir wißen, Seeligster, daß jezt die Tadelsucht</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.33">Dies ungereimte Blat, wie sie es nennt, verflucht,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.34">Weil es bey deiner Gruft, um die es weinen sollte,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.35">Mit halbem Scherz erscheint. Doch wißen wir auch dies:</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.36">Du selber billigst es und straftest den gewis,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.37">Der deinen Vortheil nun mit Thränen stören wollte.</l>
                                    </lg>
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                                       <l xml:id="tg514.3.40">Denn jezt, nachdem dein Fuß, der hurtig Abschied nahm</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.41">Und ohn Verhofen nechst geschwächt zurücke kam,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.42">Den Weg nach Halle nimmt, den Wechsel dort zu heben,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.43">So zahlt des Himmels Gunst dir durch des Todes Hand</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.44">Noch einen reichern aus, als deine Reise fand,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.45">Die dir Gelegenheit zur lezten Fahrt gegeben.</l>
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                                       <l xml:id="tg514.3.47">Dies ist der Gnadenlohn der Zeiten ohne Zeit,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.48">Der Reichthum jener Welt, allwo die Eitelkeit</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.49">Nicht böse Wahren führt, noch falsche Münze präget.</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.50">Die Lage, so du giebst, ist warlich klein und schlecht,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.51">Ein Leib voll Fäul und Stanck; und also heists mit Recht,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.52">Daß oft ein kleiner Zins den grösten Wucher träget.</l>
                                    </lg>
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                                       <l xml:id="tg514.3.54">Wie nun ein wahrer Freund des andern Glück und Lust</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.55">Mit heitren Augen sieht, so darf aus unsrer Brust,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.56">Der Neid thu was er will, kein Trauerlied erschallen.</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.57">Es ist bereits gemein, daß sich die Heucheley</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.58">Bey alle Baaren sezt; drum bleibt es wohl dabey:</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.59">Die meisten trauren nur der Mode zu Gefallen.</l>
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                                       <l xml:id="tg514.3.61">Zwar, was der Traurigkeit hier einen Schein erwirbt,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.62">Ist, daß der Jugend Lenz dir jezt im Herbste stirbt</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.63">Und daß dein Alter nicht auf hohe Stufen kommen;</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.64">Jedoch der Spruch bleibt wahr: Wer viel gewinnen kan,</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.65">Säumt keinen Augenblick. Dies hast auch du gethan</l>
                                       <l xml:id="tg514.3.66">Und lieber früh als spät den Wechsel angenommen.</l>
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