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            <title>Philimen an Selinden</title>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0003-256E-7</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:pcmq.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
                                   davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von
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               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode">Lizenzvertrag</ref>
               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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               <titleStmt>
                  <title>Johann Christian Günther: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Herausgegeben von W. Krämer, 6 Bände, Band 1, Leipzig: Karl Hiersemann, 1930.</title>
                  <author key="pnd:11854327X">Günther, Johann Christian</author>
               </titleStmt>
               <extent>171-</extent>
               <publicationStmt>
                  <date when="1930"/>
                  <pubPlace>Leipzig</pubPlace>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
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Philimen an Selinden, als sie ihm untreu wurde</head>

                                    <lg>
                                       <l xml:id="tg99.3.2">Bleib, wer du bist und wilst, Selinde!</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.3">Ich bleibe gleichfalls, wer ich bin.</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.4">Dein Herz besteht wie Rohr am Winde;</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.5">Dafür bedanckt sich nun mein Sinn</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.6">Und wüntscht dir zu der guten Zeit</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.7">Nichts weiter als Beständigkeit.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.9">Du hängst dich, wie ich seh, an alle</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.10">Und siehst das Herze nicht mehr an.</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.11">Ich geh und räume deinem Falle;</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.12">Er kommt, der Hochmuth kommt voran,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.13">Spott aber, Reue, Gram und Schmach</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.14">Folgt wie der Rauch dem Brande nach.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.16">Eh soll der Himmel Bäume tragen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.17">Und unser Queis voll Flammen stehn</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.18">Als jemand auf der Erde sagen:</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.19">Selinde läst den Philimen.</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.20">Besinnstu dich noch auf die Nacht,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.21">Die dieser Schwur vergnügt gemacht?</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.23">Nun grüne, lieber Himmel, grüne</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.24">Und gieb dem Queiße deine Glut,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.25">Damit es der zur Ausflucht diene,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.26">Die wider ihr Geseze thut</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.27">Und, wo kein Wunderwerck geschieht,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.28">Der Rache nimmermehr entflieht!</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.30">Mit was vor Ruh und vor Gewißen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.31">Gedenckstu, falsches Kind, der Lust</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.32">In fremden Armen zu genießen,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.33">Wobey du allzeit fürchten must,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.34">Jezt trenne Donner, Bliz und Streich</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.35">Kuß, Mund und Herzen unter euch?</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.38">Ein andrer würd es wüntschen können,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.39">Ich aber bin nicht aufgelegt,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.40">Den Feinden meinen Zorn zu gönnen;</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.41">Die Liebe, so mich treibt und regt,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.42">Läst fahren, was nicht bleiben will,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.43">Und schweigt wie fromme Kinder still.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.45">Genug, daß du dich selbst betrogen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.46">Und etwas wider dich gethan.</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.47">Bedenck, ich war dir so gewogen,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.48">Als keiner ist und werden kan,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.49">Ich zeigte dir durch wahre Treu,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.50">Was Leben und was Lieben sey.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.52">Die Eintracht zwo vertrauter Herzen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.53">Macht aus der Welt ein Himmelreich,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.54">Ihr reiner Kuß verbeißt den Schmerzen,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.55">Ihr Auge kommt der Sonne gleich,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.56">Die Wolck und Regen um sich sieht</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.57">Und doch davon nichts in sich zieht.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.59">Den Vorschmack hastu schon genoßen,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.60">Betrachte Felsen, Bach und Wald,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.61">Wo ich dich oft in Arm geschloßen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.62">Und unser Scherz noch widerschallt;</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.63">Die Vögel wurden selbst erweckt</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.64">Und durch Exempel angesteckt.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
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                                       <l xml:id="tg99.3.66">Du wustest damahls vor Vergnügen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.67">Oft selbst nicht, wo dein Herze wär;</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.68">Du bliebest vor Entzückung liegen</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.69">Und sagtest, deucht mich, ohngefehr:</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.70">Kind, daß mich nicht der schöne Tag</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.71">An deiner Brust entseelen mag!</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
                                       <lb xml:id="tg99.3.72"/>
                                       <l xml:id="tg99.3.73">Ich mag nichts mehr davon gedencken,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.74">Sonst leid ich mehr dabey als du;</l>
                                       <pb n="173" xml:id="tg99.3.75"/>
                                       <l xml:id="tg99.3.76">Die Zeit weis alles so zu lencken,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.77">Damit sie keinem Unrecht thu,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.78">Und wird vielleicht zu deiner Pein</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.79">Bald zwischen uns ein Richter seyn.</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
                                       <lb xml:id="tg99.3.80"/>
                                       <l xml:id="tg99.3.81">Ich übergeb ihr meine Rache,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.82">Die doch nicht weiter um sich fast,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.83">Als daß sie bald zu Schanden mache,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.84">So viel du Schönes an dir hast,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.85">Bis daß Selinde nicht mehr ist,</l>
                                       <l xml:id="tg99.3.86">Was du anjezt, Selinde, bist.</l>
                                    </lg>
                                 </div>
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                  </TEI>
