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            <title>9. [Spanisches bringt mir die Post. Was seh' ich! Die eigenen Lieder]</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0002-BA1D-D</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:n4k0.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Emanuel Geibel: Werke, Herausgegeben von Wolfgang Stammler, Band 1 u. 2, Leipzig und Wien: Bibliographisches Institut, 1918.</title>
                  <author key="pnd:11853811X">Geibel, Emanuel</author>
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                  <pubPlace>Leipzig und Wien</pubPlace>
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                                    <l xml:id="tg1047.2.2">Spanisches bringt mir die Post? Was seh' ich! Die eigenen Lieder</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.3">Sind's; im kastilischen Vers staunend erkenn' ich mich selbst.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.4">Was ich als Jüngling sang, wie vertraulich zugleich und wie fremd doch</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.5">Grüßt es mich hier und erscheint frischer und zierlicher fast,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.6">Wie mein Töchterchen jüngst, zum Faschingsballe gerüstet</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.7">In des Zigeunergewands Flittern mir doppelt gefiel.</l>
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                                    <l xml:id="tg1047.2.9">Harmlos warf ich euch hin, ihr Gesänge der Jugend, und immer</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.10">Blieb mir ein Rätsel die Gunst, die man so reich euch gewährt;</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.11">Denn leichtwiegend erscheint ihr zumeist dem gereifteren Urteil;</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.12">Nur im melodischen Hauch schwebt ihr gefällig dahin.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.13">Aber ich darf mich rühmen, daß nie der Erfolg mich verblendet,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.14">Daß ich des Kranzes <hi rend="italic" xml:id="tg1047.2.14.1">Geschenk</hi> treu zu <hi rend="italic" xml:id="tg1047.2.14.2">verdienen</hi> gestrebt.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.15">In die Tiefen der Brust und des Weltlaufs sucht' ich zu dringen,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.16">Und mit heiligem Ernst rang ich zum Gipfel der Kunst.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.17">Viel zwar blieb mir versagt, doch reift auch manches im stillen,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.18">Dran sich ein deutsches Gemüt wohl zu erfreuen vermag,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.19">Wenn ich die Rätsel der Zeit und des Herzens im Liede zu deuten</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.20">Oder im ernsten Kothurn festlich zu schreiten gewagt.</l>
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                                    <l xml:id="tg1047.2.22">Und so bitt' ich: Verzeiht, was wild und jugendlich aufschoß,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.23">Und im wuchernden Laub laßt euch gefallen die Frucht!</l>
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                                    <l xml:id="tg1047.2.25">Durchs Helldunkel der Nacht hinschreit' ich am Hafen; die feine</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.26">Sichel des Halbmonds schwebt über den Giebeln der Burg.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.27">Rings in der Stadt kein Laut! Nur fern in den Lüften ein Brausen</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.28">Hör' ich, und unter dem Eis schluchzen die Wasser des Stroms,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.29">Und im gelinderen Hauch, der plötzlich Wangen und Stirn mir</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.30">Anrührt, flattert ein Gruß, nahender Frühling, von dir.</l>
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                                    <l xml:id="tg1047.2.32">Aus dem erwachenden Forst heimkehrend bringt mir ein holdes</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.33">Kind Schneeglöckchen zum Fest, frisch an der Halde gepflückt.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.34">O willkommen im Strauß, ihr Erstlingskinder der Sonne!</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.35">Euer gewürziger Hauch duftet wie Jugend mich an,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.36">Und, den gemessenen Ernst abstreifend der Wintergedanken,</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.37">Sehnt sich nach freierem Spiel, vollerem Klange das Herz.</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.38">Liegt, ihr Glöckchen, denn hier bei dem letzten der Distichen! Morgen</l>
                                    <l xml:id="tg1047.2.39">Spann' ich zu Lenzmelodien andere Saiten mir auf.</l>
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