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            <title>21. An Herrn Heinrich Nienborgen</title>
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            <idno type="handle">hdl:11858/00-1734-0000-0002-A837-F</idno><idno type="TextGridUri">textgrid:mz41.0</idno><availability>
               
               <p> Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie
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               </p>
               <p>
                  <ref target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"> Eine vereinfachte
                                   Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in
                                   allgemeinverständlicher Sprache </ref>
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                  <ref target="http://www.textgrid.de/Digitale-Bibliothek">Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek</ref>
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                  <title>Paul Fleming: Deutsche Gedichte, Herausgegeben von J. M. Lappenberg, Band 1 und 2, Stuttgart 1865.</title>
                  <author key="pnd:118533908">Fleming, Paul</author>
               </titleStmt>
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               <publicationStmt>
                  <date when="1865"/>
                  <pubPlace>Stuttgart</pubPlace>
               </publicationStmt>
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                                    <head type="h4" xml:id="tg76.2.1">21. An Herrn Heinrich Nienborgen, Zar u.s.w. Majest. in Rußlande u.s.w. Deutschen Oberdolmetscher in Groß-Naugarod</head>
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                                       <p rend="zenoPC" xml:id="tg76.2.2">1634 im Sommer.</p>
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                                    <lb xml:id="tg76.2.3"/>
                                    <lg>
                                       <l xml:id="tg76.2.4">Solt' ich, geehrter Freund, zu wohnen mir erkiesen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.5">und wäre Wollen Tun, ich ließe meine Wiesen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.6">mein feistes Osterland in seiner Wollust stehn,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.7">im Fall' ich könte nur um euer Reußen gehn,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.8">um euer Moskow sein. Die ewigen Gepüscher,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.9">die wären meine Lust. Die Ströme solten frischer,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.10">die Bäche sänfter gehn, indem ich stimmet' an</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.11">ein Lied, das ieder ehrt und kaum der dritte kan,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.12">das mich mein <hi rend="italic" xml:id="tg76.2.12.1">Opitz</hi> lehrt', der Preis der ersten Sängen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.13">die redlich Deutsch verstehn. Die Oder flosse strenger;</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.14">der wilde Mayn schoß hin. Was war er als nicht zahm,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.15">der ungelehrte Rhein? Als nur mein <hi rend="italic" xml:id="tg76.2.15.1">Opitz</hi> kam</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.16">und ließ den schönen Ton erst um den Bober schallen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.17">so, sagt man, hab' es ihm so überwol gefallen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.18">daß er sein schilficht Haupt hat dreimal hoch empört</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.19">und dreimal laut gejauchzt. Die nahe Neiße hört'</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.20">und schrie es weiter aus. Der alte Necker lachte,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.21">die niederdeutsche Maas entsatzte sich und dachte:</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.22">was ist diß für ein Lied, das höher wird geführt</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.23">als meine Künstler tun? Drum ist er auch geziert</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.24">als keiner noch vor ihm. Der Tajo kan ihn nennen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.25">die Seine lobet ihn, die Themse wird ihn kennen.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.26">So seh' ich selbsten itzt, daß eurer Wolgow auch</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.27">er nicht ist unbekant. Das ist der Tugend Brauch,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.28">sie dringt durch alle Welt. Nun gläub' ich, daß dem Tiger</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.29">er unbewust nicht sei, ingleichen auch dem Niger,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.30">und wo Maragnon braust. Der edle <hi rend="italic" xml:id="tg76.2.30.1">Ferdinand,</hi>
                                       </l>
                                       <l xml:id="tg76.2.31">der Preis von Österreich, hat ihm mit eigner Hand</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.32">in das gelehrte Haar die Blätter eingewunden,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.33">die immer Jungfern sind und nie welk werden funden.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.34">Sein Preis der ist sein Lohn. Er und sein schönes Tun</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.35">wird über allen Neid und ewig sein, wie nun.</l>
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                                       <l xml:id="tg76.2.37">Ich, so es billich ist, daß man nach großen Helden</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.38">auch einen schlechten Trost und schwachen Man darf melden,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.39">wie nichts ich von der Kunst der neuen Saiten weiß,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.40">wolt' auch mein Höchstes tun. Das Lob erweckt den Fleiß.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.41">Ich wolt', als wie ich vor bei meiner Muld' und Saalen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.42">um euren Obi tun, in den begrünten Talen</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.43">der Neeper wohnhaft sein und eures Landes Zier</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.44">auf mein' und euer' Art den Wäldern singen für.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.45">Ich weiß, ich wär' euch lieb. Der römischen Poeten</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.46">ohn' einen erster Preis hat dieses bei den Geten</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.47">zu Tomis auch gethan, zu Tomis, die ihn hat</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.48">verjagt und tot gesehn. Der Phasis und Orat,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.49">der Tyras und Dyrasp vernahmen seine Lieder,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.50">Melanthus, Hypanus und Lykus, seine Brüder,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.51">verlernten Skytisch sein. Das ewige Latein</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.52">brach Cynaps wilde Flut, hieß Sagarn zahmer sein,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.53">und die ich fast nicht weiß, wo vor Orestens Schwester</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.54">der Phöben Priestrin war, da seiner Freunde bester</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.55">samt ihm nach Landes Art ein Opfer solten sein,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.56">wenn Iphigenie sich nicht geleget drein</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.57">und ihren schönen Streit, von höchster Liebe kommen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.58">nachdem sie sie erkant, erfreut hätt' unternommen.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.59">Sein Welschland und sein Rom war ihm die Tartarei.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.60">Dort war er höchst verhaßt, hier war er lieb und frei,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.61">zog Kotys Gunst recht vor Augustus fauler Gnade.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.62">Kein Freund, kein Fußfall half. Das pontische Gestade</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.63">war ihm als wo bei Ost die starke Tiber scheußt</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.64">und sich in Thetis Schoß mit vollen Krügen geußt.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.65">Kunst hat ihr Vaterland im Abend' und im Morgen.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.66">Ihr Haus ist Süd und Nord. Wer sie hat, darf nicht sorgen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.67">ist, wo er ist, bei sich, weiß keinen Unterscheid,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.68">was Glück' und Unglück' heißt. Ihm gilt gleich Lieb' und Leid,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.69">die Tugend bricht die Furcht. Was soll ich aber hoffen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.70">was nicht zu haben ist? Doch hab' ich angetroffen</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.71">hier einen solchen Geist, so liebet, was ich kan,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.72">der mit Verlangen hört, wenn ich die Faust schlag' an.</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.73">Das bist, Herr <hi rend="italic" xml:id="tg76.2.73.1">Nieborg,</hi> du! Die edlen Pimpleinnen,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.74">Parnassens Landesvolk und Othrys Bürgerinnen,</l>
                                       <pb n="133" xml:id="tg76.2.75"/>
                                       <l xml:id="tg76.2.76">sind dir vor andern wert, nachdem sie deutsche sind,</l>
                                       <l xml:id="tg76.2.77">und lieben mehr, als vor .................................</l>
                                    </lg>
                                    <lg>
                                       <lb xml:id="tg76.2.78"/>
                                       <l xml:id="tg76.2.79">Periere bene multa. </l>
                                    </lg>
                                 </div>
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