<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">444. Die Unterirdischen auf Rügen</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid13776</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/444. Die Unterirdischen auf Rügen</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>472-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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Geld haben oder kopfweise für seine Arbeit bezahlt sein wolle. Der Fährmann wählte den Scheffel Geld. Dann fragte ihn der Kleine wieder, ob er auch wohl wissen möge, was er gefahren, und als er es bejaht, setzte der Mann ihm seine Mütze auf. Da sah der Fährmann das ganze pommersche Ufer wimmeln von Unterirdischen, und erfuhr von seinem Begleiter, daß sie alle Rügen verließen, da für sie kein Segen mehr im Lande sei, seit die Menschen angefangen, Brod und Getreide zu kreuzen und den Besen aufrecht hinzustellen, mit dem Stiel nach unten.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg2418.2.7">Von da an nämlich haben die Unterirdischen nicht mehr daran kommen können. Einige erzählen, daß es allein die grünen gewesen sind, welche sich mit ihrem König beim Goldberg haben übersetzen lassen.</p></div></div></body></text></TEI>