<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">45. Die Bettelmannskirche zu Meißen</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
                                        Bibliothek inklusive Metadaten sowie davon einzeln zugängliche Teile
                                        sind eine Abwandlung des Datenbestandes von www.editura.de durch
                                        TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0
                                        Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid, www.editura.de) veröffentlicht.
                                        Die Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden
                                        allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen). </note><note type="remarkSource">Die vorliegende Textsammlung wurde im Rahmen des
                                        Forschungsprojekts TextGrid (www.textgrid.de, Förderkennzeichen:
                                        01UG1203A) mit Mitteln des BMBF (Bundesministerium für Bildung und
                                        Forschung) erworben. Wir bitten im Falle der Nachnutzung des
                                        Datenbestandes diesen Förderhinweis den Daten beizulegen.</note><idno type="URLWeb">https://textgridrep.org</idno></resp></respStmt><respStmt><orgName ref="http://www.textgrid.de">TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility">Langfristige Bereitstellung der
                                        Dokumente</note><ref target="http://textgridrep.de"></ref></resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition>Vollständige digitalisierte Ausgabe.</edition></editionStmt><extent><measure type="tokens">507</measure><measure type="types"></measure><measure type="characters"></measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="50.13" type="FleschReadingEase"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="9.6" type="nWS1"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="9.66" type="nWS2"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="9.6" type="nWS3"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="10.41" type="nWS4"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="55.22" type="LIX"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="7.52" type="RIX"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="-129.36" type="KuntzschsText-Redundanz-Index"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="5.76" type="TuldavasTextDifficultyFormula"></tei:measure><tei:measure xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0" quantity="128.57" type="Wheeler-Smith"></tei:measure></extent><publicationStmt><publisher xml:id="kolimo"><!-- value of attribute "xml:id" is invalid; must be equal to "DTACorpusPublisher" --><email>jb.herrmann@phil.uni-goettingen.de</email><orgName role="project">Kolimo - Korpus der Literarischen Moderne</orgName><orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Seminar für Deutsche
                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid13882</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen/Erster Band/45. Die Bettelmannskirche zu Meißen</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 1, 2. Aufl., Dresden: Schönfeld, 1874.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>53-</extent><publicationStmt><date>1874</date><pubPlace>Dresden</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
                                Bogensignaturen: keine Angabe; Druckfehler: ignoriert; fremdsprachliches
                                Material: keine Angabe; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe;
                                Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): keine Angabe; i/j in
                                Fraktur: keine Angabe; I/J in Fraktur: keine Angabe; Kolumnentitel: keine
                                Angabe; Kustoden: keine Angabe; langes s (ſ): als s transkribiert;
                                Normalisierungen: stillschweigend; rundes r (\&amp;amp;#xa75b;): als r/et
                                transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: keine Angabe; u/v
                                bzw. U/V: keine Angabe; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert;
                                Vollständigkeit: vollständig erfasst; Zeichensetzung: keine Angabe;
                                Zeilenumbrüche markiert: nein; </p></editorialDecl></encodingDesc><profileDesc><languageUsage><language>de-DE</language><!--  Standardwert, wird bei Bedarf geändert  --></languageUsage><creation><date type="firstPublication"><date notAfter="1885" notBefore="1814"></date></date></creation><textClass><keywords scheme="textgrid_genre"><list><item>prose</item></list></keywords><keywords scheme="http://kolimo.uni-goettingen.de/metadata#literature-non-literature"><list><item>literature</item></list></keywords><keywords scheme="http://kolimo.uni-goettingen.de/metadata#history-of-literature"><list><item>undefined</item></list></keywords><keywords scheme="kolimo_genre"><list><item>medium</item></list></keywords><keywords scheme="eltec_genre"><list><item>veryShort</item></list></keywords><keywords scheme="timeslot"><!--timeslot is based on kolimo-date--><list><item>1800-1819</item></list></keywords><keywords scheme="translation"><list><item>Original</item></list></keywords></textClass></profileDesc><revisionDesc><listChange><change when="2016-12-12T11:01:48.914+01:00" who="ronald">GNDIDCONFIRM http://d-nb.info/gnd/104076534 104076534</change></listChange></revisionDesc></teiHeader><text><body><div type="text" xml:id="tg61.2"><div type="h4"><head type="h4" xml:id="tg61.2.1">45) Die Bettelmannskirche zu Meißen.</head><milestone unit="head_start"></milestone><p rend="zenoPC" xml:id="tg61.2.2"><seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg61.2.2.1">Hofmann, das Meißner Niederland. Dresd. u. Leipz. 1849. S. 485 <hi rend="italic" xml:id="tg61.2.2.1.1">sq.</hi> Poetisch bearb. v. Segnitz. Bd. I. S. 9. <hi rend="italic" xml:id="tg61.2.2.1.2">sq.</hi></seg></p><milestone unit="head_end"></milestone><lb xml:id="tg61.2.3"></lb><p xml:id="tg61.2.4">Auf der südöstlichen Seite von Meißen erhebt sich ziemlich steil der sogenannte Plossenberg, dessen westlich vorspringender Theil jedoch den Namen Martinsberg von der diese Höhe krönenden, 1570 zum Kloster St. Afra gehörigen Begräbnißkirche zu St. Martini (für die Bewohner der Dörfer Bockwein und Lerche) hat. Die Entstehung derselben wird verschieden erzählt. Nach einigen soll nämlich ein Ritter auf Schloß Siebeneichen bei Meißen sieben Söhne gehabt haben, deren einer Namens Martin ins gelobte Land zog, um für die von seinen Vorfahren begangenen Unthaten am Grabe <pb xml:id="tg61.2.4.1" n="53"></pb>
des Erlösers Verzeihung zu erflehen. Nach langem Herumirren in der Fremde kehrte er endlich in sein Vaterland zurück und soll auf dem genannten Berge ein Pilgerhaus zur Aufnahme für Arme und Kranke gestiftet haben, welches, freilich in ausgearteter Gestalt – es war zu einer Freistätte für alles liederliche Gesindel geworden – bis zum J. 1520, unter dem Namen »der elende Kretscham (d.h. Herberge für elende Pilger)« am Fuße des Berges (zwischen der Salzniederlage und dem jetzigen Gasthof zum goldenen Schiff, welcher um 1531 die Gastgerechtigkeit von ihm erhielt) bestand. Mit diesem war aber eine Kapelle vereinigt worden, welche dem h. Martin geweiht war, der auch auf einem alten Altargemälde darin abgebildet war, wie er seine Kleider (nach der Legende) zerreißt und unter die Armen vertheilt. – Einer anderen Ursache schreibt aber eine von der eben mitgetheilten abweichende Sage die Entstehung der Kapelle zu. Es lebte nämlich in der zweiten Hälfte des 15ten Jahrhunderts zu Meißen ein wackerer Bürgersmann, Namens Martin, seines Zeichens ein Maurer, der fast allen seinen Verdienst zur Unterstützung der Armen verwendete. Derselbe war auch mit unter den von dem Baumeister Arnold von Westphalen zur Erbauung der Albrechtsburg (1471-83) verwendeten Werkleuten, stürzte aber eines Tags von einem Gerüste herunter und ward in Folge dieses Falles, der ihn lange an's Krankenbett fesselte, zum Bettler, da er alle seine früheren Kräfte verloren hatte und contract geworden war. In Folge davon mußte er betteln gehen, und so floß denn, wenn er auf den Stufen des Doms, auf Krücken gestützt, die in's Gotteshaus Eilenden um Almosen anflehte, manche reichliche Gabe in seinen Bettlerhut. Siehe da kam die Pest mit ihren Schrecken, und Vater Martin ging nun in den angesteckten Häusern herum und brachte den Kranken, welche oft ihre eigenen Verwandten mieden, Trost, Abwartung und Hilfe, so daß manches Menschenleben lediglich durch seine Thätigkeit gerettet ward. Nachdem nun die Krankheit gewichen war, da schossen Rath und Bürgerschaft eine erkleckliche<pb xml:id="tg61.2.4.2" n="54"></pb>
 Summe zusammen, um ihm der Stadt Dankbarkeit zu beweisen. Martin aber lebte als Bettler fort und erbaute von dem ihm geschenkten Reichthume die Martinskirche, welche nach ihrem Erbauer auch die Bettelmannskirche genannt ward, und zum Andenken wurden in einem Steine im Innern der Kirche zwei Krücken<ref type="noteAnchor" target="#tg61.2.6"><anchor xml:id="tg61.2.4.3" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen/Erster Band/45. Die Bettelmannskirche zu Meißen#Fußnote_1"></anchor><ptr cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen/Erster Band/45. Die Bettelmannskirche zu Meißen#Fußnoten_1"></ptr><hi rend="superscript" xml:id="tg61.2.4.4.1">1</hi></ref> eingehauen, welche für ewige Zeit an ihren Träger erinnern sollten und noch zu sehen sind.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg61.2.5">Fußnoten</head><note xml:id="tg61.2.6.note" target="#tg61.2.4.3"><p xml:id="tg61.2.6"><anchor xml:id="tg61.2.6.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen/Erster Band/45. Die Bettelmannskirche zu Meißen#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg61.2.6.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen/Erster Band/45. Die Bettelmannskirche zu Meißen#Fußnote_1">1</ref> Die spätere Zeit hat die Krücken für Paniere erklärt, welche bezeichnen sollten, daß unter dem betreffenden Steine die Stiftungs-Urkunde der Kapelle verwahrt sei.</p></note></div></div></body></text></TEI>