<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">42. Die Roßtrappe bei Overrath</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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gegen den Berg stößt und diesen bis auf den nackten überhangenden Felsen unterspühlt hat, so daß man wenige Schritte von dem Fahrwege über den ihn begleitenden Fußpfad hinab in einen wohl hundert Fuß tiefen jähen Abgrund schaut, da glitt das Pferd gerade an der gefährlichsten Stelle aus, wurde vor seinem eigenen Schatten, der sich gegen den weißglänzenden Berg abspiegelte, scheu, setzte über den Fußpfad dem Fluße zu und stand jetzt mit den Hinterfüßen nur wenige Spannen von der Felsenwand, mit dem Vorderleibe aber schon über dem tiefen Abgrund. Da wandte sich der Reiter in der ärgsten Todesnoth mit herzlichem Gebet zu Gott, an den er bisher nur wenig gedacht hatte, und siehe, auf einmal war es, als wenn ein starker Arm das schon sinkende Roß vom Abgrunde zurückrisse und es den steilen Berg zulenke, wo der Reiter bald in vollständiger Sicherheit war. Die denselben Weg kommenden Fußgänger hatten aus der Ferne den Vorfall mit angesehen, jetzt sahen sie aber auch, wie der Reiter vom Pferde sprang, auf seine Kniee sank und inbrünstig betete. Von diesem Tage an aber ward der Vogt ein anderer Mann, all sein Stolz und Hochmuth war verschwunden und er war wieder das, was er längst hätte sein sollen, ein einfacher Bauersmann. Noch jetzt zeigt man ohngefähr eine Stunde Wegs von Overrath nicht blos jene gefährliche Stelle, sondern auch die Eindrücke der Hinterhufe des Pferdes, das über dem grausen Abgrunde geschwebt hatte, tief in den Felsen eingeprägt. Schon oft hat man diese Hufspuren mit Erde und Steinen ausgefüllt, aber jedesmal sind selbige am andern Morgen wieder entblößt und so frisch, als wären sie erst jetzt wieder eingetreten.</p></div></div></body></text></TEI>