<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">431. Die Zerstörung der Hainerburg</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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Lüsten zwang. Namenlose Wuth ergriff Rath und Bürgerschaft bei der Nachricht von diesem neuen Frevel ihrer bösen Nachbarn und man beschloß, in nächster Zeit ihre Zwingburg zu brechen. Dies dauerte aber dem beleidigten Vater und seinen tapfern Söhnen zu lange, sie erfuhren, daß ein Theil der Besatzung auf irgend einen Raubzug ausgezogen war, und beschlossen, auf eigene Gefahr hin die Burg zu ersteigen. Sie begaben sich zuvor in die Marienkirche und flehten die heil. Jungfrau um ihren Schutz und Beistand an, versprachen auch, daß wenn sie ihnen den Sieg erringen helfen werde, ihre Schwester ihrem Dienste zu weihen, und durch dieses Gebet gestärkt erstiegen sie noch dieselbe Nacht die hohen Mauern der Burg, überwältigten leicht die vom Schlaf gefesselten wenigen Vertheidiger derselben und warfen sich dann auf ihre Knie, um der heil. Jungfrau für ihre Hilfe zu danken. Und gleichsam neugestärkt und mit übermenschlicher Kraft ausgerüstet erhoben sich die acht Schlosser vom Gebete und machten sich sofort daran, die Mauern und festen Thürme zu zerstören. Und siehe, was Hunderten nicht möglich erschienen wäre, diese wenigen Hände brachen in einer Nacht den gewaltigen Bau und als der Morgen heranbrach, war von der Zwingburg nichts mehr übrig als Schutt und ein Trümmerhaufen. Das unglückliche Mädchen aber, welches man in der Burg gefunden, ward von ihren Verwandten in das Brückenkloster gebracht. Zwar ward die Stadt in Folge dieser Selbsthilfe vom Kaiser Rudolph im Jahre 1294 in die Reichsacht erklärt, aber nur zum Schein, denn bald verzieh ihr der gerechte Kaiser wieder, die Burg aber durfte niemals wieder aufgebaut werden.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg1489.2.3">Fußnoten</head><note xml:id="tg1489.2.4.note" target="#tg1489.2.1.1"><p xml:id="tg1489.2.4"><anchor xml:id="tg1489.2.4.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/431. Die Zerstörung der Hainerburg#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg1489.2.4.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/431. Die Zerstörung der Hainerburg#Fußnote_1">1</ref> Nach Thüringen und der Harz Bd. VI. S. 15.</p></note></div></div></body></text></TEI>