<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">402. Bogislaus X. zu Rügenwalde und Hans Lange</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
                                        Bibliothek inklusive Metadaten sowie davon einzeln zugängliche Teile
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid12937</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/402. Bogislaus X. zu Rügenwalde und Hans Lange</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>452-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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Schuhe und staffirte ihn so anständig heraus, daß er nun eher wie ein Herzogssohn aussah.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg2376.2.5">Mittlerweile starb aber sein Vater Herzog Erich zu Wolgast (1474) vor Gram über seine ungetreue Frau und nicht lange darauf starben ihm seine beiden ältesten Söhne, Wratislav und Casimir, wahrscheinlich von ihrer eigenen Mutter vergiftet, nach und nun war auch wahrscheinlich Bogislav das Brod gebacken<ref type="noteAnchor" target="#tg2376.2.7"><anchor xml:id="tg2376.2.5.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/402. Bogislaus X. zu Rügenwalde und Hans Lange#Fußnote_1"></anchor><ptr cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/402. Bogislaus X. zu Rügenwalde und Hans Lange#Fußnoten_1"></ptr><hi rend="superscript" xml:id="tg2376.2.5.2.1">1</hi></ref>, wenigstens wollte die verwittwete Herzogin als seine angebliche Vormünderin das Regiment an sich reißen. Da kam Hans Lange abermals zur Stadt und rieth dem Prinzen zu entfliehen und sich zu seinem Oheim Wratislav zu begeben, der ihm rathen werde, was er thun solle, er verschaffte ihm auch ein Pferd mit Zubehör, ein Schwert und was er sonst noch brauchte. Damit ritt dieser denn nach Vorpommern zu seinem Onkel Herzog Wratislav, nachdem sich unterwegs an die dreihundert von Adel zu ihm gefunden hatten. Sein Oheim aber rieth ihm nach Rügenwalde aufzubrechen und seine Mutter gefangen zu nehmen und selbst das Regiment in die Hand zu nehmen. Dies that er auch, unterwegs fanden sich aber noch sehr viele von seinen Lehnsleuten und Dienstmannen zu ihm, so daß seine Mutter Angst bekam und seine Ankunft nicht abwartete, sondern noch eher nach Danzig mit ihrem Buhlen und Schätzen floh. Der junge Herzog übernahm nun die Regierung und berief Hans Lange zu sich und hieß ihm sich von ihm ausbitten, was er wolle, er solle Alles bekommen. Derselbe aber verlangte nichts und bat nur, daß er Zeit seines Lebens frei sein möchte von aller Unpflicht. Als ihm aber der Herzog dies auch für seine Kinder anbot, wies er es von sich und sagte, seine Kinder möchten nur Bauern bleiben, wenn sie sich wohl schickten, könnten sie keinen bessern Stand haben. Er behielt aber stets bei Hofe freien Zutritt und durfte den Herzog nach wie vor Du nennen. Wenn aber dieser Jemand absetzen wollte, so widerrieth es Hans Lange und sagte: »Du wirst ja einen nicht abschaffen, den wir Bauern bis hierher gefüttert haben, und wirst uns dafür eine hungrige Laus in den Pelz setzen, die uns aufs Neue das Blut aus dem Leibe saugt.«</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg2376.2.6">Fußnoten</head><note xml:id="tg2376.2.7.note" target="#tg2376.2.5.1"><p xml:id="tg2376.2.7"><anchor xml:id="tg2376.2.7.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/402. Bogislaus X. zu Rügenwalde und Hans Lange#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg2376.2.7.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/402. Bogislaus X. zu Rügenwalde und Hans Lange#Fußnote_1">1</ref> Man sagt, seine Mutter habe ihm einst mit eigener Hand ein Butterbrod geschmiert, und da sei ihr Hofnarr, als er es gerade habe essen wollen, zu ihm getreten und habe ihm gesagt, er solle es dem Hunde geben, es sei unrein. Bogislav that dies auch, stellte sich als wolle er das Butterbrod vor der Thüre essen, steckte es ein und gab es seinem Hunde, der es fraß und am andern Tage daran starb. Seit der Zeit hat er nie wieder was aus der Hand seiner Mutter angenommen (S. Kantzow, Pomerania Bd. II. S. 160).</p></note></div></div></body></text></TEI>