<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">466. Der Herthasee und die Herthaburg</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid14188</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/466. Der Herthasee und die Herthaburg</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>494-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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von der Farbe seines Wassers, das völlig rein und klar ist, sondern von seiner finstern und zwischen zwei waldigen Anhöhen eingeklemmten Lage und davon, daß die Schlagschatten der Bäume, die ihn an seiner Nordseite, sowie am östlichen Rande einfassen, sich zu gewissen Tageszeiten über ihn hinstrecken und seinen Spiegel verdunkeln. Man findet in ihm große Hechte, deren Rücken mit Moos bewachsen sind, aber früher hat der Teufel sehr oft seine Possen mit den von den Fischern hier gebrauchten Fischgeräthschaften getrieben. Angeblich badete sich ehedem alljährlich die Göttin Hertha, welche auf dieser Burg, d.h. in einem Tempel, der in dem Innern dieses Walles, einem ohngefähr 164 Schritte langen ebenen Raume gestanden haben soll, verehrt ward und gewissermaßen bei ihnen die Mutter Erde vorstellte. Von hier ward der heilige Wagen, der mit einem geheimnißvollen Schleier bedeckt war, und von zwei Kühen gezogen wurde, herabgelassen. Nur ihr geweihter Priester durfte sie begleiten, die Sclaven aber, welche diese Zugthiere den steilen Abhang nach dem See zu hinnableiteten, wurden, sobald sie ihre Dienste verrichtet hatten, alsbald in dem See ertränkt, weil jeder Uneingeweihte, der die Göttin gesehen hatte, sterben mußte.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg2440.2.5">An jener Stelle ist es aber heute noch nicht geheuer, denn man sieht oft bei hellem Mondenscheine aus dem Walde, wo die Herthaburg gestanden hat, eine schöne Frau, die von vielen Dienerinnen begleitet ist, herabkommen und nach dem See hinabgehen, dort verschwindet sie, man hört aber das Plätschern der Badenden im Wasser. Den Wanderer aber, der dies sieht, zieht es mit wunderbarer Gewalt jener Sirene nach, sobald er aber das Wasser berührt hat, sinkt er unter und kommt nie wieder ans Tageslicht. Man darf auch weder einen Kahn noch ein Netz auf den See bringen. Einmal hatten Leute es gewagt, auf diesem Wasser herumzufahren, und dann den Kahn dort gelassen. Am andern Tage war er verschwunden und erst nach langem Suchen fanden sie ihn auf dem Wipfel einer hohen Buche wieder, aus dem See rief aber eine Stimme: »Ich und mein Bruder Nickel haben dies gethan!«</p></div></div></body></text></TEI>