<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">435. Das Kloster am Gollenberge</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid13596</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/435. Das Kloster am Gollenberge</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>467-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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zeigte sich ein helles Licht. Sie steuerten darauf hin, landeten und waren Alle gerettet. Zum dankbaren Angedenken und zur Erinnerung an die gnädige Hilfe des Christengottes bauten die Geretteten eine Kapelle mit schönem Altar, die nachher von vielen Gläubigen besucht ward.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg2409.2.6">Im Jahre 1415 hat ein Edelmann, Peter Bulgerin, der nicht weit von diesem Berge wohnte, im Jähzorn seinen Bruder erschlagen. Um sein Verbrechen zu sühnen, ist er nach den berühmtesten Wallfahrtsorten in Europa gepilgert, hat aber nirgends eine Beruhigung seines Gewissens finden können. Endlich hat er die Mönche zu Compostella gefragt, ob sie nicht noch einen kräftigern Wallfahrtsort wüßten, und diese haben ihm den Gollenberg in Pommern als noch viel heiliger, wie den ihrigen empfohlen. Da ist er zornig geworden und hat gesagt, er brauche nicht darum so viele Meilen weit zu wandern, wenn er den Berg, wo er so oft seines Vaters Ochsen gesucht, so in der Nähe habe. Er ist also dorthin zurückgekehrt, hat aber auch keine Ruhe gefunden, sich den Dolch in die Brust gestoßen und wandelt nun dort als ruheloser Schatten herum.</p></div></div></body></text></TEI>