<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid13410</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>363-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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117 Ruthen. Der Durchmesser der oberen Peripherie ist 51, der des Spiegels 36 Ruthen. Früher war eine schwimmende Insel darauf, die vom Blitze auseinander geschlagen ward und zuletzt festwurzelte. Ueber die Entstehung dieser Löcher hat man folgende Sage.<ref type="noteAnchor" target="#tg1483.2.9"><anchor xml:id="tg1483.2.3.2" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen#Fußnote_2"></anchor><ptr cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen#Fußnoten_2"></ptr><hi rend="superscript" xml:id="tg1483.2.3.3.1">2</hi></ref></p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg1483.2.4">In alten Zeiten war an der Stelle des Sees eine Grasweide. Da hüteten etliche Pferdejungen ihr Vieh, und als die andern sahen, daß einer unter ihnen weißes Brod aß, bekamen sie auch Lust, davon zu genießen und forderten es dem Jungen ab. Dieser wollte ihnen aber nichts davon mittheilen und gab vor, er bedürfe es zur Stillung seines eigenen Hungers. Darüber erzürnten sie, fluchten ihren Herren, daß sie ihnen blos gemeines, schwarzes Hausbackenbrod gäben, warfen ihr Brod frevelhaft zur Erde, traten es mit Füßen und geißelten es mit ihren Peitschen. Alsbald kam Blut aus dem Brode geflossen. Da erschracken die Knechte und wußten nicht, wohin sie sich vor Angst wenden sollten. Der Unschuldige aber, den, wie Einige hinzufügen, ein alter unbekannter, dazukommender Mann gewarnt haben soll, schwang sich zu Pferd und entfloh dem Verderben. Zu spät wollten die andern nachfolgen, sie konnten nicht mehr von der Stelle und plötzlich ging der ganze Platz unter. Die bösen Buben wurden sammt ihren Pferden tief in die Erde verschlagen und nichts von ihnen kam je wieder an's Tageslicht. Aus dem See aber wachsen seitdem Pflanzen mit Blättern gleich Hufeisen.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg1483.2.5">In der Nähe des Dorfes Salza bei Nordhausen befindet sich das sogenannte Loch, in welchem sich die Quelle der Salza bildet. Es ist zirkelrund, hat cristallhelles Wasser und wenn die Sonnenstrahlen darauf fallen, blickt man tief hinab in ein trichterförmiges, grausiges, aber wunderschönes Wasserbecken. Man glaubt einen Zaubergarten vor sich zu sehen, denn die Seitenwände sind mit Wasserpflanzen bedeckt, die leise hin und her schwanken und aus lauter funkelnden Edelsteinen verfertigt zu sein scheinen. Blätter, breit und gezackt, wie aus Rubin, Zweige, wie aus Gold- und Rauchtopas, Moos und Flechten aller Art, aber Alles ist wie mit einem Anstrich von Smaragdgrün überflossen und der ganze Quell selbst sieht wie ein smaragdner Kelch aus.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg1483.2.6">Fußnoten</head><note xml:id="tg1483.2.7.note" target="#tg1483.2.1.1"><p xml:id="tg1483.2.7"><anchor xml:id="tg1483.2.7.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg1483.2.7.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen#Fußnote_1">1</ref> Nach Thüringen Bd. IV. S. 135. 141.</p></note><note xml:id="tg1483.2.9.note" target="#tg1483.2.3.2"><p xml:id="tg1483.2.9"><anchor xml:id="tg1483.2.9.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen#Fußnoten_2"></anchor><ref xml:id="tg1483.2.9.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/425. Die Seelöcher bei Crimderode und bei Wechsungen#Fußnote_2">2</ref> Nach Behrens, Curioser Harzwald S. 85, und Grimm, Deutsche Sagen No. 237. Abweichend Gottschalk S. 36 etc.</p></note></div></div></body></text></TEI>