<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">46. Die verbrannten Ketzer zu Cölln</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid14082</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Die Rheinprovinz/46. Die verbrannten Ketzer zu Cölln</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>59-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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Judenkirchhof geführt, um dort den Feuertod zu leiden. Dort verlangte einer derselben, mit Namen Arnaldus, den die Uebrigen als ihr Haupt verehrten, ein Stück Brod und einen Becher mit Wasser zum Trinken. Allein dies ward ihm verweigert, damit er nicht etwa irgend ein teuflisches Werk damit ausführen könne, sondern Alle auf einen Scheiterhaufen gestellt. Mitten in der Gluth aber erhob sich Arnaldus und legte seine Hände auf die bereits halbverbrannten Häupter seiner Schüler und sprach laut die vernehmbaren Worte: »Bleibt standhaft in Euerem Glauben, noch heute werdet ihr bei Laurentius sein.« Unter diesen Unglücklichen befand sich aber eine Jungfrau von äußerst schöner Gestalt und mit den wunderbarsten Reizen begabt. Dieselbe sollte zwar ebenfalls ihres Abfalls vom römisch-katholischen Glauben wegen an jenem Tage den Feuertod erleiden, allein von ihrer Schönheit gerührt bot man ihr das Leben an, wenn sie in ein Kloster treten oder sich augenblicklich mit einem guten Christen verheirathen wolle. Das Mädchen aber hielt die Leiber der schon erstickten oder halbverbrannten Leidensgefährten fest umschlungen und die Zuschauer legten dieses ihr Zaudern als den Anfang zur Umkehr und Reue aus. Da fragte sie plötzlich die Henkersknechte: »Wo liegt Arnaldus mein Lehrer, den Ihr meinen Verführer zu nennen beliebt?« Und als dieselben ihr den schon halbverkohlten und nicht mehr kenntlichen Körper desselben gezeigt hatten, da entschlüpfte sie plötzlich ihren Händen, ohne daß sie es hindern konnten, verhüllte ihr Angesicht mit ihren Kleidern, stürzte sich in die Flammen und indem sie die Ueberreste ihres Lehrers und Meisters umschlang, theilte sie freiwillig das Loos ihrer Schicksalsgenossen.</p></div></div></body></text></TEI>