<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid14737</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/West- und Ostpreußen/498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>524-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name.</head><milestone unit="head_start"></milestone><p rend="zenoPC" xml:id="tg2473.2.2"><seg rend="zenoTXFontsize80" xml:id="tg2473.2.2.1">(S. Waissel, Chronica v.d. Lande Preußen S. 10. Hartknoch Th. I. S. 72 etc. Voigt, Gesch. Preußens Bd. I. S. 607 etc.)</seg></p><milestone unit="head_end"></milestone><lb xml:id="tg2473.2.3"></lb><p xml:id="tg2473.2.4">Als die Gothen zum größten Theile aus dem heutigen Lande Preußen fortgezogen waren, sind die Preußen ins Land gekommen. Diese haben dereinst um die Riphäerberge gewohnt, da wo sich dieselben nach Mitternacht hin erstrecken, nicht weit von dem Flusse Tanais (Don). Weil dort aber immer ewiger Schnee ist, sind sie bewogen worden, sich einen andern Wohnsitz zu suchen und sind in dies Land gekommen, welches ihnen sehr gefallen hat, und nicht weitergezogen wegen seiner Fruchtbarkeit an Aeckern, Weide und Gewässern, haben es für sich und ihre Kinder zur Wohnung erwählt und nach ihrem Volke Poreußen genannt, woraus dann mit Weglassung eines einzigen Buchstabens Preußen geworden ist. <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.4.1">Porussi</hi> oder <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.4.2">Borussi</hi> bedeutet nämlich eigentlich die unter den Russen Wohnenden (von <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.4.3">po</hi> [altpreußisch] oder <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.4.4">pod</hi> [polnisch] = unterhalb).</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg2473.2.5">Es giebt jedoch noch eine andere Sage hierüber. Es sollen nämlich die Masovier, welche früher als ihre Nachbarn, die Brutener, das Christenthum annahmen, letztere um ihrer Trunksucht und Rohheit halben die Bruten (v. lat. <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.5.1">brutus</hi>) die Unvernünftigen oder Dummen genannt haben. Darüber wurden dieselben aber so aufgebracht, daß sie mit einem starken Heere gegen dieselben aufbrachen und bei Neidenburg mit ihnen zusammenstießen. Endlich aber wurden die Masovier des Kampfes müde und schickten Abgesandte an sie, wie sie könnten besänftigt werden. Darauf antworteten ihnen die Brutener, sie müßten ihre Götter mit verehren und den Schimpfnamen nicht mehr brauchen. Die Masovier aber entgegneten, ihre Götzen könnten sie nicht verehren, wenn sie aber das Bild Christi auf die heilige Eiche setzen wollten, so wollten sie derselben ihre Verehrung bezeigen, den Schimpfnamen aber wollten sie gern zurücknehmen, denn sie sähen ein, daß die Brutener nicht unvernünftige (<hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.5.2">bruti),</hi> sondern vorwissende (<hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.5.3">praescii)</hi> Leute wären. Dies nahmen die Brutener auch an und so ist aus <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.5.4">praescii</hi> durch Verdrehung <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.5.5">Prussi</hi> (Preußen) entstanden, wie denn auch das altpreußische Wort <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.5.6">prussia</hi> soviel bedeutet als: er wird verstehen.<ref type="noteAnchor" target="#tg2473.2.8"><anchor xml:id="tg2473.2.5.7" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/West- und Ostpreußen/498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name#Fußnote_1"></anchor><ptr cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/West- und Ostpreußen/498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name#Fußnoten_1"></ptr><hi rend="superscript" xml:id="tg2473.2.5.8.1">1</hi></ref></p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg2473.2.6">Ueber diesen Namen hat nun aber ein Edelmann zu Bromberg, ein mächtiger Herr einmal gespottet und gesagt: »Wenn meine Hunde Rehe würden, so möchten sie solche <hi rend="italic" xml:id="tg2473.2.6.1">praescii</hi> auch werden«; allein dies haben die Brutener sehr übel genommen, sind in Polen eingefallen und haben den frechen Spötter, als er ihnen entgegenzog und um Vergebung bat, festgenommen, auf sein Pferd gebunden und sammt diesem ihren Göttern lebendig verbrannt.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg2473.2.7">Fußnoten</head><note xml:id="tg2473.2.8.note" target="#tg2473.2.5.7"><p xml:id="tg2473.2.8"><anchor xml:id="tg2473.2.8.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/West- und Ostpreußen/498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg2473.2.8.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/West- und Ostpreußen/498. Der Ursprung der Preußen und ihr Name#Fußnote_1">1</ref> Ueb. and. Ableitungen d. Namens s. Eckermann, Lehrb. d. Mythol. Bd. IV. S. 350.</p></note></div></div></body></text></TEI>