<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">462. Freßkahle zu Wittenberg</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid14139</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/462. Freßkahle zu Wittenberg</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>394-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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 Namen gemacht. Die Natur scheint ihn nicht gerade zu diesem derben Appetit gezwungen zu haben, aber für ein Stück Geld war er sogleich bereit, Alles, was man verlangt, zu verzehren, z.B. einen ganzen Schöps, ein Ferkel etc. Dann wieder einmal acht Schock Pflaumen mit den Kernen, ferner vier Metzen Kirschen etc. Dies zeigt von starkem Hunger, aber sein Appetit verschlang auch irdene Tiegel, Krüge, Schüsseln, Teller etc., ja sogar einmal einen halben Ofen, ferner Glas, Kieselsteine zerquetschte er mit den Zähnen und wenn er in die Bürgerhäuser kam, bat er um eine Kieselsteinsuppe. Man gab ihm dann eine gute Brühsuppe mit Brod; gewöhnlich ließ er die Steine liegen, verlangte man's aber, so aß er sie. Ein anderes Mal verschlang er für Geld einen ganzen Dudelsack, so daß der Spielmann die Flucht ergriff, aus Furcht, daß an ihn selbst die Reihe kommen möchte. Lebendige Thiere, Vögel, Mäuse etc. verschlang er, so daß der eigene Laut dieses Geschöpfes aus seinem Bauche heraus vernommen wurde. Einmal verschluckte er in Gegenwart von sieben, später deshalb eidlich abgehörten Personen ein ganzes Tintenfaß aus Eisen und Zinn, zugleich mit den Federn, Federmesser, Tinte und Sand. Ebenso außerordentlich war seine Stärke mit den Zähnen selbst. Er zog einstmals aus einem Rade mit den Zähnen allein alle die großen Nägel, womit es beschlagen war, heraus. Vermittelst einer bloßen Leine trug er mit den Zähnen den größten Ambos von einer Schmiede weg, den kaum zwei Schmiedegesellen bewegen konnten. Auf seinem Rücken trug er einst vier derbe Bauern aus dem Dorfe Pratau in die Stadt, ohne auszuruhen. Dies trieb er bis ins 60. Jahr, dann fing er aber an mäßig zu leben und brachte sein Leben bis auf 79 Jahre. Als er nach seinem Tode secirt wurde, ward das Innere seines Magens mit langen rauhen Haaren bewachsen gefunden.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg1520.2.3">Fußnoten</head><note xml:id="tg1520.2.4.note" target="#tg1520.2.1.1"><p xml:id="tg1520.2.4"><anchor xml:id="tg1520.2.4.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/462. Freßkahle zu Wittenberg#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg1520.2.4.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/462. Freßkahle zu Wittenberg#Fußnote_1">1</ref> S. <hi rend="italic" xml:id="tg1520.2.4.3">Dr.</hi> G.R. Böhmer, <hi rend="italic" xml:id="tg1520.2.4.4">De polyphago et allotriophago Wittenbergensi. Viteb.</hi> 1757 in 4°.</p></note></div></div></body></text></TEI>