<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">488. Der Hülfenberg bei Geismar</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid14570</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/488. Der Hülfenberg bei Geismar</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>433-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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und Karl der Große habe auf ihm eine Kapelle erbaut. Diese Sage ist aber eine Verwechselung mit dem Berge Osnegg bei Detmold in Westphalen, denn hier, und nicht an der Werra, schlug Karl die Sachsen. Allerdings hieß dieser Berg hier zuerst Stufenberg und später erst »Sente Gehülfin Berg«, allein dieser Name ist entweder aus dem lateinischen <hi rend="italic" xml:id="tg1546.2.2.2">Mons Sancti Salvatoris</hi> verderbt oder kommt von dem erwähnten Bilde der heil. Wilgefortis (<hi rend="italic" xml:id="tg1546.2.2.3">sanctum auxilium</hi> [heilige Hülfe] genannt) her. Jedenfalls gehen aber die Wallfahrten dahin bis zum Jahr 1360 zurück. Wie anderwärts war es auch hier der frommen Pilger Gewohnheit, der Kirche Geschenke zu machen, welche in derselben aufgehängt wurden und häufig Gegenstände aus Wachs waren; so sah man daselbst Krücken, Köpfe, Arme und Füße aus Wachs, aber es waren auch andere kostbarere Weihgeschenke hier, die meistens aus Braunschweig und Hildesheim hierher gekommen sein mögen. Ueber die hier gethanen Wunderkuren existiren von den Jesuiten im Jahre 1576 angelegte Tagebücher, allein auch die Lutheraner wissen deren zu berichten, und namentlich sind dadurch mehrere der Letztern bestimmt worden zur katholischen Kirche überzutreten.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg1546.2.3">Im Jahre 1606 wurde ein Mann, Namens Andreas Spillner, zu Ecklingerode im Duderstädtischen beim Mergelgraben vom herabstürzenden Erdreiche ganz verschüttet. Als seine Frau die traurige Kunde des Geschehenen erhielt, fiel sie auf die Kniee und that das Gelübde, sie wolle, wenn ihr Mann lebendig herausgegraben werde, mit ihm eine Wallfahrt nach dem Hülfenberge thun. Nach zwei Stunden fand man den Verschütteten endlich, zwar lebend, aber dergestalt verstümmelt und zerquetscht, daß ihn der Arzt verloren gab. Nur allmählig erholte er sich wieder und schleppte sich mittelst der Krücken und in Begleitung seiner Frau zu Pfingsten nach dem Hülfenberge, wo er beichtete und communicirte. Darauf fühlte er bald eine solche Stärke in seinen Gliedern, daß er ohne Krücken in einem Tage gesund nach Hause gehen konnte.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg1546.2.4">Ein anderer Jesuit sah 1621 einen fremden Mann mit Krücken in die Kirche des Hülfenberges kommen und dieselben im Kirchengewölbe aufhängen. Er rief ihn zu sich und frug den Mann, der in seinen besten Jahren, stark und wohlgebildet war: warum er jene Krücken mitbringe. Der Fremde antwortete darauf, daß er seit zwei Jahren nicht habe auf seine Füße treten können und bereits alle Hoffnung aufgegeben, je wieder gesund zu werden, als er zu einer Wallfahrt nach dem Hülfenberge aufgefordert worden sei. Er habe sie gethan, sei gesund geworden und wolle nun zum Geschenke zwei Füße von Wachs neben seinen Krücken hier aufhängen. Der Mann hieß Heinrich Fell und war aus dem Fürstenthum Fulda gebürtig.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg1546.2.5">Fußnoten</head><note xml:id="tg1546.2.6.note" target="#tg1546.2.1.1"><p xml:id="tg1546.2.6"><anchor xml:id="tg1546.2.6.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/488. Der Hülfenberg bei Geismar#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg1546.2.6.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Erster Band/Provinz Sachsen und Thüringen/488. Der Hülfenberg bei Geismar#Fußnote_1">1</ref> S. Thüringen und der Harz Bd. VII. S. 74 etc.</p></note></div></div></body></text></TEI>