<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">500. Die Bockheiligung bei den alten Preußen</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid15090</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/West- und Ostpreußen/500. Die Bockheiligung bei den alten Preußen</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>527-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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Macht er habe. Darnach führen sie den Bock in die Scheune, dort heben sie ihn auf und gehen alle umher. Der Wurschkayt ruft nun die Götter abermals an, hat sich aufgeschürzt und spricht: »Dies ist das löbliche Gedächtniß unserer Väter, auf daß wir den Zorn unserer Götter versöhnen«, und sticht den Bock in die Kehle. Das Blut lassen sie nicht auf die Erde kommen und mit demselben besprengen sie ihre Habe und ihr Vieh. Darnach schlachten sie das Thier und thun das Fleisch in einen Kessel und die Männer setzen sich umher um das Feuer und die Weiber bringen den Weizenteig und machen davon Küchlein und geben diese den Männern, dieselben werfen das ungebackene Brod durch das flammige Feuer einer dem andern zu, bis sie vermeinen, daß es gar sei. Wenn aber das Fleisch gar ist, so theilen sie das Fleisch und Brod aus und essen und trinken aus Hörnern die ganze Nacht. Am Morgen früh vor Tagesanbruch gehen sie alle vor das Dorf hinaus und tragen mit sich Knochen und Brosamen und alles, was übrig geblieben ist. Das legen sie auf die Stätte, die sie sich ausersehen haben, und vergraben es und tragen alle zusammen Erde darauf und wachen, daß kein Hund dazukommt. Darnach scheiden sie nach Hause und befehlen sich den Göttern und thun Danksagung ihrem Signoth, den sie Wurschkayten heißen. Diese Gewohnheit, den Bock zu heiligen, ist noch eine lange Zeit auch bei den Zeiten des Ordens unter etlichen Preußen geblieben, vornehmlich bei den Sudaven, welche man lange noch die Bockheiliger geheißen hat, bis daß sie mit der Zeit durch die Obrigkeit und ihre Prediger davon sind abgehalten worden. Indeß haben noch im Jahre 1531 sich sechs Dörfer im Samland heimlich zusammengethan, einen Weydelotten gewählt und dieser hat ihnen eine fette Sau heiligen müssen, und so haben sie ihre Kirchweih etliche Tage gehalten, vermeinend, ihre Götter wieder zu versöhnen, damit sie wiederum viele Fische fangen möchten. Denn die Buben hatten Gott erzürnt, indem, da er ihnen genugsam bescheert, sie die Fische mit den Schwänzen aufhingen, sie stäupten und sagten, sie sollten sobald nicht wiederkommen. Das Fleisch von dieser geschlachteten Sau ward in kleine Stücke zerhauen, gebraten und endlich also verzehrt, die Knochen aber, wie auch die übrigen Brocken außerhalb des Hauses verbrannt. Auch noch in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts haben die Bauern zu gewisser Zeit in der Nacht allerhand Speisen zubereitet und die Erstlinge mit gewissen Gebetlein eingeweihet. Hernach sind die Teufel gerufen worden und die Stube wohl verschlossen, damit sie also allein die Speisen verzehren möchten, wie denn auch allen Hausgenossen bei Leibes und Lebens Strafe verboten worden ist, in dieses Gemach zu gehen. Sie meinten aber, daß dadurch der Teufel versöhnt werde, damit er dem Viehe oder den Feldfrüchten keinen Schaden zufüge.</p></div></div></body></text></TEI>