<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">452. Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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                                    Philologie, Georg-August-Universität Göttingen</orgName><address><addrLine>Käthe-Hamburger-Weg 3, 37073 Göttingen</addrLine><country>Germany</country></address></publisher><pubPlace>Göttingen</pubPlace><date type="publication">2016-06</date><availability corresp="#textsource-1" xml:id="availability-textsource-1"><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/"><p>CC-BY-3.0</p></licence></availability><idno type="kolimo">kid13944</idno></publicationStmt><notesStmt><!--kolimo-date is an aproximation for publication year and is derived from author birth year +20--><note type="SourcePath">/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/452. Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer</note><note type="kolimo-date">1834</note><note type="author-gender">männlich</note></notesStmt><sourceDesc><biblFull><titleStmt><title>Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau: Carl Flemming, 1868/71.</title><author key="pnd:104076534">Grässe, Johann Georg Theodor</author></titleStmt><extent>479-</extent><publicationStmt><date notAfter="1871" notBefore="1868"></date><pubPlace>Glogau</pubPlace></publicationStmt></biblFull></sourceDesc></fileDesc><encodingDesc><editorialDecl><p>
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dieser Höhle bis auf den heutigen Tag nicht geheuer, um Mitternacht steige aus ihr eine trauernde Jungfrau, ein weißes Tuch in der Hand haltend, hervor und suche in dem Wasser die in dem Tuche befindlichen Blutflecken herauszuwaschen. Da ihr dies aber nicht gelinge, so verschwinde sie allemal wieder mit trauriger Miene. Man sagt nun, sie sei ein vornehmes Fräulein aus Riga gewesen, welche Störtebecker ihrem Bräutigam vom Traualtar weg entführt und hier nach der Höhle am Waschstein geschleppt habe, wo er sie bei seinen Schätzen eingeschlossen habe. Da er nun aber im Jahre 1402 sammt seinen Spießgesellen von den Hamburgern gefangen genommen und hingerichtet ward, mußte die Jungfrau, von der Niemand wußte, elendiglich in der Höhle umkommen und dort sitzt sie noch als ruheloser Geist bei den Schätzen und bewacht sie. Eines Nachts sah sie ein Fischer, als sie das Tuch im Meere auswusch. Er faßte sich ein Herz und redete sie an und sprach: »Gott helf Dir schöne Jungfrau, was thust Du hier?« Da trat sie zu ihm hin und hieß ihn ihr folgen, sie wolle sein Glück machen, weil er »Gott helf« zu ihr gesprochen. Sie führte ihn nun in eine große Höhle, die er zuvor nie gesehen hatte, wo große Haufen Silber- und Goldstücke und kostbare Juwelen lagen. Auf einmal vernahm er auf dem Meere Ruderschlag, ein großes schwarzes Schiff rauschte heran und aus demselben stiegen viele hundert Männer in alter Tracht, jeder seinen Kopf unter dem Arm. Sie traten einer nach dem andern in die Höhle und fingen an in den Schätzen zu wühlen und die Geldstücke zu zählen. Nachdem sie dies eine Zeit lang gethan, verschwanden sie wieder in derselben schauerlichen Weise, wie sie gekommen waren. Es waren die zu ewigem Umherwandeln verdammten Geister Störtebeckers und seiner Kameraden. Als sie alle hinaus waren, da füllte die Jungfrau dem Fischer einen großen Krug mit Goldstücken und Kleinodien, geleitete ihn wieder zu seinem im Meere liegenden Boote und verschwand dann wieder unter dem Waschstein, aber Niemand hat sie je wiedergesehen.</p></div><div type="footnotes"><head type="h4" xml:id="tg2426.2.5">Fußnoten</head><note xml:id="tg2426.2.6.note" target="#tg2426.2.4.1"><p xml:id="tg2426.2.6"><anchor xml:id="tg2426.2.6.1" n="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/452. Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer#Fußnoten_1"></anchor><ref xml:id="tg2426.2.6.2" cRef="/Literatur/M/Grässe, Johann Georg Theodor/Sagen/Sagenbuch des Preußischen Staats/Zweiter Band/Pommern/452. Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer#Fußnote_1">1</ref> S. Grümbke, Darst. v. Rügen Bd. I. S. 42.</p></note></div></div></body></text></TEI>