<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title type="main">50. Der heilige Reinold</title><author><persName ref="http://d-nb.info/gnd/104076534">Graesse, Johann Georg Theodor</persName><country>Deutschland</country><birth>1814.0</birth><death>1885.0</death></author><respStmt corresp="#availability-textsource-1" xml:id="textsource-1"><orgName>TextGrid</orgName><resp><note type="remarkResponsibility"> Der annotierte Datenbestand der Digitalen
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 Schmerzen lag, ein Engel erschien und ihr entdeckte, wie an jener Stelle des Rheins der Körper des St. Peterswerkmanns versenkt liege. Gleich am andern Morgen ließ sich die Frau hinaus zum Ufer bringen, und wirklich sah sie einen Sack über den Fluthen schwimmen, nach dessen Anblick nun, als sie vertrauungsvoll zu Gott gebetet, ihr Gebrechen von ihr wich. Sie zog nun selbst den Sack ans Ufer und alsbald fingen alle Glocken der Stadt ohne alle menschliche Beihilfe an zu läuten und läuteten so lange der Leichnam am Ufer lag. Feierlichst wurde der heilige Leichnam darauf von dem Bischof Hildebold und der ganzen Clerisei in die Stadt gebracht, wo man den ritterlichen Helden, der sich also vor Gott und den Menschen gedemüthigt hatte, an einem goldenen Gürtel erkannte, auf welchem die Worte: »Reinold Herzog von Montalban« gestickt waren.</p><p rend="zenoPLm4n0" xml:id="tg1971.2.8">Durch mancherlei Wunder, die bei dem heiligen Leichnam geschahen, verkündigte der Herr den Gläubigen seine Macht und als die Bürger der Stadt Dortmund, die um diese Zeit auch zum christlichen Glauben bekehrt ward, von den Wunderwerken hörten, wallfahrteten sie gen Cölln und begehrten von dem Bischofe einen Theil der Reliquien, auf daß der Heilige ihre Stadt schütze und sie desto eifriger im Glauben würden. Der Bischof schlug ihnen zwar anfangs ihr Begehren ab, als man aber drei Morgen hintereinander den Leichnam des h. Reinold vor der Klosterpforte stehen sah, so war auch kein Zweifel mehr, daß der Herr dadurch seinen Willen kund gethan habe. Der Bischof übergab also den Bürgern den Leichnam des h. Reinold, daß sie denselben nach ihrer Stadt führen sollten. Als nun derselbe über den Rhein gebracht und sammt dem Kasten, in welchem er sich befand, auf einen Karren geladen worden war, um ihn so in feierlichem Zuge nach Dortmund zu führen, fing der Karren, ohne daß ihn ein Mensch oder Pferd gezogen, von selbst an sich fortzubewegen, und stand erst in der Stadt Dortmund still an der Stelle, wo jetzt das St. Reinoldsmünster, wie es noch zu sehen ist, erbaut worden. Der h. Reinold hat sich aber in Kriegsnöthen stets als tapferer Beschützer der Stadt Dortmund erwiesen, denn er hat in glänzender Rüstung auf der Stadtmauer gestanden und mannhaft die anstürmenden Feinde zurückgetrieben.</p></div></div></body></text></TEI>