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			<titleStmt>
				<title>Dokumentation über die Situation körperbehinderter Jugendlicher im Berufsbildungswerk "Friedehorst" in Bremen-Lesum (1973)</title>
				<funder>Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)</funder>
				<principal>
					<rs type="person">Prof. Dr. Gabriele Lingelbach</rs>
					<affiliation>
						<rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2097883-2">
							Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
						</rs>
						<address>
							<street>Leibnizstr. 8</street>
							<postCode>24118</postCode>
							<settlement>Kiel</settlement>
							<country key="XA-DE">Deutschland</country>
						</address>
					</affiliation>
				</principal>
<respStmt><resp>Transkription von</resp>
					<name type="person">Raphael Rössel</name></respStmt>
				<respStmt>
					<resp>Ausgezeichnet durch</resp>
					<name type="person">Raphael Rössel</name>
				</respStmt>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<distributor>
					<rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2097883-2">
						Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
					</rs>
				</distributor>
				<availability>
					<licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/">
						<p>Lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung -
							Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-SA 3.0 DE)
						</p>
					</licence>
				</availability>
				<date when-iso="2017-9">September 2017</date>
			</publicationStmt>
			<seriesStmt>
				<title>Quellensammlung zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland seit 1945</title>
				<editor>DFG-Projekt "Menschen mit Behinderung in Deutschland nach
					1945.Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen
					Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History"</editor>
			</seriesStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl><author>Gerhard Tersteegen</author> (Redaktion): <title type="main">Heimiedologie contra Integration</title>. <title type="sub">Dokumentation über die Situation körperbehinderter Jugendlicher im Berufsbildungswerk der Vereinigten Anstalten der Inneren Mission "Friedehorst" - Bremen-Lesum -</title>. Herausgegeben von <editor>Jugendwerk der <rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/1086912-8" key="Arbeiterwohlfahrt Bremen"> Arbeiterwohlfahrt Bremen</rs></editor>/<editor><rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/390036-8" key="Landesjugendring Bremen">Landesjugendring Bremen</rs></editor>/<editor></editor>/<editor><rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/39572-9" key="Sozialverband Deutschland (SoVD)">Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen</rs>, Landesverband Bremen</editor>. [<date><origDate when-iso="1973">1973</origDate></date>]. In: </bibl>
				<msDesc>
					<msIdentifier>
						<institution ref="http://d-nb.info/gnd/4395556-3">Staatsarchiv Bremen</institution>
						<idno type="Signatur">413-21-14/6</idno> 						
					</msIdentifier>
					<physDesc>
						</physDesc>
				</msDesc>
			</sourceDesc>
		</fileDesc>
		<encodingDesc>
			<projectDesc>
				<p>Die digitale Quellensammlung wurde im Rahmen des DFG-Projektes
					"Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945.
					Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich:
					Ein Beitrag zur Disability History" erstellt. Zielgruppe der
					Quellensammlung ist die interessierte Öffentlichkeit, die
					Materialien sind gerade auch für den Unterricht an Schulen und
					Hochschulen ausgewählt. </p>
			</projectDesc>
			<samplingDecl>
				<p>
					Die Auswahl der Quellen erfolgte auf Grundlage der
					Rechercheergebnisse der Dissertationen der Projektmitarbeiter
					Bertold Scharf, Sebastian Schlund und Jan Stoll.
				</p>
				<p> Damit wird keine Vollständigkeit angestrebt. Ziel ist es,
					Ausschnitte zu präsentieren, die paradigmatisch für die
					Geschichte(n) von Menschen mit Behinderungen stehen oder auf
					markante Ausnahmen hinweisen.
				</p>
				<p> Die fünf Bereiche stehen für unterschiedliche
					gesellschaftliche Sphären, die von der Forschung bisher kaum berücksichtig wurden.
				</p>
			</samplingDecl>
			<editorialDecl>
				<hyphenation eol="none">
					<p>Die Silbentrennung des Quelltextes wurde nicht beibehalten.</p>
				</hyphenation>
				<p>Die alte Rechtschreibung wird beibehalten, Rechtschreibung und
					Fehler im Quelltext werden nicht korrigiert. Fehler im Original
					werden mit [sic!] gekennzeichnet. Zeilenumbrüche und das Layout
					werden nicht originalgetreu wiedergegeben. Auslassungen sind mit
					[...] gekennzeichnet. Abkürzungen werden beibehalten, ggf. aber
					zusätzlich aufgelöst und in eckigen Klammern dargestellt.</p>
			</editorialDecl>
		</encodingDesc>
		<profileDesc>
			<langUsage>
				<language ident="de" usage="100">Deutsch</language>
			</langUsage>
			<textClass>
			<keywords>
<term>Arbeit</term>
<term>BRD</term>
<term>Heimerziehung</term>
<term>Ausbildung</term>
</keywords>
</textClass>
</profileDesc>
<revisionDesc>
			<listChange>
				<change>
					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Version 1.0. Veröffentlicht am:</note>
					<date when-iso="2017-09-12">12.9.2017</date>
				</change>
				<change>
					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Endkorrektur</note>
					<date when-iso="2017-09-12">12.9.2017</date>
				</change>
			</listChange>
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</teiHeader>
<text>
<body>
<head type="main" rend="allcaps">HEIMIDEOLOGIE<lb/>CONTRA<lb/>INTEGRATION</head>
<p><gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap></p><p><hi rend="underline">HERAUSGEBER:</hi><lb/> 
1. Jugendwerk der <rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/1086912-8" key="Arbeiterwohlfahrt Bremen"> Arbeiterwohlfahrt Bremen</rs><lb/>
2. <rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/390036-8" key="Landesjugendring Bremen">Landesjugendring Bremen</rs><lb/>
3. <rs type="association" ref="http://d-nb.info/gnd/39572-9" key="Sozialverband Deutschland (SoVD)">Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten</rs>, Landesverband <rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4008135-7" key="Bremen">Bremen</rs>
</p>
 <div>
<head type="sub" rend="allcaps">1. <hi rend="underline">EINLEITUNG</hi>.</head>
<p>Zahlreiche Zeitungsberichte, dazu auch Rundfunk und Fernsehsendungen haben in den letzten Jahren die Situation junger Auszubildender in <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">FRIEDEHORST</rs> beleuchtet. Die von den im <rs type="association" key="Integrationsgemeinschaft junger Behinderter in die Gesellschaft"> Jugendclub „integ“ </rs> organsierten Jugendlichen kritisierten Mängel wurden dabei deutlich ausgesprochen. <gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap> Die Anstaltsleitung hat die Kritik der Auszubildenden wiederholt als unbegründet zurückgewiesen und als böswillige Störung von außen zu diffamieren versucht. Die nachstehende Zusammenstellung von Fakten, Dokumenten und Berichten soll dazu dienen, die Öffentlichkeit auf die tatsächlichen Zustände im <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">FRIEDEHORST</rs> erneut aufmerksam zu machen. <gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap></p> </div>
<div>
<head type="sub" rend="allcaps">2. <hi rend="underline">ZUR SITUATION IM AUSBILDUNGSBEREICH</hi></head>
<p>a) <hi rend="underline">Lehrberufe:</hi> 
Im gewerblichen Bereich umfasst das Angebot folgende Berufe: Orthopädie-Schumacher, Polsterer, Tischler, Wäsche- und Damenschneiderin. Da die Beschäftigungsaussichten für einen Teil der genannten Berufe ständig schlechter werden, steigt die Anzahl derer, die sich zum Bürokaufmann ausbilden lassen wollen, sehr stark an. Eine Ausbildung im industriell-technischen Bereich wird für die jugendliche Behinderte derzeit nicht angeboten, obwohl die technischen Einrichtungen im Rehabilitationszentrum auf dem Anstaltsgelände zur Verfügung stehen. Im Prospekt über das <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">Berufsbildungswerk</rs> heißt es: <q>Die Vermittlungsbemühungen werden von der Arbeitsverwaltung so rechtzeitig eingeleitet, daß bei Beendigung der Ausbildung geeignete Arbeitsplätze im Ausbildungsberuf zur Verfügung stehen.</q>
Im Widerspruch dazu stehen Klagen der Jugendlichen über die ihres Erachtens unzureichende Unterstützung bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche nach Abschluss der Lehre.</p>
<p>b) <hi rend="underline">Rechtliche Grundlagen der Ausbildung</hi>:<lb/>
aa) <hi rend="underline">Ausbildungsverträge</hi>:<lb/>
Im Besitz eines normalen Arbeitsvertrages sind nach Auskunft der Jugendlichen nur die kaufmännischen Lehrlinge. Im gewerblichen Bereich beruht die Ausbildung lediglich auf Abmachungen zwischen <rs type="insitution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">FRIEDEHORST</rs>, der Handwerkskammer und dem Arbeitsamt.</p>
<p><gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap></p>
<p>d) <hi rend="underline">Bezahlung und Prämiensystem</hi>:<lb/>
Die Auszubildenden erhalten ein monatliches Taschengeld in Höhe von 40.00 DM […]. Ausserdem wird den gewerblichen Lehrlingen eine Prämie ausbezahlt von maximal 09.00 DM pro Monat. […] Präzise Bemessungskriterien für die Staffelung der Prämien  sind den Jugendlichen nicht bekannt. […] Neben der Leistung spielt auch das Wohlverhalten der Behinderten bei der Bewertung eine Rolle, also rein subjektive Eindrücke der Ausbilder und Heimleiter, die nach unserer Kenntnis keine pädagogische Ausbildung erfahren haben. Das Prämiensystem wird offensichtlich als Disziplinierungs- und Anpassungsinstrument verwandt und erweist sich als wichtiges Element im Rahmen der in <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">FRIEDEHORST</rs> praktizierten autoritären Erziehung […].</p>
<p>e) <hi rend="underline">Jugendvertretung</hi><lb/>
So wie es in der Anstalt <rs type="insitution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">FRIEDEHORST</rs> keine Mitarbeitervertretung gibt, habe auch die Jugendlichen in der Ausbildung keinerlei Möglichkeiten, ihre Interessen durch gewählte Vertreter oder in Jugendversammlungen, deren Mitbestimmungsrechte institutionalisiert wären, durchzusetzen. Mitbestimmung findet im <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2114014-5" key="Berufsförderungswerk Bfw Friedehorst Bremen">FRIEDEHORST</rs> nicht statt. 
<gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap>
</p></div>
<div>
<head type="sub" rend="allcaps">3. <hi rend="underline">ZUR KOPPELUNG VON AUSBILDUNG UND HEIMUNTERKUNFT</hi></head><p><gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap></p>
<p>b) <hi rend="underline">Kommentar</hi>.</p><p><gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap></p><p>- Die durchgehende Kopplung von Ausbildung und Heimunterkunft schliesst die Möglichkeit einer externen Ausbildung – z.B. nach Entlassung oder privater Kostenträgerschaft – grundsätzlich aus. Damit wird die freie Berufswahl, die wegen der geringen Zahl an Einrichtungen für die Behinderten ohnehin schon stark eingeschränkt ist, noch weiter behindert.</p>
<p><gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap></p></div>
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</text>
</TEI>

