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			<titleStmt>
				<title>Umfrage im Auftrag des Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit über Einstellungen zu behinderten Kindern (Zeitungsartikel; Frankfurter Rundschau, 13.6.1972)</title>
				<funder>Deutsche Forschungsgemeinschaft</funder>
				<principal>
					<rs type="person">Prof. Dr. Gabriele Lingelbach</rs>
					 <affiliation><rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2097883-2">Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel</rs></affiliation>
					 <address>
					 <street>Leibnizstr. 8</street> 
					 <postCode>24118</postCode> 
					 <settlement>Kiel</settlement> 
					 <country key="XA-DE">Deutschland</country> 
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					 </principal>
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					<resp>Transkription von</resp>
					<name type="person">Jan Stoll</name>
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					<resp>Encoding von</resp>
					<name type="person">Jan Stoll</name>
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			<publicationStmt>
			<publisher>Frankfurter Rundschau</publisher>
			<pubPlace>Frankfurt/Main</pubPlace>
					<availability status="restricted"><p>Alle Rechte liegen bei der Frankfurter Rundschau.</p>
				</availability>
				<date when-iso="1972-06-13">13.6.1972</date>
			</publicationStmt>
			<seriesStmt>
				<title>Quellensammlung zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland seit 1945</title>
				<editor>DFG-Projekt „Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History“</editor>
			</seriesStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl><author>Hans Lerchbacher</author>: <title level="a" type="main">Unterschwellig für Euthanasie</title>. <title level="a" type="sub">Bonn veröffentlicht Umfrage über Einstellung zu behinderten Kindern</title>, in: <title level="j">Frankfurter Rundschau</title><date> vom <origDate when-iso="1972-6-13">13.6.1972</origDate></date>, in:</bibl>
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					<msIdentifier>
						<institution ref="http://d-nb.info/gnd/2116123-9">Deutscher Bundestag Pressedokumentation</institution><idno type="Signatur">503-3/0</idno>
					</msIdentifier>
					<physDesc>
						<objectDesc>
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								<support>Artikel als Ausschnitt aus der Pressedokumentation des
									Deutschen Bundestages.
								</support>
								<extent>2 Spalten, 4 Absätze.</extent>
							</supportDesc>
						</objectDesc>
					</physDesc>
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				<p>Die digitale Quellensammlung wurde im Rahmen des DFG-Projektes "Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History" erstellt. Zielgruppe der Quellensammlung ist die interessierte Öffentlichkeit, die Materialien sind gerade auch für den Unterricht an Schulen und Hochschulen ausgewählt.</p>
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			<samplingDecl>
				<p>Die Auswahl der Quellen erfolgte auf Grundlage der Rechercheergebnisse der Dissertationen der Projektmitarbeiter Bertold Scharf, Sebastian Schlund und Jan Stoll.</p>
				<p>Es wird keine Vollständigkeit angestrebt. Ziel ist es, Ausschnitte zu präsentieren, die paradigmatisch für die Geschichte(n) von Menschen mit Behinderungen stehen oder auf markante Ausnahmen hinweisen.</p>
				<p>Die fünf Bereiche stehen für unterschiedliche gesellschaftliche	Sphären, die von der Forschung bisher kaum	berücksichtig wurden.</p>
			</samplingDecl>
			<editorialDecl>
				<hyphenation eol="none">
					<p>Die Silbentrennung des Quelltextes wurde nicht beibehalten.</p>
				</hyphenation>
				<p>Die alte Rechtschreibung wird beibehalten, Rechtschreibung und Fehler im Quelltext werden nicht korrigiert. Fehler im Original werden mit [sic!] gekennzeichnet oder mit dem Element <sic/> gekennzeichnet und im Element <corr>[Ausbesserung]</corr> ausgebessert. Zeilenumbrüche und das Layout werden nicht originalgetreu wiedergegeben. Auslassungen sind mit <gap reason="sampling"><desc>[...]</desc></gap> gekennzeichnet. Abkürzungen werden beibehalten, ggf. aber zusätzlich aufgelöst und in eckigen Klammern dargestellt.</p>
			</editorialDecl>
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		<langUsage>
		<language ident="de" usage="100">Deutsch</language></langUsage>
	<textClass>
<keywords>
<term>Sereotype</term>
<term>Vorurteile</term>
<term>Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen</term>
<term>Umfrage</term>
</keywords>
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	</profileDesc>
		<revisionDesc>
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					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Version 1.0. Veröffentlicht am:</note>
					<date when-iso="2017-11-22">22.11.2017</date>
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					<rs type="person">Bertold Scharf</rs>
					<note>Endkorrektur</note>
					<date when-iso="2017-11-22">22.11.2017</date>
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				<rs type="person">Raphael Rössel</rs>
				<note>Angleichung an Encoding Guidelines</note>
				<date when-iso="2017-11-13">13.11.2017</date>
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	</teiHeader>
	<text>
		<body>
		<head type="main" rend="align(center)">Unterschwellig für Euthanasie</head>
			<head type="sub" rend="align(center)">Bonn veröffentlicht Umfrage über Einstellung zu <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">behinderten Kindern</rs></head>
			<byline rend="italic align(center)">Von unserem Korrespondenten <rs type="person" key="Lerchbacher, Hans">Hans Lerchbacher</rs></byline>
		<p><hi rend="allcaps"><rs type="place" ref="http://d-nb.info/gnd/4007666-0" key="Bonn">Bonn</rs></hi>, <date when-iso="1972-6-12">12. Juni</date>. Die Vorurteile gegen <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behinderte Kinder</rs> sind in der <country key="XA-DE">Bundesrepublik </country> noch sehr groß. Das <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/4020762-6" key="Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit">Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit</rs>, das die Diskriminierung dieser Kinder in einer Umfrage festgestellt hat, verband die Veröffentlichung der demoskopischen Ergebnisse am <date when-iso="1972-6-12">Montag</date> mit einem Appell an die Bevölkerung, sich mehr als bisher um eine nüchterne und hilfsbereite Einstellung auch geistig behinderten Kindern gegenüber zu bemühen. <q>Auch der <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig Behinderte</rs> ist unser Mitmensch – er hat einen Anspruch darauf, entsprechend seinen durchaus vorhandenen Fähigkeiten von uns aufgenommen und in die Gemeinschaft integriert zu werden.</q></p>
			<p>Fast jeder vierte Bundesbürger hat, wie aus der Umfrage von Professor <rs type="person" ref="http://d-nb.info/gnd/118514164" key="Bracken, Helmut von (1899-1984)">Helmut Bracken</rs> und Diplompsychologin <rs type="person" key="Contanidid, Waltraud">Waltraud Cotanidid</rs> von der <rs type="institution" ref="http://d-nb.info/gnd/2001630-X" key="Universität Marburg">Marburger Universität</rs> hervorgeht, <q>Angst</q> vor <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behinderten Kindern</rs>. Zehn bis 23 Prozent der Befragten gaben zu, daß solche Kinder in ihnen negative Gefühle auslösen wie: Ablehnung, Entsetzen, Unheimlichkeit, Abscheu oder Angst. Dementsprechend niedrig ist die Hilfsbereitschaft gegenüber <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behinderten Kindern</rs>. Zwar würden zwei von drei Befragten ihr eigenes Kind auch mit einem <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behinderten Jungen oder Mädchen</rs> spielen lassen. Aber nur 3,5 Prozent würden ein behindertes Kind adoptieren.</p>
			<p>Erstaunlich hoch ist der Prozentsatz der Befragten, die meinen, an der <rs type="BezeichnungFuerBehinderung">geistigen Behinderung</rs> eines Kindes seien die Eltern schuld.</p>
			<p>Die Befragung von rund 1000 Bundesbürgern ergab ferner, daß offensichtlich eine unterschwellige Bereitschaft zur Euthanasie vorhanden ist. Die Frage, ob es gut sei, wenn ein <rs type="BezeichnungFuerMenschenMitBehinderungen">geistig behindertes Kind</rs> früh sterben würde, wurde von 20 Prozent voll und weiteren 50 Prozent bedingt bejaht.</p>
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