3. Cantata Die in Lorbern verwandelte Daphne. Weg mit dem schlechten Zeitvertreib Der mir so sehr verhaßten Liebe! Winkt, tolle Nymphen, dem Gespielen, Um Glut und Sehnsucht abzukühlen, Der eure Neigung ausgespürt. Leimt bey der Tilgung wilder Flammen Im Küssen Mund und Mund zusammen; Mein Herz wird nicht dabey gerührt. Da Capo. So sprach die Daphne dort, die auf dem fetten, Gras, Des stark belaubten Waldes saß; Ihr fester Schluß, den sie gefaßt, War dieser, daß sie sich der Last, Dem Joch der Liebe stets entschlagen, Und niemals, andern Thoren gleich In Amors Sclavenvollen Reich Auch harte Fesseln wollte tragen. Der Forst, allwo sie sich An ihrer Freyheit Schutz ergetzte, Die sie weit mehr als alles schätzte, Stellt ihr zwar an dem Wild Und bey der vielen Thiere Schaar Der Liebe Musterbild In ihrer Einsamkeit und stillen Ruhe dar; Sie sahe, wie der Hirsch, den wohl was reizen muste, Der Hindin liebzukosen wuste, Und wie das Flügelheer, das mit verliebter Art Sich hier und dar auf Ast und Zweig gepaart, Bey zart gestimtem Thon und Klange Die süssen Liebeslieder sange; Doch alles dies galt nichts in ihrem zarten Ohr; Drum sang sie dies zum Spott den blinden Thieren vor. Buhlt euch nur satt verliebte Thoren! Dergleichen Beyspiel reizt mich nicht. Die Liebe kann aus meinen Augen Nichts weniger als Nahrung saugen. Auch Götter finden kein Gehör. Wer Daphnen will durch Glut entzünden, Der wird ein Herz von Felsen finden Und wenns auch Ganymedes wär. Da Capo. Kaum, daß sie dies gesagt, drang Phöbus in den Wald. Sie schloß sogleich aus der veränderten Gestalt, Es müste dieser Gott von Amors Pfeil und Bogen Gewiß gerühret seyn; Sie fand sich auch hierinnen nicht betrogen; Weil er sogleich ihr seine herbe Pein Bey zärtlichen Beschwerden klagte, Und ihr dabey viel schönes sagte. Ach! holde Daphne, hob er an, Wer ist, der deinen Lieblichkeiten, Die mit den Gratien selbst um den Vorzug streiten, Sein Auge wohl entreissen kann? Die Liebe hat kein einig mal In meiner feuchten Brust sonst Zunder fangen können, Jedoch bey deinem Allmachtsstrahl Scheint alles lichterloh zu brennen; Der erste Blick raubt mir Zufriedenheit und Ruh; Und endlich setzt er dies hinzu: Lösche, tilge Brand und Flammen, Eh Phöbus gar zu Asche wird. Der Thetis Flut, der Wellen spielen, Reicht hier nicht zu, uns abzukühlen, Auch Jovis Naß ist viel zu klein. Der Perlen Thau der mich entzücket Und deine süssen Lippen schmücket, Löscht solches Feuer ganz allein. Da Capo. Die Daphne wuste nicht, weil sie sich nichts versah, Wie ihr hierbey geschah. Verwegner! fuhr sie auf, was störst du mich allhier, Und sprichst mit mir Von tollen Liebes Sachen Die dich bethört, und mir den grösten Ekel machen? Fleuch, schnöder Buhler, hin; Entweyhe nicht der Daphne keuschen Sinn, Der süß vermeynte Thon der geilen Liebeslieder Und aller Männer Kuß ist mir zuwider. Den Sternen ist bewust, Daß sich in meiner reinen Brust Kein Funken jemals blicken lassen; Und daß mein fest gesetzter Geist Auf ewig wird das Lieben hassen Weil dieses meine Losung heißt: Lieber leblos und entseelt, Als im Arm des Buhlers liegen. Eh laß ich meinen Leib die Furien zerfleischen, Als mich vom blinden Gott gleich andern Nymphen teuschen. Mich dünkt es schmeckt der Höllen Fluß Weit süsser als ein Männerkuß. Dies alles hielte nicht bey dem entbrannten Blicke Den feurigen Apoll zurücke. Die Sehnsucht ließ ihm keine Ruh. Drum grif er frech und kühne zu, Und wollte bey so schmerzlichem Verlangen Die Schöne durch den Kuß umfangen. Sie, voller Furcht und Zorn, floh bey dem Ungemach, Er aber eilt ihr schleunig nach. Hier gieng, wie man leicht schliessen kann, Das Laufen an; Sie beyde liefen um die Wette, Als wenn ihr Fuß Mercurens Flügel hätte. Doch endlich ward sie müd und matt. Und kaum, daß dieser Feind sie eingeholet hat, Schreyt sie dem Peneus zu: Er möcht als Vater handeln, Und sie noch ungeküßt so gleich in was verwandeln. Gesagt, und auch erhört: Sie ward zum Lorberbaum. Und als sie nach und nach verspürte, Daß die Verwandlungskraft ihr Zung und Lippen rührte, Sang sie dem Phöbus noch, eh sie den Geist verlohr, So viel zum Abschiedslied bey seiner Liebe vor. Verwegner Buler, hast du schon Mein keusches Herz nicht rauben können, So will ich deinem Helicon Doch etwas zum Vermächtniß gönnen. Wenn du forthin als Musenfürst Die Pierinnen krönen wirst, So soll mein Stamm die Lorbern schenken, Damit du, wenn man Kränze flicht, Die kahlen Epheublätter nicht Darfst um so kluge Schläfe schränken. Entweyhe nur nicht Zweig und Ast, Der Saft und Wuchs von mir genommen; Dieweil du selbst gesehen hast, Wie schwer er mir ist angekommen. Verschwende ja nicht, was hier grünt, Gieb es nur dem, der es verdient; Denn solltst du mich mit Schimpf entblättern So wollt ich, daß in aller Eil Der Zeus mit seinem Donnerkeil Gleich Stamm und Wurzel ließ zerschmettern.