Hahnenschrei Hahnenschrei. Wie sachter Nebelregen Rieselt Morgendämmern bleich vom Himmel; Baum und Giebel grau und geisterhaft ... Hahnenschrei im Dorfe hin und wieder/ Flüchtig Lallen einer Tagesahnung, Die den Schlaf der Allnatur durchschauert. Horch, Einsiedler! Deine schwere Wacht Geht zu Ende. Von der übernächtig Müden Stirne streife starre Sorgen, Streife deiner Sehnsucht rastlos Grübeln. Nur getrost! Die große Frühlingskraft, Die geheimnisvoll der Erde Busen, Wurzel, Knospentrieb und Menschenherzen Schöpferisch durchbebt/ sie pulset weiter, Braucht dein Sorgen nicht. Sie pulset weiter, Wenn dein Wächteraug auch bricht, und dunkle Todesflut den morschen Leib umspült. Ruhst du ewig doch im Mutterschoße; Da wird Todesflut zum Jugendborn. Hahnenschrei. Nun auf, Einsiedler! Lisch Endlich kummervoller Menschenliebe Fackel/ die so düster dir zu Häupten Schwelte diese lange, bange Nacht. Laß an sanfter Ruhe treuen Busen Deine aufgelösten Sinne sinken! Kühl und duftig um dein Lager wallen Fliederzweige ... Matter Hahnenschrei/ Letzter Scheidegruß von jenem dunkeln Ufer, das die Seele, wie ertrinkend, Doch so gern, verlor ... Ade, ade! Einmal taucht sie noch empor; und zwischen Schlaf und Wachen träumend, hört sie leises Lerchenzwitschern ... Vöglein, lieber Herold, Spürst du droben frischen Lebensodem, Neugebornes Licht, das aus der Nacht Rosenüppig blüht? Ja, Todesflut Ward zum Jugendborn! Und gläubig lächelnd Sinkt die Seele zum ersehnten Sterben In die dunkle Flut ... Wie süß, wie süß!