Wilhelm Waiblinger Lieder der Griechen ... Ω᾽ παίδες Ἑλληνων ἰτε, Ἐλευϑερουτε πατριδ᾽, ἐλευϑερουτε δε Παιδας, γυναικας, ϑεων τε πατρωων ἐδη, Θηκας τε προγονων νυν ὑπερ παντων ἀγων. Aeschylos. Elegie Heiteres Jugendland mit deinen Meeren und Inseln, Sey mir gegrüßt! Nach dir sehnt sich das weinende Herz! Schönes hab' ich geträumt, und mit liebendem Sinne gebildet, Aber die Träume floh'n, ach! und ich ward nicht gestillt: Ewig strebet das Herz und heiß aus den zwängenden Schranken, Weil es da leider nicht fand, was es so glühend gesucht. Weiter und weiter strebt's und drängt' es im schwellenden Busen; Ach! wie so innig und warm sehnst du verlangend dich fort! Drüben da hebt sich ein heiteres Land aus wallendem Meere, Wie aus des Himmels Blau jugendlich Morgengewölk. Lächelnd und grünend ruht es im Kuß der milderen Sonne; Weicher entquillt der Natur drüben der mildere Geist. Dunkel auf blumiger Höb' erhebet die Krone der Lorbeer, Und die Lüfte wie lau, und das Gestade wie grün! Dämmernd vermählen der Luft sich der blauenden Berge Gestalten; Wie die Fernen im Hauch linderen Duftes erglühn! Alles so reg' und alles so zart, in tieferer Fülle! Hat er, der ewige Geist, liebender drüben verweilt? Weiß, wie die Sonne, bekränzt sich am Ufer das lockige Mädchen, Wo um das Myrrtengesträuch spielet der wogende Schwan. Stolz, wie die Säule sich thürmt, das gewaltige Denkmal der Vorzeit, Stehet der Jüngling, von Kraft feurig den Busen geschwellt. Ach! wie so sinnig das Bild, das entfaltete! Wird es noch werden? Wird sich der Blume Pracht drängen aus hüllendem Keim? Wiederkehrt es! Du ahnst es so tief! du verlangst es so ahnend! Liebender Busen! es kehrt wieder die glückliche Zeit. Lieder der Griechen Das Mädchen auf dem Eurotas Schwankend auf der Spiegelwelle Tanzt der leichtbewegte Kahn: Wie so freundlich, klar und helle! Bald hinunter, bald hinan! Wie die alte liebe Sonne Nieder aus dem Aether quillt, Und mit junger Lebenswonne Den erwärmten Busen füllt! Und die Lämmer, wie sie klettern Um die vollen Hügel hin! Unter grünen Lorbeerblättern Zarte weiße Schwäne ziehn! Und der Berge Duftgestalten Wie mit weichem Liebes-Kuß In der Ferne sich entfalten Ueber'm blauen Königsfluß! Ach! was ist's, das aus dem Laube Sanft und mild herüberschwirrt, Zärtlich, wie die Turteltaube, Die aus grüner Myrrthe girrt? Aus der Nähe, aus der Ferne, Aus dem Schatten, aus dem Licht, Wie die Bilder blasser Sterne, Zum verwandten Herzen spricht? Ach! die Arme kann's nicht sagen, Wenn's auch tief im Busen wallt, Und mit leisen Liebesklagen Weinend durch die Seele hallt, Wie des Windes stilles Fächeln, Der um Zweig und Blatt sich regt, Blumen, die im Thale lächeln, Gräschen auf der Au' bewegt. Nenn' ich es ein heilig Glühen, Das an Wesen Wesen zwingt, Und den Keim zum heitern Blühen, Und das Kind zur Mutter bringt? Ist's der Himmelslaut der Liebe, Der das Innerste durchklingt, Und mit namenlosem Triebe Herz an Herz zusammenschlingt? Was ich ahnte, was ich fühlte, Noch als kaum entquoll'nes Kind, Was mir meine Wangen kühlte, Ach so oft und doch so lind! Was mir zart, wie Mondlicht, webend Oft ins nasse Auge kam, Und wie Lindenblüthe, bebend Durch den off'nen Busen schwamm, Naht es nun mit leisem Wogen, Stillt es nun mein weinend Herz? Ach! ich ward so oft betrogen, Und er ist so tief, mein Schmerz! Und so glühend ist mein Sehnen! Ahn' ich, ahn' ich deine Spur? Ist mein Hoffen, ist's kein Wähnen, Ew'ge heilige Natur? Diese Ruhe, diese Stille! Ja du bist es! Welche Lust! Welche zarte Liebesfülle An der warmen Mutterbrust! Wie ein ausgehaucht Verlangen, Liegt vor mir die volle Flur! Daß ich könnte dich umfangen, Ew'ge, heilige Natur! Der Wanderer zu Athen Knabe, was streckt dort Ueber's Gesträuch Das graue Haupt empor? Beweglos, kühn aufstrebend, Starrt es in's Auge Mit riesigen Formen. Steige den Bergpfad, Den krummgewund'nen, Nur hinan! Du wirst es sehn, Staunen, Wanderer! Wohin ich blicke, Alt vermorscht Gestein, Ueber einander geworfen, Gestürzte Säulen, Regellos zu Schutt und Trümmer Schaurig aufgehäuft, Schwarze, gebrochne Reste, Wildwechselnd gethürmt, Aufragend in düster'm Grau. Aus jungem, keimendem Gras. Das all' hat Gestürzt die Zeit! Blühender Griechenknabe, Staunst auch du? Wie stürzt allzerstörend Menschenwerk Deine Macht, Zeit, Ewige Riesin! Wie bebt donnernd Im Kreise, was er baute Der schaffende Mensch! Drückst deine Spur Jedem gefugten Stein, Auflösend, verwüstend, Allfurchtbar, Ins graue Antlitz. Schau', Wanderer, Wie um den Architrav, Sich krümmend, umwebend, Die heitere Blume blüht! Ach! neben dem Tod, Dem kalten Sohn Der ewigen Zeit, Regt, sich erneuend, Keime drängend und wechselnd, Wieder sich ein schwellend Leben. Freue dich, Finsterer Fremdling! Oben sind wir! Ach wie schön! Mich durchwallt Tieferer Schauer. Welcher Anblick! Staunst, Fremdling? Wie der dorischen Säule Alte Triglyphen Grüne Laubranken Schattend überwölben! Und die morschen, Epheuumwachsenen Dielenköpfe Wie sie starren! Welche Stille! Nur der Wind Regt leise schüttelnd und bewegend, Um die öden Säulen, Lispelnd die Lorbeerwipfel! Schauriges Flüstern! Hier an's durchbroch'ne Graue Gemäuer tritt, Sinnender Wand'rer! Hinüber dringst du, Durch's wankende Laub, Ueber die Stadt Drunten im Thale! Dort der vollgrüne Berg Mit der ragenden Säulenkrone, Ist die Akropolis! Und das Blaue Drüber hinein, Dort! Ist das Meer! Welch' Gefühl, Welch' ahnungsvolle Wonne Drängt sich an dich, Pochend Herz? Fühlst du ihn wehen Bangschauernd durch die Stille, In Luft und Meer, In Berg und Trümmern, Durch der ewig sich erneuenden, Stürzenden, schaffenden Natur Unergründbare Tiefen, Den allgeheimen, Unsichtbar-liebend wirkenden, Wechellosen Geist? Wie ist dir? Faltest die Hände! Allbegründender! Deines Wesens Ewige, füllende Liebeswonne, Dein Ruhen und Schaffen In allem Durchglüht im Ahnungsdrang Mein schwellend Herz. Wie aus uralt-gesturztem Prachtgestein jung Gras sproßt, Treib aus des Griechen Dumpf-starrender Verwesung Heilig-glühend Leben! Daß er kenne Sich und dich, Wieder dringe Zu dir! Wie aus des Chaos Wild-kochendem Wirbel, Deine Sonnen, Ewiger Geist, In Riesenformen gestaltet, Jungkräftig, lauter, Sich scheiden und sondern, Steige die alte Freyheit Wieder aus der Nacht, Des Menschen Braut, Die ihm bringt Ewige Kinder! Der Knabe und die Mutter Mutter, wo der Vater? Glücklicher Knabe, Der du lächelnd träumest, Wonneworte lallest, Nicht denkst, daß wir Bald entwandern dem Lande, Das all' uns wiegt, Dich, mich, den Vater, All' uns nährte, Wie ich dich! Ach Mutter, wo der Vater? Hinaus, Mit wilder Wehr, Mit Lanz und Schwerdt, Dem Feind entgegen! Hinaus! Weit über die Berge, Die steilen, felsumthürmten, In die Ebene, Wo du nie warst, Knabe, Da ist der Feind, Da ist der Vater! Und bringt er Blumen Aus den Thälern, Wenn er wiederkehrt, Bringt er mir? Nein! Knabe! Hinabgestiegen von den Felsen Ist der Vater, Nicht zum Fest Im grünen Eurotasthale, Blumen dir zu bringen, Mit wilder Kampflust Schwerdt und Dolch zückend, Der Hohe! Flecht' ihm Aus Lorbeerreisern Und weißen Rosen Einen Kranz! Des Vaters Kampf Ist hart! Ich thu's! Wind' ihm den Kranz Um die Locken, wenn er kehrt, Küß' ihn! Ach Mutter, Bist böse? Komm' in meine Arme! Weine nicht! Wie dieser Busen Einst dich nährte, Nähre Gott dich, Der Allliebende, Denn ich kann's nicht! Eine Thräne bebt dir Im düstern Auge, Finstere Mutter! Dort an der Linde! Bringe mir das Schwerdt! Aus den Bergen Wandeln wir hinab! Das Kind am Busen, Kämpft die Spartermutter, Verzweifelt. Dort nah'n sie! Mutter! Armer, die Männer! Hörst du's dröhnen und krachen? Wie die Flamme schlägt Aus dem Hause! Flieh! Komm! In meine Arme! Schreckliche! Wie deine Locken wirbeln Im Winde! Fort! Und nun schütze, Schütze die Verzweifelten, Deine Waisen, Gott! Wechselgesang Alles Volk der Griechen hebe Hand und Herz zu Gott empor! Grieche räche, Türke bebe! Kühne Stärke, brich hervor! Geist der Freiheit! steige nieder, Du der alles wirkt und schafft! In die Herzen kehre wieder, Alte, stolze Riesenkraft! Wie die junge Terebinthe Hoch auf grünem Hügel blüht, Schreiten wir durch Wies' und Gründe, Weil in uns die Stärke glüht: Ohne Schwanken, ohne Bleiben Eilen wir durch's Leben hin: Ueberall ein reges Treiben! Ueberall ein starker Sinn! Wie die reine zarte Quelle Durch die Blumenufer wankt, Wiegt uns sanft die Lebenswelle: Keine weinet, keine krankt! Und des Jünglings Stirne kröne Uns're Hand in Liebeslust! Und du liegest, holde Schöne, Lächelnd an der Stärke Brust! Schwimmt die schöne heit're Jugend Wie die Wolk' im Morgengold, Uebt der Mann die Kraft und Tugend, Regelt, was die Liebe zollt! Stark und thätig, nichts versäumend, Lenkt er ernst und schützt und schirmt, Wenn im Sturm auch, donnernd, bäumend, Sich auf Woge Woge thürmt. Und am keuschen Busen nähren Liebend wir das holde Kind: Mag der Mann dem Sturme wehren, Wirken, daß er viel gewint: Weich, wie Kuß und Blume, leiten Wir den Stürmenden zur Ruh': Aus den Fernen, aus den Weiten Führen wir den Schranken zu. Und wie über'm jungen Thale Alte weiße Bergeshöh'n In der Sonne heiter'm Strahle Ruhig – mild zum Himmel seh'n, Heben die verklärten Augen Ahnend wir ins Aetherblau, Die wir nicht zur Erde taugen, Gottes ausgequoll'ner Thau! Alles Volk der Griechen hebe Hand und Herz zu Gott empor! Grieche räche, Türke bebe! Kühne Stärke brich hervor! Geist der Freyheit! steige nieder, Du der alles wirkt und schafft! In die Herzen kehre wieder, Alte stolze Riesenkraft! Hymne Es webt und waltet Ueber den Wassern, Ueber der Erde, Ein unergründbarer, Kaum geahnter, Ewiger Geist In Ruhe. Ihn lobt die Blume, Die zarte auf dem Hügel, Ihn die Quelle, die klare, Und kennt ihn nicht. Ihn lobt der Mensch, Der wunderbare Aus der Umarmung Des Ewigen und Endlichen Entquoll'ne Sohn. Lobt ihn im wallenden Licht Der Morgensonne Im bleichen Dämmern Der stillen Mondnacht; Im weichen Wehen Bebender, flüsternder Blätter, In allem Wogen, Drängen und Schwellen Der ewigen Natur, Seiner Tochter, Lobet und erkennt ihn. Er erkennt ihn, glaubt ihn In seiner Fülle, seiner Ruhe, Den durch sich selbst lebenden, Ueber dem All ruhenden, Alten, wandellosen Geist! Und er beugt sein Haupt, Das stolze, zum Himmel ragende, Flicht um die Schläfe sich Die tiefe zarte Demuth, Die sinnige Viole, Die ihn krönet. Aber kühner blickt er auf, Den Ew'gen in der Brust gewahrend. Ihn trägt die Kraft, Die gottentstammte, Hinan zu ihm, Wie eine Morgenwolke. Er aber ruhet, Der ewige Vater, Der alles trägt, Allliebend. Nieder auf die Erde Ströhmt sein Segen, Reich wie seine Sonne; Denn er liebt sie! Hält die sein Entwöhnte An den Vaterbusen Mit allem, Was auf ihr ist. Ewig ruht er, Der alte Vater, Der alles trägt, Allliebend. Unten aber auf der Erde Haust Zerstörung; Da begegnen sich, Blindwirtend, Feindliche Kräfte, Was in die Luft sich thürmte, Fest und sicher, Dem Ew'gen trotzend, Das stürzet donnernd Der Riesenarm der Zeit zu Boden, Und um die grauen moos'gen Trümmer Den alten, ungeformten Schutt, Wandelt, wie ein Fremdling, Der späte Enkel. Hinaufgestoßen, hinabgestoßen, In schwankender Bewegung, Auf wiegender Woge, Treibet das Lebensschiff; Wellen und Winde Fassen und heben und drehen und wirbeln Endlos durch Strudel, an Buchten vorüber, Weit in die Ferne das Irrende. Alle Werke, Die der Mensch schuf, Sind nicht ewig. Einst goß Auf der Länder eines Seiner ewigen Schöne Unendliche Fülle Der Herr. Da regten Menschenhände Allwirksam sich, Und schufen, bauten, formten, thürmten, Ohne Rast. Lagen am Mutterbusen, Die Schönen, Deiner Natur! Und vermaßen sich Die Kühnen, stark zu seyn, Allmächtiger, Wie du! O daß sie wären Noch die alten Götterfreunde! Noch des Vaters Busenkinder! Weine, Seele, Ueber sie! Denn sie alle Liegen in der Erde. Ueber ihren Gräbern, Wallt traurig flüsternd, Wie ein schüchterner Geist, Der Abendwind Durch Lorbeerblätter, Und der müde Wanderer ruht, Sinnend auf den Säulentrümmern, Den alten, moosumwobnen, Ueber den Gräbern; Und du nah'st ihm, Wie ein lächelnder Engel, Holde Vergangenheit, Und wie ein weinender, Bittere Zukunft! Hört ihr's beben? Schrecken faßt Alles! Hohl dröhnt die alte Mütterliche Erde, Wankend in den Fugen: Wolkenschauer Decken den Mond, Vorüberwandelnd: Aufwallt das Meer, Der starren Felswand kahle Rippen Mit Schaum und Woge schlagend; Furchtbar saust Der heulende Windstoß Durch geschüttelte, rauschende Wälder, Und knarrend, mit gebroch'nem Aste, Stürzt ausgewirbelt, Hinab in jähes Felsgeklüfte, Hinab! Der schwarzen Eiche Riesenkrone! Sturm und Wind faßt Ast und Blätter, Fels und Wogen: Alles springt laut- Donnernd von der Alten Höhe, Stürzt zerschmetternd; Stimmen jammern, Toben, seufzen, Kräfte rasen, Sich zermalmend, Mann an Mann drängt Sich zusammen, Faßt sich tobend, Mordet, mordet! Qualm und Rauch und Flamm' und Staub, Waffen und Eisen, Arm und Arm. Und aus der Erde Steigt ein Riese, Berge reißend Aus Grund und Wurzel, Ueber den Nacken Fliegende Haare schüttelnd, Seine Stimme Durch Wald und Thal, Wie Donner, sendend, Alle Wesen Auf der Erde Zertretend ohn' Erbarmen. Und aus den Wettern Hallt die Stimme: Zittert, Menschen, Zittert vor der Zwietracht Geist! Und aus den Gräbern, Steigen auf die Geister Der Väter, Finstere, große Gestalten, Lange Schatten; Wie Meeresbrausen Donnert ihr Gesang: Fleucht den Riesen! Noch sind eure Berge, Wie einst! Noch sind eure Wasser, Eure Thäler, Wie einst! Nur die Söhne der Berge, Die Söhne der Thäler Sind nicht Wie einst! Es wird der Mensch nur, Was er soll, Durch eig'ne Kraft! Wirbelt hinan Eure Geister Zu ihrem Urquell, Zu ihm, Der webt und waltet, Ueber den Wassern, Ueber der Erde, Ueber allem Bewegten. Ein unergründbarer, Kaum geahnter, Ewiger Geist. Das kann der Mensch nur, Wenn er frey ist! Werdet, Enkel, Wie wir! Auf der Erde Herrscht ewiger Wechsel: Ueber dem Wechselnden Steht der Mensch, Der Bleibende: Denn so will's Der ewige Vater, Der alles trägt, Allliebend. Jüngling und Mädchen Noch einmal, Liebe, komm in meine Arme; Mich ruft das stolze Vaterland zum Streit; Hinüber mit dem wilden Brüderschwarme! Wir alle, Mädchen, sind dem Tod geweiht! Laß ab von deinem Weinen, deinem Harme, Den liebend dir dein weiches Herz gebeut: Nur aus des Geistes altem Riesenstreben Steigt siegend auf ein heilig junges Leben. Ach! tobend stürzt der Mann sich ins Getümmel: Ihn wogt dahin die sturmbewegte Fluth; Doch einsam fühlt das Weib nur ihren Himmel: Im Herzen still bewahrt sie ihre Gluth Dich stürzt der wilde Sinn ins Kampfgetümmel, Zum Schlachtendrang dein kühner Feuermuth! Doch, einsam in den alten, öden Mauern Muß bang um dich die stille Jungfrau trauern. Wie schwarz die Wolke von Gebirgesfirnen Herunterstürzt mit ihrem Nebelgrau'n, Und leuchtend dann die alten Riesenstirnen Im jungen Morgenlicht zum Aether schau'n, Und wie gebändigte Giganten, zürnen Die Wolken, unten auf der Thäler Au'n; So folgt dem Kampf die neue Siegesfeyer, Und alles schau'n wir heiterer und freyer! Doch eh' am Morgen auf dem Wiesengrunde Die junge Sonne quillend niederblickt, Hat kalt und schaurig schon zur Nebelstunde Der Wind den zarten Blumenkelch geknickt. Dein Busen krankt an einer Todeswunde, Die Braut hält dich an ihre Brust gedrückt: Im letzten Kusse deckt sie deine Wangen Mit ihrer Liebe heißem Gluthverlangen. Wie aus der Höh', gleich tosenden Gewittern Die Schneelawine donnernd niederwallt, Und Steingeklüfte, Felsenrippen zittern, Und Berg und Wiese dröhnend wiederhallt; Und hundertjähr'ge Eichenkronen splittern, Und alles weicht der stürmenden Gewalt, So wird der Feind vor unserm Sturm sich neigen, Und bebend seine stolzen Häupter beugen. Ach! schöner wär's, wenn wir am Ufer wallten; An deinem Arm die weiche junge Braut! Wann um der blassen Berge Glanzgestalten Das weiße, milde Mondlicht niederthaut, Und zarte Bilder sich dem Aug' entfalten, Das weinend in die bleiche Ferne schaut, Da stillte wieder sich dein wildes Sehnen, Und ach! auch deines Mädchens heiße Thränen! Leb' wohl! es läßt der gnäd'ge Gott uns siegen! Leb' wohl; zum Kampfe fordert mich die Pflicht! Leb' wohl; du Blasse! Liebe wird nicht trügen, Aus Trümmern steigt der Freyheit Siegeslicht. Ach! lebe wohl! die Ahnung wird nicht lügen, Die leise wogend aus dem Busen spricht! Dein Mädchen giebt dir diesen Kuß zur Weihe, Nimm ihn zum keuschen Siegel ihrer Treue! Und wie die Morgensonne aus den Wellen In reiner Schöne hoch empor sich hebt, Und Licht und Fülle ströhmt aus tausend Quellen, Und alles jung am Kuß der Mutter webt; So wird der Friede segnend niederquellen, Vom Morgenhauch des ew'gen Licht's durchbebt, Und tief und heilig, wie zwey Opferflammen, Schlingt Lieb' und Stärke wieder sich zusammen. Die Jungfrau unter den Propyläen Wie wunderbar umfängst mich Allliebend, Heiliges Licht? Aus jungem Grün hebt Dunkel-einsam, wie ein Geist, Grau verwittert Gestein, Säul' an Säule Sich empor: Webt um alte Wölbung Weich-schwellend, umstrickend, Wie ein lächelnd Kind Um den ernsten Vater, Liebend-innig Epheugeblätter, Drängt hinan Flüsternd zu alter Trümmer Ehrwürdigen Gipfeln: Und die Sonne faßt Alllebend, umquillend, Laubgrün, säulengrau, Füllet alles, Mit Liebe, mit Liebe! Fort drängt mich's Im schwellenden Busen! Ach wohin? Wie du weh'st Auf luftiger Höh', Um Wang' und Locken, Lieblicher Wind! Ahnest du, weinest du, Liebend Herz? Bist so lauter und mild In deines Blau's Unendlicher Fülle, Heiterer Himmel! Alleinig liebt und webt Und treibt und keimt Alles, deine Kinder alle, Die dich schauen, lieben, Heilige Sonne, Auge des Himmels, An der alten Erde Keuschem, wärmendem Busen. Du bist's! Du bist's! Bildende! Liebende! Fassest mich, ziehest mich Ganz zu dir! Hinüber! Ueber das Hellgrün Und graue Trümmer, Ueber Berg und Meer, Ueber die blauen Inseln! Hinüber! hinüber! Ach! verschwimmen Ganz in dich, Du heiterer Himmel! Mädchen's Vaterlandslied Du liebes theures Vaterland! Was ich genoß und was ich fand, Das dank' ich deiner Liebe! Es liebt der Mann dich nicht allein: Dir darf sich auch das Mädchen weih'n Mit heilig-zartem Triebe. Du liebes theures Vaterland! Noch bist du an des Abgrunds Rand, Noch trägst du Band und Ketten! Ach hätt' ich Schwerdt und Lanzenschaft, Ach hätt' ich Stärke, hätt' ich Kraft, Wie wollt' ich dich erretten! Du liebes theures Vaterland! Mit meinem Muth, mit meiner Hand Kann ich nicht für dich streiten. Zu Hause sitz' und härm' ich mich, Und weine manche Thrän' um dich! Was hab' ich nicht zu leiden! Du liebes theures Vaterland! Ich trag' um dich ein Trau'rgewand, Und gehe nicht zum Tanze, Zu Tanz und Spiel, ins liebe Thal, Zum Lorbeerhayn, im Sonnenstrahl, Mit heiterm Blumenkranze. Du liebes theures Vaterland! Kein Rosenblatt, kein farbig Band Schmückt meine blonden Locken! Vor meinem Fenster steh' ich trüb, Und wein' auf euch, die ihr so lieb Mir winket, Blumenglocken. Du liebes theures Vaterland! Dann denk' ich, die er vor mir stand, Und seiner heißen Küsse! In seinen Arm, an seiner Brust! Ach welche Wonn', ach welche Lust Ich dir zu Liebe misse! Du liebes theures Vaterland! Was ich genoß und was ich fand, Dank' ich ja deiner Liebe! Es liebt der Mann dich nicht allein; Dir darf sich auch das Mädchen weih'n Mit heilig zartem Triebe! Schlachtgesang Griechen! hoher Väter Enkel! Zieht die Schwerdter, Laßt die Fahnen Wirbeln, flattern Durch die Lüfte! Rasch wie schwarze Wetterwolken Stürzt und stürmt durch Bäch' und Gründe! Donnernd wog' aus Tausend Kehlen Kriegsgesang durch Waldgeklüft und Berg und Eb'ne! Brüder! auf zur Bergeshöh' dort! Durch gekrümmte Pfad' und wilde Büsch' und wald'ge Felsenrücken! Droben hebt aus Baumgelaube Sich des falschen Gottes Tempel: Strebt auf grauen Pfeilern, Säulen, Unterm Grün im Abendpurpur Prächtig schimmernd, Die Moschee auf! Droben steht der Unterdrücker, Seinem Gotte Tausend Menschen- Opfer bringend: Flammt aus wilden Feuerschlünden, Allzerstörend, Flamm' und Kugel! Stürmt den Bergpfad, Brüder, auf mit Raschem Schritt und Kühnem Busen! Stürzt die stolzen Tempel nieder! Wie vom Blitzstrahl Eichenstämme Niederdröhnen; Fels und Boden Ausgerüttelt, Dem gewalt'gen Riesenfalle Wanken, zittern! Griechen! hoher Väter Enkel! Zieht die Schwerdter! Laßt die Fahnen Wirbeln, flattern Durch die Lüfte! Donnernd wog' aus Tausend Kehlen Kriegsgesang durch Waldgeklüft' und Berg und Eb'ne! Wir nah'n! wir nah'n! Durch Thal und Wald! Hinan! hinan! Die Stimme schallt! Wir machen Bahn Ohn' Aufenthalt! Wir stürmen an! Die Bergkluft hallt! Mit kühner Lust, Mit Riesenwuth, Mit starker Brust, Mit Löwenmuth! Das Schwerdt erklingt! Die Fahne fliegt, Der Grieche dringt Bergan und siegt! Erwacht, erwacht Zur alten Kraft, Stürzt er zur Schlacht! Und stürmend rafft Er fort und fort, Was widerstrebt, Von Ort zu Ort, Was ist und lebt! Der Busen schwillt Von Lust und Grimm: Er raset wild: Du büßest schlimm! Denn wir sind frey Vom Fesselband, Wir alle frey, Wie Meer und Land! Die Trommel ruft! Wir nah'n! wir nah'n! Durch Wald und Kluft, Hinan! hinan! Das Schwerdt erklirrt! Die Mündung blitzt! Die Kugel schwirrt! Das Blut entsprützt! Auf Brüder! drängt Und stürzt und brecht, Und reißt und mengt, Und haut und stecht! Auf! Mann an Mann, Und Roß an Roß, Den Hügel an! Werft das Geschoß! Die Tanne dröhnt, Die Fichte knarrt! Gespalten stehet Die Eich' und starrt! Der Tempel fällt, Und Stein an Stein, Vom Feu'r erhellt, Stürzt donnernd ein! Es flammt! es blast! Es lodert und rast! Und furchtbar im wirbelnden, qualmenden Dampf Verschwimmt und verschwindet der tosende Kampf! Freyheitslied Wie glänzt auf dem Berge die goldene Wolke So heiter und lauter dem heiteren Volke! Da wallen und schweben Und küssen und weben Die wankenden Bilder im wechselnden Tanz Um silberne Stirnen mit rosigem Kranz! Auf jähem Gebirge, durch grünende Matten, An Strömen und Quellen, im kühlenden Schatten, Zu Meer und zu Lande, Am blumigen Strande, Da schreitet der Grieche, so kräftig und kühn! Es schwillt ihm der Busen im wachsenden Glühn! Noch fühlt in den Tiefen, auf wolkigen Wegen, Den schwellenden Geist er der Mutter sich regen, Noch fühlt er in Liebe, Mit sehnendem Triebe, Mit heil'gem Verlangen, auf jeglicher Spur, Geliebt sich an wärmender Brust der Natur. Wo hoch um die dämmernden, ragenden Höhen Des Adlers geschwungene Fittige wehen, Um Kronen und Wipfel, Auf felsigem Gipfel; Der Wind durch die Eichen, die riesigen, saust, Da wild der Malnotte, der kräftige, braust. Wo mild auf das heitere Menschengewimmel Und jugendlich quillet der lautere Himmel: Die Ferne, geläutert Und duftig erweitert, Verschwimmt in des Meeres zerfließendem Blau, Da geht der Korinther auf lächelnder Au! Und unserem Auge, dem reinen, entfalten Sich reicher, als allen, die ew'gen Gestalten, In heiliger Stille, In rauschender Fülle! Wir sind's, die Geliebten! vom Ew'gen erfüllt! Des Höchsten und Größten lebendigstes Bild! D'rum sind wir auch frey wie die Schwalb in der Wolke Wir sammeln uns wieder zum herrschenden Volke! Wir schlagen den Türken Und schaffen und wirken, Uns fühlend, und drängen uns wieder hinan! Und reih'n an die heiligen Väter uns an!