Gefühl der Liebe Trübe hing ein dichter Schleier Ueber Busch und Wald daher. Sagt, wo ist die Frühlingsfeier? Ist der Wald an Tönen leer? Rührt kein Wind sich in den Zweigen, Treibt die Wolken über's Feld? – Dumpfes, ödes, todtes Schweigen, Die Natur gefangen hält. – Und mir ward im Busen bange, Denn kein Stimmlein sprach mich an, Seufzte tief und harrte lange, Klagte: Sonne, komm heran! Aber dichter ward der Schatten, Wolken hingen tiefer ab, Dunkler schwärzten sich die Matten, Alles Feld ein enges Grab. Durch den Nebel warf ich Blicke Wie man in die Ferne schaut, Alle kamen mir zurücke, Finsterniß war vorgebaut. Da warf ich mich weinend nieder, Wünscht' im Unmuth todt zu seyn: Todt sind alle Lerchenlieder, Abgestorben Sonnenschein. – Warum soll denn ich noch leben In der wüsten Dunkelheit, Hier wo Schrecken um mich weben, In mir selber Angst und Leid? – Plötzlich war's, wie wenn an Saiten, Abendwind vorüberschwebt Und in Harfentönen webt, Ueber Blumen hinzuschreiten, An der fernsten fernsten Gränze Theilte sich die dunkle Nacht, Und ein Sonnenblick voll Pracht Wand sich durch die Nebelkränze. Als ich kaum zu athmen wagte, Schoß der Strahl, ein goldner Pfeil, Schnell in glühendrother Eil Hin zum Orte, wo ich klagte. Schreckenfroh sah ich den Schein, Kriegte Muth zu neuem Leben: Sollte das der Frühling seyn? Könnt' es doch wohl Freuden geben? Da erglühten schon die Wogen, Funkeln ging auf grüner Flur, Morgenroth sprang kühn in Bogen, Glänzend, taumelnd die Natur. Und die Waldung blieb nicht träge, Alle Vögel sprangen auf, Jubelten durch das Gehäge, Jagten sich im muntern Lauf. – In des Jauchzens Lust verloren Dacht ich nicht an Sterben mehr, Fühlte mich nun neugeboren In dem goldnen Freudenmeer. Ach! sie ist mir endlich nahe, Nach der meine Sehnsucht rang, Seit ich ihre Augen sahe Fühl' ich neuen Lebensdrang. Alle Klagen sind verschwunden, Fort der Seufzer banger Schwarm, Mit der Liebe fest verbunden Ruh' ich in des Glückes Arm. –