Die Rose Romanze. O beglückt, beglückt, du Persien! Persien, Wunderland des Morgens! Süße Fluren, heil'ge Wälder, O du Glanz des vollen Stromes, Meer mit deinem weiten Spiegel, Luft mit deinem lieben Othem, Quellen, mächtige Gebirge, Heimath, wo die Lieder wohnen! Aber ihr vor allen, Gärten! Seid gegrüßt mir, Lauben, dorten Möcht' ich auf den Fluren wandeln, Wann sie blühen roth von Rosen. Rose, liebste Mädchenblume! Rose, die du dort geboren! Ach, wie ist ein Liebesblut Das Gefilde, wann du oben An Gesträuchen blühend dichte Wankst und zitterst mit den Knospen, Und die heißen Sommerwinde, In der Farbengluth verloren, Kühlend baden, sich berauschen: Nein, so schön ist nichts geworden Was die Erde liebend treibet, Was vom Himmel schaut die Sonne, Als flatternd auf grünem Stengel Meine liebste rothe Rose; Rose, liebste Mädchenblume, Liebesblume, süße Rose! Wie ich dich in Händen halte, Die zur Lieb' ich mir erkohren, Und ich schau' in deine Blätter, In das Labyrinth, das rothe, Und ich frage die Bedeutung Und wie du zur Welt geboren, Bin ich trunken und weissagend Süssen Rausches aufgehoben; Liebesblume, Mädchenblume, Rosenblume, süße Rose. Nicht umsonst bist du erst quillend Eingehüllt in deiner Knospe; Also schläft des Mädchens Busen, Eh die Liebe ihn erhoben: Und das Noth, ein heimlich Feuer, Bricht hervor süß angeschwollen, Und wie ein verstohlen Küßchen Hängst du an dem Zweig gebogen: Aber inniger entbrennen Lüfte, die dich aufgesogen, Immer süsser träumst du Liebe, Hast die Luft in dich gezogen, Immer buhlerischer küsset Dich das Licht, das dir gewogen, Und du lässest nun die Schaam, Und es dringt zu deinem Schooße Alle Kraft des heil'gen Aethers, Seine Pfeile, glänzend golden. – Mußt du welken in der Liebe Mädchenblume, süsse Rose? Als die Göttinn sonst der Liebe Venus auf der Erden wohnte, Und zum erstenmal sie wandelnd Trat der grünen Wiese Boden, Jungfrau noch und unvermählet Aus dem Meere jüngst entsprossen, – Aus der Zeugungskraft des Wassers War das Licht empor geflogen, – Und sie stand, sich selbst besinnend, Selber über sich betroffen, Ihre Schönheit, ihre Anmuth Mußte Venus selber loben, Und der Himmel glänzte heller Wie den Blick sie aufgehoben, Und die Erde grünte grüner Von dem Fuß getreten, stolzer Sangen murmelnd blaue Bäche Von dem Widerschein vergoldet, Und die Tauben girrten inn'ger, Und die Nachtigall schlug voller, Hub und breitete ihr Lied aus Wie ein Kleid von süssem Wohllaut, Deckte Wald mit und Gefilde, Daß die Bäume treibend quollen. Noch nicht war die Liebesblume Lebend, meine süsse Rose. Aus dem Walde tritt ein Jüngling, Und wie Flammen angezogen Fliegen zündend ihre Blicke, Brennen nicht mehr hier und dorten, Beider Blick ist jetzt nur einer, Liebe, einsam noch und ohne Liebe, wird nun bang und feurig, Fühlt sich zweifelnd neu geboren. Doch der Jüngling tritt zur Jungfrau; Und sie halten sich umschlossen, Und die Unschuld lehrt sie küssen, Und es treibt zum süssen Zorne Wie sie sehnen und ermatten, Kaum erkannt ein Liebeswollen: Und im Sträuben und Ergeben Löset sich der wunderholde Zauber, Liebe wird zur Liebe, Und der Flur wird von dem Zorne, Von den Küssen, von der Milde Ein Andenken wie zum Zolle Dargebracht; dem heil'gen Blut Zittert gleich das Feld voll Wollust, Und es rauschen und es treiben Quillend ungestüm die rothen Blumen her, bedecken blutig, Lächelnd, küssend, voll und voller, Knospend, blumend, ganz den Anger, Und die Göttin weiht die Rose Zu dem Eigenthum der Liebe: Also wurdest du geboren Mädchenblume, Liebesblume, Rosenblume, süsse Rose.