Spiegelbilder 1. Ich hab' einen großen Spiegel, Das ist das grüne Meer, Blaß werfen die Wasserhügel Mein blasses Gesicht mir her. Es dehnt sich und es bricht sich Auf jeder Woge Bug, Es zieht sich und es flicht sich In jedes Wirbels Zug. Die Wellen, sie wallen und rollen Sich übereinander hinauf, Draus sieht im stummen Grollen Mein finsteres Auge herauf. 2. Ein Spiegel von bösem Schimmer, Das ist Dein Auge blau, Darin ich nimmer und nimmer Und nimmer mich müde schau'. Doch ob ich schaue und schaue, Viel Gutes erseh' ich mir nicht, Nie spiegelt sich unter der Braue Mein eigenes Angesicht. Zwei fremde Augen sind es, Die sehen mich spottend an, Im Auge des schönen Kindes, Da malt sich ein fremder Mann. 3. Doch weg mit dem falschen Gesichte, Und weg mit dem falschen Meer! Nun hol' ich vom treu'sten Lichte Den treu'sten Spiegel mir her. Ich reiße aus dunkler Scheide Die Klinge breit und blau, Drin seh' ich mit zorniger Freude Mein zorniges Auge genau. Drin steht es in rechter Flamme, Die Funken aus Eisen preßt, Du Spiegel vom echten Stamme, Nur heute halte mich fest! 4. Als ich noch jung gewesen, Einen Spiegel hatt' ich da, Da machten die Leute ein Wesen, Wenn ich in den Spiegel sah. Sie schalten mich einen Gecken Und stolz und eitel dabei; Wie würden sie jetzt erschrecken, Jetzt hab' ich der Spiegel drei. Zum Einen wend' ich mich heute, Zum Andern morgen hin, Nun sagt mir, ihr guten Leute, Ob ich nicht eitel bin?