Am 14ten März 1815 1. Sehnend sitz' ich in der Ferne, Spähe wie aus dunkler Nacht Nach dem holden Augensterne, Ob er zürnet, ob er lacht. Wollt' ich mein Verlangen fragen, Ach, dann wüßt' ich's leicht zu sagen; Doch wenn auch mit sel'gem Licht Deine Blicke mich erfreuten; Es zu deuten, Wagt' ich nicht. Denn mein Herz ist fromm bescheiden, Und wenn du nur fröhlich bist, Will es gern dein Zürnen leiden, Das sein höchstes Leiden ist. Aber wär' ihm auch vor Allen Ein beglückend Loos gefallen, Wüßt' es sich von dir erhört, Dennoch würd' es schüchtern fragen: Werd' ich's tragen? Bin ich's werth? 2. Ach, wer hilft mit kluger Wahl All die Lieder mir gestalten, Die um deine Lippen walten, Die in deiner Augen Strahl Ohne Zahl Mit so holdem Liebesleben Lächeln, blitzen, glühn und schweben! Flüchtig, leicht und bunt beschwingt, Schwärmen sie wie Frühlingsbienen; Alles seh' ich blüh'n und grünen, Lenz und Leben sind verjüngt, Jedes bringt Freundlich seine süßen Gaben, Um mein traurend Herz zu laben. Eines will mit Sonnenschein Flur und Himmel mir besäumen, Jenes singt auf blüh'nden Bäumen Wie ein zartes Vögelein, Und im Hain Rinnt ein andres leis' und helle, Rauscht und spielt wie West und Welle. Bange Lust und linde Ruh, Wünsch' und fröhliches Gelingen Lächeln, flüstern, wehn und singen Mir die Holden freundlich zu, Und was du Nimmer mir gewährst, das bieten Mir die süßen Liebesblüthen. Schon dein sel'ges Bild allein Kann mir alles Schöne geben, Denn es wohnen Lieb' und Leben, Lenzgesang und Sonnenschein, Lust und Pein, Keuscher Thau und helle Flammen Dir in einem Blick beysammen.