Ernst Schulze Poetisches Tagebuch vom 29sten Junius 1811 bis 17ten Februar 1817 Erklärung Ein leichter Sinn mag oft in neuen Weisen Die Lust erhöhn, die wechselnd ihn beglückt; Mein Singen soll nur eine Herrin preisen, Die doppelt stets mein zweifelnd Aug' erblickt. Dort in des Grabes ewig stummen Kreisen, Hier mit des Lebens frischem Reiz geschmückt; Und wenn auch hier zwey Namen sie benennen, Nie kann mein Herz die holden Bilder trennen. Denn wie sich Träum' im Leben oft entfalten, Und Leben oft in luft'gen Träumen blüht, So gatten sich die minnigen Gestalten Zu einem Bild im liebenden Gemüth. In dieser streb' ich Jene festzuhalten, Und wähne, daß mit dieser Jene flieht. Doch weil die Eine längst sich mir entrissen, Mußt' ich auch stets der Andern Liebe missen. Jetzt hab' ich lange Fahrt für sie begonnen 1 , Um ihren Preis auch ferne zu erhöhn; Zwey Jahre schon sind flüchtig mir verronnen, Seit ich zuletzt den Heimathsstrand gesehn. Wird auch das Ziel mit Mühe nur gewonnen, Doch scheint die Müh' um schönes Ziel mir schön, Wenn sie mich nur durch dunkle Meeresweiten Mit süßer Huld und mildem Schimmer leiten. Wohl seh' ich oft, wie hell vom goldnen Throne Der Einen Bild zu mir herniedersinkt, Und freundlich mir zum wundersel'gen Lohne, Daß nur für sie mein treues Lied erklingt, Mit leiser Hand die heil'ge Sängerkrone, Den Lorbeerzweig, in meine Locken schlingt, Und kühner läßt dann auf Gesanges Wellen Mein trunkner Geist des Liedes Segel schwellen. Doch läßt sich dann so kalt die Andre schauen Mit strengem Blick und stolzem Angesicht, Dann schwindet bald mein freudiges Vertrauen; In Nacht versinkt der Liebe leitend Licht; Auf weitem Meer ergreift mich stilles Grauen, Ich weiß den Pfad, das Ziel, den Hafen nicht. Wohl folgst du, denk' ich, trügerischen Sternen, Was kann dich sonst so weit von ihr entfernen? O ihr, die treu vereint in Leid und Freuden Nur ein Gemüth im Busen sonst gehegt, Was konnte so im Tode jetzt euch scheiden, Daß diese flieht, was Jene schützt und pflegt? Du banges Wechselspiel von Lust und Leiden, Wie hast du oft mein Herz so wild bewegt! Doch kenn' ich leicht die Fäden, die dich weben: Süß ist der Traum, doch hart und kalt das Leben. Und dennoch will ich muthig weiter steuern, So lang ein Hauch mein luftig Segel schwellt, Will gern getäuscht in irren Abenteuern Dein Nichts vergessen, arme, kleine Welt! Vielleicht wird doch der Strand sich einst entschleyern, Wenn treuer Sinn dem treuen Gott gefällt. Auch ist es süß, aus bunten Wellenschäumen Manch liebes Bild sich schöpferisch zu träumen. Wohl Manchem wird das Herz im Busen schlagen Bey meines Liedes vielverflochtnem Klang, Wohl Mancher nach dem treuen Sänger fragen, Der, nie geliebt, die Liebe nur besang. Mag sie allein den Kranz mir auch versagen; Ich zürne nicht, und dien' ihr ohne Dank. Für Freude ward von Gott mir Leid beschieden; Auch Leid ist süß; ich duld' und bin zufrieden. Fußnoten 1 Das Gedicht Cäcilie. Am 29sten Junius 1813 Dort wo der Fels, ein Sohn der grauen Zeit, Sich kühn erhebt im dunkeln Fichtenkranze Und trotzig wild zum Strome niederdräut, Ein ernstes Bild im heitern Wellenglanze; Dort saß, umwölbt von säuselndem Gesträuch, Umflüstert von der Lüfte lindem Leben, An blühndem Reiz der frischen Blume gleich, Sie, der mein Herz sich ewig hingegeben. Wie konntest du der rauhen Klippenbahn, Du holdes Bild, den zarten Fuß vertrauen? Wie durftest du dem schroffen Rande nahn Und kühn hinab zum grausen Abgrund schauen? So sah ich dort um ragendes Gestein Leicht angeschmiegt sich duft'ge Rosen winden, Um näher sich am Sonnenstrahl zu freun Und Reiz und Kraft jungfräulich zu verbinden. Dein Zauber schuf zum üppigen Gefild Das starre Graun der unwirthbaren Oede; Zur Dichtung ward der Ferne reiches Bild, Belebt erhielt das Stumme Sinn und Rede. In jedem Schmuck der unbegränzten Flur, In Wies' und Thal, im Grün der heitern Höhen Wähnt' ich das Bild von meiner Liebe nur, Der stillen Sehnsucht dämmernd Bild zu sehen. Da trübte sich von leisem Weh mein Blick: Doch heilig schwamm mir keusche Ruh im Herzen; Wohl lohnt mir Liebe nie mit blüh'ndem Glück: Doch beut sie mild mir ihre reinsten Schmerzen. Am 30sten Junius 1813 Du, Rose, die die Theure mir gegeben, Du, die so hold an ihrer Brust geblüht, Warum verwelkt so bald das warme Leben, Das jugendlich in deinem Kelch geglüht? Ach, als dein Glanz noch ihren Busen schmückte, Aus ihrem Blick der milde Sonnenschein, Aus ihrer Brust der Athem dich erquickte, Da prangtest du im fröhlichen Gedeihn. Doch sah ich bald der Wange Roth erblassen, Und schmerzlich ward dein frischer Reiz getrübt, Als du den Kreis der Freundlichen verlassen, Die du so still, so sehnsuchtsvoll geliebt. So schied auch jeder Schmuck aus meinem Leben, Todt ist die Lust, der Hoffnung milder Glanz: Mir kann der Lenz nur welke Blumen geben; Dem Grabe ziemt kein frisch entblühter Kranz. Doch drängt noch stets aus deiner bleichen Hülle, Wenn auch der Reiz des Lebens sich verlor, Ein leiser Traum der hingewelkten Fülle, Der linde Duft lebendig sich hervor. So labt auch mich, dem jedes Glück entschwunden, Wie Dämmrungshauch der Wehmuth zarter Duft, Und freundlich steigt das Bild der hellern Stunden Im Abendglanz aus seiner frühen Gruft. Ach, alles, alles Schöne flieht von hinnen, Der ferne Stern der Hoffnung sinkt hinab, Der reinste Traum der Sehnsucht muß zerrinnen, Kurz blüht das Glück, und ewig ist das Grab. Doch nimmer welkt die heil'ge Lust am Schönen; Hoch strebt die Lieb' empor im düstern Gram; Nur Liebe kann ihr eignes Leid versöhnen Und selbst ersetzen, was die Welt ihr nahm. Am 17ten Julius 1813 Sinnend stand ich und still auf des Brockens öden Granithöhn; Kühn auf Felsen gestützt, wähnte sich sichrer die Kraft. Nebel umzog das Gebirg, und es floß grauwogende Dämmrung Rings durch die Tief', und es sank dunkel die zitternde Gluth. Fruchtlos schauten die Wanderer hin in's Thal, und es klagte Jeglicher, daß kein Dank lohne den schwierigen Pfad. Aber entzückt hob hoch sich der Geist des sinnigen Dichters, Und aus leichtem Gewölk schuf er ein Zaubergefild. Form und Gestalt rang schnell aus dem Nichts sich empor, und bedeutsam Tagte das Bild, ringsum wallte lebendiger Reiz. Berghöhn thürmten sich kühn, und auf zackigen Klippen erhob sich Dunkel der Wald, und es schwamm zitternd der silberne See. Inselchen lockten mit stillem Gebüsch; leichtschwankende Nachen Wiegten zum heimlichen Sitz harrender Liebe sich hin. Wiesen verbreiteten rings ihr Blüthengewand um des Flusses Rollende Fluth, und es schwieg ruhend das schattige Thal. Alles erschien mir fern wie ein freundliches Land der Verklärung, Und nicht sterbliche Lust lächelte dort mir herab, Denn schon schwamm die erbleichende Gluth tief unter der Dichtung Leuchtender Welt, stets hob höher das Bild sich empor, Herrlicher säumte sich stets mit flammendem Golde der Sehnsucht Wundergebiet, stets ward dunkler das irdische Thal. Ach, da dacht' ich an dich, Holdselige, welche des Freundes Nächtlichen Gram so oft mischte mit dämmernder Lust. Wehmuth lächelte still mir im sinnenden Blick; wohl fühlt' ich Tieferen Schmerz; doch fern tagte mir zartere Lust. Sieh, du schautest herab aus dem lichten Gewölk in des Sieges Goldenem Kranz; dein Blick lächelte ruhig und mild. Sterne blinkten empor, wie du lächeltest, tröstende Sterne, Raschaufstrahlendes Licht folgte der winkenden Hand, Glanzreich wölbte zum Thor sich des Friedens heiliger Bogen, Und aus Morgengewölk ebnete hell sich die Bahn. Mächtig ergriff den verlangenden Geist stillschweigende Sehnsucht, Dich nur sah ich, und dich fühlt' ich im Herzen allein; Nächtlich versank um's hohe Gebirg mir die dämmernde Welt rings, Doch hoch über mir hob klar sich der himmlische Dom. Ach, wohl blühet nur dort mir die Rose des Glücks, und der Hoffnung Leitstern dämmert nur dort leise dem Herzen empor! Bist du doch keusch und rein, wie die Lilie heiliger Engel, Spielt im Auge dir doch ruhig die selige Gluth, Rinnt doch sanft, wie ein zartes Gedicht von der friedlichen Zukunft, Durch des betäubenden Wahns Wellen dein Leben dahin! Ach, dich lieb' ich allein, dich trag' ich ewig im Herzen: Doch stets kettet die Scheu zagend den irdischen Wunsch, Und stets scheinet, je kühner mein Geist aufstrebt zu der Schönheit Hellerem Licht, dein Geist höher und herrlicher mir! – Doch, da senkte die Sonne sich ganz; schwarz wogte die Nacht auf, Graunvoll tobte der Sturm über die Haide daher, Kein trostkündender Stern durchblinkte den trüberen Nebel, Und in finsteren Duft senkte dein Bild sich hinab. Traum nur ist und Schatten das Heiligste; luftiger Wahn nur Leitet die Welt, und das Herz spielt mit betrüglichem Nichts; Was es gewann, ist glänzender Schaum; schnell flattert des Zufalls Lüftchen heran, und es flieht spottend das ewige Gut. – Am 1sten August 1813 Nächtlicher Gram umfing den Ermatteten, schwarz in des Abends Nebel gehüllt, und dumpf schwieg das erstorbene Herz. Thorheit schien und Wahn mir das Heilige, nichtig des Lebens Gaukelgefild, und so klagte der düstere Geist: Fruchtlos hast du gespielt und geträumt! Stets blühte der Hoffnung Ueppiger Baum: doch nie reifte die labende Frucht. Glänzend erhob sich ein herrliches Ziel dem begeisterten Jüngling: Aber der Zufall nur lenkt die entgötterte Welt. Sehnsucht dämmerte dir, und der Lieb' aufstrahlende Sonne Goß jungfräulichen Reiz über den Traum des Gefühls. Doch längst sank der erloschene Strahl, und schwärzere Nacht nur Füllt, je heller er einst leuchtete, jetzt dir das Herz. Was du gesä't, wird rauben der Sturm! Was kämpfst du vergebens Gegen des Schicksals Spott? Ewig ist einzig der Tod! Eins sind Grab und Wiege für dich; in des nichtigen Lebens Zwecklos tändelndem Spiel ringst du, ein Nichts mit dem Nichts! Also zürnet' ich mir und der Welt; doch kalte Verachtung Tilgte den Zorn, und laut lacht' ich im bitteren Hohn. Horch, da schwamm, gleich lindem Gedüft, auf der sinkenden Dämmrung Friedlichem Hauch leicht aufwogend ein lieblicher Ton; Schwellend verkettete bald sich das zitternde Gold, bald rann es Sanfthinschmelzend und oft leise verhallend daher, Und süß wallte Gesang auf des Tons leichtflatternder Schwinge Tröstend, gleich dem Gespräch freundlicher Engel, heran. Ach, da regte sich still das erkaltete Herz, von des Wohllauts Athem erwärmt, und hell tagte die dunkele Welt. Bilder umgaukelten mich, süßschmeichelnde, zarte Gestalten, Und in lebende Form schmiegte sich jedes Gefühl; Dich nur nannte mir jedes Gefühl, und jeglichem Traum lieh Dein holdseliger Reiz Wesen und blühende Kraft. Doch zum Ganzen verkettete bald sich das Einzelne; kunstvoll Trat ein klares Gedicht aus der verworrenen Nacht. Vielfach lebt' in dem bunten Gebild dein wechselnder Liebreiz, Neu stets warst du und stets holder in jeglicher Form: Doch einträchtig erschien in der Schönheit stiller Verklärung Alles verwebt; ein Glanz weilt' in dem irrenden Licht, Und allmächtige Lieb' umwand mit der ewigen Kette, Daß kein feindliches Bild nahe, den flüchtigen Traum. Ha, da fühlt' ich die frühere Kraft; kühn blickt' ich empor, hell Flammte der Geist, hochauf schlug das erweiterte Herz. Herrlich enthüllte die Welt mir des Ruhms muthprüfende Laufbahn, Und wohl schien mir des Kampfs würdig der ewige Kranz, Und ich empfand, noch leb' in der Brust mir der heilige Lichtstrahl Göttlicher Kraft, und groß werd' ich und ruhig durch dich. Bannt dein Wille mich auch in den Kreis schmerzvoller Entsagung; Nie doch, ehe du selbst schwandest, entschwindet das Ziel. Himmlische Schönheit flieht vor des Sterblichen kühner Umarmung; Aber mit ewigem Wunsch lohnt sie dem hoffenden Geist. Am 23sten August 1813 O Fantasie, wie flatterst du so süß Um meine Brust mit leisen Flügelschlägen Und suchst mir rings ein holdes Paradies Voll freundlicher Gestalten aufzuregen? Es wiegt mich hin zu mondbeglänzten Höhn, Es leitet mich zum Rande frischer Quellen, Umsäuselt mich wie duft'ger Schatten Wehn Und bettet mich auf weiche Graseswellen. Noch faß' ich's nicht, was mir dein Wink enthüllt; Doch dämmernd blüht's empor in buntem Leben, Und lächelnd scheint schon manches liebe Bild Dem irren Kampf der Formen zu entschweben. Mein Herz erglüht in ahnungsvoller Lust, Süß bebt's in mir gleich stillem Liebeszagen, Wie Morgenroth umspielt es meine Brust; Doch will es nie zur lichten Klarheit tagen. O laß dich sanft, du holde Gauklerin, Am Rosensaum der leichten Schwingen halten, Und deute mir den wunderbaren Sinn Der nahenden, der fliehenden Gestalten! Und sieh! da ruht das Kämpfende vereint, Der irre Duft der Dämmrung ist entschwunden, Und gleich dem Strahl des frühsten Lichts erscheint Sie, die mit ew'gem Zauber mich umwunden. O sey gegrüßt, du zartes Traumgesicht, Wie lieblich weht dein luftiges Gefieder, Wie senkst du hold, ein freundliches Gedicht, In's öde Reich der Wahrheit dich hernieder! Dein Lächeln ist aus Sonnenschein gewebt, Dein milder Ernst aus stillem Mondenglanze, Lust ist das Kleid, das rosig dich umschwebt, Und Ruhe thaut aus deinem duft'gen Kranze. Ich nahe dir, du friedliche Gestalt, Ich hasche dich mit seligem Verlangen Und halte sanft mit liebender Gewalt An keuscher Brust dich, süßen Traum, umfangen! O weile du bey mir im Schattengrün, Laß fröhlich uns mit luft'gen Bildern spielen, Beflügle mich mit bunten Fantasien. Und kette mich mit heiligen Gefühlen. Fern sey von uns der Welt verworrner Streit, Laß träumend uns in stillen Lauben wohnen! Vergänglich ist, was uns das Leben beut, Das Herz nur flicht sich ew'ge Blüthenkronen. Längst schwand die Sonn' an meines Himmels Saum, Erloschen ist mein Leben und mein Lieben, Du nur allein, du, meiner Liebe Traum, Bist tröstend mir in kalter Nacht geblieben! Am 19ten September 1813 O Leben, laß von dir hinweg mich scheiden Zur Heimath, die dem Pilger Ruhe beut; Ich weiß ein Grab, da schlummern meine Freuden, Da blüht allein, was Tröstung mir verleiht. Gar friedlich ist der stille Platz bereitet, Und lau das Wehn, das flüsternd ihn umschwebt; Lebend'ges Grün ist weich umhergebreitet, Mit Blumen rings sein duft'ger Rand umwebt. Hold säuselt dort mit mattbeglänztem Flügel Im Abendschein die Wehmuth um den Tod, Und leuchtend spielt am frischbekränzten Hügel Der Hoffnung Schein im hellen Morgenroth. Und prangend hebt, wo meine Thränen thauen, Ein Blumenkelch sich aus der stillen Gruft, Der ist gar mild und freundlich anzuschauen Und labt mein Herz mit wunderbarem Duft. Ihn pfleg' ich stets mit liebevoller Treue, Sein frisches Leben nur ist mein Gewinn; Er ist's allein, an dem ich mich erfreue, Wenn er verwelkt, dann welk' auch ich dahin. Denn in dem Reiz, der blühend ihn umwaltet, Und in dem Duft, der züchtig ihn umfließt, Hat sich das Bild der Heiligen entfaltet, Die lange schon der Hügel mir verschließt. Wohl muß ich fern von meiner Freude stehen, Und nimmer blüht sein Schmuck an meiner Brust, Doch darf sein Gruß zu mir herüberwehen, Sein heitrer Glanz gewährt mir zarte Lust. O keusche Sehnsucht, friedliches Verlangen, Wer deinen Hauch in reiner Brust empfand, Dem ist ein Stern von Jenseit aufgegangen, Wenn auch der Strahl des frischen Lebens schwand. Cäcilie, eine Geisterstimme Im October 1813 O Vaterland, du prangst mit heil'gen Siegen Und wandelst kühn des Ruhmes ew'gen Pfad; Auf steiler Bahn bist du emporgestiegen, Und Freiheit keimt und Fried' aus blut'ger Saat; Doch schüchtern hat der Sänger dir geschwiegen, Und zagend wich das Wort der größern That. Mag Schwachheit auch auf stolzen Wahn vertrauen; Der Adler nur darf auf zur Sonne schauen. Doch jetzt ist mir ein starker Muth entglommen, Und ernst ermahnt mich eine theure Pflicht; Von Himmelshöhn ist mir die Kraft gekommen, Und Gluth der Brust, dem Geiste klares Licht. Von Engelslippen hab' ich ihn vernommen, Den heil'gen Ruf, drum zag' ich fürder nicht. Wen Lieb' und Gott zur Bahn des Kampfes leiten, Der zweifle nicht; er wird den Sieg erstreiten. Denn Sie, die still, als noch die Schand' uns drückte, Ein deutsches Herz im freyen Busen trug, Die stolz hinab auf fremden Schimmer blickte, Mit strengem Spott den Sklaven niederschlug, Die fromm und zart die rauhe Welt uns schmückte, Ein segnend Licht in finstrer Zeiten Fluch, Die Gott schon früh zu seinem Thron erhoben, Um herrlicher sein schönstes Werk zu loben; Sie nahte mir von ihren lichten Höhen, Im Spiel des Traums ein ernstes Heil'genbild; Ihr Auge war wie Frühlicht anzusehen, Von Morgenroth die helle Wang' umhüllt; Um ihren Kranz entfloß ein göttlich Wehen, Wie durch den Thau der Blüthe Duft entquillt, Und gleich dem Klang verklärter Harfenlieder Kam so ihr Wort zu meinem Geist hernieder: Was feyerst du und schweigst in düstern Klagen, Ein Nachtgewölk im hellen Morgenroth, Und weinst, da Glück und Ruhm für Alle tagen, Mit feigem Schmerz um deines Glückes Tod? Wer mich geliebt, der muß das Große wagen, Der Ruf der Kraft, er ist auch mein Gebot; Was ich empfand, das sollst auch du empfinden, Und meinen Werth durch deinen Werth verkünden. Hab' ich nicht oft mit stillgeweinten Thränen In stummem Gram mich um mein Volk verzehrt, Nicht oft von Gott mit heißem Flehn und Sehnen Des Frevels Sturz, der Freyheit Sieg begehrt? Hab' ich den Kranz des Guten und des Schönen Nicht hoffnungsvoll in finstrer Zeit genährt? War ich nicht frey im unterjochten Lande Und groß und gut beym schnöden Druck der Schande? Drum ward ein schönes Loos mir zugewogen; Früh nahm der Herr zum Himmel mich empor. Wohl war die Welt mit Wetternacht umzogen, Doch Engeln weicht der Zukunft finstrer Flor. Und sieh, es stieg aus Kampf und Sturm und Wogen In heil'ger Ruh' ein gnäd'ger Strahl hervor. Was jetzt der Dank der freyen Völker feyert, Das war mir längst verkündet und entschleyert. Denn als verführt von seinen Lügengöttern Dem Thron der Welt der schnöde Knecht genaht, Da dachte Gott den Götzen zu zerschmettern Und sandte Gluth und Frost auf seinen Pfad; Und er gebot den Stürmer und den Wettern, Hinwegzuwehn des Frevels stolze Saat. Da sank sein Herz, und an dem Riesenwerke Erzitterten die Säulen seiner Stärke. Und er entwich mit seinen flücht'gen Schaaren; Ihm sandte Gott das trügerische Glück, Und leitete durch blutige Gefahren, Durch Flamm' und Fluth den Trotzigen zurück, Für größres Leid der Zukunft ihn zu sparen, Für Freundes Trug und für des Feindes Glück. Nicht ehrlich sollte er im Kampf erliegen, In dessen Brust die Ehre stets geschwiegen. Und Gott erhob die Kraft der Fürsten wieder Und band ihr Herz durch Lieb' und Freud' und Leid. Ein Recht, ein Haß, verflocht die deutschen Brüder, Die lange schon der Hölle List entzweyt. Der Norden stieg zum Kampf der Freiheit nieder, Und fröhlich zog der Ost zum raschen Streit; Denn wer's gewagt, das Heil'ge zu vernichten, Den will kein Volk, den will die Menschheit richten. Und es gelang! Siehst du den Thron erzittern, Den früher schon die Last der Schmach gedrückt? Es wogt und zürnt gleich schwarzen Ungewittern; Roth ist der Strahl aus dunkler Nacht gezückt. Der Rächer naht, die Säulen zu zersplittern, Die ohne Gott der Siegeskranz geschmückt. Der Abgrund lacht dem nahen Raub entgegen, Und aus der Saat des Fluchs entkeimt der Segen. Heil dir, mein Volk! du ziehst auf blut'gen Bahnen Und trauerst nicht, wenn mancher Edle sinkt. Wo Freyheit wohnt, da flattern deine Fahnen, Und Heere stehn, wohin dein Ruf erklingt. Nicht lange läßt der tapfre Mann sich mahnen; Sein Vaterland ist, wo Gefahr ihm winkt, Wo Ehr' und Recht dem theuern Sieg entsprießen, Da scheint's ihm Lohn, sein Herzblut zu vergießen. Hörst du zu Gott den Dank der Völker steigen? Zum Tempel wird das blaue Himmelszelt, Und Jedes Knie will sich dem Ew'gen neigen; Von gläub'ger Lust ist Geist und Blick erhellt; Die Sonne glänzt; des Herbstes Stürme schweigen; Die Freyheit labt wie Frühlingshauch die Welt. Kein Opfer schmerzt, kein Leid und keine Bürde; Groß ist der Mensch und reich durch seine Würde. Euch wird der Muth, die Treue wiederkehren, Im Kranz der Kraft wird Zucht und Milde blühn; Kein fremdes Gift wird euern Schmuck zerstören, Kein schnöder Lohn in's Joch der Schmach euch ziehn. Die Jungfrau wird den Schein nicht ferner ehren, Kein Jüngling mehr für feile Bilder glühn, Und staunend wird der Fremdling euch erkennen, Und Kraft und Sitte deutsche Tugend nennen. Und lange soll der heil'ge Fried' euch krönen, Den ihr errangt in hart gekämpfter Schlacht, Und Liebe soll den langen Haß versöhnen, Und schmücken soll das Recht den Thron der Macht, Und wohnen soll das Gute bey dem Schönen, Und heilig seyn, was jetzt der Spott verlacht, Und ewig soll der fromme Glaube leben: Nicht unsre Kraft, den Sieg hat Gott gegeben! Ein ernstes Wort will ich dir noch enthüllen; Du schließ' es treu in deinen Busen ein: Kein Schicksal giebt's, es giebt nur Muth und Willen; Sey stark durch dich, so ist die Palme dein. Es giebt ein Maaß, das soll der Mensch erfüllen Und groß durch Kraft, durch Hemmung größer seyn. Es giebt ein Recht, das gilt in jedem Kreise. Es herrscht ein Gott, der ist allein der Weise. Am 1sten November 1813 Rosse wiehern, Waffen blinken, Deutschlands Rächer sind genaht, Und die bunten Fahnen winken Zu des Ruhmes goldnem Pfad. Soll ich stets dem Kummer dienen, Sehnsuchtsvoll und hoffnungslos? Sieh, das Ziel ist schön und groß; Nimmer blüht die That des Kühnen In der Ruhe trägem Schooß. Laß mich ziehn, wohin das Mahnen Meines Busens mir gebeut; Friedenspalmen sind die Fahnen, Und zum Schlummer ruft der Streit. Meine Freunde sind gefallen Durch der Feinde blut'ges Schwert, Und mein Herz blieb unerhört, Und das Leben hat von allen Wünschen keinen mir gewährt. Rauher Herbst, du wehst so schaurig Um der Blüthen ödes Grab, Deine Wolken hängen traurig Auf die dunkle Welt herab! Send', o Krieg, aus ehrnem Schlunde Deine Flammen durchs Gefild, Wirble, Trommel, hell und wild, Daß das kranke Herz gesunde Durch des Lebens rasches Bild. Doch nicht sey's ein dumpfes Zürnen, Das zur fremden Bahn mich drängt; Friede sey mit den Gestirnen, Die mein feindlich Loos gelenkt. Freyer Wille ziemt dem Streiter, Den das Vaterland gewann, Und es schließt der deutsche Mann Ruhig, unbetäubt und heiter Sich dem schönen Bündniß an. Laß uns scheiden! Sprich, was frommen Herz und Leben, stets entzweyt? Ach, der Herbst ist längst gekommen, Und noch währt des Lenzes Leid. Laß uns still und freundlich scheiden, Bis uns schönre Sonnen glühn; Alles hab' ich dir verziehn, Denn du hast für ird'sche Leiden Ew'ge Schätze mir verliehn. Friedlich will ich mich dir nahen, Deinen Segen zu erflehn, Will dein letztes Wort empfahen, Deinen Blick noch einmal sehn. O nur einen Kuß, nur einen, Für des Herzens wilden Streit, Für der Zukunft langes Leid, Und nicht länger will ich weinen Um geträumte Seligkeit! Laß mich ziehn! Wie darfst du klagen, Wenn ich selbst mit starkem Sinn Muthig bin, dir zu entsagen, Werth dich zu besitzen bin? Jedes Band will ich vernichten, Das mich fesselnd noch umgiebt. Früher, als ich dich geliebt, Hat das Vaterland die Pflichten Treuer Lieb' an mir geübt. Lebe wohl! Ich scheide nimmer; Jedes mildgewährte Pfand, Jeder heil'gen Stunde Schimmer Folgt mir nach in's ferne Land. Lebe wohl, du Zarte, Reine! Ewig lebt dein holdes Bild Mir im Busen, still und mild; Aber du, vergiß das meine, Wenn mit Schmerz es dich erfüllt. O sey glücklich und entsage, Großes Herz, dem stillen Gram! Was das Leben gab, ertrage Und verschmerze, was es nahm. Ohne Sorge laß mich scheiden; Freudig sey das Herz und licht, Denn mich ruft die heil'ge Pflicht! Willig trag' ich meine Leiden: Doch die deinen trüg' ich nicht. Fest will ich im Streite stehen, Kühn des Feindes droh'nder Macht Und dem Tod entgegensehen, Denn für dich auch gilt die Schlacht. Doch wenn laut das Kampfgefilde Von des Mordes Jauchzen tönt, Und der Schmerz verzweifelnd stöhnt, O dann sey durch dich, du Milde, Herz und Leben ausgesöhnt. Sieh, der Leu hat sich erhoben, Und der feige Tiger zagt! Keiner soll den Schwachen loben, Der nicht Blut und Leben wagt. Liebe flicht uns Siegeskränze, Wenn das große Werk vollbracht, Und wem keine Liebe lacht, Den erfreun des Ruhmes Lenze In des Lebens langer Nacht. Wenn ich falle – o dann trübe Keine Thräne dein Gesicht! Reich belohnt ist meine Liebe, Und mein Schatten zürnt dir nicht. Sie, die Heilige, die Hehre, Die den Himmel längst errang, Beut dem Freunde gern den Dank, Der für Vaterland und Ehre Und für Recht und Liebe sank. Am 15ten November 1813 Hätt' ich dich nie gesehen, Dann könnt' ich rasch dahin Durch's heitre Leben gehen Mit jugendlichem Sinn! Und klagen würd' ich nimmer; O Lenz, wie ist so bald Entflohn dein goldner Schimmer, Und dein Gesang verhallt! Wo frische Rosen ständen, Da fänd' ich Dach und Strauß, Und wenn die Rosen schwänden Verließ' ich Schmuck und Haus. Wohl wechseln Licht und Farben, Doch bleibt das Leben dein, Und wo die Blüthen starben, Wird dich die Frucht erfreun. Jetzt muß ich ewig weinen Um einen welken Kranz. Die Frucht wird nie erscheinen, Und ewig starb sein Glanz. Doch heg' ich wohl mit Freuden Den Schmerz in stiller Brust; Und hätt' ich mindre Leiden, So hätt' ich mindre Lust. Wohl sinkt aus trüben Düften Die Dämmrung öd' und grau; Doch schwillt von süßern Düften Die Blüth' im nächt'gen Thau. Wohl kehrt das Vöglein nimmer, Das einst sein Lied dir sang; Doch hört dein Herz noch immer Den wundersüßen Klang. Wer Schönes je empfangen, Dem bleibt es ewig nah; Doch ewig muß verlangen, Wer nie das Schöne sah. Hätt' ich dich nie gesehen, Dann müßte bald mein Herz In Sehnsuchtsqual vergehen; Jetzt lebt es durch den Schmerz. Am 16ten November 1813 Was siehst du mich so hold und mild Mit hellen Blicken an, Daß mir das Herz von Sehnsucht schwillt Und nimmer rasten kann? So zittert, wenn die Woge ruht, Im Meer das Sternenlicht, Und liebend wallt und steigt die Fluth Und doch erhascht sie's nicht. O wend' ihn ab, den holden Stern, Schon duld' ich ja genug; Das schwache Herz betrügt sich gern, Und bitter schmerzt der Trug! Schwärmt nicht das Bienchen oft hinaus Beym ersten Frühlingsblick? Doch schnell verweht's im Sturmgebraus Und kehret nie zurück. Und wehe! doch ertrüg' ich's nicht, Sollt' ich dich finster sehn; O lächle nur! Wenn's Herz auch bricht, Der Trug ist gar zu schön. Am 1sten Januar 1814 Wohl hab' ich dir mit leisem Ton Manch zartempfund'nes Lied gesungen, Doch nie des Liedes süßen Lohn, Der Minne Lächeln, mir errungen; Drum seufz' ich oft mit stillem Schmerz: Verstummt, verstummt ihr gold'nen Saiten! Denn ach, der Liebsten kaltes Herz Kann eure Klänge doch nicht deuten! Doch nah' ich dir, du holdes Bild, Und sitze still zu deinen Füßen Und sehe, wie so wundermild Mich deine klaren Blicke grüßen, Und wie der Unschuld keuscher Kranz Und wie die Blüthen alles Schönen Dein Angesicht mit reinem Glanz, Mit heil'gem Schmuck dein Leben krönen; Dann schwillt mein Herz von süßer Lust Und kann's nicht bergen, nicht enthalten, Und bunt beginnt in tiefer Brust Der Bilder holdes Reich zu walten, Und was dein Mund, dein Auge spricht, Tönt lieblich mir im Herzen wieder, Und deiner Strenge denk' ich nicht, Und denke nur auf zarte Lieder. Dein Aug' ist meine Fantasie, Dein Athem giebt mir Mild' und Feuer, Dein Wort mir Klang und Harmonie, Dein Wangenroth der Anmuth Schleier. O wollte nur der Genius Der Liebe meinem Leben lachen, Dann könnte leicht dein süßer Kuß Den Sänger noch unsterblich machen! Am 3ten Januar 1814 Du zarte Ros' im Morgenthau, Du blühst so still auf weiter Au, Und läßt von Keinem dich berühren; Und immer willst du einsam stehn, Und, nur für dich so frisch und schön, Den Kranz der Liebe nimmer zieren. Du liebst den hellen May allein, Das Morgenroth, den Sonnenschein, Den Frühlingswind, das Licht der Quelle, Und schaust, vom duft'gen Laub verhüllt, Dein Bild allein, dein keusches Bild, Im sanftbewegten Glanz der Welle. Wohl schleicht der Schäfer bang und fern Und sieht zum holden Purpurstern So still, so sehnsuchtsvoll hinüber: Du duftest fort im Sonnenlicht Und achtest sein Verlangen nicht, Und Bien' und Vöglein sind dir lieber. O Rose, Rose, Frühlingsbraut, Wer hat so reizend dich gebaut Und Perlen auf dich ausgegossen, Wer hat den Duft dir eingehaucht Und dich in Morgengluth getaucht, Und doch der Liebe dich verschlossen! Wohl hat dein Hochmuth mich betrübt; Doch selig ist, wer Schönes liebt. Drum kann ich nimmer von dir scheiden, Und will mir stille Lauben baun Und fern zu dir hinüberschaun! – Sprich, stolzes Röslein, willst du's leiden? Am 4ten Januar 1814 Sonnig lacht der helle May, Flüchtig rinnt der Quell vorbey, Und von Blumen prangt die Weide; Ueppig blüht die ein' empor, Und die andre schaut hervor Schüchtern aus dem grünen Kleide: Also sendet mild und rein Ihren lauen Sonnenschein In das Herz die Liebe nieder, Und in sehnsuchtsvoller Brust Wechseln flüchtig Leid und Lust, Ewig keimen neue Lieder. Welkt, ihr Blumen, gern dahin, Denn euch grüßt die Schäferin Freundlich im Vorüberwallen. Lieder, fordert keinen Dank, Wenn auch nur Minuten lang Meiner Liebsten ihr gefallen. Am 5ten Januar 1814 Wenn der junge May erschienen, Wird die Blume wieder wach, Und die Welle spielt im Bach Und der Schmetterling im Grünen. Vöglein singen hellen Sang, Minnekosen, Minnedank, Von der Liebsten zu verdienen. Süße Liebe, süßes Leben, Fröhlich war dein Glanz und Schall, Und ich bat die Nachtigall Lied und Schwingen mir zu geben, Um mit bunten Bögelein Durch die Lüfte, durch den Hain, Singend auf und ab zu schweben. Schlummert nun, ihr öden Haine, Schmücke dich nicht mehr, o Flur, Denn die Lust bewegt mich nur, Daß ich stille Thränen weine! Und wohl fragt manch liebes Herz Nach des Sängers tiefem Schmerz: Doch ihn kennt und heilt nur Eine. Mild und freundlich ist sie immer, Und doch kalt und ungerührt, Und was Schönen nur gebührt, Das begehrt die Schöne nimmer! – Liebe, reichst mir schlimmen Dank! Leben, bist im Schmerz so lang Und so kurz im Sonnenschimmer! Am 6ten Januar 1814 Alles, wo ich weil' und gehe, Muß Verlangen mir erregen, Ewig ist von süßem Wehe Mir die volle Brust erfüllt, Und du kömmst auf allen Wegen Mir entgegen, Holdes Bild! Flieh' ich dich, so muß ich leiden; Leiden, wenn ich dich erblicke; Immer zwischen Sehn und Meiden Schwankt mein Herz im raschen Streit, Und mir naht, wohin ich blicke, Leid im Glücke, Glück im Leid. Wenn ich still auf Lieder sinne, Scheinst du hold mit mir zu scherzen, Und ich ruh' im Wahn der Minne Selig dann an deiner Brust. Flieh, o Traum, du bringst dem Herzen Lange Schmerzen, Kurze Lust! Wogend zwischen Freud' und Kummer Schweb' ich, wie im Meer der Nachen, Und ich wünsche nun den Schlummer, Und zu wachen wünsch' ich nun. Soll ich weinen, soll ich lachen? Soll ich wachen Oder ruhn? Wollt' ich aus dem Leben scheiden, Schwiegen wohl die wilden Triebe: Doch zu missen Lust und Leiden, Ist dem Herzen kein Gewinn. Sey du freundlich oder trübe, Süße Liebe, Nimm mich hin! Am 7ten Januar 1814 Wie im Lenz an blühn'den Zweigen Immer junge Knospen keimen, So entsprießt mit ew'gem Drange Mir im Busen Lied auf Lied. Singen oder ewig schweigen, Sterben muß ich oder träumen, Weil im Traum nur und Gesange Mein verwelktes Leben blüht. Wild von Stürmen fortgetrieben, Schweift der Schiffer hin und wieder, Treibt verirrt von Strand zu Strande Unter fremdem Volk umher; Und er denkt der fernen Lieben, Singt der Heimath holde Lieder; Von des Schiffes hohem Rande Schaut er still hinaus in's Meer. Und er sieht im Schaum der Wellen Seiner Heimath Blumen sprießen, Lauer weht der Wind und milder, Und der Tiefe Zürnen ruht; Und ihn scheint der Woge Schwellen Mit verwandtem Ton zu grüßen, Und der Lieben ferne Bilder Lächeln aus der hellen Fluth. Hat in ihren Zauberkreisen Liebe nicht mein Herz erzogen? Irr' ich nicht auf wilden Meeren Fern von ihrem sel'gen Hain? Traurend mit den alten Weisen Such' ich jetzt den Zorn der Wogen, Hold mich täuschend, zu beschwören, Glücklich, ach, im Traum allein! Am 8ten Januar 1814 O Quell, was strömst du rasch und wild, Und wühlst in deinem Silbersande, Und drängst, von weißem Schaum verhüllt, Dich schwellend auf am grünen Rande? O riesle, Quell, Doch glatt und hell, Daß ich, verklärt von zartem Thaue, Mein zitternd Bild in dir erschaue. O Blume, kann ich ruhig seyn, Wenn sich dein Bild in mir bespiegelt, Und wunderbare Liebespein Mich bald zurückhält, bald beflügelt? Drum streb' ich auf Mit irrem Lauf Und will mit schmachtendem Verlangen, Du Zarte, deinen Kelch umfangen. O Quell, ich stehe viel zu fern, Du kannst dich nie zu mir erheben; Doch freundlich soll mein Blüthenstern Auf deiner heitern Fläche beben. Drum riesle hin Mit stillem Sinn; Süß ist's, im Busen ohne Klagen Der Liebsten keusches Bild zu tragen. O Blume, Rath und Trost ist leicht, Doch schwer ist's, hoffnungslos zu glühen; Wenn auch mein Kuß dich nie erreicht, So muß ich ewig doch mich mühen. Ein Blatt allein Laß du hinein In meine wilde Tiefe fallen, Dann will ich still vorüberwallen. Am 9ten Januar 1814 Heimlich aufgeregten Wogen Gleich' ich, wenn bey Windesstille Dumpf die schwarzen Tiefen zürnen Und vom Schaum die Fläche bebt: Aber du dem Himmelsbogen, Der in dunkelblauer Hülle, Hell von leuchtenden Gestirnen, Ruhig ob den Fluthen schwebt. Ich dem düstern Luftgefilde, Wenn von Wettergraun umnachtet Schweigend zum verhüllten Thale Sturm und Wolke niederdräut: Du dem lichten Sonnenblicke, Das den finstern Feind nicht achtet Und mit einem heitern Strahle Siegend seine Nacht zerstreut. Doch nicht ewig lacht die Helle Segnend von den blauen Höhen, Wilder tobt des Sturmes Zürnen, Wenn der gold'ne Strahl verglimmt: Ach, wer schützt mich vor der Welle, Vor des Windes rauhem Wehen, Wenn den rettenden Gestirnen Fern mein irrer Nachen schwimmt? Am 11ten Januar 1814 Dicht von blüh'ndem Hag umkränzet Weiß ich einen Zauberhain; Alles Schöne sprießt und glänzet Dort im lieblichen Verein. Was auf freyer Flur entkeimte, Was das Gartenbeet erzieht, Was ich sah und was ich träumte, Ist verbunden dort entblüht. Wunderbare Pfade winden Durch den Hain sich hin und her, Und ich kann das Ziel nicht finden, Weiß den Anfang nimmermehr; Und doch scheint, so sehr ich staune, Bey des Pfades Neckereyn, Alles ohne Kunst und Laune, Alles schlicht und recht zu seyn. Süße Lieder hör' ich klingen Aus dem grünen Labyrinth, Sehe frische Quellen springen, Athme leichten Frühlingswind; Bald erglänzt im Lichtgefunkel Bunt und fröhlich Wies' und Flur, Bald empfängt im Hainesdunkel Dich der Träume leise Spur. Freundlich geht und sinnig waltet In dem Hain die Zauberin; Zierlich, zart und schön gestaltet Alles sich nach ihrem Sinn. Ihre Blumen zu erfrischen, Weilt sie bald am klaren Bach, Und bald jagt sie in den Büschen Bunten Schmetterlingen nach. Spähend irr' ich hin und wieder, Harre lauschend an der Thür, Singe manche leise Lieder, Dicht' und träume nur von ihr. Denn es ist gar hell und fröhlich In dem duft'gen Zauberhain, Und ich würde wunderseelig Bey der schönen Huldin seyn. Und sie öffnet wohl die Pforte, Schaut heraus mit milder Ruh, Sendet manche holde Worte, Manchen lieben Blick mir zu; Doch den Wunsch, wonach ich trachte, Hört die Strenge nimmer an, Und je süßer sie mir lachte, Desto bittrer wein' ich dann. Läßt sie mich auch ewig leiden Und mich weinen spät und früh, Dennoch kann ich nimmer scheiden, Ach, und zürnen kann ich nie! Denn es wohnt in ihrer Schöne Eine wunderbare Kraft, Die zum Lächeln selbst die Thräne, Und den Schmerz zur Hoffnung schafft. Am 13ten Januar 1814 Wenn ich still an deinen Blicken hange, Quillt in mir ein wunderbares Leben, Und der Träume bunte Geister spielen Um mich her im zauberischen Tanz. Wie die Tön' im gold'nen Harfenklange Leis' und laut sich in einander weben, So verflicht von wechselnden Gefühlen Hell und dämmernd sich der holde Kranz. Liebesküsse beut mir dann mein Sehnen, Und in meinem Arme ruht mein Hoffen; Was ich träumte, steigt vom Himmel nieder, Aus dem Grab ersteht, was ich verlor; Und es ist die Bahn zu allem Schönen Und des Sieges gold'nes Thor mir offen, Und es strebt mit mächtigem Gefieder Muthig der erlöste Geist empor. Ach, in deines Blickes heil'gem Quelle Seh' ich alle seel'ge Geister walten, Was zum kühnen Wunsch das Herz beflügelt, Was des Herzens kühne Wünsche stillt. So erzittern in bewegter Welle Rasch des Ufers blühende Gestalten; Doch in unerforschter Tiefe spiegelt Ruhig sich des Himmels heitres Bild. Am 15ten Januar 1814 Schön ist es dort, wo kühne Adler bauen, Auf hohem Fels mit stiller Kraft zu stehn, Und unverzagt durch finstres Wolkengrauen Und durch's Gebiet des Blitzes hinzugehn; Doch lieblich auch, zu ruhn auf weichen Auen Am leisen Quell, in linder Lüfte Wehn, Und Lust und Leid des Lebens zu empfinden, Und Kränze sich, die schnell verblühn, zu winden. So kann nicht stets mit ernsten Harfentönen Der Sänger sich den hohen Musen nahn. Gern folgt er oft des Herzens weicherm Sehnen Und wandelt still auf duft'ger Wiesenbahn, Mit zartem Schmuck der Liebsten Bild zu krönen, Im süßen Traum das Leben zu umfahn, Mit leiserm Klang das Schöne zu begrüßen Und Lust und Leid in Liedern zu ergießen. So hab' ich jetzt in unbelauschten Stunden, Wo lächelnd mir dein holdes Bild erschien, Den Blumenkranz der Lieder dir gewunden, Die leicht entstehn, kurz duften, bald verblühn. Nicht prangt, was rasch das glüh'nde Herz empfunden, Im ew'gen Schmuck von frischem Immergrün; Aufwallend will's im Liede wiederhallen Und flüchtig nur, so lang es klingt, gefallen. Wohl kräuseln sich die leichtbewegten Fluthen, Und irrend schweift der Strahl im Wogentanz; Doch wenn vom Spiel die glatten Wellen ruhten, Dann lacht' im Meer der Sonne stiller Glanz. So zähm' ich jetzt des Herzens rasche Gluthen Und blick' empor zum nie verblüh'nden Kranz. Wohl ist es schwer, dem Spiele zu entsagen, Doch herrlich auch, Unsterbliches zu wagen. Und lauter soll die Harfe wieder klingen; Durch Licht und Nacht, durch Kampf und Lust und Leid Will ich getrost den steilen Pfad vollbringen, Dem Liebe mich, dem mich der Tod geweiht, Schon rauscht und naht mit seinen lichten Schwingen Das seel'ge Bild, das mir die Palme beut! Du, lächle mild herab auf meine Töne, Daß Euch und mich der ew'ge Lorbeer kröne. Am 16ten Januar 1814 Jüngst berief ich meine Lieder, Und sie flatterten herbey, Schwebten singend auf und nieder, Spielten, flogen hin und wieder, Wie der Bienenschwarm im May. Und ich sagte: Fliegt und nistet, Singt und tändelt, wo's euch lüstet, Lieder, geht, ich geb' euch frey. Lange hab' ich euch gehalten, Meine Liebste zu erfreun; Doch ihr werdet von der Kalten Nimmermehr den Dank erhalten, Nimmer frey und fröhlich seyn. Nun so flieht und flattert weiter; Ewig hell und ewig heiter Ist der duft'ge Musenhain. Doch sie schienen still zu klagen, Fühlten weder Lust noch Dank, Und vor Wehmuth und vor Zagen Konnte keins ein Wörtchen sagen, Jedes seufzte leis' und bang. Und sie neigten ihr Gefieder, Senkten still das Köpfchen nieder, Ohne Sang und ohne Klang. Und nur eines spannte dreister Bittend seine Flügel aus: Laß doch, sang es, lieber Meister, Nicht die armen kleinen Geister Irren ohne Pfleg' und Haus! Treib' uns doch von unsern Rosen Nimmer in den blätterlosen, In den wilden Hain hinaus! Kannst du Schönes wohl uns zeigen, Was die Liebe nicht erzieht? Ach, wo ihre Lüfte schweigen, Fällt das Laub von allen Zweigen, Und der Blumenkelch verblüht. Traurig stehn die grünen Hallen, Und es fliehn die Nachtigallen, Wenn der frische Lenz entflieht. Schwärmen auch in blüh'nden Hainen Unsre Brüder groß und klein, Schöner wird es uns erscheinen, Bey der Schönen, bey der Reinen, Bey der Freundlichen zu seyn. Blickt die Lieb' auch streng und trübe, Lieb' ist Leben, Leben Liebe, Und der Freye wohnt allein. Schwindet nicht der Morgenschimmer, Schweigt das laue Säuseln nicht? Ihre Augen leuchten immer, Gluth und Milde scheiden nimmer Aus dem keuschen Angesicht. Mag sie nie den Dank uns geben, Laß uns spielen, laß uns leben In dem warmen Sonnenlicht! Nun so flattert hin und wieder Um die schöne Zauberin; Bald versengt ihr, arme Lieder, Euch das lustige Gefieder, Und verklungen sinkt ihr hin. Süßen Tod sollt ihr erwerben; Für der Liebsten Lust zu sterben, Ist der freundlichste Gewinn. Der Blumenkranz Am 17ten Februar 1814 Hold windet sich der bunte Schmuck zum Kranze, Ein Blümchen muß des andern Reiz erhöhn, Entfaltet lacht die Blüth' im milden Glanze, Die Knospe strebt, zum Licht emporzusehn, Ein duft'ger Geist umsäuselt zart das Ganze; Doch jeder Kelch bewahrt das eigne Wehn, Und zierlich ruht der Kranz in heller Schale Und lächelt, daß er lächelnd wiederstrahle. So freundlich hat in deinem zarten Leben Ein jeder Schmuck des Schönen sich enthüllt. Vollendung scheint der Reiz dem Reiz zu geben, Durch Harmonie des Wechsels Streit gestillt, Und tausend Farben seh' ich lieblich schweben, Aus allen taucht ein einz'ges schönes Bild; Und leuchtend blickt im heiteren Gemüthe Der Wahrheit Glanz selbst aus des Traumes Blüthe. Am 7ten März 1814 Hoch auf Felsen möcht' ich klimmen, Wo die Wolken nächtlich thronen Und von bleichem Duft umwoben Fern des Lebens Bild erblaßt. Ueber Ströme möcht' ich schwimmen, Möcht' in dunklen Wüsten wohnen Und durch Nacht und Sturmestoben Wandeln ohne Ruh' und Rast. Nur der Bilder rasches Walten Kann den innern Sturm beschwören, Und doch zieht's mich in die Stille Zu des Herzens Kampf zurück. Denn ich zage, zu erkalten, Mag die Gluth mich auch verzehren; Was mich täuscht, das ist mein Wille, Was mich quält, mein einz'ges Glück. Schmerzlich tracht' ich nach dem Schönen, Weil ich Schönes lieb' im Herzen; Doch das Schöne läßt mich zagen, Weil ich ewig fern ihm bin. Ew'ge Täuschung, ew'ges Sehnen, Bange Lust und bittre Schmerzen, Furcht und Hoffnung, Fliehn und Wagen, Zarte Lieb' ist dein Gewinn! Weh, die Nacht ist ohne Sterne, Ohne Farb' und Licht der Morgen, Und kein Leben giebt das Wachen Und der Schlummer keine Ruh. Und so treib' ich durch die Ferne, Auf dem Meer entzweyter Sorgen, Steuerlos, im morschen Rachen Trügerischen Küsten zu. Und ich achte nicht der Wellen, Suche nicht der Noth zu wehren, Weil ein einziger Gedanke Tödtend meine Kraft umflicht. Mag der schwache Kahn zerschellen, Mag er heim zum Ufer kehren, Tod, ich zittre nicht; ich danke, Glück, dir deine Rettung nicht! Jägerlied Moorburg den 8ten April 1814. Was blitzt in den Büschen so hell, was schallt In dem grünen Gehege so munter? Was zieht hervor aus dem dunkelen Wald Und fern von den Bergen herunter? Wir sind die Jäger, wir ziehn von Haus Und wollen zum Feind in das Feld hinaus, Zum Krieg, Zum Sieg Und zum Siegesschmaus. Von dem lustigen Harzwald kommen wir her, Wo nach Gold und nach Silber sie graben. Uns frommet das Gold und das Silber nicht mehr, Nur die Freyheit wollen wir haben. Drum ließen wir Andern den thörigten Wahn Und haben mit Eisen uns angethan; Nur das Schwert Hat Werth Auf der blutigen Bahn. Schön ist's, zu lieben, zu trinken schön, Schön ist's zu schlummern im Grünen; Doch fröhlicher ist's in der Schlacht zu stehn Und sich Beut' und Kranz zu verdienen; Hell lodert wie Liebe des Kampfes Gluth, Und wo Viele schlummern, da schläft sich's gut, Und es trinkt Wer sinkt, Sey's Wein, sey's Blut. Oft haben wir wohl in der dunkeln Nacht Bey Stürmen und Regenschauern Hoch auf dem Fels und in Schluchten gewacht, Um das streifende Wild zu belauern; Jetzt ziehen wir muthig im Sonnenlicht Und sehen dem Feind in das Angesicht. Sey's Jagd, Sey's Schlacht, Uns kümmert's nicht. Mag fliehen der Feige durch Wald und Feld, Wenn die stärkere Zahl ihn bestreitet; Wo das Wild uns in Schaaren entgegenprellt, Da wird was Rechtes erbeutet. Und wenn auch unzählig der Feind uns droht, Uns blitzt aus den Händen der sichere Tod. Ein Knall Ein Fall, Das ist Jägergebot. Drum haltet zusammen und stehet fest, Der Eine den Andern zu decken; Wenn nur vom Freunde der Freund nicht läßt, Kann wenig der Feind uns erschrecken. Doch steht dein Nam' auf dem tödtlichen Bley, So fliegt dir auch nimmer die Kugel vorbey; Vom Freund, Vom Feind, Es ist einerley. Denn der größte Jägersmann ist der Tod, Der will an der Lust nur sich laben; Wohl färbt er mit Blute die Haiden roth, Doch die Beute läßt er den Raben. Und er saust und braust mit Sturmes Gewalt Hoch über die Berg' und über den Wald, Und es bebt Was lebt, Wenn sein Jagdhorn schallt. Doch was frommt's, vor dem mächtigen Jäger zu fliehn, Der nimmer vorübergeschossen? Viel rühmlicher ist es uns, mitzuziehn, Dem Starken als starke Genossen, Und wenn er auf uns auch den Bogen spannt, Wer kühn ihm das Angesicht zugewandt, Der fällt Als Held Von des Helden Hand. Am 28sten April 1814 Ihr Sternlein, still in der Höhe, Ihr Sternlein, spielend im Meer, Wenn ich von Ferne daher So freundlich euch leuchten sehe, So wird mir von Wohl und von Wehe Mein Busen so bang und so schwer. Es zittert von Frühlingswinden Der Himmel im flüssigen Grün; Manch Sternlein sah ich entblühn, Manch Sternlein sah ich entschwinden; Doch kann ich das schönste nicht finden, Das früher dem Liebenden schien. Nicht kann ich zum Himmel mich schwingen, Zu suchen den freundlichen Stern; Stets hält ihn die Wolke mir fern! Tief unten da möcht' es gelingen, Das friedliche Ziel zu erringen! Tief unten da ruht' ich so gern! Was wiegt ihr im laulichen Spiele, Ihr Lüftchen, den schwankenden Kahn? O treibt ihn auf rauherer Bahn Hernieder in's Wogengewühle! Laßt tief in der wallenden Kühle Dem lieblichen Sterne mich nahn! Misburg Den 20-21sten May 1814. 1. Du stilles Dach, von Rebenlaub umstrickt, Du Wiesengrün, bekränzt mit schlanken Bäumen, Du Hain, so reich an Liedern und an Träumen, Wie fühl' ich mich von eurem Bild erquickt! Wie aus dem Meer das blüh'nde Eiland blickt, Um dessen Strand die wüsten Wogen schäumen, So hebt ihr euch empor aus öden Räumen, Mit jedem Reiz des Frühlings ausgeschmückt. Was Holdes je der Zufall dort geboren, Die Nachtigall, die bunten Schmetterlinge, Der laue West, das duftende Gesträuch, Das Alles hat sich euern Schutz erkohren, Und liebend deckt mit mütterlicher Schwinge Die Anmuth jetzt ihr neugeschaffnes Reich. 2. Von alten Sängern hat man uns gesungen, Die Steine selbst mit holdem Klang entzückt, Und Wald und Höhn, dem festen Grund entrückt, Mit süßer Macht in ihren Kreis gezwungen. So ist auch euch ein Wunder hier gelungen; Die Wüste steht mit Blumen jetzt geschmückt, Und wo sich Dorn und Distel sonst verstrickt, Ist eurer Hand ein Paradies entsprungen. Und Keiner naht dem seligen Gebiet, Den plötzlich nicht das Zauberband umwindet Und hin zu euch in freud'ge Kreise zieht, Bis aller Gram aus seiner Brust entschwindet, Und süßgetäuscht das staunende Gemüth, Was er verlor, verschönert wiederfindet. 3. Wie flimmerst du durch diese Blätterhallen, O Abendstern, so friedlich und so rein! Wie freundlich weckt dein grün umkränzter Schein Zum leisen Lied die holden Nachtigallen! So durft' ich einst in deinem Schimmer wallen, Holdsel'ge Lieb', im grünen Hoffnungshain, So ließ auch ich von deiner süßen Pein, Von deiner Lust manch zartes Lied erschallen. Jetzt ist dein Stern mit Wolken ganz umhüllt, Erblichen sind die glänzenden Gestalten, Verwelkt das Laub in deinen duft'gen Hainen; Doch tröstend läßt der sel'gen Tage Bild Die Freundschaft hier mit anmuthvollem Walten Noch einmal mir im frühsten Glanz erscheinen. 4. Hier, wo so dicht zum stillen Blätterdach Die Lindenzweig' am Fenster sich verweben, Hier fällt ein Strahl auf mein verblühtes Leben Und ruft mein Herz aus düstern Träumen wach. Wohl wird hier noch im freundlichen Gemach, Wo ihrer Hand Gebilde mich umgeben, Der zarte Geist der holden Freundin schweben Und mich umwehn mit leisem Flügelschlag. Kann so der Freundin Spur mich hier beglücken, So find' ich auch zu jenen fernen Höhen, Zu Jener, die ich liebe, leicht die Bahn. Wo sich vom Lenz die Fluren bräutlich schmücken, Wo Sterne ziehn und Sonnen auferstehen, Wo Liebe weht, da muß auch sie mir nahn. 5. Wie singt es hier von süßen Nachtigallen! Wie rauscht der Hain, der still das Dach umzieht! Wie lieblich scheint, durch dieses Lustgebiet Lebend'ge Freud' und sel'ge Ruh zu wallen! Und drinnen hör' ich hell die Saiten schallen, Von Geist und Lippe weht manch holdes Lied, Von Blumen sind die grünen Wänd' umblüht, Und zierlich schmückt manch zartes Bild die Hallen. Und, halb verhüllt vom Schmuck des Friedens, glänzt Manch kühn Geräth zur Jagdlust und zum Kriege, Und Feindesraub, mit tapf'rer Hand errungen. O edles Haus, wie bist du reich bekränzt! Wie friedlich hat für Liebe, Kunst und Siege Sich Palme, Myrt' und Lorbeer hier verschlungen! 6. O nehmt mich auf in euren sel'gen Frieden! O laßt bey euch nach mancher bittern Pein Mein wundes Herz vergessen und verzeihn, Was ihm das Loos genommen und beschieden! Ach, ihr nur seyd mir freundlich noch hienieden! Als mir das Glück den letzten Sonnenschein Der Lust geraubt, da habt nur ihr allein Den finstern Gast, den Kranken nicht gemieden! Wie stehn doch Freud' und Schmerz sich sonst so fern! Der heitre Sinn liebt lächelnde Gestalten Und wählt zum Schmuck die reichsten Blüthen gern; Nur ihr habt auch die welken lieb behalten; Wohl wird durch euch ihr längsterloschner Stern Von neuem sich zum freud'gen Glanz entfalten. 7. Um die ich viel gefleht, gewagt, gestritten, Die Liebe hat mich streng und kalt verbannt, Und nie gefühlt, was ich für sie gelitten, Was ich für sie vollendet, nie erkannt. Doch die ich nie verdient durch That noch Bitten, Zu der mein Herz sich nie getrieben fand, Die Freundschaft kommt von selbst herangeschritten Und beut mir hold die oft verschmähte Hand. So meiden wir, vom falschen Wahn verblendet, Das Glück, das treu auf unsern Spuren zieht, Und folgen dem, das stolz sich von uns wendet; Und fliehend stets und suchend, was entflieht, Hat oft der Geist die kurze Bahn vollendet, Noch eh' er fand, was ihm so nah geblüht. 8. Noch fühl' ich lau des Lenzes Athem wehen, Noch wölbt sich hier der Himmel blau und mild, Noch seh' ich rings, von blüh'ndem Schmuck umhüllt, Gebüsch und Hain in sel'ger Schönheit stehen. So will ich jetzt auf immer von dir gehen, Du friedlich Haus, du liebliches Gefild! So will ich stets dein anmuthvolles Bild In ferner Zeit vor meinem Geiste sehen! Du, wo ich Ruh' und wo ich Freude fand, Nicht läßt du arm den irren Pilger ziehen Aus deinem Schooß in's lieblos fremde Land. Du schmückst ihm hold mit süßen Fantasieen Den öden Pfad, bis an des Grabes Rand Die Dornen einst, worauf er ging, entblühen. Im Walde hinter Falkenhagen Den 22sten Jul. 1814. Ich wandre über Berg und Thal Und über grüne Haiden, Und mit mir wandert meine Qual, Will nimmer von mir scheiden; Und schifft' ich auch durch's weite Meer, Sie käm' auch dort wohl hinterher. Wohl blühn viel Blumen auf der Flur, Die hab' ich nicht gesehen, Denn Eine Blume seh' ich nur Auf allen Wegen stehen. Nach ihr hab' ich mich oft gebückt Und doch sie nimmer abgepflückt. Die Bienen sumsen durch das Gras Und hängen an den Blüthen; Das macht mein Auge trüb' und naß, Ich kann mir's nicht verbieten. Ihr süßen Lippen, roth und weich, Wohl hing ich nimmer so an euch! Gar lieblich singen nah' und fern Die Vögel auf den Zweigen; Wohl säng' ich mit den Vögeln gern, Doch muß ich traurig schweigen, Denn Liebeslust und Liebespein Die bleiben jedes gern allein. Am Himmel seh' ich flügelschnell Die Wolken weiter ziehen, Die Welle rieselt leicht und hell, Muß immer nahn und fliehen; Doch haschen, wenn's vom Winde ruht, Sich Wolk' und Wolke, Fluth und Fluth. Ich wandre hin, ich wandre her Bey Sturm und heitern Tagen, Und doch erschau' ich's nimmermehr Und kann es nicht erjagen. O Liebessehnen, Liebesqual, Wann ruht der Wanderer einmal? Auf dem Berge vor Hohlungen Den 22sten Jul. 1814. Erklommen ist die steile Höhe, Ich schau' hinab in's ferne Land, Und Alles ist, so weit ich sehe, Mir hold und heimisch und bekannt. Fast wollt' ich jeden Berg dir sagen Und jede Wiese, jedes Thal, Wo ich mit ihr in frühen Tagen Mich einst erging in Lust und Qual. Wie zog ich doch so manche Stunden Im dichten Haine hin und her Und wähnte ganz mein Ziel verschwunden, Und traute keinem Pfade mehr! Und dennoch hat auf irren Spuren Durch vielverschlungne Waldesnacht, So nah den wohlbekannten Fluren, Der Pfad zum Ziele mich gebracht. O süße Liebe, dürft' ich ahnen, Daß endlich für die lange Treu Mir so nach manchen dunkeln Bahnen Dein sel'ges Heil beschieden sey, Dann wollt' ich ohne Thrän' und Klage Durch deine rauhen Wüsten gehn Und muthig in der Nacht dem Tage, Im Sturm der Ruh' entgegensehn. Bodungen Den 23sten Jul. 1814. Wie machst du doch so schön und mild, O Liebe, die dein Arm umfangen! Wie freundlich lacht dein holdes Bild In Blick und Mund, auf Stirn und Wangen! Wie ist ihr Herz so weich und weit, Wie selten ist ihr Auge trübe! Wie schmückst du Thränen selbst und Leid! Wie machst du doch so schön, o Liebe! Nur Eine flieht und meidet dich Und bebt vor deinen süßen Sorgen. Wohl ist sie schön genug für sich Und braucht nicht fremden Schmuck zu borgen; Doch mich ergreift ein tiefer Schmerz, Seh' ich so hold dich glühn und blühen, Und leise seufzt mein traurend Herz: Wie darf die Eine doch dich fliehen? Auf der Bruck Den 25sten Jul. 1814. Frisch trabe sonder Ruh' und Rast, Mein gutes Roß, durch Nacht und Regen! Was scheust du dich vor Busch und Ast Und strauchelst auf den wilden Wegen? Dehnt auch der Wald sich tief und dicht, Doch muß er endlich sich erschließen, Und freundlich wird ein fernes Licht Uns aus dem dunkeln Thale grüßen. Wohl könnt' ich über Berg und Feld Auf deinem schlanken Rücken fliegen Und mich am bunten Spiel der Welt, An holden Bildern mich vergnügen; Manch Auge lacht mir traulich zu Und beut mir Frieden, Lieb' und Freude, Und dennoch eil' ich ohne Ruh Zurück, zurück zu meinem Leide. Denn schon drey Tage war ich fern Von ihr, die ewig mich gebunden; Drey Tage waren Sonn' und Stern Und Erd' und Himmel mir verschwunden. Von Lust und Leiden, die mein Herz Bey ihr bald heilten, bald zerrissen, Fühlt' ich drey Tage nur den Schmerz, Und ach, die Freude mußt' ich missen! Drum trabe muthig durch die Nacht! Und schwinden auch die dunkeln Bahnen, Der Sehnsucht helles Auge wacht, Und sicher führt mich süßes Ahnen. Weit sehn wir über Land und See Zur wärmern Flur den Vogel fliegen; Wie sollte denn die Liebe je In ihrem Pfade sich betrügen? Am 16ten Oktober 1814 Viele wollen mir gefallen, Folgen meiner Laun' und Sitte, Bieten, eh' ich noch gesungen, Kränze, Strauß und Band mir schon: Doch nur Eine unter Allen, Die ich nimmermehr erbitte, Hat mein ganzes Herz bezwungen Ohne Dank und ohne Lohn. Fruchtlos red' ich und erzähl' ich, Selten lacht sie, lobt mich nimmer, Und die Lieder, die ich singe, Sind mein einziger Gewinn; Und doch geb' ich minneselig Für den schwächsten Sonnenschimmer, Den ich mir von ihr erringe, Kränze, Strauß und Bänder hin. Wenn man morgen mich begrübe, Ging' es ihr wohl kaum zu Herzen; Trüg' ich morgen gold'ne Kronen, Nähme sie's wohl kaum in Acht. Liebe, böse, süße Liebe, Ach, wie grausam kannst du scherzen! Und doch muß ich stets dir lohnen, Was mich nimmer glücklich macht. Glosse Am 23sten Oktober 1814 »Wort gehalten wird in jenen Räumen Jedem schönen, gläubigen Gefühl; Wage du zu hoffen und zu träumen; Hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel.« Was verzagst du, traurendes Gemüth, Bildest stets zum Leid dir neue Leiden? Armes Herz, da dich die Liebe flieht, Willst auch du die Liebe zürnend meiden? Was dich tief und mächtig einst erfüllt, Halt' es fest in Freuden und in Schmerzen, Jeder Gram, den dir die Zeit verhüllt, War ein heil'ger Schmuck in deinem Herzen. Kann der Blinde wohl von Farb' und Glanz, Kann vom Klang der Taubgeborne träumen? Was du ahnst, das täuscht dich nimmer ganz; Wort gehalten wird in jenen Räumen. Doch auch hier soll nie der Geist verzagen, Soll getrost in jedem Kampfe stehn; Herrlich ist's, ein großes Leid zu tragen, Göttlich ist's, in Liebe zu vergehn. Kalt und todt und deutungslos entschwindet Jedes Bild der unbewegten Brust; Nur der Gott, der in uns wohnt, empfindet Tiefen Schmerz und wunderbare Lust. Wird auch nie das Kleinod dir beschieden, Schon die Sehnsucht ist ein heil'ges Ziel, Und es blüht die Palme schon hienieden Jedem schönen, gläubigen Gefühl. Mag der Herbst das welke Laub zerstreun, Mag der Sturm die Blüthen dir entführen, Was du liebst, das bleibt auf ewig dein; Nimmer kann das Herz sich selbst verlieren. Zürne nicht, wenn dich die Welt begränzt; Irdisch ist und endlich jede Schranke, Und im hartbedrängten Herzen glänzt Leuchtender ein göttlicher Gedanke. An dem Glauben bricht des Todes Macht, Aus dem Grabe wird die Hoffnung keimen; Nur der Zweifel irrt in ew'ger Nacht. Wage du zu hoffen und zu träumen! Wenn auch um der Hoffnung Zauberwelten Finster oft ein Sturmgewölk sich zog, Laß es nie die Trösterin entgelten, Daß das Schicksal feindlich dich betrog. Muthig strebt der edle Geist nach oben Zu der Wünsche luftig holdem Reich, Und der Thron, zu dem er sich erhoben, Sinkt mit seinem Hoffen nicht zugleich. Ward der Kampf vergebens auch begonnen, Würd'ger macht die Mühe dich dem Ziel; Zage nicht; gewagt ist stets gewonnen! Hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel. Am 27sten Oktober 1814 Ertönet, ihr Saiten, In nächtlicher Ruh' Und führet von weiten Die Träume mir zu! Schon hör' ich sie schallen Im schwellenden Klang; Sie füllen die Hallen Mit Liebesgesang Und wiegen und tragen Den sinkenden Muth Durch stürmisches Zagen Auf tönender Fluth. Die nimmer erklangen Für Fürsten und Gold, Jetzt sind sie gefangen Um bitteren Sold Und geben mit Freuden Um kargen Gewinn Und reichliche Leiden Ihr Köstlichstes hin. Doch trifft auch die Lieder Manch finsterer Blick, Stets kehren sie wieder Zur Herrin zurück. O könnt' ich's ersingen, Das goldene Ziel! O könnt' ich's erringen Im Schlachtengewühl! Vergebens begegnen Sich Leyer und Schwert; Sie hält den Verwegnen, Den Milden nicht werth. Und gäb' ich für Liebe Das Leben auch gern, Stets bleibt er mir trübe, Der freundliche Stern. Gewagt und gewonnen! Schrieb Mancher auf's Schwert; Gewagt und zerronnen Ist mir nur bescheert. Doch laß' ich es wallen, Das edle Panier, Und soll es auch fallen, So fall' es mit mir! Denn würdig der Beute Ist nimmer der Mann, Der fliehend im Streite Sein Leben gewann. Mag schnell sich in Gluthen Verzehren das Herz, Und mag es verbluten Im zaudernden Schmerz; Ich nähre die Wunde, Ich liebe mein Leid Und lasse die Kunde Der kommenden Zeit: Die immer auf's neue Das Herz ihm betrübt, Die hat der Getreue Noch sterbend geliebt. Am 25sten December 1814 Was spielst du, holder Quell der Lieder, So sehnsuchtsvoll in meiner Brust? Nie spiegelt sich der Lenz der Lust In deiner hellen Tiefe wieder! Du Zauberglanz der Liebesstunden, Du Dämmrung zarter Träumerey, Du blühender, du gold'ner May, Wie bist du schnell dahin geschwunden! Du Born, worin das Bild der Liebe In ihrem Bilde mir erschien, Wie schwimmt auf deinem feuchten Grün Der Himmel jetzt so schwer und trübe; Verschwiegnes Thal, wo mir am Morgen Der schönste Traum der Liebe kam, Wo mir der Abend Alles nahm, Du liegst wohl tief im Schnee verborgen! Du Kranz aus frischem Eichenlaube, Den tröstend mir das Mitleid wand, Du schmerzliches, du süßes Pfand, Du ruhst nun längst verwelkt im Staube! Ihr, die mein heimliches Verlangen Als zarte Boten oft enthüllt, Ihr Mayenblümlein klar und mild, Ihr seyd wohl längst dahingegangen! Doch hat euch Liebesthau befeuchtet, Und Liebe hat euch abgepflückt, Und Lieb' euch traurend angeblickt, Als ihr den Kelch zum Tode neigtet! Nach meiner Lust wird Keiner fragen, Und Keiner ahnet meine Noth, Und Keiner weint um meinen Tod! – Brich, armes Herz, du darfst nicht klagen! Im December 1814 Die Blume starb, der Frühling ist vorbey; Was frommt es jetzt, dir Kränze noch zu winden? Nur bittrer wird dies Scheinbild dir verkünden: Die Blume starb, der Frühling ist vorbey! Wohl träumt' auch ich so süß im sel'gen May Von Lieb' und Lust; doch mußt' ich bald empfinden: Die Blume starb, der Frühling ist vorbey; Was frommt es jetzt, dir Kränze noch zu winden? Wo Freud' und Reiz zum Kranze sich verflicht, Kann nimmermehr der frische Lenz vergehen. Nacht wird zum Tag und Sturm zum Frühlingswehen, Wo Freud' und Reiz zum Kranze sich verflicht. O sieh empor in's lächelnde Gesicht Der Freundlichen, dann wirst du gern gestehen: Wo Freud' und Reiz zum Kranze sich verflicht, Kann nimmermehr der frische Lenz vergehen. Am 8ten Februar 1815 Ich sang von wildem Schlachtgetümmel, Von kühner Helden Sieg und Grab; Da stahl ein Glanz sich, wie vom Himmel, Auf mein erzürntes Lied herab. Und als ich jetzt die Augen wende, Woher das helle Leuchten sey, Da geht, als ob sie Frieden sende, Die Liebste freundlich mir vorbey. Und sah ich sie auch nur von ferne, Und hat sie mein auch nicht gedacht, Doch waren holde Liebessterne Mir schnell im dunkeln Lied erwacht. O Lied, wie gleichst du meinem Herzen, Das trüb' und freudig, sanft und wild Im engen Raume Lust und Schmerzen Und Kampf und Liebe stets umhüllt! Am 4ten März 1815 Früheste Kinder des Lichts, holdselige Sterne des Frühlings, Blümlein, welche zum Strauß selbst mir die Liebste gepflückt, Freundliche, wahrlich es ward ein freundliches Loos euch beschieden, Fröhliches Leben und dann früh ein beglückender Tod. Denn ihr schautet zuerst mit den leis' aufknospenden Aeuglein Hold in kindlicher Lust staunend das himmlische Licht, Schmücktet zuerst mit den Perlen des Thaus die erröthenden Wangen, Fühltet den laulichen Kuß säuselnder Lüfte zuerst. Und dann nahete sanft wie ein heimwärts winkender Engel Mit zartschonender Hand meine Geliebte sich euch. Ach, wohl zagtet ihr nicht, als sie liebkosend euch pflückte; Hat doch wehe zu thun nimmer die Milde gelernt. Nein, euch schien's, als schwebe der Lenz vom heiteren Himmel, Lieblich in Mädchengestalt kleidend den ewigen Reiz, Freundlich herab, und wolle nun selbst mit den frühesten Blümlein, Mit den geliebtesten, hold schmücken das heilige Haupt. Ach, ihr sahet es nicht, wie die andern Schwestern so fröhlich Blühten, indeß ihr selbst welktet im zögernden Tod. Nimmer verletzte den zärtlichen Kelch ein feindlicher Sturmwind, Nicht hat sengende Gluth früh euch die Wangen entfärbt; Züchtig blühtet ihr auf, jungfräulich seyd ihr gestorben Auf jungfräulicher Flur, heilig durch heiligen Tod. Seliges Loos! wer im frühesten Glanz der entfalteten Schönheit Hinsinkt, Vielen geliebt, Vielen noch lange beweint; Wer nicht sieht, wie die Blume verwelkt, die ihm lieblich geduftet, Nicht, wie das Roth sich entfärbt, das ihm den Himmel geschmückt. Ihm nur ward es gewährt, was wir All' uns wünschen: der Frühling Schwand ihm nimmer, und nie hat ihn das Schöne getäuscht. Ruht nun sanft an dem Herzen, ihr Lieblichen, welches wie ihr einst Blühte, doch nicht wie ihr, eh' es verblühete, brach, Welkt nun sanft und führt mir, noch heilausspendend im Tode, Boten des Lenzes, den Lenz heim in die traurende Brust! Am 5ten März 1815, Nachts um 12 Uhr Keine Stimme hör' ich schallen, Keinen Schritt auf dunkler Bahn; Selbst der Himmel hat die schönen Hellen Aeuglein zugethan. Ich nur wache, süßes Leben, Schaue sehnend in die Nacht, Bis dein Stern in öder Ferne Lieblich leuchtend mir erwacht. Ach nur einmal, nur verstohlen Dein geliebtes Bild zu sehn, Wollt' ich gern im Sturm und Wetter Bis zum späten Morgen stehn. Seh' ichs nicht schon ferne leuchten? Naht es nicht schon nach und nach? Ach, und freundlich hör' ich's flüstern: Sieh, der Freund ist auch noch wach. Süßes Wort, geliebte Stimme, Der mein Herz entgegenschlägt! Tausend sel'ge Liebesbilder Hat dein Hauch mir aufgeregt. Alle Sterne seh' ich glänzen Auf der dunkelblauen Bahn, Und im Herzen hat und droben Sich der Himmel aufgethan. Holder Nachhall, wiege freundlich Jetzt mein Haupt in milde Ruh, Und noch oft, ihr Träume, lispelt Ihr geliebtes Wort mir zu. Am 14ten März 1815 1. Sehnend sitz' ich in der Ferne, Spähe wie aus dunkler Nacht Nach dem holden Augensterne, Ob er zürnet, ob er lacht. Wollt' ich mein Verlangen fragen, Ach, dann wüßt' ich's leicht zu sagen; Doch wenn auch mit sel'gem Licht Deine Blicke mich erfreuten; Es zu deuten, Wagt' ich nicht. Denn mein Herz ist fromm bescheiden, Und wenn du nur fröhlich bist, Will es gern dein Zürnen leiden, Das sein höchstes Leiden ist. Aber wär' ihm auch vor Allen Ein beglückend Loos gefallen, Wüßt' es sich von dir erhört, Dennoch würd' es schüchtern fragen: Werd' ich's tragen? Bin ich's werth? 2. Ach, wer hilft mit kluger Wahl All die Lieder mir gestalten, Die um deine Lippen walten, Die in deiner Augen Strahl Ohne Zahl Mit so holdem Liebesleben Lächeln, blitzen, glühn und schweben! Flüchtig, leicht und bunt beschwingt, Schwärmen sie wie Frühlingsbienen; Alles seh' ich blüh'n und grünen, Lenz und Leben sind verjüngt, Jedes bringt Freundlich seine süßen Gaben, Um mein traurend Herz zu laben. Eines will mit Sonnenschein Flur und Himmel mir besäumen, Jenes singt auf blüh'nden Bäumen Wie ein zartes Vögelein, Und im Hain Rinnt ein andres leis' und helle, Rauscht und spielt wie West und Welle. Bange Lust und linde Ruh, Wünsch' und fröhliches Gelingen Lächeln, flüstern, wehn und singen Mir die Holden freundlich zu, Und was du Nimmer mir gewährst, das bieten Mir die süßen Liebesblüthen. Schon dein sel'ges Bild allein Kann mir alles Schöne geben, Denn es wohnen Lieb' und Leben, Lenzgesang und Sonnenschein, Lust und Pein, Keuscher Thau und helle Flammen Dir in einem Blick beysammen. Am 18ten März 1815 O Lerche, was singst du aus blauer Luft So lieblich herab durch den Morgenduft? Ich singe, weil freundlich die Sonne sich hebt, Weil Blüth' und Lüftchen und Bächlein lebt, Weil blitzend der Thau an den Blumen hängt Und Knospe zu Knospe sich liebend drängt, Weil hold sich im Kelche der Schmetterling wiegt Und sumsend am Bache das Bienchen fliegt, Und weil ich mich freue in Liebeslust, Drum sing' ich so lieblich aus froher Brust. Was flötest du, zärtliche Nachtigall, Durch Dämmrungswehen so süßen Schall? Weil scheidend die freundliche Sonne sinkt, Und das Leben in leiser Klage verklingt, Weil bleich am Himmel das Roth zerfließt, Und der Duft verweht und die Blume sich schließt, Weil traurig säuselt der Frühlingswind, Und das Bächlein seufzend vorüberrinnt, Und weil ich mich härme in Liebesleid, Drum sing' ich so süß in der Einsamkeit. Am 26sten März 1815 1. Nur kleine Lieder pfleg' ich dir zu singen, Drum lohnst du mir mit kleinen Wiesenblüthen; Doch werd' ich einst dir größ're Gaben bieten Und höhern Preis aus deiner Hand erringen. Schön ist's, auf kühner Bahn emporzudringen, Worauf nur wenig Kämpfer erst sich mühten, Und jenen Kranz, den mächt'ge Geister hüten, Im tapfern Streit den Mächt'gen abzuzwingen. Mit dir, mit ihr, mit Gott werd' ichs vollenden! Mir geben Erd' und Himmel gleiches Sehnen Und gleiche Kraft, Gebet mir, Lieb' und Thränen. Mag Gott mir Ruhm, mag sie mir Frieden senden, Magst du mich einst mit edelm Lorbeer krönen, Ich acht' es gleich, wie Schönes stets dem Schönen. 2. Wie Vöglein, die ein enges Netz gefangen, Das zarte Köpfchen schweigend niedersenken, Und still betrübt an jene Zeiten denken, Als sie noch frey im bunten Haine sangen; So wollt auch ihr im schmerzlichen Verlangen, Ihr holden Blumen, euch zu Tode kränken Und, wie ich euch auch pflegen mag und tränken, Nur hin zu ihr, von der ich euch empfangen? Weil ihr so große Freude mir gegeben, Drum gräm' ich mich, daß ich euch so betrübe, Und lehr' euch gern mein Bestes: Lust im Leide. Sie schied auch mich schon lang vom heitern Leben; Doch immer blüh' ich noch in Schmerz und Liebe, Und singe, längst gefangen, ihr zur Freude. 3. Nur arme Blümchen hast du mir gegeben, Die duftlos ihren kleinen Kelch entfalten, Und dir zum Schmuck die schöneren behalten, In deren Schooß so süße Geister schweben. So schafft sich stets mit sehnsuchtsvollem Streben Mein liebend Herz viel freundliche Gestalten; Doch ach, wie hold sie auch mein Aug' umwalten, Sie sind nur Träum' und ohne Hauch und Leben. O hättest du gewagt mit zartem Sinne, Ein Veilchen nur in jenen Kranz zu fügen, Nicht hätte so dein Weigern mich bekümmert; Denn Liebe strebt nicht, daß sie viel gewinne, Und will ihr Herz an Träumen gern vergnügen, Wenn ferne nur ein Hoffnungsstern ihr schimmert. 4. Was du gewährt, das nahm ich an mit Freuden, Was du geweigert, mocht' ich nicht erflehen: Nur freye Gunst darf Liebe nicht verschmähen, Erbetnes Glück ist fast ein halbes Leiden. Wohl könnt' ich nie dein holdes Auge meiden; Doch bitt' ich's nicht, mich lächelnd anzusehen, Und magst du freundlich nahn und feindlich gehen, Mich freut dein Nahn, doch hindr' ich nicht dein Scheiden. Wohl werd' ich nimmer zürnen, ewig lieben; Doch such' ich nie durch Flehn dich zu gewinnen, Mag tief mich auch dein kaltes Herz betrüben. Denn konnt' ich auch der Liebe nicht entrinnen, Ist doch der Stolz dem edeln Geist geblieben, Der werth mich macht, um deine Huld zu minnen. Am 31sten März 1815 Still sitz' ich an des Hügels Hang, Der Himmel ist so klar, Das Lüftchen spielt im grünen Thal, Wo ich beym ersten Frühlingsstrahl Einst, ach, so glücklich war; Wo ich an ihrer Seite ging So traulich und so nah, Und tief im dunkeln Felsenquell Den schönen Himmel blau und hell, Und sie im Himmel sah. Sieh, wie der bunte Frühling schon Aus Knosp' und Blüthe blickt! Nicht alle Blüthen sind mir gleich, Am liebsten pflückt' ich von dem Zweig, Von welchem sie gepflückt. Denn Alles ist wie damals noch, Die Blumen, das Gefild; Die Sonne scheint nicht minder hell, Nicht minder freundlich schwimmt im Quell Das blaue Himmelsbild. Es wandeln nur sich Will' und Wahn, Es wechseln Lust und Streit; Vorüber flieht der Liebe Glück, Und nur die Liebe bleibt zurück, Die Lieb' und ach, das Leid! O wär' ich doch das Vöglein nur Dort an dem Wiesenhang, Dann blieb' ich auf den Zweigen hier Und säng' ein süßes Lied von ihr Den ganzen Sommer lang. Am 1sten April 1815 O wie dringt das junge Leben Kräftig mir durch Sinn und Herz! Alles fühl' ich glühn und streben, Fühle doppelt Lust und Schmerz. Fruchtlos such' ich euch zu halten, Geister meiner regen Brust; Nach Gefallen mögt ihr walten, Sey's zum Leide, sey's zur Lust. Lodre nur, gewalt'ge Liebe, Höher lodre nur empor! Brecht, ihr vollen Blüthentriebe, Mächtig schwellend nur hervor! Mag das Herz sich blutig färben, Mag's vergehn in rascher Pein; Lieber will ich ganz verderben Als nur halb lebendig seyn. Dieses Zagen, dieses Sehnen, Das die Brust vergeblich schwellt, Diese Seufzer, diese Thränen, Die der Stolz gefangen hält, Dieses schmerzlich eitle Ringen, Dieses Kämpfen ohne Kraft, Ohne Hoffnung und Vollbringen, Hat mein bestes Mark erschlafft. Lieber wecke rasch und muthig, Schlachtruf, den entschlaf'nen Sinn! Lange träumt' ich, lange ruht' ich, Gab der Kette lang mich hin; Hier ist Hölle nicht, noch Himmel, Weder Frost ist hier, noch Gluth! Auf in's feindliche Getümmel, Rüstig weiter durch die Fluth! Daß noch einmal Wunsch und Wagen, Zorn und Liebe, Wohl und Weh Ihre Wellen um mich schlagen Auf des Lebens wilder See; Und ich kühn im tapfern Streite Mit dem Strom, der mich entrafft, Selber meinen Nachen leite, Freudig in geprüfter Kraft. Am 2ten April 1815 Kleine Lieder, geht nur immer, Grüßt die Liebste schön von mir; Glaubt mir, sie verstößt euch nimmer, Kommt ihr täglich auch zu ihr. Denn bey mir könnt ihr nicht bleiben, Voll ist schon das ganze Haus, Und die losen Buben treiben Fast mich selbst zur Thür hinaus. Auf den Büschen, auf den Bäumen Wachsen sie wie Laub empor, Schaun aus allen Blüthenkeimen, Wie der Frühling, bunt hervor; Wo ich steh' und gehe, schwärmen Sie in Schaaren hinterdrein. Kann bey solchem Kinderlärmen Wohl ein Mensch vernünftig seyn? Zwar ist manches fein und zierlich, Geht in bunten Kleidern gern, Dreht und wendet sich manierlich, Grüßt und bittet nur von fern: Doch sind's meistens wilde Knaben, Laufen immer gradezu, Wollen Alles sehn und haben, Lassen mir nicht Rast noch Ruh. Wohl erkenn' ich ihn, den Einen, Der sie Alle mir verführt. Fromm und artig möcht' er scheinen; Doch ich hab' ihn ausgespürt. Ach, so voll von bösen Ränken, So voll Trug und Lug und List Kann man keinen sehn noch denken, Als der Schelm, der Amor, ist. Hab' ich doch an manchen Tagen Zu der Liebsten ihn geschickt, Dies und jenes ihr zu sagen, Was mir lang das Herz gedrückt. Grüßend kam er heimgeflogen: Doch zu bald nur sah ich klar, Daß der Schelm mich doch betrogen Und nicht einmal dorten war. Am 17ten Jul. 1815 Nimm mir Alles, falsches Glück, Gieb mir Täuschung, Freud' und Schmerzen; Eines bleibt mir doch zurück: Hohe Lieb' in treuem Herzen. Deinem Zorn erbeb' ich nicht, Klage nicht um Ruhm und Freude; Muthig ist, wie Morgenlicht, Lieb' im Leide. Was sie schenkte, was sie nahm, Alles ist mir lieb und theuer, Und ihr tiefster, längster Gram Macht mich kühner nur und treuer. Gern erduld' ich ihre Noth, Lächle, wenn ich mich betrübe; Freundlich ist, wie Abendroth, Leid in Liebe. Am 20sten Jul. 1815 Wie die Wolken finster schwellen, Wie sie ewig weiter wandern! Eine hebt sich nach der andern, Und der Himmel faßt sie nicht. Will auch oft an klaren Stellen Freundlich sich die Sonne zeigen, Immer neue Nebel steigen Wogend um das holde Licht: Finstres Herz, so willst du immer Von Gedanken zu Gedanken Und von Traum zu Traume schwanken, Wie ein aufgeregtes Meer? Lacht dir doch mit hellem Schimmer Eine Sonne still und freundlich; Sprich, was thürmen denn so feindlich Deine Wünsche sich umher? Am Sonntage den 27sten August 1815 So willst du denn so schnell das Werk vollenden, Wozu die Kraft der treuen Brust dich trieb, Und pflückst so bald mit ungestümen Händen Den letzten Schmuck, der deinem Leben blieb? Dir blüht das Glück nur noch in süßen Träumen, Und feindlich ist dir draußen Lieb' und Welt; Kein andrer Lenz wird deinem Herzen keimen, Wenn auch der Täuschung holde Blüthe fällt. Ja, noch einmal will ich herniedersinken, Du heil'ges Meer, in deine tiefe Fluth, Will unverzagt bis auf die Neig' ihn trinken, Den vollen Kelch der göttlich reinen Gluth; Will seinen Rand mit allen Blumen krönen, Die tausendfach mein letzter Lenz mir beut, Und mich geliebt und reich und glücklich wähnen Im raschen Traum der sel'gen Trunkenheit. Doch wenn dann einst, was ich geliebt im Leben, Durch meine Kraft verherrlicht und erhöht, Von Engeln rings und Glorien umgeben, Vor aller Welt, ein leuchtend Vorbild, steht; Wenn ich getilgt des Lebens alte Schulden, Wenn ich der Welt auch ihre Schuld verziehn, Und bittern Haß gerächt durch stolzes Dulden, Und großen Lohn für großen Schmerz verliehn: Dann laß, o Gott, wohl darf ich kühn es fodern, Nicht hast du Lust an deines Kindes Schmerz, Nur Einen Blitz auf mich hernieder lodern; Dann nimm es hin, dies tiefgekränkte Herz! Daß hell und leicht auf deiner Flammenschwinge, Von welcher stets ein Strahl in mir gebrannt, Der Tod zurück den reinen Geist dir bringe, Den hier die Welt verstoßen und verkannt. Am 30sten December 1815 Romanze. Wo die Minne herrscht in dem holden Gebiet, Die schönste der Königinnen, Wo nimmer das singende Vöglein flieht, Wo ewig der duftende Frühling blüht, Und die Bächlein nimmer verrinnen: Dort wohnt' ich im hellen, lustigen Hain Und diente der Stolzen mit langer Pein Jahr aus, Jahr ein, Und konnte sie nimmer gewinnen. Da wand ich erzürnt von der Kette mich los Und dachte sie ewig zu meiden. Und ich barg mich tief in des Waldes Schooß Und warf mich seufzend in's duftige Moos Und rief im heimlichen Leiden: O Hain, wie spielet das Vöglein hier So still und friedlich im grünen Revier! Sprich, wird auch mir Dein Schatten wohl Ruhe bescheiden? Und säuselnd bebte der weite Hain Und sprach mit kühligem Wehen: Tief hüll' ich in dämm'rige Lauben dich ein; Nicht sollst du mir ferner in zögernder Pein Vor dem Blicke der Strengen vergehen. – O Hain, du tröstest mit schlimmem Rath; Leicht findet ihr Bild durch die Nacht den Pfad. Wer ihr genaht, Muß immer und immer sie sehen! Und ich klomm in dem finsteren Wald empor, Wo wilder die Berge sich heben; Da brauste mit Macht aus dem Felsenthor Lautwogend ein sprudelnder Strom hervor, Der sollte die Kunde mir geben: O Strom, du rauschest so wild vorbey Und trägst vor Klippen und Sturm nicht Scheu; Gern zög' ich frey Und muthig, wie du, durch das Leben! Und aufwärts schallt' es mit dumpfem Gebraus, Wie die Wellen sich heben und senken: Weit roll' ich in's nebliche Meer hinaus; Wo das Schweigen wohnt in dem kühlen Haus, Soll nichts dich erfreun und dich kränken. – O Strom, nicht lockst du mich niederwärts, Denn hab' ich im Leben auch Noth und Schmerz, Stets will mein Herz An die minnige Freundin gedenken! Und als sich in Nacht das Gebirge gehüllt, Da tobte der Sturm in den Eichen, Und er schwang durch den Himmel sich rasch und wild, Und flüchtig begann manch Wolkengebild, Vor dem Monde vorüberzustreichen. Und ich rief empor in die sausende Jagd: O Sturm, du spielest mit Licht und Nacht; Wohl hast du Macht, Mir vom Herzen die Wolken zu scheuchen! Da ließen aus kämpfendem Windesgestöhn Dumpfschallend die Worte sich hören: Ich will dich betäuben mit lustigem Wehn, Will mächtig dich tragen durch Thal und Höhn Zu fernen Ländern und Meeren. – O Sturm, schon hab' ich ja Leides genug; Was frommt es noch, hastig auf wechselndem Flug Durch wüsten Trug Mir das sinnige Herz zu bethören? Und sieh, da lachte der Morgenschein An der Felsen umnachteten Zinnen, Und ich sah tief unten den lustigen Hain, Wo ich diente der Stolzen mit langer Pein Und konnte sie nimmer gewinnen. Dort war es so fröhlich von Klang und Glanz, Und es schwebte so lieblich ein festlicher Kranz Im bunten Tanz Und die Königin mitten darinnen. Da schwand in dem Herzen mir Will' und Wahl, Mich ergriff ein gewaltiges Sehnen, Und ich dachte nicht ferner an meine Qual Und zog von neuem ins lustige Thal, Zu dienen der Stolzen und Schönen. O Minne, wie ward dir die Macht zu Theil! Wen tief verletzte dein goldener Pfeil, Der hat kein Heil Als in deinen Schmerzen und Thränen! Glosse Am 10ten Januar 1816 Motto. Ach wer bringt nur Eine Stunde Jener holden Zeit zurück! Einsam nähr' ich meine Wunde, Und mit stets erneuter Klage Traur' ich um's verlorne Glück! Ach wer bringt die schönen Tage, Jene holde Zeit zurück! Göthe. Süßer Traum, der mich umfangen, Frisches Leben, lichter May, Neues Ahnen und Verlangen, Ach, wie gingt ihr schnell vorbey! Mit dem Lenz sah ich euch blühen, Mit dem Lenz seyd ihr entflogen; Nur die Trauer giebt mir Kunde Von dem früh verwelkten Glück. Stunden habt ihr mir verliehen Und um's Leben mich betrogen! Ach, wer bringt nur Eine Stunde Jener holden Zeit zurück! Mag es duften jetzt und grünen, Mag's erstarren um mich her; Was mir hold und trüb' erschienen, Freut und schmerzt mich jetzt nicht mehr. Nur in uns ist alles Leben! Mit dem Schönen nur im Bunde, Schwinden rasch die dunkeln Tage, Weilt der lichte Augenblick. Schmerz kann Schmerz nur sehn und geben; Einsam nähr' ich meine Wunde, Und mit stets erneuter Klage Traur' ich um's verlohrne Glück. Wechselt doch in bunter Reihe Stets beweglich Bild und Bild; Nur die Liebe weilt, die Treue, Nur der Schmerz wird nie gestillt. Muß doch Alles wiederkommen, Lieblich, wie es einst entflogen; Doch, ein Schattenbild der Klage, Kehrt allein das todte Glück. Duft und Blüthen sind verschwommen, Und die Vögel fortgezogen – Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene holde Zeit zurück? Am 11ten Januar 1816 1. Motto. Soll ich folgen? soll ich hören? Soll ich bleiben? soll ich gehn? Ach, wenn Götter uns bethören, Können Menschen widerstehn? Göthe. Aus der Liebe raschen Träumen Weckt mich strafend oft die Pflicht, Und das ernste Leben spricht: Willst du ewig hoffend säumen, Wo aus unfruchtbaren Keimen Nie die Blüthe lohnend bricht? Schönre Myrten kannst du pflücken, Dich mit schönerm Lorbeer schmücken, Viele werden hoch dich ehren, Mag auch Eine dich verschmähn. – Soll ich folgen? soll ich's hören? Soll ich bleiben? soll ich gehn? Eurem Rufen, eurem Mahnen, Weise Stimmen, folgt' ich gern; Denn verständig räth, wer fern Stehet von des Unheils Bahnen; Doch in tobenden Orkanen Frommt nicht Anker mehr, noch Stern. Stets gekränkt, muß ich vergeben, Stets verschmäht, nur heißer streben, Muß die Geister selbst beschwören, Die im Wirbelsturm mich drehn. Ach, wenn Götter uns bethören, Können Menschen widerstehn? 2. Motto. Süße Liebe denkt in Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern; Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen. Tieck. Ach, wie sind so manche Glossen Auf dies Thema schon gemacht! Doch der Liebe nur zum Possen Scheinen sie mir ausgedacht. Dem Verstande nicht zu fröhnen, Klingeln sie in Tönen fort, Und von keiner gilt das Wort: Süße Liebe denkt in Tönen. Wer am Blick der Liebsten hängt, Wird die Wahrheit besser inne; Nichts ist, was er nicht erdenkt, Daß er ihre Hand gewinne. Nur wenn jeder Hoffnungsstern Ihm erlischt in dunkeln Räumen, Kann er schweigen nur und träumen, Denn Gedanken stehn zu fern. Ach, dies mußt' ich längst erfahren! Dient' ich um den süßen Sold Treu ihr auch seit manchen Jahren, Nimmer ward ihr Herz mir hold. In des Wohllauts Reich zu wohnen, Freut sie sich, dem Leben fern. Ahnen, träumen, lieben, lohnen Nur in Tönen mag sie gern. Doch versteht ihr holdes Lied Mächtig auch das Herz zu binden. Der kann nie die Kunst ergründen, Wer das warme Leben flieht. Nur dem irdisch süßen Sehnen Knüpft das himmlische sich an, Und die reiche Liebe kann Alles, was sie will, verschönen. Glossen Am 16ten Januar 1816 Du holder Geist der Lieder, den hienieden Zum Troste mir ein milder Gott verliehn, Du Einziger, der nie von mir geschieden, Der freundlich oft, bekränzt mit Immergrün Und angethan mit träumerischem Frieden, Ein rettend Licht im Sturme mir erschien, Noch einmal laß in wunderbaren Weisen Durch dich dich selbst und, die dich weckt, mich preisen! Verworren liegt das unbeständ'ge Leben Vor unserm Blick und ungestaltet da, Und Keiner kann's entwirren und entweben, Wer nicht die Welt in deinem Spiegel sah. Du machst das Harte mild, das Rauhe eben, Das Dunkle hell, das Weitentfernte nah Und weißt allein in lieblichen Gestalten Den kurzen Traum des Schönen festzuhalten. So führtest du in jenen holden Tagen, Als noch das Glück sich freundlich mir gesellt, Den Irrenden auf leichtem Zauberwagen Mit raschem Flug durch deine Wunderwelt. Und wie ein Blatt, das linde Lüfte tragen, Der Silberflor des Herbstes flatternd hält, So kettet' ich, noch eh die Bilder schwanden, Die Lächelnden mit zarten Liedesbanden. Doch wie gemach bey flücht'ger Weste Scherzen Die keusche Ros' im heil'gen Glanz entglüht, So war auch mir im leichtbewegten Herzen Ein sel'ges Bild allmählig aufgeblüht. Tief wogte jetzt in Freuden und in Schmerzen, In Wahn und Wunsch das träumende Gemüth, Und nur in dir konnt' ich das Leid enthüllen, Die Lust verstehn, die glüh'nde Sehnsucht stillen. Da nahten sich des Lebens trübste Stunden, Und eisern hielt das Schicksal sein Gericht. Heiß bluteten die nie geschloßnen Wunden, Und nächtlich sank der Jugend heitres Licht. Die Treue, die mein Herz in sich gefunden, Die fand es jetzt in andern Herzen nicht, Und dessen Hand, den alles Glück verlassen, Nicht wagte sie der Glückliche zu fassen. Nur du, der sonst mit jedem Hauch entflogen, Der nur am Scherz, am Spiele sich erfreut, Du bliebst allein dem Traurenden gewogen Und theiltest gern des Freundes Einsamkeit. Und wie der Wein, der grün den Baum umzogen, Dem welken selbst der Jugend Anmuth leiht, So sah ich dich um mein erstorbnes Leben Zum ew'gen Schmuck holdblüh'nde Kränze weben. Und wenn der Herbst mit ungestümem Wehen Mir jedes Glück erschüttert und entlaubt, Dann ließest du dein Frühlingsreich mich sehen, Dem keine Zeit die hellen Blüthen raubt. Wie fühlt' ich dann so bald den Schmerz vergehen, Wie ruhte süß in deinem Schooß mein Haupt! Mein wundes Herz, von langem Kampf ermattet, Es schlummerte von deinem Grün beschattet. Und Jene selbst, die, jedem Flehn verschlossen, Ein strenges Herz in zartem Busen trägt, Selbst sie erschien, wenn mich dein Traum umflossen, Dem Hoffenden zu holderm Sinn bewegt. Und wie die Sonn' an winterlichen Sprossen Betrügerisch oft grüne Knospen pflegt, So sah auch ich mir heitre Tage blühen, Die nicht das Glück, nein, welche du verliehen. So führe denn im bunten Zauberreigen Noch einmal mich durch deine schöne Welt; Und wird auch sie ihr Herz mir nimmer neigen, Bleibt ewig auch der Kummer mir gesellt, Doch will ich ihr nur heitre Bilder zeigen, Weil Frohes nur der Fröhlichen gefällt. O mög' ihr oft das leichte Lied enthüllen: Den du betrübst, der lächelt deinetwillen! Schon öffnen sich die buntgeschmückten Pforten, Der Sänger tritt mit hellem Blick hinein. Aus alten Zeiten füllt, aus fernen Orten, Mit Bildern sich der wunderbare Hain, Und Alles muß, gebannt von Zauberworten, Zum langen Zug um meinen Pfad sich reihn. Dem Monde gleich, der tausend Sterne leitet, So wandl' ich jetzt von meiner Schaar begleitet. Und sieh, den Hain, der wunderbar verschlungen, Sich endlos dehnt, durchzieht das bunte Heer; Bald rasten wir in kühlen Dämmerungen, Bald führt der Sturm uns sausend über's Meer. Jetzt wird zum Spiel der leichte Pfeil geschwungen, Und jetzt zum Kampf in tapf'rer Hand der Speer: So führ' ich sie auf immer neuen Wegen Durch Lust und Leid dem fernen Ziel entgegen. Denn richtend harrt, auf blüh'nden Thron erhoben, Die Königin der weitgereisten Schaar. Mit Rosen ist ihr zartes Kleid durchwoben, Als Krone schmückt die Ros' ihr wallend Haar. Den wird sie tadeln, jenen freundlich loben, Dem beut sie Lohn und dem Verzeihung dar. Dann neigt sie sich mit anmuthsvollen Blicken, Den reichen Kranz auf meine Stirn zu drücken. Am 23sten Januar 1816 O Herz, sey endlich stille! Was schlägst du so unruhvoll? Es ist ja des Himmels Wille, Daß ich sie lassen soll! Und gab auch dein junges Leben Dir nichts als Wahn und Pein; Hat's ihr nur Freude gegeben, So mag's verloren seyn! Und wenn sie auch nie dein Lieben Und nie dein Leiden verstand, So bist du doch treu geblieben, Und Gott hat's droben erkannt. Wir wollen es muthig ertragen, So lang nur die Thräne noch rinnt, Und träumen von schöneren Tagen, Die lange vorüber sind. Und siehst du die Blüthen erscheinen, Und singen die Vögel umher, So magst du wohl heimlich weinen, Doch klagen sollst du nicht mehr. Gehn doch die ewigen Sterne Dort oben mit goldenem Licht Und lächeln so freundlich von ferne, Und denken doch unser nicht. Am 28sten Januar 1816 Sie ist zum frohen Tanz gegangen, Ich weile traurend im Gemach, Und nur mein Dichten, mein Verlangen, Doch nicht mein Auge folgt ihr nach; Und möcht' ich auch so gern mich freuen An ihrer Freude heiterm Licht, Doch muß ich, ihr zu nahn, mich scheuen, Denn meine Näh' erfreut sie nicht. Was glücklich ist im bunten Leben, Das sucht des Tages holden Schein; Im Lichte will der Vogel schweben, Die Blum' im Lichte nur gedeihn. Nur wem in sonnenhellen Räumen Die Bilder kalt entgegenschaun, Der muß aus Schatten und aus Träumen Sich luft'ge Blüthenlauben baun. Und horch, schon schlägt des Glückes Stunde, Die holde Stimme flüstert schon; Schon fühl' ich leis' auf meinem Munde, Ach, nur im Traum, den süßen Lohn! Wie ist doch Jene, die so freundlich Mein kühnstes Sehnen jetzt erfüllt, Dem Nahen stets so fern und feindlich Und nur dem Fernen nah' und mild! Am 29sten Januar 1816 Und läg' ich auch in harten Kerkerbanden, Umgäb' auch rings die Nacht mich öd' und leer, Und irrt' ich auch in weit entfernten Landen Durch Gluth und Frost, durch Wüsteney und Meer, Verfolgt, bedroht, verlassen, unverstanden, In Sturm und Noth, mit mattem Fuß, umher, Doch würde nie dein Bild sich von mir trennen, Dein würd' ich seyn und dich noch sterbend nennen. Denn wie belebt das ungezwung'ne Eisen Sich folgsam naht dem fesselnden Magnet, Wie ewig treu in wandellosen Kreisen Die Erde sich um's Licht der Sonne dreht, Wie ohne Rast auf nächt'gen Pilgerreisen Von Meer zu Meer die Schaar der Sterne geht, So ward auch ich in dunkeln Schicksalsstunden Mit finsterm Zwang an deinen Pfad gebunden. Und magst du auch mich stolz und kalt verlassen, Und nimmer Trost und Freude mir verleihn, Mag liebend einst ein Andrer dich umfassen, Und wilder Schmerz mein Innerstes entzweyn, Und könntest du auch je mich feindlich hassen Und deines Siegs und meiner Noth dich freun, Du zwängst mich leicht, in ungeheuren Leiden, Vom Leben wohl, doch nicht von dir zu scheiden. Ach, Alles, was verknüpft mit deinem Leben, Nur Kunde mir von deiner Nähe giebt, Der leichte Flor, der deine Brust umgeben, Das Werk, woran die zarte Hand sich übt, Die Saiten, die von deinem Finger beben, Die Blumen, die dein Auge wählt und liebt, Der Raum, die Luft, das Licht, das dich umfangen, Weckt Lieb' und Lust und Schmerz mir und Verlangen. Und seh' ich dann dich selber vor mir stehen, Dem Monde gleich an dunkler Wolken Rand, Läßt freundlich mir dein klarer Blick sich sehen, Berührt nur leis' im Nahn mich deine Hand, Fühl' ich von fern nur deines Mundes Wehen, Streift flüchtig nur dein Arm mich, dein Gewand, Dann ringen schnell im wunderbaren Spiele Durch meine Brust verworrene Gefühle. Wie still am Rand der wilden Felsenquelle In linder Luft die stolze Rose blüht, Indeß ihr Bild im Strom der raschen Welle Unruhig schwankt und auf und nieder flieht: So strahlst auch du in wundersel'ger Helle, Mit klarem Sinn und friedlichem Gemüth; Doch stürmisch regt die Fluth in meinem Herzen Sich um dein Bild in Sorge, Wahn und Schmerzen. Nichts denken kann ich dann und nichts beginnen, Die Lippe schweigt, dich sieht mein Aug' allein, Die Welt versinkt vor meinen irren Sinnen, Nichts an mir ist, nichts in mir selbst mehr mein, Und Flammen fühl' ich durch die Brust mir rinnen, Und kämpfe wild mit Zweifel, Trug und Schein; Mit Licht und Nacht in wandelbaren Wogen Hält Lust und Leid mir Blick und Geist umzogen. Ich kann nicht nahn, nicht fliehn und nicht verweilen, Es fesselt mich und treibt mich rastlos fort; Mag Ort und Zeit auch wechseln und enteilen, Eins bleibt die Zeit mir ewig, Eins der Ort. In tausend Wünsche muß mein Geist sich theilen, Und alle doch umfängt ein einz'ges Wort. Von tausend Pfeilen ist mein Herz getroffen Und bleibt doch stets für neue Wunden offen. O stolzer Sinn, der früher nie bezwungen, Vor keinem Drohn den freien Blick gesenkt, Wie hält dich jetzt ein hartes Band umschlungen, Das zarte Hand nach strenger Willkühr lenkt! Der muthig sonst mit jedem Feind gerungen, Jetzt zagt er ihr, die oft so tief ihn kränkt, Und heischte sie zum Spiel sein Heil, sein Leben, Gern würd' er ihr, der Feindlichen, es geben. Und bin ich auch von ew'ger Qual zerrissen, Vergeh' ich auch im rastlos wilden Streit, Nichts will mein Herz von Rath und Rettung wissen, Wenn nicht das Glück die volle Gunst mir beut, Denn mit dem Schmerz müßt' ich das Leben missen, Dem Liebe nur Licht, Kraft und Athem leiht. Eh langsam mir Gefühl und Sehnsucht sterben, Mag lieber rasch mich Kampf und Sturm verderben! O wärst du doch als Königin geboren Und hättest mich aus deines Volkes Zahl Zum niedrigsten der Diener dir erkohren, Den Becher dir zu füllen nur beym Mahl! Wohl hab' ich jetzt die Freyheit längst verloren, Und ach, doch ist mein Loos nicht deine Wahl! Und muß auch ich mich ganz den Deinen nennen, Du willst mir nie den süßen Namen gönnen! O nimm es hin, dies jugendliche Leben, Dies Herz, das sonst so kühn, so fröhlich schlug, Den treuen Sinn, des Willens edles Streben, Den Geist, der nie ein schnödes Band ertrug! Mein Hoffen selbst, ich will auch das dir geben; Für dich ist nichts mir lieb und werth genug! O daß mein Herz doch einmal nur erriethe, Nicht schein' auch dir ganz werthlos, was ich biete! Am 31sten Januar 1816 Um, süße Liebste, dir verstohlen Ein Lied zu bringen, kam ich her; Doch sollt' ich Schmerz für Lust mir holen, Denn einsam war dein Haus und leer. Wie soll ich jetzt die Sehnsucht zwingen, Die mich nicht rasten läßt, noch ruhn? Nichts kann ich thun, Als schon ein neues Lied dir singen. Kannst du der Blumen Zahl mir nennen, Wovon die bunte Wiese glänzt? Kannst du die tausend Blätter trennen, Womit im May der Baum sich kränzt? So ist die Lieb' ein Frühlingsgarten, Und Lieder sind die Blumen drin; Eins welkt dahin, Das andre keimt, und keins' will warten. Und wie mit tausendfarb'gen Strahlen Dein Reiz in meine Seele dringt, Muß tausendfach der Schmuck sich malen, Den dir die blüh'nde Liebe bringt. Lust, Leid und Sehnsucht, Scherz und Klagen, Furcht, Hoffnung, Wahn und Träumerey, Ach, was es sey, Oft weiß ich's selbst dir nicht zu sagen! Und ob sie ewig auch sich mehren, Sie wollen alle zu dir hin, Sie wissen wohl, wem sie gehören, Und daß ich nur ihr Pfleger bin. Du wirst die Kleinen nicht betrüben, Wird auch der Raum dir bald zu voll, Die Mutter soll Ja ihre eignen Kinder lieben. Zwey Augenblicke Am 1ten Februar 1816 1. Ihr zarten Blümlein, Wiesenanemonen, Die sich zum Strauß die Liebste spielend band, Als ich zuerst und plötzlich einst empfand, Sie werd' allein in meinem Herzen wohnen, Mag Sturm und Frost stets eurer Wiege schonen, Wo ihr entblüht, am grünen Bergesrand, Euch flechte stets beglückter Liebe Hand, Noch eh' ihr welkt, in ihre Siegeskronen! Wie ihr euch hobt beym ersten Frühlingsstrahl, So brach auch mir aus dunkeln Wolken eben Nach langer Nacht das Licht zum ersten Mal. Ihr habt das Haupt geneigt im jungen Leben Und sterbend noch ihr kurze Lust gegeben, Ich lebe mir und, ach, auch ihr zur Qual! 2. Du sel'ger Augenblick im dunkeln Leben, Als meinem Mund das kühne Wort entflog, Und sie das Haupt erröthend niederbog, Tiefathmend, stumm, verwirrt, mit leisem Beben, Und während sie mit scheuem Widerstreben Aus meiner Hand die ihre zaudernd zog, Ich in dem Blick, der ungern mich betrog, Die Antwort las, ach, die sie nicht gegeben! Du gold'ner Pfeil, in Nektar eingetaucht, Den, um das Herz zum Tode zu verwunden, Die rasche Hand nur auszureißen braucht, Jetzt schlägt es fort und kann doch nie gefunden; Doch tauscht' es nicht für alle frühern Stunden Das süße Weh, das deine Gluth verhaucht. Am 3ten Februar 1816 1. Wie ohne Rast die Fluth der leichten Wogen Sich zitternd regt in wandelbarem Schaum, Wie ewig neu der Wolke zarter Flaum Verschwebend wallt am blauen Himmelsbogen, So werd' auch ich unruhig fortgezogen; Bild folgt auf Bild, und Traum zerrinnt im Traum; Im Frieden schon verstand mein Herz sich kaum, Drum wird es jetzt im Kampfe ganz betrogen. Nicht weiß ich mehr, was wahr, was eitel sey, Ob Glaub', ob Furcht, ob Hoffnung in mir lebe, Ob ich mich nun erfreue, nun betrübe; Allein wie bunt in flücht'ger Gaukeley Mein irrer Sinn auch hin und wieder schwebe, Eins fühl' ich klar und ewig: daß ich liebe. 2. O blute nur, du nie geschloßne Wunde, Laß zögernd mich im langen Schmerz vergehn, Bis sanftverhaucht des Lebens leises Wehn Sich seufzend trennt von meinem bleichen Munde! Und wenn dann erst in dunkler Schattenrunde Um's Lager mir die Todesengel stehn, Dann laß, o Gott, noch einmal sie mich sehn, Die ich geliebt bis an die letzte Stunde! Dann sinke sanft ihr Haupt zu mir hinab! Der erste Kuß, den ich von ihr empfangen, Er löse süß des Lebens Fäden ab! Still riesle dann, wenn ich dahin gegangen, Die erste Thrän' um mich von ihren Wangen Und fall' umsonst, ach, auf mein stummes Grab! Am 5ten Februar 1816 1. Wie magst du doch so gern der Blumen pflegen Und ihrer Farb' und ihres Dufts dich freun, Und doch so fremd den leisen Geistern seyn, Die sehnsuchtvoll in ihrem Kelch sich regen? Scheint stillen Schmerz das Veilchen nicht zu hegen, Nicht helle Gluth die Ros' umherzustreun? Droht leuchtend nicht selbst aus dem Silberschein Der Lilie dir der gold'ne Pfeil entgegen? O möchtest du der Liebe süßem Flehn Bezwungen einst die weichre Seele gönnen; Leicht hörtest du dies Wort dem Kelch entwehn: Gern wollten wir von Licht und Luft uns trennen, Um einmal nur das Sehnen zu verstehn, Das uns verzehrt und das wir doch nicht kennen! 2. Sie sind umsonst, der Sehnsucht leise Lieder! Nie wird dein Sinn dem Sänger weich und mild; Dein Ohr nur hört, was dir sein Herz enthüllt; Doch tönt es nie in strenger Brust dir wieder. So leicht umschwebt mit flatterndem Gefieder Der Schmetterling der Iris buntes Bild; Doch zu dem Gift, das tief den Kelch ihr füllt, Taucht nimmermehr der flücht'ge Gast hernieder. Die Flammen, die der Liebe Hand dir beut, Nimmst du zum Spiel der kurzen Augenblicke Und lachst der Gluth, anstatt sie mild zu kühlen. Gern gönn' ich's dir, wenn dich das Spiel erfreut; Du spieltest ja schon längst mit meinem Glücke, So magst du jetzt mit meinem Schmerz auch spielen. Am 7ten Februar 1816 1. Wie festverstrickt mit duftig zarten Reben Der Efeuzweig den schlanken Baum umschlingt Und jetzt aus ihm das frische Leben trinkt, Das früher ihm der Erde Schooß gegeben: So muß mein Geist dich ewig eng umweben, Und dein nur sind die Blüthen, die er bringt; Durch dich allein entknospet und verjüngt, Ernährt und schmückt sich selbst und dich mein Leben. O holder Baum, wenn je das Immergrün, Womit dich stets der Liebe Träum' umranken, Dein schönes Bild noch zu verschönern schien; So neige dem, der dir den Schmuck verliehn, Ach einmal nur, um freundlich ihm zu danken, Die Zweige, die so reich und lieblich blühn! 2. Der Sänger lag von stillem Schlaf umfangen, Von langem Leid war Wang' und Mund ihm bleich, Doch blühend kam durch's duftige Gesträuch Mit ihren Frau'n die Königin gegangen. Ihr Auge blieb wehmüthig an ihm hangen, Das stolze Herz, es ward ihr mild und weich, Sie neigte sich, der schlanken Blume gleich, Und küßte sanft des Blassen Mund und Wangen. Da flüsterten die Frauen hier und dort: Wie mag sich doch die frische Rose nieder Zum bleichen Kelch der Nachtviole neigen! Doch sinnig sprach die Herrin dieses Wort: Nicht küßt' ich ihn; ich küßte nur die Lieder, Die blühend stets von diesen Lippen steigen. Am 8ten Februar 1816 1. Du Rose, die jetzt ohne Farb' und Schein So traurig steht im öden Garten drüben, Welch süßer Trost, o Ros', ist dir geblieben, Wenn auch dein Laub die Winde jetzt verstreun! An dir wird einst die Reizende sich freun, Um dich sich einst, wenn du verwelkst, betrüben; Das Schönste kann ja nur sich selber lieben, Drum liebt sie dich, ihr schönstes Bild, allein. O wenn ich doch mit leisen Zauberliedern Aus deinem Schlaf dich aufzusingen wüßte! – Hat selbst den Tod doch einst ein Lied erweicht! Wohl nahte dann, die Gabe zu erwiedern, Auch mir der Duft, der ihre Lippen küßte, Und sie zu küssen wähnt' ich dann vielleicht. 2. Wie Ros' und Duft ihr Bündniß nimmer trennen, Sobald der Kelch entblüht dem holden May, Und, sind auch Ros' und Duft im Namen zwey, Du denkst den Duft, willst du die Rose nennen; So lieb' ich zwey; doch kann ich nicht erkennen, Ob diese dort, und hier die andre sey. Und bleib' ich stets auch einer Liebe treu, Zwey Flammen sind's, die mir im Herzen brennen. Ob auch der Duft den weiten Himmel füllt, Er schwindet nie aus jenen sel'gen Blüthen, Die ihm der Lenz zur zarten Wieg' erkohren. So muß auch mir ein einz'ges lichtes Bild Ein doppelt Leid, ein doppelt Glück mir bieten, Das nah mir weilt und das ich längst verloren. Am 9ten Februar 1816 1. O Frühling, komm! Laß deine Blumen keimen, Erweck' im Hain der Vögel süßes Lied, Und schmücke bunt dein fröhliches Gebiet Mit Duft und Glanz und goldnen Wolkensäumen! Wenn Liebe singt in allen grünen Bäumen, Im Quelle rauscht, im hellen Haine blüht, Dann wird vielleicht mein traurendes Gemüth, Vom Glück umringt, sich selber glücklich träumen. Doch wehe mir! was blickt mein stiller Gram Den Strahlen nach, die scheidend lang verglommen, Und ruft umsonst die Schatten schönrer Tage! Die jedes Glück aus meinem Leben nahm, Hat auch dem Lenz die Liebeslust genommen Und ließ ihm nichts als seine Liebesklage. 2. Durch Berg und Thal, durch Hain und Wiesengrün Entrieselt leicht die nimmermüde Quelle; Bald siehst du tief des Himmels blaue Helle Und Wolken bald durch ihren Spiegel ziehn. Wo Baum und Busch am glatten Strande blühn, Da muß sie rasch vorbey der holden Stelle, Doch zögernd bricht und hemmt sich ihre Welle, Wo Felsenhöhn sie rauh und wüst umziehn. Wohin, wohin, unruhig fortgetragen, O sehnend Herz, o Liebe, willst du eilen? Wo ist das Thal, das friedlich dich umfängt? Was gleitest du an deinen sel'gen Tagen So schnell vorbey, um, ach, nur dort zu weilen, Wo dich der Schmerz in enge Banden drängt? Am 10ten Februar 1816 1. Nichts wollt' ich mehr verlangen, nichts mehr flehen, Dürft' ich mit dir, in sel'ger Gluth entbrannt, Von deinem Arm mit leisem Druck umspannt, Nur einmal mich im raschen Tanze drehen, Und süß umhaucht von deines Mundes Wehen, Und Blick auf Blick in trunkner Lust gewandt, Mich, den ich nie in deinem Herzen fand, Ach, einmal nur in deinem Auge sehen! Doch hält mich längst von jenem einz'gen Glück, Das gern vielleicht dein strenger Sinn gewährte, Ein ernster Schwur, den ich mir that, zurück; Und wenn auch einst die Sehnsucht mich bethörte, Nah wärst du mir den kurzen Augenblick, Doch ich dir fern, weil ich mich selbst nicht ehrte. 2. Ihr bunten Au'n, ihr Quellen und ihr Höhn, Ihr Thäler und ihr dunkeln Laubenhallen, Wo's ihr zu ruhn, zu wandeln einst gefallen, Nie mag die Spur der Schönen euch vergehn! Euch, Wiesen, soll ein rein'rer Duft umwehn, Ihr Wälder sollt von holdern Liedern schallen, Mit kühlerm Trank, ihr klaren Bäche, wallen, Und grünender, ihr stolzen Berge, stehn. Daß, wenn bey euch des langen Pfads Beschwerde Im süßen Schlaf der Wandrer überwunden, Beym Scheiden so sein segnend Wort euch dankt: Du sel'ge Flur des Friedens, heil'ge Erde, Fast ist mir hier der Heimath Bild verschwunden, Die Alles hegt, wonach mein Herz verlangt. Am 11ten Februar 1816 1. An dich allein kann meine Seele denken; Zum Liede wird, was ich von dir gedacht; Kaum hat mein Geist des süßen Spieles Acht, Weil unbemerkt ihn fremde Zauber lenken. Wenn du dich kränkst, muß auch mein Lied sich kränken, Und lächeln wird's, sobald dein Auge lacht; Du hast den Sinn, ich nur die Form gemacht, Kaum brauch' ich noch das deine dir zu schenken. Doch siehst du gern so treu dein holdes Bild, Wie tief im Quell die Rosen sich erblicken, Die ungeschmückt so wunderlieblich blühen, So sey auch mir und meinen Liedern mild, Die kunstlos dich mit keiner Schöne schmücken, Die du nicht selbst, du Schönste, dir verliehen. 2. Welch Blümchen flicht, eh dieser Kranz sich endet, Zum letzten Schmuck der Sänger dir hinein? Zu stolz ist mir der Lilie Silberschein, Nie war mir hold die Rose zugewendet; Mayblümchen sind's, die einst mein Herz verblendet, Das Tausendschön, es blüht bei dir allein; Vergißmeinnicht, wohl würdet ihr es seyn, Wenn nicht zu oft die Dichter euch verschwendet. So wähl' ich dich, das, eh die Stürme fliehn, Die Glöckchen hebt aus schneebedeckten Keimen, Ein Stündchen nur am fernen Licht zu blühn. Hat auch dein Lenz dir wenig Lust verliehn, Doch trägt dein Kelch an seinen Silbersäumen Im Winter selbst der Hoffnung zartes Grün. Am 17ten Februar 1816 (Ihrem Geburtstage.) Sind Kränze nicht der Schmuck der Schönen? Führt nicht bekränzt die Braut den Tanz? Muß nicht ein Kranz den Helden krönen? Ist nicht des Liedes Lohn ein Kranz? Drum sollen stets auch diese Stunden, Weil sie so Schönes uns verliehn, Vom duft'gen Blumenkranz umwunden, Sich schmücken mit des Frühlings Grün. Mag auch der Winter sein sie nennen, Weil er noch rauh die Flügel schwingt, Wie sollen wir den Lenz erkennen, Als an den Gaben, die er bringt? Und sagt nicht jedes Herz sich immer, Wenn ihm dein Auge freundlich lacht: Der schönste May, wohl hat er nimmer So holde Blumen uns gebracht! Des Lebens leichte Flügel bindet An Raum und Zeit der stolze Wahn; Doch was den Gott in sich empfindet, Das schwebt auf selbsterkohrner Bahn. Hell flammt ein himmlischer Gedanke Auch aus des Kummers Nacht hervor, Und blühend schlingt die zarte Ranke Am rauhen Felsen sich empor. So zog mit seinen Dienern allen, Mit Duft, Gesang und Sonnenschein, Einst in des Winters dunkle Hallen Der schöne Frühling prangend ein, Und ließ aus seinen Siegeszweigen, Um jenen holden Augenblick Nach fernen Jahren zu bezeugen, Die schönste Blume, dich, zurück. Drum schmücke stets mit allen Blüthen, Mit Allem, was im jungen Jahr Die Wiesen und die Haine bieten, Sich dieser Tag sein goldnes Haar. Den Sieger mag der Lorbeer krönen, Die Liebe sich der Myrte freun; Dem holden Geber alles Schönen Muß alles Schöne dienstbar seyn. Am 19ten Februar 1816 Holder Tag, der allen Wesen Licht und Leben giebt und Prangen, Du, mit rosenrothen Schwingen Leis' erweckend Wies' und Hain, Kannst du nicht den Schlummer lösen, Der betäubend mich umfangen, Nicht aus diesen Zauberringen Wüsten Wahnes mich befreyn? Stille Nacht mit kühlem Schatten, Die du mütterlich den Schleyer Deinen tagesmüden Kindern Um die dunkeln Augen ziehst, Kannst du nicht dem Todesmatten Seiner Wunden brennend Feuer, Jener Pfeile Gift ihm lindern, Das die Adern ihm durchfließt? Weh, wie ist das helle Leben So zum Traum mir umgestaltet? Weh, wie schleudert selbst im Traume Mich das Leben hin und her! Wie die Lüfte wehn und weben, Wie die Welle wogt und waltet, Schwimm' ich gleich zerfloßnem Schaume, Liebe, durch dein wildes Meer! Am 20sten Februar 1816 Lächeln soll ich jetzt und scherzen Mit verweintem Angesicht, Soll mit leichten Worten spielen, Wenn von kämpfenden Gefühlen, Wenn von tiefverborgnen Schmerzen Laut im Herzen Jeder rasche Puls mir spricht. Liebe, kannst du mir's vergeben? Ring' ich nicht mit deiner Macht? Frevel ist's, dein heil'ges Feuer Zu umziehn mit dunkelm Schleyer. Wo die Götter herrschend schweben, Will ihr Leben Leuchten durch die ird'sche Nacht. Wenig rührt's die stolzen Mächte, Ob sie Schmerz, ob Lust verleihn; Rastlos wollen sie sich regen, Nur die ew'ge Kraft bewegen, Und dem sterblichen Geschlechte Soll das Rechte, Was der Starke fordert, seyn. Aber wie von Blitzespfeilen Hell der Eiche Haupt entglüht Und dem Strahl, der sie entzündet, Jetzt die eigne Kraft verbündet Und im wilden Sturmesheulen Flammensäulen Ihrem Feind entgegensprüht: So soll auch das Herz nicht zagen Vor der Götter glüh'ndem Wehn, Denn ihr Wandeln und ihr Walten Wird auch ihm die Kraft entfalten. Wer ihr mächt'ges Nahn ertragen, Darf es wagen, Selbst die Sieger zu bestehn. Wilde Gluth, ich will dich zwingen, Will nur lächeln, klagen nie, Daß die Süße, die ich liebe, Nicht im Stillen sich betrübe; Mag mein Herz im Kampfesringen Auch zerspringen; Tod und Leben sind für sie! Am 11ten März 1816 Sie, die sich treu dem Wankenden verbanden, Als feindlich mir mein böser Stern erschien, Die Einzigen, die ganz mein Herz verstanden Und Liebe mir für Liebe gern verliehn, Sie seh' ich jetzt hinweg zu fernen Landen Der schönen Pflicht, dem Lohn entgegen ziehn; Ich muß allein in diesem armen Treiben Der kalten Welt mit glüh'ndem Herzen bleiben. Wohl würde dort in jenem reichen Leben, Wo, gleich dem Licht im hellen Edelstein, Mit freyem Glanz die regen Funken schweben Und immer neu ihr farb'ges Feuer streun, Auch meine Kraft gereizter sich erheben Und fröhlicher die Fantasie gedeihn. Wo Strahlen gern an Strahlen sich entzünden, Wohl würd' auch ich dort Gunst und Liebe finden. Hier muß ich scheu die heil'ge Gluth verhüllen Und dämpfen, was ein Gott mir angefacht, Und wenn auch heiß mich tausend Flammen füllen Und mächtig Lust und Leid in mir erwacht, Nicht kann ich hier den Durst des Herzens stillen, Denn keiner ist, der mit mir weint und lacht. In eigner Brust muß ich den Frühling tragen, Und dennoch sieht mein Blick ihn nimmer tagen. Und ach, doch hält ein trügerisches Sehnen, Ein langer Wahn, ein nie errung'nes Glück, Ein ew'ger Kampf um Schmerzen nur und Thränen Von neuem stets den Fliehenden zurück! Für jenen Lenz, den tausend Strahlen krönen, Begehr' ich hier nur einen holden Blick. Ach, du nur bist's, du meine Lust, mein Leiden, Du mein Geschick, du läßt mich nimmer scheiden. Wie tausendfach die Wurzeln sich durchwinden, Woraus der Baum zum Himmel sich erhebt, So ist mein Thun, mein Denken, mein Empfinden, Mein ganzes Seyn mit diesem Ort verwebt, Und Berg und Thal, Quell, Wies' und Hain verkünden, Wie ich geliebt, gelitten und gelebt. Das Theuerste, was mir die Welt beschieden, Es lacht und blüht, es schlummert hier im Frieden. Wohl mag, geraubt den mütterlichen Auen, Ein zarter Strauch im fremden Boden stehn; Doch wird umsonst der Himmel ihn bethauen, Umsonst der Hauch des Lenzes ihn umwehn, Sehnsüchtig wird die Blüthe dorthin schauen, Wo sie zuerst das schönre Licht gesehn. Der kurze Reiz, den Sorg' und Fleiß ihr geben, Ist nur ein Traum, ein nachgeahmtes Leben. So häng' auch ich an deinen sel'gen Blicken, So bin ich fest an deinen Pfad gebannt, Und trage stolz die Fesseln, die mich schmücken, Und wähne süß den Schmerz von deiner Hand. Nicht kann die Gunst der Fremden mich beglücken, Hier weilt mein Herz, hier ist mein Vaterland. Kein blüh'nder Kranz darf meine Locken krönen; Mein Lorbeer wuchs, gepflegt von Gram und Thränen. Welch Schicksal hier die Götter mir bereiten, Ich weiß es nicht und mag es nicht erspähn. Mir ward bestimmt, durch Dunkel fortzuschreiten, Verschleyert nur die schöne Welt zu sehn. Ein Licht nur glänzt, mich durch die Welt zu leiten, Und schwindet nie, wie auch die Stürme wehn. Mein Herz erkennt, woher sein Glanz mir schimmert, Wohin es ruft, das hat mich nie bekümmert. Denn wie der Stern zu jenem sel'gen Kinde Die Weisen einst durch fernes Land geführt, So folg' auch ich, wie auch der Pfad sich winde, Wie auch das Ziel im Dunkel sich verliert. Eins weiß ich doch, daß ich ein Kleinod finde, Das selbst den Schmerz mit gold'nen Strahlen ziert, Denn schönern Ruhm kann nie das Herz erwerben, Als treu zu seyn im Leben und im Sterben. Wohl wird vielleicht nach wenig kurzen Tagen Im langen Schlaf mir jeder Wunsch gestillt. Gern hör' ich jetzt die dunkle Stunde schlagen, Mein Herz ist leicht und mein Gelübd' erfüllt; Denn was ich tief in treuer Brust getragen, Strahlt herrlich jetzt, ein himmlisch lichtes Bild, Und seit ich jungst den freud'gen Sieg gewonnen, Ist halb die Nacht des Lebens mir zerronnen. Und wie, genaht des Grabes stiller Schwelle, Der Sterbende noch einmal froh erwacht, Und in dem Blick ihm überird'sche Helle Und Morgenroth auf seiner Wange lacht, Als ob sich Erd' und Himmel schon geselle, Und schon in Eins zerrinnen Licht und Nacht, So scheint auch mir, daß jetzt, indem ich scheide, Sich freundlicher mein finstres Leben kleide. Denn jener Traum aus längstverblühten Stunden, Als ich beglückt zu deinen Füßen saß, Und süß getäuscht, ach, was nur ich empfunden, In deinem Blick, in deinem Lächeln las, Der sel'ge Traum, der mir so bittre Wunden, So tiefe schlug, wovon ich nie genas; Wie Blumen, die am dunkeln Abgrund sprießen, So scheint er jetzt noch einmal mich zu grüßen. So sah ich einst dein Bild sich mir verklären, So hat auch einst dein Auge mir gelacht, So freundlich einst, den Kummer zu beschwören, Dein mildes Herz für deinen Freund gewacht. O laß den Wahn bis an mein Ende währen! O wandle nicht von neuem Tag in Nacht! Nur kurze Zeit laß mir den Himmel offen! Bald werd' ich Nichts mehr bitten, Nichts mehr hoffen. O sey mir mild! Jetzt bin ich ganz verlassen, Wenn noch einmal, wie einst, dies Glück verblüht; Kein Freundesarm kann jetzt mich rettend fassen, Wenn mich der Sturm in seine Strudel zieht. O sey mir mild! du kannst ja den nicht hassen, Der gern für dich von allem Theuern schied, Der nicht gezagt, ein ganzes reiches Leben Für einen Wunsch, für einen Schmerz zu geben. Wohl mag das Spiel mit nie getäuschten Pfeilen, Der sichre Sieg ein stolzes Herz erfreun, Doch schöner ist's, den Blutenden zu heilen Und mächtig zwar, doch milder noch zu seyn. Dein bin ich längst, ich kann dir nicht enteilen, So achte denn mein Wohl und Weh auch dein. Der nie gefragt, wie schwer sie ihn umwinden, Laß unverhofft ihn leicht die Ketten finden. Am 4ten April 1816 Frühling, der mit leisen Schwingen Lau mir um die Wangen spielt, Ach, du kannst nicht wiederbringen, Was ich einst in dir gefühlt! In des Haines grüner Halle, An des Baches hellem Lauf Weckest du die Lieder alle, Alle Blumen wieder auf; Und doch kehren jene Lieder, Die den Glücklichen entzückt, Jene Blumen nimmer wieder, Und mein Haupt bleibt ungeschmückt. Fremde Bilder seh' ich schweifen, Räthsel, neu und wunderbar, Und mein Herz kann nicht begreifen, Was ihm sonst so deutlich war. Dieses Duften, dieses Prangen, Hat es einst mich doch ergötzt; Warum rinnt mir von den Wangen Denn die bittre Thräne jetzt? Schönes, dacht' ich, seh' ich blühen, Und das Schönre folgt ihm nach. – Ach, des Menschen Wünsche fliehen Spurlos wie die Well' im Bach! O du rasches junges Leben, Ewig wechselnd, ohne Ruh, Durftest du mir Treue geben, Und die Hoffnung nicht dazu? Am 6ten April 1816 So scheid' ich denn mit stiller Klage Von meiner Wünsche süßem Ziel; Und scheid' ich auch auf wenig Tage, Ach, wenig Tage sind zu viel! Die Liebe zählet nicht nach Stunden Und nicht nach Jahren ihre Zeit; Der Tag, der einsam ihr entschwunden, Ist ihr ein langes, ew'ges Leid. Denn köstlich sind die Augenblicke, Die nur ein Gott uns nimmt und giebt; Oft führt die kurze Zeit zum Glücke, Und nur die kurze den, der liebt. Dem Zufall ist der Gott gewogen, Auf Flügeln naht sich der Gewinn; Doch wenn die rasche Gunst entflogen, Ist auch die lange Müh dahin. Wie manches wollt' ich heut ihr sagen! Wie war das Glück mir hold und treu! Wie manches durft' ich flehn und wagen! Und dennoch stand ich blöd' und scheu. Drum scheid' ich auch mit schwerem Herzen Von diesem vielgeliebten Ort, Und nehme alle meine Schmerzen Und keine Freude mit mir fort. Am 7ten April 1816 Du Veilchen auf der Frühlingsau, Wie stehst du tief in's Grün gebogen, Und hast von kühlem Morgenthau Den kleinen Kelch so voll gesogen! Du fühlst wohl auch schon, kaum entblühk, Der bangen Liebe Sorg' und Sehnen, Die vor dem Blick der Menschen flieht Und dunkle Schatten liebt und Thränen. Mag freundlich auch das Sonnenlicht Um deine grüne Wiege glimmen; Dich wärmt sein lauer Schimmer nicht, So lang die Perlen in dir schwimmen. Doch bist du glücklicher als ich, Denn Keiner wehrt es dir, zu weinen, Und Eine liebt und findet dich Und wird es freundlich mit dir meinen. Drum zittre nur im Morgenwehn Und nähre deine süßen Schmerzen, Dann blühst du doppelt frisch und schön Und duftiger an ihrem Herzen. Sie liebt die Blumen auf der Flur, Sie liebt das Vögelein am Bache; Und ach, mich Einen flieht sie nur, Und dennoch will sie, daß ich lache! Hildesheim Den 20sten April 1816. Durch die Thäler und über die Höhn Flieh' ich so leicht wie des Windes Wehn; Von der Wiese, von Busch und Baum Streif' ich die thauigen Tropfen kaum. Duftige Blätter und schwellendes Grün Pflück' ich mir ab im Vorüberfliehn, Hole vom Bach mir den kühligen Trank, Bade die Glieder, so glatt und schlank. Quelle, wie rieselst du rasch im Hain! Hole das flüchtige Reh doch ein! Quelle, wie blitzest du licht und klar! Lichter noch blitzet mein Augenpaar! Frühlingssäuseln und Morgenstrahl Spielen so lustig in Wald und Thal; Wie sie spielen, so spiel' ich auch Mit den Gesellen durch Busch und Strauch. Lieber Jäger, o laß uns gehn, Möchten gern mehr von der Welt noch sehn, Lebten noch gar zu kurze Zeit, Thaten ja Keinem noch was zu Leid. Hast du ein Liebchen, so bring's herbey, Wo wir spielen so frisch und frey, Daß dich das blühende Liebchen küßt, Freuet sich, daß du ein Jäger bist. Am 22sten April 1816 Lächelt auch auf Hain und Auen Hold dein lieblich laues Licht, Frühling, ach, wer darf dir trauen Auf dein freundlich Angesicht, Wenn dich Thränen doch befeuchten, Und das traurende Gemüth Finstrer nur in deinem Leuchten Seinen eignen Kummer sieht! Ach, wohl ist's ein banges Sehnen, Was verlangend in dir schwillt, Und von süßen Wehmuthsthränen Sind die Blüthen wohl erfüllt; Doch verklärt vom Liebesglanze, Von der Hoffnung lichtem Grün, Sollt' in deinem Blumenkranze Selbst die Trauer lieblich blühn. Vieles muß das Herz ertragen Bey des Zufalls blindem Spiel; Ach, selbst in beglückten Tagen Hat es, Thränen nie zu viel! In den gold'nen Wolkensäumen Lauscht das dunkle Wetter gern; Hoffen darfst du nur und träumen, Denn das Glück bleibt ewig fern. Aber auch wenn oft hienieden Unsre Träume schnell verwehn, Ward die Treu' uns nur beschieden, Mag die Freude gern vergehn. Treue hält mit starken Ketten, Was uns flüchtig einst erfreut; Kannst du auch die Lust nicht retten, Süß ist um die Lust das Leid. Am 23sten April 1816 Nun, so muß der Wandrer scheiden Von der Freude Sonnenblick; Ewig finden, ewig meiden Ist der Sterblichen Geschick. Wie er kam mit Leid und Freuden, Also geht er auch mit beyden, Doch viel anders, jetzt zurück; Eins vergaß er: alte Leiden, Eins gewann er: neues Glück. Am 24sten April 1816 Ewig muß das Leben keimen Aus dem dunkeln Schooß der Erde, Daß zu wandelbaren Träumen Alles, was wir liebten, werde. Sehnst du dich, ein Bild zu halten, Das es bleibend dich erfreue, Wird es flüchtig sich auf's neue In ein fremdes umgestalten. Wo die Knospen heut erwachten, Wirst du morgen Blätter finden, Wenn die Blüthen kaum dir lachten, Muß auch schon die Frucht sich ründen; Frühling, ach, wer kann dich sehen Und an deinem Glanz sich weiden? Bist ja nur ein ew'ges Scheiden, Ew'ges Wechseln und Vergehen. Blumen, welche schnell verblühen, Heitres Blau in hohen Fernen, Wolken, die vorüberziehen Vor des Himmels festen Sternen, Leise Töne, die verschweben, Fremde Bilder, flucht'ger Schimmer, Frühling, ach, wohl irrt man immer, Nennt man Liebe dich und Leben! Am 25sten April 1816 Der Frühlingslüfte lieblich leises Wallen, Das lichte Grün, das Hain und Wiese schmückt, Das erste Lied der frühen Nachtigallen, Der Blüthenschnee, der aus den Knospen blickt, Der laue Lenz mit seinen Träumen allen Hat hier mit Euch mich doppelt süß entzückt; Wie ein Gedicht aus Lieb' und Lust und Schmerzen, So trag' ich Euch und ihn in meinem Herzen. Ich scheide jetzt und wähne nicht zu scheiden, Da ewig mich dies holde Wild umschwebt; Ich will es nicht in arme Worte kleiden, Was wie ein Traum mir reich im Busen lebt. An Worten mag der helle Geist sich weiden, Der fern hinaus auf sichern Bahnen strebt; Im Glockenklang, in leiser Düfte Wehen Wird leicht das Herz, was es gefühlt, verstehen. So hab' ich jetzt in tausend süßen Zeichen Euch ewig nah' und lebe mit Euch fort; Wenn längst nicht mehr die Stimmen sich erreichen, Wählt Liebe Duft und Farb' und Glanz zum Wort. O holde Sprache! Boten sonder Gleichen! Sie scheiden nie und sind doch hier und dort. Wo ich auch sey, stets wird mit lichten Schwingen Der schöne Lenz von Euch mir Kunde bringen. Auf dem Hübichenstein Am 27sten April 1816. Tief im Gebirg, am Tannenhain Steigt aus dem Thal ein alter Stein; Er schaut in's Land hinaus gar fern, Ihm nahn die Menschen nimmer gern. Dort spannt sein Netz der Efeu aus Und wölbt ein schattig grünes Haus; Am Rande schwillt das Moos so weich, Tief rinnt die Quelle durch's Gesträuch. Dort sitzt der Elf im Mondenstrahl Und singt hinab in's dunkle Thal; Wie Windeshauch, wie Glockenklang, So schallt sein Lied das Thal entlang. Wie einsam ist es auf den Höhn! Wie schaurig hier die Winde wehn! Dumpf rauscht der wilde Bach herauf, Und sucht durch's Dunkel seinen Lauf. Ich schau' hinab den Bergespfad, Ob nicht ein Menschenkind sich naht! Doch Alle ziehen fort ins Land Und scheun sich vor der Elfenwand. Der Aermste, der die Felder baut, Hält sicher dort im Arm die Braut, Der Schäfer weiß die Trift, den Bach, Wo seine Liebste weiden mag. Sie grüßen sich mit Hand und Blick, Sie geben Wort und Kuß zurück; Sie drehn sich froh im bunten Reihn, Ich sitze traurig und allein. Ich habe Blumen, roth und blau, Die glänzen schön von frischem Thau; Ich habe Gold, so rein und licht, Und nur die Liebe hab' ich nicht. Und keine freut sich meiner Kraft, Wenn sie in Höhn und Tiefen schafft; Der Sturm nur jauchzt auf meinen Ruf, Die Blume weiß nicht, wer sie schuf. Was soll ich winden Kranz und Strauß, Bleibt ewig mir die Liebste aus? Was soll ich hüten all mein Gold, Wird drum kein treues Herz mir hold? O Liebesflamme, Liebeslust, Nie wärmst du meine wilde Brust! Das blüh'nde Lebe, weich und warm, Ruht kalt im luft'gen Geisterarm. Und spiegelt auch im tiefen Quell Mein Bild sich schön und mondenhell, Heran, du Nacht und Nebelwehn! Ich mag mein Bild nicht länger sehn. So singt der Elf im Dämmerstrahl; Sein Lied verhallt im dunkeln Thal; Dann spannt er seine Flügel aus Und füllt die Nacht mit Sturm und Graus. Ueber Wildemann, einem Bergstädtchen am Harz Den 28sten April 1816. Die Winde sausen Am Tannenhang, Die Quellen brausen Das Thal entlang; Ich wandr' in Eile Durch Wald und Schnee, Wohl manche Meile Von Höh zu Höh. Und will das Leben Im freyen Thal Sich auch schon heben Zum Sonnenstrahl; Ich muß vorüber Mit wildem Sinn Und blicke lieber Zum Winter hin. Auf grünen Haiden, Auf bunten Au'n, Müßt' ich mein Leiden Nur immer schaun, Daß selbst am Steine Das Leben sprießt, Und ach! nur Eine Ihr Herz verschließt. O Liebe, Liebe, O Mayenhauch! Du drängst die Triebe Aus Baum und Strauch; Die Vögel singen Auf grünen Höhn; Die Quellen springen Bey deinem Wehn! Mich läßt du schweifen Im dunkeln Wahn Durch Windespfeifen Auf rauher Bahn. O Frühlingsschimmer, O Blürhenschein, Soll ich denn nimmer Mich dein erfreun? Reiseerinnrung Den 2ten May 1816. Wo die alten Ströme rauschen Aus dem wald'gen Felsenthor, Setzt' ich einsam mich, zu lauschen, Und dies Singen scholl empor: Es fluthet die Welle Vom Dunkel in's Helle, In's grünende Thal aus den Wäldern hervor. Wenn die Klippen mächtig ragen, Wenn das Eis die Bahn verhüllt, Nimmer soll das Leben zagen, Das aus reichen Tiefen quillt. Was göttlich entstanden, Trägt irdische Banden; Doch strahlt ihm im Busen das himmlische Bild. Zürnst du, daß die moos'gen Bäume Dort die wilde Fluth entrafft, Wenn sie hier aus dunkelm Keime Freundlich neue Blüthen schafft? Im Lieben und Hassen, Im Nahen und Lassen Rollt wechselnd durchs Leben die waltende Kraft. Trümmer müssen bald sich spiegeln Auf den raschen Wellenhöhn, Bald von sonnenhellen Hügeln Stolze Schlösser niedersehn. Die Schlösser, die Trümmer, Sie halten uns nimmer, Fort treibet den Strom das lebendige Wehn. Aber wenn die leichten Wogen Durch des Strandes Lust und Graus Wandelbar hinabgezogen In Neptunus weites Haus, Dann breitet um alle Die himmlische Halle Mit ewigen Sternen unendlich sich aus. Also hört' ichs rauschend tönen Aus der Wogen raschem Streit, Und ich ging mit stillerm Sehnen Durch die Waldeseinsamkeit. Was frommen die Klagen! Du mußt es ertragen! Einst rinnen zusammen die Lust und das Leid. Am 3ten May 1816 Für der Liebe frische Blüthen Giebst du welke Rosen mir; Doch ich will sie freundlich hüten, Wie das lange Leid von dir. Wenn in trüben Wintertagen Künftig nun die Stürme wehn, Soll ihr bleiches Bild mir sagen, Was mir selber einst geschehn: In des Frühlings Blüthenhallen Sahn auch wir den Sonnenschein, Und das Lied der Nachtigallen Sang auch uns in Schlummer ein. Die das Glück nur einst besessen, Die verläßt sein Schatten nie; Bittrer ist es, zu vergessen, Als zu klagen spät und früh. Blieb von allem unsern Prangen Auch der Dorn uns nur zurück; Traurend freun wir uns und hangen An dem hingewelkten Glück. Am 4ten May 1816 Wenn das Abendroth zerronnen, Steigen Mond und Stern' empor, Und wenn Stern' und Mond erbleichen, Tritt die Sonn' aus gold'nem Thor. In des Himmels Rosenglanze, In der Sonne klarem Licht, In dem Mond, in allen Sternen Seh' ich nur dein Angesicht. Andre gehen mir vorüber, Und ich schaue sie nicht an; Dich errath' ich schon von ferne, Eh' ich dich erkennen kann. Aber wenn du nah gekommen, Kann ich doch dich nimmer sehn, Weil vor Freud' und Schmerz und Zagen Mir die Augen übergehn. Ach, wie kann ich dein vergessen, Dein gedenken ohne Leid? Bist mir ewig ja so nahe, Bist mir ewig ja so weit. Am 5ten May 1816 Die ersten Veilchen, die entsprossen, Du nahmst sie an und danktest still; Doch heut ist deine Thür verschlossen, Da ich die letzten bringen will. Die ersten wollten kaum entkeimen, Die letzten wollen schon vergehn; So hab' ich auch von meinen Träumen Die volle Blüthe nicht gesehn. Doch meine Träume blühn und leben In leisen Liedern noch für dich; Die Veilchen können nichts mehr geben, Wenn matt ihr zartes Haupt verblich. Jetzt welken sie in kaltem Regen, Weil ich sie fort ins Dunkel warf; Nicht mag ich Schönes sehn und pflegen, Wenn ich es dir nicht bieten darf. Am 6ten May 1816 O lindes Duften, holdes Keimen, O frisches Leben, laues Licht, Wie neckst du mich mit süßen Träumen, Doch was ich träume, giebst du nicht! Die Blüthen fallen und verwehen, Und neue blühen auf am Baum; Die Sonne bleibt am Himmel stehen Und sieht herab und merkt es kaum. Und säng' ich auch so viele Lieder, Als Blüthen glänzen nah' und fern, Sie klängen und verklängen wieder, Und was ich wünsche, bliebe fern. An den Hofrath T – Am 8ten May 1816. Frühling, klagen wir oft, wie schwindest du schnell aus dem Leben, Und wie schwindet mit dir, was du geschaffen, dahin! Wünsche verliehst du uns nur und hochaufstrebende Hoffnung; Aber das kältere Herz spottet der kindischen Lust, Und was fröhlich und frey sich ergötzt in beweglicher Willkühr, Neigt in den Banden der Pflicht welkend das blühende Haupt. – Thöricht scheint mir der Wahn, der am fliehenden Bild der Erscheinung Hängt und den waltenden Geist, der sie beseelte, vergißt. Einmal nur rinnt flüchtig das Gold in erzitternden Wellen, Lieblich, mit farbigem Glanz, spielen die Flammen umher; Doch dann ruhet es lauter und fest in gediegener Klarheit, Und in sichrer Gestalt bindet und lenkt es die Welt. Kraft und Liebe bewegen den Lenz; doch schwindet die Kraft denn, Schwindet die Liebe dahin mit der vergänglichen Lust? Mag auch die Blüthe verwehn, sie nähren in heiligen Tiefen Auf dem verborgenen Heerd ewig die schaffende Gluth, Schmücken im schwüleren Sommer das Feld mit der goldenen Garbe, Ziehn um den herbstlichen Baum üppige Reben umher, Und wenn zögernd der Winter genaht, dann pflegen sie freundlich, Bis sich das eisige Band löst, den unsterblichen Lenz. Laß denn schwinden die Bilder der Lust und der fröhlichen Jugend Grünende Kränze, die einst heiter das Haupt dir geschmückt; Welk auch freuen die Kränze dich noch, und die holden Gestalten Blühen in friedlicher Brust stiller und sinniger fort. Denn nicht scheidet das Leben von uns, wir scheiden vom Leben; Nicht durch den Gott, es erlischt nur durch den Priester die Gluth. Herrliches ward dir verliehn, und herrlicher gabst du es wieder; Schwand auch Manches, es bleibt, weil du es bildetest, dein. Hegst du doch stets in dem Herzen die Kraft, die das Schöne geboren, Hegst du die Liebe doch stets, welche das Schöne beseelt. Kanzone Den 28sten Jul. 1816. Liebeslieder, holde Träume, Blüthen meiner süßen Mühe, Die ich heimlich auferziehe Aus dem tiefverborgnen Keime, Könnt' ich doch in blaue Lüfte Und in Morgenroth euch tauchen, Und des Frühlings reinste Düfte In den zarten Kelch euch hauchen, Daß für euer buntes Glänzen Und für eures Athems Süße Meine Lieb' euch würdig hieße, Die Geliebte zu bekränzen, Und sie dann vor allen Frauen Durch des Freundes holde Gaben Hocherhaben Ging' und göttlich anzuschauen! Vögelein mit leichten Schwingen, Die ich sende zu der Schönen, Meine Freuden, meine Thränen Und mein Sehnen ihr zu singen, Möchtet ihr so lieblich flöten Wie die holden Nachtigallen, Wenn sich alle Knospen röthen Von des Lenzes lauem Wallen, Um mit süßen Liederweisen Ewig, ewig nur die Eine, Die ich minne, die ich meine, Zu ergötzen und zu preisen; Daß sich weit das Tönen schwänge, Und im fernesten Gefilde Ihrer Milde, Ihrer Schöne Ruhm erklänge! Denn sie hat mein ganzes Streben Nur an ihren Wink gebunden, Und mein Leben ist entschwunden, Um in ihr allein zu leben. Alles möcht' ich gern ihr schenken, Und doch kann ich Nichts ihr bieten, Denn mein Träumen und mein Denken Sind nur ihres Reizes Blüthen; Und wie reich mein treues Lieben Und ihr Lächeln auch mich machten, Immer muß ich arm mich achten Und im Herzen mich betrüben, Daß ich für die blüh'nden Kronen, Die durch sie mich hold umranken, Ihr zu danken Nur vermag, doch nicht zu lohnen. Alle Seufzer, alle Klagen, Alles Träumen, Hoffen, Wähnen, Alles glüh'nde Flehn und Sehnen, Alles heilig stille Zagen, Alles, was in sel'gen Wonnen, Was in thränenreichen Schmerzen Lieb' empfunden und begonnen, Regt sich wechselnd mir im Herzen, Alles streb' ich zu ergießen; Aber Flammen müßt' ich mischen, Schwüle Gluth durch Thau erfrischen Und durch Honig Gift versüßen, Wollt' ich treu in hellen Bildern Meine Liebe, meiner Leiden, Meiner Freuden Ewige Verwandlung schildern. O ihr unerforschten Quellen, Die mit wallenden Gefühlen Flüchtig meine Brust umspielen, Nie versiegen, immer schwellen, O wie lacht in euren Spiegeln, Angethan mit Himmelsgolde Und mit lichten Engelflügeln, Meine Reine, meine Holde! Aber taucht in sel'gem Sinnen Meine Seel' in euch hernieder, Fliehn die Wellen hin und wieder, Farben und Gestalt zerrinnen, Und noch holder in der Ferne Seh' ich dann ihr blüh'ndes Leben Tiefer schweben, Gleich des Himmels fernstem Sterne. Worte, was ist euer Tönen, Wenn ihr nicht mit Geisterschwingen Könnt in's innre Leben dringen, Lösen nicht das Band des Schönen? Warum wollt ihr, leichte Träume, Zu dem Heil'gen mich entführen, Wenn ihr nur die letzten Säume Seines Schleyers könnt berühren? Warum strebst du ewig glühend, Sehnsucht, nach dem sel'gen Ziele, Das dich täuscht mit luft'gem Spiele, Immer nahend, immer fliehend? Herz, was frommt es, zu empfinden, Kannst du nie das rege Walten Der Gestalten, Die du selber schufst, ergründen? Nun so magst du, Lied der Minne, Wie ein bleicher Schatten schweben, Der nur träumt vom hellen Leben, Fern von seinem heil'gen Sinne; Kannst du bis zu ihr gelangen, Wirst du leicht von ihrer Schöne Alle Töne, Die ich dir gewünscht, empfangen. Auf der Bettenburg Am 9ten October 1816. Wolken wehn und Winde brausen Um die Burg im Mondenstrahl, Durch die Wälder zieht das Grausen Und der Schlummer durch das Thal. Und ich stehe dir so ferne Auf dem ragenden Gestein; Nur die Winde, nur die Sterne Können meine Boten seyn. Traurig wehn die Wind' hinüber; Doch die Sterne leuchten mild; Keine Boten send' ich lieber, Denn sie bringen dir mein Bild. Denkst du bey der Winde Wehen Auch an meine Klagen nicht, Meine Liebe kannst du sehen An der Sterne stillem Licht. Beym Abschied von der Bettenburg Am 10ten Oktober 1816. Auf der Bettenburger Veste Haust ein edler, deutscher Mann; Fröhlich klopfen alle Gäste An des Schlosses Pforten an. Pilger, Sänger, kühne Ritter Legen gern die Bürden ab; Bey dem Hifthorn ruht die Zither, Bey dem Schwert der Wanderstab. Und nur Einer kam mit Schmerzen An das gastlich hohe Thor; Und er tritt mit schwerem Herzen Jetzt zur neuen Fahrt hervor. Denn ein feindlicher Begleiter Zieht ihm nach, ein wilder Geist, Der ihn ewig, ewig weiter Durch die Länder wandern heißt. Und er fürchtet zu verweilen In des Friedens stillem Haus, Denn die bösen Mächte theilen Böse Gastgeschenke aus. Dieses ungestillte Sehnen, Diese tiefverletzte Brust, Diese Klagen, diese Thränen Bringen Keinem Ruh' und Lust. Und so zieht er ewig weiter Durch die Felder, durch den Wald, Und die Sonn' ist warm und heiter Und sein Auge trüb' und kalt. Am 22sten December 1816 Nicht im Leben, nicht im Lieben Hoff' ich Ruhe mehr und Glück, Nur zwey stille Wünsche blieben Noch im Herzen mir zurück. Doch weil man bey zarten Frauen Lieber Blick als Stimme fragt, Will ich leisem Klang vertrauen, Was mein Mund zu nennen zagt. Möchtest du aus bunten Blüthen Gleich den Liedern, die ich sang, Freundlich einen Kranz mir bieten, Süßen Duft für süßen Klang; Und wenn dann in guter Stunde Mir die Götter Muth verleihn, Mög' ein Kuß von deinem Munde In dem Kranz die Rose seyn. Kanzone Den 25sten December 1816. Durch grüne Bäume, Die mattbesonnt im Abendrothe blühen, Beginnt so leis' ein holder Ton zu ziehen, Als ob der Hain von seinen Liedern träume, Und, in ein zartes Klingen Verwandelt, jetzt der Blüthen duft'ges Leben Sich still erheb' auf wandelbaren Schwingen, Ein tönend Netz um Erd' und Luft zu weben, Und jedes Herz in süßen Schlaf zu singen, Worin ein Streit begonnen Von Wahn und Wunsch, von Schmerzen oder Wonnen. Wie helle Sterne Erscheinen mir die zauberischen Stimmen, Die durch die Luft als holde Boten schwimmen Mit süßer Kund' aus unbekannter Ferne. Doch wie mit leisem Wallen Die Klänge jetzt zu mir herübertönen Und zitternd jetzt zerrinnen und verhallen, So naht und flieht, so wandelt sich mein Sehnen. Wie kann mein Herz in süßen Schlummer fallen, Wenn stets in neuen Träumen Die alten Leiden frischer nur entkeimen! Wohl muß mit Schmerzen Der Sterbliche der Götter Gunst bezahlen, Dem sie verliehn des Lichtes hellre Strahlen, Ein tödtlich Leben ihm im schwachen Herzen. So folgt, wohin ich walle, Mein Leiden mir in tausend Fantasieen; Im Duft, im Glanz, im holden Liederschalle, Im lauen Wehn, im Rieseln und im Blühen Erwachen mir die theuren Schatten alle Der hingewelkten Tage, Der fernen Lust, um die ich ewig klage. O Lenz, o Leben, O Sonnenlicht, o duft'ge Waldeskühle, Wie hast du einst dem Geist so heitre Spiele, So freien Schlag dem Herzen einst gegeben, Als noch nicht hart gefangen Die junge Lieb' auf kaum gelösten Flügeln Mit hellem Blick und wechselndem Verlangen So fröhlich flog an fernen Blumenhügeln, Und, während rings ihr tausend Lieder klangen, In leichter Luft sich wiegend, Bald hier, bald dort verzog, besiegt und siegend! Wie auf den Bahnen Des glatten Sees der Schwan die stillen Kreise Verweilend zieht und träumerisch und leise Sein Lied erhebt im dunkeln Todesahnen, So ist von Amors Händen Mein Leben jetzt an einen Pfad gebunden, Der stets beginnt, um nimmer sich zu enden. Ich weiß mein Leid und kann doch nie gesunden, Ich seh den Tod und kann ihn doch nicht wenden! Wie süß mein Lied auch töne, Sein Klang ist Schmerz, sein Lohn die eigne Thräne. Und die mein Flehen So ruhig hört, als könnte sie's nicht lindern, Mild seh' ich sie, wie unter zarten Kindern Die Mutter geht, durch ihre Blumen gehen. Sie schaut sie an mit Freuden, Lacht jener zu und scheinet die zu fragen: Ach, willst du denn so früh schon von mir scheiden, Die ich so treu gepflegt seit manchen Tagen! – O Herz, so mild und streng! o bittres Leiden, Daß selbst die flücht'gen Blüthen Ihr größre Lust als meine Treue bieten! Mich hat zur Ferne Nie, wenn ich schied, ihr Aug', ihr Geist begleitet; Lag dunkler Gram um meinen Blick verbreitet, War ihrer klar, wie ewig feste Sterne. Und wär' ich umgekommen Im Kampf, wohin ihr Zürnen mich getrieben, In wilder Fluth, die nächtlich ich durchschwommen Mit mir allein und meinem Leid und Lieben, Wohl hätte sie's gerührter kaum vernommen, Als ob von Windeswallen Ein zarter Zweig, ein Blüthenblatt gefallen. O Kranz des Lebens, Nie wird dein Glück, o Lieb', im Kampf erstritten! Wer viel um dich begonnen und gelitten, Der ringt um Schmerz und hofft den Dank vergebens! Doch wie an blüh'nden Bäumen Der kühle Thau, ein leichter Gast von oben, Die Blüthen schmückt, die noch verschlossen träumen, Daß staunend sie, wenn sich der Tag erhoben, Die Perlen sehn, die hell den Kelch umsäumen, So nahst du ungesehen Dem Glücklichen dich ohne Zwang und Flehen! So schwinge denn, Canzone, Ein eitler Traum, wie meine Lieder alle, Zu ihr dich hin, begrüß' im leisen Tone Ihr schlummernd Haupt und, kaum gehört, verhalle! Am 7ten Januar 1817 1. Wenn ich den Geist zu hohen Zielen lenke, Und spät vielleicht die Enkel noch mich ehren, Wenn Scham und Muth und Treue mich verklären, Das kommt von dir, weil ich an dich gedenke. Und wenn ich mich in wilde Strudel senke, Wenn Wahn und Furcht und stürmisches Begehren Und Zorn und Schmerz mein Leben früh verzehren, Das kommt von dir, weil ich um dich mich kränke. Ach, wolltest du dein strenges Herz erweichen Und einst den harten Bann mit milden Händen, Mit süßem Kuß die innre Zwietracht lösen; Wohl dürft' ich dann den Göttern dich vergleichen, Die Gutes nur aus reicher Hand uns senden. Jetzt spendest du das Gute mit dem Bösen. 2. Wie eng der Kuß getrennte Lippen bindet, Daß Brust und Brust von einem Hauch sich heben, Und jeder Blick sich tief am hellen Leben Des nahen Blicks, der an ihm hängt, entzündet: So muß auch das, was Beyder Herz empfindet, Im süßen Kuß in Eins zusammenschweben, Bis Jeder sich, den er dahingegeben, Verschönert noch im Andern wiederfindet. So gieb mir denn des Herzens sel'ge Stille, Den klaren Sinn, des Lebens heitre Strahlen, Und nimm von mir das ewig rege Feuer; Aus Licht und Gluth nur keimt des Herzens Fülle; Und mußt du auch mit Schmerz das Glück bezahlen, Selbst für den Tod ist Liebe nicht zu theuer. Am 17ten Januar 1817 Ich bin von aller Ruh geschieden Und treib' umher auf wilder Fluth; An einem Ort nur find' ich Frieden, Das ist der Ort, wo alles ruht. Und wenn die Wind' auch schaurig sausen, Und kalt der Regen niederfällt, Doch mag ich dort viel lieber hausen Als in der unbeständ'gen Welt. Denn wie die Träume spurlos schweben, Und einer schnell den andern treibt, Spielt mit sich selbst das irre Leben, Und jedes naht und keines bleibt. Nie will die falsche Hoffnung weichen, Nie mit der Hoffnung Furcht und Müh. Die Ewigstummen, Ewigbleichen, Verheißen und versagen nie. Nicht weck' ich sie mit meinen Schritten In ihrer dunklen Einsamkeit; Sie wissen nicht, was ich gelitten, Und keinen stört mein tiefes Leid. Dort kann die Seele freyer klagen Bey Jener, die ich treu geliebt; Nicht wird der kalte Stein mir sagen, Ach, daß auch sie mein Schmerz betrübt! Am 24sten Januar 1817 Komm, holdseliger Schlaf, daß sanft in der mondlichen Dämmrung Mit dem ermüdeten Blick schlummre das müdere Herz! Du nur täuschest allein die verwirrenden Sorgen der Liebe, Und aus dem wachenden Traum weckst du zum Leben mich auf. Denn längst schweben um mich im verwandelten Tanze die Zeiten, Wo sich der Tag sonst hob, senkt sich die wolkige Nacht. Zweifel und Wahn und bethörende Furcht und bethörende Hoffnung Sendet der früheste Strahl in die verdunkelte Brust. Irrend treib' ich umher in dem eitelen Spiel der Gedanken, Und wie ein Schattengebild hasch' ich nach Schatten allein. Aber im friedlichen Schlaf tagt hell mir die selige Wahrheit; Was ich vom Leben gewünscht, giebt mir der liebliche Traum, Und mich selber erkenn' ich und dich und die gnädigen Götter; Darum nenn' ich den Traum Wachen, das Wachen nur Traum. Am 25sten Januar 1817 Mancher muß die Heimath meiden, Doch die Liebe schaut ihm nach; Aber fremd zur Fremde scheiden, Ist der trübste Scheidetag. Heiter glänzt es mir entgegen, Ach, das vielgeliebte Haus; Aber ich, auf dunkeln Wegen Wandl' ich in die Nacht hinaus. Anders ist in andern Tagen Menschensinn und Angesicht. Wo ich Lust und Leid getragen, Da gedenkt man meiner nicht. Fremde haben's leicht genommen, Was ich suchte lang und schwer; Ist die flücht'ge Gunst verronnen, Denkt auch ihrer keiner mehr. Und so ziehn auch sie zur Ferne, Unbeklagt und ungekränkt, Suchen fröhlich neue Sterne, Weil ihr Herz an keinen hängt. Ewig muß die Woge branden, Nimmer steht der Nachen still; Glücklich ist, wer nimmer landen, Und nur schnell vorüber will. Am 27sten Januar 1817 Haltet mir Ruh' in der wogenden Brust, ihr verzogenen Kinder! Sorgen der Liebe, beschließt endlich das neckende Spiel! Undank nenn' ich fürwahr ein solch unziemliches Treiben, Wenn von dem eigenen Heerd lärmend der Gast uns verjagt. Wehe mir, daß ich euch früher verwöhnt! Einst fehlte der Muth mir, Euch zu bestrafen, doch jetzt fehlen die Kräfte mir schon. Denn nun seyd ihr zu groß und dem Zürnenden einzeln gewachsen, Und, wie die Bienen im Schwarm, wehrt ihr euch alle vereint. Ach, wie habt ihr mir längst den geordneten Garten zertreten, Wenn ihr in kindischer Jagd über die Beete mir sprangt! Unkraut wuchert darin; das ist euch Freud' und Erbauung, Weil ihr den Nutzen verschmäht, weil euch das Zierliche hemmt. Denn nicht reizen die Lilien euch, die schlanken, erhabnen, Oder die Rosen, die lang keimen, um lange zu blühn. Wie es die Laune gebeut, so soll es im Augenblick dastehn, Wenn es auch morgen verwelkt, heute vergeßt ihr es schon. Wo ich den Lorbeer zog, daß er hochaufgrünend mir schatte, Pflanzt ihr ein Veilchen, das rings jegliche Wiese verleiht. Freut an dem Veilchen sich schon die Geliebteste, der ich es biete, Ach, wie würde des Baums ewiges Grün sie erfreun! Seyd doch ruhig einmal! Nicht leb' ich ja einzig für euch nur; Kinder, ihr wißt noch nicht, was man vom Manne begehrt! Wild seyn will ich mit euch, wenn die müßige Dämmerung anbricht, Aber den ruhigen Tag laßt mir zum ernsteren Werk! Am 10ten Februar 1817 In wilder Nacht, in Sturm und Wetter, Da sind' ich Kraft, da find' ich Lust; Im Sturm erkenn' ich meine Götter, Die stolzen Herrscher meiner Brust; Und wie sie nirgend friedlich hausen Und ewig ziehn von Ort zu Ort, So wandl' auch ich durch Nacht und Grausen Auf ihren dunklen Pfaden fort. Was soll ich zagend stehn und schwanken, Indeß der Würfel nie sich regt? Was soll das junge Herz erkranken, So lang es stark und muthig schlägt? Und zieh' ich auch gekränkt, verlassen, Verbannt, ein heimathloser Mann, Mir gnügt's, so lang ich bitter hassen Und tief von Herzen lieben kann. Denn wie die Wimpel lustig schweben, Wenn scheidend auch der Schiffer klagt, So weht im Schmerz ein keckes Leben, Sobald er Großes trägt und wagt. Und gilt es auch ein bittres Scheiden, Und gilt es Tod auf blut'gem Pfad; Im dunkeln Busen stürmt das Leiden; Doch hell im Auge lacht die That. Am 17ten Februar 1817, dem Geburtstage der Geliebten 1 Blüth' und Ranken Wehn und schwanken In der lauen Frühlingsluft; Und sie möchten gern sich finden Und in blühenden Gewinden Liebend mischen Farb' und Duft. Doch die kalten Tiefen halten, Was im Licht sich sehnend regt. Manches darf nur fern sich grüßen, Muß verschmerzen und verschließen, Was es still im Busen trägt. Um die Kleinen Zu vereinen, Wind' ich sie zum Kranz dir gern. Sind die Kränze doch ein Zeichen, Daß auch Ferne sich erreichen, Und wie bald bin ich dir fern! Fußnoten 1 Letztes Gedicht des Verfassers.