Cäcilie, eine Geisterstimme Im October 1813 O Vaterland, du prangst mit heil'gen Siegen Und wandelst kühn des Ruhmes ew'gen Pfad; Auf steiler Bahn bist du emporgestiegen, Und Freiheit keimt und Fried' aus blut'ger Saat; Doch schüchtern hat der Sänger dir geschwiegen, Und zagend wich das Wort der größern That. Mag Schwachheit auch auf stolzen Wahn vertrauen; Der Adler nur darf auf zur Sonne schauen. Doch jetzt ist mir ein starker Muth entglommen, Und ernst ermahnt mich eine theure Pflicht; Von Himmelshöhn ist mir die Kraft gekommen, Und Gluth der Brust, dem Geiste klares Licht. Von Engelslippen hab' ich ihn vernommen, Den heil'gen Ruf, drum zag' ich fürder nicht. Wen Lieb' und Gott zur Bahn des Kampfes leiten, Der zweifle nicht; er wird den Sieg erstreiten. Denn Sie, die still, als noch die Schand' uns drückte, Ein deutsches Herz im freyen Busen trug, Die stolz hinab auf fremden Schimmer blickte, Mit strengem Spott den Sklaven niederschlug, Die fromm und zart die rauhe Welt uns schmückte, Ein segnend Licht in finstrer Zeiten Fluch, Die Gott schon früh zu seinem Thron erhoben, Um herrlicher sein schönstes Werk zu loben; Sie nahte mir von ihren lichten Höhen, Im Spiel des Traums ein ernstes Heil'genbild; Ihr Auge war wie Frühlicht anzusehen, Von Morgenroth die helle Wang' umhüllt; Um ihren Kranz entfloß ein göttlich Wehen, Wie durch den Thau der Blüthe Duft entquillt, Und gleich dem Klang verklärter Harfenlieder Kam so ihr Wort zu meinem Geist hernieder: Was feyerst du und schweigst in düstern Klagen, Ein Nachtgewölk im hellen Morgenroth, Und weinst, da Glück und Ruhm für Alle tagen, Mit feigem Schmerz um deines Glückes Tod? Wer mich geliebt, der muß das Große wagen, Der Ruf der Kraft, er ist auch mein Gebot; Was ich empfand, das sollst auch du empfinden, Und meinen Werth durch deinen Werth verkünden. Hab' ich nicht oft mit stillgeweinten Thränen In stummem Gram mich um mein Volk verzehrt, Nicht oft von Gott mit heißem Flehn und Sehnen Des Frevels Sturz, der Freyheit Sieg begehrt? Hab' ich den Kranz des Guten und des Schönen Nicht hoffnungsvoll in finstrer Zeit genährt? War ich nicht frey im unterjochten Lande Und groß und gut beym schnöden Druck der Schande? Drum ward ein schönes Loos mir zugewogen; Früh nahm der Herr zum Himmel mich empor. Wohl war die Welt mit Wetternacht umzogen, Doch Engeln weicht der Zukunft finstrer Flor. Und sieh, es stieg aus Kampf und Sturm und Wogen In heil'ger Ruh' ein gnäd'ger Strahl hervor. Was jetzt der Dank der freyen Völker feyert, Das war mir längst verkündet und entschleyert. Denn als verführt von seinen Lügengöttern Dem Thron der Welt der schnöde Knecht genaht, Da dachte Gott den Götzen zu zerschmettern Und sandte Gluth und Frost auf seinen Pfad; Und er gebot den Stürmer und den Wettern, Hinwegzuwehn des Frevels stolze Saat. Da sank sein Herz, und an dem Riesenwerke Erzitterten die Säulen seiner Stärke. Und er entwich mit seinen flücht'gen Schaaren; Ihm sandte Gott das trügerische Glück, Und leitete durch blutige Gefahren, Durch Flamm' und Fluth den Trotzigen zurück, Für größres Leid der Zukunft ihn zu sparen, Für Freundes Trug und für des Feindes Glück. Nicht ehrlich sollte er im Kampf erliegen, In dessen Brust die Ehre stets geschwiegen. Und Gott erhob die Kraft der Fürsten wieder Und band ihr Herz durch Lieb' und Freud' und Leid. Ein Recht, ein Haß, verflocht die deutschen Brüder, Die lange schon der Hölle List entzweyt. Der Norden stieg zum Kampf der Freiheit nieder, Und fröhlich zog der Ost zum raschen Streit; Denn wer's gewagt, das Heil'ge zu vernichten, Den will kein Volk, den will die Menschheit richten. Und es gelang! Siehst du den Thron erzittern, Den früher schon die Last der Schmach gedrückt? Es wogt und zürnt gleich schwarzen Ungewittern; Roth ist der Strahl aus dunkler Nacht gezückt. Der Rächer naht, die Säulen zu zersplittern, Die ohne Gott der Siegeskranz geschmückt. Der Abgrund lacht dem nahen Raub entgegen, Und aus der Saat des Fluchs entkeimt der Segen. Heil dir, mein Volk! du ziehst auf blut'gen Bahnen Und trauerst nicht, wenn mancher Edle sinkt. Wo Freyheit wohnt, da flattern deine Fahnen, Und Heere stehn, wohin dein Ruf erklingt. Nicht lange läßt der tapfre Mann sich mahnen; Sein Vaterland ist, wo Gefahr ihm winkt, Wo Ehr' und Recht dem theuern Sieg entsprießen, Da scheint's ihm Lohn, sein Herzblut zu vergießen. Hörst du zu Gott den Dank der Völker steigen? Zum Tempel wird das blaue Himmelszelt, Und Jedes Knie will sich dem Ew'gen neigen; Von gläub'ger Lust ist Geist und Blick erhellt; Die Sonne glänzt; des Herbstes Stürme schweigen; Die Freyheit labt wie Frühlingshauch die Welt. Kein Opfer schmerzt, kein Leid und keine Bürde; Groß ist der Mensch und reich durch seine Würde. Euch wird der Muth, die Treue wiederkehren, Im Kranz der Kraft wird Zucht und Milde blühn; Kein fremdes Gift wird euern Schmuck zerstören, Kein schnöder Lohn in's Joch der Schmach euch ziehn. Die Jungfrau wird den Schein nicht ferner ehren, Kein Jüngling mehr für feile Bilder glühn, Und staunend wird der Fremdling euch erkennen, Und Kraft und Sitte deutsche Tugend nennen. Und lange soll der heil'ge Fried' euch krönen, Den ihr errangt in hart gekämpfter Schlacht, Und Liebe soll den langen Haß versöhnen, Und schmücken soll das Recht den Thron der Macht, Und wohnen soll das Gute bey dem Schönen, Und heilig seyn, was jetzt der Spott verlacht, Und ewig soll der fromme Glaube leben: Nicht unsre Kraft, den Sieg hat Gott gegeben! Ein ernstes Wort will ich dir noch enthüllen; Du schließ' es treu in deinen Busen ein: Kein Schicksal giebt's, es giebt nur Muth und Willen; Sey stark durch dich, so ist die Palme dein. Es giebt ein Maaß, das soll der Mensch erfüllen Und groß durch Kraft, durch Hemmung größer seyn. Es giebt ein Recht, das gilt in jedem Kreise. Es herrscht ein Gott, der ist allein der Weise. Am 1sten November 1813 Rosse wiehern, Waffen blinken, Deutschlands Rächer sind genaht, Und die bunten Fahnen winken Zu des Ruhmes goldnem Pfad. Soll ich stets dem Kummer dienen, Sehnsuchtsvoll und hoffnungslos? Sieh, das Ziel ist schön und groß; Nimmer blüht die That des Kühnen In der Ruhe trägem Schooß. Laß mich ziehn, wohin das Mahnen Meines Busens mir gebeut; Friedenspalmen sind die Fahnen, Und zum Schlummer ruft der Streit. Meine Freunde sind gefallen Durch der Feinde blut'ges Schwert, Und mein Herz blieb unerhört, Und das Leben hat von allen Wünschen keinen mir gewährt. Rauher Herbst, du wehst so schaurig Um der Blüthen ödes Grab, Deine Wolken hängen traurig Auf die dunkle Welt herab! Send', o Krieg, aus ehrnem Schlunde Deine Flammen durchs Gefild, Wirble, Trommel, hell und wild, Daß das kranke Herz gesunde Durch des Lebens rasches Bild. Doch nicht sey's ein dumpfes Zürnen, Das zur fremden Bahn mich drängt; Friede sey mit den Gestirnen, Die mein feindlich Loos gelenkt. Freyer Wille ziemt dem Streiter, Den das Vaterland gewann, Und es schließt der deutsche Mann Ruhig, unbetäubt und heiter Sich dem schönen Bündniß an. Laß uns scheiden! Sprich, was frommen Herz und Leben, stets entzweyt? Ach, der Herbst ist längst gekommen, Und noch währt des Lenzes Leid. Laß uns still und freundlich scheiden, Bis uns schönre Sonnen glühn; Alles hab' ich dir verziehn, Denn du hast für ird'sche Leiden Ew'ge Schätze mir verliehn. Friedlich will ich mich dir nahen, Deinen Segen zu erflehn, Will dein letztes Wort empfahen, Deinen Blick noch einmal sehn. O nur einen Kuß, nur einen, Für des Herzens wilden Streit, Für der Zukunft langes Leid, Und nicht länger will ich weinen Um geträumte Seligkeit! Laß mich ziehn! Wie darfst du klagen, Wenn ich selbst mit starkem Sinn Muthig bin, dir zu entsagen, Werth dich zu besitzen bin? Jedes Band will ich vernichten, Das mich fesselnd noch umgiebt. Früher, als ich dich geliebt, Hat das Vaterland die Pflichten Treuer Lieb' an mir geübt. Lebe wohl! Ich scheide nimmer; Jedes mildgewährte Pfand, Jeder heil'gen Stunde Schimmer Folgt mir nach in's ferne Land. Lebe wohl, du Zarte, Reine! Ewig lebt dein holdes Bild Mir im Busen, still und mild; Aber du, vergiß das meine, Wenn mit Schmerz es dich erfüllt. O sey glücklich und entsage, Großes Herz, dem stillen Gram! Was das Leben gab, ertrage Und verschmerze, was es nahm. Ohne Sorge laß mich scheiden; Freudig sey das Herz und licht, Denn mich ruft die heil'ge Pflicht! Willig trag' ich meine Leiden: Doch die deinen trüg' ich nicht. Fest will ich im Streite stehen, Kühn des Feindes droh'nder Macht Und dem Tod entgegensehen, Denn für dich auch gilt die Schlacht. Doch wenn laut das Kampfgefilde Von des Mordes Jauchzen tönt, Und der Schmerz verzweifelnd stöhnt, O dann sey durch dich, du Milde, Herz und Leben ausgesöhnt. Sieh, der Leu hat sich erhoben, Und der feige Tiger zagt! Keiner soll den Schwachen loben, Der nicht Blut und Leben wagt. Liebe flicht uns Siegeskränze, Wenn das große Werk vollbracht, Und wem keine Liebe lacht, Den erfreun des Ruhmes Lenze In des Lebens langer Nacht. Wenn ich falle – o dann trübe Keine Thräne dein Gesicht! Reich belohnt ist meine Liebe, Und mein Schatten zürnt dir nicht. Sie, die Heilige, die Hehre, Die den Himmel längst errang, Beut dem Freunde gern den Dank, Der für Vaterland und Ehre Und für Recht und Liebe sank. Am 15ten November 1813 Hätt' ich dich nie gesehen, Dann könnt' ich rasch dahin Durch's heitre Leben gehen Mit jugendlichem Sinn! Und klagen würd' ich nimmer; O Lenz, wie ist so bald Entflohn dein goldner Schimmer, Und dein Gesang verhallt! Wo frische Rosen ständen, Da fänd' ich Dach und Strauß, Und wenn die Rosen schwänden Verließ' ich Schmuck und Haus. Wohl wechseln Licht und Farben, Doch bleibt das Leben dein, Und wo die Blüthen starben, Wird dich die Frucht erfreun. Jetzt muß ich ewig weinen Um einen welken Kranz. Die Frucht wird nie erscheinen, Und ewig starb sein Glanz. Doch heg' ich wohl mit Freuden Den Schmerz in stiller Brust; Und hätt' ich mindre Leiden, So hätt' ich mindre Lust. Wohl sinkt aus trüben Düften Die Dämmrung öd' und grau; Doch schwillt von süßern Düften Die Blüth' im nächt'gen Thau. Wohl kehrt das Vöglein nimmer, Das einst sein Lied dir sang; Doch hört dein Herz noch immer Den wundersüßen Klang. Wer Schönes je empfangen, Dem bleibt es ewig nah; Doch ewig muß verlangen, Wer nie das Schöne sah. Hätt' ich dich nie gesehen, Dann müßte bald mein Herz In Sehnsuchtsqual vergehen; Jetzt lebt es durch den Schmerz. Am 16ten November 1813 Was siehst du mich so hold und mild Mit hellen Blicken an, Daß mir das Herz von Sehnsucht schwillt Und nimmer rasten kann? So zittert, wenn die Woge ruht, Im Meer das Sternenlicht, Und liebend wallt und steigt die Fluth Und doch erhascht sie's nicht. O wend' ihn ab, den holden Stern, Schon duld' ich ja genug; Das schwache Herz betrügt sich gern, Und bitter schmerzt der Trug! Schwärmt nicht das Bienchen oft hinaus Beym ersten Frühlingsblick? Doch schnell verweht's im Sturmgebraus Und kehret nie zurück. Und wehe! doch ertrüg' ich's nicht, Sollt' ich dich finster sehn; O lächle nur! Wenn's Herz auch bricht, Der Trug ist gar zu schön. Am 1sten Januar 1814 Wohl hab' ich dir mit leisem Ton Manch zartempfund'nes Lied gesungen, Doch nie des Liedes süßen Lohn, Der Minne Lächeln, mir errungen; Drum seufz' ich oft mit stillem Schmerz: Verstummt, verstummt ihr gold'nen Saiten! Denn ach, der Liebsten kaltes Herz Kann eure Klänge doch nicht deuten! Doch nah' ich dir, du holdes Bild, Und sitze still zu deinen Füßen Und sehe, wie so wundermild Mich deine klaren Blicke grüßen, Und wie der Unschuld keuscher Kranz Und wie die Blüthen alles Schönen Dein Angesicht mit reinem Glanz, Mit heil'gem Schmuck dein Leben krönen; Dann schwillt mein Herz von süßer Lust Und kann's nicht bergen, nicht enthalten, Und bunt beginnt in tiefer Brust Der Bilder holdes Reich zu walten, Und was dein Mund, dein Auge spricht, Tönt lieblich mir im Herzen wieder, Und deiner Strenge denk' ich nicht, Und denke nur auf zarte Lieder. Dein Aug' ist meine Fantasie, Dein Athem giebt mir Mild' und Feuer, Dein Wort mir Klang und Harmonie, Dein Wangenroth der Anmuth Schleier. O wollte nur der Genius Der Liebe meinem Leben lachen, Dann könnte leicht dein süßer Kuß Den Sänger noch unsterblich machen! Am 3ten Januar 1814 Du zarte Ros' im Morgenthau, Du blühst so still auf weiter Au, Und läßt von Keinem dich berühren; Und immer willst du einsam stehn, Und, nur für dich so frisch und schön, Den Kranz der Liebe nimmer zieren. Du liebst den hellen May allein, Das Morgenroth, den Sonnenschein, Den Frühlingswind, das Licht der Quelle, Und schaust, vom duft'gen Laub verhüllt, Dein Bild allein, dein keusches Bild, Im sanftbewegten Glanz der Welle. Wohl schleicht der Schäfer bang und fern Und sieht zum holden Purpurstern So still, so sehnsuchtsvoll hinüber: Du duftest fort im Sonnenlicht Und achtest sein Verlangen nicht, Und Bien' und Vöglein sind dir lieber. O Rose, Rose, Frühlingsbraut, Wer hat so reizend dich gebaut Und Perlen auf dich ausgegossen, Wer hat den Duft dir eingehaucht Und dich in Morgengluth getaucht, Und doch der Liebe dich verschlossen! Wohl hat dein Hochmuth mich betrübt; Doch selig ist, wer Schönes liebt. Drum kann ich nimmer von dir scheiden, Und will mir stille Lauben baun Und fern zu dir hinüberschaun! – Sprich, stolzes Röslein, willst du's leiden? Am 4ten Januar 1814 Sonnig lacht der helle May, Flüchtig rinnt der Quell vorbey, Und von Blumen prangt die Weide; Ueppig blüht die ein' empor, Und die andre schaut hervor Schüchtern aus dem grünen Kleide: Also sendet mild und rein Ihren lauen Sonnenschein In das Herz die Liebe nieder, Und in sehnsuchtsvoller Brust Wechseln flüchtig Leid und Lust, Ewig keimen neue Lieder. Welkt, ihr Blumen, gern dahin, Denn euch grüßt die Schäferin Freundlich im Vorüberwallen. Lieder, fordert keinen Dank, Wenn auch nur Minuten lang Meiner Liebsten ihr gefallen. Am 5ten Januar 1814 Wenn der junge May erschienen, Wird die Blume wieder wach, Und die Welle spielt im Bach Und der Schmetterling im Grünen. Vöglein singen hellen Sang, Minnekosen, Minnedank, Von der Liebsten zu verdienen. Süße Liebe, süßes Leben, Fröhlich war dein Glanz und Schall, Und ich bat die Nachtigall Lied und Schwingen mir zu geben, Um mit bunten Bögelein Durch die Lüfte, durch den Hain, Singend auf und ab zu schweben. Schlummert nun, ihr öden Haine, Schmücke dich nicht mehr, o Flur, Denn die Lust bewegt mich nur, Daß ich stille Thränen weine! Und wohl fragt manch liebes Herz Nach des Sängers tiefem Schmerz: Doch ihn kennt und heilt nur Eine. Mild und freundlich ist sie immer, Und doch kalt und ungerührt, Und was Schönen nur gebührt, Das begehrt die Schöne nimmer! – Liebe, reichst mir schlimmen Dank! Leben, bist im Schmerz so lang Und so kurz im Sonnenschimmer! Am 6ten Januar 1814 Alles, wo ich weil' und gehe, Muß Verlangen mir erregen, Ewig ist von süßem Wehe Mir die volle Brust erfüllt, Und du kömmst auf allen Wegen Mir entgegen, Holdes Bild! Flieh' ich dich, so muß ich leiden; Leiden, wenn ich dich erblicke; Immer zwischen Sehn und Meiden Schwankt mein Herz im raschen Streit, Und mir naht, wohin ich blicke, Leid im Glücke, Glück im Leid. Wenn ich still auf Lieder sinne, Scheinst du hold mit mir zu scherzen, Und ich ruh' im Wahn der Minne Selig dann an deiner Brust. Flieh, o Traum, du bringst dem Herzen Lange Schmerzen, Kurze Lust! Wogend zwischen Freud' und Kummer Schweb' ich, wie im Meer der Nachen, Und ich wünsche nun den Schlummer, Und zu wachen wünsch' ich nun. Soll ich weinen, soll ich lachen? Soll ich wachen Oder ruhn? Wollt' ich aus dem Leben scheiden, Schwiegen wohl die wilden Triebe: Doch zu missen Lust und Leiden, Ist dem Herzen kein Gewinn. Sey du freundlich oder trübe, Süße Liebe, Nimm mich hin! Am 7ten Januar 1814 Wie im Lenz an blühn'den Zweigen Immer junge Knospen keimen, So entsprießt mit ew'gem Drange Mir im Busen Lied auf Lied. Singen oder ewig schweigen, Sterben muß ich oder träumen, Weil im Traum nur und Gesange Mein verwelktes Leben blüht. Wild von Stürmen fortgetrieben, Schweift der Schiffer hin und wieder, Treibt verirrt von Strand zu Strande Unter fremdem Volk umher; Und er denkt der fernen Lieben, Singt der Heimath holde Lieder; Von des Schiffes hohem Rande Schaut er still hinaus in's Meer. Und er sieht im Schaum der Wellen Seiner Heimath Blumen sprießen, Lauer weht der Wind und milder, Und der Tiefe Zürnen ruht; Und ihn scheint der Woge Schwellen Mit verwandtem Ton zu grüßen, Und der Lieben ferne Bilder Lächeln aus der hellen Fluth. Hat in ihren Zauberkreisen Liebe nicht mein Herz erzogen? Irr' ich nicht auf wilden Meeren Fern von ihrem sel'gen Hain? Traurend mit den alten Weisen Such' ich jetzt den Zorn der Wogen, Hold mich täuschend, zu beschwören, Glücklich, ach, im Traum allein! Am 8ten Januar 1814 O Quell, was strömst du rasch und wild, Und wühlst in deinem Silbersande, Und drängst, von weißem Schaum verhüllt, Dich schwellend auf am grünen Rande? O riesle, Quell, Doch glatt und hell, Daß ich, verklärt von zartem Thaue, Mein zitternd Bild in dir erschaue. O Blume, kann ich ruhig seyn, Wenn sich dein Bild in mir bespiegelt, Und wunderbare Liebespein Mich bald zurückhält, bald beflügelt? Drum streb' ich auf Mit irrem Lauf Und will mit schmachtendem Verlangen, Du Zarte, deinen Kelch umfangen. O Quell, ich stehe viel zu fern, Du kannst dich nie zu mir erheben; Doch freundlich soll mein Blüthenstern Auf deiner heitern Fläche beben. Drum riesle hin Mit stillem Sinn; Süß ist's, im Busen ohne Klagen Der Liebsten keusches Bild zu tragen. O Blume, Rath und Trost ist leicht, Doch schwer ist's, hoffnungslos zu glühen; Wenn auch mein Kuß dich nie erreicht, So muß ich ewig doch mich mühen. Ein Blatt allein Laß du hinein In meine wilde Tiefe fallen, Dann will ich still vorüberwallen. Am 9ten Januar 1814 Heimlich aufgeregten Wogen Gleich' ich, wenn bey Windesstille Dumpf die schwarzen Tiefen zürnen Und vom Schaum die Fläche bebt: Aber du dem Himmelsbogen, Der in dunkelblauer Hülle, Hell von leuchtenden Gestirnen, Ruhig ob den Fluthen schwebt. Ich dem düstern Luftgefilde, Wenn von Wettergraun umnachtet Schweigend zum verhüllten Thale Sturm und Wolke niederdräut: Du dem lichten Sonnenblicke, Das den finstern Feind nicht achtet Und mit einem heitern Strahle Siegend seine Nacht zerstreut. Doch nicht ewig lacht die Helle Segnend von den blauen Höhen, Wilder tobt des Sturmes Zürnen, Wenn der gold'ne Strahl verglimmt: Ach, wer schützt mich vor der Welle, Vor des Windes rauhem Wehen, Wenn den rettenden Gestirnen Fern mein irrer Nachen schwimmt? Am 11ten Januar 1814 Dicht von blüh'ndem Hag umkränzet Weiß ich einen Zauberhain; Alles Schöne sprießt und glänzet Dort im lieblichen Verein. Was auf freyer Flur entkeimte, Was das Gartenbeet erzieht, Was ich sah und was ich träumte, Ist verbunden dort entblüht. Wunderbare Pfade winden Durch den Hain sich hin und her, Und ich kann das Ziel nicht finden, Weiß den Anfang nimmermehr; Und doch scheint, so sehr ich staune, Bey des Pfades Neckereyn, Alles ohne Kunst und Laune, Alles schlicht und recht zu seyn. Süße Lieder hör' ich klingen Aus dem grünen Labyrinth, Sehe frische Quellen springen, Athme leichten Frühlingswind; Bald erglänzt im Lichtgefunkel Bunt und fröhlich Wies' und Flur, Bald empfängt im Hainesdunkel Dich der Träume leise Spur. Freundlich geht und sinnig waltet In dem Hain die Zauberin; Zierlich, zart und schön gestaltet Alles sich nach ihrem Sinn. Ihre Blumen zu erfrischen, Weilt sie bald am klaren Bach, Und bald jagt sie in den Büschen Bunten Schmetterlingen nach. Spähend irr' ich hin und wieder, Harre lauschend an der Thür, Singe manche leise Lieder, Dicht' und träume nur von ihr. Denn es ist gar hell und fröhlich In dem duft'gen Zauberhain, Und ich würde wunderseelig Bey der schönen Huldin seyn. Und sie öffnet wohl die Pforte, Schaut heraus mit milder Ruh, Sendet manche holde Worte, Manchen lieben Blick mir zu; Doch den Wunsch, wonach ich trachte, Hört die Strenge nimmer an, Und je süßer sie mir lachte, Desto bittrer wein' ich dann. Läßt sie mich auch ewig leiden Und mich weinen spät und früh, Dennoch kann ich nimmer scheiden, Ach, und zürnen kann ich nie! Denn es wohnt in ihrer Schöne Eine wunderbare Kraft, Die zum Lächeln selbst die Thräne, Und den Schmerz zur Hoffnung schafft. Am 13ten Januar 1814 Wenn ich still an deinen Blicken hange, Quillt in mir ein wunderbares Leben, Und der Träume bunte Geister spielen Um mich her im zauberischen Tanz. Wie die Tön' im gold'nen Harfenklange Leis' und laut sich in einander weben, So verflicht von wechselnden Gefühlen Hell und dämmernd sich der holde Kranz. Liebesküsse beut mir dann mein Sehnen, Und in meinem Arme ruht mein Hoffen; Was ich träumte, steigt vom Himmel nieder, Aus dem Grab ersteht, was ich verlor; Und es ist die Bahn zu allem Schönen Und des Sieges gold'nes Thor mir offen, Und es strebt mit mächtigem Gefieder Muthig der erlöste Geist empor. Ach, in deines Blickes heil'gem Quelle Seh' ich alle seel'ge Geister walten, Was zum kühnen Wunsch das Herz beflügelt, Was des Herzens kühne Wünsche stillt. So erzittern in bewegter Welle Rasch des Ufers blühende Gestalten; Doch in unerforschter Tiefe spiegelt Ruhig sich des Himmels heitres Bild. Am 15ten Januar 1814 Schön ist es dort, wo kühne Adler bauen, Auf hohem Fels mit stiller Kraft zu stehn, Und unverzagt durch finstres Wolkengrauen Und durch's Gebiet des Blitzes hinzugehn; Doch lieblich auch, zu ruhn auf weichen Auen Am leisen Quell, in linder Lüfte Wehn, Und Lust und Leid des Lebens zu empfinden, Und Kränze sich, die schnell verblühn, zu winden. So kann nicht stets mit ernsten Harfentönen Der Sänger sich den hohen Musen nahn. Gern folgt er oft des Herzens weicherm Sehnen Und wandelt still auf duft'ger Wiesenbahn, Mit zartem Schmuck der Liebsten Bild zu krönen, Im süßen Traum das Leben zu umfahn, Mit leiserm Klang das Schöne zu begrüßen Und Lust und Leid in Liedern zu ergießen. So hab' ich jetzt in unbelauschten Stunden, Wo lächelnd mir dein holdes Bild erschien, Den Blumenkranz der Lieder dir gewunden, Die leicht entstehn, kurz duften, bald verblühn. Nicht prangt, was rasch das glüh'nde Herz empfunden, Im ew'gen Schmuck von frischem Immergrün; Aufwallend will's im Liede wiederhallen Und flüchtig nur, so lang es klingt, gefallen. Wohl kräuseln sich die leichtbewegten Fluthen, Und irrend schweift der Strahl im Wogentanz; Doch wenn vom Spiel die glatten Wellen ruhten, Dann lacht' im Meer der Sonne stiller Glanz. So zähm' ich jetzt des Herzens rasche Gluthen Und blick' empor zum nie verblüh'nden Kranz. Wohl ist es schwer, dem Spiele zu entsagen, Doch herrlich auch, Unsterbliches zu wagen. Und lauter soll die Harfe wieder klingen; Durch Licht und Nacht, durch Kampf und Lust und Leid Will ich getrost den steilen Pfad vollbringen, Dem Liebe mich, dem mich der Tod geweiht, Schon rauscht und naht mit seinen lichten Schwingen Das seel'ge Bild, das mir die Palme beut! Du, lächle mild herab auf meine Töne, Daß Euch und mich der ew'ge Lorbeer kröne. Am 16ten Januar 1814 Jüngst berief ich meine Lieder, Und sie flatterten herbey, Schwebten singend auf und nieder, Spielten, flogen hin und wieder, Wie der Bienenschwarm im May. Und ich sagte: Fliegt und nistet, Singt und tändelt, wo's euch lüstet, Lieder, geht, ich geb' euch frey. Lange hab' ich euch gehalten, Meine Liebste zu erfreun; Doch ihr werdet von der Kalten Nimmermehr den Dank erhalten, Nimmer frey und fröhlich seyn. Nun so flieht und flattert weiter; Ewig hell und ewig heiter Ist der duft'ge Musenhain. Doch sie schienen still zu klagen, Fühlten weder Lust noch Dank, Und vor Wehmuth und vor Zagen Konnte keins ein Wörtchen sagen, Jedes seufzte leis' und bang. Und sie neigten ihr Gefieder, Senkten still das Köpfchen nieder, Ohne Sang und ohne Klang. Und nur eines spannte dreister Bittend seine Flügel aus: Laß doch, sang es, lieber Meister, Nicht die armen kleinen Geister Irren ohne Pfleg' und Haus! Treib' uns doch von unsern Rosen Nimmer in den blätterlosen, In den wilden Hain hinaus! Kannst du Schönes wohl uns zeigen, Was die Liebe nicht erzieht? Ach, wo ihre Lüfte schweigen, Fällt das Laub von allen Zweigen, Und der Blumenkelch verblüht. Traurig stehn die grünen Hallen, Und es fliehn die Nachtigallen, Wenn der frische Lenz entflieht. Schwärmen auch in blüh'nden Hainen Unsre Brüder groß und klein, Schöner wird es uns erscheinen, Bey der Schönen, bey der Reinen, Bey der Freundlichen zu seyn. Blickt die Lieb' auch streng und trübe, Lieb' ist Leben, Leben Liebe, Und der Freye wohnt allein. Schwindet nicht der Morgenschimmer, Schweigt das laue Säuseln nicht? Ihre Augen leuchten immer, Gluth und Milde scheiden nimmer Aus dem keuschen Angesicht. Mag sie nie den Dank uns geben, Laß uns spielen, laß uns leben In dem warmen Sonnenlicht! Nun so flattert hin und wieder Um die schöne Zauberin; Bald versengt ihr, arme Lieder, Euch das lustige Gefieder, Und verklungen sinkt ihr hin. Süßen Tod sollt ihr erwerben; Für der Liebsten Lust zu sterben, Ist der freundlichste Gewinn.