3. Karl der Große im Untersberg. Von Karl Ulmer. Da wo der Alpen Gruppe Umgränzt den bayrischen Gau, Erhebt mit hoher Kuppe Ein Berg sich düstergrau. Dort hört man bald ein Gedröhne, Wie schaurigen Waffenklang, Bald rauschende Orgeltöne Und hehren Festgesang. Tief in des Berges Schooße Erstreckt sich ein hoher Saal; Drin hauset Karl der Große, Die Recken mit ihm zumal. Mit Zepter und Kaiserkrone, Mit langem, weißen Bart, So sitzt er auf marmornem Throne, Und waltet nach alter Art. Oft fragt er nach seinem Volke, Ein Herold gibt Bericht; Da mehrt sich stets die Wolke Auf Karol's Angesicht. Und neben steigt im steilern Geschicht ein Gewölb empor, Getragen von strebenden Pfeilern, Mit Orgelruf und Chor. Hier steht, umstrahlt von Lichtern, Der Bischof am Altar, Um ihn mit strengen Gesichtern Der Priester greise Schaar. »Die Kirche – sie ist zerfallen,« Erschallt des Bischofs Wort: »Doch lebt in unsern Hallen Der wahre Glaube fort.« »Das Reich – es liegt in Trümmern,« So ruft der Kaiser mit Macht: »Doch webt es, ohne Verkümmern, Hier unten in firner Pracht.« »Und sind erfüllt die Zeiten,« Erwiedern Alle zugleich: »Dann wappnen wir und bereiten Das neue, heilige Reich.«