Uebersetzung altdeutscher Minnelieder 1. Nach Steimar Eingefaßt von dichten Hecken Weiß ich einen grünen Saal, Hochgewölbt mit Azurdecken, Drinnen wohnt Frau Nachtigall. Ihr zu Diensten stehn Jungfraun wunderschön, Zarte bunte Blumen ohne Zahl. Wann der Lenz zu Lieb' und Freude Jedes junge Herz entzückt, Kommt Herr Mai im neuen Kleide, Findet alles schön geschmückt. Zierlich klopft er an, Wie ein Freiersmann, Jede Blüt' aus ihrer Knospe blickt. Bunte Schmetterlinge kosen, Vöglein treiben frohen Scherz, Und die Brust der jungen Rosen Oeffnet sich dem süßen Schmerz. Da beginnt solch Spiel, Wer nicht minnen will, Muß die Augen schließen und das Herz. Komm' ich dann mit meiner Lauten, Wo der Schatten sich vereint, Denk' ich meiner holden Trauten; Was mein Mund zu singen scheint, Nachtigall und Mai, Blumen allerlei, Immer ist die Schönste nur gemeint. 2. Nach Ulrich von Lichtenstein Ich bin hohen Muthes! Hoher Muth so wohl mir thut, Nichts gibt es so Gutes Als mit Züchten hoher Muth. Hochgebornes schönes Weib Mag sich wohl erwerben Hochgemuthen Rittersleib. Mit dem süßen Munde Sprach die Liebliche ein Wort, Das seit jener Stunde Allen Kummer bannte fort. Leise sie das Wörtlein sprach – Doch die lichten, hellen Augen sprachen's nach. Ihre Weibesgüte Nahm's aus ihres Herzens Grund, Freude, Hochgemüthe Blüht' mir auf zur selben Stund', Da sie sprach das süße Wort, Das nun immer bleibet Meiner Freuden Hort. Von ihr hab' ich Ehre, Von ihr hab' ich hohen Muth, Noch gibt mir die Hehre Manches andre süße Gut. Freude, Wonne, Ritterleben Hat sie mir zum Lohn Meinem Dienst gegeben. Habe von der Guten Leib und Gut und graden Sinn. Der viel Wohlgemuthen Ritter ich mit Treuen bin. Was sie will, das will auch ich. Herrscherin und Fürstin Ist sie über mich. 3. Nach Hugo von Werbenwag (Huk von Werbenwak) Freudenreicher süßer Mai, Du sollst uns willkommen sein, Schöne Blumen mancherlei Bringet uns dein lichter Schein. Ja, du hast die Welt verschönet; Frei gefröhnet Vögelein. Nun hört man das süße Singen Der geliebten Nachtigall, In dem Walde laut erklingen Ihren wonniglichen Schall. Wo sie wol im Sommer hauset; Verklauset Steht ihr Saal. Wenn wir hierbei traurig wären, Wie geziemt uns Jungen das? Bei so wonniglichen Mären Ziemt uns große Freude baß. Laßt uns Allen Freude machen Und verlachen Argen Haß.