Hans Sachs Geistliche und weltliche Lieder Ein bul scheidlied In dem hofton Brennbergers. 1. sept. 1513. 1. Ach ungelück, wie hastu mich so hart verwunt! des für ich iez ein schwere klag den abent und den morgen. Das macht dein tück. wan ich denk der ellenden stunt, auf ert mich niemant freuen mag. mein leit trag ich verborgen, Wan ich muß iez in das ellent; das ist mir gar beschwerlich heut; das laß dich, lieb, erbarmen. der liebe lon ist traurig ent, herzleit nachfolget großer freut: also geschicht mir armen. ich bin ellent; wie möcht ich nur ellender sein, seit ich muß scheiden von der allerliebsten mein? der ich mit ganzer treu so lang gedienet han, der muß ich iez verwegen mich, fürbas sie nicht mer schauen an. 2. Vor aller not gesegn dich got tag, nacht und stunt! gesegnet seint dein euglein klar und auch dein kelen weiße! Gesegn dir got auch deinen rosenfarben munt und auch dein gelb geflochten har, dein brüstlein, ziert mit fleiße! Gesegnet seint dein schneweiß hent! gesegnet sei dein freuntlichs herz, mut und darzu dein sinne! ich scheid von dir in das ellent, das bringet mir unseglich schmerz, iedoch ich muß von hinne. ich far dahin; mein herz das blicket wider um, ob nicht seins herzenliebes liebe nachhin kum! so ist es leider also ferr und weit von im, das es sein nicht ersehen mag; so schreit es mit kleglicher stim: 3. Ach herzigs herz, wie bleibstu so weit hinter mir! du meines herzen freut und wunt, ich het dich auserkoren In freut und scherz, o, wie muß ich so balt von dir! des traure ich von herzengrunt, seit ich dich hab verloren. Mit dem leib muß ich von dir hin, mit wesen an ein ander ort; das tut mich, schons lieb, krenken. iedoch laß ich herz, mut und sin bei dir, meins herzen hochster hort, darbei tu mein gedenken. o we! o we! o herzenliebes lieb o we! ich fürcht herzliebes lieb du sehest mich nit me. in keiner not mein herz mir nie so traurig was. gesegn dich got, mein herzen lieb! ich far ins ellent hin mein stras. Geheimnis der Gotheit In des Marners langem ton. 1514. 1. Gloria patri: lob und er got vatter in dem tron, et filio: dem sun so her, et spiritui sancto fron: lob, er sei dem heiligen geist, drei namen und ein got genent, Sicut erat: und auch iemer in principio: schon, der ie was, et erit semper in secula: on abelon, seculorum: auch allermeist von werlt zu werlt ewig on ent. Got vatter seinen sun gebirt hoch in der trinitat; wie das geschicht? kein lerer das beschriben hat auf diser erden kreiß, kein mensch auch des nit würdig wür, der dise ding ganz grüntlich weiß; dise geburt verborgen ist den siben künsten frei geometrei, rhetorica, philosophei, loica und astronomei, grammatica mit musica mit irer süßen melodei, damit al meister sint gespeist, haben das klerlich nit erkent. 2. Johannes, gottes adelar, der sach hoch in dem tron drei person und ein wesen klar, bei in ein maget also fron, vil heimlikeit wart im bekunt, als uns apocalypsis seit; Er sach hoch in der himel kar drei unter einer kron gar hoch ob aller engel schar, mit licht in dreien flamen bron, noch west er nit den rechten grunt der hohen geburt der gotheit; Seit Johannes den grunt nit weiß und kam doch also hoch, vil weniger ein schlechter lei sol gründen noch geburt der trinitat; seit das sant Athanasius von gotheit solich groß genad, ein sprechen des heiligen geist, hat heimelich und stet geschriben vil von der drifaltikeit subtil, und reichet doch nit an das zil des sunes ewiger geburt; darum so ist ein kinderspil was dichtet aller meister munt von der hohen drifaltikeit. 3. Der lerer sant Augustinus hat auch gar schon und fein von der geburt altissimus geschriben klar lauter und rein und hat beweget manig frag; da er gieng bei dem mere breit, Do horet er ein stimme süß von einem kindelein: »als wenig ich des wassers flüß mag schepfen in das grübel klein, also wenig durchgründen mag dein herz das wesen der gotheit!« Augustinus must laßen ab und ander lerer mer zu gründen nach der hohen trinitat so her; ir weisen merket das! die ding in dem gelauben sten, keiner sol gründen fürebas; welicher weiter gründen welt, wan der gelaub berirt; der wür verirt, wan es keinem nit zugebirt. manig doctor zu ketzer wirt, der gründen wil nach der geburt got vaters, der ewig regirt, der helf uns hie aus aller klag in freut ewiger selikeit. Geheimnis des sacraments In des Marners langem ton. 1514. 1. Maria, himel keiserin, du hoch wirdige meit, verleich mir wiß vernunft und sin, das ich bewar die heimlikeit von dem heiligen sacrament und von der himelischen speis, Die der könig auf serafin ließ hie der cristenheit aus rechter lieb und warer min, e er für uns am kreuze streit, darmit er uns half aus ellent und schloß mit auf das paradeis. Die würkung die ist wunderbar des sacramentes fron: wer das empfahet wirdiklichen also schon, dem kumet es zu steur; wer das unwirdiklich empfecht, dem wirt zu lon ewiges feur. des selben ein geleichnus nim bei einer blumen her: die bin mit ger nimet darauf ir speis mit ler, daraus wirt honig unverfer; so aber ein spin neußet die blumen, daraus wirt gift gefer. darbei ist cristlich zu verstent des brotes fricht zweierlei weis. 2. Manigen nimet wunder ser, wie das fron sacrament wirt in der cristenheit so fer gewandlet an manigem ent und hat doch hie und dort sein kraft, niendert kein abegang es hat. Durch die natur so nim ein ler, schau, wie der sun get sent den seinen schein auf erden her und beleibet doch unzutrent, hat um und um sein eigenschaft als er am firmamente gat: Also kumet got her auf ert in das sacrament fron und beleibet wesenlich ein der himel tron. noch ist zu merken not, wie so vil partikel entpfa- hen mugen allein einen got: des selben ich geleichnus gib, das ist zu merken ring. merk! ob da hing hundert spiegel, ich euch da sing, und das ein mensch dar füre ging, ein ieder spiegel sunderlich ganz des menschen gestalt empfing; also vil partikel warhaft empfahen einen got, verstat! 3. Mag sich verwandlen brot und wein in fleisch und blut gar drot durch gottes kraft der priester rein, so er ob dem altare stot. widerwertig zu sprechen ist: gesicht, geschmack felt daran gar. Exempel geit die schrift so fein, wie das der ewig got ein weib verwandelet in stein, da der engel ausfüret Lot von Sodoma in kurzer frist, saget uns genesis fürwar; Warumb wolt sich dan wandlen nicht brot, wein in fleisch und blut durch wortes kraft, die der priester da sprechen tut? seit oft durch wortes kraft ein schlang verlissen ist ir gift, die sie doch hat von eigenschaft. darum gelaub warhaftiklich an das fron sacrament, darvon nit went! schau, das dich kein irsal nit blent, wan alle ding got möglich sent. der verleich uns rei beicht und buß, dar nach ein gut seliges ent. ich bitt dich, herre Jesu Crist, hilf uns dort an der engel schar! Ein schone schulkunst, was ein singer sol singen In dem langen ton Wolframs. 13. mai 1515. 1. Mein herz das mag nit rue han, darum so wil ich heben an, zu singen hie auf diesem plan, wiewol ich nit kan iederman singen und das im freude geit; es ist mir leit, seit ichs nit kan volbringen, Das doch zimt einem singer frei, das er sol künnen mancherlei auf das, wu er bei leuten sei, das er mit süßer melodei den leuten sing, was man beger; so ers gewer, der mag mit preis gelingen. Mancher der tut das selbig nicht und singt allein aus musica der kunste, darmit er sich herfüre bricht, und ist doch solch materi gar umsunste, wan der zehent sein nit verstat; seins gesangs kein genad man hat, gespöttes man ob im nit lat; darum so wer der beste rat: ein singer ließ sein kunst mit ru, bis er kum zu wu meistersinger singen. 2. Bei den sing er von meisterschaft und von der siben kunsten kraft; ist er mit rechter kunst behaft, so bleibt er von in ungestraft; bei andren leuten zimet bas zu singen das, was ich hernach wil sagen. Des nem ein ieder singer war, wo er ist bei der glerten schar, so sing er von der gotheit klar und von der meit, die got gebar, und aus der heiligen geschrift, was sie antrift; gift sol er nit zutragen. Wo er ist bei dem adel gut, so sing er nit von solchem disputiren, sunder sing in aus freiem mut von rennen, stechen, kempfen und turniren, von fechten, ringen, springen vil, von jagen, baisen, wie man wil, von solchem ritterlichen spil manche historia subtil; kan er das meisterlichen, do sein herz wirt fro, so er tut preis erjagen. 3. Weiter gib ich dem singer ler, wan er bei schonen frauen wer, der sing von scham, zucht unde er sein lob wirt im gepreiset mer. den bauren sing er von dem pflug, das ist ir fug, klug, was zu felt geschichte; Auch von der lichten sumerzeit. den kriegsleuten sei er bereit zu singen von stürmen und streit; den kaufleuten von landen weit, von merk und steten ane zal, von berg und tal; alles lob man im jichte. Dem trinker sing von gutem wein; dem spiler sing von würfel und von karten, des mag sein herz wol frölich sein; dem buler sing von schönen frauen zarten. also hab ich ein klein erzelt, wie sich ein singer halten selt, wu er das sein gesang erschelt, darmit groß preis erjagen welt, der sing was iederman zukert, was man begert, lert in Hans Sachsen dichte. Ein schulkunst In dem neuen ton Hans Sachsen. 1515. 1. Ich kam vor einen garten, wol geziert von edlen reben und fruchtbaren beumen, von guten würzen, blüt und kraut, von veiel, klee, lilgen, rosen und blume, als das paradeis lieblich auserkoren; Darin maniger vogel schön quintiert. zwelf man gunden den edlen garten pflanzen, von in wurt er reichlich durchbaut; sie gunden sein zu aller zeite warten. über jar dise früchte zeitig woren. Des stunt der gart in hohem preis. und war bewaret wol vor allen schanden. ein iederman der funt sein speis, von wann er kam, aus allen deutschen landen; sein frücht holet man auch tegleich in alle reich für zimetrör, granat und pomeranzen. die zwelf pflanzeten on aufher, je lenger mer, und teten sich in arbeit nit verseumen. in dem sach ich kumen ein wildes tier; das selb verwüst den auserwelten garten; alda floch iederman darfier; dardurch verlor der edel gart sein rume. darnach wuchs in garten distel und doren. 2. Der gart bedeut zu Nürmberg die singschul; die hat geblüt durch zwelf erwelte dichter, der kunst sich weit hat ausgebreit in Deutscheland durch fremde meistersinger, die der schul für al ander gaben preise. Hört, die zwelf saßen auf dem meisterstul: der erst, ein beck, hieß Kunrat Nachtigalle, sein ton er lieblich melodeit; der ander, ein nagler, der hieß Fritz Zoren, der macht schone bar und liebliche weise. Der dritt mit namen Vogelsang, der viert Herman Oertel, zwen heftelmacher, machten vil tön in süßem klang; der fünft, Fritz Ketner, was in kunst nit schwacher; Merten Grim, der sechst, schrieb vil bar; der sibent war Sir Beckmesser, sein tön lieblich erhalle; vom Gostenhof das war der acht, ein schneider, macht vil schöner bar und war der kunst ein richter; der neunte, Hans Schwarz, was ein briefmaler, der macht vil tön, die seint ein teil verloren; der zehent was ein holzmesser, der hieß mit seinem nam Ulrich Eislinger, auf schöne kunstreim leget er sein fleise; 3. Der eilft war der durchleuchtig deutsch poet, ein balbirer, mit nam meister Hans Folze; der zwelft war auch mit dichten frei, ein weber, hieß man Lienhart Nunnenbecken. durch die zwelf ist die schul fast auferhaben. Das tier, das dise schul verwüsten tet, das ist der neit, der in der schul erwachte; daraus folgt zwietracht und partei, von manchem unverschemten großes toben. dardurch ist der schul lob worden abgraben. Darum, ir singer, darauf schaut, das neit und haß nicht kum auf euer schule und brech, was man hab lang gebaut; besizt in reinikeit der alten stule. wer nicht dicht, der sing, oder sunst, aus fremder kunst on allen neit, niemant in auch verachte. welcher dan von got die genad zu dichten hat, der bleib demütig und treib keinen stolze, teil sein kunst aus und rüme sich nit ser; die kunst wirt selb den iren meister loben. ein ganze schul die bat sein er. wo man aus lieb ist allen neit zudecken, da geit got miltiglich des geistes gaben. Der rock In des Muscatblüts langem ton. 1516. 1. Ir schuknecht gut, seit wolgemut! sant Stefanstag bracht manchem klag dort in dem winter kalte; Darum ich sing, wie es mir ging: ich hat kein gelt, must übers felt, kam gen Münichen balte. Zu unsrem vatter zug ich ein, ich wart gar schon entpfangen; ich het kein gelt; er gab mir wein; mein rock bleib bei im hangen. die muter sach mich an und sprach: »sun, kanstu reimen eben den werkzeug, den ein schuknecht hat in der werkstat und auch darbei sein erbeit frei, den rock wil ich dir geben!« 2. Der rede do, der was ich fro; ich sprach: »hort zu, am montag fru stet auf der meister schnelle; Wie balt er lauft und leder kauft batzen bockheut, ich euch bedeut, rintleder und talbfelle. Wie balt er das hin heime treckt, sein gelt das tut in schmerzen; wie balt der knecht das leder streckt, bstost es und tut es schwerzen, trucknet es bas, so reibt er das, er welz und schlegt das schmere; dan streicht es an die meisterein, so reibt ers fein, darnach er spat get in das bat, darnach so seuft er sere. 3. Am dienstag fru rüst er sich zu; wan er aufsteht wie balt er get hinab wol in die stuben; Er wescht die hent und sich balt went, nemt den knierim vom filz, vernim, ein klein al und ein schuben; Darnach so macht er im sein drat von pech borsten und garen; die schu er bei im ligen hat, ein haufen bei sechs paren. wan er sticht zu stiefel und schu, so wichst er dan ein zwiren; dan spinnet man dis hanf und flachs mit eime wachs, ein nadel gut und fingerhut, die muß er darnach firen. 4. Haueisen, mer stahel und scher, wetzstein; vernemt, wan er gestemt, wil ich euch weiter weisen: Er sucht die zweck und den streichfleck, hantleder frei, daumling darbei, schwamen und kodereisen Gneip, reißer, dopel und neal; so net er dan behende und zucket den wentsticken bal und tut die schu umwende; und ein aufzug ist wol sein fug, schien und die unterschlagen, zu pantoffelen muß er han putzmeßer schan, lang zweck, stempfeis, raspen ich preis – nit mer weiß ich zu sagen. 5. Das treiben wir fir unde fir, und trinken wein; merket, das sein al unser erbeit harte.« Die muter lacht, mein rock mir bracht, den ich hab noch; damit ich zoch gen Würzburg auf der farte Da ich die best geschelschaft fant, die ich oft horen preisen, weil ich was in dem Beierlant; das hilf ich nun beweisen, wan sie mich han getaufet schan an dem aschenmitwochen, da mir der nam gegeben wart Hans Rosengart. den wünscht Hans Sachs, das ir lob wachs ganz ewig unzubrochen. Guiscardus und Gismonda In frauen Eren ton. 1516. 1. Ein buch cento novella heist, hat ein poet geschriben, hundert histori es ausweist; mir saget mein memori, das buch sei Johannes Boccatius Als noch ist mengem weisen kunt, dem solich kunst tut lieben; in dem gemelten buch ich funt gar ein schone histori von eim fürsten, hieß Tancretus, Der war in der stat Salerno gesessen, sein hocher adel der was ungemessen, was doch darbei ein demütiger mone. als in diser histori stet, allein er einen erben het, das was ein minnikliche tochter schone. 2. Die was züchtig und darzu weis, die het er lieb unmaße; er zug sie auf mit ganzem fleiß, wolt ir lang kein man geben; Gismonda so was die tochter genant. ein reicher herzog hat ein sun, der zu Capua saße, dem gab der fürst sein tochter nun er daucht in darzu eben. derselbig fürt sie mit im in sein lant; Sein leben doch kürzlich ein ende name; die tochter wider zu dem vatter kame. in mitler zeit was ir muter gestorben, mit dem vatter sie lang reigiert; mit tugent so was sie geziert, von manchem ritter wart um sie geworben. 3. Ir vatter het sie herzlich holt, zu ir er sich gesellet; keim man er sie nit geben wolt: des tet sich hart betriben die frau, und offenbart es nicht vor schame. Darvon sie ir gar heimeleich ein jüngling auserwelet schon, jung, gerad und sinnenreich, den tet sie herzlich lieben an irem hof, Guisgardus war sein name. Sie schrib ein brief und tet den in ein rore, damit macht sie dem jüngling offenbore, das sie im trüg soliche lieb und gunste. balt der jüngling den brief gelas, zu stunt sein herz entzündet was mit flammendem feuer der liebe brunste. 4. In diesem brief wart er gelert, wie er balt kumen mechte in ir kamer unter der ert durch ein heimlichen gange, der durch ein fels den seinen eingang het In einer dorenhecken groß. der jüngling das ausspechte, balt im wart geben dises loß, er saumet sich nit lange; sein leib mit leder er bekleiden tet Und ließ sich hinab in den holen steine; da stunt die frau und wart mit freuden seine, fürt in durch den berk in ir kamer weite; da noßen sie der liebe brunn in honigsüßer freud und wunn, das triben sie darnach ein lange zeite. 5. Darnach einsmals an einem tag tet sie im aber kunde, das er kem; und die weil, ich sag, gieng sie in iren garten. die weil ir vatter in ir kamer lief Und wolt mit ir reden etwas, und da er sie nit funde, hinter ein fürhang er da saß, wolt seiner tochter warten bis das sie kem; in dem der her entschlief, Der jüngling kam durch den eingang mit eile, sach seinen herren nit, im zu unheile. die frau sich heim balt in ir kamer machet, da sie iren liebhaber fant; sie hetten große freud zuhant; der her hinter dem fürhang auferwachet. 6. Er alle ding da hort und sach, sein herz in zoren qualle; iedoch er da kein wort nit sprach. da ir freud het ein ende, der jüngling wider in den eingang schloff; Die frau beschloß dieselbe tir und gieng hin auf den sale, da sie dan fant ir junkfrau schir. der her schleich gar behende aus der kamer und bot an seinem hof Zweien, das sie zu diser holen gingen und, wer daraus schlüff, das sie im den fingen. und zwen giengen hin zu der dorenhecken und warten lang bei diesem loch, bis der jüngling heraußer kroch do er sie sach, wie hart gunt er verschrecken! 7. Die fiengen in, bunden ihn hart, fürten in für den heren, der weinet und betrübet wart: »we! daß bist geboren! in meinem fleisch und blut hast mich geschmecht!« Der jüngling sprach: »das mein gemüt tet die streng lieb verkeren.« der her in großem zoren wüt, sprach: »werft in ein den toren und hüt sein wol, bis das der tag hernecht.« Zu morgen kam er zu der tochter gangen, sein herz das war mit schmerzen umefangen: »Gismonda, tochter, ich hab dich erzogen in eren und in großer zucht; tugent het ich bei dir gesucht, ei! wie felschlichen hastu mich betrogen! 8. Du pflagst mit Guisgardo der lieb, sach ich mit meinen augen; darum so muß der falsche dieb mir lan sein junges leben; auch gewinest du niemer mer mein hult.« Die frau erschrak, was ungemut, doch stunt sie one laugen: »vatter, wir sint doch fleisch und blut, als wol du, und merk eben: darum hab wir den tot gar nit verschult. Da du mir woltest geben keinen mane, Guisgardum ich mir auserwelte hane in rechter lieb, darum wil ich nit werben um dein hult oder dein genad. mit dem mein herz gelebet hat in freud, mit dem wil es in leit auch sterben.« 9. Do der her horet dise wort, do gieng er also alte, schuf, das der jüngling wurt ermort heimlich, und nam sein herze und leit das in ein kopf von klarem golt Und rufet ein ritter für sich und sprach: »bring hin gar balte den gülden kopf gar kosbarlich meiner tochter on scherze«; sagt im darbei, was er ir sagen solt. Der ritter ging hin zu der frauen kluge und west doch nit, was er verdecket truge; er grüßt die frauen und sprach unerschrecket: »hie schickt dir dein vatter den trost den du herzlich geliebet host.« die frau nam den kopf und den balt aufdecket. 10. Darin fant sie das herz und seit: »nun bis mir got wilkumen, ein herberg meiner wunn und freit, du bist mein letzte gabe von meinem vatter; doch durch falschen list, O du freuntlich wunsames herz, hastu dein ent genumen auf diser welt mit großem schmerz. in einem gulden grabe leistu, des du auch gar wol wirdig bist.« Den kopf drückt sie gar freuntlich an ir bruste: das tote herz sie gar freuntlichen kuste. sie sprach: »kein zeher wart um dich vergossen! die wil ich auch mitteilen dir.« mit dem druckt sie den kopf zu ir, weint, das die zeher in dem kopf umfloßen. 11. Ir junkfrau luffen hin und dar, vor angsten mange schweiste, westen nit wes das herze war, darum die frau het leide; Guisgardus tot der was noch ungemelt. Da sie nun lang geweinet het, sprach sie: »dein edler geiste, der wart an mich auf diser stet, bis das mein geist auch scheide und mit dir far aus der betrübten welt.« Sie machet ir ein trank von herbem gifte, saget uns warlich von ir die geschrifte, das selb sie gar balt auf das herze gusse und das gar unerschrocken trank; darnach sie auf das bett hinsank, sein totes herz sie in ir arme schlusse, 12. Und lag da in großer amacht. zuhant luf ein junkfraue und da den edlen fürsten bracht; der gunt gar heißer weine, do er sein tochter funt in todes zil. Ir augen keret sie zu im, tet in senlich anschaue und sprach gar mit senlicher stim: »behalt die zeher deine! des zu geschehen war dein freier wil. Tancrete, zu dir han ich noch ein bette; den meinen leib zu Guisgardo bestette, den du mir lebendig nit woltest gine.« mit dem der tot fast mit ir rank, das herz ir aus den armen sank. damit so schid ir arme sel von hine. 13. Dem fürsten große reue kam, doch war es vil zu spate. man leget in ein grab zusam ir beider toter leibe zu Salerno, uns die histori seit, Darbei wirt uns klerlich bestimt, wie solche lieb zugate und ein trauriges ende nimt. das merk du, man und weibe; gib deinen kint ein man zu rechter zeit, E das in strenge liebe angesiget. ein tochter ist ein obs, das nit lang liget. daraus maniger unglück ist erwachse, das sie ist kumen um ir er, die sie gewinet niemer mer. zeit bringt rosen spricht von Nürnberg Hans Sachse. Dichter und singer In der silberweis Hans Sachsen. 1517. 1. Ich lob ein brünlein küle mit ursprunges aufwüle für ein groß wasserhüle, die keinen ursprung hat, Sich allein muß besechen mit zufließenden bechen der brünnlein, mag ich sprechen; die hül nit lang bestat, Wan von der sunen großer hitz im sumerlangen tak die hül wirt faul und gar unnütz, gewint bosen geschmak; sie trucknet ein, wirt grün und gelb; so frischet sich das brünnlein selb mit seinem uresprunge, beleibet unbezwunge von der sune scheinunge, es wirt nit faul noch mat. 2. Das brünlein ich geleiche einem dichter kunstreiche, der gesang anfenkleiche dichtet aus künsten grunt; Bas lob ich den mit rechte für einen singer schlechte, der sein gesang enpfechte aus eines fremden munt. Wan so entspringet neue kunst, noch scherfer, dan die alt. des singers gesang ist umsunst, er wirt geschweiget balt; er kan nit gen neue gespor sie sei im den gebanet vor durch den dichter on scherzen, der aus kunstreichem herzen kan dichten ane scherzen neu gesang alle stunt. 3. Won alle künst auf erden teglich gescherfet werden von grobheit und geferden, die man vor darin fant. Von gesang ich euch sage, das er von tag zu tage noch scherfer werden mage durch den dichter, verstant. Darum gib ich dem dichter ganz ein kron von rotem golt und dem singer ein grünen kranz. darbei ir merken solt: kem der singer auf todes bar, sein kunst mit im al stirbet gar; wirt der dichter begraben, sein kunst wirt erst erhaben müntlich und in buchstaben gar weit in mengem lant. Vermanung zur buß In der hohen tag oder morgenweis Hans Sachsen. 1518. 1. Es ruft ein wachter faste: »des hohen tages glaste dringet von orient, die nacht gen occident sich lent, es nahet gen dem morgen. Darum, du fremder gaste, alhie nit lenger raste, von deiner lieb dich went und mach dich aus der burg behent gar heimlich und verborgen. Mein her leit in dem sale in seines schlafes quale, der gen dem tag aufstet, und so er hie begreifen tet dich und die hochgeboren, die er im hat erkoren, do er die fünt geschmecht, durch sein urteil und scharfes recht het ir den leib verloren, dem seinen schwinden zoren ir nit entrinnen mecht, wan er stürzet euch beide schlecht ab in das tiefe tale, dan würt euch freude schmale. darum weich aus dem bet, bewar dich und dein lieb vor net, du stehst in schweren sorgen.« 2. Wer ist der küne helde, der sich hat zugeselde dem zarten freuelein? mensch, merk, das ist der leibe dein; ist auf der burg entschlafen In sünden manigfelde; das freulein auserwelde bedeut die sele rein, die got hat nach dem bilde sein gar adelich erschafen. Der wachter an der zinnen ist die vernunft mit sinnen: »wach auf!« so ruft er drat: »wach auf von sünden, es ist spat. vergangen ist dein zeite, der tot ist dir nit weite, bedeut des tages licht. got ist der her, ich hie bericht, der in dem sal noch leite seiner barmherzikeite, wart auf gut zuversicht. darum zu reu, beicht, buß dich pflicht. dardurch magstu entrinen, kumen frolich von hinen, e dich erschleicht der tot. und folgest du nit weisem rot, leib und sel wirt got strafen. 3. Merk, so in sünden diche der grimme tot erschliche, zuhant erwachet got mit der gerechtikeite drot funt er euch dan beflecket, Das selb er an euch riche, stürzet euch schnelikliche in den ewigen tot, der fal ewig kein ende hot; kein reu euch darnach klecket; Sunder in dem gefilde ist alle freud ganz wilde. der fal ist also tif; kein lebent herz die pein begrif, merkt: der verdamten schare gotlichen anblick klare sehen sie nit ewick; wan sie dunket ein augenblick wol hundert tausent jare. sünder, nim der straf ware! und lös dein schlaf, dich schick und lös dich aus der sünden strick.« Maria, junkfrau milde, du senftmütiges bilde, so ich in sünd entschlif, mit der genaden stim mir rif, das ich wir aufgewecket. Kennzeichen In der hohen tagweis Hans Sachsen. 1518. 1. Man kent den hohen tage bei der sunen, ich sage, die nacht man kennen kan bei der triglichen schein der man, die steren bei dem glanze, Den krenich bei dem kragen, den straus bei seinem magen und bei dem kam den han; bei weißer farb kent man den schwan, den pfaben bei dem schwanze, Man kent die nachtigale bei irem süßen hale, die lerch bei dem gesang, den storch bei seinem schnabel lang, den widhopf bei dem gupfen, den igel bei dem stupfen und an dem lauf das röch, das kameltier bei seiner höch, die schlangen bei dem schlupfen, den frosch bei seinem hupfen, an dem springen die flöch, den fuchs bei seinen liften spech; den hunt bei seinem kale, den esel bei dem fale, den krebs bei seinem gang; bei dem antliz kent man an zwang art menschlicher substanze: 2. Den ritter bei den sporen, den jeger bei dem horen, den reuter an dem trab, den waller kent man bei dem stab, den könig bei der krone, Bei den schellen den toren und bei der schwerz den moren, den reichen bei der hab, das weib bei den brüsten, gelab, und bei dem bart den mane; Am carmen den poeten, den weisen bei den reten, den münich bei der kut, den wunden kent man bei dem blut, den blinden bei dem gange, den meister bei dem gsange, den fechter am parat, die junkfrau bei dem kranz, verstat, und den dieb bei dem strange, den schmit bei hamer, zange, den bauren bei der wat, den mader kent man an dem mat, den pfeufer bei der fletten, den gfangnen bei den ketten: also man kennen tut des menschen herz und seinen mut bei den zeichen, verstane: 3. Bei lachen kent man freiden, bei weinen kent man leiden, torheit bei phantasei, bei achitzen do kent man rei, bei seufzen kent man schwere, Hoffart kent man bei geiden, feintschaft kent man von neiden, betrug mit schmeichlerei, geselschaft kent man bei der trei, bei zucht do kent man ere, Lieb bei den augenblicken, holtschaft bei hentleindrücken, bei wolsprechung die gunst und bei dem werk kent man die kunst; unvernunft bei dem krigen, forcht kent man bei dem schmigen, scham kent man an der ret schwachheit kent man bei gilb, verstet; bei vil geschwetz das liegen, geiz kent man bei betriegen, verachtung bei gespet, freuntschaft kent man in großer net, untreu bei hinterticken. wol dem, der sich kan schicken aus kantnus der vernunst. des stet mein herz in freuden brunst, wen nur ein sach nit were. Die Lisabet mit irem Lorenzen In der silberweis Hans Sachsen. 1519. 1. Ein reicher kaufman sase im welschen lant; er wase zu Messina (ich lase in cento novella) Fein, hoflich, wol getane. drei sün het der kaufmane und auch ein tochter schane, die hieß Lisabeta; Die war das schönest weibesbilt, manch jüngling um sie warb; der vatter sie bei im behilt, so lang bis er gestarb. nach seinem tot in dieser stat wurden die drei brüder zu rat, bei einander zu bleiben und iren handel treiben, sich keiner zu verweiben; dis wurt bestet alsa. 2. Die drei trieben den handel mit rosin, feigen, mandel, ganz aufrichtig on wandel gar weit in manig lant; Sie heten einen knechte, treu, tugenthaft, gerechte, schon, jung und wol gespechte, was Lorenzo genant. Gen dem wurt der junkfrauen herz entzünt in strenger lib; mit seufzen und senlichem schmerz sie lang ir zeit vertrib, doch gab sie im gar oft und dick manch inniklichen augenblick; der knecht es merken gunde, im wart sein herz auch wunde. das weret manche stunde, in beiden unbekant. 3. Ir ietlichs meint, alleine es trüg der liebe peine; zuletzt giengs innen eine, iedes öfnet sein herz. Girlich sie alle beide kerten ir lieb in freide, gaben einander bscheide oft zu der liebe scherz; doch ist noch war, wie man oft spricht, lieb sei leides anfang, als wol erscheint in der geschicht. ir lieb weret nit lang, den ein bruder bedunken tet, Laurenzo bulet Lisabet. er schlich in ir kemnate, schloff unter ihr betstate, zu sehen ware tate, doch vergaß er seins schwerts. 4. Unlang nach im die zarte aufspert die kamer harte und ihres bulen warte nach irem alten sit; Nun um den ersten schlafe Laurenzo die zeit trafe, kam stil und bracht sein wafe, dardurch er wurt befrit. Sie waren beide wolgemut nach ires herzen luft; um die heimlich mördische hut ir keines gar nit wust. do der morgensteren aufbrach, schlich Laurenzo in sein gemach, die junkfrau schlief süßliche; ir bruder schnellikliche zu der kamer ausschliche heimlich, sie sach sein nit. 5. Und eh es gunt zu tagen, weil die brüder noch lagen, ging er und tet in klagen, wie sie weren geschmecht. Grundlich heten sie rate, wie sie die schentlich tate nur möchten rechen drate; ir anschlag der wart schlecht. Zu morgens, balt der tag erschin, riten sie all drei aus; Laurenzo must laufen mit in, Lisabet blieb zu haus; sie riten aus zu dem stattor, in maß, zu suchen wildes spor. zu nechst in einem walde kerten sie schnell und balde; ir herz wart in gar kalde auf Lorenzo den knecht. 6. Fer in den walt sie kamen, da sie niemant vernamen, bei einem lindenstamen, da sprangten sie in an. »Her, du untreuer knechte, weist, du hast uns geschmechte unser schwester, von rechte geb wir dir hie den lan.« Laurenz fiel nider, gnad begert. der ein in streng anlief und durch sein leib stieß aus sein schwert und hieb im wunden tief, bis er den seinen geist aufgab. zuhant machten sie im ein grab schlechtlich mit iren henden, wurfen drein den ellenden und teten heimwärts wenden, huben sich balt darvan. 7. Do er nun war ausblieben, die frau tet sich betrieben, fragt nach irem herzlieben, ir antwort ein bruder: »O schweig des knechtes stille, das selb ist unser wille, e dir sein wert zu vile!« erst wart ir herz gar schwer; Betrübet waren all ihr sin denselben ganzen tag; sie dacht: »wo ist er kumen hin?« sie het heimlich nachfrag, sie gedacht sein mit seufzen tief, darnach in trauren sie entschlief, da erschien traurikleiche Laurenzo totfarb bleiche, blutig und sprach senleiche: »o Lisabeta, her! 8. Ei nach mir gar nit frage, dein brüder hant erschlage mich heut auf disen tage mortlich dauß in dem walt; Bei einer breiten linden, mit meim blut ist die rinden besprengt, da wirstu finden mein leib begraben kalt. Darum so frag nit mer nach mir, du merest sunst mein pein, wan ich kum niemer mer zu dir, es muß geschiden sein. ich befilch dich in gottes hant.« darmit der traurig geist verschwant, die junkfrau auferwachet, sie weinet und laut achet; der traum het sie geschwachet, sie stunt auf schnel und balt. 9. Mit ir nam sie ir diren, als ob sie wolt spaziren; sie tet im walt refiren, bis sie die linden funt. Gmüt herz und sin durchstache ein amacht, sie durchbrache, da sie das blut ansache. die meit sie labt zu stunt. Sie funden neu ergrabner ert unter dem lindenbaum; die meit grub ein, da funt sie wert; die frau erbeitet kaum, da sie sah iren höchsten hort ligen so jemerlich ermort, sie huben aus der erden auf ir mantel den werden; vil trauriges geberden die frau erzeigen gunt. 10. Sitlich sie sinken gunde und küßet im sein wunde und seinen bleichen munde, darnach sie zu im saß; Mit manch kleglichem worte, klagt sie des toten morte, dergleich nie wart erhorte. nun hört wunder fürbaß: Sie nam sein haubet von seim leib, die meit den leib begrub; mit dem haubt sich das traurig weib heim in ir hause hub und darmit in ir kamer ging, darob zu weinen anefing und es mit manchem kusse in ire ermlein schlusse, mit trenen es begusse, das es wart alles naß. 11. Von blut wurt das haubt reine, weiß als das helfenbeine; darnach bant sie es eine in ein grün seiden tuch, Schon, mit eim kranz geziret, mit seufzen im hofiret, darnach es balsamiret für faulen und gebruch. Darnach legt sie das haubet wert in ein wurzscherben fein, tet darauf geschlecht frische ert und pflanzt ein kraut darein; also das haubt verborgen lag, darnach, wan sie aufstunt, all tag mit trenen sie es gose und mit wasser von rose; das kraut wuchs schön und grose und gab gar süßen ruch. 12. Köstlich die frau es schmücket und an ir brüstlein drücket, es hin und wider rücket nach ires herzen wal. Tröstlich sie im zurete, in stetigs bei sich hete und zu nacht für ir bette satzt sie in allemal, Sie het in herzenlichen lieb sie acht sunst keiner freut; stetig sie bei dem scherben blieb, geleich morgen wie heut, da nun ir brüder merkten, das ir diser scherb so liebe was, sie gunten ir kein gute, ir herz in untreu wute; der ein aus falschem mute ir den wurzscherben stal. 13. Do sie nun frü aufstunde, den wurzscherben nicht funde an der stet, ir geschwunde und wart herzlichen krank. »So muß ich warlich sterben, ist verloren mein scherben!« sie tet sich schnel entferben und zu der erden sank. Die brüder dachten in: »ir schatz leit im scherben vertraut.« heimlich, irer schwester zu tratz, schüttens aus ert und kraut, do funden sie des toten haubt; des erschraken sie hart, gelaubt, kantens bei bart und hare, das es Laurenzen ware; sie verbargen es gare und saumten sich nit lank. 14. Gwis luden sie das beste heimlich, das niemant weste, furen, als fremde geste, gen Naples in das lant. Lisabet lag in quale, man suchet überale den wurzscherben vil male, iedoch in niemant fant. Die frau die lag in seufzen herb und redet sunst kein wort dan: »o we, wo ist mein wurzscherb?« ir herz man schlagen hort, ir ganzer leib zu bidmen gunt; ir herz war ganz tötlich verwunt. gar mit betrübtem sinne schid ir sel auch von hinne, vil volkes wart sein inne, kamen da hin zuhant. 15. Do es nun als erginge, die diren anefienge, erzelet alle dinge, und wie ermördet wer Lorenz, leg in dem walde; sein leib holet man balde mit proceß, jung und alde klagten sie beide ser; Man leget in ein grab zusam ir beide tote leib. also ir lieb ein ende nam. nun merket man und weib: zwei ding, zeiget uns die geschicht, bleiben int leng verborgen nicht, das erst die lieb, ich sage, das ander der totschlage; der keins sich bergen mage, spricht Hans Sachs schumacher. Die wolfsgrub In der silberweis Hans Sachsen. 1520. 1. Einmal ging ich spaziren, mit freudenreich begiren im grünen walt refiren, mein herz gar frölich was; Fein die waltvögel sungen in gar mancherlei zungen, auf den esten sich schwungen; freutreich ging ich fürbas Ein enge ungetribne pfat im walde ab gen tal an ein wunderseltsame stat, da tet ich einen fal tief unter sich in ein wolfsgrub; mein herz ser zu trauren anhub. fünf wölf funt ich daniden, mein herz vor ang war biden, doch ließens mich zufriden weil ich geschmucket saß. 2. Oft die wölf um mich gingen, ser zu heulen anfingen; als ich sie höret singen mit ir wölfischen stim, Hoft ich, hult zu erlange, und sang, das es erklange, gut scharf meistergesange; erst wurden die wölf grim: Da ich nit heulen wolt als sie, da bleckten sie die zen und wolten aus mich sprengen ie, mein har gen berg wurt sten. vor angst ließ ich ein lauten schal, das es im wilden walt erhal; in dem da kam der jeger, diser wolfsgrub ein pfleger, fant mich in dem geleger, zog mich hinauf zu im. 3. Der kunt mich baß besprachen, da ich erzelt all sachen, fieng er mein an zu lachen, sprach: »hastu nie gehert: Wer mit wölfen wil geulen, der muß auch mit in heulen, sunst tun sie sich balt meulen und ist bei in unwert.« Darum ist ein wölfischer wolf ein unverstanden tir, weil gut gesang an in nit holf, heulen liebt in darfir. darum den wölfen nimmer trau, gib in darfür ein feiste sau, das sie haben ein schlampe, der freut sie alda sampe. sie singen nur lamp lampe geleich heuer als fert. Das liet Maria zart verendert und cristlich corrigirt. 1524. 1. O Jesu zart, götlicher art, ein ros on alle doren, Du hast aus macht herwider bracht das vor lang was verloren Durch Adams fal; dir wart die wal von got vatter versprochen; auf das nit würt gerochen mein sünt und schult, erwarbstu hult; wan kein trost ist, wa du nit bist barmherzikeit erwerben; wer dich nit hat und dein genat, der muß ewiklich sterben. 2. O Criste milt, du hast gestilt der altvätter verlangen, Die jar und tag in we und klag die vorhell het umfangen, Senlicher not ruften: »o got, zureiß des himels pfarten und send uns, des wir warten, den messiem, der uns abnem die senlich pein.« das ist durch dein vilfaltig blutverreren ganz abgestelt, darum dich zelt all welt Cristum den heren. 3. O Jesu rein, du bist allein der sünder trost auf erden; Darum dich hat der ewig rat erwelet, mensch zu werden; Uns all zu heil darum urteil, am jüngsten tag wirst richten, die dir glauben, mit nichten. o werte frucht, all mein zuflucht han ich zu dir; ich glaub, hast mir erworben ewig leben; in dich hoff ich ganz festiklich, weil du mir gnad tust geben. 4. O Criste groß, du edle ros, gütig an allen enden, Wie gar gütlich, her, hast du mich wider zu dir lan wenden Mit deinem wort! mein sel leit mort bei den falschen profeten, die mich verfüret heten: auf mancherlei ir gleisnerei, auf werk ich hoft und meinet oft, genad mir zu erwerben; verliße dich; o her! nit rich mein unwissent verderben. 5. O Jesu fein, dein wort gibt schein, licht, klar als der karfunkel. Es hilft aus pein den armen dein, die sitzen in der dunkel; Kein ru noch rast haben sie fast wol in der menschen lere; reich in dein wort, mit gere hilf in darvan auf rechte ban und sie selb tröst, seit du erlöst hast alle welt gemeine, das sie in dich hoffen einig, nit in ir werk unreine. 6. O Criste wert, so dein wort kert von mir und sich derscheite, So kum zu mir, beschütz mich schir, auf das mich nit verleite Die menschenler, die gleißet ser, wer kan ir list erkennen? sie tut sich heilig nennen, ist doch entwicht und lebet nicht; allein dein wort, das ist der hort, darin das leben iste; da speis mich mit (entzeuch mirs nit!) zu ewiklicher friste! 7. O Jesu Crist, war got du bist; in dir ist kein gebrechen. Es ist kein man, der mag und kan dein glori groß aussprechen; Dein hohes lob schwebt ewig ob, dir ist als übergeben was ie gewan das leben, all creatur. o könig pur, wens darzu kumt, das mein mut stumt, leiblich den tot muß leiden, dan hilf du mir, das ich mit gir in deim wort müg abscheiden. Ein christlich liet wider das grausam droen des satanas In Tolner melodei. 1524. 1. Wach auf in gottes namen du werde cristenheit! Dank deim gspons lobesamen der gnadenreichen zeit, Darin er dir sein worte hat wider aufgeton, das man an manchem orte klerlich verkünden horte in teutscher nation. 2. Die alt schlang, der satane, der lüg ein vatter ist, Wölt das gar unterstane, verbot mit gschwinden list: Das wort solt niemant sagen bei bann und lehenspflicht. ir vil ließ er verjagen, verbrennen und erschlagen, doch half es alles nicht. 3. Erst tut die zen fast blecken der falsch satan aus neit, Mit droen abzuschrecken dich, werde cristenheit. Doch bleib in got bestane, wan er sorget für dich, spricht, wer dir leids ist tane, rür sein augapfel ane, er ist dein hilf warlich. 4. Sich, wie half got der here dem Israel darvon, Und ertrenkt in dem mere den künig Pharaon; Hiericho must fallen vor gottes volk, geschwin vor der trometen schallen: also hilfet got allen, die vertrauen in in. 5. Auch die Midianiter tetem volk gottes not Und die Amalakiter. Israel rüf zu got; Gnedig sie got errette durch sein knecht Gedeon. da gottes volk trommette, ein heid den andern tötte hundert zwainzig tausent mon. 6. Denk, wie oft got behütet vor Saul den küng Davit, Der nach seim leben wütet; got in auch wol befrit Vor seinem eigen sune, dem schönen Absolom, der nach seim leben stune; aus seim reich er entrune, darein doch wider kom. 7. Merk auch, wie got tet streiten wider Jeroboam Zu küng Abia zeiten, den er umlegt allsam, Das er nit mocht entrinen. do rüft das volk zu got. da floch das her von hinen, das volk gots schlug von inen fünfhundert tausent tot. 8. Dergleichen half got kempfen Assa, dem könig frum, Da das volk gots wolt dempfen Serach mit großer sum. Tausentmal tausent moren greifens volk gottes an; do ergrimt gottes zoren, das groß her war verloren, ir keiner nit entran. 9. Schau, wie tet got errette den küng Ezechiam, Den auch bedroet hette Sennacharib mit nam, Der sein her hat gestellet wider Jerusalem: der engel gots ir fellet achtzig tausent gezellet, und machet in gezam. 10. Hör auch, wie got tet kriegen für den küng Josaphat: Da über in tet ziegen Amon Moab, da hat Das volk gottes groß klagen, zu got het es sein trost. die heiden tet got plagen, teten sich selbs erschlagen, gottes volk wart erlost. 11. O cristenheit, merk eben, wie got sein feinde stürzt, Die wider sein volk streben. sein arm ist nit verkürzt. Er kan dich wol bewaren, all dein har sint gezelt. laß nur den satan scharren, tu im wort gots verharren, so bistu auserwelt. Das liet: Anna du anfenklichen bist verendert und christlich corrigirt. 1525. 1. Ciste, du anfenklichen bist ein wurzel unser selikeit; Aus deinem tot gewachsen ist ein ewig werend sicherheit Zu dem vatter, gen dem wir ser uns versünden teglichen: o sun Davit, du für uns trit, versün uns miltiklichen. 2. Criste, du einiger tröster aller betrübten herzen, Zu dir all cristen rüfen ser, das du uns helfst aus schmerzen. Der feinde streit gen uns aus neit all tag gar listiklichen: o sun Davit, du für uns trit, hilf kempfen ritterlichen. 3. Criste, du von götlichem stam, von got vatter geboren, Der zu uns her auf erden kam, auf das nit wurt verloren Wer in dich glaubt; des bist ein haubt aller Cristgelaubichen: o sun Davit, du für uns trit, dir sei lob ewiklichen! Der 146 psalm Davit Lauda anima mea dominum. 1526. 1. Mein sel lobe den heren rein, ich wil loben den heren, Die weil ich hab das leben mein got lob singen zu eren. Verlaßt euch auf die fürsten nicht, noch auf die menschenkint mit icht; sie können euch nit helfen. 2. Dan sein geist hat kein bleiben, hert! er muß wider ausfaren Und wider kumen zu der ert, sein anschleg sint verlaren. Wol dem, des hilf got Jacobs ist! wol dem, des hofnung alle frist stet auf got, seinen heren! 3. Der himel, erden und das mer und alles, was ist drinen, Gemachet hat on alle schwer, er ist ob serafinen Und helt gelauben ewiklich, der schaffet recht wunderbarlich dem, der hie unrecht leidet; 4. Der dem hungrigen gibt das brot, der her, löst die gefangen; Der her macht gesehent on spot, die blinden mit verlangen; Der her richt auf, welch durch die feint alhie nidergeschlagen seint; der her liebt die gerechten. 5. Der her die fremdlingen bewart und beschützet die weisen, Hebt auf die witwen und umkart der gotlosen wegreisen. Der here ist küng ewikleich! got, zu Zion weret dein reich für und für! halleluja! Der fünft psalm Davids Im ton: Nun freuet euch ir lieben. 1. Her, hör mein wort, merk auf mein not, vernim mein red gar eben; Mein künig und mein starker got, von dir hab ich das leben; Drum wil ich für dir beten recht: frü wöllest hören deinen knecht, wen er frü zu dir kumet. 2. Du haßest, her! was übel tut, die lügner wirst umbringen; Was schalkhaft ist und dürst nach blut, dem wirt von dir mislingen; Ich aber wil in dein haus gen, mit forcht gen deinem tempel sten, auf dein gnad, her! zu beten. 3. Her, leit mich gar in deinem wort um meiner feinde wile, Richt deine weg an alle ort und steck mir selb das zile; Ir munt und herz kein rechts ie gab, ir rachen ist ein offens grab, ir schlunt auch voller gallen. 4. Laß freuen sich all, die auf dich trauen und sich berumen; Beschirme sie, her! kreftiklich gleich wie die sumers blumen; Die grechten du gesegnest, her! die deinen namen lieben ser, du krönest sie mit gnaden. Der süß traum In dem neuen ton Hans Sachsen. 1527. 1. Ich lag eins nachts in einem süßen traum: mich daucht, wie ich spaziert in einem walde, kam aus ein zirkelrunden plan, mitten darauf ein sinwel berg erscheine, darbei stunt ein rosengart blüent gröne Darum stunden rundweis vil schöner baum, mitten dardurch in einem roten merbel ein fischreich klares bechlein ran; do wurt mein herz klopfen der freuden schwengel; es gleicht dem paradeis mit seiner schöne. Ich blicket gen dem gartenwarz, darin ein edler vogel het gehecket, groß als ein adler, was kolschwarz; sein linke seiten, die war im bedecket mit lichten rosen, rot und weiß, geteilt mit fleiß, mit seim gefider macht er einen werbel um sein junge, hielt sie in hut, der wolgemut; er speiset sie aus durch den winter kalde; zier und geschmuck ist um in überal. ich hört sein stim, war lieblich als ein engel, durchklang überal berg und tal: ich dacht, er wer phenix, der vogel reine, als ich sach fein schön und hört sein getöne. 2. Doch het der edel vogel wenig ru vor sein feinden, die gerten in zu dempfen und im geferlich stelten nach aus neit und haß von wegen seiner stimme, die so hel erklang über manig meile; Mit netzen, gruben, pogaren darzu, die man im stellet heimlich und verborgen zu rings um den garten, ich sach. doch sang der vogel stet in seinem garten und was genzlich unschedlich seinem gegenteile. Etlich geflügel darzu holf falk, geier, habicht, fledermeus und raben greif, löwen, beren, schwein und wolf den garten unten und oben umgaben, kunten doch nit zureißen in; doch war ir sin, den großen adler verhetzen zu kempfen, das er in und die jungen sein brechte in pein; etlich stachen auf in abent und morgen; doch welcher im mit kampf zu nahent wolt, das tet er mit sein scharfen kloen warten und hackt in, als er billig solt; des wurden sein feint über in erst grimme und versuchten an im noch baß ir heile. 3. Ich sach vier freulein um den vogel kün: das erst in weiß bekleit, die trug ein zedel; den vogel lert sin scharfe sin, wie er sich und sein nest regiert, besunder dem aufsatz der vögel und tier entweiche. Das ander freulein war bekleit in grün und trug ein wag und auch ein schwert ganz bloße, darmit sie etlich jaget hin, die im on alle ursach taten drenge; mit der wag dienet sie im gar sinreiche. Das dritt freulein, bekleit in bla, die trug in irer hent die klaren sunnen und leucht unter die vögel da: aus scham, forcht, schrecken ir gar vil entrunnen. die vierte mit harnisch, panzer nach heldes ger gewapnet war und trug ein hamer große, darmit treib sie die wilden tier vom garten schier zu schutz dem auserwelten vogel edel, und machte um in einen weiten raum, das dem unziefer wart der walt zu enge. also ich von dem süßen traum erwacht und lag in herzlich tiefem wunder, wer mir den auslegt mit kunst miltikleiche? Der wankelmütige In dem hofton Danheusers. 1528. 1. Avianus, der frei poet, ein fabel uns erzelte, wie das ein fremder pilgerim wurt irr in einer wüste Zu winterzeit, in tiefem schne, in reif und großer kelte; der weg im gar verloren war, sein laufen war umsüste. Er stunt stil da in der wiltnus, sein herz das war im schwer. das ersahe ein satirus, das ist ein waldener, das kleine wilde leute sein, in Libia geboren, haben geißfüß und in der stirnen horen und wonen auf dem berg Atlas in großer wüsteneie; in der gieng diser pilgrim irr in sorgen mancherleie. 2. Und diser wilde satirus des pilgram sich erbarmet und fürt in in sein hütlein balt zu herbergen die nachte. Der pilgram blies in seine hent, bis er zum teil erwarmet, des sich der wilt verwundert ser, des blasen het er achte. Bracht im darnach ein kopf von golt mit siedig heißem weine, darmit er auch erwarmen solt das ingedirme seine. der pilgram nupfet balt darvon, des weines hitz er fület; er blies darein, auf das er würt gekület. der satirus auch das ersach und sprach zu im: »ich merke, das deine zung und munt vermag widerwertige werke. 3. Das kalte kanstu machen heiß, das heiß machestu kalt gar schnel in einem augenblick mit deinen schwinden griffen. Du machest uns wol alle irr in disem wilden walde; wankel und unstet ist dein zung und auf zwu schneit geschliffen. Was du ietz lobest, schiltstu dan, dein zung ist wankelmütig. darum tu balt von mir ausgan – ich bin dir wol zu gütig – und wandel an ein ander ort zu ander schmeichelkatzen, die vorne lecken und auch hinten kratzen. ich urteil dich nach deiner sag, nach deim zwiefachen aten. weich von mir; ich trau dir nicht mer; dein wil ich wol entraten.« Der falsch schulmeister In der feuerweis Wolf Buchners. 12. febr. 1529. 1. Her Titus Livius der tut uns sagen: als Furius Camillus het geschlagen ein herlager vor Valisce der stat, wan er sie da bezwingen selt in der Römer gewalde. In der stat war ein schulmeister geeret, der aller reichsten burgers kint er leret, die er ausfürt an einem abent spat, sam er mit in spazieren welt, kam ins herlager balde, Und sprach: »Camille, nem die bürgers kinder! darmit magstu die starken stat bezwingen; ir veter geben dir die stat dest linder, das sie ir sün aus der gefenknus bringen; das hab ich dir zu gut geton.« darmit begert er seinen lon; sein herz in treu was kalde. 2. Her Camillo, dem erenfesten ritter, wart sein treu tugenthaftes herz gar bitter, het groß misfallen der verreterei, so diser schulmeister unfrume ließ öffenlich anschauen; Die hent ließ er im auf den rucken binden und übergab in disen burgers kinden und gab iedem knaben ein ruten frei, ließ den verreter widerum hin ein die state hauen. Und hieß sie unterrichten ire veter, wie sie erloset hat der feinde güte von irem untreuen boswichts verreter, und wie Camilli sei das sein gemüte, die stat zu zwingen durch sein her, mit harnisch, ritterlicher wer, und nit durch solch mistrauen. 3. Als die burger in Valisce der state erfuren solich wunder treue tate von Camillo, dem römischen haubtman, der durch sein erenfest gemüt verreterei tet schlagen: Darum die burger sich an in ergaben, wolten die Römer für ir herren haben. also Camillus dise stat gewan mer durch sein tugentreiche güt, dan durch tirannisch plagen. Also noch heut, wer frei aufrichtig wandelt und sich hüt vor verreterischen tücken, treulich gen feinden und gen freunden handelt, dem muß sein sach aus billikeit gelücken; wer aber sich untreuer art helt, der entget dem unglück hart – hort man die weisen sagen. Die gefangen konigin aus Frankreich Im geschidnen ton Cunrad Nachtigals. 27. april 1529. 1. Hort wie herlich beschreibe der groß historiographus mit namen Titus Livius ein tat von einem weibe, der kongin aus Frankreiche: In der flucht der Franzosen wart gfangen durch der Römer her die schön mit andern frauen mer, die feinde sie einschlosen in ein kerker zugleiche, Ein rottmeister ir hütet, der bulet um die kongin auserkoren; in lieb er gen ir wütet, an ir was all sein listikeit verloren; als sein mutwil het kein fürgang, er dises fremde weib notzwang darnach er mit ir gütet. 2. Als er sie het geschmechte, er sie frei ledig laßen wolt, wan man im ein pfunt klares golt von irenwegen brechte zu einem waßerstrome. Ein gefangnen sie sendet zu irem herren in das lant, das er ir das pfunt golde sant, darum sie wer gepfendet. als nun die schatzung kome Zwen französische mender brachten das golt auf die bestimmten nachte zum waßer die auslender; als er auswag das golt so man ihm brachte, die frau in irer sprach gebot, das die zwen mender stachen tot; den wüsten frauenschender. 3. Sie schnit von seinem leibe sein haubet und darmit entweich, kam heim zu irem heren reich, da warf das küne weibe für seine füß das haubet. Der konig wundert lange ob der fremd seltsamen geschicht; die frau sprach: »diser bösewicht gewaltig mich notzwange, mich meiner er beraubet.« Bei der histori sechte: ein züchtiges biderweib nem ein lere, ob sie ein man anfechte und ir abdringen wolt ir weiblich ere, ob sie den böswicht stech zu tot, wer sie gefreit vor aller not nach keiserlichem rechte. Die zehen gebot Zu singen in dem ton: O here got begnade mich. (1530.) 1. Got hat uns geben die gebot, das erst: solst glauben in ein got. hie ler, das sich got eben dir hat zu eigen geben. Dank im, o mensch, der güte sein, das er sich tut annemen dein, ist dein erlöser woren vor dem ewigen zoren. Hie klag dein schult, das du so oft in got nit traut hast und gehoft;. bit, das dein sel, herz und gemüt vor ungelauben wert behüt, sonder auf got trau feste. 2. Zum andern solt den namen sein nit nennen unnütz und gemein. hie solt sein namen leren allein preisen und eren. O mensch, dank hie dem schöpfer zart, der dir sein nam hat offenbart, das du in an magst rüfen, sein hilf darbei tust prüfen. Hie klag, das du sein heiling nam hast braucht zu schweren, schant und scham; bit got, das er dein herze ker, das es sein namen preis und er hie und dort ewiklichen. 3. Zum dritten du die feiertag solt heiligen nach gottes sag. ler all welt gscheft zerstören und gottes wort zu hören. Dank got herzlich an disem ort, das er dir geit sein heilig wort, zeigt dir aus lauter güte sein willen und gemüte. Klag den sabbat, unnütz verbracht, sein heilig wort gar oft veracht; bit, das er treu prediger sent, sein heilig wort nit von uns went, vor irtum uns behüte. 4. Zum vierten vatter, muter er. aus dem, o mensch, so nim die ler, sei in in vil und wenig gehorsam untertenig. Dank got, das er sorg für dich trug, durch dein eltern dich auferzug, züchtigt, strafet und leret, dich speiset und erneret. Klag, das du auch mit überlast dein eltern oft betrübet hast; bit der eltern und oberkeit wolfart ietz und zu aller zeit, auf das sie wol regiren. 5. Zum fünften: du solt töten nit. schau mensch, hie magstu leren, mit dem nechsten gunst zu tragen, nit bschedigen noch schlagen. Dank got, das er so treulich wacht, hat auf dich und all menschen acht, das keins dem andern schade bei seiner straf ungnade. Klag, das durch zoren haß und neit dem nechsten tetst oft herzenleit; bit, das er dir geb senften mut, deim nechsten zu nutz und zu gut du auch in frit mögst leben. 6. Zum sechsten, so brich nit dein e. mensch, aus dem lert dich got, verste! züchtig und keusch zu leben, kein ergernus zu geben. Dank hie der treuen gottes güt, die dir töchter und weib behüt, durch sein gebot und willen tut er vil unzucht stillen. Klag, das du brachst an diesem ort, sein gbot mit danken, werk und wort; bit, das got allen menschen geb, das man elich und züchtig leb, schamhaft, wie frume cristen. 7. Zum sibenden nit stelen solt. hie ler und hab dein nechsten holt, um sein gut in nit treuge, vervorteil, noch ableuge. Dank got, das er auch hab in hut so veterlich dein hab und gut, tut das mit straf verfechten vor allen ungerechten. Klag, das du oft den nechsten dein betrogen hast auch um das sein; bit das wucher, geiz und fürkauf bei aller welte höre auf, das wir als cristen handlen. 8. Zum achten kein falsch zeugnus gib. wider dein nechsten, ler aus lib all falsch nachred zu meiden, heuchlen und er abschneiden. Dank got, das er auch für dein er und dein gut gerücht sorget ser, kein falsche zung dir schade bei seiner ungenade. Klag, das dein zung in bitterm schmerz betrübet hat auch manig herz; bit, das got gebe alt und jung ein warhaftig heilsame zung, getreu und vol senftmüte. 9. Zum neunten du deins nechsten haus solt nit begeren. ler daraus, nit zu haben begirde deins nechsten stands und wirde. Dank got, das er dein ampt und stant treulich erhelt in seiner hant, die dir heimlich nachstellen nicht in ein unglück fellen. Klag got, hastu heimlich verletzt; deins nechsten haus girlich nachgsetzt; bit got, das er dir geb ein mut, das du begerst keins fremden gut, laß dich an deim benügen. 10. Zum zehenten fremd weib und kint knecht, meit, ochsen, esel und rint soltu gar nit begeren, nachstellen, noch geferen. Dank got, das er auch sorgt für dich, für weib, kint, knecht, meit und das vich, das dirs niemant verhetze, abdring, stel, noch absetze. Klag got, hastu dem nechsten dein begirlich entwendet das sein; bit einen guten geist von got, zu wandlen in allem gebot nach seinem willen. amen. Glaubensbekenntnis (1530.) 1. Wir glauben all an einen got, schöpfer himels und der erden, der sich zum vatter geben hot, das wir seine kinder werden. Er selb wil uns erneren, leib und sel auch wol bewaren, allem unfal wil er weren, kein leit sol uns widerfaren; er sorget für uns, hüt und wacht, es stet alles in seiner macht. 2. Wir glauben all an Jesum Crist, seinen sun, an unsern heren, Der ewig unser heilant ist, durch den wir gezogen weren, Das wir zu dem vatter kumen und im glauben und vertrauen, kein werk mag uns darzu frumen, allein muß er uns erbauen, Cristus, gottes son, in seim nam werd wir behalten allesam. 3. Wir glauben all, das Jesus Crist, uns vom heiling geist erkoren, On menschlich werk entpfangen ist und von Maria geboren, Der iunkfrauen, alleine; das unser entpfenknus auf erde und unser geburt unreine durch in gereinigt werde, von der verdamnus werd gefreit durch seine milte barmherzigkeit. 4. Wir glauben all, das Jesus Crist für uns sei am kreuz gestorben, Unser versüner worden ist, gnad unser sünt hat erworben, Und ist worden auch begraben, abgestigen zu den hellen, derhalb wir kein feint mer haben, der uns gewaltig künt quelen, weil er uns bunden hat sünt, hell und tot, bringen uns nit mer in ewig not. 5. Wir glauben all, das Jesus Crist am dritten tag auferstanden Uns wider von den toten ist, das wir von der sünden banden Durch in werden auferwecket, wandlen in eim neuen leben, von sünden werden abgeschrecket, uns im genzlich ergeben, und auf diser ert wandlen fort allein nach seim heiligen wort. 6. Wir glauben all, das Jesus Crist sei gen himel aufgefaren, Da er ewig beim vatter ist und tut gnediklich bewaren All sein glaubige christen so sie herzlich zu im schreien in not, vor irer feinde listen wil er sie bschützen und freien, er hat allen gwalt in seiner hent in dem himlischen regiment. 7. Wir glauben all, das Jesus Crist widerum am jüngsten tage Von dem himel zukünftig ist, zu richten on all klage Lebendig und auch die tote, den teufel samt allen bösen verdammen in helle note und die glaubigen erlösen von allem übel, angst und not, zu leben ewiklich mit got. 8. Wir glauben an den heiling geist, der gotheit die dritt persone, Der uns mit sein genaden speist und zünt sein lieb in uns one; Er tut uns auch sterke geben, der sünt feint werden und meiden, zu füren ein cristliches leben, tröstet uns in allen leiden, hilft unser schwachheit, würkt in uns den willn got vatters und des suns. 9. Wir glaubn all, das der heilig geist regiere die cristlich gmeine, Die man die cristlich kirchen heist, ist ein gespons Cristi reine, Versamlet alhie auf erden in glauben, tauf und einem sinne; niemant mag selig werden, wer nit beleibet darinne; der ist verloren und kein glid Cristi dort in ewigem frid. 10. Wir glauben, durch den heiling geist die sünt uns werden vergeben, Wie uns denn Cristus selb verheist, weil wir hie in diesem leben Teglich in vil sünde fallen, balt wir die herzlich bereuen, so hilft er uns aus den allen, tut den glauben verneuen; der sünden bande er auflöst, unser blödes gewissen tröst. 11. Wir glauben, das der heilig geist uns auch auferwecken werde Am jüngsten tage allermeist wie man uns grub in die erde, In einem geistlichen leben uns himlisch klarificiren und die unsterbligkeit geben, von leiblichen begiren ledig und gar quit, nach dem ellent in der letzten gmeinen urstent. 12. Wir glaubn auch, das der heilig geist allen cristen dort wert geben Durch den vatter und sun gepreist ein ewig seliges leben, In den himelischen trönen, bei der auserwelten schare, das wir ewig gottes lob tönen. das uns solches widerfare, das helfe Cristus allen cristen. wer das beger, sprech amen. Von den siben broten In dem ton als man unsers heren rock singt. (1530.) 1. Marcus schreibet am achten klar: als vil volkes bei Cristo war und hetten nicht zu essen, ruft Jesus sein jünger zu sich und sprach: »des volkes jamert mich, drei tag sints hie gesessen. 2. Wan sie nun nicht zu essen han, und laß ich sie ungessen gan, sie werden schwach von note, wan etlich sint kumen von ferr.« sein jünger sprachen zu im: »herr, wo nemen wir dan brote, 3. Das wir sie speisen in der wüst, und in der hunger werd gebüßt?« und Cristus sie do fraget, wie vil sie hetten brotes all. sie sprachen: »siben an der zal.« Cristus gebot und saget 4. Dem volk, zu legern auf die ert, und nam die siben brot so wert und sie do benedeiet, brach sie und gabs den jüngern sein, die legten für dem volk gemein, des wart ir herz erfreiet. 5. Auch war ein wenig fischlein hie, und Cristus benedeiet sie, hieß für tragen der schare; sie aßen all und wurden sat, sein jünger huben an der stat auf, was do übrig ware. 6. Brosem siben körb, solt verstan! es waren bei vier tausent man, on weib und kleine kinde, die Cristus da gespeiset het. er ließ sie von im an der stet und fur von in geschwinde. 7. Hört zu, ir werten cristenleut, was dise dürr wüste bedeut, darin wir hunger liden: bedeut menschen gesetz fürwar, on frucht und alle tröstung gar, das gwissen zu befriden. 8. Wenn wir ligen in hungers not und haben nicht das geistlich brot, verschmachten als die armen, so kumet Cristus unser her und jamert sich des volkes ser durch sein miltes erbarmen. 9. Dan leßt er uns fürtragen schon das heilig euangelion durch sein heilige junger; deuten all christlich prediger, die uns speisen durch gottes ler für den geistlichen hunger. 10. Das brot sein götlich wort bedeut, darin er uns sein gnad anbeut, er habe uns erworben bei dem vatter ewige hult und hab bezalet unser schult, er sei für uns gestorben. 11. Wenn wirs von herzen glauben ton, so seien wir gesettigt schon durch den heiligen geiste, und brauchen uns der reinen lieb gen dem nechsten in steter ieb, wie uns got hat beweiste. 12. Siben körb vol das übrig war bedeutet gottes gnaden klar, überflußig, an zale, die er uns noch teglich beweist, geistlich und leiblichen er speist an leib und sel uns alle. 13. Vier tausent man, die großen zal, bedeut uns cristenmenschen al, die Cristus teglich speiset mit seinem wort für hungers not. Cristus du himelisches brot, dein nam der sei gepreiset! Gottes geist versichert unsern geist In dem starken ton Nachtigal. 11. mai 1530. 1. Paulus hat uns beschriben an dem achten ad Romanos und spricht: »ir herzenlieben, so ir seit des glaubens genoß und halt den geist, den got in euer herze goß, durch das wort seine reine, das ich euch tet verkünden, Hat got sein geist uns geben, so sint fürbas nit schuldig wir, nach unsrem fleisch zu leben, zu erfüllen sein bös begir, den wo nach des fleischs wollust wolt leben ir, würt ir verderben, sterben von wegen euer sünden. So wir sint auserkoren, töten durch gottes geist des fleisch wollüste, so entrin wir dem zoren und werden leben in dem geist gerüste; dan welche der geist gottes treiben tute und geit in einen gotseligen mute und sie vor sünden helt in seiner hute, die selbig sinde kinde gottes geistlich geboren. 2. Nun habt ir überale entpfangen kein knechtlichen geist, das ir euch abermale müsset hert fürchten allermeist, das euch von got ein ungenade wert beweist, das das gesetze letze euch mit ewigem schaden: Sunder ir habt entpfangen einen kintlichen geiste rein, durch den wir mit verlangen schreien: »Abba, o vater mein!« und haben unser zuflucht ganz zu im allein in unser schwere; ere ist uns reichlich begnaden. Der selbig geist versiegelt unsern geist des, das wir sint gottes kinder; sein klarheit in uns spiegelt vergöttet unsern geist und macht uns schwinder in glaub, hofnung und in der lieb, geistglütig, frolich, friedreich, freuntlichen und senftmütig, keck, trostlich, langmütig, gedultig, gütig, und in got scheftig kreftig in der kintschaft verriegelt. 3. Sei wir dan gottes kinder, so seien wir auch erben ie, gottes erben nicht minder und miterben Jesu Cristi, so wir anders auf erden auch mitleiden hie und unser leben geben in das kreuz willikleiche Und tragen gar geduldig des kreuzes bürde mancherlei, ob wir leiden unschuldig wiß wir, das unser vater sei, der uns dis tut, der sel zu einer arzenei, das fleisch zu dempfen, kempfen wider der sünden reiche; Als dan wir allesamen der sünden reich entlich in uns ersterben, darnach in Cristi namen wir durch den geist das reich gottes ererben und werden mit Cristo in der klarheite erhaben auch zu seiner herlikeite, mit im zu leben in ewiger zeite. wer das begere, dere spreche von herzen amen. Wider den blutdürstigen Türken! In bruder Veiten ton. (1532.) 1. Her got in deinem reiche, im allerhöchsten tron, Schau an, wie grausamleiche der Türk facht wider on, Verfolgt die cristenheite mit gfengnus, mort und brant ietzund in dieser zeite durch das ganz Ungerlant. 2. Das lantvolk leidet note bis an das Mehrerlant Von der streifenden rotte, die alda hat verbrant Sibenzig dörfer mere und alles volk darin on alle gegenwere ermört, gefüret hin. 3. Und tut stets fürbas streifen im ganzen lant herauf Und ist noch weiter greifen, und wo der gwaltig hauf Eilents hernach wirt rücken, als er auch vormals hat beweist mit hintertücken, zu Wiene vor der stat. 4. Wo der im lant erobert die haubtstet in der eil Und das geschoß erkobert, so hat er den vorteil, Das er ganz teutsches lande damit ellent verwüst, mit mörden und mit brande, das got erbarmen müst. 5. O großmechtiger keiser, Karel der fünft mit nam, Ein gewaltiger reiser von keiserlichem stam, Erzeig keiserlich mechte an dem türkischen her, das die cristen durchechte, durch keiserliche er. 6. Erschwing das dein gefider, du teurer adaler, durch des reiches gelider; nach küner heldes ger Würf auf des reiches fanen, samel ein here groß mit auserwelten manen, zu fuß und auch zu roß. 7. Wach auf, du heiligs reiche, und schau den jamer on, Wie der Türk grausamleiche verwüst die ungrisch kron! Sei einig unzuteilet, greif tapfer zu der wer, e du werst übereilet von dem türkischen her. 8. O du löblicher bunde in Schwaben, tu darzu, Auf das der türkisch hunde nicht weiter fressen tu. Wan es ist hohe zeite, das man im komme bei; on recht und billigkeite treibt er groß tirannei. 9. Ir durchleuchtigen fürsten ganz teutscher nation, Lat euch nach eren dürsten, bringt keiserlicher kron Aus eurem fürstentume ein reising zeug zu felt, erlanget preis und rume vor got und vor der welt. 10. Ir lantherren und grafen, secht, wie der Türk gewint; Greift tapfer zu den wafen mit eurem hofgesint, Komt in das her geritten zu keiserlicher macht, das der Türk werd bestritten, erlegt mit großer schlacht. 11. O strenge ritterschafte ganz teutscher nation, Ueb ritterliche krafte an ungerischer kron; Beschütz witwen und weisen, als dir dan zugehört, der in des Türken reisen on zal werden ermört. 12. Wach auf, du teutscher adel, in eren stet und fest, An manheit hetst nie zadel, tu in Ungarn das best; Errett die zarten frauen und auch die kleinen kint, werden ermört zerhauen vom argen Türken blint. 13. Ir bischof und prelaten, schickt auch den euren teil: Getreit, volk und ducaten, dem cristenvolk zu heil; Hirten seit ir gesetzet der cristenlichen hert, die wirt ser hart geletzet von des tirannen schwert. 14. Ir reichstet all geleiche, nu schickt euch in das felt Mit dem römischen reiche, mit gschoß, pulver und zelt; Laßt euer macht erscheine im keiserlichen her mit fußvolk, und nit kleine erwerbet preis und er. 15. Ir cristlichen regenden durch alle königreich In geistlich, weltlich stenden, was cristen sint geleich Aus aller natione, wie ir seiet genant, dem keiser tut beistone ein zug ins Ungerlant. 16. Frisch auf, ihr reitersknaben, manch wunder küner mon, Lat eure rößlein traben mit keiserlicher kron; Tut euer glenen brechen mit der türkischen rot, tut an den hunden rechen manch unschuldigen tot. 17. Wolauf, ir haubtleut gute, nemet vil landsknecht on, Fürt sie mit freiem mute zu der ungrischen kron Und seit gut anschleg machen bei nacht und auch bei tag, fürsichtig in den sachen, das man den Türken schlag. 18. Ir büchsenmeister alle, nun rüst euch, es ist zeit, Ins Ungerlant mit schalle zu sturme und zu streit! Lat eure haubtstück hören durch berg und tiefe tal, den Türken zu verstören, der sich regt abermal. 19. Ir freien büchsenschützen, nun machet euch herbei, Lat euch an Türken nützen mit pulver und mit blei; Lat euer hantgschütz knellen wol in des Türken her, ob ir in möcht gefellen, erlangen preis und er. 20. O ir frommen landsknechte, macht euch balt in das felt, Des krieges habt ihr rechte vor got und vor der welt; Mit spieß und hellenbarten greifet den Türken an und tut sein tapfer warten, als ir vor habt getan. 21. Spant an, ir lieben bauren, die herwegen allsant, Lat euch kein mü nit dauern zu füren die prabant Mit harnisch, wer und spießen! die wegen nützt man mer: ein wagenburg zu schließen um das keiserlich her. 22. O keiserliches here, halt cristlich maß und zil: Nicht zutrink oder schwere und hüt dich vor dem spil; Kein frauen tu nicht schenden, und nim niemant das sein, laß dich kein geiz nicht blenden, leb deines solds allein. 23. Und laß got alles walten dem cristenvolk zu schutz, Und treulich zu erhalten das reich und gmeinen nutz, Und das teutsch vatterlande zu retten in der not all von des Türken hande, und hoff allein zu got. 24. Und wirstu also leben in dem türkischen krieg, So wirt got warlich geben dir vetterlichen sieg, Für dich gewaltig streiten in diser großen quel, als er oft tet vor zeiten seinem volk Israel. 25. Ir christen auserkoren, ruft einmütig zu got, Das er ablaß sein zoren, helf uns aus aller not, Verzeich uns sünt und schulde die der plag ursach sen, geb uns genad und hulde. nun sprecht alle amen. Antwort auf alle strafer Im kurzen ton Müglings. 20. octob. 1534. 1. Ich hab begeret lang, zu horen gut meistergesang, daraus zu lernen im anfang gut sitten, tugent, scham und zucht, Als ich hie funden han; doch habt ir hie ein lumpenman der nichs dan schmehen, schenden kan gleich wie ein hüppenbub verrucht. Den solt ir von euer gselschaft ausschließen und vor der tür mit laugen wol durch gießen, als het er tun verließen sein hüppen und das hüppel faß 2. Die weil er on verstant mich schmehet hie durch seinen tant, das ist der werten kunst ein schant, meistergesang ein hindernus; Billich ist, so er schmecht, das er geleichen lon entpfecht, widergelten ist nit unrecht; wer keglen wil aufsetzen muß. Doch wil ich sein aus dismal noch verschonen, seiner scheltwort mit scheltwort nit belonen, sunder treulich vermonen, das er sein fatzen unterlaß. 3. Wil er erlangen er, so sing er keinen strafer mer, sunder gut cristenliche ler aus alt und neuem testament Und alt römisch geschicht, sunst ander hofliche gedicht: alsdan man im sein lob auch spricht und keinen hüppenbuben nent; Und ist dan wert bei alter und bei jugent, so sein gesang lert gut sitten und tugent, als die weisen fürtrugent; ist er weis, so verstet er das. Die insel Bachi Im rosenton Hans Sachsen. 1. Als ich das neu weltbuch durchlase, wie vil insel durchfaren wase die neu schiffart von Portugal, darein ich wunder ane zal funt, gar von seltsamen refieren, von menschen, vögel, fisch und tieren; Zu nachts trieb mich die fantaseie in ein schwere melancholeie, nach zu gründen den dingen tief, bis ich entlich darin entschlief. do traumet mir so eigentleiche, wie ich in Portugal dem reiche Ausfüre auf das weite mer in einer naue mit eim her für manche insel groß und weite. entlich kam wir in kurzer zeite zu der insel Bachi mit nam auf eim klar glaslauterem stram: da weet Zephirus der wint, die naue gieng stil senft und lint. 2. Die bletter gleich den harfen klungen, die vögel lustiklichen sungen, das frei gewilt sprang in dem hag, die fisch schnalzten in warmer wag; die insel stunt voller weinreben: in hohen freuden war wir schweben. Kürzlich war unser freud uns bitter; ein sturmewint und ungewitter her durch die schwarzen wolken hal, licht blitzen, grausam donnerstral, die wellen an die naue schlugen, mit kreften wir die ruder zugen. Der stram war eitel blut und schwarz; schlangen, kröten sach ich aufwarz schwimmen; fledermeus und die eulen, löwen, wölf, beren hort wir heulen; verdorrt waren reben und baum, die vögel schwiegen in dem traum; unser naue war schwach und kracht; im augenblick ich auferwacht. 3. Ich dacht: der traum vergleicht sich eben Bacho, dem got, welcher tut geben eßen und trinken auf das best, macht frölich beide wirt und gest; auch tut er allen wollust bringen mit saitenspil, pfeifen und singen, Mit tanzen, spil, schwenk mancher weis, sam sei man in dem paradeis, bis das man gar feucht wirt vom wein; so schlegt entlich der donner drein mit ungestüme, gleich den toren, die zanken, schreien und rumoren. Aus füllerei auch folgen tut schant, laster und auch die armut, kopfwe, krankheit aller gelider; vernunft und sin ligen darnider, sterk und gedechtnus sie abstürzen, des menschen leben sie verkürzen. doctor Freidank spricht: mer leut sterben von füll, dan durch das schwert verderben. Homerus henkt sich selb In dem vergulten ton Wolfram. 24 merz 1535. 1. Homerus der poete einsmals beim mer spazieret, da saß der fischer rot Die sich verlauset hete, als er zu in refieret und seinen gruß in bot Und fraget, was sie da heten gemachet, der schlechten frag wurd er von in verlachet antworten im aus spot: 2. »Die wir haben gefangen die selben hab wir niemer«; und meinten ire leus: »Und die uns sint entgangen, die selben hab wir iemer. meister, die frag aufschleuß!« Homerus trachtet nach der frag gar scharfe und sein gedanken auf die fische warfe, dacht, es wer etwas neus. 3. Als er nit mocht erdenken, zu lösen auf die frage; wurt er sinnlos zerstreut Und tet sich selber henken – nach Policratis sage. hie merkt ir weisen leut: Wölt ir nit grab werden in kurzen jaren, so brecht die köpf nit, all ding zu erfaren, das der weis man verbeut. Der Secundus In der gesangweis des Römers. 2. april 1535. 1. Als Secundus philosophus, der meister hoch von Athen, viler meister hohe schul durchzoch, das er alle freie künste möcht leren; Eins mals hort er zu schul, wie von natur die weib weren geiler, fürwitziger, unkeusch von leib weder die man, verwegen irer eren. Als er nun in sein vatterlant kam, der freuntschaft entwachsen, nach vil jaren, auch seiner muter unbekant, an der meint er die warheit zu erfahren. heimlich er um sie bulen wart; durch hohe bit sein muter wurt beweget und in gewert nach weibes art. als er sich beizuschlafen zu ir leget lag er, als einem sun gebürt, züchtig bis es wart tagen, das er sein muter nit berürt; als sie das spürt, wurt in verwundrung sie gefürt, tet trutzig zu im sagen: 2. »Was bistu zu mir kumen zu versuchen mich?« Secundus sprach: »es zimet mir mit nicht, das ich einge, da ich bin vormals ausgegangen.« Die frau sprach: »wer bistu, der dises hat geton?« do antwort er: »wiß, ich bin Secundus, dein son.« do wart das weib mit solcher scham umfangen, Das sie vor seinen augen starb. als Secundus sah, das durch sein anzeigen sein muter so gehling verdarb, da setzet er im für ein ewig schweigen, seiner zungen zu straf und buß. als keiser Adrianus das vernume, sant nach im, da stunt Secundus stilschweigent vor dem keiser wie ein stume; zu reden im der keiser bot, doch schwieg er auf sein fragen. der keiser meint, er trieb den spot; in zoren rot verurteilt er in zu dem tot, sein haubt im abzuschlagen. 3. Der keiser den henker doch unterricht vorhin, wan er niderkniet, so solt er vermanen in, zu reden, darmit zu fristen sein leben Und wen er redt, solt er den kopf im hauen rab; schwieg aber er, solt er den strick im schneiden ab und in frei quit ledig los wider geben. Als er nun niderkniet nachmals, sprach der henker: »red, so mag dir gelingen.« schweigent aufrecket er sein hals, der henker stecket ein des schwertes klingen, fürt in wider zum keiser, der bot, wolt er nit reden, das er doch schriebe. man bracht papier und dinten her, der keiser in mit hoher frag umtriebe von got, himel und element, die er schriftlich erkleret und blieb forthin alzeit schweigent bis an sein ent, leret allein mit seiner hent vil hoher kunst beweret. Der eiszapf In dem lieben ton Caspar Singer. 20. febr. 1536. 1. Zu Venedig ein kaufman saß, der über mer gefaren was nach kaufmanschaft, als ich es las; im vierten jar kam er mit reicher habe; Als er kam in das hause sein, sach er laufen im sal allein ein zwijeriges kneble klein in weißem har; er sprach: »wes ist der knabe?« Die frau sprach: »hör! in einer nacht lag ich und war ganz munder, und so herzlich an dich gedacht, ein eiszapfen herunder aß ich vom dach; von des natur ich schwanger wur. ist das nit ein groß wunder? 2. Schau an, mein man, von disem eis gebar ich dises kneblein weiß.« der man vermerkt den list mit fleiß und wol verstant, das sie ir e het brochen; Tet doch als nem er sein nicht war. als der knab alt wurt vierze jar sprach er: »mein weib, nim war, ich far in fremde lant drei jar und etlich wochen. Den knaben wil ich nemen mit, das er mein handel lere.« dem weib gefiel der anschlag nit, und weret dem man sere. zu widerbringen er verhieß; erst sie in ließ hin füren über mere. 3. Da verkauft er den knaben frei einem kaufman in die Türkei, fur wider heim; die frau die schrei: »wo hast mein kint gelaßen auf der reise?« Er antwort: »da wir furen hin, die sunn so überhitzig schien auf deinen sun, und hat auch in zerschmolzen schwint zu wasser wie ein eise.« Die frau den list gar wol verstunt, dacht an ir falsch fußtapfen; stilschweigent sie die wort verschlunt, recht wie ein hunt ein krapfen. darum wer weit ausreis, der schau, das im sein frau die weil eß kein eiszapfen. Der künig Eckhart In dem hohen ton des Stollen. 1. april 1536. 1. Künig Eckhart aus Frankenreiche sein leben lang nie lachen tet, war alzeit ernstikleiche, was man kurzweil anfieng auf diser erden. Eins tags wurt in sein bruder fragen, warum er nie gelachet het? der künig gunt im sagen: »morgen soltu der ursach innen werden.« Der künig hieß, das man aufblies fru vor seins bruders haus, und ließ in nemen an als einen man, den man solt richten und abtan. man füret in gen hof hinein, der künig im in zornes schein auf setzet balt die krone sein, schmückt in, sam er der künig wer, 2. Und ließ in auf sein trone sitzen, der stunt ob einem tiefen loch, darinnen sach er glitzen von kolen rot ein glut, wart auf sein falle. Ob seinem haubt hieng, zu erschrecken, ein schwert an einem faden hoch; für im stunt auf vier ecken zwelf man mit lanzen, zilten auf in alle. Der künig vil der freuden spil zurichten ließ, kurzweil on zil mit cantorei und mancherlei saitenspil, süßer melodei, als was zu freuden dienen was. des künigs bruder traurig saß in sorgen groß on unterlaß, all frolikeit war im unmer. 3. Der künig sprach zu diesen sachen: »bruder, wie das du traurig bist? magstu der freud nit lachen?« er sprach: »die sorg hat mir mein herz beschloßen.« Erst sprach der künig unverborgen: »also mein herz umfangen ist alzeit in großen sorgen, weil die welt ist mit untreu übergoßen. Das regiment in meiner hent hat vil anstöß an manchem ent, derhalb ist mein freud alzeit klein. darum laß ich mein lachen.« hiebei gedenk ein weiser man, was unfals im wol zu mag stan, so wirt ims lachen wol vergan. vil lachens ziert ein narren baß. Das schneckenhaus In der hönweis Wolframs. 4. april 1536. 1. Eschylus der poete war in Sicilia, Gieng an des mers gestete und setzet sich alda In ein blumreiche wiesen mit bloßem haubte frei, darin im solt zufließen die kunst der poetrei. 2. In hohem luft herfluge ob im ein großer ar, Der ein schneckenhaus truge welches sein speise war. Als unter sich blickt ere, sach das kal haubt allein, vermeinet er, es were ein weißer kieselstein, 3. Und das schneckenhaus warfe auf das kal haubt herab; Traf Eschylum so scharfe, das er sein geist aufgab – Valerius tut schreiben. daraus man wol erfert das sprichwort war beleiben: eim sei sein tot beschert. Der abenteurer mit dem or In dem hofton Marners. 7. juni 1536. 1. Ein abenteurer kame einsmals gen Frankfurt in die mes, zu einem seidenkramer er sich stellen was, der köstlich seiden borten het feil, unten am Maintor; In seine hent er name ein stück borten und fraget des: »kremer, wie geistu mir ein trum borten und das mir von einem or reichen tet bis an das ander or? Auf das mir mein biret fürhin der wint nicht werfe in das kot?« der kremer listig ware, um ein weißpfennig im das bot, dacht: »er darf ir nicht über ein elen.« nun secht, balt gab im diser dare den weißpfennig, der kauf was schlecht. der kremer nam die seidenborten bei dem trum hielt im das an ein or, verstet, und als er maß hinum – 2. Das wunder wolt in freßen, weil er das ander or nit fant. er sprach: »wo ist das ander or, du dumer tor?« und in gar ernstiklich anblickt. der abenteurer sprach: »Kremer du must mir meßen gen Ertfurt in das Dürgner lant! da findst am pranger genagelt das ander or, alda mirs der henker abzwickt. miß hin, ich wil hinach.« Der kremer sprach: »das tu ich nicht. gen Ertfurt ist wol dreißig meil; mir kleckten nicht all borten, die man ietz hat zu Frankfurt feil. nem dein weißpfennig; der kauf sei dir abgesagt.« diser mit wenig worten loff und dem bürgermeister klagt, der kremer wolt im nit halten bezalten kauf. nach im der burgermeister schickt. da war ein groß zulauf. 3. Der kremer nicht dest minder beklagt den falschen hinterlist. der burgermeister sach sie alle beide an, dacht: »der ein treibt groß triegerei, der ander ist nit rein; Wol zwei verbrente kinder: Eck an den Berner kumen ist.« der burgermeister gab in zu vier redlich man, was die sprechen; da bleib es bei eim fuder roten wein. Hiebei ein biederman bedenk: wer kaufen und verkaufen wel, das er die war tu schauen, das man in nicht mit überschnel, weil all kaufhendel stecken großer schalkheit vol; und welcher wol tut trauen, dem gret sein kaufmanschaft nit wol, weil Trauwol hat das roß gar oft geriten hin, der werd mit fremdem schaden frei und brauch vernunft und sin. Die sechs Römers sön Im gulden ton Rogenbogen. 11. juli 1536. 1. Ein senator zu Rome saß, der selbig auferzogen het sechs junger sön; in seinen alten tagen, Als im der tot nun nehen was, die knaben er berufen tet, sprach: »meine sön, ich hab euch was zu sagen: Bring mir ieder ein heslen stab, darnach wil ich machen mein testamente.« zuhant bracht im ein ieder knab ein steblein, gabs dem vatter in die hente. der vatter nam ein riemen und die steblein er zusamen bund, darmit er zu dem eltsten sun sich wente; 2. Sprach: »nim die steblein, sie zubrich!« der sun bog sie über ein knie; sie brachen nit; der vater gabs zu hande Den fünfen, die versuchten sich, doch mocht sie keiner brechen nie; der alt die steblein widerum aufbande. Dem eltsten sun gab er allein sein steblein und das ers solt brechen abe; er brach es mit den henden sein; den fünfen auch iedem sein steblein gabe, das ietlicher gar balt zubrach. darnach der alte zu in sprach: »hie nem ein ieder ler bei seinem stabe: 3. Weil sie waren bunden zusam, da mocht ir sie zerbrechen nicht, wan sie hielten all sechs stark ob einander; Balt einer von dem andern kam, wurden sie schwach, machtlos, entwicht und wurden auch zerbrochen alle sander. Also, ir lieben söne mein, weil ir in lieb bleibt zusamen gebunden, einer des andern schutz wil sein, so bleibt ir reich und auch unüberwunden. halt ir nicht ob einander schutz und sucht ieder sein eigen nutz, so wert ir gen zu grunt in kurzen stunden.« Die ameis und der grill In dem süßen ton Harders. 13. septemb. 1536. 1. Durch Esopum ist uns beschriben, wie ein ameis zu kalter winterzeit ir koren trucknen welt am luft und set es ausgebreit. Ein grill durch hunger wurt getriben, bat die ameis, zu teilen mit sein speis, das er im winter nit verdürb. do sprach die ameis weis: »Was hast tan in den sumerlichen tagen, das du dir nicht hast koren eingetragen?« der grill wart wider sagen: »den sumer lang ich frolich war und sung, und durch die zeun und grünen büsch ich hin und wider sprung.« 2. »Hast im sumer gsungen und gsprungen«, sprach die ameis, »so sing im winter auch; die speis hab ich getragen ein für mich, das ist mein brauch.« Bei der ameis verstet ein jungen man, arbeitsam, emsig mit hohem fleiß, der sein narung zusamen helt und spart zimlicher weis, Auf das, wan in das alter nun begreife, das in sein har felt der kalt winterreife und im sein kraft entichleife und im get an seinem gewinnet ab, das er an vor erspartem gut ein winterzerung hab. 3. Zum andren verstet bei dem grillen ein jungen man, nachleßig, trag und faul; was im gewinnen beide hent, vernascht das einig maul. Verzert sein jung tag in mutwillen, in müßiggang, spil und bulerei arg; wer nicht wie er sein gut verpraßt, heißt er filzig und karg. Tut er in jugent also jubilieren, im alter tut in nach der sunnen frieren, so tut in erst vexieren die streng armut mit mangel und gebruch, so er muß in dem alter erst meen am hungertuch. Die neun ellenden wanderer In der abenteuerweis Hans Folzen. 13. october 1536. 1. Neun ellent wandrer tut verstan: der erste ist ein karrenman: ietz bricht im iens, ietz bricht im das, groß ungewitter, böse straß, und was mit marter er erfert, er darnach im wirtshaus verzert. Der ander wandrer, sei gemelt, ist, so ein weib get über felt, im gen wirt sie machtlos und schwach; muß leiden vil anred und schmach; ein ieder wil ir bule sein, wo sie kert in ein wirtshaus ein. Der drit ein hantwerkgsel genant, dem tut das laufen we und ant, und wirt gar oft irr auf dem weg, wan er weiß weder straß noch steg, get blasen und den wolf darzu, ligt im wirtshaus lang in der ru, bis er verzeret gelt und wat, das er vor lang ersparet hat. 2. Der viert: ein bot, weiß straß und weg zum allernechsten furt und steg, doch wirt er müd wie iedermon; hart erarnet ist botenlon, iedoch tregt in das trünklein hin; des hat der wirt den grösten gwin. Der fünft: ein kramer, get zu Fuß und sein kramschatz selb tragen muß durch rauber, schnapphanen dergleich auf jarmerk und alle kirchweich, den gwin oft zum haubtgut verzert, so er oft in das wirtshaus kert. Der sechst: ein münich, so der kes samlet, so sein die beurin res und sprechen, er sei stark und faul, ob man im füllen sol das maul, das er auch arbeit, hack und reut und ner sich auch wie ander leut; kumt er heim, bringt der kes nit vil, erst man in auch vexieren wil. 3. Der sibent: ein betler, verstet, balt er zu einem dorf einget, so tun die hunt im vil zu leit; im winter hat er kaltes kleit; in peinigen die haderleus, sein brot eßen die spitelmeus. Der acht: ein reuter, ist gemelt, so er zu fuß trabt über felt, tregt stiefel, sporen an dem schwert; so er hat weder gelt noch pfert, wil auch kein wirt in herbring me, und tet das gen im noch so we. Ein landsknecht ist gar wol der neunt, wo er zeucht, hat er wenig freunt, man sicht in übert achslen an, se in vil lieber aushin gan; er gart und krieget oft ein beut, das er muß zalen mit der heut. weil wandren we tut überaus, wöl wir bleiben in dem wirtshaus. Das narrenbad In der radweis Lieben von Gengen. 15. decemb. 1536. 1. Zu Meilant saß ein hochgelert doctor der arzeneie; all, die man im bracht beie, beraubet irer sin, er wider sinnig macht nachmals durch ein seltsamen brauch: Er hat ein hof, der war verspert, darin ein tiefe lachen. wen er wolt witzig machen, den badet er darin, setzt in erstlich nein bis an hals, darnach bis an den bauch. Der einer gieng um in dem hoff, der schon halb sinnig ware, und zu des hofes türe loff; da kam geriten dare ein jeger offenbare; zwen winden loffen mit, fürt ein falken nach jegers sit; zu dem sprach der toll gauch: 2. »Warauf sitzstu, das nenn du mir.« ein pfert er im das nente. »was fürst du auf der hente?« sprach er: »das ist ein falk.« er sprach: »was fürst am strick fürwar?« er sprach: »es sint zwen hunt.« Der töricht sprach: »was nützet dir pfert, vogel, hunt darbeie?« er sprach: »zu jegereie, das ich die vogel walk.« er fragt: »was kostens dich ein jar?« er sprach: »wol tausent pfunt.« Er sprach: »was sint die fogel wert, die du mit tust ertappen?« er sprach: »zwen gulden an gefert.« »fleuch! hab dir drüs in lappen! tet dich mein her erschnappen, du großer narr und flat, er setzet dich ins narrenbat, sprach er, bis an den munt.« 3. Noch fint man solcher narren vil die doplich mer verzeren, dan ir pflug mag ereren, verachten alle straf, bis sie verderben in den grunt, e sie es werden in, Mit hurweis, trunkenheit und spil, singen, schießen und fechten, krieglaufen, zank und rechten, bauen, faulkeit und schlaf: den wer das narrenbat gesunt und scherfet in ir sin. Ich weiß ein gutes narrenbad, darein wil ich auch sitzen; mich dünkt, es wer mir nit fast schad, ob ich da möcht erschwitzen, kumen zu rechten witzen und halten weislich haus, auf das ich kum mit eren aus. wolauf, wer wil dahin? Der abt im wiltbad In dem hofton Jörg Schillers. 20. januar 1537. 1. Ein abt war in dem Beierlant, sein abtei, die ist weit erkant und heißet zu Rauschhofen; Der aß und trank das allerbest das er wart feist und wolgemest, groß wie ein kachelofen. Zuletzt wurt im eng um die brust, und mocht gar nit mer eßen, allein het er zu trinken lust; groß forcht het in beseßen. nach rat der arzt er in ein wiltbad fure, das im geholfen wure; zwen münich nam er mit nach eines abtes sit. 2. Als der abt fur durch einen walt, da sprenget in an aus eim halt selb drit ein edelmone, Sprach: »wer bistu und wo wilt hin?« er sprach: »ins wiltbad; her, ich bin ein geistliche persone.« Er fragt: »was wiltu im wiltbad?« er sprach: »ich mag nit eßen.« er antwort im: »ist das dein schad, so wil ich mich vermeßen, in drei tagen genzlich zu helfen dire. wolauf und far mit mire!« dem abt half gar kein bit, er must wol faren mit. 3. Als er den abt bracht in das schloß, sperrt er den in ein kamer groß, sprach: »du must trucken baden.« Ein tag er im drei arbeiß gab. der abt wart hungrig, nam ser ab und bat fast um genaden. Zu tisch lud in der edelmon, recht als ein wolf er fraße; achzg gulden schenkt er im zu lon und fur hin heim sein straße. also wer vol ist und nit eßen mage, versuch die kunst drei tage; dis wiltbad in purgirt, das er fein eßen wirt. Die vier junkfrauen Im blaben ton Regenbogen. 20. merz 1537. 1. Vier junkfrauen von hohem stam, die waren bei einander in eines grünen garten mit in wunn und frölikeit. Ignis Feuer, die erst mit nam, Aqua Waßer die ander Aer, der Luft, so war die drit Veritas, die warheit, Das war der junkfrauen die virt und sprach mit klugen sinnen: »zu euch dreien hab ich begirt, wo sol ich euch nun finnen?« das Feuer sprach: »schlag an ein stein mit einem stahel ganz, so findest mich darin allein mit einem lichten glanz.« 2. Das Waßer sprach: »wo binzen stan, da solstu graben eine, du finst mich in der wurzeln grunt, so oft du mein begerst.« Der Luft sprach: »zu eim baum tu gen, wo die bletter alleine rauschen und sich bewegen tunt, mein gegenwart bewerst. All drei sie sprachen wunsamlich: »du edele Warheite, wo sollen wir dan finden dich?« die Warheit sprach in leide: »o ir schwestern, mort über mort! ich hab kein eigen haus; man fint mich weder hie noch dort; iederman treibt mich aus. 3. Mich haßet der arm wie der reich, niemant wil mich herbergen, ich muß nun iemer für und aus, derhalb ich ellent bin. Dan alle welt tut sich geleich unter die Lüg verbergen; die fint man überal zu haus, wo einer kumet hin.« Wie Oseas am vierten klagt, kein warheit sei im lande, sunder list, lug und trug, er sagt, falschheit, laster und schande. wer ietzund genau suchen wil und luchsenaugen het, der sech der warheit auch nit vil, darum es übel stet. Der pfab mit dem kranich In dem hohen ton Fritz Ketners. 19. april 1537. 1. Eins tages het ein pfabe ein kranich geladen zu gast, welcher sich seiner gabe vor dem kranich berümet fast und warf auf seinen schönen schwanz, Der war guldin gespiegelt, glenzet von farben mancherlei: »die natur hat versiegelt mich über alle vogel frei, sprach er, durch meins gefiders glanz. Weil du hast solche zierheit nicht dein federn sint schwarz und gröblicht und dunkel gar an alle zir; mein gab ist weit ob dir.« 2. Der kranich sprach: »nicht streiten wil ich ob deiner fedren zir; die natur hat von weiten ein edler gab verlihen mir; das mein gefider fürt mich auf Zu dem gestirne schone unter des himels firmament bis zu der götter trone, das ich durchschau an alle ent die wunder, der ganzen welt lauf; So mustu bleiben auf der ert, dein leib mit hoffart ist beschwert, mein grabe federn mir doch sein nützer, wan dir die dein.« 3. Hie sol ein man betrachten, wo er het etlich gottes gab, das er kein tu verachten, der gleich der seinen gab nicht hab, es sei gwalt, reichtum oder kunst. Villeicht hat er entpfangen ein gab, die im bringt größer nutz, ob er gleich nit tut prangen; hat weder kunst, gewalts noch putz, so hat er etlich gabe sunst; Ob sie gleich nit so scheinlich sein, sint sie noch edler, wan die dein. ieder sich seiner gab gebrauch, veracht kein andern auch. Der bock mit dem wolf In dem schwarzen ton Klingsors. 4. decemb. 1537. 1. Groß wunder tu ich euch bekant, geschehen zu Rordorf in dem windischen lant, da man das heu leßt über jar zu felde; zu dem schlegt man des vieches hert den winter lang, schaf, geiß und bock, rinder und pfert, wie man die seu hie schlegt in die eichwelde. Nun begab sich, das ein geißbock auf eim heuschober fraße, darunter stunt ein pfert, das auch mit heu begeret aufzuschoppen seinen bauch; in dem kam ein wolf aus des waldes straße. 2. Der wolf auf den heuschober sprung, der bock mit seinem horen auf den wolf hindrung und in mit herten stößen wol entpfinge; Der wolf im nach dem halse schnappt, der bock von unten aufwerts mit den horen gnappt, den wolf beim kopf in seine horner finge. Der bock zog auf, der wolf zog ab, umrankten mit geferde; zu letzt trat der geisbock zu kurz, das er samt dem wolf nam hinab ein übersturz und fielen vom heuschober übers pferde. 3. Auf der ein seiten hieng der bock, auf der andren der wolf; hin über stein und stock loff das pfert heim zu haus mit großem prangen. Sein bauer wolt den wolf nur han, das wolt des bockes bauer nicht geschehen lan, sprach: »der wolf ist mein, mein bock hat in gefangen«; Und gaben sich beid in ein recht; es waren haderkatzen, verrechten beide mer, dan wert sie alle drei waren, wolf, geißbock und das pfert. wer das nit glauben wöl, der geb ein batzen. Die künigin Niobe In der osterweis Fritz Ketners. 19. april 1538. 1. Ovidius schreibt von der küngin Niobe, Amphioni vermelet wart dem könig Thebanorum reich und milt, die het vierzehen kinder mit im in der e, siben sün adelicher art und siben töchter engelisch gebilt. Die künigin sich übernam, ser pries ir kinder meng und schön. als auf ein tag das feste kam, da die Thebaner mit getön im tempel hielten festopfer Diane und Latone, der zweien göttin gar hoch gepreist, das selb die küngin hart verdroß, das man den göttin solche er beweist. 2. Niobe ire kinder küniklich bekleit und ungestüm in tempel sprang, tobet und wütet, als wer sie nit klug, Und schrei: »was brauchet ir hie für unsinnikeit, das ir hie opfert mit gesang Latone, die zwei kint im ebruch trug? Solch fest und opfer billich sint hie mein, der tochter Tantali, die euch gebar vierzehen kint in der e mit Amphioni!« also, mit hoffart gar betört, ret sie der göttin vil schmachwort; aber in kurzer zeit hernach kam Niobe in herzenpein durch der götter zornige straf und rach. 3. Ir starben dreizehen kinder auf einen tag vor iren augen, das sies sach, und blieb ir lebentig ein sun allein. Der könig Amphion in herzenleit und klag mit eignem schwerte sich durchstach und endet mit das traurig leben sein. Niobe aber ret kein wort so lang auf ert sie leben het, gieng stilschweigent, an freut verdort; wie das von ir schreibt der poet, wie sie sich bei ir kinder grab in ein steinseul verwandelt hab. hie mag ein frau wol merken bei, das sie mit keim kint poch noch prang, das sie durch hoffart es nicht selb beschrei. Die schererin mit der nasen In dem speten ton Frauenlobs. 18. juni 1538. 1. Zu Augsburg ein bulerin was, die neben eim balwierer saß, des frau ir kuplet solcher maß: durch ir haus sie den bulen oft einließe. Ein nachtes kam ir elich man, doch im der buler gar entran, bant er an einer seulen an sein weib und hart raufet, schlug und stieße. Er ließ sie bunden stan und gieng zu bete. die balwiererin kam und mit ir rete, ir bul wer noch in irem haus verborgen. die frau die schererin erbat, das sie sich bunde an ir stat, die weil die bulerinne spat zum bulen schlich, bis es nahet dem morgen. 2. Um mitternacht der man erwacht, flucht dem weib und ruft ir mit macht; die schererin schweig und gedacht: »gib ich antwort, so kost es meinen leibe.« Als sie nun lang kein antwort gab, lief er grimig die stiegen ab und schneid ir balt die nasen rab, wan er vermeint gewis, es wer sein weibe. Vor tages kam sein weib vom bulen wider, hort, was ir gspilen was geschehen sider; die löst sie auf und bant sich an ir state, und schrei laut: »du verfluchter man! got hat an mir ein zeichen tan, mein nasen mir geheilet an, mein unschult anzeigt durch die wundertate.« 3. Der man kam und fiel ir zu fuß: »dein unschult ich bekennen muß, sprach er, ich wil dir sein zu buß.« die frau kapitelt in mit worten scharfe. Die schererin ein list sann aus; fru kam ir man aus dem wirtshaus, sie fieng an mit im einen straus, bis er mit einem scharsach nach ir warfe. Die frau schrei »mordio!« loff auf die strasen! »mein man mir abgeworfen hat die nasen.« der scherer wart mit ruten ausgehauen. darbei ein man leichtlich ermißt, wie war Sirach beschreiben ist: kein list sei über frauen list. wol dem man, der seim weib darf frolich trauen. Die goltgrub In der saurweis Hans Vogels. 26. septemb. 1538. 1. Plutarchus uns klerlich beschreibe, nachdem als Pytheus, der könig reiche, ein köstliche goltgrub het funden, im geiz er gar ersturbe Und seine burger heftig treibe, im bergwerk zu arbeiten allgeleiche, die irer gscheft nit warten kunden, darob mancher verdurbe. Zusam kamen all frauen und giengen zur künigin aus vertrauen mit klag, das sie hülf machen ende der großen arbeit schwer; wo kein mittel darin zu suchen wer, verdürb das volk ellende. freuntlich die küngin sprache: »get frölich hin, iede an ir gemache! ich wil euch hilflich sein, e das vergen zwelf tag; doch schweiget allgemein.« 2. Die künigin heimlicher, weise berufet all goltschmit der ganzen state und ließ sie auf das künstlichst machen ein tisch aus lauter golde, Darzu von golt allerlei speise, ganz höflicher art, schon nach allem rate. als der könig nach disen sachen heim kam und eßen wolde, Bereit man den golttische, darauf war gulden brot, vögel und fische künstlich. der könig frölich wure und lobt des werkes kunste; aber doch zuletzt des hungers inbrunste vexieret sein nature, hieß im zu eßen bringen. die frau bracht mer speis von guldenen dingen, der küng sprach zornig ser: »bring speis! es hungert mich! golts darf ich ietz nicht mer!« 3. Die künigin sprach: »lieber herr, schau! du leßt niemant kein ru mit goltgraben; das felt muß ungebaut verderben und all hendel abnemen, Dein volk verdirbt weit unde ferr ob deim golt, des du selb kein nutz magst haben; du must darbei selb hunger sterben.« der künig tet sich schemen; Nach den worten der frauen ließ er den fünften teil der bürger bauen das erz und die andern vier teile ließ er irs handels warten in der werkstat, zu felt und am weingarten. das kam dem volk zu heile und nam auf die ganz state durch diser wunderweisen frauen tate. des spricht Salomon: aus der weisen weiber herz erhalten wirt das haus. Die spinn mit dem zipperlein In der abenteuerweis Hans Folz. 8. april 1549. 1. Die spinn und auch der zipperlein kamen zusamen in gemein, iedes sein not dem andern saget. der zipperlein der spinnen klaget, wie er aus eines bauren haus so schentlich wer gejaget aus; Sprach: »am bauren tet ich mein prob; er was mir aber vil zu grob. ein gnorren het ich im aufschwellt, da meint er, er het im den bellt; schrot, kleien legt er über mich, verschont mein gar nicht truziglich; Er lud mist, ackert und auch sät, fur gen holz, drasch, haut und auch mät; des nachts lag er wol in der streu, oder im stadel in dem heu, suff waßer, fraß nur milch und kraut, erschwitzet ser, darob mir graut; unlustig wars haus überal, derhalb ich mich vom bauren stal.« 2. Die spinn sprach: »so wil ich hinaus, herbrig nemen ins bauren haus, da ich aufspannen wil mein netz für ein laden, daß ich auffretz schnaken und mucken überal, der ich da fint mit überschwal, Da ich wol sicher hang fürwar, das man mich in eim ganzen jar mit keinem besem keret ab, da ich ein sicher wonung hab. aus eines burgers haus ich kum, da man mir schier mein leben num: Wan der hausknecht und die hausmeit teten mir teglich vil zu leit, zurißen mir als was ich spann, kaum ich oft in ein loch entrann, hielten das haus sauber und rein, jagten aus mucken groß und klein, daß ich schier hungers starb darin; darum ich ausgezogen bin.« 3. Zu der spinn sprach der zipperlein: »so wil ich in die stat hinein in dises reichen burgers haus, von dem du bist gezogen aus, der mich zu im lockt aller weis mit starkem trank und guter speis, Darmit er sich fült teglich vol, mit müßiggen ist im auch wol, mit schlafen, baden und seim weib; er ist leisbachen an dem leib; ich weiß, wan ich anrüre in, so schickt er nach eim doctor hin; Mich auf ein seiden polster legt, mit tüchern weiß er mich zudeckt frißt gute bißlein iemer zu. schau, bei im bleib ich wol in ru.« aus der fabel zwei ding man lert: reichtum den zipperlein ernert; die armut in alzeit austreibt, das er die leng nit bei mir bleibt. Die bin mit der spin Im spiegelton des Erenboten. 1. Ein alte spin, die tet ein netzlein weben, darin sie mucken fangen wolt, sie bringen um das leben, darin sie sich in stiller ru, on arbeit, möcht erneren. In dem ein bin wolt an ir arbeit fliegen, samlen der süßen blümlein saft, als sie sah das betriegen, der spinnen schalkhaftiges netz, entgegen ret in eren. Gar scharf die spin sie darum straft; die spin mit laster war behaft, sprach zu ir: »die nature hat mich gelert subtile netzlein spinnen, darin ich disen sumer lang mein narung müg gewinnen on alle arbeit, mü und angst, das mir nit sauer wure. 2. In meinem gweb kan ich mich lüstig schmucken, dan so balt fallen in mein netz die schnaken oder mucken, on alle mü ich sie umstrick, tu in ir blut aussaugen. Dein narung must mit arbeit überkumen, du fleugst über den ganzen tag auf rosen, kle und blumen, dan würkestu in dem binstock; der unru kanst nit laugen.« Die bin sprach: »dein ru sei verflucht, die so mit gschwinden listen sucht den nechsten zu verstricken, und saugest aus dem unschulding sein blute, ich aber mich mit arbeit ner, kum dem nechsten zu gute. ich bereit hönig und das wachs; erbeit tut mich erquicken.« 3. Alhie wirt uns bedeutet durch die spinnen all die mit schaden andrer leut on arbeit gut gewinnen, als finanzer und wucherer, fürkaufer, falsch juristen All fatzmacher, münzfelscher und all trügener, simoneier, rauber und dieb, falsch spiler und die lügener, die stellen gar viel strick und netz dem volk mit gschwinden listen. Bei der binen bedeuten sent all, die sich neren mit der hent, dem nechsten auch zu nutze und im schweiß ires angesichts sich neren, wie got in dem anfang gebot; das ist mit got und eren. wer nicht arbeit sol eßen nicht, spricht Paulus wol mit trutze. Hofnung glaub und lieb eins sophisten In der spruchweis Hans Sachsen. 31. mai 1539. 1. Eins tags mich ein sophiste fragt durch sein hinterliste, wo glaub hofnung und liebe im neuen glauben bliebe? ob sie weren verdorben, entlossen oder gstorben? Als er mich tet vexieren, dacht ich: mein disputieren wer im nur ein gespöte, darum ist mir von nöte, auf sein spotliches fragen sein spoten, und tet sagen: »Die erst frag zu bedeuten, der glaub ist bein kaufleuten; wo die im lant umwandlen, sie nur auf glauben handlen, verborgen, kaufen, stechen, verkaufen, zalen, rechen. welch kaufman nit helt glauben tregt nit lang mardren schauben. 2. Zum andren die hofnunge, die wont bei alt und junge, beide, bei man und frauen, die ie das berkwerk bauen; die hoffen all, auf erden durch berkwerk reich zu werden, Vil guckes zu verlegen; so in glück stet entgegen, vil zubuß geben müßen, vil geldes mit einbüßen; noch tuts hofnung erneren, es werd sich balt verkeren Wan dan ein grub wirt fündig mit silbererz ausbündig, sich balt abschneidet wider, noch ligt hofnung nicht nider, wagt den sack an die ruben, zu bauen die erzgruben; hofnung weicht oft nicht abe, bis an den bettelstabe. 3. Zum driten auch die liebe bein trunkenbölzen bliebe, beim bier und bei dem weine, da sie stets schenken eine, und tuns einander bringen mit juchzen und mit singen Jeder günt seim zechbruder, das in im steck ein fuder, das er wirt sat und vole, meßen einander wole mit kandel und mit krausen; die lieb tut bei in hausen, Wan einer tut undeuen, noch tut in keiner scheuen, den kopf halten im zwene, welcher nit heim kan gene, die andern in heim füren. da tut man die lieb spüren.« als ich die antwort gabe, da zug der sophist abe. Die liebe gottes Im leitton Regenbogens. 12. april 1540. 1. Johannes an dem ersten sein, an dem vierten kapitel, spricht: »ir lieben, got hat allein geliebet uns on mittel, das er sein sun uns hat gesant zu versünung, einen heilant, weil wir in sünden hart verwunt als seine feinde lagen; So sollen wir uns alle hie lieben unter einander. got hat niemants gesehen nie, so wir uns allesander freuntlich lieben nach seim gebot, so bleibet in uns allen got und sein lieb hat in uns ein grunt, dran erkenn wir und sagen: Das wir in im bleiben mit ger und in uns er, weil uns auch der gabe von seinem geiste her, das wir haben gsehen und zeigen auch in den tagen, 2. Das der vatter hat gsant den sun der welt zu eim heilande; und welicher erkennet nun Jesum Cristum, gesande ein sun gottes, nach seim gebot, in dem bleibt got und er in got. die lieb hab wir glaubt und erkent, die got stets zu uns trage. Got ist die lieb, und welicher in der lieb bleibet gare, der selbig bleibt in got vater und got in im fürware; des ist die lieb völlig bei uns, das wir freidikeit durch des suns gnad haben an der welte ent, an des gerichtes tage. Dan gleich wie er ist, also sint wir seine kint; in der welt lint die liebe keiner forcht entpfint, sunder die völlig lieb zertrent ganz alle forcht und klage. 3. Wan die forcht hat ir eigne pein, wormit forcht wirt umtrieben; hat nit genzlich die lieb allein, darum laßt uns got lieben! zuerst er uns geliebet hat, weil wir lagen in übeltat; so iemant spricht, er liebe got, sein bruder haßt darneben, Derselbig ist ein lügener, kan nicht heilwertig werden; dan wer nicht liebet sein bruder, den er hie sicht auf erden, wie kan der got lieben voran, den er doch nit gesehen kan? von im haben wir das gebot, das, wer got liebet eben, Das er sein bruder auch lieb hab in tröst und lab. sent uns herab, heiliger geist, dein milte gab, das wir in neit nit sterben tot, sunder in liebe leben! Der pfaff im messgewant In dem reuterton Cunz Fülsack. 11. merz 1541. 1. In die stat Prag ein dorfpfaff kam gelaufen auf ein marktag und wolt ein messgwant kaufen, der funt er schlecht und gut ein großen haufen bei eim reichen kaufman. Da der pfaff fant von guter roter seiden ein schon messgwant, darum kauft er bescheiden; des kaufs wurden sie eins zwischen in beiden; er wolts versuchen an, Und leget von im seinen rock; im beutel het er zweinzig schock, den er auch von im legt. weil in dem kram der pfaff ins messgwant schlofe, stal ein Beham den beutel und entlofe; als in der pfaff sach laufen aus dem hofe, wurt er in grim bewegt. 2. Der pfaff zuhant dem diebe wart nachlaufen in dem messgwant mit blasen und mit schnaufen. der kaufman weßt nicht um des diebes kaufen und lof dem pfaffen nach. Schrier: »dibio!« hieß den pfaffen aufhalten. lofen also all, dieb einander schalten; do lofen zu die jungen und die alten. hört wunder, was geschach: Als sich der rechte dieb verlief, der kaufman den pfaffen ergrief bei seinem messgwant rot. der pfaff, der bließ, kunt im kein antwort geben, sich von im rieß und was dem dieb nachstreben. der kaufman warf und traf den pfaffen eben mit einem stein zu tot. 3. Den andern tag wurt der recht dieb gefangen und an der frag öfnet all ding vergangen, darum wart er an den galgen gehangen, das war verdienter lon. Zweihundert schock behemisch must auch geben zu straf Hans Bock, welcher im nam das leben und het vor nit all ding erforschet eben, e er hant leget on. Ein weiser man bedenk hiebei, das er stets wol besinnet sei und sich nit übereil, denk, wie und wan ist er mit angst beladen, das im alsdan schad bring nit größern schaden und entlich in angst schwitzen muß und baden. drum laß er im der weil. Pyrrhus und Cyneas Im hofton Danheusers. 5. Mai 1541. 1. Der groß streitbar künig Pyrrus het ein getreuen rate, der was genennet Cyneas, dem was das kriegen zwider. Einsmals er zu dem künig sprach: »man saget, Rom, die state, sei die streitbarest in der welt, wan du die legest nider, Wiltu darnach leben rusam?« Pyrrus der sprach: »mit nichte! dan gewin ich Italiam.« Cyneas wider sprichte: »wiltu dan darnach haben ru?« er sprach: »nein ich wil kriegen wider Siciliam.« »tustu dan siegen, sprach Cyneas, wilt machen ent deim kriegen um und ume?« er sprach: »das würt erst ein anfang zu bekriegen mit rume 2. Lybiam und Carthaginem.« Cyneas sprach fröleiche: »wan du dise zwei reich erlegst, dan magstu leicht gewinnen Das küngreich Macedoniam und Gräciam, das reiche, wan du den auch hast obgesiegt, was wiltu dan beginnen?« Pyrrus der lachet diser frag, sprach: »darnach wil ich zechen und haben ganz gerute tag mit singen unde sprechen.« Cyneas zu dem künig sprach: »wer tut dir ietzunt weren, das du dein leben magst in ru verzeren? wilt erst suchen mit gfärlikeit und großem blutvergießen? weißt doch nit, wies geraten wirt; magst deins zu iem verließen.« 3. Also der weis man Cyneas den könig wolt ableiten von seiner heftigen begir, die er het zu dem kriege, Das er in frid und stiller ru sein reich im mächt bereiten mit eim löblichen regiment, das wer der schönest siege – Als Plutarchus beschriben hat. wenn alle küng und fürsten nachfolgten diesem treuen rat, ließen sich nach frit dürsten, so blieben sie samt lant und leut in frit, ru, güt und eren. mancher wil sein reich erweiteren und meren, dardurch er oft das sein verleurt, wirt fremden untertenig. man spricht: wer zu vil haben wil, dem wirt oft gar zu wenig. Die vier tier In dem rosenton Hans Sachs. 25. septemb. 1541. 1. Es wont ein pfaff im welschen lande, Facetus was sein nam genande, der ein toten begraben wolt, als er sein lob im sprechen solt, was tugent der verstorben hete, nach gewonheit der welschen stete. Der tot hieß Lupus, war ein diebe, ein mörder, vol hurischer liebe, ein wucherer und buseron, und der merrauber ein haubtman, ein trunkenbolz, vol aller groben laster, das er in nit kunt loben. Als er trat zu der totenbar, do sprach er zu des volkes schar: »ich sol des toten lob verjehen: so muß es durch gleichnus geschehen: auf erden sint viererlei tier; iedes hat ein sunder manier, nach den sich all menschen vergleichen, die jungen, alten, arm und reichen. 2. Das erst tier ist nutz in seim leben, tut nach dem tot kein nutz mer geben; das ander nutzt im leben nicht, im tot vil guts von im geschicht; das drit tier im leben und tote nutzt alzeit den menschen und gote; Das vierte tier, das ist nit gute im leben, tot, wie man im tute. merk das erst tier, das ist ein katz; im leben weichet maus und ratz vor ir aus haus, kuchen und stuben, tot wirft man sie int schelmengruben. Das ander tier, das ist ein sau, die hilft zu keinem ackerbau, geit auch kein milich und kein wolen und balt sie wirt dem tot befolen, so geit sie braten würst und speck, in sulz und pfeffer guten schleck, und schmalzt das kraut mit iren bachen, darmit man schmiert die hungring rachen. 3. Ein schaf ist das drit tier, im leben tut milch, schmalz, kes und wollen geben, nach dem tot geit es fleisch und fell, sein derme zu den saiten hell und sein gebein zu meßerschalen; wer möcht des tieres nutz bezalen! Ein wolf so ist das vierte tiere, raubt, mört und stilet mit begiere, sein leben lang ist er nur schad, leut und viech hat sein kein genad; stirbt er im sumer oder winter, wirt fleisch und bein dem schelmenschinter. Weil nun der tot auch Lupus heißt, darbei sein nam klerlich ausweist, das er nichts nutz war sein lebtage; deshalb ich in nit loben mage. er ist ein wolf auch in dem tot, nichts nutz bei menschen und bei got.« wen man sol loben nach seim sterben, muß im leben das lob erwerben. Der krank edelman In des Muscatblüts hofton. 15. januar 1542. 1. Man lieset von eim edelmon räubischer art; mit geiz, hoffart war er alzeit umgeben; Er schunt und zwang, die armen drang, er spilt und demt, er hurt und schlemt, fürt gar ein böses leben; Einsmals lag er krank auf den tot, der arzt beschaut den brunnen: er war tötlich, schwarz, dick und rot; der doctor wol besunnen zum weibe sprach: »der krank ist schwach, darum laßt in bewaren, und das er mach sein testament, vor seinem ent all ding verricht! er bleibet nicht! den tag wirt er noch faren.« 2. Der narr der lof hinab den hof und schauet, wu man rüstet zu seim junkheren den wagen. Do er nichts sach, lof er darnach zum kranken dar und sprach: »nem war, der doctor tet heut sagen, Du würst faren, du bliebest nicht; wan wirstu wider kumen, das man dein wagen nicht zuricht?« der edelman tet brumen, sprach: »Heinz, hieher kum ich nit mer!« der narr tet antwort geben: »du bist ein größer narr, wan ich und das du dich rüstest nit bas, dorthin etwas schickest, darvon zu leben.« 3. Der edelman dacht erst daran und das er war so ganz und gar unbereit zu dem sterben; Mit reu und leit er sich bereit und würket buß der sünden ruß, von got tet gnad erwerben. Dem gleich ietz iederman fast tut in disem leben, trachtet nach gwalt, pracht, wolust, er und gut, auf das künftig nicht achtet; und wißen doch, das wir all noch müßen von hinnen faren; wan wir sitzen in bester ru so schleicht herzu der bitter tot. der gütig got wöl uns gnedig bewaren! Der verlogen edelman Im speten ton Heinrich Frauenlobs. (1546.) 1. Ein junger edelman, der war im Beierlant vor manchem jar, der war verlogen ganz und gar, was im einfiel, redt er naus unbesunnen. Nun het er einen alten knecht, der gab im seiner sach ganz recht, blies mit in all sein lügen schlecht, das er und sein herr allmal recht gewunnen. Als sie eins tags über felt ritten, der junker fürt da nach adlichen sitten ein hörnlein und ein büchsen zu dem birschen. als man in der herberg zu nacht den gesten einen schlaftrunk bracht, da wurt auch des weidwerks gedacht, der wilden schwein, wölf, beren und auch hirschen; 2. Jeder sagt, was er het getan. als nun die red tet umher gan, kam an den jungen edelman, sprach er: »als ich heut ritt auf waldes straßen, Hab ich geschoßen in eim schuß ein hirschen, ich bekennen muß, durch einen rechten hinterfuß, durch sein recht or und darzu durch die nasen.« Wie das möglich wer, frageten die geste, der knecht die lüg nit zamen reimen weste, kratzt sich im kopf, der junker in anblicket. der knecht sprach: »der hirsch auf dem gspor hub seinen hintern fuß empor und kratzet sich mit bei dem or, also der hirsch zu disem schuß sich schicket.« 3. Als sie hernach kamen ins bet, der knecht sein junkherren anret, wie er im von dem hirschen het schier gar zu weit von einander gelogen; Wie sauer es im worden wer. fürbas solt er in lügen schwer nit also weit vorgreifen mer, das lüg zu warheit möcht werden gezogen. Drum wer ungschwungen lügt, so spricht man rechte, diser bedörft auch wol eins eignen knechte, der im sein lüg auch tet zusamen reimen. wer lüg der warheit reimet zu, oft macht aus einer lügen zwu; wan man das merkt, spricht man, er tu aus einer lüg zwu lügen zusam leimen. Das menschlich leben figuriert In der blüweis Mich. Lorenz. 22. januar 1542. 1. Im buch der weisen ich gelesen hab, wie in eim walde ein man gieng, den ein leb ersach und loff im grimiklichen nach; der man floch und zu einem brunnen kam, darein stieg er auf einen runt walzenden stein, Hielt sich an zwei reislein; und sich begab, das kamen balde vier grausamlicher wilder tier, die wolten in verschlicken schier mit geduckteren haubtren gar forchtsam. als nun der man stunt in solicher forcht und pein, Sach er zu stunt unten im grunt ein drachen, der aufspert sein schlunt, in zu verschlinden, wan er fiel hinab; auch sach der alde zwo meus, eine schwarz, eine weiß, die im abnugen die zwei reis daran er hieng; sein sorg und angst die war nit klein. 2. In dem sach er fließen aus eim stein breit hönigsam kleine, daran lecket er und vergaß der großen angst, darin er was, bis er hinab tet entlich einen fal dem drachen in sein rachen und verdarb darin. Den menschen ich vergleich dem manne; weit den jagt alleine der leb, sein eigen bös begirt, aus dem walde, der tugent zirt, zu der welt, die bedeut des brunnen qual; darein leßt sich der mensch mit herzen, mut und sin, Helt sich mit fleiß an die zwei reis seins lebens, das die schwarz und weiß maus abnaget, deut tag und nacht, die zeit; der walzent steine, darauf er stet, bedeut das glück, das wankel ist, unstet und flück, wen es aufhebt, den stürzt es plözlich unterhin. 3. So werden bedeut die vier element durch die vier tiere, durch die der mensch ist zamgesetzt, nemen sein leben im zuletzt. die hel bedeutet uns der ginent drach, die sel zu verschlinden, die offen stet almal. Der hönigseim wirt uns alhie benent reichtum und ziere, gwalt, er und wolust; darnach strebt der mensch, weil er auf erden lebt und denkt seiner geferlikeit nit nach, die in doch hat umfangen genzlich überal, Bis entlich got in durch den tot leßt fallen in die letzten not. so ganz und gar ist der mensch hie verblent durch sein begiere; wo got nicht durch sein milte güt im lenket sel, herz und gemüt zu reu und buß, so tet er ein ewigen fal. Der weise Solon mit seim son Im rosenton Hans Sachsen. 21. februar 1542. 1. Als von Athen Solon, der weise, hin gen Miletum tet ein reise zu Thaleti, dem weisen man, welchen er redet heftig an, warum er kein efrauen hete, darmit er kinder zeugen tete; Thales der sprach, nach dreien tagen, so wolt er im des ursach sagen. heimlich ein pilgram abbericht, der kam und saget fremd geschicht, als wer er erst von Athen kumen. die zwen in balt auf ein ort numen; Solon der fraget in der mer, ob nichs neues geschehen wer zu Athen, in seim vatterlande? der pilgram antwort im zuhande: »nichs neues ich zu sagen wist, dan: heut neun tag gestorben ist ein jüngling bei achzehen jaren, in kunst und tugent hoch erfaren, 2. Des vatter hat den höchsten preise für all burger, tugenthaft, weise, doch der ietz nicht anheimisch war. es beleiten des toten bar die burgerschaft und der senate; und die gemein der ganzen state Waren all disen jüngling klagen. Solon wart disen pilgram fragen, wie sein vatter genennet wer, wan im war sein herz also schwer, gedacht: »villeicht ist mein sun gstorben, durch ein schwinde krankheit verdorben.« Der pilgram war gerichtet ab, sprach: »sein nam ich vergeßen hab.« Solon in herzenleit hart brennet, fragt: »war der man Solon genennet?« der pilgram sprach: »ja, auf mein eid!« erst fiel Solon in herzenleid, schlug sich selb und fiel zu der erden mit überkleglichen geberden. 3. Thales, der weis, fieng an zu lachen, sprach: »Solon, schau, aus den ursachen hab ich genumen kein eweib, das kein sam kem von meinem leib, des verlust mich also tet krenken, wie dich, in traurikeit versenken. Doch ste auf, hab ein frölich herze! die red sint alle nur ein scherze. dein sun lebet und ist gesunt. ich hab dir nur endeckt den grunt, weil du lobest die weib und kinder, was schmerz und trübsal steck darhinder.« Plutarchus uns die gschicht beschrieb, zeigt an, wie durch der kinder lieb die eltren stets in sorgen leben, in kümmernus, anfechtung schweben. sint die kinder noch jung und klein, die sorg klein und vilfeltig sein; die großen kind bringen groß sorgen, sagt das alt sprichwort unverborgen. Das romisch herleger In dem süßen ton Jörg Schillers. 22. februar 1543. 1. Als in Numidia Scipio von Roma in das herleger kame und bei dem her vername, das es unörnlich lebt In leibs wollustbarkeit, hurweis und trunkenheit, mit aberglaub und baden; da er des volkes schaden sach, er in trauren schwebt. Vom leger tet er schaffen all warsager und pfaffen, die hurenwirt ausrot, die bad er gar verbot; keiner sich mer dorft salben, verbot auch allenthalben kuchengeret und gfeß zu schleckerei gemeß; 2. Gebot, daß die kriegsknecht zu morgens aßen schlecht, frei, steent, ungeseßen ein schlecht und rohes eßen, vom feuer ungekocht. Zum nachteßen in ru mochtens ligen, darzu eßen brot und gemüße, ein fleisch gesotten süße, das man auch braten mocht. Und er in schlechtem kleide gieng, klagt sein herzenleide, das sein her wer verderbt, schant, laster het geerbt, sich genzlich het ergeben in ein leichtfertig leben – beschreibet Plutarchus. nun merk zu dem beschluß: 3. Wan Scipio iez kem, im herleger vernem der landsknecht in eim haufen groß füllen und zu saufen, unzucht und huerei, Schentliche wert und wort, ir balgen, mein und mort ir gotlestern, unglauben, ir spil, stelen und rauben, ir mortbrennen darbei – Was würt Scipio sagen? er würt sie von im jagen als gar verderbte leut. derhalb sicht man noch heut der kriegsleut vil verderben, krank sein und ellent sterben, das ir wüst leben macht, des hab ein ieder acht. Der weis Demosthenes Im gulden ton Hans Sachsen. 26. april 1543. 1. Künig Alexander Magnus, schreibt Plutarchus, het ein krieg mit Athen, der stat, die um frid bei dem künig bat; das wolt er nicht, dan nur mit dem geding, Das sie im geben in gewalt acht burger alt, die treflichsten, so er begert, so würden sie des frids gewert. nun dise pflicht daucht sie gar leicht und ring. Jedoch sie hielten rat ob dem und ratfragten Demosthenem, den berümten oratorem, ob man die acht ins künigs macht hinschicken solt, auf das sie heten frid im lant? der weis man antwort in zuhant, durch ein gedicht sie unterrichten wolt, 2. Und sprach: »die wölf heten ein krieg und manchen sieg an den schafen, und auf ein zeit begerten sie mit listikeit ein steten frid mit in auf hundert jar; Doch das sie in ir hunde all geben alsball, die woltens nemen in ein straf. zu einfeltig waren die schaf. auf den beschid gabens ir hunde dar; Die wurden in den tot verwunt. balt sie nun kamen um die hunt, brachen die wölf den fridesbunt und brachten um ein große sum schaf, groß und klein. so würd auch Alexander ton, wan man im geb die acht person, dardurch dan lid schaden die ganz gemein.« 3. Demosthenes durch disen rat errett die stat, die darnach durch die acht person Alexander mocht vor geston, der sie zaghaft leichtlich bezwungen het. Also wo noch ein regiment stet in der hent redlicher mender, treu und weis, durch der verstant, sorg, mü und fleiß in sterk und kraft das reich gar lang bestet. Dargegen so ist we dem lant, des künig ein kint ist on verstant. des fürsten frü eßen allsant. hoffart und pracht vil aufsetz macht, ungrecht urteil; da get zu grunt gemeiner nutz, vergießen vil unschuldigs bluts; bei der herschaft ist weder glück noch heil. Der edelfalk Im rosenton Hans Sachsen. 9. august 1543. 1. In centonovella ich lase, wie zu Florenz vor zeiten sase ein jung edelman, weit erkant, Fridrich Alberigo genant, der in herzlicher liebe brennet gen einem edlen weib, genennet Giovanna, an gut ser reiche, an eren stet und gar lobleiche. der edelman stach und turniert, zu lieb der frauen lang hofiert; sie aber veracht all sein liebe, an irem herren treulich bliebe. Gar reichlich Friderich ausgab, bis er verschwendet große hab; entlich verpfent er all sein gute, zug auf ein sitz und in armute, nichts dan ein edlen falken het, mit dem er teglich baißen tet und nert sich aus eim kleinen garten, des er auch tet mit arbeit warten. 2. Ir her der starb, und sich begabe: der frauen sun, ein junger knabe, wart schwerlich krank bis in den tot; sprach: »muter, ich bit dich durch got, hilf, das Friderichs falk mir werde, so nimt ein ent all mein beschwerde.« Die muter tröst in, den zu bringen, kam zu her Fridrich in den dingen. der freuet sich irer zukunft, entpfieng sie mit hoher vernunft. zum frümal tet sie sich selb laden. fro war Friderich irer gnaden; Het doch weder wilpret noch fisch, darmit er speiset seinen tisch; armut und unglück tet in walken. er würgt sein edlen lieben falken, briet den und in zu tische trug, zerleget in höflich und klug; in mit der edlen frauen aße, die doch selbs nit west, was es wase. 3. Nach dem mal sprach die frau mit sitten: »durch euer lieb wil ich euch bitten um euren edlen falken gut, nach dem mein sun sich senen tut totkrank, wo ir im den tut geben, errettet ir sein junges leben.« Her Fridrich war mit angst beseßen: »den falken«, sprach er, »han wir geßen; die allerliebst mein liebstes aß.« die frau sich des verwundern was. er zeiget ir des falken gfider. schieden sich beide traurig wider. Nach drei tagen ir sune starb. her Fridrich um die frauen warb; sie erkennet sein lieb und treue, het seiner armut kein abscheue, weil er war tugenthaft und frum. zu eim gemahel sie in num. drum ift nit alle lieb verloren; lieb hat oft lieb durch lieb geboren. Von dem frechen jungen leben In des Müglings langem ton. 24. septemb. 1543. 1. Man saget von eim leben weis, als er war alt, het er zwen sün und gab iedem ein grünen walt, tet in darzu drei guter lere geben: »Zum ersten solt ir fechten mit keim menschen nit, weil sein sterk aller tiere sterke übertrit; auch tut mit den nachbauren fritlich leben; Zum dritten habt die weld in er, auf das die tierlein junge drin aufziehen; und so ir folget meiner ler, so mügt ir allem ungelück entfliehen.« nach dem der alte leb gestarb. sein elter sun folget des vatters rate, darmit gunst, er und gut erwarb. der jung leb übt vil mutwilliger tate, mit sein nachbauren zankt und balgt, niemant um in kunt wonen; auch würget er der tier on zal durch berg und tal, mer, dan er zur notdurft bedorft, keines tet er verschonen. 2. Die tierlein flohen; darvon wurt der walt gar öd, derhalb sein narung in die leng wurt schmal und spröd; er kam zu seim bruder, tet im das klagen. Sein bruder sprach: »ich halt mich unsers vatters ler; du wütest, das um dich kan niemant bleiben mer, des mustu abnemen in alten tagen.« Er fürt in mit im in sein walt, den sach er springen vol der wilden tiere. der jung leb sach ein weidman alt stellen sein garen in waldes refiere; er sprach: »den jeger reiß zu tot; er wil die tierlein in dem walde fahen.« er sprach: »unser vatter gebot, wir solten uns mit keinem menschen schlahen; er sei sterker und hab vil list.« der jung leb sprach vermeßen: »was get des alten bot mich an? disen weidman wil ich zureißen durch mein sterk und wil in darnach eßen.« 3. Der jung leb loff wol unfürsichtig in die strick, der jeger schlug in mit eim bengel auf sein gnick; der leb sprach: »weidlich schlag mein herz und oren! Das ich meins vatter ler hab gehort und verschmecht, darum sint deine streich auf mich billig und recht. mit kolben muß man laufen solche toren.« Aus diser fabel nem drei ler: ein man erstlich mit iederman sei fritsam; zum andern beweis zucht und er der nachbaurschaft, sei in freuntlich und mitsam; zum dritten acht hab auf sein gut, das er es mer, doch mit gerechtem handel. und wan er also leben tut, fritlich, freuntlich in allem seinem wandel, so erlangt er gut, er und gunst bei iederman auf erden; wer aber hadert zankt und greint, dem wirt man feint, das iederman in scheucht und fleucht; des muß er ellent werden. Der getreue hunt In der meienweis Eislingers. 28. decemb. 1543. 1. Plinius uns beschriben hat von einem hunt getreue tat, welche geschehen ist zu Rom, Als man her Titum Sabinum und seiner ret ein große sum um ir untat gfenklich annom. Der einer het ein treuen hunt, der stetig vor dem kerker stunt, niemant in darvon treiben kunt, on unterlaß tag unde nacht und heulet da in großer klag; ungeßen er da selben lag etwan bis auf den dritten tag, het traurig auf sein herren acht. 2. Als nun sein her im kerker starb, von herbem gift ellent verdarb und auf die gaß geworfen wart; Der hunt gar traurig zu im saß und heult kleglich on unterlaß, sam klagt er in menschlicher art. Da kam des volks ein große sum, stunden um den körper herum, des hundes treu sie wunder num; ein man warf dar dem hunt ein brot, das eilent nam der treue hunt, legt es dem toten auf sein munt, als solt er eßen und gesunt wider aufwachen von dem tot. 3. Als das römisch gerichte scharf den körper in die Tiber warf, der treue hunt auch darein sprang; Sein toten herren het so holt, und zum gestat in lenden wolt; als aber das weret so lang Und der hunt niemer schwimen kunt, do sank er in der Tiber grunt. also verdarb der treue hunt und blieb mit seinem herren tot. derhalb das alt sprichwort ist recht: ein treuer hunt ist beßer, secht, dan ein falsch ungetreuer knecht; der bringt sein herren selb in not. Der knab mit dem delphin In des Harders süßem ton. 28. dec. 1543. 1. Plinius im buch der nature beschreibet die natur von eim delphin, wie er zam und leutselig sei und verstendiger sin; Spricht: als ein delphin gfangen wure darnach geworfen in Lucriner se, in dem man in behalten wolt; nun höret wunder me: Ein armer knab gieng teglich auf und nider am se, wan er zur schul gieng hin und wider und sang liebliche lider und ruft dem delphin oft an dem gestat: »Simon!« also nent man den fisch. das trieb er frü und spat. 2. Eins tags ruft er dem delphin wider, der delphin gieng zum knaben ans gestat; der knab reicht im ein stücklein brot, das er empfangen hat Darnach als oft er auf und nider gieng, ruft er in heraus an meres rant; so kam allmal der fisch, empfieng das brot aus seiner hant. Einsmals der fisch dem knaben locken wase, das der knab gritling auf den delphin saße, und fürt in hin sein straße gen Puteolon in des knaben schul, und sürt in darnach wider heim, als wers sein lieber bul. 3. Das hat er triben etlich jare, das er in hin und wider fürt all tag, das oft zusach ein großes volk, das wunder groß bewag. Als nun der knab gestorben ware, kam der delphin oft an des mers gestat und sach sich nach dem knaben um, den niemer funden hat. Vor senen der delphin, erblichner farbe, trauriger gstalt, abnam und gar verdarbe, bis er vor leit auch starbe. also hat got die lieb, treu und begier uns zu einem exempel pflanzt in vögel fisch und tier. Der getreu leb In der silberweis Hans Sachsen. 28. decemb. 1543. 1. Plinius tut erheben die gut natur des leben, der alle gutheit eben mit dankbarkeit bezalt. In Africa vor jaren kam her Elpis gefaren; als sie aussteigen waren spazieret in ein walt; Ein großen leben er ersach. Elpis kert um und floch; im eilet ser der lebe nach, er stieg auf ein baum hoch, und ein tempel Bacho, dem got, verhieß, wan er im hülf aus not. der leb kam gschwint geloffen, het seinen rachen offen und stellet all sein hoffen auf disen herren alt; 2. Wan in dem rachen seine war im besteckt ein beine von eim gewilt aleine, das er nit eßen kunt. Anhub der leb und neiget, sich demütig erzeiget; dem heren wart geschweiget sein forcht, und zu der stunt Stieg er herab mit künem mut. der leb an allen graus im seinen offnen rachen but, do zog er im heraus das bein, und zog darnach sein straß; der lebe im des dankbar was, dem ganzen schiff zu truge all tag wilprets genuge bis es von lande zuge, die treu vergelten gunt. 3. Aber Elpis ließ bauen ein tempel man und frauen Bacho, den tet man schauen in der insel Samo. Da gab er zu groß golde, sich dankbar zeigen wolde, die kirch man nennen solde »zum gienenden Bacho«. Hiebei schaut, wie die dankbarkeit ein löblich tugent sei; so der mensch empfecht ein gutheit, das ers vergelte frei. wo dise tugent milt regiert, sie beide, tier und menschen, ziert. welch mensch aber das gute mit bösem zalen tute, der hat ein groben mute, vil gröber dan bonstro. Vier irrung der tugent In der blüweis Michael Lorenz. 1. januar 1544. 1. Hört, wie ich in eim buch gemalet fant, wie zu dem trone aufwarts ein hohe leiter was, da die küngin der tugent saß, welche alle gar herlich krönen wolt, die zu ir stiegen und erreichten iren sitz. Mitten auf der leiter ein ritter stant, geschmücket schone mit harnisch, ritterlicher zir; im stunt sein herz, mut und begir, das in die küngin herlich krönen solt; das zu ersteigen, brauchet er sin unde witz. Vier langer strick sach ich im blick um sein leib gürtet stark und dick; die strick hetten gewaltig in der hand vier stark persone: armut, wollust, tot und der schmerz, zogen den ritter unterwerz, auf das er nit erreicht die kron und höchsten spitz. 2. Die leiter des menschen leben bedeut, alter und jugent, das zu den eren ist geneigt, über sich zu der tugent steigt, ist die küngin, die ir diener bekrönt, im leben, tot ir nam herlich erhaben wirt; Aber die vier person am strick zerstreut, welche abzugent, die erst person ist die armut, die den menschen abfüren tut in vil laster, darmit er sich beschönt: für tugent in geiz, falsch und der betrug regirt. Zum andern: schmerz zeucht auch abwerz von tugent das menschliche herz, ist, so der mensch im selber nicht gebeut, aus lieb der tugent durch gedult all ding überwint, sunder in rach und zoren brint, das neit und haß in ungestümiklich vexirt. 3. Zum dritten: der wollust abziehen tut, so gar ersoffen der mensch ganz viehisch lebt darin, legt darauf herz, mut unde sin, in allen lastren sült sich wie ein schwein: unkeusch, fraß, hoffart und als was senft tut dem leib. Zum vierten zeucht ab der tot sin und mut und alles hoffen und lont der tugentreichen tat; wo man des todes forchte hat, da acht man warheit und grechtigkeit klein, wirt heuchlerisch und kleinmütig gleich einem weib. Darum welch mon der tugent kron empfahen wil und iren lon, der sol leben nach art der tugent gut. wirt er gleich troffen mit armut, schmerz, wollust und tot, sol er kempfen durch alle not, spricht Cicero, das er nur bei der tugent bleib. Der alten frauen gebet für Dionysium In der blutweis Stollen. 20. april 1544. 1. Als Dionysius mit tiranneie, spricht Plutarchus, vergoß vil blutes rot, Das iederman feint was der wütereie und wünschten im teglich den gehen tot, Bis an ein alts weib, bat für in all morgen ganz offenbar vor dem altar, das die götter versorgen solten des küngs leben vor aller not. 2. Der tirann schicket nach der alten frauen sprach: »warum bittstu für das leben mein? Weil sonst iederman hat ab mir ein grauen, begeren auch all meins todes allein.« Die frau sprach: »in meinen kintlichen tagen regirt gar stark ein tirann ark, und als er wurd erschlagen, kam vil ein ergerer tirann herein. 3. Und als der selbig auch mit tot abschide, dein tirannei auch angefangen hat; Bist erger, dan vor die zwen, mit unfride, wie man teglich spürt an deiner untat; Darum tu ich um frist deins lebens werben mit bit fürwar der götter schar; ich fürcht, so du tust sterben, möcht noch ein ergrer kumen an dein stat.« Der teufel am tanz In dem blauen ton Frauenlobs. 8. mai 1544. 1. Ein mal der teufel kam auf ert, zu seiner ru ein stat begert, ging aus, zu suchen im ein ort; das ging nach all seim willen: Er kam an eines fürsten hof, da man spilt, flucht, hurt und zusof, schinderei, gwalt, krieg, raub und mort, der fürst sach durch die brillen. Der teufel dacht: »da ist gut sein, weils als in sünt tunt schweben!« doch sach er etlich ret allein dem übel widerstreben, zu reformieren alle stent in dem fürstlichen regiment – vom hof der teufel sich abstal, bein guten mocht nit leben, 2. Und schlecht ans bischofs hofe kam: vil gotlos wesens er vernam, die pfaffen hetten kellerin, die gottesforcht war kleine; Er funt wucher und simonei, vil abgöttischer gleissnerei; es ging dem teufel nach seim sin, doch verdroß in alleine: Eins teils fragten nach gottes wort, das mocht er leiden nichte und suchet im ein ander ort, kam an das statgerichte; da fund er arglist und meineid, betrug und lug an unterscheid; doch waren etlich frum und grecht, hielten der warheit pflichte. 3. Das kund er auch nit leiden ganz und kam an einen abenttanz, da wart hofart und übermut, vil unkeuscher begire; Da fund er eifer, neid und haß, unzucht, bulerei, über das zoren und hader bis aufs blut, aller übel munire. Wer zusach bei dem tanze stan, tet giftig nachred treiben und hing iedem ein schellen an; beide bei man und weiben fant der teufel kein gutes nit, da saß er an der tanzer mit; sein ganze ru der teufel funt, daran er noch tut bleiben. Die getreu e In dem hohen ton Fritz Katners. 14. mai 1544. 1. Uns schreibt von hoher liebe der geschichtschreiber Xenophon, nachdem und gar vertriebe künig Cyrus aus seinem tron Tigranem aus Armeniam, Nachdem er het verloren mit seinem here ein feltschlacht, ist er gefangen woren und für den künig Cyrum bracht mit seim gemahel wunnesam. Tigranes Cyro fiel zu fuß, erbot sein leben im zu buß, das er in richten wolt, doch das er darnach solt 2. Sein gmahel ledig laßen wider heim in ir königreich. Cyrus abschlugs; der maßen behielt sie beide gefenkleich. und als nun Cyrus von im kert, Dem iederman gab preise seiner person mit überfluß, Tigranes fragt mit fleiße sein gmahel, wie ir gfiel Cyrus, die schönest person hoch geert; Sie antwort: »herzenlieber man, Cyrum hab ich nit gsehen an, weiß nit, ob sein gestalt sei schön, jung oder alt.« 3. Er sprach: »hast in nit gsehen? was hastu dan gesehen an? « die frau tet wider jehen: »ich hab gesehen an den man, der sein leib geben wolt für mich, Auf das ich ledig were, nicht dienen dorft mein leben lang.« secht an, wie wunderbere die lieb der lieb ist ein anfang; lieb gebirt lieb inbrünstiklich. Also ein man sol seinen leib in treu setzen für sein frum weib; billich hat in auf ert sein weib auch lieb und wert. Der Römer mit dem schuch In der hönweis Wolframs. 17. mai 1544. 1. Ein Römer weit erkande, Paulus Emilius, Der het ein weib, genande Papiria, die schluß Er von im abzuscheiden, und niemant west, warum? was sie im tet erleiden; man hielt sie erenfrum. 2. Ir freuntschaft in balt fraget, warum ers von im stieß, Weil er nicht von ir klaget. do zeigt er mit verdrieß An seinem fuß ein schuche, sprach: »der ist schon und glat, dran west ir kein gebruche, wo er mich drücket hat!« 3. Als Plutarchus beschreibet. also noch mancher man Sich etwan überweibet, dem mans doch nit sicht an, Was in doch heimlich drücke anfechtung, angst und we. vil tausent ungelücke regiren in der e. Die traurikeit In des Jörg Schillers süßem ton. 9. juli 1544. 1. Nachdem die künigin Arsinoe vorhin vil unglücks het erliden, das sie nach wer verschiden vor leit und traurikeit; In solcher kümmernus kam ein philosophus, die küngin an den orten zu stillen mit den worten und sprach: »als auf ein zeit Her Jupiter, der gotte, den geistren zam gebote und teilet in durch ab eim ieglichen sein gab; doch war nit da das trauren, sunder in der stat mauren es vil zu schaffen het, die gab versaumen tet. 2. Und Jupiter der sprach: wie kumst so lang hernach? weil ich den geistren eben hab alle gab ausgeben, nichts mer zu geben hab. Ich hab kein gab sunst mere, allein der toten ere, das ist seufzen und weinen, die wil ich dir vereinen, das du auch habst ein gab.« Weiter saget der weise: »o weib, wirstu mit fleise eren dein traurikeit mit weinen lange zeit, so wirts lang bei dir wonen; wirst aber ir nit schonen, sunder verachten sie, so bleibt sie niemer hie.« 3. Aus dem verstet man wol, das niemant trauren sol zu vil, über die maßen sich überwelting laßen, das man darin ersauf. Der traurig geist allein verdorrts mark und gebein, des menschen leben kürzet und in die schwintsucht stürzet nach der nature lauf. Derhalb tu manlich tragen das trauren und ausschlagen, e es einwurz ins herz mit weinen, seufz und schmerz, weil es kein nutz tut geben, allein krenkt es das leben mit seinem überfluß – beschreibet Plutarchus. Der gekrönt jüngling Im hofton Danheusers. 25. septemb. 1544. 1. Als Cajus Marius zu Rom oberster wart erwelet, machet er seiner schwester son zu eim unterhaubtmanne; Derselb hieß Cajus Lucius, der wurt heimlich gequelet in unzimlich unreiner lieb, gegen eim jüngling branne, Der war Trebonius gnannt; dem schickt er manche gabe, zu seim mutwillen in vermant, das er allmal schlug abe und floch sein haubtman, wo er mocht. der haubtman auf ein nachte ein knecht nach dem jüngling schickt, als er wachte; der frum jüngling nit geren kam, sein gwißen tet in nagen; dieweil er nun sein haubtman war, dorft er es nit abschlagen. 2. Balt der jüngling kam ins gemach, der haubtman on schamröten den jüngeling notzwingen wolt, in mit gwalt zu im riße; Der jüngling wert sich, weil er mocht; in solchen seinen nöten zog er heraus sein scharfes schwert, durch den haubtman es stiße. Der jüngling balt gefangen wart, man setzt im ein rechtstage; ir vil stunden wider in hart mit ser schwerer anklage und niemant war auf seinem teil, der im sein wort wolt sprechen; iedoch sein herz mit manheit tet durchbrechen, erzelt von anfang alle ding vor gericht; zu bevesten solchs, stelt er etlich zeugen dar, die allen handel westen. 3. Als Marius die zeugen hort, den schentlichen unflate von seinem vetteren erfur, tet er ein urteil sprechen: Zelt den jüngling quit ledig los, lobt sein manliche tate, das er gerettet het sein er, den haubtman tet erstechen; Mit dem römischen burgerkranz den jüngling er selb krönet; des wurt erfreuet das her ganz, in freut und jubel tönet; weil so gerecht ir oberster gefelt het ein urteile dem verlaßnen frumen jüngling zu heile, darum im iederman wolsprach – tut Plutarchus beweisen. wo herschaft gerecht urteil spricht, die ist höchlich zu preisen. Ent der arbeit In der morgenweis Hans Sachsen. 30. octob. 1544. 1. Küng Salomo tut jehen: »ich went mich, um zu sehen nach weisheit in der zeit, nach der klugheit und der torheit. (wer ist auf ert geseßen Der dem künig obliege, mit weisheit obgesiege, den got, welcher in macht?) ich hab weisheit ser hoch geacht, für torheit weit gemeßen; Gleich wie der sunnen glinster für die dunkel und finster, der weis gelanzen muß; der narr geht in der finsternus; und ich dacht in meim wandern, es get eim wie dem andern, dacht in meim herzen schier; weil es dem narren get wie mir, warum hab ich mich quelet? die weisheit auserwelet? dacht in meim herzen frei, das solches alles eitel sei. des weisen künstenreiche denkt man nicht ewikleiche, wie des narren, ich sag, die weil doch der zukünftig tag macht beider ir vergeßen. 2. Und wie der weise stirbet, gleich auch der narr verdirbet in der eitelkeit groß; meins eigen lebens mich verdroß unter der lichten sunnen; Und mich verdroß alleine, das ich der arbeit meine, die ich volendet hat in meinem leben frü und spat, mit unru groß gewunnen, Das ich die selb dermaßen eim andren müß verlaßen, der nach mir kumen wirt; wer weiß, ob weisheit in regirt? ob er darin verharre? villeicht ist er ein narre; sol forschen mit torheit in meiner künstlichen arbeit, die ich weislich zurichtet, unter der sunnen dichtet, das ist ie eitel schmerz; darum so went ich das mein herz, von aller arbeit ließe, die ich het mit verdrieße mein leben lang verbracht, on ru und rast, bei tag und nacht, aus meiner weisheit brunnen. 3. Weil ein mensch nach der zeite sein arbeit und weisheite, geschicklikeit und vernunft gar muß verlaßen in zukunft, eim andern ungenoßen, Der nicht arbeit ein stücke: das ist ie ein bös glücke, das wirt dem menschen von seiner arbeit ein schnöder lon; solt des nit sein verdroßen? Vil beßer ist geseßen, frölich trinken und eßen, dem menschen ane quel, das stets guter ding sei sein sel von seiner arbeit schwere. das kumt vom herren here: welcher mensch got gefelt, dem selben er auf ert zustelt weisheit, vernunft und freude, das er frolock und geude, in seiner arbeit blü; dem sünder geit er sorg und mü, das er eim andren spare und er von hinnen fare.« Ecclesiastes spricht im andren; und mit dem gedicht ist mein kunst hie beschloßen. Die hundert suppenkeßel In des Danheusers hofton. 5. decemb. 1544. 1. Ein reicher man zu Florenz saß, doch einfeltig von sinnen, der eins tags zu sein gesten sprach aus unverdachtem mute: »Ich hab ein solchen guten wein, beßer kunt man nit finnen, wan in got selber trinken solt, wer er doch süß und gute.« Nun war ein ketzermeister do in dem Barfüßer orden, der rechtfertigt die leut also, was auch des innen worden; den reichen man zu im zitirt und in ein ketzer nennet, er wer wirdig und das man in verbrennet, das er got zu eim trinker gleicht, dem auch sein wein müst schmecken; vermeinet dem einfelting schaf ein sum gelts ab zu schrecken. 2. Gebot im, das er vierzig tag müst in dem kloster bleiben und alle tag hören ein meß, das ewangeli sagen; Wan er zu tisch im rebent saß, tet in der münich treiben mit fragen, was er het gehort; tet in martern und plagen. Dem reichen wurt sein weil gar lang wer geren heim gewesen. eins tags kam er, als man gesang und er het hören lesen: wer etwas um gots willen gibt, der nemt es hundertfeltig in iener welt. das wort macht in zwiespeltig. der ketzermeister übt in ser: »was hörest heut alleine?« der reich man sprach: »ich bin betrübt für euch münich gemeine.« 3. Der münich fraget, was es wer; er sprach: »ich höret lesen, wer etwas um gots willen geb, werd es dort hundertspeltig. Sols euch münichen also gen, wie wolt ir dort genesen? weil ir alltag in dem kreuzgang gebt also manigfeltig Suppen und kraut, ganz keßel vol den armen ausgesundert, so euch für ieden keßel sol dort wider hundert werden? wo wölt ir mit den suppen hin? ir müst darin ersaufen.« der ketzermeister tet in hart anschnaufen. weil er so tückisch sach sein geiz, sprach er: »ge naus an galgen! ich brings dich auf kein guten weg, wil niemer mit dir balgen!« Die Fünsinger mit dem krebs In des Frauenlobs grünem ton. 5. januar 1545. 1. Im Beierlant mit name ein dorf ligt, Fünsing ist genant, mit einfeltigen bauren, trugen erstlich kein ander gwant, dan schnitten in ein tuch ein loch, stießen den kopf dardurch, ließen es hangen. Eins tags ein bauer kame gen München hinein in die stat, sach einen schneider machen röck, mentel, hosen, alles wat. das wundert den Fünsinger hoch, merkt auf den werkzeug mit großem verlangen. Nach dem in kurzen tagen fing er im bach ein großen krebs, den tet er mit heim tragen, vermeint es wer ein schneider, weil er trüg zwo nadel und scher, sein eier meint der zwiren wer; sein nachbauren glaubtens, waren nicht gescheider. 2. Jeder sein loden brachte zusamen in ein stuben gar, der krebs solt kleider schneiden, und darnach neen offenbar, der nur hinter sich kroch. ein bauer sprach: »er tut sich vor uns schamen.« Und setzten im zu nachte ein licht zu und giengen darvan, zu dem der krebs tet kriechen und stieß es um und zündet an, das tuch und haus bran also hoch. die bauren al grimig geloffen kamen. Als nun verbrun das hause, den schneider suchtens überal, den sie forchtsam in grause in einem loche funnen, den sie um sein groß missetat verurteilten mit gmeinem rat und warfen in ein tiefen brunnen. 3. Aus forcht sie doch, besunnen, füllten den brunnen zu mit ert, besorgten, das unzifer kem heraus, brecht sie in beschwert. darnach machtens ein gwonheit seint, das ieder breutgam muß ein fuder füren Ertrichs auf disen brunnen, wan er hochzeit gehalten hat; des ist ein hoher bühel ietz worden an der selben stat. seither sint all Fünsinger feint den krebsen, tunt ir keinen mer anrüren. Wan einer heut betagen zu Fünsing schrie: »krebs feil! krebs feil!« er wur von in erschlagen, wo er ir tet erharren. darum haben noch mit in heut mancherlei satzwerk etlich leut, wie man spricht: »ein narr machet zehen narren.« Der Schwab mit dem rechen Im blauen ton Heinrich Frauenlobs. 5. januar 1545. 1. Es ligt ein dorf im Schwabenlant, zu Gershofen ist es genannt; dem dorf het einer abgesagt, zu brennen und zu rauben. Die bauren hielten ein gemein und schwuren zsamen groß und klein, sie wolten sein ganz unverzagt, einander halten glauben; Balt man den feint würt sichtig an, so woltens sturme leuten, so solt zulaufen iederman mit hauen, gabel, reuten, auf den kirchhof mit seiner wer; so wolten sie mit einem her dem feint balt haben angesigt im herab tun die hauben. 2. Des grumst ein junger bauer ser und nam zu im drei scharfe wer; ein krumes meßer und darmit kreuzhacken und schweinspieße Trug er mit im auf ein halb jar zu feld und haus und wo er war, er ackert, drasch, met oder schnit, die wer nicht von im ließe. Eins tags er auf sein wiesen kam, das grüne gras zu mehen, legt sein wer bei der heck zusam, tet sich fast darmit blehen; als er nun met in einem sumpf kam im ein humel in sein kumpf und darin hin und wider sumst, sich überal an stieße. 3. Und tet laut sumsen bum bum bum. der Schwab der warf sich eilent rum, sprach: »lose! got, man leutet sturm! der feinde ist im lande!« Als er wart in dem schrecken stan, da fing der humel wider an bum bum bum bum in gleichem furm. da floch der Schwab zu hande, Trat auf ein rechen zu unglück im gras an einem rangen; der schnelt auf, schlug in übern rück: »got! ich gib mich gefangen!« schrei der Schwab, meint es wer der feint. also manch man grausam erscheint, und balt es an ein treffen get, so fleucht er doch mit schande. Die neun Schwaben In des Hans Vogels lilgenweis. 1. Neun Schwaben gingen über lant, die kamen allesant in einen grünen walt, darin sie funden balt in einer dorenhecken Ein hasen ligen in dem gras und der entschlafen was mit offen augen hart, sam glesern und verstart; sein oren tet er strecken. Sie hielten rat, sie wolten spat ein küne tat all neun beweisen schiere an diesem grausamen und wilden tiere. all neun heten ein langen spieß, den namen sie gewiß stunden al zittret schan nach einander daran, den hasen woltens schrecken. 2. Der hinterst sprach und sach gar strang: »Ragenor, anher gang!« der vorderst sprach darzu: »mein gsell und werest du der vorderst an dem spieße, Du sprechst nit: Ragenor, gang ran.« der has erwacht darvan, fur auf, loff ein gen walt. der schwebisch bund floch balt und den spieß fallen ließe. Kamen in we zu einem se, in grünem kle ein frosch verborgen sase, der mit der quaterten stim schreien wase »wat wat wat wat wat wat wat wat«. ein Schwab vor dem gestat eilent zu dem se lief, sprang in das waßer tief, zu grunt ins waßer stieße. 3. Sein scheibhut auf dem waßer schwam hin von des sees dam, all die acht sahen in, meintens, es wüt dahin ir landsman vor in allen. Der frosch schrei wider wat wat wat. die Schwaben sprachen: »gat! lost, lost! unser landsman, der schreit uns alle an; wir sollen nit lang kallen, Sunder vil e springen in se, weil er wol ge und sich gewaget habe.« also ertrenkt ein frosch dise neun Schwabe, die vor im walt der schlafent has schrecken und jagen was. darum seint sie noch heint hasen und fröschen feint. das laß ich iezunt fallen. Die vipernater In dem spiegelton Frauenlobs. 7. merz 1545. 1. Vipera ist ein naterschlang, von der schrieb Plinius vorlang, so sich zam paret mendlein und das weiblein, So windens um einander sich so hart, das man meint eigentlich, sam hetten sie beidsamen nur ein leiblein. Das mendlein stößt vor lieb sein haubt dem weiblein in sein munde; also in der höchsten begirt das weiblein überweltigt wirt und beißt dem mendlein ab sein haubt zu stunde. 2. Wan das weiblein entpfangen hat, mit zweinzig jungens schwanger gat; wan sie in muterleib nun zeitig weren, Alsdan sie nit geberen mag mer, dan ein jungs auf einen tag des vorzugs sich die jungen hart beschweren, Und beißen ir die seiten auf, dardurch sie heraus dringen. also das weiblein auch verdirbt, an der geburt der jungen stirbt. solch wunder würkt natur in allen dingen. 3. Die nater zu vergleichen ist böser gsellschaft, zu aller frist mit laster und untreue überladen; Ligen in aller unzucht wüst, in großen freuden und wollüst fürens einander in den größten schaden. Auch entlich ir undankbarkeit sich offenlich lest schauen, das sie einander lonen schlecht, gleich wie der teufel seinem knecht, so sie einander morden und lam hauen. Der frum künig Philippus Im senften ton Cunrat Nachtigals. 7. merz 1545. 1. Der gütig künig Philippus aus Macedonia, von dem schreibet uns Plutarchus ein historie, da war ein man, hieß Arkadion. Der selb dem künig übel ret, wo er bei leuten war, und es gar unverschemet tet, das es wurt offenbar und in drum warnet iederman, Das er das lant balt raumen sölt und niemer darein kem, dan in der künig strafen wölt. do entfloh er; nach dem nach kurzer zeit doch wider kam dem künig in sein lant. als des künigs hofgsint vernam, riet dem künig zuhant, das er den böswicht solt abton. 2. Eins tags der küng spazieren rit im garten, ongefer Arkadion, der west sein nit, kam gegen im daher und erschrak ob seiner zukunft; Freuntlich der künig in ansprach, keins zorens ingedenk, und schickt im in sein haus darnach ein königliche schenk, als wer er aus der freunde zunft. Nachdem fieng an Arkadion, wo er bei leuten was, lobt er den königlichen tron alzeit über die maß. eins tags künig Philippus fragt sein hofgesinde doch, was Arkadion von im sagt, ob er in schmehet noch? sein marschalk antwort mit vernunft: 3. »Großmechtiger könig und herr, der man red euer lob in allen landen nah und ferr und helt statlich darob und sagt von euch all er und gut.« Der künig sprach: »schaut zu, ich bin ein beßer arzt, dan ir: ich hab durch mein gütigen sin gewant sein bös begir, das er mir guts nachsagen tut.« Also wirt oft durch güt on scherz bekeret mit der zeit ein rachselig, seintselig herz wider zu freuntlichkeit, mer dan durch zoren oder rach, dardurch oft erger wirt das herz, feintseliger hernach. rach wider rach gebirt, das also stillt gütiger mut. Dankbarkeit dreier tier Im roten ton Peter Zwingers. 29. merz 1545. 1. Plinius schreibt drei wunderlich geschichte von dankbarkeit dreierlei tier und sprichte erstlich: eim pantertier war in ein brunnen Seine junge gfallen in eim walde; das pantertier fant Demetrium balde, des erschrak er, wolt dem tier sein entrunnen; Das tier welzt sich, schmeichlet im fein, nam in beim rock, fürt in zum brunnen nider, darin lagen die jungen sein; er stieg hinein, gab sie im heraus wider. nach dem das panter milde mit sein jungen beleit in also weit bis aus dem walt gar wilde gar frölich, im zu dankbarkeit. 2. Zum andern, als eins hirten junger knabe ein jungen drachen heim getragen habe aus der wiltnus und den heimlich aufzuge, Als er wur groß, der knab sich förchten wure, entsetzt sich ob seiner gstalt und nature, und in wider hin in die wiltnus truge. Am heimweg da bekamen im mörder und wolten den knaben ermören; der knab schrei mort mit lauter stim, so halt der drach des knaben stim tet hören, kam er eilent geschlungen und auf die mörder schoß, jagt sie werlos, erlöst also den jungen, erzeiget ihm sein dankbarkeit gar groß. 3. Zum dritten, als ein jungfrau auferzogen ein adler het, als er war ausgeflogen gen walt, da tet er ir teglich zutragen Vögel, wiltpret und was er sunst mocht fangen; und als die jungfrau ist mit tot abgangen, und man die leich verbrennet nach den tagen, Da flog der adler trauriklich zu der toten jungfrauen in das feuer und ließ mit ir verbrennen sich, erzeigt darmit sein dankbarkeit gar teuer. dem richt man auf ein bilde, zu setzen auf den mark, der treue stark. hie scham sich der mensch wilde, der oft bezalt das gut mit ark. Die unglückhaft künigin Althea In dem würgendrüßel Frauenlobs. 1. mai 1545. 1. Althea, der küngine, das glück frölich erschine; het zwen sün, Toxeum und Plexippum, ganz künikleich und adelicher sine; die erzog sie hoflicher art zu allem ritterspil. Nach dem sie schwanger ware, den dritten sun gebare, den nanten sie mit nam Meleagrum. erfreut wart Oneus der künig klare, der künklich hof vol freuden wart in aller kurzweil vil; Althea höret bei dem hert im kamin auf dem sal ratschlagen die drei göttin wert, welche haben die wal, wie lang ein mensch hie leb auf ert; die sprachen all zumal: »wan der brant im kamin verbrint, wirt im augenblick hie sterben das neugeboren kint.« darnach verschwunden sie. 2. Althea zuckt den brande aus dem feuer zu hande und lescht in ab, behielt in auf mit fleiß; also der göttin ratschlag überwande, erret ir neugeboren kint von unzeitigem tot. Als der kam zu sein tagen, hat er groß feintschaft tragen sein zweien brüdern und tückischer weis hat er beid brüder auf ein tag erschlagen. als beid sie tot gelegen sint in irem blute rot, Balt Althea die tat erfur, beid tote süne sach, in zoren sie beweget wur und zu grimiger rach Meleagro den tot auch schwur und ir kestlein aufbrach und iren brant herfürher sucht, den in das feuer warf, Meleagrum heftig verflucht mit herben worten scharf. 3. So balt in feuers flamen der brant verbrune mit namen, fiel Meleager zu der erd und starb. also ir küniklich sün allesamen lagen erbermlicher gestalt tot vor ir auf dem sal. Erst wurt ir herz getroffen, in trauren gar ersoffen, kein trostlich wort bei ir mer stat erwarb, wan sie war keines sunes mer verhoffen zu geberen, wan sie was alt, aus war all freut zumal. In solchem herzleit sie durchbrach verzweifelt und ellent, das betrübt weib sich selb erstach und nam ein kleglich ent – beschreibt Boccatius – hernach wirt aus der gschicht erkent: was einem menschen ist beschert durch gots heimlich gericht, wie hart der mensch sich darvor wert, es entlich doch geschicht. Die ebrecher brucken Im langen ton Müglins. 17. mai 1545. 1. Vor jaren in Britannia ein kunig saß, mechtig und reich, der Arturus genennet was, der het ein großen arkwon auf sein frauen; Nun war am hof ein schwarzkunstner, hieß Filius, dem klagt der künig heimlich sein bekümmernus; der meister ließ ein steine brucken bauen, Die het wol zwei und dreißig joch übers waßer, breit dreier spann alleine, und war wol neun elbogen hoch, das pflaster war balierter merbelsteine, glat als ein lichter spiegel pur; durch zauberlist darein gegraben wuren carakter und seltsam figur; mitten darauf setzt er ein hohen turen. wan man darin ein glöcklein leut, wer dan sein e het brochen, im augenblick er überburzt und herab sturzt ins waßer, wer frau oder man, so wurt sein sünd gerochen. 2. Als nun verfertigt wurt die bruck, wie obgemelt, da ließ der kunig ausschlagen vil schöner zelt, kam mit seim hofgesind auf dise wiesen; Da wurt gehalten ein groß kunigliches mal mit dem adel und frauenzimmer überal, teten mit herlichkeit ir zeit verschliesen; Schöner comedi hielt man vil, mit saitenspil waren hoflich quintieren man trieb kurzweil und ritterspil mit rennen, stechen, kempfen und turnieren, mit jagen, federspil und hetz, wettlaufen, zilschießen, fechten und springen, mit steinstoßen, auch zu der letz mit gradigkeit, tanzen, reien und singen, und was freut man erdenken mocht; allein der kunig wase traurig, bekümmert gar sein herz, kein schimpf, noch scherz erfreut in, dan die eifersucht in gwaltiklich besase. 3. Nach dem der kunig verordnet den adel schan, darauf das frauenzimmer, und er ritt voran über die hohen brucken schmal und lange; Und als nun das ganz hofgsind auf der brucken zoch, da leutet sich das glöcklein in dem turen hoch, das es laut auf der ganzen brucken klange: Vom hofgsint wurt ein fallen groß, hinten und voren, wie in eim turniere, der sturzten beide man und roß, hie einer, dort zwen, da drei und dort viere, in das waßer ein große sum. der kunig schauet um nach seiner frauen, die blieb, wan sie war erenfrum, Des wurd er fro, tet ir erst recht vertrauen. – stünd ietz noch die ebrecher bruck, wie vil würden ir baden wer ungestält darüber rit! ich wagts auch nit, ungfer mir schlupfen möcht ein fuß, den spot bet ich zum schaden. Der bauer mit der seuhaut In dem schwinden ton Frauenlobs. 26. mai 1545. 1. Eins bauren sun der bet ein junges weibe, die het ein schön blutroten rock, darmit groß hoffart trieb, Wan sie was geronig gerad von leibe, gefurmet wie ein amboßstock. der bauer het sie lieb; Sie sprach: »mein man, ich hab dich holt, und wan dich nem der tot dahin, in mein rock ich dich neen wolt.« der bauer funt ein sin, ir lieb erfaren wolt, und fru fur er bin in den walde, sprach zum knecht Heinzen balde: »mit schwarzberen mich wol bestreich blutig und bleich, eim toten gleich, und mich heimleich leg balt auf den holzwagen dar, deck mich mit reisig zu, 2. Für mich heim, sprich, ein baum hab mich erschlagen. wie sich mein frau doch stellen wert, obs mich net in den rock.« Der knecht tet, wie der bauer im tet sagen, fürt in in hof heim mit eim pfert, da lag er wie ein block. Der knecht weint, rieb sein augen rot; die beurin sprach: »was ist dir doch?« er sprach: »unser bauer ist tot, in erschlug ein baum hoch.« sie sprach: »schau narr, ich mein, du hest dich in ein fuß gehauen.« den baureu tet sie schauen. der knecht sprach: »sucht den rock herein, das man net ein den toten fein.« sie sprach: »mir nein! hol im stadel die alt seuhaut, ist zum grabtuch das best.« 3. Er bracht die seuhaut, darein tets in neen; fuß und kopf raget im heraus; die seuhaut war zu schmal Sie sprach: »mein lieber man wie tustu seen, wie sicht dein har, das vor was kraus!« der tot man ließ ein schal Und sprach: »ich sich wie ein seuhaut, du grober, unverschamter bock! ich het dir beßres zu vertraut. ist dis dein roter rock? erst hab' ich recht dein treu erkent.« sie war ein list erdenken, sprach: »narr, sol man nit schwenken? ich west wol, das du nit warst tot, triebst nur dein spot. mein rock blutrot sol dir on not werden, wan du halt morgen stürbst.« so wart der narr geblent. Der student im schne In des Römers gesangweis. 5. juni 1545. 1. Zu Florenz ein student, der was Rainerius genant, in lieb gen einer schonen witfrauen enbrant, die in aber allein begert zu effen; Als er ir het gehofieret ein lange zeit, nun het es auf ein tag ein großen schne geschneit, die frau dacht: »heint wil ich mein bulen treffen!« Zu abents sie den anschlag macht, ir meit heimlich zu dem studenten schicket, das er zu ir kem auf die nacht, auf das er würd in süßer lieb erquicket. fro war der student, kam in hoff, wart auf sein liebe frauen; in der eile die meit herab die stiegen loff und sprach zu im: »verziecht ein kleine weile! in einem winkel euch verhalt in unserm hof herniden, bis von ir ge ir bruder alt, dan wil ich balt euch nauf berüfen.« dergestalt was der student zufriden. 2. Der student stund ein lange zeit also im schne, entlich tet im der frost an füßen also we, das er an einer stat nicht mer kunt bleiben, Und ging im schne zitrent, zanklaffent auf und ab, sein ganzen leib der frost gewaltig übergab; die frau schaut zu, den spot wart aus im treiben. Vor tags ließ in die meit hinaus sprach: »heut ist hie blieben der frauen bruder. mein frau traurt um euch überaus.« der student verstunt wol der untreu luder, ging heim und legt sich krank zu bet, die arzet an im schmierten siben wochen. nach dem die frau ein bulen het, der in lieb und treu von ir het gebrochen; doch sucht die frau hilf und arznei bei gemeltem studenten, der leret sie ein zauberei, das sie möcht frei iren bulen zwingen darbei, in lieb bei ir zu enten. 3. Die frau fing an die zauberei und ging ser spat hinaus an ein fließent waßer weit vor der stat, darin tet sie zu sibenmal sich dücken Und trug an irem arm ein kleines zinnes bilt, darmit stieg sie auf einen öden turen wilt, tet sibenmal gen mitternacht sich bücken; Etlich segen sprach sie darab, der student die leiter vom turen stale; als nun die frau wolt steigen nab, war hin die leiter, sie erschrak zu male. nun het der turen kein obdach, den tag must sie da braten an der sunnen, haut und har ging ir ab darnach, so war sie an der sunnen hitz verbrunnen. herab half ir ein bauer alt. der student mit den zoten, wie er erfror im schne so kalt, mit hitz bezalt er sie. widergelten der gestalt, spricht man, ist nicht verboten. Die gensbrucken Im langen ton Heinrich Müglin. 6. juni 1545. 1. Zwen kaufmenner zogen um rat zu Salomo, der erst klagt im, wie er het ein bös weib also widerspennig, zenkisch an allen orten; Der ander klagt, wie er sein zeit on freut vertrieb und das in gar auf ert niemant wolt haben lieb; dis zeigtens all beid an mit kurzen worten. Salomo zu dem ersten sprach: »ge auf die gensbruck!« tets damit beschliesen: zum andern kaufman er auch jach: »hab lieb!« so wurdens beid von im gewiesen; ir keiner wust nit, wie im war, und ritten also widerumb ir strase, kamen zu einer brucken dar, darüber man maulesel treiben wase; darunter war ein stetig maul, das schlug der eseltreiber wol drei mal, e das es wolt gen, das dise zwen in straften, da sprach er zu in: »reit heim, straft eure weiber!« 2. Der erst kaufman fragt, wie die schöne brucken hieß? »man sagt die gensbruck.« da sprach er: »nun ists gewiß, das ich mein weib mit streichen gut muß machen.« Er kam zu haus und der ander kaufman mit im; sein frau sach sie beid an über die achsel schlim, kein gutes wort ginge aus irem rachen. Darzu must er nur schweigen stil, gar lauträsig tet sie schelten und fluchen. zu seinem gast sprach er: »ich wil küng Salomonis rat an ir versuchen.« nach dem er auf sein frauen schlug vil starker streich, triebe sie in ein ecken und sie beim har im sal umzug. sie schrei mordio, tet beid hent aufrecken und sprach: »hör auf, herzlieber man! ich wil mich dir ergeben, dir alzeit untertenig sein, nicht reden ein, geben forthin kein böses wort, dieweil ich hab mein leben.« 3. Von vilen streichen wart schwarz, gelb und blau ir leib, darnach het er ein gütig und gutwillig weib, hielt sich gehorsamlich nach rechter weise. Der ander kaufman kam heim, lebt freuntlicher art, darnach von allen menschen auch geliebet wart, dan lieb bringt lieb, lieb ist der lieb ein speise. So wurden sie all beid gewert, da sie folgten her Salomonis rate, also wo noch ein man auf ert ein ungstüm bös widerspennig weib hate, leidlicher im das fieber wer, so het er etwan einen guten tage; also sint im all stunt zu schwer. drum folg er dem Salomo in der plage. dergleich wo ein feintselig mensch ist bei jungen und alten, so sei er freuntlich und hab lieb – wie das beschrieb Johannes Boccatius – so wird er auch lieb gehalten. Der müller mit der katzen In dem hofton Muscatblüts. 25. juni 1545. 1. Ein müller war, welcher doch gar vermeret was beim bauren, das er gar zu hart tet mitzen. Ein bauer bracht im trait und dacht, wie ers unzupft und ungerupft brecht aus der mül mit witzen, Blieb in der mül, bis man abmalt, den ganzen halben tage. seim weib ofnet der mülner balt sein heimlichen anschlage. als in der kül loff durch die mül des mülners große katzen, so balt der mülner die ersach, zum bauren sprach: »schau an, das tier, das fehet mir die aller grösten ratzen. 2. Auch kan sie sunst ein freie kunst; sprich ich ir zu: greif und faß du, so kan im bach sie fischen.« Der bauer zwar sprach: »ist dis war? geren ich sech, wan dis geschech.« der müller tet erwischen Sein katzen, trugs hinaus an bach, sam solt sie fischlein fangen; der fürwiz bauer zog hinach; der mülner mit verlangen der katzen schrier eins oder zwier: »greif! greif!« und tet sie zetzen; er meint aber die müllerin, die heimlich din verborgen stack, die greif in sack, stal daraus einen metzen. 3. Der mülner hilt die katzen wilt neher an bach und schrier darnach »greif! greif!« zum andern male. Die müllerin hort wie vorhin und aber grief in sack gar tief, wider ein metzen stale. In bach warf er die katzen sein, sprach: »du bist heut unlüstig.« sie gingen beid int mül hinein faßten das mel gar rüstig. der sack war ler, da saget der bauer: »ich het nicht glaubet, das mein koren so übel geb, so war ich leb, wer ich nit frei gewest darbei!« durch list wart er getaubet. Das verwunt tigertier In dem kurzen ton Hans Sachsen. 26. juni 1545. 1. Ein tigertier, das wont in einem walt, darinnen war der tierlein manigfalt, über die all das tigertier war küne Es het sein stande auf einem plan ser weit, besorgt sich vor keiner geferlikeit, wan es war als vol meienblüt und grüne. In einem hag verborgen lag ein jeger, het gelauscht den ganzen tag schoß mit dem armbrost heimlich aus der hecken ein scharfen stral ins tigertier, zu stunt es in das hinterdich heftig verwunt und tet das starke tier heftig erschrecken. 2. Ein fuchs der sprach: »wer hat dich so verwunt?« das tigertier sprach mit seufzendem munt: »mein feint ist hinter mir heimlich verborgen, Der mich hat hinter rück also entleibt.« Esopus dise fabel uns beschreibt, daraus lert er uns, alzeit sten in sorgen, Weil mancher man nichts bös hat tan, stet sicher da auf aller eren plan unschuldig gar, beide an mund und hande und hat nach tugent alle zeit gestrebt und erbar wie ein biderman gelebt, das er fürcht gar kein bös geschrei noch schande; 3. Aber des schentling schnöden klaffers munt in hinterwertling durch sein zungen wunt, durch neit und haß, doch heimlich und verborgen Und bringet auf in ein falsches gezücht, macht stinkent im sein gut erlich gerücht und stößt in erst in heimlich angst und sorgen. Darum man spricht: vor eim böswicht und bösem maul kan man aufheben nicht, aber vor eim dieb kan man wol einschließen; auch ist eins klaffers giftig zunge los ei! erger vil, dan ein scharfes geschoß, die hinter rück tut die unschulding schießen. Der edelman mit dem gottesknecht In der lilgenweis Hans Vogels. 12. septemb. 1545. 1. Ein edelman gefangen num eins burgers sune frum; als der im turen lag, setzt er im, auf ein tag hundert gülden zu geben. Der junk sprach: »junkher, laßt mich aus, das ich kum heim zu haus, bring euch die gulden rot; die weil setz ich euch got zu eim bürgen darneben.« Der edelman ließ in darvan nam von im an den bürgen mit eim eide. der junk kunt kumen nit, wie er bescheide, wie wol er all sein hab verkauft, das gelt zusamen hauft, doch felt im noch stets vil, und bleib über das zil noch aus drei wochen eben. 2. Der edelman wart auf das gelt reit eins tags über felt, mit im zwen reisig knecht, sach mit großem gebrecht im walt sitlich her hengen Ein abt mit seinem knechte bloß, ritten zwei gute roß, das müt den edelman, sprach sein zwen knechte an: »den abt woll wir ansprengen! Sich keiner saum!« bei einem baum fiel im in zaum und fragt in, wer er were? »ich bin gottesdiener?« so antwort ere, »got ist mein her zu aller zeit, in seinem dienst ich reit, der selb auch für mich ficht und heftig an den richt, die mich auf erden drengen.« 3. Der edelman sprach: »ir kumt recht, weil ir seit gottes knecht, der ist bürg worden mir um hundert gülden schier für ein gfangen zu geben, Der selbig ist mir blieben aus; nun se ich hie, er knaus; euch, seinen dienestman, nem ich auch für in an.« und nam in gfenklich eben; Fürt in trostlos hin auf sein schloß, nam beide roß und alles was er hete. nach dem der junk sein gelt auch bringen tete, sprach er: »bhalt dein gelt! sei getröst, dein bürg hat dich gelöst.« so der frum ledig wart, und auch des abts hoffart gestrafet wart darneben. Die zeichen des regenwetters In dem abentton Nachtigals. 1. novemb. 1545. 1. Wiltu erkennen regen, wan der zukünftig sei: die morgenröt alwegen zeigt regenwetter frei; auch wan der wint tut wehen her von dem nidergang; Auch wan die sun am morgen gibt langer streimen glanz, oder bleibet verborgen durch schwarze wolken ganz; auch tut sich regen nehen, so bleich ist ir aufgang; Auch wan des mones scheine, die steren groß und kleine schwarz, dunkel sind und bleich; wan nebel berg bedecken und weht ein weicher luft, wan wald, stauden und hecken schwarz scheinen, sam beduft, so kumt regen gemeine, der das lant übereich. 2. Wan die sun hart tut stechen und sich enten und gens sint baden in den bechen und die frösch mit gedens frü schreien gegen tage, zeigt regen künftig sein; Wan sich vom gweb die spinen verkriechen allenthalb, im korb bleiben die binen, wan nider fleugt die schwalb auf dem waßer und schlage ire flügel darein; Wan sich die seu tun jücken, der esel weltz am rücken und die hunt freßen gras und es do, wider speien, wan auch weiber und meit über die flöch tun schreien, und tunt in vil zu leit, auch hart stechen die mücken, so deut es almal naß. 3. Wan die roß auf den wiesen roßwebsen beißen ser, und wan die kü auch bisen, künen nicht bleiben mer vor bremen und bismücken, so ist regen nicht weit. Auch wan die bachen rinnen, das salz wirt len und weich, die meit schleft ob dem spinnen, das licht brint dunkel bleich; auch wan die zehen jücken, so ist es regens zeit. Wan feucht ist das gemeuer und dunkel brint das feuer und bleibt im haus der rauch, die alten weiber granen, das kint des nachts nit frum, das als tut dich vermanen, das regenwetter kum. die zeichen fert als heuer geit uns der teglich brauch. Cymon mit Ephigenia Im rosenton Hans Sachsen. 26. jenner 1546. 1. In Cypern saß ein edelmane hieß Aristippus, wol getane, der het ein son Cymon genant, den tet er hinaus auf das lant, zu bleiben in der bauren zunfte, weil er war on sin und vernunfte. Der fund in einer grünen wiesen, ein silber klares brünlein fliesen bei dem ein schöne jungfrau lag, Ephigenia, um mittag. Cymon stunt bei ir in der gröne, verwundert sich an irer schöne, Gescherft wurden im sin und witz durch inbrünstiger liebe hitz; kam heim und tet fleißig studiren, rennen, stechen, fechten, turniren, in aller ritterlichen tat für all junkherren in der stat; ließ werben um die jungfrau klare, die gen Rodis versprochen ware 2. Pisimondo, eim edlen jungen. Cymon durch liebe wart gezwungen; als man die braut gen Rodis sant, da legt er an das schiff sein hant und in die braut nam mit gewalde, wolt mit auf Creta faren balde. Indem hub sich ein sturmewinde und schlug das schiff zurück geschwinde bei finstrer nacht; als es wart tag, das schiff nit weit von Rodis lag; die Rodiser auf sie ausfuren, von den sie all gefangen wuren; In ewig gfenknus man sie schloß. darin lag Cymon gar trostlos, sein herzlieb nimer mer zu sehen. kürzlich nach den tagen geschehen, wolt Pisimondus hochzeit han mit seiner braut, geziret schan; dergleich sein bruder auf ein morgen wolt hochzeit haben unverborgen. 3. Die selb braut het der richter holde, sie im mit nichten laßen wolde, hielt mit dem gfangnen Cymon rat, der was auch willig zu der tat. zu abents auf den hochzeittage, als mans nachtmal zu eßen pflage, Gewapnet auf den sal sie zugen, wer sich ir weret, sie erschlugen, beid breutgam schlugen sie zu tot; der sal der wurt von blut gar rot. beid breut sie namen mit gewalde, kamen an die merporten balde Und saßen auf ein großes schiff, furen hin auf dem mere tief und hetten darnach hochzeit beide – wie uns Boccatius bescheide. also die lieb oft witzig macht, das man nach zucht und tugent tracht, doch wagen vil unglücks darneben, bis lieb mit lieb in lieb mag leben. Cupido mit dem hönig In dem süßen ton Regenbogens. 23. februar 1546. 1. Als Cupido, der sune der göttin Veneris, in einen binstock brache, das süß hönig versucht, Darvon er freut gewune. ein bin in aus verdrieß mit irem angel stache; do schrei die edel frucht Und gab die flucht und seiner muter klaget, wie schmerzlich we und iniklich im tet der stich, das er schier wer verzaget, sprach: »muter, heil und tröste mich.« 2. Venus die lacht von herzen sprach: »wer das hönig süß der lieb sich tut gewenen in freuden iemerzu, Der selbig muß den schmerzen auch leiden, das er büß, eifern, meiden und senen, sorg, angst, we und unru. Wan welchen du mit der lieb tust verwunden, entpfint der süßen freut gar schmal, doch ane zal ist er mit schmerzen bunden an sel und leibe überal.« 3. Darum wer solchen schaden alhie vermeiden wol, der sol die lieb verachten und abwenden sein herz; Sol sie zu haus nicht laden, sunder sie weislich sol ausjagen und betrachten der liebe kurzen scherz Und langen schmerz; nachreu, schmach, schant und spote, schaden an sel, leib, er und gut, an sin und mut, armut, krankheit und tote der süßen lieb nachfolgen tut. Der tot mit Cupidine In der hagenblüt Frauenlobs. 23. febr. 1546. 1. Als eines nachts der tot bei einem wirt zu herberg war, hing auf sein köcher mit sein totenpfeilen Mit dem er bracht in not die alt verlebten langer jar, musten durch sein geschoß zum grabe eilen. Nach dem Cupido, ein got der lieb, spate auch in die herberg zu dem wirt eintrate, den legt der wirt in des todes kemnate. 2. Sein köcher er aufhing, darin er het der liebe stral, darmit verwundet die jungen alleine; Frü in der finster ging der tot hinweg, nam in dem sal Cupidinis köcher, meint er wer seine; Cupido in der finster nam mit eile des todes köcher mit der toten pfeile; also erwischt ieder des andern teile. 3. Darnach wan der tot schoß ein alten, so wurt er in lieb wüten und tet im um ein bulschaft werben; Und wan Cupido bloß durch dise pfeil ein jüngling trieb in lieb, so must er auch der wunden sterben. Derhalb manch alter noch um liebe wirbet, dargegen mancher jüngling noch verdirbet, an der süßen wunden der liebe stirbet. Der teufel mit dem alten weib In der rebenweis Hans Vogels. 30. merz 1546. 1. Ein evolk dreißig jar fritlich lebet, an allem ort, mit werk und wort; verdroß den teufel gar, all sein list war umsunst, in frid sie unvernecket bliben. Er verhieß ein par schuch einem uralten weib, verste! wo sie die e möcht fellen in ebruch, dardurch sie aus ungunst zu einem mort würden getriben. Die alt hex nam den handel an, sprach zu der frauen: »euer man, der treibet heimlich bulerei; wölt ir es innen werden frei, so stoßt in euer bet ein meßer unter euer haubt, darnach, gelaubt, wan er von euch aufstet, so werd ir durch die kunst erfaren, secht, wen er tut lieben.« 2. Auch die alt kuplerin sprach heimlich zu der frauen man: »was habt ir tan? euer weib wil euch hin richten heint; in dem bet hat sie ein scharf meßer verborgen.« Der man erschrak der wort, als er zu bet sich niderlegt gar hart bewegt; sein frau auch an dem ort lag zornig ungeret, iedes tet auf das ander sorgen. Der man fur auf ergrimet tief, das meßer unterm küß ergrif, schnit seinem weib die kelen ab. zuhant groß trauren in umgab und sich erst recht bedacht der frauen lieb, gunst unde treu. ob der nachreu verzweifelt er die nacht und sich selb henken tet, an seines weibes gürtel tet erworgen. 3. Frü kam das alte weib und bannt den teufel in ein kreiß; vor sorgen heiß wart im und sprach: »da bleib im kreiß!« und ein stab schelt, daran tet er die schuch ir langen. Sie fraget, warum er den stab schelt? da sprach er: »du bist vol arger list! wan du möchtst kriechen her dar zwischen, das ich quelt würt von dir, bunden und gefangen! Wan solcher böser weiber drei fingen im felt den teufel frei. erger dan ich so ist dein munt. du bist wol des teufels jaghunt!« hiebei ein evolk merk und gelaub keinem bösen maul, in geschwetz faul, sunder in treu sich sterk und bleib in frid erwelt, so sint sie vil unglücks entgangen. Der gestorben narr In dem grünen ton Frauenlobs. 20. april 1546. 1. Ein narr zu Florenz ware, der Nigniaca war genent, frölich, doch gar einfeltig; etlich burgers sun an dem ent machten mit einander den pakt, wie sie den narren tot krank wolten reden. Zu im kam einer dare, sprach: »wie ist dein angsicht so bleich! ich mein, du hast das fieber.« ein ander kam, sagt große streich: »wie sichst so tötlich und verzagt? sich! kum heim ins bad und ge mit uns baden.« Der narr erschrak von herzen, ging mit den zweien heim zu haus, sagt, er entpfind groß schmerzen, und in sein bet sich leget. der jungen bürger kamen mer und klageten den narren ser, stunden ums bet, der narr sich nit mer reget. 2. Teten zusamen sprechen: »die füß, die sint im schon erkalt, er fecht gleich an zu sterben; wie ist er so totlich gestalt schau zu, wie vispert im die nas! secht, secht! wie tut sich sein angsicht anspitzen! Die augen im schon brechen, secht zu, wie streit er mit dem tot. iez get im aus die sele! er ist dahin! genad im got!« der narr hört und gelaubt im, das er tot wer, lag und tet vor angsten schwitzen! Sie teten in ser klagen, darnach legtens in in ein bar, ließen zu grabe tragen hin ein die großen pfarre. auf dem weg fraget iederman: »wer ist die leich?« da zeigtens an, es war Nigniaca, der arme narre. 3. Eins wirts knecht sprach: »der töret, der ist gewest ein dieb und schalk; man solt hinaus an galgen aufhenken seinen toten balk! das wer der rechte kirchhof sein; man solt in in das gweicht ertrich nit graben.« Und als der narr das höret, da sprach er auf der totenbar: »lebt ich und wer nit gstorben, so sagt ich iez: du hast nit war und lügst in deinen hals hinein! frag, die mich in dem leben kennet haben.« Da lacht des volkes haufen, und setzten die bar auf die ert und teten darvon laufen, merkt erst der schalkheit kreiden. wer noch einfeltig ist und stil, den überret man was man wil; der frum und einfeltig, der muß vil leiden. Der falsch notarius In dem blaben ton Frauenlobs. 20. april 1546. 1. Ein notari zu Florenz saß, er voller arger liste was und war gar scharf gelerter kunst, zu liegen und zu triegen. Ein jungen burgers sun fragt er, ob er bezalet worden wer der fünfhundert gulden mit gunst, die sein vatter in kriegen Geliehen het einem haubtman der fert gestorben iste? der jung sprach, er west nichts darvan. der notari durch liste sprach: »ich hab noch das instrument, darin er hat die schult bekennt; ich gib dirs um fünf gulden rot, darmit magstu gesiegen.« 2. Der jung das instrument bezalt, einfordert für gerichte balt des haubtmans sun und in verklagt um die suma in zoren. Des haubtmans sun fast laugen tet, wie er seins vatters bücher het, der keins von der schult sagt; und wolt haben geschworen. Doch vor zu dem notari lief, sprach: »du boswicht, merk eben, du hast gemacht ein falschen brief. mein vatter in seim leben von dem entlenet hat kein gelt.« der jurist sprach: »du hast gefelt! ich war selb bei diser handlung; gschach, e du warst geboren. 3. Das gelt lieh er deim vatter bar, doch darnach in dem ersten jar hat in dein vatter wider zalt, des hab ich ein quittanzen, Und wan du gibst fünf gulden mir, so wil ich sie zustellen dir, so wirst du von im ledig balt und darfst nit vil kramanzen.« Der jung im auch fünf gulden gab. also er sie beid schunde und schweißet in ir geltlich ab mit listen also runde. das ist noch der juristen kunst: sie machen einen blaben dunst, das seinem beutel wirt gestrelt. das in got geb die Franzen! Der baurenschinder In des Müglings hofton. 27. april 1546. 1. Zu Ertfurt ein juriste saß, den man schickt auf das lande, da er den bauren tückisch strelt um ir bar gelt am gricht unter der linden. Eins tags zog er hinaus sein straß, sein nachbaur wol bekande sprach: »wo wölt ir hinaus so stil?« er sprach: »ich wil aufs lant und bauren schinden.« Eins mals der nachbaur vor dem tor spazieret on geferde, ein bauer hielt zunechst darvor mit einem toten pferde, der fragt nachs schelmenschinders haus: »das mir daraus mein pfert geschunden werde.« 2. Der nachbaur mit dem bauren ging für des juristen hause, sprach zum bauren: »da sitzt der man; klopf weidlich an, wan er sitzt weit dahinden.« Der bauer zu klopfen anfing der jurist gutzt herause, fragt in unwirs, was er begert. er sprach: »mein pfert bring ich euch hie zu schinden.« Er sprach: »heb dich hinweg, du narr! wer hat dich her geheißen?« der bauer sprach: »nit also scharr!« tet auf den nachbaur weisen. der jurist droet im gar wol und sprach: »dich sol der teufel noch zerreißen!« 3. Zu morgens in vor gricht verklagt für sölich schmach und schande, sprach in um dreißig gulden an; da sprach der man: »mein unschult wirt sich finden! Weil der jurist nun selber sagt, er wolt hinaus aufs lande und bauren schinden hin und her, so dacht ich, er künt tote roß auch schinden.« Billich schunt der auch tote pfert, der also on erbarmen den lebendigen schint auf ert. wer bei in tut erwarmen, dem schinden sie ab haut und har, sein geltlich bar, und muß durch sie verarmen. Eulenspiegel mit dem heiltum In der meienweis Jörg Schillers. 28. april 1546. 1. Als Eulenspiegel durch das lant mit seiner schalkheit war bekant, schier keinen guten platz mer fant; wan durch sein tück stift vil unglück, das man sein balt het gnug. Darum er auf ein sumerzeit sich einem pfaffen gleich bekleit, darmit stationieren reit im lant herum mit dem heiltum und vil leut mit betrug. Wan er het ein kal totenhaubt aus einem kernterhaus geraubt, das selb er faßen ließ, gelaubt! ein weng in silber ein und kam ins lant zu Pommern mit, west da der selben pfaffen sit, das sie hetten studiret nit; den nur war wol, das sie stets vol soffen bei bier und wein. 2. Wo er auf einen kirchtag kam, so legt er aus sein ablaßkram, den dorfpfaffen balt zu im nam, sprach: »der halb teil sei dir zu heil, laß mich ein predig tan.« Alsdan für den koraltar stunt, mit dem geschwetz so ward er runt, darnach sein heiltum zeigen gunt: »das totenhanbt das ist, gelaubt, vom heiling Stolprian, Das euer lieb mit andacht schau! und steuret beide man und frau! das gelt ghört zu einem großen bau, im zu einem gotshaus; doch nur von reinem gebet her. ob ein ebrecherin da wer, der selben gelt ich nit beger; die selb bleib sten, tu nit her gen und geb kein opfer aus.« 3. Als die beuerin hörten das, welch schon ein ebrecherin was, so opfert sie nur dester bas, das mans nur sech und sie frum sprech; manche opfert drei mal. Welche kein gelt het aller ding, vom finger zugs e ab ein ring und darmit auch gen opfer ging; von irem dreng wurt schier zu eng die kirchen überal. Wan welche het geopfert nicht, die het man übel ausgericht, man het gemeint, sie wer entwicht. darum tetens all gon. das opfer Eulenspiegel num, sie waren gleich bös oder frum, und bestreich sie mit dem heiltum. kem einer her mit dem opfer, brecht auch vil golts darvon. Das bös weib mit dem wolf In frau Eren ton des Erenboten. 14. mai 1546. 1. Es hieß ein burger Thalamo, der het ein zornig weibe, zenkisch und boshaftig, also vor irem gron und murren der gute man kein guten tag nie het. Das war dem guten man gar schwer, wie sie peinigt sein leibe, so kunt doch das nit wenden er. ir üppiklich anschnurren er mit gedult ganz überwinden tet. Eins nachts traumt im, wie sein frau in dem walde ein großer wolf erhaschet het mit gwalde bei irem hals und wolt sie auch hintragen, die schrei um hilf, das es erkracht, in dem der gut man auferwacht und tet den traum seim bösen weib ansagen. 2. Und sprach: »geheut nit in den walt, das rat ich dir in treuen!« sie aber schrier hinwider balt »potz leichnam, der prophete die ding in seinem bruch erlesen het!« Er sprach: »in treuen warn ich dich, es möcht dich sunst gereuen.« sie sprach: »wie sorgst so hart um mich? zu herzen mirs nit gete.« balt nun der man für sich gieng in die stat, Sprach sie: »ich merk, das mein man in dem holze heut hat gezilet einer bübin stolze, nun wil ich gen im walde mich verstecken, was mein man für kaufmanschaft treib.« darmit gieng das boshaftig weib und kruch im walde in ein dorenhecken. 3. Als sie da lag verborgen lang, aus einer dicken stauden ein großer wolf her auf sie sprang, ergriff sie bei der kelen, trug sie dahin, das sie nit schreien kunt; Das sahen die hirten darbei, die loffen zu mit schnauden, machten im holz ein groß geschrei, teten des wolfs nit felen, schlugen und stachen in totlichen wunt. Die frau wart von den hirten heimgetragen, tet ir bosheit halb selber in sich schlagen, war irem man nicht mer so widerwertig. o, das der selb wolf wider kem, die weiber bös beim kragen nem, das sie auch würden frum, geschlacht und ertig. Hagwardus der liebhaber Im grünen ton Heinrich Frauenlobs. 31. mai 1546. 1. Hagwardus war aus Schweden ein edler schöner jüngeling am denmerkischen hofe, der war in lieb entzünt gehling gen des künigs tochter Signe, dergleich so liebet sie in auch von herzen. Durch neid und hinterreden fing der adel ein lermen an; des königs sun erschluge er und balt aus Denmark entran; im gschach der jungfrau halben we, entlich überwant in der liebe schmerzen, Legt an ein frauengwande und bracht dem könig einen brief von Haco aus dem lande und kam ins frauenzimer. die junkfrau in gar balt erkent, ließ in ir kemnat in behent bitten, als hets mit im zu reden imer. 2. In freudenreicher liebe lag bei der allerliebsten sein Hagwardus; der tet sagen: »ergriff mich der her vatter dein, ich müst leiden ein harten tot; was wolstu tun?« da antwort sie hinwider: »On dich ich auch nit bliebe; ich wolt, herzliebes lieb, mit dir sterben oder genesen.« in dem ward er verkuntschaft schier und wurt gefangen da, in not in einen kerker tief geleget nider. Frü wart das urteil geben, das er solt sterben an dem strang. die jung küngin sprach eben zu all iren junkfrauen: »weliche mit mir sterben wolt?« nun hetten sie die alle holt, wolten mit ir all sterben mit vertrauen. 3. Als aus gefüret wurt der teuer, sach er sein lieb im fenster wol, er neiget ir sein haubet, gesegnet sie vor, leides vol; nachdem entzündet sie den sal und henket sich mit all iren junkfrauen. Als nun aufging das feuer, sah ers an dem galgen und sprach: »nun wil ich geren sterben und meinem herzlieb faren nach, die ir treu helt an mir zumal und stirbt um mich, als ich ir tet vertrauen; Die lieber dan mein leben mir hie auf diser erden was, wil ich beleiten eben.« der henker tet in henken, also nam er ein frölich ent – die schwedisch cronica bekent. lieb tut von lieb in lieb noch leit nicht wenken. Das toten erquicken In dem schatzton Hans Vogels. 6. juli 1546. 1. Es wont ein könig in Edom, Anastres Tasri war sein nam, der mit hohem verstande ein man het, hieß Berosias; der selb in einem buche las, wie im Indier lande weren gar weit erkande Gar hohe berg, darauf erbaut weren gar edel würz und kraut, vil beum, der eigenschafte: wan man die künstlich ordinirt, zusam stieß, brent und conficirt, so gwünnen sie warhafte ein solche edle krafte, Das man die toten mit erwecket. der künig großes gut darstrecket seim meister, das er zoch im Indiam und da anhub, der edlen würz er sucht und grub; kraut und frucht allenthalben samlet er auf den bergen hoch und macht daraus die salben, 2. Und bestrich einen toten mit, darvon wurd er doch lebent nit, des erschrak er gar sere; der Indier weisen das klagt, von dem wurd im also gesagt, das dise hohe lere het ein auslegung mere: Wie durch den berg wurden bedeut die hoch gelert und weisen leut in India dem lande, aus den wüchsen zu aller zeit beum, kreuter, würzen der weisheit, durch ir sinreich verstande vernünftig allerhande. Aus solcher kunst zusam getrieben sie darnach gute bücher schrieben, das wer die edel salb, darmit man die toten erquickt, des todes bande in ausstrickt; die toten bedeuten die jugent, welche tet leben allenthalb on kunst, weisheit und tugent. 3. Die wird aus den büchern gelert, von ir unwissenheit bekert, die dem tot gleichet eben, so sie empfecht rechten verstant, folgt nach mit herzen, mund und hant, wie ir die ler tut geben, fecht erst an recht zu leben Nach ordenung menschlicher zunft in tugent, weisheit und vernunft erst ist vom tot erquicket. heim eilt der weis Berosias und dem könig anzeiget das, der die weisen beschicket, ir ler in bücher zwicket. Wie man das findt im Buch der weisen. darum die bücher sint zu preisen kunst, zucht und guter ler, welche das töricht gmüt erleucht, das es forthin die laster scheucht, tödt ir eigen begire, lebet in tugent, zucht und er in aller weisheit zire. Der fuchs mit dem han In der gruntweis Frauenlobs. 7. juli 1546. 1. Ein hungeriger fuchs nach speis ging ause, hört bei eins bauren hause auf einem baum zu nacht krehen ein han. Der fuchs sprach: »wie tustu so frölich krehen?« der han tet wider jehen »ich merk und kre den künfting tage an.« Der han kret fluchs, da tanzt der fuchs; der han der sprach: »warum tanzstu?« der fuchs antworten tete: »du götlicher prophete, von deiner stim ich solche freud empfach, 2. Weil du erkenst den hellen tag zukünftig, den meldest so vernünftig, so bistu aller vogel wol ein fürst; Erkennest auch, wan sich verkert das wetter, selig sint all dein vetter, darum mich ser nach deiner freuntschaft dürst. Ich bit, allein laß mich doch dein heiliges haubt küssen als eines weissagen der grosen.« dem schmeicheln und liebkosen der töricht han leichtfertiklich gelaubt. 3. Flog von dem baum, dem fuchs mit dem kopf gnappet, wie balt der fuchs erschnappet den han bei dem kragen und in erbiß Und sprach: »ich hab on witz funden den weisen«, und tet sich mit im speisen. im buch der alten weisen fint man diß. Hie merkt man bei, das schmeichlerei weis leut verfürt; wer ein lobt so mit heuchlerischem liegen, der begert ie zu triegen, wie man das ietz in aller welte spürt. Die ungleichen kinder Eve In dem zarten ton Frauenlobs. 25. august 1546. 1. Nachdem Eva vil kinder het gezeugt, verstet! eins tags der her wolt kumen, das er mit ir ret. ir schönste kinder sie aufmutzt, sie badet, strelet, zaffet, zopfet, ziert und putzt und stellen tet, das der her segnet sie. Ir ander kinder ungestalt, jung unde alt, verstieß sie in das heu und stro und sie fast schalt; eins teils schub sie ins ofenloch. so verbarg Eva sie, weil sie besorget hoch des herren gwalt, der würt verspotten die. Als nun der her zu Eva kam eingangen wart von den schönen kindern er entpfangen sie gunden vor im prangen, wie sie Eva het angelert. der her geert, sich zu in kert und segnet sie alhie. 2. Sprach zu eim: »du ein künig sei!« zu dem darbei: »sei ein fürst!« und zum dritten: »du ein grafe frei!« zum vierten: »sei ein ritter schon!« zum fünften sprach er: »und du sei ein edelmon!« zum sechsten: »ei, du sei ein burger reich!« Als Eva hort des segens wort, da loff sie fort, holt ire kinder iegliches von seinem ort und stellet sie alle für got ein gstrobelt unlustig grindig und lausige rot, schwarz und verschmort, fast den zigeunern gleich. Der her tet des rostigen haufen lachen, tet bauren und hantwerker aus in machen, zum malen und zum bachen, schuster, weber und lederer schmit und hafner, waidleut, fischer furleut und der geleich. 3. Eva die sprach gar trotzigleich: »o herre, reich! wie teilest du den segen aus so ungeleich? weil die kinder sind allesame geboren von mir und von meinem man Adame, dein segen gleich solt über sie all gan!« Got sprach: »es stet in meiner hant, das ich im lant mit leuten muß besetzen ein ieglichen stant, darzu ich dan leut auserwel und iedem stant seines geleichen leut zu stel, auf das niemant gebrech, was man sol han.« Also durch dise fabel wirt bedeute, das man zu iedem stant noch findet leute; darbei man spüret heute, wie got so wunderbar regiert, mit weisheit ziert, er ordiniert zu iedem werk sein man. Verbietung sorg um zeitlich narung In der schrankweis Hans Folzen. 18. september 1546. 1. Matthei sexto Cristus spricht: niemant kan zween herren dienen, sunder er muß gericht einen haßen von ferren und den anderen lieben tan oder wird einem hengen an, den andern lert verachten im zu schaden. So kündt ir auch nicht dienen sein got und dem mamon eben, darum, so sag ich euch, allein sorgt nit für euer leben, wo ir wolt essen, trinken han auch nicht für euer leibe schan, wie der geert mit kleidung wirt beladen. Nun nemet doch war aller weis: das leben ist mer, dan die speis, der leib mer, dan der kleider preis; auch nemet war der vogel schar fliegen unter dem himel klar, sie seen auch nit über jar, sie ernten nit, noch samlen zwar auch nicht in ire scheunen ein, doch der himlisch vatter verpflicht sie all ernert aus vetterlichen gnaden. 2. Seid ir dan nicht vil mer dan sie? wer ist unter euch allen, der seiner leng ein ellen hie kunt zutun nach seim gfallen, ob ir gleich darum sorgen seit; warum sorgt ir in diser zeit für die kleider? tut auf dem felt anschauen Die lilgen, wie sie wachsen schon, doch nit spinnen noch nehen! ich sag euch doch, das Salomon nicht also wart gesehen in aller seiner herlikeit so schon und zierlich sein bekleit als eins diser blümlein in grüner auen. So dan got auf dem felt das gras so zierlich kleidt on unterlaß, das heut grünet in solcher maß und morgen zwar in ofen dar geworfen wirt, solt euch dan gar got nit mer tun solichs fürwar? o die kleingelaubige schar! darum solt ir kein sorgen han und sagen: »was werden wir ie eßen aber trinken?« aus unvertrauen. 3. Und wo nem wir die kleidung her? nach dem trachten die heiden. dan euer himlischer vatter weiß alle ding bescheiden, was ir bedürfet allgemein. trachtet nach gottes reich allein und halt nachfrag seiner grechtikeit eben; So wird euch solichs fallen zu. darum solt ir nit sorgen für den anderen morgen fru; es wirt der ander morgen selbs für das seinig sorgen fein gnug ist, das ieder tage sein sorg unde plag habe in disem leben. Aus disem text wert wir gelert, das got all gschepf kleit, ziert und nert, wie man es dan teglich erfert. darum arbeit in diser zeit ein christ, wie gotes wort ausschreit, nach seim beruf on widerstreit und fliech alle kleingleubikeit ste auch ganz aller sorg zu ru, vertraue got, das er im wer auf sein zusag sein teglich narung geben. Die frau Sorg und frau Faulkeit In der spruchweis Hans Sachsen. 1. Eins morgens frü vor tage ich ungeschlafen lage, ein dürres weib eintrate, stunt zu meiner bettstate, die was frau Sorg genennet, mit worten mich anrennet, Sprach: »wilt heut nit aufwachen? schauen zu deinen sachen? weib und kint zu erneren und deine reichtum meren durch emsige arbeite? auf! auf! auf, es ist zeite.« Zu meim bett wart herschleichen ein feistes weib dergleichen, die tet frau Sorgen strafen und sprach: »ei, laß in schlafen und ruen in seim bette, wan er lang reichtum hette, kein rast noch ru darinnen, wer wolt reichtum gewinnen!« 2. Sorg sprach zu mir in zoren: »ste auf, sunst bist verloren! wiltu der Faulkeit hulden, so mustu armut dulden. Faulkeit tregt auf dem rücke wol mengerlei unglücke.« Faulkeit sprach: »fleuch frau Sorgen, schlaf mit ru alle morgen. maniger arbeit sere und hat doch nichts destmere. wem der her günt sein speise, geit ers schlafender weise.« Sorg sprach: »die faulen hende verarmen an dem ende; emsig arbeit dergleiche macht habhaftig und reiche; darum trag ein im sumer, das du nicht leidest kumer in deines alters winter, sorgfeltig spar hinhinter.« 3. Faulkeit sprach: »gsell, merk eben, hie ist kein ewigs leben, du bringst nicht mer darvane, dan speis, ru, um und ane. wem woltst dich hart peinigen, bleib in der ru stil ligen.« Sorg sprach: »folg meiner lere; wilt haben preis und ere, so ste auf zu deim handel, verlaß der Faulkeit wandel, die dir reicht in dein hande spot, laster, sünd und schande.« Was mich frau Sorg lang wecket, Faulkeit mich wider decket; frau Sorg mich heftig monet, Faulkeit mein zertlich schonet. in irem krieg und zanken zwiespeltiger gedanken ich als ein richter lage bis drei stunt auf den tage. Der gotlosen anschleg In dem langen ton Frauenlobs. 2. october 1546. 1. Das buch der weisheit sagt am andern: gotlos leut die sprechen heut: »es ist hie unser leben mit trübsal groß umgeben; und balt ein mensch gestorben ist, ist als aus mit im eben; auch weiß man kein, der wider kam her aus der helle sider. On gfert wer wir geboren, on gfer sterb wir hie als wer wir nie. das schnauben unser nasen ist wie ein rauch aufblasen, unser red ist gleich wie ein funk, get aus des herzen straßen; und balt erlischt des lebens flam, so felt der leib darnider. Der geist zerflodert wie der wint, unser nam mit der zeit verschwint, unser werk blint vergeßen sint, unser leben fert hin, gar lint unser zeit wie der schaten rint und wie ein nebel reist einsam und niemant kumt herwider. 2. Darum so laßt uns leben in wolusparkeit und unser zeit und lebens brauchen feine, weil wir sint jung alleine, salben mit wolriechendem öl und füllen uns mit weine; laßt uns auch nit versaumen ton die schönen meienblumen; Laßt uns auch von den jungen rosen machen krenz, mit reverenz saitenspil, mit gesangen, laßt uns tanzen und prangen, das man allenthalb spüren mag wie frölich wir sint gangen; wir bringen doch nit mer darvon dan das so wir hin kumen. Verdrückt den armen grechten ser, witwen und waisen schützt nicht mer, des alten ler veracht on er, trutz der uns unsern wolust wer! an den frumen sich niemant ker, laßt uns nachstellen disem man, der uns schilt die unfrumen. 3. Und solich ding, so schlagen die gotlosen an und felen dran, sie sint blint und entwichte; gottes heimlich gerichte erkennens noch gelaubens nit; haben der hofnung nichte, das ein ewiges leben dort die seligen entpfangen; Und achten nicht der er, so die gelaubig sel dort hat on quel, got hat dem menschen geben gschaffen zum ewing leben und hat in gmacht nach seinem bilt, zu sein im gleich und eben; aber durchs teufels neide fort so ist der tot eingangen.« Also fint man zu tag noch heut auch rohe und gotlose leut im geist zerstreut, die irdisch freut; o her, solchen irsal ausreut, dein genedige hant uns beut, das wir gelauben deinem wort, dardurch das heil erlangen. Die ertrenkt junkfrau Im spiegelton Erenbotens. 20. december 1546. 1. Ernestus war ein fürst im Beierlande, der het ein jungen sun manbar, war Albertus genande, der gewan ein junkfrauen lieb, verliebt sich ganz darinnen, Die eins scherers tochter von Augspurg ware, züchtig und mit englischer schön gelidmasieret gare, so zart, das man ir roten wein durch ir kelen sach rinnen; Die het er bei im etlich zeit in heißer lieb inbrünstigkeit zu Straubing in der state, nun war die red an seines vaters hofe, er het sie gnumen zu der e; als sich kürzlich verlofe, ritt der jung herzog Albrecht aus Straubing eins abents spate. 2. Da ließ herzog Ernst gefenklich aufzucken seines sones liebe bulschaft; gebunden von der brucken ließ er sie werfen in Donau, ellendiklich ertrenken. Die ritterschaft und adel tet zuschauen, sie all erbarmet das schön mensch; es weinten man und frauen. darnach man iren leib begrub. leids iederman wart denken. Als der jung fürst kam, wart das inn, wart er beraubet seiner sinn und kleglich weinen tete, schwur einen eid, reckt auf sein rechte hande, das er gar nicht verschonen wolt vatter und vatterlande, bis er seiner herzlieben tot grimig gerochen hete. 3. Ser groß uneinigkeit darnach entstunde zwischen dem vatter und dem son; kein man sie richten kunde. der alte fürst gewan unrecht; als man macht den vertrage, Must auf das grab diser ertrenkten frauen der alte fürst zu einer buß ein kapell laßen bauen und darin stiften auch, ein meß zu halten alle tage. Als man vierzehen hundert jar und drei und zweinzig zelen war, ist die geschicht geschehen. hie sicht man war sein, wie Salomon schriebe, das die lieb stark sei wie der tot. wie noch soliche liebe machet manches betrübtes herz, wie man teglich tut sehen. Der groß freßer In dem frischen ton Hans Vogels. 14. januar 1547. 1. Frisch war einsmals die winterzeit, frisch war der luft und hat geschneit. ein herzog saß zu Meilant, Franciscus genennet, der wenig aß; an frischer tat war er erkennet. Sofronium (ein bürger war von Ast, ein schmarotzer, der fraß ser fast) den lud der fürst, das er von seinem großen freßen, frisch und getürst, auch wider lustig würt zu eßen. Man setzt im für ans fürsten tische frisch grundel, heißgesotne fische, frisch braten vögel ob der glut, frisch kapaun und rebhüner gut, frisch wiltpret reß, frisch bier und darzu frischen weine, frisch nüß und kes, frisch neu gebachen semeleine. 2. Frisch fiel der freßer an die fisch, der fraß er neun stück gsoten frisch, durch seinen munt streift er sie hurtig von den greten so frisch und runt, des lacht der fürst mit all sein reten. Frisch fraß er grundel ane sum, zwei hundert auf ein schnitten num; mit bein und al fraß er die frischen kramatvögel, zwelf an der zal, do wurt er erst mutig und gögel. Vier feist kapaun er auch beropfet, das ims schmalz übert backen tropfet, fünf rebhüner er auch zerlegt mit zimet negelein besteckt; in seinen schlunt er ein gespicktes wiltpret fraße, fast auf drei pfunt; auf ein schock welscher nüß auch aße. 3. Frisch kes fraß er ein ganzes pfunt und zwelf semel in seinen schlunt, auch neun maß wein trank er ob dem mal unbesunnen; bart und brust sein war gar durchaus mit wein berunnen. Nach dem mal sprach er: »herr, ich bit, ob ich so ser het geßen nit, als wol het zimt, tut mein unschult mit dem begnaden: frü war bestimt mir nit, das ir mich heut würt laden, Derhalb ich heut ein süpplein aße, darein ein laib geschnitten wase, zwelf frischer eier, zwelf bratwürst, und als mich heftig darauf dürst, ich acht maß bier trank, darum nemt hiemit vergute, fürbaß ich schier es beßer mach mit frischem mute.« Der tod im stock In frau Eren ton des Erenboten. 20. januar 1547. 1. Ein einsidel der fand in einem walde ein großen schatz in einem stock, von dem so floch er balde, loff wider dar und hinein gutzt, nach dem floch darvon wider. Drei mörder hetten dise ding ersehen, kamen, fragten in, was er flöch? er sprach: »ich hab gesehen in genem stock sitzen den tot.« in schlugens totlich nider; Meinten, er spottet ir darmit. zum holen stock kamens selb drit, das sie den schatz ersahen. sie namen golt und schickten in die stat den ein, das er brecht brot und wein; der loff hinein gar spat. balt er hin kam, die andren zwen ein weil zusamen jahen: 2. »Wan unser gsel hat brot und wein zutragen, so wöllen wir in alle bed heimlich zu tode schlagen, so bleibet uns beiden das golt zu teilen miteinander.« Darmit die zwen beschloßen iren rate. als nun der drit mit wein und brot gieng wider aus der state, da tet er in die flaschen gift, das die zwen beidesander Stürben, balt einer trünk den wein, auf das der schatz im blieb allein. mit dem kam er gen walde, da in die zwen mordischer weis erschlugen und in ein wenig von der straß hin in ein gruben zugen und deckten in mit reisig zu; nachdem sie giengen balde 3. Und zu dem stock ins gras zusamen saßen, namen zu handen brot und wein, frolich tranken und aßen das sie darnach teilten das golt, wan ir mal het ein ende. So balt sie beide aus den flaschen trunken, da wirkt in in das herbe gift, das sie beid nider sunken und starben auch, e sie den schatz entpfiengen in ir hende. Also was es ie gar kein spot, das in dem stock wonet der tot, darob all vier sie sturben. darum spricht Salomo der reichtum gnaden oft irem eigen herren reicht zu verderblichem schaden; dem reichtum stelt vil unglücks nach, darab ir vil verdurben. Eulenspiegel mit dem wirt In der lilgenweis Vogels. 1. Eulenspiegel zu herberg lag zu Cöllen auf ein tag; da es war eßenzeit, war noch kein speis bereit; im wurt der magen brummen, Sprach: »wirt, wil man heut eßen nit?« der wirt sprach: »es ist sit: wer nit kan beiten wol, der selbig eßen sol, wo ers mag überkummen.« Eulenspiegel nam ein semel und butter schnel und in die küchen saße zu dem feuer, butter und semel aße. als nun die klein ur zwelfe schlug, der wirt zu tische trug; als man anfieng und aß, der wirt zu tische saß, tet sein gest übersummen. 2. Da sach er Eulenspiegel nicht, int küchen gieng gericht er, und sprach zu im: »frisch ge hin, setz dich zu tisch und iß mit andern gesten.« Eulenspiegel sprach: »ich bin sat, der rauch vom braten hat gefüllet mir den bauch.« der wirt sprach: »ist dein brauch, das dich der rauch tut mesten?« Gieng hin eilent; als het ein ent das mal, behent ietlicher gast durch abe dem wirt zwen cölnische weißpfenning gabe. der wirt zu Eulenspiegel ging, sprach: »gib zwen weißpfenning, und mir auch das frümal wie ander gest bezal, das dünket mich am besten.« 3. Er sprach: »ich hab nit geßen mit.« der wirt sprach: »es schadt nit; der bratenrauch dich hat gemachet vol und sat; ist gleich, sam habst mit geßen.« Zwen weißpfenning Eulenspiegel nam, klingelt sie gar hel, sprach: »hörst den klang?« kurzum sein geltlich wider num, legts in sein tasch vermeßen. Sprach: »wie mein bauch mir fült der rauch, also fült auch dein beutel dir der klange.« darmit nam er durch die tür sein ausgange. also wart list mit list bezalt. uns sagt ein sprichwort alt: Eck an den Berner kam. sie waren beidesam mit schalkheuten beseßen. Drei sprüch wider pfaffen geiz In dem gülden ton Regenbogen. 11. merz 1547. 1. Als man ein opfer haben wolt den göttern in der stat Athen, samlet darzu bei armen und bei reichen, Jederman darzu geben solt. als man zu Phocion tet gen, dem haubtman, seine steur geben dergleichen, Da antwort er: »ich schemet mich den reichen göttern mein armut zu geben, und solt doch laßen manglen dich«, zeigt auf ein schuldiger, der stant darneben; meint beßer sein, er zalt die leut, dan den göttern zu opfern heut, darvon die pfaffen in dem sause leben. 2. Demonax, ein philosophus, wart von den pfaffen angeret, warum er durchaus in all seinem leben Der heiligen göttin Venus auch der göttin Minerva het kein opfer nie in irem tempel geben. Er antwort: »ich hab nie gedacht, das sie beid meines opfers dürftig weren; ich het in das auch sunst gebracht.« verspot mit der geizing pfaffen begeren, vermeint, die götter eßen nit, die pfaffen mesten sich darmit und teten dem volk mit dem fuchsschwanz scheren. 3. Als man zu Sparta in der stat den göttern samlet in gemein, war ein Spartaner, der wolt nichsen geben; Man redt in an um die untat, ob er veracht die götter rein, die in doch mechten plagen an dem leben? Er antwort in gar lecherlich: »weil man den göttern samlet über tage, so sint sie vil ermer wan ich. was solt ich mich fürchten vor irer plage?« beschreibet Plutarchus fürwar, der pfaffen geiz verspottet gar, das man klar aus den sprüchen merken mage. Die beurin mit dem eirimschmalz In der feielweis Hans Folzen. 14. april 1547. 1. Ein beurin klug ir alweg schlug ein in ein schmalz acht eier, Ueber die saß, heimlich die fraß; als das erfur der meier, Das sie solichs trieb alle tag, da macht er ir zu einer plag einen anschlag; er war ein grober Beier. 2. Als sie einmal auch ir anzal eier int pfannen schluge, Schlich er hinein, schlug ir darein noch acht eier mit fuge, Sie wests nicht und darüber saß, auch zwelf eier herauser fraß, darvon sie was vol und het ir genuge. 3. Sie erschrak, das noch über was und forcht sich vor geferden; Sprach mit gedank: »o, ich bin krank oder ich wil krank werden, das ich mein teglich eirimschmalz nicht mag aufeßen! glück der walts!« darvon ein alts sprichwort noch bleibt auf erden. Das lauter herz In der hönweis herr Wolframs. 16. mai 1547. 1. Als in krieg zog ein Schwabe, sein vatter wapnet in Mit harnisch gar durch abe, sprach mit traurigem sin: »Mein sun, bewar das herze, wan balt das selb wirt wunt, so würt des todes schmerze dich stürzen balt zu grunt.« 2. Der sun der sprach: »o vater, sag, wo ligt mir das herz?« Im antwort der woltater: »mein sun, das ist kein scherz, Da du zittrest am sersten, alda dein herze leit, da bewar dich am ersten, wan du wilt in den streit.« 3. Der Schwab vor freuden sprunge und sprach: »ich zeuch hinwerz In krieg noch also junge, ich bin ein lauter herz; Mir zittret der ganz leibe!« so keck das Schweblein was, wie ein groß bauchet weibe und ein gefangner has. Der verreterisch mort könig Canuti In dem hofton Marners. 23. juni 1547. 1. Als in Denmark regieret könig Nicolaus mit nam, het ein ritter am hof, war Heinricus genant, der den künig aus neid und haß verreterlich verhetzt, Auf Canutum rotieret, ein herren gar von edlem stam, als ob er dem künig stellet nach leut und lant; Canutus sich entschuldigt, das zufrit den künig setzt. Nachdem Heinrich beis künigs sun Canutum auch felschlich versagt: er stelt im nach all stunde; so war der unschuldig verklagt. des künigs sun dem frumen herren schwur den tot, macht heimlich einen bunde mit einer mörderischen rot, die versteckt er heimlich in einem finstern walt, und Canutum beschicken was, zu im zu kumen balt. 2. Canutus kam zu stunden, besorget gar keins argen nicht; nun war der bot, der in fürt, ein geborner Sachs, den dauert in dem herzen frei der unschuldige man; War doch mit eid verbunden, dorft in nit warnen der geschicht, doch fieng er an und sang ein lied vol ungemachs von solch mördischer verretrei und sach in senlich an, Das doch verstunt Canutus nit, meint, er süng das liet ongefert. nach dem der Sachs verborgen zeigt Canuto sein scharfes schwert, das er verborgen füret unter seinem kleide; noch tet er nichts besorgen. nach dem in walt sie kamen beide. Magnus, der mörder, in dem walt gewapnet saß mit der rottierten meuterei, im walt verstecket was. 3. Magnus, mit trutzing worten, sprach: »die recht zeit ist gleich ietzunt, das ich mit dir teil meines vatters künigreich!« darmit spilt im das haubet sein, das er sank zu der ert; Ansprach an allen orten das volk, hieß ligen in totwunt. also verschied der teuer man erbermikleich, drum wurt aufrürisch die gemein, an den künig begert, Sein sun zu schicken ins ellent; des in der künig schwur ein eide; holt doch den sun balt wider. da vertreib mans des reichs all beide. des künigs sun in einer schlacht erstochen wart; der vatter ließ sich nider wider in seines landes art, da in erschlug sein burgerschaft aufrurig ganz. so wurt der mort gerochen sein, schreibet Albertus Kranz. Demosthenes mit der einfeltigen witfrauen Im lieben ton Caspar Singers. 22. juli 1547. 1. Zu Athena ein witfrau saß, die erbar, keusch und züchtig was, doch ser einfeltig über maß; als sie einmal zwen gest het ausgesundert; Als die nun wolten über felt reisen durch gebirg, wüst und welt, gaben sie der witwen das gelt, golt an der zal zu bhalten auf fünfhundert Zu iren treuen henden frei, das sie ir keim solt geben, es wer dan der ander darbei; so wurs beschloßen eben. als es ein halbes jar anstunt, da kam gar runt der ein trügner darneben. 2. Stellt sich traurig und klaget got, sprach: »frau, mein gsell ist leider tot, gebt die fünfhundert gulden rot mir in mein hant, die ir uns bhielt selbander.« Die frau gar ser einfeltig war, on recht gab im die gulden dar. nach dem über ein viertel jar kam auch zu lant aus den schelken der ander; Fordert sie für gericht zur stunt und wolt das gelt auch hane. sie sich nicht verantworten kunt niemant tet ir beistane. das erbarmet Demosthenem oratorem, nam sich der witfrau ane. 3. Fieng an und den gast selber fragt, wie die sach stünd, er selber sagt: »sie hat uns bhalten mit dem pakt: gar keinem solt sies on den andern geben.« Demosthenes der sprach: »jüngling, so sint beschloßen dise ding: ge hin und deinen gsellen bring, so wirt das gelt euch zugestellet eben.« Ein gleich urteil gab das gericht und kunt kein beßres finnen; mit schanden zog ab der böswicht und kunt gar nichts gewinnen. wer noch mit leuten handlen wöl, der selbig söl anfang und ent besinnen. Was die e gut mach In dem kurzen ton Regenbogen. 5. septemb. 1547. 1. Alphonsum, den künig, tet fragen ein graf, wan eleut fritlich sint? »Wan der man taub wirt, tet er sagen und wan das weibe gar erblint.« Der graf sprach: »erklärt meinem mut, warum von disen zweien plagen die e erst wirt fritlich und gut?« 2. Der könig sprach: »merk, wan der mane wirt taub, gehört an keinem ort, Und gar nicht mer gehören kane der frauen spitzig böse wort, Beide zu bett und auch zu tisch, dan ist er alles zankens ane, lebt mit ru fritlich stil und frisch. 3. Dergleich ist es auch mit der frauen, so balt die selbig gar erblint Und dem man nicht mer kan nachschauen, wan in der eifersucht sie brint, Wo er hin ge und was er tu, alsdan muß sie als guts im trauen, dan bleibt ir e mit frid und ru.« Der esel fieng ein wolf In dem blüenden ton Frauenlobs. 4. october 1547. 1. Ein esel weidet in dem walt, den hinterschleich ein wolf gar balt, der sprach: »esel es hungert mich, mein nachtmal mustu sein!« »Geren!« der esel antwort gab, »das ich kum meiner hartsal ab; doch gwer mich eins, das bit ich dich: für mich in walt hinein. Da blenk vier starke wied, mit lust darmit bint du mich um mein brust als dein gefangen knecht; du aber henk die wied an hals, als mein recht gebietender her, und für mich in den walt gar ferr; alsdan wil geren sterben ich; da hastu fug und recht, das du mich eßst nachmals. 2. Dan wo du mich freßst an der straß, wer mir hoch zu verargen das, die weil ich gar vil größer bin mich nit geweret hab.« Der wolf west um den arglist nit; er blenket wied und bunde mit den esel und fürt in da hin weit in den walt hinab. Der esel drang zum walt hinaus ein holzweg zu seins herren haus der wolf herwider zug, zum esel sprach: »du gest nit recht!« der esel sterker war dan er schlept den wolf neben im daher der heimlich grisgramet und grin, widerstrebet genug, noch zöscht in hin sein knecht. 3. Als er in bracht zus bauren haus schrir er, da loff das gsint heraus mit hauen, schaufel, spieß und schwert, schlugen den wolf halb tot. Einer hieb mit der barten dar, wolt im sein schedel spalten gar, zerhieb die wied on al gefert; der wolf entsprung mit not. Der esel schrei: ian! ian! der wolf auf einen berg entran und sprach: »sing oder schrei, so sag ich auf die treue mein, in die wied bringstu mich nit mer« – sprach Esopus, daraus man ler; wer einmal veruntreuet wart, wird er ledig und frei, laß ims ein witzing sein! Die 30 kaufleut Im rosenton Hans Sachsen. 6. octob. 1547. 1. Eins tages furen auf dem mere auf Rodis dreißig kaufleut here, fünfzehen waren cristen und fünfzehen türkischer bluthunt; an die kam ein groß ungewitter von sturmewinden herb und bitter; Das mer wurt wüten ungestume mit hohen wellen, um und ume schlugen an das schif grausamlich, das fur iez auf, dan unter sich; all hilf und wer war gar vergebens, sie all verwogen sich des lebens. In der galeen der patron war ein sinreich vernünftig mon sprach: »wan ir folget meinen sinnen, wolt wir wol halb dem tod entrinnen, wan man euch abzelt, klein und groß, wer der zehent wer nach dem loß, das man in hinauswerf on gremen, bis ir fünfzehen hinaus kemen. 2. Die andern fünfzehen ich eben darvon wolt bringen mit dem leben.« des fürschlags gingen sie all ein, ieder hofft, in der zal zu sein, die das loß vom tot würt quitiren. der patron tets übersummiren, Setzt erstlich zwei cristen mit witzen und hieß ein Türken zu in sitzen darnach setzt er drei cristen hin, fünf Türken setzet er zu in zwei cristen setzt er darnach wider und setzt zwei Türken zu in nider; Vier cristen setzt er an die schar und einen Türken zu in dar, zu dem so setzt er einen cristen und darnach drei Türken mit listen ein cristen setzt er unter fach und zwen Türken setzt er darnach; zwen cristen setzet er behende und einen Türken an das ende. 3. Als er sie nun het all gestellet im kreiß und auch das loß gefellet, zelt er hinab vom ersten an, und welcher war der zehent man, den hub er auf on alle were und stürzt in in das wütent mere, Bis das ir in dem mer ertranken fünfzehen, nach dem loß versanken darvon das schif war leicht zuhant. darmit erreichten sie das lant, in der Rodiser porten furen und also frei errettet wuren. Das loß so künstlich war bereit, das den cristen geschach kein leit; das loß traf die türkischen hunde, all fünfzehen gingens zu grunde, wie man das mit der kreiden mag verzeichnen: die cristen, ich sag, mit kreuzen, die Türken mit ringen und auszelen nach meinem singen. Das urteil des herzogs von Burgunt In dem rosenton Hans Sachsen. 19. october 1547. 1. In Hochburgund ein ritter saße, dem trug ein ritter neid und haße, denselben fing er auf ein tag, sucht zu im vil ansprüch und klag, schetzt in um zwelf tausent ducaten, das bracht sein frau auf nach den taten; In zwei monaten brachts dem bösen iren herren darmit zu lösen. aus bös unzüchtiger begir begeret der böswicht von ir, auch vor ein nacht bei ir zu schlafen, sonst wolt er in am leben strafen. Die frau erschrak, was erenfrum, fragt iren man im turn darum wie sie sich in der sach solt halten. ir wurt geantwort von dem alten: »o, du lieber gemahel mein, weil es ie nit anders kan sein, so tu dich in sein willen geben, das mir errettet wert mein leben.« 2. Nach dem sie die nacht bei im lage, frü balt nun aufginge der tage, ließ er den alten ritter aus; doch auf eim tepich vor dem haus ließ er im abschlagen das haubet, in leib, er und auch guts beraubet. Die frau floch zum herzog behende von Burgunt, sagt im an dem ende, wie tirannisch gehandlet het der ritter; nach dem schicken tet der herzog und lud in zu gaste in seinen fürstlichen palaste. Die frau auch mit in zu tisch saß, in lauter schwarz bekleidet was, tet sam het er sie nie gesehen. nach dem mal tet der herzog jehen zum ritter: »dises freulein schan ist ein witwe und hat kein man; dergleichen hast du auch kein frauen; wir wöllen dirs elich vertrauen.« 3. Der red erschrak er, tet sich schemen, sagt: »dismal wil ich kein weib nemen.« der herzog blickt in ernstlich an, sprach: »du must sein der frauen man, oder hast unser hult verloren.« als er vermerkt des fürsten zoren, Er seinen willen darein gabe, want doch die augen von ir abe. der fürst sprach: »setz dich und verschreib alles dein hab und gut dem weib, versiegels mit dem petschier deine.« als der brief wart vollent gar feine, Da gab der fürst in gottes namen beidesamen elich zusamen. balt er zu eren bracht die frauen, ließ er im auch den kopf abhauen. der frauen wart sein hab und gut, als die cronica sagen tut, geschah nach Cristi geburt zware vierhundert und auch funfzig jare. Die keiserin mit dem löwen Im schatzton Hans Vogels. 20. oct. 1547. 1. Filius macht zu Rom ein bilt, steinen, geleich eim löwen wilt, mit aufgespertem rachen; das war gemacht mit schwarzer kunst, wen man des ebruchs züge, sunst wer sich wolt ledig machen, tet das mit solchen sachen Und stieß ein hant dem bild in schlunt, schwure ein harten eid zur stunt; het er dan recht geschworen, so zug er wider raus sein hant, het er aber nit recht im lant, so wurd im sein hand voren abbißen und verloren. Keiser Julius het ein frauen, Pompeia; tet ir nit trauen: ein ritter Clodium, den forcht er ser, der het sie lieb, drum er das weib zu schweren trieb, ir unschuld zu beweren; die frau mit listen das annum, sam tet sie es fast geren. 2. Als nun der bestimte tag kom, samlet sich alles volk zu Rom, diser gschicht zu zuschauen; um das bilt war ein groß gedreng, die keiserin mit großem preng mit frauen und junkfrauen trat hin auf gut vertrauen. Clodius beleit sie in dem leit, unerkant in eins narren kleit heftig durchs volk hin drange und die keiserin mit gewalt umfing mit beiden armen balt und küsset sie mit zwange, balt wider darvon sprange Und im augenblick wart verloren. die frau war sam entrüst in zoren, iedoch sie in wol kent, sonst west niemant nit, wer er war. die frau trat zu dem bilde dar, der keiser tet da stane; dem bilt legt sie ins maul die hent, fing darnach also ane: 3. »Zu erretten mein weiblich er für alle menner ich heut schwer: keiner mein gwaltig wure, ausgenommen mein herr und man und auch der schantlich narr voran, der mich gwaltig anfure!« darauf sie den eid schwure, Also hielt sie die hent darin. durch ire arglistige sin entging dem ungelücke, sie het geschworen nit unrecht. darmit nam sie disem bilt schlecht die kraft, dan durch ir tücke zersprang es in zwei stücke – Tut Gesta Romanorum sagen. wer hie auch ein solch bild aufschlagen in der stat am mark heut, das der ebrecher hent abbiß, der teufel nach manchen betrög; es würt bei man und frauen noch geben vil hantlose leut, ich dörft im selb nit trauen. Die wisel mit der maus In dem vergülten ton Wolframs. 2. novemb. 1547. 1. Ein wisel alt und arge, die niemer mocht erlaufen die meuse überal, Heimlich sich die verbarge unter ein korenhaufen und wart der meus zumal; Wan sie dan teten zu dem koren sappen, fur sie heraus und tet die meus erschnappen und fraß ir one zal. 2. Da sach ein alte mause der wisel list geweltig und sprach zu ir gericht: »Du fechst in disem hause allein die meus einfeltig, mich aber fechst du nicht; Wan ich hab bisher in mein alten jaren allerlei list, renk und untreu erfaren« – hat Esopus gedicht. 3. Hie lert man, das ein triegner betreugt allein die toren und keinen weisen man, Der weis glaubt keinem liegner er ist gewitzigt woren und oft gesetzet an. Drum spricht man das alt sprichwort fert und heuer: verbrentes kint das förchtet nach das feuer, dest weiter get darvan. Der künig von Englant mit dem bauren Im süßen ton Georg Schillers. 4. november 1547. 1. Sebastianus Brant schreibt, weil in Engellant küng Richardus regiret, als er eins tags reviret, in einem walde jagt Im regen und im wint, kam von seim hofgesint, ritt irr in der einöde, des wurt der künig blöde, kam doch noch, weil es tagt, durchnetzet überause, In eines bauren hause, der in hielt erlich gar, west doch nit, wer er war. und als man saß zu tische, bracht im ein waßer frische, die hent er waschen solt, das der künig nit wolt. 2. Der bauer zornig bleich gab im ein backenstreich, sprach: »gast, du soltest wißen: ein ieder wirt geflißen ist herr in seinem haus.« Der künig die schmach lied, frü er vom bauren schied, ritt gen Lunden sein straße. und nachmals schicken wase nach dem bauren hinaus, Das er mit im tet eßen. als man zu tisch war gseßen trug der künig selb dar auch das hantwaßer klar, den bauren mit zu eren, meint, er würt sich auch weren, das er im auf sein sag geb einen backenschlag. 3. Der bauer aber drein platzt mit den henden sein; und was im sunst für ere anlegt der künig mere nam er als willig an. Dergleich auch alles, das er im fürlegt, er aß; des blieb er ungeschlagen. da tet der künig sagen: »du bist ein höflich man!« Macht in zu einem pfleger über all seine jeger. hie lert ein man daraus, wo er ist in eim haus freuntlich zu gast geladen, leb er des wirts genaden, nem an zu hohem dank all guttat, speis und trank. Der halb gut freunt In der alment des Stollen. 1. Es beschreibet Adelphonsus, wie in Armenia ein man was großer erkentnus, der hieß Lucania; als nun derselbig sterben wolt, fordert er seinen son, mit wolgefallen Denselben er gar fleißig fragt, wie vil er freunde het? »wol hundert freunt!« der sun balt sagt. der alt antworten tet: und wan er die beweren solt, so fend er kaum ein rechten bei in allen. Der sun fragt, wie man freunt bewert? er sprach on spot: »ge hin und stich ein kalben, tu sie in ein sack unvermert und bestreich den sack mit blut allenthalben und ge zu eim deiner freunt hin, sprich, du habst ein mört tan, bitt, das er helf vergraben in. der ist ein freunt, welcher sich dein nimt an!« 2. Nach dem stache der sun ein kalb und den sack blutig macht, trugs zu sein freunden allenthalb bei eitel finstrer nacht; aber ir keiner nam in an, sunder teten in in der not ausjagen. Dem vatter er sein unfal klagt, wie er kein funden het, der seinthalb etwas het gewagt, in not im beistand tet. der vatter saget: »ich hab schan ein halben freund erworben bei mein tagen; Ge, nim das kalb, versuch in auch, ob er dir hilf beweist von meinentwegen.« der sun ging hin nach seinem brauch, zeigt dem sein not, so im wer angelegen, und wie er ein man het ermört; er solt im helfen nun. balt der halb freunt sein klag erhört, sprach er: »trag in herein, mein lieber sun!« 3. Der freunt schicket weib und kind aus, nam ein hauen herab und zu hinterst in seinem haus macht er ein tiefes grab, sprach: »leg her den erschlagnen man.« der sun sprach: »nun hab ich dein treu erfaren, Hab funden bewert und gerecht meins vatters freunt allein.« er ging, sagt es seim vatter recht, der sprach: »o sune mein, keinen freunt soltu nemen an, er tu sich dan in deiner not nicht sparen.« Ein gut bewerten alten freunt, spricht Salomo, soltu gar nicht verlaßen, man weiß nicht, wie der neu ist zeunt, ob er in not wert lieben oder haßen. ein alt sprichwort sagt: in der not, so gen guter freunt noch wol vier und achtzig auf ein lot. wer das nicht glaubt, der wag es selber doch. Der bösen weiber zungen lösen In dem frischen ton Hans Vogels. 13. december 1547. 1. Ein meßner in eim dorfe was, der einsmals bei dem weine saß, fürt mit im heim zwen volle bauren in sein hause, mit in in gheim zu leben erst recht in dem sause. Sein frau saß vor dem ofen dort, munket und redet gar kein wort, sach in strang an, gab im kein antwort auf sein fregen; da dacht der man, der frauen wer ir sprach verlegen; Dacht an den pfarrer, dem vor jare die sprach auch oft verlegen ware, wie er im wer geloffen spat in die apotek in die stat und het im bracht schwarz kirssenwaßer, der nature, das im balt macht sein sprach und das er reden wure. 2. Der meßner im heimlich gedacht: »wo sol ich hin? es ist iez nacht; es ligt ein schne; e ich schwarz kirssenwaßer bringe, so stirbt sie e, oder die sprach ir gar verginge.« Als er stunt, dacht lang her und hin, fiel im zu letzt in seinen sin ein kirssenbaum, der vor dem dorf stunt auf eim anger, dacht: »es felt kaum! das holz ist mit der natur schwanger, Das es auch hab des waßers kraft, weil das hat von dem holz sein saft.« er loff zu dem kirssbaum hinab und haut mit seiner brexen ab ein großen ast und ein prügel daraus im scheitet hantvöllig fast, darmit loff er heim und kaum beitet; 3. Er trat int stuben zu dem weib, wolt reiden machen ihren leib; mit kirssenholz tet er iren leib wol durchsalben, vertrieb den stolz ir um die lend und allenthalben. Dem weib wart bald ir zungen los mit gschrei, schelten und fluchen groß »du tropf! du narr! du volle sau wilt mich vexieren!« der man sprach: »harr! ich muß dein leib dir bas durchschmieren!« Und tet mit freuden erst draufschlagen. das weib durchbrach mit wein und klagen und sprach: »hör auf, herzlieber man!« der meßner sprach: »das wil ich tan! munk mir nit mer!« welch man hat ein weib munket böse, der merk die ler: mit kirssenholz ir zungen löse. Die achtzehen schön einer junkfrau In der junkfrauweis Hans Vogels. 14. december 1547. 1. Ein junkfrau in höflicher zire auf freiem mark begegnet mire; ich wundert mich ob der junkfrauen, ir schöne tet mir herzlich lieben. Die junkfrau sprach: »wie tut ir sehen?« da wart ich zu der junkfrau jehen: »junkfrau ich glaub und sprich auf trauen, ir habt die frauen schön all siben.« Die junkfrau sprach: »der schön allein nit siben, sunder wol achzehen sein. die sind auch ausgeteilet freie: in sechs teil sind es allmal dreie; ir unterscheid vermerkt darbeie: erstlich sint drei kurz schon mit eren, zu dem andren drei lange sint, zum dritten sint drei schöne lint, zu dem vierten sint drei schneweiße, zum fünften drei rosenrot preise, zum sechsten drei kolschwarz mit fleiße.« ich sprach: »junkfrau tut mirs erkleren.« 2. Sie sprach: »ich wil dirs übersummen, on eine; die sei ausgenummen: erstlich drei kurze sint benennet, die wil ich euch gar nicht vorhalten: Das sint zwei kurze ferslein gschmogen fein sinwel rund und eingezogen; das drit ein kurzes kin, erkennet, mit einem grüblein klein gespalten. Zu dem andren so merkt drei lang: zwo lang seiten merket in dem anfang geronig dünn und gschmeisig gare; die drit: ein lang goltgelbes hare, geflochten artlich rein und klare. zu dem dritten zu lind auch seine: das erst zwei linde hentlein sint das drit ein beuchlein hermlein weich und lint; zum vierten sind auch drei schneweiße, zwei brüstlein weiß und ziert mit fleiße, das dritt: ein weißen hals ich preise, milchfarb gleich einem helfenbeine. 3. Zum fünften drei rot schön herprangen: erstlich zwei rosenrote wangen, das dritt ein rosenroter munde, der alzeit als ein rubin brinnet. Zum sechsten drei kolschwarz wol taugen; erstlich zwei schwarze klare augen; die dritt kolschwarz schön ich ietzunde verschweig; der selbigen nachsinnet. Wan ir mir die erratet ganz bis auf morgen, so schenk ich euch ein kranz.« die junkfrau schied mit guter nachte. nun hab ich, die ganz nacht durch, wachte gelegen und gar inniklich nachtrachte, was doch wer die dritt kolschwarz schöne, die ich doch kan ergründen nit. darum ist an euch alle hie mein bit, und ob das einer hinnen weste, so verhalt mir das nit aufs beste, das mich die schön und tugentfeste mit einem kranz zum dank bekröne. Des forsters sun Im schwarzen ton Hans Vogels. 14. merz 1548. 1. Dagobertus, der könig alt in Frankreich, kam an dem gejeide von seim hofgesind in dem walt; bei eim forster an der wegscheide blieb er zu herberg, da ist woren ein kint vons forsters weib geboren. Im schlaf der könig hört ein stim: »fleuch! fleuch! geboren ist ein kinde, das wirt könig nach dir, vernim!« der könig erschrak des geschwinde, hört das kint weinen frü am morgen, sagt, das kint, das wolt er versorgen. Nach dem schickt der künig drei knechte, befal, das mans im walt heimlich umbrechte; die knecht erbarmet das kintlein, legten es in dem walde nider, brachten ein herz von einem schwein zum warzeichen dem könig wider. nach dem ein herzog jagen gunde im walt, der dises kintlein funde. 2. Zog es auf an eins kindes stat; als er war alt achtzehen jare, war er ein jüngling schon und glat zu hof, der könig in gsehn ware, sach im ein zeichen an der stiren, darbei tet er gwiß judiciren, das der jüngling dises kint wer; der herzog tet sein ankunft sagen. der könig ruft den knechten her, die das kint in walt heten tragen, die sagten, wie es wer ergangen und teten begnadung erlangen. Erst daucht den könig sein von nöten, den jüngeling heimlich laßen zu töten, und gab dem jüngling einen brief, den solt er weit der köngin bringen. als er nun unterwegen schlief in eines ritters haus, gechlingen der ritter den brief öfnen wase und den gar heimlich überlase: 3. »Frau, balt zu dir kümt der jüngling, so laß im augenblick in töten.« den ritter wundert dise ding, wolt dem jüngling helfen aus nöten, ein andern brief der ritter schriebe, der laut also nach rechter liebe: »Balt diser jüngling kumt zu dir, so tu im unser tochter geben; laß hochzeit halten in mit ir, als lieb dir sei dein eigen leben.« als der jüngling den brief hinbracht, wart ein frölich hochzeit gemacht. Als der könig nach dreien wochen hört, das er war am jungen ungerochen, und diser gar sein eiden war, sach er erst, das gottes ordnunge auf ert niemant kan wenden gar. so wurt nach dem könig der junge zu könig in Frankreich gewelet – gesta Romanorum erzelet. Die wunderbare geburt Augusti Im abgeschidnen ton Nachtigals. 13. april 1548. 1. Als Accia, die fraue Octavi, schlief in einer nacht im tempel mit großer andacht Apollinis in traue, da daucht sie in dem traume, Wie ein drach zu ir kroche und sie umfieng freuntlicher weis und sie beschlief, darnach er leis wider kroch in das loche. vom traum erwachet kaume, so wart schwanger das weibe und badet, sich widerum rein zu machen, doch blieb an irem leibe ein zeichen auch gleich eim gemalten drachen, das sie nicht mer abwaschen kunt; des schämt sie sich; darnach allstunt fort ungebadet bleibe. 2. Als sie nun solt geberen, da traumet ir on unterscheid, wie aufflüg all ir ingeweid zu dem mon und den steren, hoch zu der götter trone, Und an dem firmamente würd ir ingweid austeilt geleich über das ganze ertereich; darnach sie an dem ende gebar ein kneblein schone, Hieß Augustus mit name, der wurd ein weiser man, klug und vernünftig, zu großen eren kame, wan er zu Rom ein keiser wart zukünftig der ander – Suetonius melt – het unter im die ganze welt, doch regiert er zu Rome. 3. Ein traum hat auch gewonnen Octavius, der vatter sein, wie aus seines weibs leib allein aufging die helle sonnen, im schien frei hinterrücke; Das selbig wurd auch ware, dan er der scheinbarst keiser wur, ganz fritsam, gütig von natur, auf sechs und funfzig jare regiert in höchstem glücke. So ist offenbar woren des keisers zukunft durch die treum allsamen. wer von got ist erkoren, dem machet er auch scheinbar seinen namen. weil regiert diser Augustus, ist der heilant Cristus Jesus auf erd ein mensch geboren. Das ent des keisers Augusti Im geilen ton Frauenlobs. 14. april 1548. 1. Als Augustus war alte sechs und sibenzig jar, als sein ent nahen war, da schlug zu seinem bilde ein grimmer donnerschlag; Schlug von seim nam mit gwalte Cäsar herab das c; das wurt bedeutet e, das fort der keiser milde würt leben hundert tag. Also in unmut er spazieren fure, nit weit von Rom da stieß in an die rure, verbarg doch sein krankheit zu Nola etlich zeit, da er ganz totkrank wure, das erschal weit und breit. 2. Sein gut freunt tet er fragen, sprach: »hab ich nicht in macht gar nutzbarlich zubracht auf ert mein kurzes leben in meinem keisertum?« Tet darnach zu in sagen: »seit frölich! und auch tut was frölichs!« wolgemut gesegnet sie all eben und went sich von in um. Als in sein gmahel küsset und umfinge, sprach er: »Livia, denk vor allem dinge unser e, leb frölich! und got gesegne dich!« nach den worten ausginge im die sel senftiglich. 3. Darnach die herschaft truge sein leich hin bis gen Rom, da die ritterschaft kom, trug in für das rathause, da nam in der senat, Trug in auf den platz kluge Martium, da zu ent sein leich auch wurt verbrent mit klag groß überause in Rom der ganzen stat. Wo noch ein keiser wer also senftmütig, der das reich regieret so mild und gütig, den het iederman lieb, auch im gedechtnus blieb sein nam ganz erengütig – wie Suetonius schrieb. Pompeji schelten und widergelten In dem strengen ton Hans Vogels. 18. mai 1548. 1. Als Pompejus der groß gar strenge regirt der burger menge und Helius, ein alter man, vor im klaget Libonem an, da hing Pompejus auf sein seiten Und schalt Helium mit geschelle, sprach: »du kumst aus der helle, du alter! und verklagest heut an ursach frum und erber leut; drum weich mit deiner klag von weiten.« »Du hast war!« tet Helius jehen: »aus der hell bin ich kumen eben, hab darin Domicium gsehen, der hier fürt ein unstreflich leben, gar nutz und gut dem vaterlant, der klagt, wie durch dein oberhant er wer erwürgt vor kurzen zeiten. 2. Auch tet ich da Brutum anschauen, ellend und wüst zerhauen, der auch war ein herlicher man, der klagt dich jungen morder an, seins tods wer er noch ungerochen. In gleicher klag und ungefelle sach ich dort in der helle Perpennam, den richter zu Rom, der auch durch dein gescheft umkom, hat dich um sein tod angesprochen. Carbonem, ein man alter tugent, sach ich sitzen in seinem blute, der treulich beschützet dein jugent und beschirmt dir deins vaters gute, der dreimal burgermeister war, mit ketten hart gebunden gar und mordiklich von dir erstochen. 3. Dise all vier gar kleglich klagten in der hell, von dir sagten, wie sie on billikeit und recht von dir, du junger henkerknecht, hie sint gewürget woren.« Die scharf und streng antwort verdroße Pompejum hart und große; weil aber das die warheit was und im die gmein trug großen haß, verbarg er seinen zoren – Wie das Plutarchus tut beschreiben. hie lert man, wer ein man tut schelten, das er wider zu ru tu bleiben, wan man im tu mit gleich vergelten. das sprichwort sagt: wer kugeln wöl, der selbig auch aufsetzen söl. ein bös wort hat nie guts geboren. Der arm kriechisch poet In der schallweis Hans Vogels. 10. juli 1548. 1. Keiser Augustus het lieb glerte leut und tet auch an der stet sie all reichlich begaben; Derhalb in die stat Rom manch glerter man auch kom, die er annom, tet groß freud mit in haben. Einsmals aus Kriechenlant ein poet hochgeleret gen Rom bracht sein gedicht, darin er zugericht het kunstlich mit verstant des keisers wird und lob, het das weit ob andern weisen gemeret. 2. Als der keiser fur spat spaziren in der stat, balt zu im trat der poet obgenande; Dem keiser sein gedicht auf kriechisch zugericht zu angesicht reichet mit eigner hande. Dem keiser gfiel die kunst und merkt wol sein armute, doch sich sein nichs annum, sunder macht widerum vier kriechisch vers, aus gunst winkt dem poeten her, dem schenket er auch sein gedicht recht gute. 3. Als der poet nun das gedicht des keisers las, griff er fürbas bald in sein taschen alde, Zwen silbren pfenig gab zu schenk dem keiser grab: »nit mer ich hab, sprach er, in meinem gwalde; Wo ich aber mer het, so wolt ich dir mer geben.« der keiser lacht der schwenk, groß vererung und schenk disem poeten tet. o, lebt der keiser noch, die kunst würt hoch – spricht Plutarchus – ob schweben. Das alphabet In der hagenblütweis Heinrich Frauenlobs. 1. Athenodorus weise, als der zu Rom was worden alt und heim begeret in sein vatterlande, Bat Augustum mit fleise, der gab im günstig des gewalt. also rüst er sich auf die reis zuhande. Als der weis den keiser gesegnet eben, da wolt er im noch zu gedenken geben ein ler, die im hülf, weil er het das leben. 2. »Keiser hör zu der letze, sprach er, wan du in zoren brennst, solstu gar nichts reden oder fürhaben, Bis du nach meim gesetze heimlich bei dir zelst unde nennst die vier und zwenzig kriechischen buchstaben, das du nit etwas handelst on verstande.« der keiser zog den weisen bei der hande, sprach: »ich darf dein noch lenger in dem lande.« 3. Behielt in noch ein jare – als das Plutarchus uns beschreib. bei der geschicht ein weiser man sol merken, Das er nit herein fare, wan in sein zoren dreng und treib: gäh schnelle wort, die tun den zoren sterken, Sunder stilschweiget tu ein zeit lang beiten, weil man im sprichwort sagt in langen zeiten, wie das ein gäher man sol esel reiten. Der teufel mit den landsknechten In des Zwingers rotem ton. 6. september 1548. 1. Einsmals der Lucifer hielt einen rate mit sein gesellen an eim abent spate und sagt: »es ist ein böses volk auf erden Im deutschen lant, das nent man die landsknechte. o, das mir der einer ein dutzet brechte, derselbig solt von mir bekrönet werden! Man saget, wie sie fluchen ser, wie sie den bauren ire kisten fegen, achten sich wenig fastens mer, tag unde nacht sint sie wol unterwegen!« tet zu eim teufel sagen: »ge und dich zu in gsell und dich verstell, ob du mir in den tagen landsknecht mögst bringen in die hell.« 2. Hin fur der teufel in eins wirtes hause, da fund er vil landsknecht leben im sause; der teufel setzt sich gleich hinter den ofen. Einsteils spilten mit einander mumschanze, die andern trunken halbe und auch ganze, das sie alles so ungschwungen aussofen. Der teufel het auf sie groß acht, ob er in einen faren möcht verwegen, doch wans einer dem andern bracht, sprach der ander: »den müß dir got gesegen, du mein lieber stalbruder!« also ein ieder sagt. der teufel klagt: »sie tränken wol ein fuder, e einer von mir wur gezwagt!« 3. Nun heten die landsknecht ein hun erschlagen und ins wirtshaus hinter den ofen tragen, drum sprach ein landsknecht zu dem wirt vermeßen: »Ge hinter den ofen, tu ich dir raten, und nim den armen teufel, tu in braten und bring in her, das wir in darnach eßen!« Das hort der teufel, fur darvan, sprach: »landsknecht ist ein böses volk auf erden, wie wol ich kein nit bringen kan; es muß in alles wol gesegnet werden. wer ich in nit entrunnen, sie heten freßen mich; darum hüt dich! nim darfür münch und nunnen und meid die landsknecht ewiklich.« Frau Treu ist tot Im braun ton B. Regenbogen. 12. November 1548. 1. Ein einsidel fand ich auf einen tage in seiner zellen wein in großer klage, ich fragt in der ursach mit kurzen worten; Da fürt er mich in walt in einen grunde zu einem gar uralten tempel runde, mit blei bedeckt, offen so stunt die pforten; er füret mich in tempel dar, alda sach ich mit samit braun bedecket in der mit stund ein totenbar mit einem totentuch, das mich erschrecket; ich sprach: »wer ist verschiden?« er sprach zu mir: »frau Treu on scheu hat iren tod erliden, des hab ich herzliche nachreu.« 2. Ich fragt: »was krankheit ist die zart gestorben?« er sprach: »an der schwintsucht ist sie verdorben.« ich fragt: »pflag sie dan keiner arzeneie?« Er sprach: »etlich frume weltlich regenden wolten ir krankheit durch purgatzen wenden, durch gut statut, gesetz und polizeie, Doch griff im werk es niemand an, das man frau Treu darmit het tun purgiren; auch teten sich ir unterstan etlich theologi sie zu christiren; die christir war im becher zu lint, nit operirt, regirt: der halben wurt nur schwecher frau Treu und heftig tribulirt, 3. Bis entlich gar ausdoret und verdarbe und eines harten strengen todes starbe, des traure ich, und klag es kleglich gote. Weil noch frau Treu krank an der schwintsucht lage, nam die lieb ab teglich von tag zu tage; wie wird es gen, so sie nun gar ist tote! Judas kuß der wirt werden neu, menschlich geschlecht wirt vol untreuer stücke, vil guter red on alle treu, vor augen gut und gar falsch hinter rücke. der halb gsel halt dich innen und wart mit fleiß das dein allein, wiltu unglück entrinnen; trau nit, wilt unbetrogen sein!« Der junkbrunn In dem rosenton Hans Sachsen. 31. decemb. 1548. 1. Eins nachts traumt mir gar wol besunnen, wie ich köm zu eim großen brunnen von merbelstein polieret klar, darein das waßer rinnen war, warm und kalt, aus zwelf gulden rören, gleich eim wiltbad; tunt wunder hören: Dis waßer het so edle kraft, welch mensch mit alter war behaft, ob er schon achzigjerig was, wen er ein stunt darinnen saß, so teten sich verjüngen wider sein gmüt, herz und alle gelider. Um den brunnen war ein gedreng, wan dahin kam ein große meng, allerlei nation und gschlechte, münich, pfaffen, ritter und knechte, burger, bauer und hantwerker, der kam on zal zum brunnen her und wolten sich verjüngen laßen, vol zug es zu auf allen straßen, 2. Aus allen landen weit und ferren auf senften, schlitten, wegen, kerren, ir vil man auf radwerben zug, etlich man auf mistberen trug, und etlich trug man auf dem rücken, etlich gingen daher auf krücken. Zusamen kam ein hauf der alten wunderlich, entig, ungestalten gerunzelt, zanlücket und kal, zittrent und kretzig überal, dunkler augen und ungehöret, vergeßen, doppet und halb töret Ganz mat, bleich, bogrücket und krum da war in summa summarum ein husten, reispern und ein kreisten, ein achizen, seufzen und feisten, als obs in einem spital wer. zwölf man waren bestellet her die allen alten, so sie funnen, halfen steigen in den junkbrunnen; 3. Die teten sich alle verjüngen nach einer stunt, mit freien sprüngen sprangen sie aus dem brunnen runt, schön, wolgefarbt, frisch, jung und gsunt, ganz leichtsinnig und wolgeberig, als ob sie weren zwainzig jerig. Da dacht ich mir im traum: fürware, alt bist auch vier und funfzig jare, dir get ab an ghör und an gsicht, wes zeichst du dich, das du auch nicht wol balt in den junkbrunnen sitzest, die alten haut auch von dir schwitzest? In dem daucht mich, wie ich zuhant auch abzüg alles mein gewant, in dem junkbrunnen mich zu baden, ab zu kumen des alters schaden. in dem einsteigen ich erwacht; meins verjüngens ich selber lacht, dacht: kein kraut ist auf ert gewachsen mich zu verjüngen und Hans Sachsen. Der frörer und der floch In dem spiegelton des Erenboten. 29. januar 1549. 1. Der frörer und ein floch klagten einander, wie sie heten ein böse nacht gehabet beidesander. der floch sprach: »in eins bürgers haus bin ich die nacht gelegen, So bald ich der bürgerin leib berüret, schrei sie der maid: ›zünd an ein licht! ein floch hab ich gespüret.‹ do suchtens mich fast auf zwu stunt, kaum entsprang ich alwegen.« Der fröer sprach: »so war ich din im dorf bei einer beuerin, die mich doch gar verachtet; sie trunk milich, wasser und kalte schoten fur auch, buck brod und molk die kü und tet im haus um droten; bei ir het ich kein ru noch rast, darum ich von ir trachtet. 2. Wilt, so wöl wir unser herberg vertauschen.« »ja wol,« sprach der floch, »ich wil heint die beuerin erlauschen, und schleich du zu der burgerin.« also sie sich beid schiden. Der fröer zu der bürgerin eintrate, sobalt des fröers sie entpfant, eilt sie in ir betstate, deckt sich mit hohen schauben zu; sie tet zittren und biden. Man must ir wermen ziegelstein, vil seft zur labung nam sie ein, ein wachslicht brinnen tete, ein köstling rauch must man in kamern machen. fru man zwen erzt zu ir berüft, die redten zu den sachen, das der fröer drei monat lang noch herberg bei ir hete. 3. Der floch zu nacht auch zu der beurin liefe; auf eim strosack, vor arbeit müd, sie hertiglich entschliefe; da fing der floch zu freßen an, sicher, on alles sorgen, Das sich die beurin nie kein mal umkeret, auch nie erwacht die lange nacht das dem floch het geweret. so speist er sich und het sein ru, bis an den hellen morgen. Also ieder zu herberg blieb an ent, das man in nit austrieb. des tut ein sprichwort sagen: die krankheit bleibt, wo man ir wol tut warten; etwan trift sie auch an ein man, der sie tut überharten. wer sie haust und ir hanget nach, muß sie dest lenger tragen. Der statbuler zu Augsburg In dem schwarzen ton Klingsor. 12. merz 1549. 1. Zu Augsburg war vor manchem jar ein schuknecht, welcher ein großer statbuler war, der sich teglich tet großer bulschaft rümen; All feiertag trug er ein kranz, den er im selber kauft, und wo er west ein tanz, so loff er zu, tet sich fast daran krümen; Und wo er war bei einer zech, loff er darvon, alwegen wie ein buler, spacieren aus; auch lag er selten ein nacht in des meisters haus, frü kam er, sam auf der bulschaft gelegen. 2. Bei im arbeit sunst ein schuknecht, der selb im eines nachtes heimlichen nachspecht, wo er spat in eins burgers haus wolt schleichen. Auf den Berlach er schleichen was, da schloff der buler in ein altes leeres faß, das war sein bulschaft gewest dergeleichen. Sein gsel dacht: »er wirt sich ein weil in disem faß verhalten.« schlich doch hinzu, da lag der faul buler im faß und schnarchet wie ein alter gaul; fein gsel dacht: »nun müß dein der teufel walten!« 3. Dem faß ein starken stoß er gab, das loff mit holem lauf den Berleinberg herab, die schergen loffen zu oben und unden; Der buler schloff raus, lief darvon on schuch und biret er den schergen kaum entron, sein angsicht war zerstoßen und zerschrunden. Frü sagt der buler große streich: »nechten man mich hart schluge bei einer bürgerin aus haß.« sein gsel sprach: »ja, auf dem Berlach das alte faß!« vor scham der buler zu dem tor auszuge. Des bulers beicht In dem feinen ton her Walthers. 28. merz 1549. 1. Ein buler beicht eim pfaffen alt und im auch nach der leng erzalt, wie er sein bulerei das jar het triben, Wie, wo und wan, ers als bekent, wie oft, und saget all umstent, als ob ers het an einem zettel gschriben. Do fing der alt pfaff an zu weinen. der buler des erschrak gar ser, dacht: »o wie ist der pfaff so feint der sünde! wie wird ich mich mit im vereinen! ich gib im beichtgelt dester mer.« er rauscht im gelt, braucht sich listiger fünde, 2. Und sprach: »ach, herr, laßt mich zu haus! nemt die drei batzen! richt mich aus! bekümert euch so hart nit um die sünde.« Da schnupfet erst der pfaff noch bas und also hart erseufzen was, als ob er gar kein wort nit reden künde. Der buler sprach: »es ist mir leide! ich wil doch bulen niemermer. seit guter ding und wolt mich absolviren. nun bin ich ie kein Türk noch heide, hab ich ein klein ton wider er, durch buß kan ich mein sünd wider quitiren.« 3. Der alt pfaff sprach: »mein sun, ich klag, das ich es ietzunt nit vermag; der freuden, darvon du so süß tust sagen, Darzu ich hab so wol getügt und hab es auch so wol gemügt, voraus ertlich in meinen jungen tagen. Was beichstu an dem ding zu letze, darmit die welt man meren sol, die leien und auch darzu die geweichten. kein buß ich dir auch darfür setze, wan das ding büßt sich selber wol.« west ich den pfaffen, ich wolt im auch beichten. Der hochfertig keiser Im rosenton Hans Sachsen. 21. juni 1549. 1. Gesta Romanorum mit name sagt, als der keiser herscht zu Rome, Jovianus, von stolzer art, der sagt im herzen aus hochfart, wie das kein ander got, dan ere, im himel noch auf erden were. Um den hochmut tet in got plagen; als er eins tags ausritt zu jagen in großer hitz, badet er sich in der Tiber, augenblicklich ein engel legt an sein gewande und setzt sich auf sein roß zuhande, Ritt mit dem hofgsind aus dem walt, dan er het gar des keisers gstalt, und ward als der keiser geeret; dem keiser wart sein gstalt verkeret, als er stieg aus der Tiber groß, fand er weder gewant noch roß, auch war hinweg sein hofgesinde, des erschrak der keiser geschwinde. 2. Nun lag darbei eins herren hofe, zu dem der nackent keiser lofe und da an den herren begert, das man im liehe kleid und pfert; wiewol er sich den keiser nennet kein mensch in zu hof darfür kennet. Der herr ließ in mit ruten schlagen und wider zu dem hof ausjagen, gleich als ob er ein spitzbub wer. ellent lof der nackent keiser auf ein schloß zu eim grafen gwise, der in unerkant strafen ließe. Nach dem kert er in die stat Rom und nackent für sein palast kam, niemant erkennet in dergleichen, do entbot er heimlich warzeichen der keiserin, die sagt die ding dem engel, der schuf, das man fing den keiser, ließ mit ruten hauen in angesichte seiner frauen. 3. Nach dem jagt man in aus Rom balde, do lof er nackent in ein walde, da ein frumer einsidel saß, dem er zu füßen fallen was, bekent sein sünd und missetate; der einsidel got für in bate, Das er gwan sein gstalt widerume; in kleidet der einsidel frume, darmit er balt gen Rome lent, da in alles hofgesint kent und tet im reverenz; zur stunde der engel im palast verschwunde. Do erkennet Jovianus, das in got het geschickt zu buß, dieweil er sein herz het erhaben in hochfart ob den gottes gaben. aus der geschicht uns klar erscheint, das got der hochfart ist ein feint. wer sich aufbaumet got zuwider, den kan er plötzlich stürzen nider. Die bitter lieb Im rosenton Hans Sachsen. 25. sept. 1549. 1. Eins morgens ging ich ausspaziren, um einen grünen walt refiren, da hört ich ein heimlich gesprech; in einem busche in der nech tet ich durch das gestreus mein schauen: da saß ein gsell bei einer frauen. Ich lost zu irem freuntling sagen, da war es nichts, wan bitter klagen. das freulein senlich in ansach und seufzent zu dem jüngling sprach: »herzlieb, wie sich ich dich so selten? sag mir doch, was muß ich entgelten?« Der jüngling fing widerum an: »vil geng ich dir zu lieb hab tan und dich doch nit ersehen kunde; des weinet ich von herzen grunde, dacht, dein huld ich verloren hab, all freuntschaft die wer tod und ab. die eifersucht brach mir das herz, die sensucht bracht mir heimlich schmerz.« 2. Sie sprach: »weißt nicht mein treuen mute? ich hab gewagt leib, er und gute mit dir, ist das ietzunt mein lon?« der jüngling sprach: »herzlieb, verschon! der argwon bracht mich auf das spore, weil ich dich nicht sach oft als vore.« Das freulein sprach; »der klaffer vile, die sehen uns gnau auf das spile, ob ich dich bei der nacht vernim; oder ich hör zu nacht dein stim, zum fenster darf ich nicht aussehen, förcht auch, dir möcht etwas geschehen.« Er sprach: »nechten wars mir nit weit, es jagten mich um mettenzeit mit bloßer wer die schergenhaufe eben gleich für dein tür heraufe.« sie sprach: »erst machst mir sorge mer. unglück reit mich, wo ich hin ker. mein man wil mir auch nit vertrauen und tut gar eben auf mich schauen.« 3. Der jüngling sprach: »merkt es dein mane, erst bleib ich nit; ich wil darvane! es kostet mein und deinen leib.« erst wart betrübt das zarte weib und umfing den jüngling mit armen, sprach: »bleib und tu dich mein erbarmen!« Der knab tet wider zu ir jehen: »dein brüder mich tückisch ansehen, als ob sie merken unser lieb; nit gut wer, das ich lenger blieb.« darmit das freulein er umfinge, nam urlaub, traurig von ir ginge; Die wand ir hend und rauft ir har. da dacht ich mir: und ist das war, das in der süßen lieb verborgen ligt so vil ungelücks und sorgen, klag, eifersucht und klafferei, senen und trauren mancherlei, ich geschweig des letzten abscheiden, so wil die bitter lieb ich meiden. Der gut montag In dem rosenton Hans Sachsen. 9. october 1549. 1. Eins montags frü zu bet ich lage, gedacht: »heut ist guter montage, da wil dem meister feiren ich.« in dem entschlief ich senftiglich. im schlaf erschien mir ein gesichte, des inhalt ich mit kurz berichte: Ich sach gar seltsamer moniere ein wundergroßes starkes tiere, das tet auf siben füßen gen, im maul het es scharf eberzen, sein bauch war als ein fudrig faße, sein schwanz schebig und reudig wase. Ich erschrak und floch hin von im. da redt es mit menschlicher stim: »fleuch nit! hast mich doch aus genaden auf heut freundlich zu dir geladen, wan ich der gute montag bin. wolauf! ins wirtshaus mit mir hin! zu andren gsellen, die dein warten mit speis und trank, würfel und karten!« 2. Ich sprach: »wie bist so stark und kreftig?« der gut montag sprach: »ich bin scheftig in merk und steten überal, die hantwerksbursch mit überschwal hab ich al unter meinem fanen, dergleich hersch ich vil hantwerksmanen.« Ich sprach: »wie hastu siben beine?« er sprach: »mein gang ist gschwind, alleine kum allmal über siben tag; oft man mich nit austreiben mag hinein bis gar auf den mitwochen, weder mit schelten noch mit bochen.« Ich sprach: »wie hast so scharfe zen?« er antwort: »wo ich ein tu gen, vil ganzer beutel ich zerkiffel, vil zank und hader ich antriffel, vil ganzer karten ich zerreiß, würfel und kegel auch zerbeiß; ausbeiß ich mangen aus der state, der erctags kein arbeit mer hate.« 3. Ich sprach: »wie ist so groß dein bauche?« er sprach: »o, das verschlint mein schlauche: gelt, kleinat, kleider und hausrat, den werkzeug oft samt der werkstat, haus unde hof, ecker und wiesen tut in meim bauch sich oft verliesen.« Ich sprach: »wie ist deins schwanzes wadel schebig und hat so manchen tadel?« »mir gutem montag folget nach ein böser samstag«, er do sprach: »wer mein all wochen wartet ause, dem nistet kein storch auf seim hause. Ich guter montag mach tol köpf, lere beutel und volle kröpf; die hent verdroßen und studfaule und dem meister ein henket maule; mach manche werkstat ler und öd, hosen und röck schitter und blöd.« ich erwacht und dem traum nachsane, stund auf, fieng zu arbeiten ane. Der unverschamt straßrauber In der kleweis Balthas Wenken. 11. october 1549. 1. Ein edelman in Franken saß, der nit ser reich an gute was, darum nert er sich auf der straß In einem holz mit rauberei; er hielt freidiger knechte drei, die hetten gleiche beut darbei; Wan ein kaufman reit dise ban, so sprengten in die reuter an, must in seinen reitwetschger lan. 2. Zwen kaufleut kamen auf sein schloß, den wart genumen gelt und roß, die klagten iren kumer groß: Das hetten getan seine knecht, sie hetens gruntlich augespecht, sagten im all warzeichen recht. Der edelman sprach: »lat verstan, hett ir die guten röck auch an, da euch mein knecht beraubet han?« 3. Sie sprachen: »ja, wir hettens an!« da antwort der frum edelman: »so habens meine knecht nit tan; Wan es ist meiner knechte sit, solch gut röck nemen sie auch mit; sie hettens euch gelaßen nit.« Zeigt darmit, das er auf der straß mit sein knechten raubt on ablaß; seiner schanz er nit laugen was. Die zwo elen tuch Im gülden ton Bartl Regenbogen. 13. october 1549. 1. Es het ein vatter seinem sun übergeben sein gut und hab das er in solt sein leben lang versorgen, Und solt im darum gütlich tun, iedoch wart der alt balt schabab man wurt sein urdrütz den abent und morgen. Der alt must aus der stuben naus man gab im ein alt kamer öde oben zu oberst in dem haus, man speiset in gering und darzu spröde; auch tet der frost dem alten we, von kaltem wint, regen und schne, sein kleidung war zerrißen, dünn und blöde. 2. Der alt tet zu seinem sun gan, sprach! »einen rock mir machen laß, in meiner kamer bin ich schier erfroren.« Der sun sach in gar tückisch an, mit untreu er beseßen was, des vatters bit und flehen war verloren. Jedoch der unverstanden bock dem vatter zwo elen grobes tuch gabe, sprach: »laß darmit flicken dein rock.« wies darmit seinen alten vatter abe. der ging seufzent dahin allein in die kalt öden kamer sein. die ding ersach ein fünfjeriger knabe; 3. Sprach: »gib mir, lieber vatter mein, auch zwo elen tuch, bitt ich dich.« er gab im das, do bhielt es auf der knabe. Der vatter sprach: »was wiltu sein?« das kneblein sprach einfeltiglich: »das ichs einmal in deim alter auch habe, So du mich bittest um ein rock, das ich dirs gib, dein rock darmit zu flicken.« der son stunt da gleich wie ein stock, dacht: »mein sönlein würt sich in mein art schicken.« nam sein vatter wider zu im. hiebei du alter man vernim: behalt dein gut, laß dich nit mit verstricken. Der kolb In des Römers gesangweis. 1. In Engellant zu Lunden saß ein reicher man, der het drei töchter, adelich und wolgetan, die er all drei verheirat nach einander. Er aber war ein witwer und hielt einig haus, ging also oft zu seinen töchtern ein und aus. eins tages baten sie in alle sander, Das er in übergeb sein gut, bei lebending leib, auf das ir drei mender handlen möchten aus freiem mut mit kaufmanschafte aus in weite lender, so woltens in mit speis und trank und mit kleidung sein lebenlang versorgen, das er mit ru möcht, got zu dank, int kirchen gen den abend und den morgen. der gute man in ganz und gar all sein gut übergabe; töchter und eiden freuntlich war fast auf ein jar, teten im alle gütlich zwar von seiner großen habe. 2. Des andern jares wurden sie sein gar urdrütz, weil er war alt und gar zu keiner arbeit nütz, und sahen alle sauer an den alten; Und so er kaum ein monat lang was bei ir eim, so schickten sie in einem andern wider heim, und wurd unerlich und unwert gehalten. Der alt man sich des hart beschwert, das er sein gut in übergeben hate und bei den kinden ward unwert, klagt das seim freunt, der gab im treuen rate. nach dem der alte füllet vol einen kasten mit sand und kieselsteine, ließ in tragen, versperret wol, in das haus heimlich in sein kemerleine, als ob man im ein schatz het bracht; entlenet auf den tage ein wag und klenget die ganz nacht ein gulden acht, ließ ein des morgens, wol bedacht, ligen auf der goltwage. 3. Frü sprach er: »ir töchter, ich hab noch etlich gut, und welche mich am freuntlichesten halten tut, der wil ich schaffen disen vollen kasten.« Erst rißen sie sich all drei um den alten man, ein iede tochter wolt den vatter bei ir han, ein iede speist in nach dem aller basten. Also der alt gut tag erwarb durch disen list, und hielten in kostfreie. als balt nun der alt man gestarb, öfneten sie den kasten alle dreie. darin funden sie stein und sant und ein kolben, dran stunt geschriben hinden: »welch vatter geit aus seiner hant vor seinem tot das gut den seinen kinden, denselben man zu tode schlag mit dem kolben ellende.« derhalb ist war des sprichworts sag: du alter trag behalt mit fleiß deine lebtag das schwert in deiner hende. St. Peter mit den landsknechten In dem speten ton Frauenlobs. 18. october 1549. 1. Neun landsknecht kamen auf ein gspor hinauf gar für das himeltor und klopften trutzig an darvor, wolten hinein und in dem himmel garten; Sant Peter sprach: »o herre got, daus ist ein arm nackete rot, laß sie herein! es tut in not.« er sprach: »nein, Peter, laß sie daußen warten.« Als die landsknecht lang musten daußen harren, da fingens an zu fluchen und zu scharren; sie fluchten sacrament, leiden und wunden. sant Peter dise flüch nit kent, meint, sie redten vom sacrament, auch von des herren tod und ent; dacht: »frumer leut hab ich vor nie gefunden.« 2. Sprach: »her! ich hab an diesem ort von der nacketen rot gehort so vil heiliger guter wort; ach, laß sie rein und hab mit in gedulde.« Der her sprach: »du magsts laßen rein; du must mit in behangen sein; sie sint mutwillig allgemein. geräts nit wol, so gib mir nit die schulde.« Sant Peter ließ sie ein mit freuden ganze, ein landsknecht bracht dem andren ein umbschanze, darnach fiengen sie an zu hadern und zu balgen, hauten einander lam und krum. sant Peter zant sie an darum: »was habt ir für ein umerdum? hebt euch wider hinaus an lichten galgen!« 3. Sie griffen tückisch in die wer, sprachen: »hinausbringst uns nit mer.« sant Peter reut der schimpf gar ser, und disen hochmut tet dem herren klagen. Der her sprach: »sagt ich dirs nit heut, es weren frech mutwillig leut? ge hin und eim engel gebeut, die trumen vor der himeltür zu schlagen, Und das er darmit einen lerman mache.« sant Peter verordnet balt dise sache. sobalt die landsknecht erhorten die trumen, loffens naus für des himels kor, meinten, ein lerman wer darvor. sant Peter balt beschloß das tor; seit ist kein landsknecht in den himel kumen. Ursprung St. Johannis segen In der glasweis Hans Vogels. 18. october 1549. 1. Zu Mainz ein reicher bürger saße, der doch entlich von seinem gut kam in große armut, des fiel er in groß sorg und schame, Rulos sein herz verzweifeln wase, ging hinaus in ein finstern walt und ruft dem teufel balt, der in menschlicher gstalt dar kame, Dem er sich ganz ergabe, sprach: »gibstu mir zwelf ganzer jar golts gnug und reicher habe, so wil ich mich dan stellen dar.« der bund also verschriben war. der teufel sprach: »ge hin mit schnauden, grab ein unter der holderstauden daheimen in dem garten dein, so findst ein schatz allein, von dem zehr du in meinem namen.« 2. So tet sich der man leids ergetzen reichlich bis in das zwelfte jar; am letzten tag er war alle sein freunt zu gaste laden, Do wolt sich mit in allen letzen, sprach: »ich iß fort mit euch nicht mer!« der wort erschrakens ser; ieder ging heim und tet im gnaden. Sein junge tochter fraget: »lieber vatter, wa wiltu hin?« mit trauren er ir saget: »nun wiß, das ich des teufels bin!« die tochter mit betrübtem sin sprach: »trink vor sant Johannis segen, das er dich beschütz unterwegen.« da tet ein trunk der vatter alt und gieng hin in den walt, zu nemen von dem teufel schaden. 3. Do er nun hin kam in den walde, sprach der teufel: »der deinen sel kan ich tun keine quel von dises kleinen trünkleins wegen; So wil ich doch deim leichnam alde hie lonen«; und nam in beim har und in zerkratzet gar, das er für halb tot ist gelegen, Blutrünstig, bleich und gelber. darnach stund er auf und heimging; als er kam zu im selber, erzelt er iederman die ding. der pabst Pelagius anfing, das man segnen solte den weine an sant Johannis tag alleine, das iederman den segen trank. also name zu dank ein anfang sant Johannis segen. Der staubig Franciscus In der feuerweis Albrecht Leschen. 24. merz 1550. 1. Ein freihirt vom gebirge zug, dem bekam ein abt, nit fast klug, der sprach: »gesell, wan here?« dem antwort wider ere: »ich kum von oben rab.« »Kumst von himel?« der abt in fragt. »ja!« sprach er. der abt weiter sagt: »hast sant Peter gesehen? was tet er zu dir jehen?« da sprach der freihirtsknab: »Er fragt mich, ob kein münich wer auf ganzem ertereich? ich sprach: es mindert sich ir hauf. sant Peter sprach: es ist ir rauf in fünf und zweinzig jaren gar kein münich gefaren.« der abt gesegnet sich, 2. Reit hin, den dingen nachgedacht. als er entschlief die selben nacht, daucht in in traumes gsichte, wie das er selb gerichte hinauf gen himel für. Da er kam für der himel pfort, da sach er niemant an dem ort, dan Franciscum den stifter, der barfüßer ein stifter, lag auf der übertür, Und lag oben auf im der staub wol zweier finger dick. der abt sprach: »du heiliger man, wiltu nit ein gen himel gan?« Franciscus sprach: »alleine, so wolt ich gen hineine, do ergriff mich beim strick 3. Sant Peter sprach: wo wiltu hin? weißt nit, es helt dein orden in, das alweg zwen und zwene soln mit einander gene? wie, das allein kumstu? Bleib vor der tür und wart darum, bis deiner brüder einer kum. also hab ich fürware gewart drei hundert jare acht und zweinzig darzu, Das meiner brüder keiner kumt; sind auf der termanei; ir gleisnerei und menschenler ist lieber in, dan gottes er und sein heiliges worte.« da erwacht an dem orte der abt. da bleib es bei. Sant Peter mit dem landsknecht In dem spiegelton des Erenboten. 9. april 1550. 1. Die weil sant Peter hie noch ging auf erden und prediget durch alle lant, wie man möcht selig werden, ein mal kam zu im ein landsknecht, der auf dem lant tet garten, Der sprach: »Peter, wiltu mit mir burschieren? ich wil garten in jenem dorf, so tu du predizieren und nim auch ein das opfergelt; tu im wirtshaus mein warten. Was du erschindst, gib halber mir, was ich ergart, teil ich mit dir.« »ja wol!« tet Petrus sagen. der landsknecht tet dem dorf eilent zulaufen. die bauren heten kirchweich do mit freßen und mit saufen. da ergart er beid ermel vol, das sie gleich teten ragen. 2. Im dorf lag der schultheiß am fieber eben, den machet sant Petrus gesunt; der tet zu lon im geben dreißig gulden, ein käs darzu; des tet er im danksagen. Der landsknecht kam zu im in das wirtshause, bachen, fleisch, küchlein, eir und brot zug er gar balt herause, sprach: »Peter, das hab ich ergart; was hat dein predig tragen?« Sant Peter zog herfür den käs, der landsknecht war mit worten räs: »hast nur den käs gewunnen?« sant Peter sprach: »wirt, uns ein hünlein brate, da wöl wir uns beid letzen mit.« der landsknecht heimlich trate int kuchen und die leber fraß vom hun gar unbesunnen. 3. Als man das hun bracht, das sies solten eßen, sprach Petrus zum landsknecht: »mich dunkt, du habst die leber gfreßen.« der landsknecht schwur marter und kraft, er het ir nit gesehen. Sant Peter die dreißig gulden raus zuge und machet drei haufen daraus, allmal zehen zam schluge, sprach: »nem ein teil und ich ein teil!« do tet der landsknecht jehen: »Wes ist der dritt teil?« er sprach: »das ist des, welcher die leber fraß.« erst schwur der landsknecht sere, er het die leber freßen in der kuchen, und raspet das geltling zusam mit schweren, gschrei und buchen. seit glaubt Petrus keim landsknecht mer, wie ser er fluch und schwere. Der landsknecht mit sant Niklas Im roten ton Peter Zwingers. 9. merz 1551. 1. Im Beierlant gartet ein landsknecht wilde, fand in einr marterseul sant Niklas bilde, das het drei gulden knöpf in seiner hende; Der landsknecht tet im bald ein umschanz bringen um sechs kronen, die ließ er vor im klingen und zog heraus zwen würfel an dem ende Und warf sant Niklas die erst schanz: siben augen und im fünf augen nider. der Schweizer schanz erschrak er ganz; nach dem warf er den nechsten wurf herwider sant Niklas siben augen und sprach zu sant Niklas: »hast gwunnen das, ich kan dir das nit laugen!« stieß ims golt in stock an der straß. 2. Der landsknecht loff ins dorf, sagt zu dem pfaffen: »ein umschanz hat mir abgwunnen rechtschaffen sant Niklas, sechs krona, dauß in dem felde, die hab ich im in stock gestoßen weger.« der pfaff sprach: »ich bin gleich sant Niklas pfleger, das ich im ausgib und einnim sein gelde; Ich wil es holen balt herein, das es nit werde aus dem stock gestolen!« der landsknecht dacht: »ich laß gut sein! du must mir die sechs krona wol verzollen.« der pfaff war fro von herzen, dacht: »wie ist der landsknecht so frum und schlecht, tut mit sant Niklas scherzen; die sechs krona mir komen recht.« 3. Am dritten tag warf mit sant Niklas ganze der landsknecht um zwelf krona noch ein schanze, die gwan der landsknecht, tet dem dorf zu traben, Sprach: »pfaff, leich her zwelf krona wol besunnen, hab ich sant Niklas redlich abgewunnen daus in dem felt, die wil ich von dir haben.« Der pfaff sprach: »das wil ich nit tan!« der landsknecht sprach: »und zalstu mich nit bare, so zünd ich dir den pfarhof an.« erst gab im der pfaff die zwelf krona dare. der landsknecht mit im name des pfaffen kellerin und fürt sie hin: des sint die pfaffen grame den landsknechten und irem gwin. Das heiltum In der alment des Stollen. 1. Zu Meidenburg ein kaufman saß, an gut mechtig und reich, neben im sein gefatter was, der im vor jaren gleich gewesen war an gut und hab, der aber ietz abnam von tag zu tage. Sein unheusliches weib das macht und sein bös hausgesint, auf welches er het gar kein acht, war sam darob erblint, merkt nicht, das er darvon nam ab; eins mals tet er seinem gfattren die frage: »Mein lieber gfatter saget mir, wie das ir euch mert, und ich tu abnemen? füren doch gleichen handel wir!« der gfatter aber wolt in nit beschemen und zu im: »lieber gfatter!« sprach: »wißt, ich hab ein heiltum, das ich im haus in alle gmach dreimal am hals trag alle tag herum. 2. Drum nem ich zu von tag zu tag.« der arm sprach: »leiht mir das heiltum, das ich es auch umtrag, ob es mir ging dest bas.« der reich ein haselnus balt nam und überzogs mit einer roten seiden Und leiht sie seim gfattren nachmals, der nams mit freuden an und hing das heiltum an sein hals, tet mit im haus umgan. als er mit in den keller kam und sach die faß, umfieng in groß herzleiden, Wie man verschütt het bier und wein. balt er die schlüßel alle heisch, fand auch in der speiskamer sein hart schimlich brot, erstunken fleisch fand in der kuchen ungespült pfannen, schüßel, teller, sam hetten die seu drin gewült, verwüst, zerbrochen all ding hin und her. 3. Int werkstat und schreibstuben kam, fand als unfletig gar, in dem kam er ins gwelb und kram, fant vil verpofelt war, ging darnach in die kamer sein, fant die federbet butzet und zerrißen. In der ehalten kamer funt er vil abtragen ding; auf dem boden fand er zu grunt koren und habern gring, fand in all gmachen groß und klein, das man sein gut unfleißig ein tet schlißen, Sach wol, das weib, kint, magt und knecht heten verderbt mit dem bösen haushalten. nach dem sah auf sein handel recht, tet auch sein haus selber fleißig verwalten. darum wer reich wil sein am gut, auf sein ding sehen sol; dan das alt sprichwort sagen tut: des herren fuß dünget den acker wol. Das golt im stab Cydiae Im kreuzton Ludwig Marners. 24. juli 1551. 1. Es schreibt Johannes Stobaeus, wie das in Kriechenlant ein reicher man, Archetimus, gabe zu treuer hant goldes ein große sume Cydiä, seinem wirt; Als er nun über etlich zeit das wider haben wolt, Cydias doch mit listikeit verlaugnet im das golt. Archetimus, der frume, in für gericht zitirt. Cydiä wurt von dem gericht der eide aufgeleget, das er het dises goldes nicht, ging heim, sein list sich reget, und macht im einen holen stab, tet das gold als darein; am driten tag kam er hinab zum tempel Jovis fein am stab ging hinkent krume, sam in groß krankheit irt; 2. Und gab sein stabe in die hant mit dem verborgen golt dem Archetimo obgenant, der im den halten solt; und er hub auf beid hende, sprach laut vor iederman: »Das gold ich wol entpfangen hab von dir, Archetimo, das ich dir kürzlich widergab; darauf schwer ich also den eid an disem ende, das ich das golt nicht han.« Mit disem liste und betrug vermeint er zu betriegen menschen und auch die götter klug, der warheit obzusiegen, der geiz in gar verblendet het; aber der götter schar in balt zu schanden machen tet, macht sein tück offenbar. Archetimus ellende da überwunden stan. 3. Als er hört die unbillikeit, so Cydias fürgab, warf er von im in tempel, weit von im, den holen stab gleich vor dem altar nider, das er brach in zwei stück, Das golt fiel heraus auf die ert, darbei wart der betrug Cydiä öffentlich bewert; zu hant das gericht klug gab Archetimo wider sein gold und schalt die tück. Cydias stund in großer scham, verlor zum gut sein ere nachdem ein böses ende nam. aus der gschicht ein man lere und handel treulich und stathaft mit herzen, mund und hant. wan got die untreu entlich straft mit schaden und mit schant. laß bnügen sich ein ieder, was got bschert und das glück. Die königin mit dem merwunder In der gesangweis Römers. 15. septemb. 1552. 1. Agilulphus, ein könig, in Lamparten saß, het ein gmahel, Teudelinda genennet was, ein adelich und überschöne fraue, Die mit irem frauenzimer in zucht und er eins tages ging hinaus spaziren an das mer, kurzweil zu haben in der grünen aue. Die königin von in spazirt mitten nauf an des mers gestat besunder, fast auf ein viertel meil revirt; da aus dem mer sprang ein greulich merwunder, wie ein ber zottet ungeheur, het flügel geleich einer fledermause, sein augen brannen wie ein feur; das ergriff die königin bald im gstrause und gewaltiklich mit ir rang, sie schentlich zu notzwingen; sie schrei und weret sich sein lang, doch überdrang das merwunder, und sie notzwang. und gleich zu disen dingen 2. Kam ein ritter vom jeid, eilt zu dem geschrei gar ser; das merwunder gab balt die flucht, sprang in das mer; doch tet sie dem ritter die schant nicht sagen; Der begleit sie, bis sie zum frauenzimer kam, mit dem eilet sie heim traurig in großer scham, doch tet sie iren unfal niemant klagen. Nun war schwanger das traurig weib von dem merwunder, sie ein sun gebare, rauch, schwarz und harig war sein leib, ser greulich; als er alt war auf zwelf jare, wart er gar wild und ungestum und schwechet mit gewalt ser vil junkfrauen und bracht auch vil des adels um, vor im het iederman ein forcht und grauen; den küng er überlaufen tet im sal, in zu erstechen. der konig noch einen son het, der an der stet dem vatter sein leben erret, werten sich beid des frechen, 3. Der sie beid wunt, vergleich hautens im wunden groß, die künigin selb vil scharfer pfeil in in schoß, bis entlich das wilt kint von in nam schaden. Der künig sprach: »das ist gewesen nit mein sun.« bat die küngin, die warheit im zu sagen tun solchs ebruchs halb, so wolt er sie begnaden. All ding sagt her die königin, wie sie wer notzwungen von dem merwunder. der künig mit seim son reist hin ans mers gestat, verbargen sich besunder, schickt die künigin im gestreus aufwerts, das merwunder sprang wider aus dem mere, mit der küngin zu haben scherz; die frau war aber mortlich schreien sere. vom vatter und son wart zuhant das merwunder erschlagen. gerochen wart der köngin schant, das es niemant erfure im Lamparter lant – tut die cronica sagen. Der singent schuster zu Lübeck In der saurweis Hans Vogels. 12. februar 1552. 1. Ein burger zu Lübeck geseßen, ein alt man, het kein kint mit seinem weibe, iedoch ser reich am gute – Burkhardus Waldis schreibe – Der war karg mit trinken und eßen und leget gar kein unkost an sein leibe, mit ganz traurigem mute er all sein zeit vertreibe. Bei im ein schuster saße, gar arm an gut, der doch ganz frölich wase, er sung bei tag und auch bei nachte, auch het er gar vil kinder, er arbeit hart, war frölich nichts dest minder. der reich het darauf achte, lud in auf ein suntage; als sie aßen, tet im der reich ein frage, wie er so frölich wer, weil in doch teglich drung armut und arbeit schwer. 2. Der schuster tet im antwort geben: »da hab ich gar wenig guts zu versorgen, mir kan niemant nichts nemen, weder rauber noch diebe. Darum so tu ich sicher leben, arbeit frölich den abend als den morgen, tu um kein gut mich gremen, hab weib und kinder liebe, Die ich hin bring mit eren; gwin ich nicht vil, tu ich dest ringer zeren. got lob, das ich bin frisch und gsunde und laß mich auch benügen an dem was mir got teglich ist zufügen.« als der reich hört den grunde, tet er, seins guts zu denken, dem armen schuster hundert gulden schenken, das er sich nert dest baß mit weib und kint, darob er hoch erfreuet was. 3. Als der schuster das gelt heimbrachte, dacht er, wie er das selb möcht wol anlegen, das er mer möcht gewinnen, wurt geitig über maßen, Lag ungschlafen die ganze nachte mit mancherlei heimlich großen anschlegen und wuchert mit den sinnen; seines singens vergaße, Nit mer wart frölich ere und ging auch traurig auf der gaßen here, kein ru het er in seinem herzen; er dacht: »mir bringt das geld unru und schmerzen«, lief hin, tet wider bringen dem reichen man sein gute, wolt lieber, wie vor, leben in armute, sicher und frölich singen, dan wie ein tor und stum sein traurig, iemer zu leben in dem reichtum. Der könig Apollonius im bad Im vergeßnen ton Frauenlobs. 14. januar 1553. 1. Als könig Apollonius floh sere könig Antiochum auf wildem mere, da kam sie an ein sturmewint und in die schiff zertrümmert; Apollonius muternacket kame auf ein bret, darauf er zu lande schwame, im ertrank all sein hofgesint, er stunt ellent, bekümmert. In sand ein fischer in seim leit, teilt mit im halb ein altes kleit, und weist in auf die straßen der stat Pentapolim, da er aus gottes gnad hört mit eim beck ein knaben klopfen an das bad, Apollonius ging geschwint ins bad ellender maßen. 2. Da kam ins bad ein gschrei, wie künigs gnade Archistrades sich nehet zu dem bade mit seim adel und hofgesint, das volk loff im entgegen. Apollonius sach vom hofgsind allen, wie es vor dem bad schlug den großen ballen, da loff Apollonius gschwint und auch mit runden schlegen Den ballen schlug für ander gar hoch in dem luft dem könig dar gar artlich und subtile. der könig in wunder den jüngling anesach, sein adelich person, und zu im selber sprach: »der jüngling ist keins bauren kint! das ich erfaren wile.« 3. Als nun der konig kam ins bad hineine, schaffet er von im alle diener seine und wolt, das Apollonius sein allein solte pflegen; Der so höflich und artlich in dem bade des königs wartet, das gfiel seiner gnade, lud in gen hof on hindernus von der höflichkeit wegen; Da im wider frölich das glück erschien und hielt im schutz und rück; Cleopatram die zarten des königs tochter erwarb und sein reich ererbt. also wen gleich das wankel glück einmal erdrück, der selb drum nit verzagen muß, sonder glücks wider warten. Die mördersgruben zu Rom In der froschweis Frauenlobs. 27. april 1553. 1. Vor alters war in Rom der stat ein große pfistrei, darin hat man brot bachen frü unde spat für die ganzen gemeine. Necher dem bachhaus war ein mül, trieb ein arm von der Tiber kül, mit vil gengen, die tiefen hül sun noch mon nie bescheine. Das wert vil jar aufrichtig zwar gemeinem nutz zu steuer; entlich kam dar ein mülner, war ein mörder ungeheuer; der ließ tafernen machen um gemeltes bachhaus umundum, darein gemeine weiber num. hört wunder abenteuer! 2. Wer zu den metzen kam hinein, wan der beladen wur mit wein, fürtens den in ein kemerlein, da wart gerüst ein fallen, Dardurch fiel er nab mit betrug int mül, da in das gsind erschlug, geld und kleider man im abzug, also ging es in allen, Wer drein tet gan. also manch man ward in der stat verloren. das bachhaus schon, das ist darvon ein mördersgruben woren. und das weret so lang zu Rom, bis Theodosius mit nom, der groß keiser, auch dahin kom mit seim her auserkoren. 3. Seiner diener einer mit graus ward auch gesprengt durch das bachhaus, doch schlug er sich von in heraus, zeigt das dem keiser ane. Der nam ein dis bachhaus zuhant, vil toter körper darin fant, mit feuer es zu grunt verbrant fing darin weib und mane. Becken, mülknecht er all radbrecht und die huren ertrenket. Sokrates, secht! durch strenges recht diser geschicht gedenket. hie merk die weltlich obrikeit, was sie zu gmeinem nutz bereit kumt in ein misbrauch mit der zeit durch eigennutz gekrenket. S. Johannes mit dem jüngling Im hofton Peter Zwingers. 6. mai 1553. 1. Eusebius beschreiben ist, wie Johannes euangelist kam in der frist bei Pathmos in ein state, Sterket darin die cristen schwach, alda er ein jüngling ersach, den er darnach fleißig befelen tete Eim bischof, das er in fürbas vetterlich solt verwalten; der in zug auf, nach dem die tauf empfing auch von dem alten, doch fort weng achtung auf in het, der jung leibs wolust suchte und sich zu böser gselschaft tet, wurt ganz arg und verruchte, 2. Und ein haubtman der mörder war, mördet und raubt etliche jar, als nun kam dar Johannes in die state Und wider nach dem jüngling fragt, als im der bischof solches sagt, weinet und klagt; zuhant Johannes hate Alda begert ein gsattelt pfert und ritt hin in den walde. der mörder hauf fing in bald auf; da sprach er: »weist mich balde zu eurem haubtman!« und darnach kam er zu der höl entlich; balt nun der jüngling in ersach, da floh er vor im schentlich. 3. Johannes aber im nachrit, schrei: »o sun, fleuch dein vatter nit, das ist mein bit, du ermster aller armen! Dein sünde wil selb büßen ich, Cristum hab ich beten für dich, genediklich wird er sich dein erbarmen.« Der jung unwert fiel auf die ert, bekent sein sünd und schulde, in seufzen lag mit wein und klag. Johannes gottes hulde den jüngling wider leibet ein, der sich wol hielt aufrichtig. drum keim sünder die christlich gmein versage die buß tüchtig. Der ungehörent bauer In der spruchweis Hans Sachsen. 10. mai 1553. 1. Am Rein ein bauer sase, alt ungehöret wase, der tet gen Bingen laufen und tet ein sau im kaufen, wan er wolt hochzeit halten kürzlich mit seiner alten. Ein edelman mit name im auf der straß bekame und grüßt in an dem orte, der bauer im antworte: »junkher, von Bingen here«; meint, fragt, wan her trieb ere. Der edelman in traue fragt in: »was gilt die saue?« der bauer meint, er fraget nach der hochzeit, und saget: »junkher, sie ist versprochen von heut über vier wochen, wils got, so wöl wir alle tanzen mit reichem schalle.« 2. Des lacht der edelmane und redt in wider ane: »muß ich auft hochzeit kumen?« der bauer het vernumen, er fraget an der stete, was die sau golten hete, Dem junkherren antworte: »drei gulden und ein orte.« der antwort zu den sachen der edelman must lachen, sprach: »hab dir drüs in lappen! du ghörst nit als dildappen.« Der bauer in dem stücke vermeint, er wünscht im glücke zu seiner lieben braute, und antwort überlaute: »got geb euch noch so vile, junkher, ich wünschen wile, wan glücks dürf wir wol beide, schwer ich bei meinem eide.« 3. Der junkher flucht dem bauren und saget zu dem lauren: »ja, mein dreck auf dein maule!« der bauer war nit faule, meint, er bet, in aus gnaden auf sein hochzeit zu laden, Sprach: »junkher, gar vermeßen, freilich müßt ir mit eßen; euch ich nit außen laße.« der junkher reit sein straße und lacht, das er must hossen, der ungereimten possen. Drum wer nit wol gehöret, ist sam halb taub und töret, das man doch in den sachen nit spotlich sol verlachen. das alter, tut man sprechen, kumet mit vil gebrechen macht all kreft schwach und mate, ieder bei im verstate. Der schneider mit der katze In der silberweis Hans Sachsen. 10. juni 1554. 1. Ein schneider het ein katzen, die tet freidig anplatzen die meus und auch die ratzen, hielt im sauber das haus Sein; ein kürschner saß neben im, der het tauben eben, die bracht ser um das leben des schneiders katz on graus; Darab het der kürschner ein klag. eins nachts es sich zutrug, das er griffe im taubenschlag die katzen, sie erschlug. darum geschach dem schneider leid; doch waren sie gut gsellen beid, das er drum nichts tet jehen zu kürschner; ließ es gschehen; nun begab sich in nehen, von Leipzig bracht zu haus 2. Der kürschner seiner frauen ein schamlot schwarz; auf trauen! war lieblich anzuschauen; den schneider fordert hin, Er solt die schauben schneiden. der schneider mit dem kreiden entwarfs vor inen beiden und schnitt sie auch vor in. Den zeug trug heim der schneider klug und macht die schauben aus; über acht tag er sie heim trug hin in des kürschners haus. als die frau die schauben antet, sie allein einen erbel het. die frau saget mit sitten: »zwen erbel habt ir gschnitten, was hat der ein erlitten, das ich sein mangeln bin?« 3. »Beit!« tet der schneider sagen: »meus haben in vertragen; weil euer man erschlagen mir hat mein katzen glat, Seit samlen sich mit haufen die meus und tun umlaufen im ganzen haus, umzaufen beides frü und auch spat. Im zoren wirf ich dan nach in seiden und samet gut; was ich eilend ergreifen bin, sich dan verlieren tut, ziehens in die meuslöcher ein; so mag dem erbel gschehen sein.« draus ist das sprichwort woren, wer seins tuchs hat verloren: der schneider es in zoren nach der maus gworfen hat. Der schlangen streit In der schlangenweis Bastian Hilprant. 1. merz 1554. 1. Schiltberger klar schreibt ein groß wunder; das vor Samsan in der Türkei, der haubtstat alt, gschach seiner zeit: Ein große schar schlangen besunder auf einen plan nahent darbei aus einem walt kamen zum streit; Vil schlangen kamen auch gangen her aus dem mer an einen rangen und auch ein her samleten groß; aus forcht man ser die stat beschloß 2. Doch teten sie niemant kein leide, zu felt mit nam die versamlung der schlangenmacht weret neun tag, Und nachdem die her all beide zugen zusam, alt unde jung, teten ein schlacht zu felt, ich sag, Ein reißen und schlangenpfeißen war im anfang, ein grimig beißen und wert, so lang schien die hell sun, doch die holzschlang den sieg gewun. 3. Als die flucht gar die waßerschlangen gaben zum mer, zugen auch ab hinein den walt die ander part. Achttausent war mit tot vergangen aus beidem her, man macht ein grab, sie darein balt mit ert verschart. Das wunder bedeut besunder, das Wayasit solt drücken under das volk, bestrit zu waßer lant, überwant mit sieghafter hant. Regulus mit dem großen drachen In der drachenweis Bastian Hilprant. 17. april 1554. 1. Nach dem her Marcus Regulus mit einem großen here zu felde lag in Africa mit harnisch und mit were am großen waßer Bagrada, da ist erfunden woren in dem revier des selben lants Nahent bei dises waßers fluß ein grausam großer drache, erschröcklich und gar ungeheur offen stund im sein rache, sein augen glastent wie ein feur, sein haut schupicht von horen, mechtiger kraft in seinem schwanz; Er war auch so vergiftet ganz, wen er mit seim atem anblies, der selb gecheling sturbe; viech und leut auch der drach zerriß, also durch in verdurbe aus den Römern manch redlich man, wurd aus dem her verloren, bis mans Regulo zeiget an. 2. Der rüstet sich mit allem her, wider den großen drachen zog er aus wie an einen sturm; da aus seim gifting rachen verderbet der ungheure wurm, durch sein atem vergingen vil, die lagen erschwarzet tot. Gar schwach war da der Römer wer, kein pfeil sein haut durchdrunge, kein stich noch hieb auf im nit haft, mit dem schwanz er sich schlunge; bracht vil um aus der ritterschaft; erst hieß bleiden und schlingen Regulus brauchen in der not; Darmit warf erst die römisch rot zum drachen große quaderstück, da in ein wurf gelange dem drachen oben auf den rück, das er sich nit mer schlange; dardurch der grausam drach erlag, den tet man gar umbringen mit hemmern groß durch manchen schlag. 3. Von disem drachen Regulus die haut schicket nach Rome, war hundert und zweinzig schuch lang, die hing man auf mit name im tempel Jovis, da sie lang gleich hing zu einem wunder, auch sein kinnbacken lange zeit – Beschreibet Titus Livius. der drach gleicht eim tiranen, der aus mutwil in einem lant aufwirfet sein blutfanen, mit gefenknus, mort, raub und brant verderbet da besunder als wider recht und billigkeit; Dem sol man auch mit krieg und streit, auf allerlei weis, wie man mag, gar tapfer tun begegen, kein abscheu am unkosten trag, bis man in tu erlegen, das ein ganz lant vor im hab ru. so man in stürzet under hat man sein lob, er, preis darzu. Der verschloßen seßel Im abgeschidnen ton Nachtigals. 9. juli 1554. 1. Als Vulcanus der gotte, welcher schmiedet den donnerstral, wart schwarz und rußig überal, drum in zu schmach und spotte Juno vom himel warfe, Da er sich hinkent fiele, in die insel Lemnos genant, darin er mit kunstreicher hant machet schön und subtile über die maßen scharfe Ein seßel, gulden wase, mit klammern und haken heimlich geschicket, wer in den seßel saße, der wart darin verschloßen und verstricket; den er frau Juno schicken tet, die in vom himel gstoßen het, zu rechen sich aus haße. 2. Als Juno darein saße, kunt sie vom seßel nit aufstan, so kund in auch niemand auftan; balt sie auf der ert straße Mercurium hinsendet, Der Vulcanum anrete mit worten süß, das er doch holt Junonem ledig machen wolt, das doch abschlagen tete Vulcanus und nicht endet. Da schickt Juno hinabe den weingot Bacchum, der vil weins zu trinken dem got Vulcano gabe, das im sein haupt wart tol und tet hinsinken; fürt den trunknen gen himel nauf, der löset ir den seßel auf, ließ Junonem herabe. 3. Johann Herolt beschreibet dise fabel und ander mer, aus der uns gar ein schöne ler zu warnung hie beleibet; das wir uns fleißig hüten Vor schnöder trunkenheite; dan wo sie nimet überhant, da löst sie auf der zungen bant, öfnet die heimlichkeite, durch des weins heimlich wüten Das sunst lang blieb verborgen, mit der vernunft gar stark und fest verschloßen, öfnet der mensch on sorgen, wan im wein überflüßig ein wirt goßen, das nüchterweis gar nit gescheh; darum ein weis man sich fürseh vor füll abend und morgen. Astilus der kempfer In der silberweis Hans Sachsen. 22. august 1554. 1. Do Astilus der mane auf olympischem plane den sieg mit kampf gewane, kam heim mit jubel groß. Croton die ganze state den iren kempfer spate eilig entpfangen hate und acht schneweißer roß Man an den triumphwagen setzt, auf dem der kempfer saß, und fürt in in die stat zuletzt, da man im schenken was zehen tausend kronen in golt, iederman het in wert und holt als ein, der mit der hande Croton, seim vatterlande, künt tun großen beistande, keiner wer sein genoß. 2. Hernach über vier jare, als aber ein kampf ware, kam Astilus auch dare und wie vor an der stet Er in dem kampf mit ringen, kempfen, laufen und springen, rennen und allen dingen das best für allen tet. Ein bürger von Syracusa disen kempfer ansprach freuntlich und in darzu alda mit großem golt bestach, das er sich da ausschreien ließ auf dem kampfplatz, wie er gewis wer ein Syracusaner, ein burger und inwaner, auf das der eren paner preis Syracusa het. 3. So ließ mit golt sich saugen Astilus unter augen untreulich, tet verlaugen sein eigen vatterlant. Croton den tück vernume von disem kempfer dume und riß im sein haus ume, im zu schmach, spot und schant, Und bauete auf sein hofstat ein schelmengefenknus; von wegen seiner übeltat man zu seim bilde schuß, das man im vor het aufgericht. wolt got, das ein ieden böswicht treff alles ungelücke, der solche bubenstücke seim vatterlant durch tücke beweist mit mund und hant. Zal und sum meiner gedicht auf dise zeit In der hohen tagweis Hans Sachsen. 31. decemb. 1554. 1. Als ich, Hans Sachs, alt ware zwei monat sechzig jare wurt schwach mein gedechtnus, und auch mein sinreicher einfluß wart machtlos und entwichte; Verstopft wurden die quellen der artlichen einfellen, vernunft wurt schwach und blöd, lust und begir wurt schwach und öd zu höflichem gedichte: Da beschloß ich, mein leben in stille ru zu geben, forthin zu leben frei, müßig von aller poetrei. als ich solches bedachte und gleich die selbig nachte mir in dem traum erschin die neun Musä, der kunst göttin; Melpomene tet sagen: »freunt, wiltu uns enttragen die neun himlischen gab, weliche ich dir geben hab als man zelt fünfzehn hundert und vierzehn jar gesundert? derhalb bistu aufs minst die weil du lebst in unserm dinst verbunden und verpflicht.« 2. Ich sagt: »ich hab für ware euch dinet vierzig jare, darin eur himlisch gab gar emsiklich gebrauchet hab; der zal mich selb verwundert: Ich hab der meisterlider warhaft gemachet sider von anfang in der sum acht und dreißg hundert um und um acht und vierzig gesundert, Wol in zweihundert schönen und vier und vierzig tönen, der sint dreizehen mein, die bar ich alle schrieb allein mit eigner hant dem sücher wol in vierzehen bücher, allerlei art manier, der kunst zu ausbreitung und zier, schriftlich zu gottes glori, auch vil schöner histori, stampanei und gut schwenk, philosophisch poetisch renk; auch hab ich der zeit fleißig hundert und drei und dreißig Comedi zugericht; sprüch, gesprech und der lobgedicht wol dreißig und fünfhundert 3. In mein büchern beschloßen mit fleiß und unverdroßen. mein bitt ist, ir göttin, das ir mich zelen wolt forthin quit ledig aller pflichte, Weil ich euch dinet habe bis in mein alter grabe, das mich nun merklich krenkt, all mein kraft mir zu grunde senkt kan weiter dinen nichte.« Terpsychore, die gute, sprach: »freunt, sei wolgemute, du erwelter dinstman, kein urlaub kanstu von uns han; die weil du hast dein leben, hilf und steur wir dir geben durch die neun gülden ler. zu preis wirt dir lob, rum und er von manchem werden munde.« zuhant der traum verschwunde, darvon ich auferwacht. das gschach gleich in der jaresnacht, als man der mindren zelet vier und fünfzig erwelet, da dis bar machet ich und das vierzehnte buch warlich beschloß mit dem gedichte.