Hans Sachs Spruchgedichte (Auswahl) Historia Ein kläglich geschichte von zweien liebhabenden, der erwört Lorenz. In Cento Novella ich las, wie das ein reicher kaufman sas in Italia, dem Welschlant, Missina war die stat genant; derselbig het erzogen schon drei sün, höflich und wolgeton, und auch ein tochter minniklich, schön, wol erzogen, adelich, die war Lisabeta genant, in zucht und tugent weit erkant, derhalb manch jüngling umb sie warb. da nun der alte kaufman starb, darnach an einem abent spat die drei brüder hetten ein rat, sie wolten bei einander bleiben und iren handel wider treiben in aller maß gleich wie vorhin, auf gleichen verlust und gewin; das war der schwester wol zu mut. die drei gewunnen großes gut, all ir handel gieng glücklich recht. sie hetten ein getreuen knecht, derselb war Lorenzo genant, war geboren aus deutschem lant; derselbig trib in iren handel. er was schön, jung, gerad, an wandel; demselben wart sein herz verwunt in strenger lieb in kurzer stunt gegen der junkfrauen, ich sag; bei ir sein herz war nacht und tag, und kunt das nit von ir ablenken; er tet vil tiefer seufzer senken und het ganz weder ru noch rast. nun was die junkfrau gleich so fast gen im in strenger lieb versert, ir lieb von tag zu tag sich mert; allein tetens ir herz erquicken, mit vil freuntlichen augenblicken teilt eins dem andern heimlich mit; doch west eins von dem andern nit, biß doch eins dem andern bekennet, wie es in strenger liebe brennet. nach dem lebtens in freud und wunnen, als oft in das gelück was gunnen; doch ist es war, wie man oft spricht, die lieb laß sich verbergen nicht. sie tribens kaum ein vierteil jar, da namens ire brüder war; der ein sprach: die sach stet nicht recht, mich dunkt warlich, wie unser knecht bul Lisabeta, unser schwester, ich hab es wol gemerket gester; darumb so folget meinem rat, so wil ich heint zu abent spat mich legn heimlich under ir bet; ists sach, daß der knecht zu ir get, sein lon er darumb nemen sol. der rat gefiel in allen wol. da nun der tag mit schein abwich, der bruder in ir kamer schlich und kroch under die betstat ein; nach dem kam Lisabeta fein und legt sich an ir bet mit nam. nach dem Lorenzo zu ir kam, waren ganz frölich aller ding; frü der knecht wider von ir gieng. nach dem Lisabeta aufstunt, ir bruder herfür kriechen gunt, kam zu sein brüdern auf den sal und sagt in den großen unfal und sprach: ach wafen über wafen, der knecht hat unfer schwester bschlafen! darumb muß er laßen das leben. ein guten rat wil ich euch geben, wir drei wöllen in walt spaziern, so muß der knecht mit uns passiern, da wöll wir dise schmachheit rechen. nach dem frümal teten sie sprechen: wir wölln spazieren in den walt, wolauf, Lorenz, ge mit uns balt, Lisabeta, du bleib zu haus! mit dem all drei sie giengen aus. Lorenzo gieng sein herren nach, nach Lisabeta er umsach, wan er sach ir fort nimmer mer. mit im eilten sie also ser hin in den finstern walt grausam. da sprach der eltst bruder mit nam: Lorenzo, du untreuer knecht, du hast uns unser schwester gschmecht, darumb so must du sterben hie. der knecht fiel nider auf sein knie und bat, daß man in leben ließ. der ein sein schwert durch in ausstieß, hieb im darnach vil wunden tief. Lorenzo gar kläglichen rief: Maria, kom zu meinem ent und für mein sel aus dem ellent! mit dem er seinen geist aufgab. die drei machten im balt ein grab und den zerhauten leib eingruben und sich balt aus dem walde huben, funden ir schwester in dem haus. sie fragt: ist Lorenz bliben daus? der ein sprach: nach im darfst nit fragen: er hat uns gar vil guts abtragen, ist darmit heimlich weg gezogen. sie sprach: ich hoff, das sei erlogen. der bruder sprach: ei, laß darvon, e dir auch wirt darumb dein lon. von der red wart ir herz gar schwer, gieng in ir kamer, weinet ser, ruft mit weinender stimm ellenz: o du mein herzlieber Lorenz, wie magst du sein so lang von mir? solch klag fürt sie ein monat schir. eins nachts tet sie lang klagn und weinen; da sie entschlief, wart ir erscheinen in eim gesicht traurig unmutig, erblichen, tötlich und ganz blutig Lorenzo, den sie sichtlich sach, der gar seufzent da zu ir sprach: ach we uns, ach und immer we! Lisabet, du sihst mich nit me, du darfst auch nit mer nach mir fragen; dein brüder haben mich erschlagen mortlich, heut ist der dreißigst morgen; mein leib leit in dem walt verborgen, begraben unter einer linden, mit meim blut ist besprengt die rinden, darumb darfst du nit rufen mir, wan ich kum nimmer mer zu dir, du merest mir dardurch mein leiden. gesegn dich got, ich muß mich scheiden. mit dem der geist also verschwant; Lisabet erwachet zu hant, stunt auf und war gar schwach und mat. gar freuntlich sie ir brüder bat, soltens in garten lan spazieren, mit ir nam sie ir treue dieren, die all ir heimlichkeit wol west, die ir auch riet allmal das best. sie giengen hin in schneller eil in den walt auf ein welsche meil, suchten, biß das sie wurden finden ein große, ausgebreite linden, die war besprenget mit seim blut. da das sach Lisabeta gut, da sank sie nider zu der ert, ir herz in onmacht wart versert; ir meit tet sie trösten und laben. nach dem sie da gesehen haben neugrabne ert, da grubens ein; da funt Lisabeta allein Lorenzo, iren höchsten hort, der lag ellendiklich ermort. sie sank darnider zu den stunden und kusset im sein tiefe wunden, die waren all von blut noch rot; da rufet sie: o grimmer tot, kom und beschleuß meins lebens ent sie rauft ir har und wunt ir hent. nach dem das arm betrübte weib das haupt löset von seinem leib, dasselb sie mit ir heimwerts trug. het sie den ganzen leib mit fug mit ir künden bringen darvon, warlich, sie het es geren ton. den andern leib sie beid eingruben und sich heimwerts gen hause huben; da sie beschloß ir kamertür und zog das tote haupt herfür und tet da all ir klag verneuen und weinet so in ganzen treuen und kust das tot haupt zu der stunt wol tausentmal an seinen munt, balsamiert das für al gebruch, wunt das in ein grün seiden tuch, druckt das an ir brust wunnesam. nach dem sie ein wurzscherben nam, leget darein das haubet wert, tet darein und drauf frische ert und pflanzet auf das haubet zart ein schmecket kraut von guter art; so lag das haupt im scherbn verborgen. darnach, wenn sie aufstund all morgen, zu stunt sie zu dem scherben gieng, darob zu weinen anefieng, biß er wurt allenthalben nas, und auch mit rosenwaßer, das kraut wuchs und wudlet also ser von tag zu tag ie lenger mer. die frau den scherben hat so lieb, den ganzen tag sie bei im blieb. als nun ir brüder merkten, das ir diser scherb so liebe was, den scherben sie ir heimlich stalen und den in ein truhen verhalen. da nun Lisabeta aufstunt und iren scherben nicht mer funt, sprach sie: o we, nun muß ich sterben, hab ich verloren meinen scherben! vor leit sie zu der erden sank und wart von ganzem herzen krank. die brüder sprachen all gemein: was mag nur in dem scherben sein? villeicht hats iren schatz darinnen; und mit gar ungetreuen sinnen tetens den wurzscherben auslern, schütten heraus kraut und die ern, da fundens das tot haubet zart; darob erschraken sie ser hart, wan sie kennten es an dem har, das Lorenzen, irs knechtes, war. das haubet wurt von in verborgen; halt namens ir barschaft mit sorgen, flohen in Neapolis, und nach dem ein frau den scherben funt und sagt Lisabeta die mär, wie ir scherben gefunden wer. Lisabet in dem bet aufsas, wolt sehen, wo ir scherbe was, doch war das haupt nit mer darinnen; da fiel sie mit betrübten sinnen umb und gab auf ir traurig sel. da loff zu alles volk gar schnel; zuhant ir magt da anefing, erzelt den leuten alle ding, wie sich all sach hette begeben in lieb zwischen ir beider leben, und wie ermördet leg Lorenz. sein leib den holet man behenz, auch funt man das tot haubet klug. beide leib man gen kirchen trug, da weinten die reichen und armen, ir beider tot tet sie erbarmen. man legt sie in ein grab zusamen; ir beider sel, ob got wil, kamen zusam dort in ewigen freuden, da sint sie ewig ungescheiden. Der beschluß So nemet diß geschicht zu herzen, wie lieb oft bringet großen schmerzen, schad, schant und ander ungelück und bringet vil der bösen stück. derhalben frauen und junkfrauen sollen sich mit fleiß wol fürschauen, das solche lieb sie nit betrig, und in im herzen angesig, dardurch in als unglück zu ste, sonder sollen biß in die e sparen ir lieb, die ist mit eren; aus elicher lieb tut sich meren heil und gelück allhie auf ert, ist bei got und den menschen wert. auf das eliche lieb aufwachs in rechter treu, das wünscht Hans Sachs. Der spruch der ist mein erst gedicht, das ich spruchweis hab zugericht. Anno salutis 1515. am 7. tage Aprilis. Die wittembergisch nachtigal, die man iez höret überal Wacht auf, es nahent gen dem tag! ich hör singen im grünen hag ein wunnikliche nachtigal; ir stim durchklinget berg und tal. die nacht neigt sich gen occident, der tag get auf von orient, die rotbrünstige morgenröt her durch die trüben wolken get, daraus die liechte sunn tut blicken, des mones schein tut sie verdrücken; der ist iez worden bleich und finster, der vor mit seinem falschen glinster die ganzen hert schaf hat geblent, das sie sich haben abgewent von irem hirten und der weid und haben sie verlaßen beid, sind gangen nach des mones schein in die wiltnus den holzweg ein, haben gehört des leuen stim und seint auch nachgefolget im, der sie gefüret hat mit liste ganz weit abwegs tief in die wüste. da habens ir süß weid verloren, hant geßen unkraut, distel, doren; auch legt in der leu strick verborgen, darein die schaf fielen mit sorgen. da sie der leu dann fant verstricket, zuriß er sie, darnach verschlicket. zu solcher hut haben geholfen ein ganzer hauf reißender wolfen, haben die ellent hert beseßen mit scheren, melken, schinden, freßen; auch lagen vil schlangen im gras, sogen die schaf on unterlas durch all gelid biß auf das mark. des wurden die schaf dürr und ark durchaus und aus die lange nacht und sint auch allererst erwacht, so die nachtigal so hell singet, und des tages gelenz herdringet, der den leuen zu kennen geit die wölf und auch ir falsche weid. des ist der grimmig leu erwacht, er lauret und ist ungeschlacht über der nachtigal gesang, das sie meldt der sunnen aufgang, davon sein künigreich ent nimt. des ist der grimmig leu ergrimt, stelt der nachtigal nach dem leben mit list vor ir, hinden und neben; aber ir kan er nit ergriefen, im hag kan sie sich wol verschliefen und singet frölich für und für. nun hat der leu vil wilder tier, die wider die nachtigal blecken, waldesel, schwein, böck, katz und schnecken; aber ir heulen ist als fel, die nachtigal singt in zu hell und tut sie all ernider legen; auch tut das schlangengzücht sich regen, es wispelt ser und widerficht und fürchtet ser des tages licht. in wil entgen die ellent hert, darvon sie sich haben genert die lange nacht und wol gemest, loben, der leu sei noch der best, sein weid die sei süß unde gut, wünschen der nachtigal die glut. desgeleichen die frösch auch quacken hin und wider in iren lacken über der nachtigal geden, wan ir waßer wil in entgen; die wildgens schreien auch gagag wider den hellen liechten tag und schreien in gemeine all: was singet neus die nachtigal? verkündet uns des tages wunne, sam macht allein fruchtbar die sunne, und verachtet des mones glest. sie schwig wol stil in irem nest, macht kein aufrur under den schafen. man solte sie mit feuer strafen! doch ist diß mortgschrei als umbsunst; es leuchtet her des tages brunst, und singt die nachtigal so klar, und ser vil schaf an diser schar keren wider aus diser wilde zu irer weid und hirten milde. etlich melden den tag mit schal, in maß recht wie die nachtigal; gen den die wölf ir zen tun blecken, jagen sie ein die dorenhecken und martern sie biß auf das blut und droen in bei feuers glut: sie sollen von dem tage schweigen; so tunt sie in die sunnen zeigen, der schein niemant verbergen kan. nun das ir klärer mugt verstan, wer die lieblich nachtigal sei, die uns den hellen tag ausschrei: ist doctor Martinus Luther, zu Wittenberg augustiner, der uns aufwecket von der nacht, darein der monschein uns hat bracht; der monschein deut die menschen lere der sophisten hin unde here innerhalb der vierhundert jaren; die seint nach ir vernunft gefaren und hant uns abgefüret fer von der evangelischen ler unseres hirten Jesu Christ hin zu dem leuen in die wüst. der leo wirt der bapst genent, die wüst das geistlich regiment, darin er uns hat weit verfürt auf menschenfünt, als man jetzt spürt. darmit er uns geweidnet hat, deut den gotzdienst, der iezunt gat in vollem schwank auf ganzer erden mit münich, nonnen, pfaffen werden, mit kutten tragen, kopf bescheren, tag unde nacht in kirchen pleren, metten, prim, terz, vesper, complet, mit wachen, fasten, langen bet. mit gertenhauen, kreuzweis ligen, mit knien, neigen, bucken, bigen, mit glockenleuten, orgelschlagen, mit heiltum, kerzen, fanen tragen, mit reuchern und mit glockentaufen, mit lampenschüren, gnad verkaufen, mit kirchen-, wachs-, salz-, waßerweien; und desgeleichen auch die leien mit opfern und dem liechtlein brinen, mit walfart und den heiling dinen, den abent fasten, den tag feiren und beichten nach der alten leiren, mit brüderschaft und rosenkrenzen, mit ablaßlesen, kirchenschwenzen, mit pacemküßen, heiltumschauen, mit messstiften und kirchenbauen, mit großem kost die altar zieren, tafel auf die welschen monieren, sammate messgwant, kellich gilden, mit monstranzen und silbern bilden, in klöster schaffen rent und zinst. diß alles heißt der bapst gotzdinst, spricht: man verdient damit den himel und löst mit ab der sünden schimel. ist doch als in der schrift ungrünt, eitel geticht und menschenfünt, darin got kein gefallen hat. Matthei am fünfzehnten stat: vergebenlich dienen sie mir in den menschengesetzen ir; auch so wirt ein iegliche pflanze vertilgt und ausgereutet ganze, die mein vatter nit pflanzet hat. hör zu, du ganz geistlicher stat, wo bleibst mit dein ertichten werken? nun lat uns auf die mortstrick merken: bedeuten uns des bapstes netz, sein decretal, gebot, gesetz, damit er die schaf Christi zwinget; mit ban er zu der beicht uns dringet, all jar zum sacrament zu gan, verbeut das blut Christi beim ban, gebeut bei dem ban, alle jar zu fasten vierzig tag fürwar. sunst vil tag und vier quatemer, auch zu meiden fleisch und eier; zu feiren vil tag er gebeit, verbeut etlich tag die hochzeit, gefatterschaft und etlich grat; zu heiratn er verboten hat münich und pfaffen bei dem ban; doch mügen sie wol huren han, frummen leuten ir kinder letzen und fremde eweiber einsetzen. unzal hat der bapst solcher bot, der doch keins hat geboten got; jagt die leut in abgrunt der hel, zu dem teufel mit leib und sel. Paulus hat in gezeiget on am vierten zu Timotheon und spricht: der geist saget deutlich, das zu den letzten zeiten, sich, etlich vom glauben werden treten, und anhangen des teufels reten, werden leuten die e verbieten und etlich speis, die got durch gieten beschaffen hat mit danksagung. ich mein, das sei ie klar genung. nun lat uns schauen nach den wolfen, die dem bapst han darzu geholfen, zu füren solche tyrannei: bischof, probst, pfarrer und abtei, all prelaten und selsorger, die uns vorsagen menschen ler und das wort gottes underdrucken, kummen mit vorgemelten stucken, und wenn mans bei dem liecht besicht, ist es als auf das gelt gericht. man muß gelt geben von dem taufen, die firmung muß man von in kaufen, zu beichten muß man geben gelt, die mess man auch umb gelt bestelt, das sacrament muß man in zalen, hat man hochzeit, man geit in allen, stirbt eins, umb gelt sie es besingen, wers nit wil tun, den tunt sie zwingen, und solt es einen rock verkaufen. also sie uns die woll ausraufen; und was sie lang ersimoneien, sie wider umb wucher hinleien, von zweinzg gulden ein malter koren, ich mein, das heißt die schaf geschoren; auch wie hart sie das volk maulbanden mit den zehenden auf den landen, da man mit in des herrgotz spilt, wie man sie bannet umb die gilt und sie mit liechten tut verschißen. die armen bauren fronen müßen, das die starken schintfessel feiren, halb zeit in dem wirtzhaus umbleiren. vier opfer muß man in auch reichen und den messpfenning des geleichen, und darzu an den feiertagen lant sie gelttäfelein rumb tragen; all kirchweih sie nach gelt auch dichten, ein jarmark mit heiltum aufrichten, darbei sie ablaßbullen haben, geltstöck lant sie in kirchen graben, also richt man dem armen volke; das heißt die schaf Christi gemolke! auch kommen stationierer, antonier, valentiner, die sagen vil erlogner wort, das sei geschehen hie und dort, bestreichen frauen unde man mit eim vergulten eselszan und erschinden auch geldes kraft, schreiben leut in ir brüderschaft, holen die zinst alljärlich jar. darnach kumt ein ersame schar, heißt man zu teutsch die romanisten, mit großen ablaßbullen kisten, richten auf rote kreuz mit fannen und schreien zu frauen und mannen: legt ein, gebt euer hilf und steuer und löst die sel aus dem fegfeuer; balt der gulden im kasten klinget, die sel sich auf gen himel schwinget. wer unrecht gut hat in seim gwalt, dem helfen sie es ab gar balt; auch gebens brief für schult und pein, da legt man in zu gulden ein. der schalkstrick sein so mancherlei, das heißt mir römisch schinderei. fürbaß merket von den bischöfen, wie es zuge an iren höfen, mit notari, officiellen, mit citazschreibern und pedellen an irem falsch geistlichen recht, wie man da schindet meit und knecht, auch wie man da zureiß die e, und nimmet gelt und anders me, und nöt sie auch, zusam zu globen; auch wie sie mit den leuten toben, die man zu in jagt in der beicht, die etwan geßen han villeicht fleisch oder eier in der fasten, das tunt sie also scharpf antasten, als het einer ein mort getan; auch wie sie umbgent mit dem ban, wie sie in beschwern und verneuren, auch wie das arme volk sie steuren. auch mit dem wilt und dem gejeit tunt sie in schaden am getreit, halten rauber in iren flecken, die rauben, morden, stöcken, blöcken. auch füren bischof krieg mit trutz, vergießen vil christliches blutz, machen ellent witwen und weisen, dörfer verbrennen, stet zureisen, die leut verderben, schatzen, preßen, ich mein, das heiß die schaf gefreßen. Christus solch wolf verkündet hat, Matthei am sibenden es stat: secht euch für vor falschen propheten, die in schafkleidern herein treten, inwendig reißent wolf ers nennet, an iren früchten sie erkennet. Marci am zwölften ers erklerten, spricht: habt acht auf die schriftgelerten, die gern gen in langen kleidern und laßen sich auch grüßen gern am mark und gaßen, wo sie stan, und sitzen geren oben an in schulen und auch ob dem eßen. den witwen sie ir häuser freßen und wenden für lange gebet, darumb so werden sie, verstet, dester mer in verdamnus fallen. o, wie tut hie Christus abmalen unser geistlicher gottlos wesen, sam wer er iez bei in gewesen! darbei kennt man sie under augen. die schlangen, so die scheflin saugen, sint münich, nunnen, der faul haufen, die ire gute werk verkaufen umb gelt, kes, eier, liecht und schmalz, um hüner, fleisch, wein, koren, salz, damit sie in dem vollen leben und samlen auch groß schetz darneben. vil neuer fünt sie stet erdichten, vil bet und brüderschaft aufrichten, vil treum, gesicht und kindisch fet, das in der bapst dann als bestet, nimt gelt und geit ablaß darzu, das schreiens dann aus spat und fru. mit solcher fabel und abweis hant sie uns gefürt auf das eis, das wir das wort gottes verließen und nur teten, was sie uns hießen, vil werk, der got doch keins begert; hant uns den glauben nie erklert in Christo, der uns selig macht. diser mangel bedeut die nacht, darin wir alle irr seint gangen. also hant uns die wolf und schlangen biß in das vierthalbhundert jar behalten in ir hut fürwar und mit des bapsts gewalt umbtriben, biß doctor Martin hat geschriben wider der geistlichen mißbrauch und widerum aufdecket auch das wort gottes, die heilig schrift er müntlich und schriftlich ausrift, in vier jaren bei hundert stucken in teutscher sprach, und lat sie drucken. das man verste, was er tu leren, wil ich kurzlich ein weng erkleren. gottes gesetz und die propheten bedeuten uns die morgenröten; darin zeigt Luther, das wir all miterben seint an Adams fal in böser begir und neigung, deshalb kein mensch dem gsetz tut gnung. halt wirs schon auswendig im schein, so ist doch unser herz unrein und zu allen sünden geneiget, das Moses ganz klerlich anzeiget. nun seit das herz dann ist vermeilet, und got nach dem herzen urteilet, so sei wir all kinder des zoren, verflucht, verdamet und verloren; wer solches im herzen empfint, den nagen und beißen sein sünt mit trauren, angst, forcht, schrecken, leit und erkent sein unmüglichkeit; dann wirt der mensch demutig ganz. so dringet her des tages glanz, bedeut das evangelium, das zeiget dem menschen Christum, den eingebornen gottesson, der alle ding für uns hat ton, das gsetz erfüllt mit eignem gwalt, den fluch vertilgt, die sünt bezalt und den ewign tot überwunden, die hel zerstört, den teufel bunden und uns bei got erworben gnat, als Johannes gezeiget hat und Christum ein lamb gotz verkünt, das hinnimt aller welte sünt. auch spricht Christus, er sei nit kumen auf ert den gerechten und frumen, sunder den sündern; er auch spricht, der gsunt bedürf keins arztes nicht. auch Johannis am dritten melt: got hat so lieb gehabt die welt, das er gab sein einigen sun; all, die an in gelauben tun, dieselben sollen nit verderben noch des ewigen todes sterben, sunder haben das ewig leben. auch spricht Christus am eilften eben: wellicher gelaubet in mich, der wirt nit sterben ewiklich. so nun der mensch solch tröstlich wort von Jesu Christo sagen hort und das gelaubt und darauf baut und den worten von herzen traut, die im Christus hat zugesagt, und sich on zweifel darauf wagt, derselb mensch neu geboren heist aus dem feuer und heiling geist und wirt von allen sünden rein, lebt in dem wort gottes allein, von dem in auch nit reißen künde weder hel, teufel, tot noch sünde. wer also ist im geist verneit, der dient got im geist und warheit, das ist: das er got herzlich liebt und sich im ganz und gar ergiebt, helt in für ein gnedigen got; in trübsal, leit, in angst und not er sich als gutz zu got versicht; got geb, got nem, und was geschicht, ist er willig und trostes vol und zweifelt nicht, got wöll im wol durch Jesum Christum seinen sun, der ist sein frid, ru, freud und wun und bleibt auch sein einiger trost. wem solcher glaube ist genost, derselbig mensch der ist schon selig, all seine werk sind got gefellig, er schlaf, er trink, oder arbeit; solcher gelaub sich dann ausbreit zu dem nechsten mit warer liebe, das er kein menschen tut betrübe, sunder übt sich zu aller zeit in werken der barmherzigkeit, tut jederman herzlich als gutz aus freier lieb, sucht keinen nutz, mit raten, helfen, geben, leihen, mit leren, strafen, schult verzeihen, tut iedem, wie er selbst auch wolt, als das von im geschehen solt. solchs würkt in im der heilig geist; also das gsetz erfüllet heist: Christus Matthei am sibenden. hie merk, das dises allein sen die waren christlich guten werke, hie muß man aber fleißig merke, das sie zur seligkeit nit din. die seligkeit hat man vorhin durch den gelauben in Christum. diß ist die ler kurz in der sum, die Luther hat an tag gebracht. des ist Leo, der bapst, erwacht und schmecket gar bald disen braten, forcht, im entgiengen die annaten, und würt im das bapstmonet lom, darin er zeucht die pfrünt gen Rom; auch würt man sein ablaß nim kaufen, auch niemant gen Rom walfart laufen, würt nimmer künnen schatzen gelt, würt auch nim sein ein herr der welt, man würt nim halten sein gebot, sein regiment würt ab und tot, so man die rechten warheit wist; darumb brauchet er schwinder list, het die warheit geren verdricket und balt zu herzog Fridrich schicket, das er die bücher brennt mit nom und im den Luther schickt gen Rom. iedoch sein churfürstlich genat christlich ob im gehalten hat, zu beschützen das gotteswort, das er dann merket, prüft und hort. da dem bapst diser grif was fel, schickt er nach im gen Augspurg schnel; der cardinal bot im, zu schweigen, und kunt im doch mit schrift nit zeigen klerlich, das Luther het geirt; da dem bapst diß auch nit gieng firt, tet er den Luther in den ban und alle, die im hiengen an, on all verhör, schrift und probir. doch schrib Luther nur für und für und ließ sich dise bull nit iren. erst tet in der keiser citiren auf den reichstag hinab gen Wurms; da erlit Luther vil des sturms. kurzumb, er solt nun revocieren, und wolt doch niemant disputieren mit im und in zum ketzer machen. des blib er bstendig in sein sachen und gar kein wort nit widerrift, wan es war ie all sein geschrift evangelisch, apostolisch. des schid er ab frölich und frisch und ließ sich kein mandat abschrecken. das wilde schwein deut doctor Ecken, der vor zu Leipzig widr in facht und vil grober seu davon bracht. der bock bedeutet den Emser, der ist aller nunnen tröster; so bedeutet die katz den Murner, des bapstes mauser, wachter, turner; der waltesel den barfüßer zu Leipzg, den groben lesmeister. so deut der schneck den Cochleum. die fünf und sonst vil in der sum hant lang wider Lutherum gschriben; die hat er alle von im triben, wan ir schreiben het keinen grunt, nur auf langer gewonheit stunt, und kunden nichts mit schrift probieren. so tet Luther stets schrift einfieren, das es ein bauer merken mecht, das Luthers ler sei gut und recht. des wurden siglos und unsinnig nun die schlangen, nunnen und münich, wöllen ir menschenfünt verteiding und schreien laut an iren preding: Luther sagts evangelium, hat er auch brief und sigel drum, das evangelium war sei? Luther richt auf neu ketzerei, o liebs volk, lat euch nit verfüren, die römisch kirch die kan nit iren; tut gute werk, halt bäpstlich bot, stift und opfert, es gefellt got; lat mess lesen, es komt zu steur den armen seln in dem fegfeur; dient den heiling und ruft sie an, tut fleißg gen vesper, complet gan; die zeit ist kurz, ein jedes merke, macht euch teilhaftig unser werke; wir singen, schreien oft mit kraft, so ir doheimen ligt und schlaft. des waren gotzdienst tunt sie schweigen, tanzen nach irer alten geigen und tunt sich schmeichlen um die leien. ir weinkeller wil in verseien, ir korenböden werden ler, man wil in nimmer tragen her; haben doch willig armut globt, iez sicht man, wie ir haufen tobt, so in abget in iren kuchen, wie sie den Luther schmehen, fluchen ein erzketzer, schalk und böswicht, geit sich doch keiner an das liecht, tunt nur under den hütlein stechen, schreien, sam wöllen sie zubrechen, wo sie bei iren nunnen sitzen, und machen auch, das sie erhitzen wider das evangelium, wie man iez spüret umetum. die frösch quacken in iren hulen, bedeuten etlich hohe schulen, die auch wider Lutherum pleren und das on all geschrift beweren. das evangeli tut in we, ir heidnisch kunst gilt nit als e, damit all doctor sint gelert, die uns die schrift haben verkert mit irer heidenischen kunst; auch tragen dem Luther ungunst die wildgens, deuten uns die leien, die in verfluchen und verspeien: was wil der münich neues leren und die ganz christenheit verkeren? unser gut werk tut er verhinen, wil, man sol den heiling nit dinen, zu got allein sollen wir gelfen, kein creatur müg uns gehelfen; unser walfart er auch abstelt, von fasten, feirn er nit vil helt, wie wirs lang hant gehabt im brauch, desgleich von kirchen stiften auch, die orden heißt er menschenfünt; auch schreibt Luther, es sei kein sünt, dann was uns hab verboten got; veracht damit des bapsts gebot, römischen ablaß auch veracht, spricht, Christus hab uns selig gmacht, wer das gelaubt und der hab gnug. ich mein, der münich sei nit klug, denkt nit, es sein vor leut gewesen, die auch haben die schrift gelesen. unser eltern, die vor uns waren, sint ie auch nit gewesen naren, die solche ding uns han gelert, hat etlich hundert jar gewert; solten die alle han geiret und uns mit samt in han verfüret, das wöll got nit; das wil ich treiben und in meim alten glauben bleiben. Luther schreibt selzam abenteuer, man solt in werfen in ein feuer, in und all sein anhang vertreiben. diß hört man vil von alten weiben, von zopfnunnen und alten mannen, die das evangeli anzannen, verachten es in tollem sin, und stet doch unser heil darin! doch hilft als widerbellen nicht, die warheit ist kummen ans liecht; deshalb die christen widerkeren zu den evangelischen leren unseres hirten Jesu Christ, der unser aller löser ist, des glaub allein uns selig macht. des seint all menschenfünt veracht und die bäpstling gebot vernicht für lugen und menschengeticht, und hangen nur an gottes wort, das man iez hört an manchem ort von manchem christenlichen man. nun nemen sich die bischof an, mit samt etlich weltlichen fürsten, die auch nach christenblut ist dürsten, laßen solich prediger fahen, in gefenknus und eisen schlahen und sie zu widerrufen dringen, in auch ein lied vom feuer singen, das sie möchten an got verzagen; das heißt die schaf int hecken jagen. der tut man vil heimlich verlieren, so sie gleich ire ler probieren; eins teils bleiben im eisen bant, eins teils verjagt man aus dem lant. Luthers geschrift man auch verbrent, und verbeut sie an manchem ent bei leib und gut und bei dem kopf; wen man ergreift, der leßt den schopf, oder jagt in von weib und kint; das ist des Entchrists hofgesint. Christus das als verkündet hat, Matthei am zehenden es stat: nemt war, ich send euch wie die schafe mitten under der wölfe haufe; darumb seit wie die schlangen klug und wie die tauben on betrug, und hüt euch vor den menschen, sie wern euch überantworten ie für ire ratheuser und den euch geiseln in iren schulen und werden euch für fürsten, küngen umb mein willen gefangen bringen. dann sorgt nichts, was ir reden wolt, es wirt euch geben, was ir solt reden durch euers vatters geist, ein freunt gem andern wirt erbeist und im den tot anhelfen dan. ir wert gehaßt von iederman umb willen meines namens hellig. wer an das ent verharrt, wirt selig. verfolgt man euch von einer stat, so ziehet in ein andre drat. auch kumt die zeit, und wer euch tot, wirt mein, er diene damit got, fürcht die nit, die euch den leib töten, der sel künnen sie nit genöten. ir christen, merkt die trostling wort, so man euch fecht hie oder dort, lat euch kein tyrannei abtreiben, tut bei dem wort gottes beleiben, verlaßet e leib unde gut. es wirt noch schreien Abels blut über Cain am jüngsten tag. lat morden, was nur morden mag, es wirt doch kommen an das ent des waren Entchrists regiment. Apocalypsis stet es hel, am achtzehenden capitel schreit der engel mit lautem schallen zweimal: Babylon ist gefallen, ein behausung der teufel woren, wan von dem wein des grimmen zoren ir unkeusch hant all heiden trunken, in irer unkeusch seint versunken künig und fürsten diser erden; auch ire kaufleut ganz reich werden, hantieren mit der menschen selen. darnach weiter tut er erzelen: und ein andre stim hört ich schir; mein liebes volk, get aus von ir, wan ir sünt ist für got aufkommen; der hat irs frevels wargenommen, zalt sie, wie sie euch hat bezalt, und widergeltet ir zwifalt; wan sie spricht ie in irem herzen: ich sitz ein künigin on schmerzen, und ist sicher in irem dunken und von der heiling blut ganz trunken. darumb so werden ire plag zusam kommen auf einen tag: der tot, leit, hunger, alles ant, und mit feuer wirt sie verbrant. dan warlich stark ist got der her, der sie wirt richten. nun hört mer: Daniel an dem neunten melt und alle warzeichen erzelt, das man ganz klerlich mag verston, das bapsttum deut das Babylon, von dem Johannes hat geseit. darumb, ihr christen, wu ir seit, kert wider aus des bapstes wüste zu unserm hirten Jesu Christe; derselbig ist ein guter hirt, hat sein lieb mit dem tot probiert, durch den wir alle sein erlost, der ist unser einiger trost und unser einige hoffnung, gerechtigkeit und seligung, all, die glauben in seinen namen. wer des begert, der spreche amen. Anno salutis 1523. am 8. tage Julij. Das schlauraffenland Ein gegent heißt schlauraffenlant, den faulen leuten wol bekant, das ligt drei meil hinter weihnachten, und welcher darein wölle trachten, der muß sich großer ding vermeßen und durch ein berg mit hirßbrei eßen, der ist wol dreier meilen dick; alsdann ist er im augenblick in demselbing schlauraffenlant, da aller reichtum ist bekant. da sint die heuser deckt mit fladen, leckkuchen die haustür und laden, von speckkuchen dillen und went, die dröm von schweinen braten sent. umb jedes haus so ist ein zaun geflochten von bratwürsten braun, von malvasier so sint die brunnen, kommen eim selbs ins maul gerunnen; auf den tannen wachsen die krapfen, wie hie zu lande die tannzapfen, auf fichten wachsen bachen schnitten, eirpletz tut man von birken schitten, wie pfifferling wachsen die flecken, die weintrauben in dorenhecken, auf weidenkoppen semmel sten, darunter bech mit millich gen, die fallen denn in bach herab, das iederman zu eßen hab. auch gehen die fisch in den lachen gsotten, braten, gsulzt und bachen und gen bei dem gestat gar nahen, laßen sich mit den henden fahen; auch fliegen umb (möget ir glauben) gebraten hüner, gens und tauben; wer sie nicht facht und ist so faul, dem fliegen sie selbs in das maul. die seu all jar gar wol geraten, laufen im lant umb, sint gebraten, iede ein meßer hat im rück, darmit ein jeder schneidt ein stück und steckt das meßer wider drein; die kreuzkes wachsen wie die stein, so wachsen bauern auf den baumen gleich wie in unserm lant die pflaumen, wenns zeitig sint, so fallens ab, ieder in ein par stifel rab. wer pfert hat, wirt ein reicher meier, wan sie legen ganz körb voll eier; so schütt man aus den eseln feign. nicht hoch darf man nach kersen steign, wie die schwarzber sie wachsen tun; auch ist in dem lant ein jungbrunn, darin verjungen sich die alten. vil kurzweil man im lant ist halten: so zu dem zil schießen die gest, der weitst vom blat gewinnt das best; im laufen gwinnt der letzt allein. das polsterschlafen ist gemein, ir weidwerk ist mit flöh und leusen, mit wanzen, ratzen und mit meusen; auch ist im lant gut gelt gewinnen, wer ser faul ist und schleft darinnen, dem gibt man von der stunt zwen pfenig, er schlaf ir gleich vil oder wenig; ein furz gilt einen bingerhaller, drei grölzer einen jochimstaler, und welcher da sein gelt verspilt, zwifach man im das widergilt; und welcher auch nicht geren zalt, wenn die schult wird eins jares alt, so muß im jener darzu geben, und welcher geren wol ist leben, dem gibt man von dem trunk ein batzen, und welcher wol die leut kan fatzen, dem gibt man ein blappert zum lon. für ein groß lüg gibt man ein kron; doch muß sich da hüten ein man, aller vernunft ganz müßig gan; wer sin und witz gebrauchen wolt, dem würt kein mensch im lande holt, und wer gern arbeit mit der hant, dem verbeut mans schlauraffenlant; wer zucht und erbarkeit het lieb, denselben man des lants vertrieb; wer unnütz ist, wil nichts nit lern, der komt im lant zu großen ern, wan wer der faulest wirt erkant, derselb ist könig in dem lant, wer wüst, wild und unsinnig ist, grob, unverstanden alle frist, aus dem macht man im lant ein fürstn. wer geren ficht mit leberwürstn, aus dem ein ritter wirt gemacht; wer schlüchtisch ist und nichtsen acht, dan eßen, trinken und vil schlafn, aus dem macht man im lant ein grafn; wer tölpisch ist und nichtsen kan, der ist im lant ein edelman. wer also lebt wie obgenant, der ist gut ins schlauraffenlant, das von den alten ist erdicht, zu straf der jugent zugericht, die gwönlich faul ist und gefreßig, ungeschickt, heillos und nachleßig, das mans weis ins lant zu schlauraffn, darmit ir schlüchtisch weis zu straffn, das sie haben auf arbeit acht, weil faule weis nie gutes bracht. H.S.S. Anno salutis 1530. Ein lobspruch der stat Nürnberg Vor kurzen tagen ich spaziert, vor grünem holz ich umreviert, zu schauen an des meien wunn; mit heißen glanzen schin die sunn, der ich entwich hin ein das holz; da sach ich vil der tierlein stolz von rehen, hinden und auch hirschen dort in dem grünen holz umbpirschen. in freuden schlich ich hin und wider und gieng im wilden walde nider auf einen dreieckichten anger, von klee und edlen blümlein schwanger, darauf die kleinen binlein flugen, die süßen seftlein daraus sugen. in dem erblicket ich ein brünnlein aus dem fels fließen in ein rinnlein, in einen quaderierten merbel, darin das waßer macht ein werbel. ich legt mich nider, het mein ru und hört der vögel singen zu, der stim in wildem tan erklungen; die külen lüftlein sich herschwungen, die bletter gunden lieblich rauschen; also wart ich in stillem lauschen gerucket in ein senften schlaf; ein übersüßer traum mich traf. mich daucht, ich kem auf einen plan, darauf ein runder berg was stan; daran da lag ein rosengart, derselbig wol verhecket wart; mitten dardurch ein bechlein floß, ringweis darumb ein walt ser groß. ich blicket in den garten edel durch die hecken, gestreuß und wedel, also daucht mich in dem gesicht, wie der gart trüg so edel frücht, granat, muscat und pomeranzen und was nur menschen hant mag pflanzen; zuckerror und cyper weinreben waren ringweis im garten neben. manch edles brünnlein darin qual aus gülden rören überal. ich dacht, es ist das paradeis; erst blicket ich hinein mit fleiß; in dem wart mir ein augenblick: in einem rosenbusch gar dick ein wunderschöner vogel sas, als ein adler geformet was, kolschwarz, der het alda gehecket. sein linke seit war im bedecket mit liechten rosen, rot und weiß, fein dividiert mit allem fleiß, sein stim geleich was einem engel, erst schlug mein herz der freuden schwengel; der vogel schwang das sein gefider umb seine junge hin und wider, er ätzet und hielt sie in hut; der edel vogel wenig rut, dan man im trug groß haß und neit. es stellten im nach allezeit sperber, habicht, blafüß und drappn, elster, widhopf, eulen und rappn und wilde tier, löwen und luchs, schwein, beren, greifen, wölf und fuchs, wo sie in möchten hemisch zupfen, sein schwungfedern im auszurupfen; doch wan sie im wolten zunahen, kratzt er sie manlich mit sein klaen, das sie empfiengen tötlich wunden. vier fräulein umb den vogel stunden, in weiß das erste fräulein edel, von klarem gold trug es ein zedel; in grün das ander fräulein wert, das trug ein wag und bloßes schwert; das drit in blau, das trug die sunnen, des vögel, tier groß scheuch gewunnen; das viert fräulein in harnisch bloß trug ein stähelen hamer groß, darmit sie das unzifer schrecket. im augenblick wart ich gewecket von einem alten persifant; derselbig bei dem brünnlein stant. ich sprach: ach warumb hast du mich gewecket also trutziglich aus meinem übersüßen traum, dergleich ich mag erzelen kaum? er fraget, wie der traume wer. da sagt ich von dem garten her, von seiner wunderbaren schön, von fräulein und dem vogel kön, all ding in einer kurzen sum. der persifant sprach zu mir: kum, ich zeig den garten dir geleich. ein stat ligt im römischen reich, dieselb ein schwarzen adler füret, mit rot und weiß fein dividieret, ist ganz änlich deinem gesicht, wie ich von dir bin underricht, die ligt mitten in diesem walt; wolauf mit mir, wir sehens balt! aufmacht wir uns in schneller eil durch den walt auf drei vierteil meil; da füret mich der persifant auf einen plan von gelbem sant, darumb der walt gieng zirkelring; aufwerts ich mit dem alten gieng gen einer königlichen vesten, auf fels erbauet nach dem besten, mit türnen stark auf felses wimmer, darin ein keiserliches zimmer; geziert nach meisterlichen sinnen waren die fenster und die zinnen; darumb ein graben was gehauen in hertem fels; erst gieng wir schauen über ein schlagbruck beide sant durch dise burg an einen stant; da sach ich abwerts auf eim platz, darauf da lag der edel schatz in einer ringmauern im tal. da sach ich ein unzelig zal häuser gebauen hoch und nider in diser stat hin unde wider, mit gibelmauern underschiden, vor feuer gwaltig zu befriden, köstlich dachwerk mit knöpfen, zinnen. der persifant sprach: sechst dus innen, ir überköstlich gbeu und zier, geschmucket auf wellisch monier, geleich als eines fürsten sal! schau durch die gaßen überal, wie ordenlich sie sein gesundert; der sein achtundzweinzig fünfhundert, gepflastert durchaus, wol besunnen, mit hundert sechzehen schöpfbrunnen, wellich stehen auf der gemein, und darzu zwölf rörbrunnen sein. vier schlagglocken und drei klein ur, zwei türlein und sechs große tor hat die stat und eilf steinen brucken, gehauen von großen werkstucken; auch hat sie zwölf benanter berk und zehen geordneter merk hin unde wider in der stat, darauf man findt nach allem rat allerlei für die ganze mennig zu kaufen umb ein gleichen pfennig, wein, korn, obs, salz, schmalz, kraut und ruben, auch dreizehen gemein badstuben, auch kirchen etwan auf acht ort, darin man predigt gottes wort. so bedeut jenes waßer groß den bach, so durch den garten floß; das fleußt dort mitten durch die stat und treibt acht und sechzig mülrat. da sprach ich zu dem persifant: sag an, wie ist die stat genant, die unten leit an disem berg? er sprach: sie heißet Nürenberg. ich sprach: wer wont in diser stat, die so unzalbar häuser hat? er sprach: in der stat umb und um des volkes ist on zal und sum, ein emsig volk, reich und ser mechtig, gescheit, geschicket und fürtrechtig. ein großer teil treibt kaufmans handel, in alle lant hat es sein wandel mit specerei und aller war; alda ist jarmarkt über jar von aller war, wes man begert. der meist teil sich mit hantwerk nert, allerlei hantwerk ungenant, was ie erfunden menschen hant. ein großer teil füret den hamer für die kaufleut und für die kramer, so alda laßen ander war und holen dise pfennwert dar von allen dingen, wes man darf, gemachet rein, künstlich und scharf; das wol deins garten frücht bedeut. auch seint da gar sinreich werkleut mit drucken, malen und bildhauen, mit schmelzen, gießen, zimmern, bauen, dergleich man findt in keinen reichen, die irer arbeit tun geleichen, als da manch köstlich werk anzeiget. wer dan zu künsten ist geneiget, der findt alda den rechten keren; und wellicher kurzweil wil leren, fechten, singen und seitenspil, die findt er künstlich und subtil. diß als bedeut im garten neben die zuckerror und die weinreben. darumb diß edel gewerbhaus gleicht wol dem garten überaus, den du hast in dem traum gesehen. da wart ich zu dem alten jehen: wer kan ein sollich werk regiern, gehorsamlichen ordiniern? er sprach: da ist in diser stat ein fürsichtiger weiser rat, der so fürsichtiglich regiert und alle ding fein ordiniert, der alles volk in diser stat in acht vierteil geteilet hat, darnach in hauptmanschaft gar fleißig, der sind hundert und zwo und dreißig; fast jedes hantwerk in der stat auch sein geschworne meister hat; auch seint die amptleut one zal zu allen dingen überal, zu versehen all dienst und amt, das aus unfleiß wert nichts versaumt. ir gsetz und reformation ist fürgeschriben jedermon; darin ist angezeigt wol, was man tun oder laßen sol, und wer sich darin übergafft, der wirt nach gstalt der sach gestrafft. auch ist verordnet ein gericht, daran niemant unrecht geschicht, dergleich ein malefizen recht, geleich dem herren wie dem knecht. also ein ersam weiser rat selbs ein fleißig aufsehen hat auf seine bürger aller stent, mit ordenlichem regiment, guter statut und polizei, gütig on alle tyrannei. das ist der edel vogel zart, den du sachst in dem rosengart hüten der edlen jungen sein, die bedeuten die ganz gemein; die ist auch widerumb und billich eim rat gehorsam und gutwillich. also ein rat und die gemein einhellig und einmütig sein und halten da einander schutz, daraus erwechst gemeiner nutz; aus dem so hat die stat bestant. da sprach ich zu dem persifant: wer seint die vögel und die tier, die so aus grimmiger begir ich sach gen disem vogel kempfen, sein werten rum im zu verdempfen? er sprach: die stat ist weitberümt, mit lob erhöhet und geblümt, bedeut des vogels süßen hal, den du hörst klingen berg und tal. disem guten gerücht und nam sint all neidig von herzen gram, setzen ir zu aus haß und neit, oft wider alle billichkeit; doch halten Nürenberg in hut dise vier fräulein wolgemut. das erst fräulein in weißem kleit, bedeut der von Nürnberg weisheit, wan in etwas zuhanden gat; wan teglichen sie halten rat mit leuten erfaren, gelert, die bei in sint gar hoch geert, fürsichtig zukünftigs betrachten, fleißig sie auf all umbstent achten, wer, was, wie, wenn, wo und warum, durchgründen entlich ort und sum; wo in der feint ein lüg ist stellen, sie durch practik und list zu fellen, so sie durch weisheit das versten, durch mittel, weg sie im entgen, durch weisen, gütigen beschid der stat sie oft erhalten frid. das ander fräulein, grün bekleit, bedeut ir streng gerechtigkeit, darob sie halten nach dem besten, gegn inheimischen und den gesten; die freiheit und original sie niemant schwechen überal, nemen niemant groß oder klein und geben jederman das sein, was sie im schuldig sein von recht, keiser, köng, fürst, graf, ritter, knecht, halten jeden nach seinem stant, und auch tun sie gewalt niemant und erbieten sich alle zeit zu der waren gerechtigkeit, dardurch sie iren feinden frechen oft unbilliche feintschaft brechen. das drit fräulein, in blau gekleit, bedeut der von Nürnberg warheit, der sie sich halten unverwenklich in allen sachen überschwenklich. dem heiligen römischen reich, den buntgenoßen desgeleich hat Nürnberg mit den warhaft alten bestendigliche treu gehalten, darob oft große not erlitten; von keiser Heinrich wart bestritten, zerstöret vor vierhundert jarn; noch ließ sie ware treu nit farn, in allen sachen eidespflichtig, bleibt sie redlich, stanthaft, aufrichtig, dergleich ir gleit, sigel und brief litten nie keinen übergrif. wo man sie verklagt auf reichstegen, besten mit warheit sie allwegen; so dan die helle warheit leucht, ir gegenteil mit schanden fleucht. also Nürnberg ist freuntlich leben, niemant zu krieg ist ursach geben und überhöret mer dan vil; so dan kein glimpf mer helfen wil, kein warheit noch gerechtigkeit, der feint sein unverdienten neit nicht laßen wil und seins hochmutz, dan helt ir das viert fräulein schutz; bedeut der ganzen stat Nürnberg gewalt, macht, reichtum, kraft und sterk wan sie ringweis umb sich ist haben zwo ringmauer, ein tiefen graben, daran hundert achtzig und drei türne und vil starke bastei. dergleich sie mit gwalting gebeuen ir ringmauer teglich verneuen, das dir die gartenheck bedeut; auch büchsenmeister und hauptleut on zal, geschütz auch in das felt, großen vorrat an pulver, gelt, an krieges zeug, koren und schmalz, an wein, habern, fleisch, hirß und salz, das sie ein großes volk vermag im felt zu halten jar und tag. so wirt die stat bei tag und nacht gar wol behütet und bewacht; auch hat die stat on underlaß ir eigen reuter auf der straß. also durch die vier stück erzelt Nürnberg sich oft im frid erhelt. darmit hast du in kurzer sum nach laut deines traums umb und um ein überlauf der werten stat, der gmein samt einem weisen rat, irs ordenlichen regimentz. solt ich nach der experienz all ding von stuck zu stuck erzelen, alle ämpter, die sie bestellen, die groß weisheit irer regenten in geistlich, weltlich regimenten, all ordnung, reformation, all gsetz, statuten, die sie hon, ir lonen, strafen und verbiten, ir löblich gewonheit und siten, ir große almosen der stat, ir künstlich gebeu und vorrat, ir kleinot, freiheit und reichtum, ir redlichkeit, taten und rum, darmit sie reichlich ist gezieret, gekrönet und geblesenieret, mir würt gebrechen zeit und zung. weil du nun bist an jaren jung, so rat ich dir, verzer dein tag alhie, dan glaubst du, was ich sag. mit dem der alte persifant nam urlaub und bot mir die hant und schid aus durch die burg von mir. also in freudreicher begir gieng ich eilent ab von dem berg, zu beschauen die stat Nürnberg, darin ich verzert etlich zeit, all ding besichtigt nah und weit; geschmück und zier gemeiner stat, einigkeit der gemein und rat, ordnung der burgerlichen stent, ein weis, fürsichtig regiment vilfeltig beßer ich erkant, dan mir erzelt der persifant. aus hoher gunst ich mich verpflicht, zu vollenden diß lobgedicht, zu eren meinem vatterlant, das ich so hoch lobwirdig fant als ein blüender rosengart, den got im selber hat bewart durch sein genad biß auf die zeit, got geb noch lang, mit einigkeit. auf das sein lob grün, blü und wachs, das wünschet von Nürnberg Hans Sachs. Anno salutis 1530. am 20. tag Februarij. Klag der wilden holzleut über die ungetreuen welt Ach got, wie ist verderbt all welt, wie stark ligt die untreu zu felt, wie hart ist grechtigkeit gefangen, wie hoch tut ungrechtigkeit prangen, wie sitzt der wucherer in eren, wie hart kan arbeit sich erneren, wie ist gemeiner nutz so teuer, wie füllt der eigen nutz sein scheuer, wie nimt überhant die finanz, wie spitzig ist der alefanz, wie unverschemt get gwalt für recht, wie hart die warheit wirt durchecht, wie wirt unschult mit füßen treten, wie weng tut man laster ausjeten, wie ring wigt man des menschen blut, wie gar helt man kein straf für gut, wie fürt reichtum so großen pracht, wie ist armut so gar veracht, wie stet weisheit hinder der tür, wie dringt reichtum mit gwalt herfür, wie ist barmherzigkeit so krank, wie hat die lüg so weiten gank, wie regiert der neit mit gewalt, wie ist brüderlich lieb erkalt, wie ist die treu so gar erloschen, wie hat miltigkeit ausgedroschen, wie ist demut so gar verschwunden, wie hat der glaub so vil der wunden, wie ist gedult so gar gewichen, wie ist frumkeit so gar erblichen, wie ist die zucht so gar ein spot, wie ist keuschheit so ellent tot, wie ist einfalt so gar verdorben, wie gar ist all freuntschaft gestorben, wie ist leibes wollust so mechtig, wie ist hoffart so groß und prechtig, wie herrscht schmeichlerei so gewaltig, wie ist nachred so manigfaltig, wie gern hört man neu märlein bringen, wie ist betrug in allen dingen, wie ist die kunst so gar unwert, wie groß ist die torheit auf ert, wie findt man meßigkeit so selten, wie vil ist füllerei jezt gelten, wie hart muß sich der fridsam schmiegn, wie löblich ist mörden und kriegn, wie ist die eigen er so groß, wie ist der geiz so gar gruntlos, wie ist das spil so eigennützig, wie gschicht die rauberei so trützig, wie ist der diebstal also grob, wie schwebt die listigkeit stets ob, wie ist gottes schweren so gmein, wie rechnet man meineit so klein, wie gar ist ebruch mer kein schant, wie fleischlich ist der geistlich stant, wie ist so blint die gleißnerei, wie wütig ist die tyrannei, wie ungezogen ist die jugent, wie gar lebt das alter on tugent, wie unverschemt ist weiblich bilt, wie ist mänlich person so wilt, wie ist gesellschaft so untreu, wie hat borgen so vil nachreu, wie sint die war so gar vertrogn, wie sint die schult so gar verzogn, wie ist nachbaurschaft so geheßig, wie sint die wirtschaft so unmeßig, wie ro ist der menschen gewißen, wie ist als unglück eingerißen, wie tumb ist jezt die christenheit, wie selzam ist die heiligkeit, wie weng helt man gottes gebot, wie unbereit ist man zum tot, wie klein hat man auf ewigs acht, wie gar man auf das zeitlich tracht, wie unwirdig hört man gots wort, wie wenig lebt man darnach fort, wie ist all ding so gar verbittert, mit trug und schalkheit übergittert! und in kurz, summa summarum, was in der welt ist schlecht und frum, muß von der welt durchechtet werden; was aber listig ist auf erden, verschalkt, vertrogen auf all ban, heißt die welt ein geschickten man. seit nun die welt ist so vertrogn, mit untreu, list ganz überzogn, so seien wir gangen daraus, halten im wilden walde haus mit unsern unerzognen kinden, das uns die falsch welt nit mög finden, da wir der wilden frücht uns nern, von den würzlein der erden zern und trinken einen lautern brunnen. uns tut erwermen die liecht sunnen, mies, laub und gras ist unser gwant, darvon wir auch bet und deck hant; ein steine höl ist unser haus, da treibet keins das ander aus, unser gsellschaft und jubiliern ist im holz mit den wilden tiern; so wir denselben nichts nit tan, laßens uns auch mit friden gan. also wir in der wüsten sint, gebären kint und kindes kint. einig und brüderlich wir lebn, kein zank ist sich bei uns begebn; ein jedes tut, als es dan wolt, das im von jem geschehen solt; umb kein zeitliches tun wir sorgen, unser speis find wir alle morgen, nem wir zur notturft und nicht mer und sagen got drumb lob und er. fellt uns zu krankheit oder tot, wiß wir, das es uns komt von got, der alle ding am besten tut. also in einfeltigem mut vertreiben wir hie unser zeit, bis ein enderung sich begeit in weiter welte umb und um, das jederman wirt treu und frum, das stat hat armut und einfalt; den wöll wir wider aus dem walt und wonen bei der menschen schar. wir haben hie gewart vil jar, wenn tugnt und redlichkeit aufwachs. das balt geschech, wünscht uns Hans Sachs. Anno salutis 1530. am 2. tag Junij. Der waltbruder mit dem esel, der argen welt tut niemant recht Vor jaren wont in einem walt ein waltbruder, an jaren alt, der sich der wurzeln neren tet; derselb ein jungen sune het, in dem alter bei zweinzig jarn, der war einfeltig, unerfarn, der fragt den alten: sag doch mir, sint in dem walt gewachsen wir? wan er nie menschen het gesehen. der alt tet zu dem jungen jehen: mein sun, da du noch warest klein, hab ich dich geflehet herein aus der arglisting, bösen welt, das sie uns nit schmech, spott und schelt, weil ir gar niemant recht kan tan, sie schlag im doch ein blechlein an. still schwig der sun, doch tag und nacht des vatters red stets nachgedacht, was doch die welt nur möcht gesein. zu letzt da wolt er ie darein, legt an den vatter große bit, der es doch lang zeit widerriet; zu letzt er überredet wart und macht sich mit im auf die fart, und fürten iren esel mit ledig, ir keiner darauf rit. im walt bekam in ein kriegsman, der sprach: wie laßt ir ledig gan den faulen esel hie allein? ir dunkt mich nit fast witzig sein, das euer keiner darauf reit. als sie nun von im kamen weit, der vatter sprach: mein sun, sich zu, wie uns die welt empfangen tu. der sun sprach: laß mich darauf reiten. das gschach, da kam zu in von weiten ein altes weib neben die ecker, die sprach: secht zu dem jungen lecker, der reit, und der alt schwache man muß hindennach zu füßen gan! sun, sprach der alt, glaubst du nun mir, was von der welt ich saget dir? er sprach: laß uns versuchen baß. der jung balt von dem esel saß, und saß der alt balt auf für in, reit also fuß für fuß dahin. in dem begegnet in ein bauer, der redt sie an mit worten sauer: secht an den alten groben lappen, leßt den jungen im kot her sappen, dem nöter wer zu reitn dan im. der alte sprach: mein sun, vernim, das man der welt nit recht mag tun. der sun sprach: vatter, laß mich nun aufsitzen, das wir reiten bed, schau, ob die welt darzu auch red. aufsaß er und ritten dahin; da kam ein bettelman zu in, tet an einr wegscheid auf sie harrn und sprach: secht an die großen narrn, wöllen den esel gar erdrücken! der vatter sprach: in allen stücken tut uns die welt mit hönwort schmitzen. der sun sprach: laß uns beid absitzen, so wöllen wir den esel tragen, was nun die welt darzu wil sagen. absaßen sie, den esel trugen und mit im übers felt hinzugen, das von in beiden ran der schweis. ein edelman kam zu der reis, tet sie all beid mit worten straffen: wann her, wannen her, ir schlauraffen, das ir das hinder kert herfür? der vatter sprach: mein sun, hie spür, das an der welt ist gar verlorn. da sprach der sun in großem zorn: den esel wöllen wir erschlagen, denn hat die welt nit mer zu klagen. den esel schlugen sie zu haufen; da kam ein jäger zugelaufen, der schrei: o ir großen fantasten, des esels gneußet ir am basten lebend, tot ist er euch kein nütz. zuhant der junge wart urdrütz der welt, die in mit spot und straf so gar an allen orten traf, sprach: hat die welt auf einen tag über uns balt so vil der klag, solt wir denn all tag darin bleiben, was wunders würt sie mit uns treiben! und keret mit dem alten dar in walt, daraus er kommen war. Der beschluß Nun merk bei diser alten fabel, gedicht uns zu einer parabel, das, wer in diser welt wil leben, der muß sich ganz und gar ergeben, das er der welt nit recht kan tan, in allem was er fahet an, wie er darzu sich immer stell, er sei darzu auch, wer er well, wie hoch von adel, gschlecht und stam, wie wirdig von geburt und nam, wie reich, wie weis und wolgelert, wie gwaltig, groß und hochgeert, wie nütz, wie lieblich und fürsichtig, wie warhaft, stanthaft und aufrichtig, wie tugenthaft, treu und gerecht, wie bescheiden, wie from und schlecht, wie züchtig, still, sitlich, demütig, wie freundlich, leutselig und gütig, wie milt, barmherzig und gutwillich, wie künstlich, glückhaft und wie billich, wie tapfer, glimpfig und kurzweilig, wie meßig, geistlich und wie heilig; und wer ganz engelisch sein wandel, und wer so christlich all sein handel, und het in got selber geadelt: dennoch blib er nit ungetadelt von diser unverschemten welt, in allen stücken obgemelt; die welt ir maul doch mit im bert und als in arges im verkert, sie lestert, schmecht, schendt und veracht, rechtfertigt, spottet und verlacht und urteilt, sam sei sie unsinnig, töricht, tobet, wütig und winnig und leßt nichts ungetadelt bleiben. wer sein zeit muß darin vertreiben, der muß sich nit anfechten lan, das er der welt nit recht kan tan, sonder ge immer für sich hin den nechsten weg und bleib darin, und tu iedem, wie er denn wolt, als im von iem geschehen solt, das sein gewißen in nit nag; got geb, was die welt darzu sag, ir schnöde art behelt sie doch, wie sie vor war, beleibt sie noch, so spitzig bleiben ire werk, das spricht Hans Sachs von Nürenberk. Anno salutis 1531. am 6. tag Mai. Baldanderst Baldanderst so bin ich genant, der ganzen welte wolbekant. Eins abents gieng ich aus nach fischen, ein gutes nachtmal zu erwischen, mit einem angel an den Rein, die sonn gar überhitzig schein, hart stachen die bremen und mucken; urplötzlich war die sonn verrucken, das schwarz gewülk nach wetters furm, der sudwint wet mit großem sturm, die lantschaft wurt finster und dunkel, des himels blitz leucht als carfunkel, die donnerstrel die wurden klopfen, das gwülk regnet mit liechten tropfen; nach dem wurden sie reichlich gießen, die kleinen bechlein wurden fließen, mit trüben waßern überwalln, aus dem gebirg und welden falln, das ich triefnaßer kaum entfloch am gstat zu einem felsen hoch; da schmücket ich mich in ein kluft, zu warten in des steines gruft, biß das schwer wetter überkem. in dem ich einen man vernem in einem hag für disem hol. erst wart ich sorg und engsten vol, wan er verwandelt sein gestalt: iezt wurt er jung, dann wurt er alt, iezt war er schön, dann wurt er scheußlich, iezt holdselig, dann wurt er greußlich, iezt sah er zornig, darnach gütig, iezt war er ernsthaft, dann senftmütig, iezt wol gekleidet, dann zerhadert, iezt stillschweigent, darnach er tadert, iezt lachet er, darnach er weinet, iezt war er kurz, dann lang erscheinet, iezt war er glat, dann kürzlich bartet, all augenblick sich anderst artet. ich dacht, das muß Vulcanus sein, der schmidt die donnerstrel allein, o solt ich disen man ansprechen? in dem so war das wetter brechen, der regn der war sitlich nachlaßen, da gieng der wunderman sein straßen. ich eilt im nach und redt in an: o Vulcane, wo wilt hin gan? er sprach: du felst, ich bin Baldanderst. ich sprach: sag mir, woher du wanderst! er sprach: ich kom von allen enden, von undern und von obern stenden, und wil nun hin an alle ort der ganzen welt. auf dise wort sprach ich: was ist dein werk bei in? Baldanderst sprach: merk, wo ich bin, bei adel, bauern und hantwerken, bei steten, schlößer, dorf und merken, in königreich, provinz und lendern, da tu ich alle ding verendern; den frid verender ich in streit, fruchtbare jar in teure zeit, die gwaltigen von leut und lant, die erlichen in spot und schant, die glückhaftigen in unglück, die senftmüting in zorens tück, die großmütigen in verzagung, die milt, gabreichen in versagung, die reichen in armut, hartsel, die rusamen in arbeit, quel, die nutzhaften in brechling schaden, die gunstreichen in ungenaden, die liebhabenden in den neit, die frölichen in herzenleit, die kurzweiligen gar verdroßen, die leding in gfengnus verschloßen; die jungen verker ich in alt, die schönen in ganz ungestalt, die gsunden in krankheit und not, die lebendigen in den tot, dergleichen auch herwiderum: das ist in summa summarum mein werk auf ganzer erden kreiß, darumb ich wol Baldanderst heiß. ich sprach: du bist ein wüster gast, weil du kein ander tugent hast, wan das du alle ding verkerst. Baldanderst sprach: kennst du mich erst? bin ich doch lang gewest umb dich; wo du hinkamst, da fantst du mich, ich bin der ganzen welt durchreiser, verschon weder fürsten noch keiser, ich mach balt anderst alle ding. mit dem er trutzig von mir gieng. Der beschluß Ich sach im nach und dacht: fürwar, wie sint all ding so wandelbar! wer nur auf sich hat selber acht, wie oft sich mit im tag und nacht verkert sein sin, gemüt und herz von freuden, wunn, in sorg und schmerz. also sint alle ding unbstendig. was wir haben auf ert beihendig, als reichtum, gwalt, gsuntheit und er, kunst, weisheit, sterk und anderst mer, nimt ab und zu all augenblick. derhalb du, mensch, dich darein schick, von disem irdischen gebrechlichen zu dem himlischen unaussprechlichen, on wandel, bar als ungemachs. das wünschet von Nürnberg Hans Sachs. Anno salutis 1534. am 31. tage Julij. Hans Unfleiß Eins abents spat da schaut ich aus zu eim fenster in meinem haus, darvor sah ich ein ungestalten, eineugig zerhaderten alten mit einem großen weiten maul halten auf einem ackergaul, den het er bei dem ars aufzaumt. diser sagt mir, er het versaumt das tor, ich solt im herberg gebn. ich sprach: dasselb ist mir nit ebn, weil ich noch nit weiß, wer du bist, dergleich was dein hantierung ist. er sprach: so wiß, ich bin genant Hans Unfleiß, überal bekant in weiter welt, in allen lendern, beide den frauen und den mendern, den armen, reichen, jung und alten, voraus dem hausgsint und ehalten; wo man mein gwont, hat man mich gern. mein hantierung wil ich erklern: wiß, das ich selb bin halber blint, darzu nachleßig und unbsint, nur oben hin wie ein neu kalb, tu ein ding weder gar noch halb; wo ich bin in eim regiment, da mach ich lant und leut ellent, all ratschleg kindisch und entwicht, schlim urteil schaff ich am gericht, durch mich wirt auch in manchem amt vil übersehen und versamt, durch mich gut ordnung gen zu grunt, gemeiner nutz wirt durch mich wunt, im krieg verfür ich mannich her, vil schiff versenk ich in das mer, der kranken ich verwarlos vil, gwinn weng kleinat mit ritterspil, all freie künst trit ich mit füßen, die glerten vor mir weichen müßen; ich mach gar manche öde schul und unwert manchen predigstul, ich zeuch vil ungeratner kinder, mager mach ich ross, schaf und rinder, treib manchen burger von seim erb, der kaufleut ich auch vil verderb, in den hantwerken ich umbstümpel, vil gutes werkzeugs ich verhümpel, ich mach manchem sein arbeit saur, in der kuchen bin ich ein schaur, im haushalten ein ungewitter, mach das haus baufellig und schitter, summa summarum, wo ich bin, friß ich das hauptgut und den gwin, verderb, verwüst, verlaß und brich, das die katz wirt das beste vich, und wo ich lang bleib gast im haus, da muß der wirt zum tor hinaus. ich sprach: hast du ein solchen sit, so gib ich dir kein herberg nit, ich wil all nachbaurn vor dir warnen. er sprach: ir künt vor meinen garnen in keinem weg ganz sicher sein, eur meit und knecht mich laßen ein, verbergen mich oft lang im haus. doch wil ich reiten iezt hinaus; ich weiß ein wirt, da wil ich zu, dem bin ich willkum spat und fru und ritt damit aus unser gaßen. die wort wart ich zu herzen faßen, dacht, wie ein arg ding ist unfleiß, weil köng Salomon spricht, der weiß: der fleißigen hant machet reich; aus dem man wol verstet dergleich, das der unfleiß muß armut bringen, wie man das spürt in allen dingen; wo unfleiß nimmet überhant, ein ding in die leng hat kein bstant, sonder mit schaden endt sein lauf. derhalb seh ieder umb und auf, in all seinem gewerb und handel, mit tun und laßen in seim wandel, wo unfleiß sich bei im zuschlag, das er in zeitlich von im jag, tu forthin alle ding mit fleiß, das in nit mit der zeit umbreiß die waßergüß als ungemachs durch schnöden unfleiß, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1534. am 20. tage Novembris. Heinz Widerporst Heinz Widerporst bin ich genant, kum her aus wildem Lappenlant, gen berg sten mir all meine har, wan ich bin widerspenstig gar; mein sin selzam, eglisch und wunderlich, all mein gedanken die sint sunderlich, mit keim menschen die concordiern, eigensinnigkeit tut mich ziern; was iederman für gut erkent, wirt von mir veracht und geschent; was man vernicht, dem gib ich preis, leb ganz widerpörstiger weis, wes man sich freut, des traure ich, wes man trauert, des freu ich mich, was man gutes wil fahen an, das wend ich allmal, wo ich kan, und was auf ganzer ert geschicht, das laß ich mir gefallen nicht; gottes würkung ich allzeit tadel, regenten, fürsten und den adel, geistlich, weltlich, groß unde klein, rat und gericht und die gemein; man predig, schreib, sing oder sag, über das als ich schrei und klag on alle ursach, fug und glimpf und bin ein rechter wendenschimpf, ein wilder lap, ja dem allein gefellt der eigen willen sein. zwei eseloren ich auch hab, darbei nimt leicht ein weiser ab, das umb mich ist die weisheit klein; zerstreuet sint die sinne mein und gen gleich durch einander wabern, wie auf dem felt der gmete habern; des sint meine wort unbehut. solt ich verreden leib und gut, so halt ich doch kein zal noch maß, weil mir gfellt weder diß noch das, schlag ich iedem ein blechlein an, keinr billichkeit schon ich nit dran, es reim sich oder reim sich nicht, dasselbig mich nit hart anficht, und wer mich darumb strafen wolt, dem würt ich feint und gar abholt, wan ich wil allzeit haben recht, ob schon all welt mir widerfecht; je mer man stillt, je mer ich tob, wiewol ich selber bin so grob, ei, gröber vil den das bonstro, ein ungeschickter schadenfro, und west vor unverstant dargegn einr sau kein sattel aufzulegn. des bleib ich weis heuer als fert, geleich wie unsers mülners pfert. mein gwant das ist ein igelsbalk, darmit deck ich mein groben schalk, bin stachlicht ganz iglischer art, halt allenthalben widerpart, wan ich stich mit spitzigen worten tückisch umb mich an allen orten; sitz ich in rat oder gericht, laß ich der weisheit fürgang nicht; wo ich dann in eim hantwerk bin, anricht ich vil unrats darin; wo ich denn in gesellschaft kum, so schlag ich oft ein lerman um; wo ich in einer gaßen sitz, sticht die ganz nachbarschaft mein spitz, und wo ich denn kom in die e, da mach ich meim gemahel we; wo ich auch won in einem haus, da hebt sich mancher wilder straus. ich sei bei leien oder pfaffen, hat iederman mit mir zu schaffen; ich kif, ich gron, ich grein und zank; kein mensch umb mich verdienet dank, mach vil zank, hader und aufrür, krieg, widerwillen und unfür, das iederman mich billich schetz, ich sei ein rechte hadermetz. nach mir zeuch ich ein dorenstrauch, das mich blutrüstig machet auch, mit scharpfen doren meine schenkel, fuß, solen, fersen und den enkel, wan ich mir selb richt törlich zu durch mein abweis große unru, ich hab bein leuten gar kein stern, niemant hat mit mir zschaffen gern; weil ich nichts ungetadelt laß, mißt man mir auch mit solcher maß; wer mir zumag, der tut mich rupfen, mit worten und mit werken zupfen, das ich doch nicht mer dulden kan; weil mir zusetzet iederman, so wil auch ich Heinz Widerporst wider gen in des waldes forst, fliehen fürbaß menschliche bildnus, bleiben einsam in meiner wildnus, weil mir mein weis gefellt allein, und genzlich unbekümmert sein mit der welt, biß doch mit der zeit ent nem mein widerpörstigkeit. Der beschluß Aus dem so merk ein ieder man; wil er gemach und fride han, so meid er widerpörstig art und halte für nicht widerpart; was ander leut in laßen gfalln, das tu er auch nit widerkalln; ob gleich ein ding gebrechlich sei, so merk er das und schweig darbei, voraus wo es im ist unschedlich; so helt man in aufricht und redlich, leutselig, still, glimpfig und fridlich. wol mag er richten underschidlich, das gute von dem bösen scheln und im das gut denn auserweln, doch alle ding zum besten richt, wie auch herr doctor Freidank spricht, der man sei weis und wol gelert, der alle ding zum besten kert; als dann mag er bein leuten bleiben, mit guter ru sein zeit vertreiben und kan entgen vil ungemachs; senftmut ist gut, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1534. am 16. tage Aprilis. Das wütent her der kleinen dieb Vor jaren, als mir in Westphaln ein edelman ein pfert solt zaln, und gleich auf Osenbruck zu zug durch einen walt, da mich abtrug ein beiweg, auf ein pfinztag spat, das ich gar weder dorf noch stat erreichen kunt, biß mich mit macht überfiel die stickfinster nacht. ich nam mit mir den hindern fuß, zu eilen aus diser wiltnus; der mon her durch die wolken leucht, von ferr hört ich, als mich bedeucht, ein gschell; in solchem herzenleid kam ich im walt an ein wegscheid; da erhub sich ein sturmwint laut ganz ungstüm gleich einer wintsbraut, in dem sich nehet das getümmel mit forchtsamen gereusch und prümmel, samt eim großen geschrei der raben, her an der straß über ein graben, das greulich schröcklich wütent her, bei dreihunderten oder mer, ein zerhaderte galgen rot. ich stunt beseits und rüft zu got, das er mir bhüt vernunft und sin; also praßlets bei mir fürhin. einer seufzet, der ander wemert, der drit grisgramet, der viert jemert; oben auf in die raben saßen, ir augen ausblickten und fraßen, teten von irem antlitz zwacken ir oren, lebsen, kin und backen. des hettens jemerlich anblick; ieder het an dem hals ein strick samt einer klappereten ketten; durch einander sie schwürmen teten, mit bunden henden gar verdorret, eins teils schwarz, grumpfen und verschmorret, eins teils bleich als die totenleich, eins teils den kernter köpfen gleich, daran die totenbein nur glunkerten, und als sie all für mich hin funkerten, kam hinden nach hin einer gangen, den man denselben tag het ghangen; het noch sein augn und mich ersach, der trat zu mir und mich ansprach, wer mich gestellet het hieher. Der Dichter Erst erschrack ich, sagt im, ich wer irr worden und im holz benacht. er sprach: du schalk, du hast verlacht uns, diß ellende wütent her. da schwur ich im bei treu und er, ich het mit in gehabt erbarmen, sprach: aus was ursach, o ir armen, müst ir mit solcher ungestüm bei nächtlicher weil ziehen üm? er sprach: wir suchen weit und breit die waren strengen grechtigkeit. etlich sagen, sie sei vor jarn wider gen himel aufgefarn, ander sagn, sie sei wider kommen, doch sei ir aller gwalt genommen, die dritten sagn, sie sei gefangen. nun hab wir in der welt durchgangen stet, merk, dörfer und die baufelder, gebirg, klingen und wüste welder, noch könn wirs nirgent kommen an. ich sprach: was wölt ir bei ir tan? da wolt wir unser not ir klagen, das man uns kleine dieb tut plagen, iederman auf uns zeigt und pfeift und henkt uns, wo man uns ergreift; die großen hat man wert und lieb. ich fragt: wer sein die großen dieb? tu mir die sach lautrer erklärn. er sprach: die lant und leut beschwern als rauber, lantzwinger, finanzer, aufsetzmacher und alefanzer, die fürkaufer und wucherer, die warfelscher und trügener, falsch juristen und rechtverkerer, simoneier und falsche lerer und ander on zal gleich der sum, die gen nur mit dem tausent umb, bleiben darbei groß herren noch; wir kleinen dieb zalen das gloch und tun dem lant doch wenig schaden, das doch ist überschwer beladen mit solchen großen schweren dieben, weil schier kein creatur ist blieben von in unbeschwert in den tagen; das wolt wir der grechtigkeit klagen, nit unsern diebstal uns zu schenken, sonder die großen zu uns henken; denn würt es baß sten in der welt, all ding wolfeil umb ringes gelt, und möcht aufwachsen gmeiner nutz, als denn würt folgen alles gutz, die grechtigkeit künt unser klagen billicher weis gar nit abschlagen, sie müst üben ir straf und rach. derhalben so leßt auch nit nach zu suchen sie das wütent her, und find wirs auf ert nimmermer, so find wirs doch am jüngsten tag, da sich niemant verbergen mag vor der strengen gerechtigkeit, welche hat gar kein underscheit noch ansehen keiner person; sie straft, wer unrecht hat geton. Der beschluß In dem der arm von mir verschwint, hinrauschet wie ein scharpfer wint, ich aber forcht mich inniglich und macht wol hundert kreuz für mich und dacht an den Diogenem, der eines mals lachet ob dem, das man ein kleinen dieb wolt henken, und sprach: er muß am galgen schwenken; die großen dieb gar niemant scheucht, die hüt man wol, vor in abzeucht. als ich das gsicht nach dreien tagen in der stat Osenbruck tet sagen von anfang, mittel, ent und trum, wurdn mir etlich reich feint darumb und wünschten, das das wütent her die grechtigkeit fünt nimmermer. ich aber samt der armen rot wünsch von herzen, und wolt auch got, das grechtigkeit mit irem schwert vil böser stück strafet auf ert, so nem ein ent vil ungemachs. got wends zum besten, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1539. am 29. tag Januarij. Römischer königlicher majestat, Ferdinandi einreitung in des h. reichs stat Nürnberg, den 7. tag Februarij im 1540. jar Als ich am sambstag vor fasnacht daheim feirabent het gemacht, hört ich das volk mit großem haufen alles hin für dem markt zu laufen; was da wolt werden, west ich nit, ich nam mein rock und loff auch mit. balt ich hinfür kam auft fleischbrucken, sach ich von meisterlichen stucken ein künstenreiche festin henken, oben über die gaßen schwenken, mit grünem laubwerk, güldin knöpfen, welschen gewächsen, löwenköpfen, mit granatäpfeln, pomeranzen, gut conterfet, daraus wart glanzen manch edle frucht, löblich gebilt; mitten daran da hieng ein schilt. den markt ich weiter aufwerts gieng, da widerumb ein festin hieng, über die gaßen schwenket frei, und aufwerts sach ich ir noch drei hangen hinauf biß an die vesten. die zu schauen daucht mich am besten; mit fleiß beschaut ichs alle sander, eine war anderst den die ander geziert, mancherlei art versetzt; mein herz in freuden wart ergetzt. weiter gieng ich, mit kurzen worten, und sach der vesten undre pforten mit einem schönen triumphbogen ringweis oben herumb umbzogen, daran manch landes wappen hieng. durch die pforten ich aufwerts gieng, funt alle gemach in der vesten versorgt, versehen nach dem besten, geschmückt und ziert mit allem rat. als ich wider gieng rab int stat, fant ich wol auf zwölf hundert man wol gerüst in fußharnisch stan mit partisan und hellenparten. ich wundert mich, auf wen sie warten, wan sie stunden zu beiden seiten, als solt man zwischen in hin reiten, hert an einander man und man zu öberst bei der vesten an biß herab an die fleischbrucken. vom volk wart ein gestöß und drucken; dergleich in allen gaßen wol sach ich heuser und fenster vol von herrn, bürgern, kindern und frauen, unden und oben herausschauen; auch sach ich an von dem rathaus die gaß mit sant bestreut hinaus ganz sauber biß fürs frauentor. alda sach ich auch sten darvor gerüster man wol auf drei hundert in harnisch, das mich ser verwundert, stunden geteilt zu beiden seiten; durch sie sach ich wol einher reiten in schwarz bekleit etlich mit decken, etlich mit felles und watsecken, doch einzig, iezt drei, darnach zwen auf kleppern; als ich so wart sten, sach ich auch her reiten von ferren fünf aus dem rat der eltern herren in iren mädren schauben schwarz, die ritten zu dem tor auswartz, wol auf drei hundert pfert, bereit gar köstlich, all in rot bekleit. etlich herren in schwarz darunder; ich schaut sie an mit großem wunder, was dises alles solt bedeuten; in dem ersach ich undern leuten des größern rates ein genanten, ein guten freunt, mir wol bekanten, an dem ich dise ding erfragt. der wundert sich und zu mir sagt: seit ir in diser großen gmein der ding unwißend gar allein, das römisch könglich majestat einreiten wirt zu abent spat? der sint zu ern all ding bestelt, wie es die alt ordnung inhelt. habt ir denn auch nicht hören sagen, das aus der stat vor zweien tagen ausrittn zwen herrn vom rat in eil gerüst entgegen siben meil, da man köngliche majestat zu Sulzbach wol empfangen hat? dergleich die fünf herrn, iezt gesehen, werden auf ein meil in der nehen könglich majestat auch empfahen. in dem wir all beid tragen sahen ein himel von rotem damast, von güldin fransen wol gefaßt; auf iedem eck ein adler stunt mit ausgeworfnen flügeln, und ieder ein schild het in sein klaen, daraus dreir köngreich wappen sahen. dem himel folgten auch von ferren des innern rats all ander herren in mädren schauben für das tor, zu empfahen zunechst darvor auch königliche majestat, die sich herbei genehert hat. in dem wart von des volkes meng ein groß gestöß und hart gedreng; in dem da leut man alle glocken, da wurt ein jubel und frolocken von jung und alten, groß und kleinen; ir vil wurden vor freuden weinen ob irem natürlichen herren. in dem zog durch das tor von ferren unser gerüster zeug voran, die in den tag beleitet han, auf die sein zeug, in schwarz bekleit, mit gringen pferden, darauf reit sein adl und herren, wol staffiert, in sammat und ketten geziert; auf die sein edel knaben ritten, in sammat schwarz höflich beschnitten, auf die ritt könglich majestat. vier junger herren aus dem rat trugen den himel, wie gebürt; ein bloßes schwert man im vorfürt; drei ritten hinder in von fern, auf die unser fünf alte hern, und nach disen in schwarz bekleit der köngisch zeug gerüstet reit. den folgten nach, fein ausgesundert, unser obgemelte drei hundert, vil von den erbarn der geschlechten, von kaufherren und reisig knechten. als man den markt nun aufhin ruckt, wart sanct Sebaldi kirch geschmuckt im chor mit artlichen und schönen teppichen, darin man wolt krönen römisch königlich majestat nach altem brauch; weil es war spat, zog sie für aufwerts auf die vest, da man die königlichen gest beleitet biß hinein das schloß mit herrlichkeit und freuden groß. balt ließ könglicher majestat gen hof schenken ein erbar rat zwen wegen mit habren hinein, darzu auch ein wagen mit wein, ein mit reinfal und malvasir. der vorgmelt sprach wider zu mir: iezunt bin ich auch ingedenk auf morgen der könglichen schenk, nemlich ein güldin scheuren, secht, mit neuen goltgülden, geprecht könglicher majestat, allsamen mit ir umbschrift, wappen und namen. dergleichen auch ein erbar rat ein feurwerk aufgerichtet hat außen auf der neuen bastei, sechs böler auch bestelt darbei, wirt man brennen morgen zu nacht. das und mer anders wirt verbracht könglicher majestat zu eren, ir frölichkeit und freud zu meren, darmit ein gmein und erbar rat erzeigt könglicher majestat iren geneigten guten willen, den sie vor hat gespürt ob vilen in dem heiling römischen reich; doch wirt könglich majestat gleich biß montag widerumb weg reiten, das sie eilent in kurzen zeiten ins Niderland ir reis vollent, da irer zukunft warten sent römisch keiserlich majestat, das sie beid mit zeitigem rat dem türken widerumb begegen, der aber sich ist gwaltig regen in großer rüstung durch sein tück. zu dem geb in got heil und glück in dem und allem des geleich, dardurch das heilig römisch reich großmechtig wert, sich mer und wachs, das wünscht in von Nürmberg Hans Sachs. Anno salutis 1540. am 15. tag Februarij. Die wolfsklage über die bösen menschen Hört ein wunderlich abenteuer! als ich gieng im wolfsmonat heuer einig allein weit über felt an ein ort, einzunemen gelt, es schneit, das ich schier war erblint; auch war die straßen von dem wint so gar verwehet mit dem schne, das ich kein ban kunt finden me; gieng also nur dahin mit wan und het verfelet weit der ban und hinein auf das wolfsfelt kam, ein heulende stim ich vernam, die laut: owe, owe, owe! furcht, schreck und angst bracht mir herzwe; doch weil die stim sam menschlich was, faßt ich ein herz und gieng mein stras hinzu; da saß in einem hag ein wolf, der fürt ein schwere klag; traurig er auf gen himel sach und mit deutlicher stimme sprach: o du höchster got Jupiter, warumb hast mich erschaffen her, das aller hartseligest tier, weil iederman nachstellet mir? fürsten, adel, burger und bauren, tut alles auf mein unglück lauren und mir nach meinem leben stelt; hunt und jäger man auf mich helt; wo mich ein mensch erblicket nur, so macht man im lant ein aufrur und schreit; ein wolf, ein wolf, wolauf! denn kumt zusam ein großer hauf, denn tut man mir vil garen stellen, die weitleut ire hörner schellen, darvor mir armen wolf tut schauchzen; dann kum die hunt mit irem jauchzen, mich in die garen nein zu jagen und zu schießen, stechen und schlagen. auch machen mir die baurenbubn im walt vil heimlicher wolfsgrubn, darein mich armen wolf zu sprengen und umb mein leben mich zu brengen; dergleich die weitleut auf mich tichten und mir vil scharpfer selbgschoß richten, auch ser vil falstrick her und hin, das ich schier niendert sicher bin, als ob ich sei der ergest schalk, ein mörder, dieb und lasterbalk, und treib doch kein ander unfur, den was mir einpflanzt die natur. den bauren ich zu einer straf hintrag schwein, enten, gens und schaf, das tu ich auch zu keim geschleck; geb mir ein baur gnug kuttelfleck, kein ros wolt ich im fellen mer. also ich mich im stegreif ner, wan ich kan ie nit eßen gras, mein vatter auch kein heu nie as. ich kan nit dreschen, hackn noch reuten, so leßt man mich gar nit bein leuten, das ich ein hantwerk möcht geleren, das ich mit arbeit mich möcht neren, das ich nicht also müßig gieng; darzu nim ich nur eßent ding, auf das ich nit gar hungers sterb, hoff ie, mein schult sei nit so herb. ich acht mich weder gwalt noch macht, treib auch kein hoffart, preng noch pracht; ich treib ie gar kein tyrannei, mach kein aufsetz noch schinderei, kein zol, maut, zehent noch frondinst, ich nim kein ungelt, rent noch zinst, tet auch mit meim wilt noch gejeit nie keinem schaden an seim treit. so hab ich nie kriegt, brennt noch gmört, kein stat belegert noch zerstört, so hab ich auch verfürt kein her, kein schif versenket in das mer, so felscht ich auch kein brief und sigel, stieß für die warheit nie kein rigel, auch half ich kein frommen verdrücken, kein böswicht half ich fürher rücken, hab auch kein recht nie aufgezogen, gekrümt, verschrenket noch gebogen, wart mit keim hellküchlein nie bstochen, hab auch kein falsch urteil gesprochen; auch hat nie falsch zeuget mein zungen, hab nie kein von sein gütern drungen, hab auch getriben kein finanz und weiß nichts von keim alefanz. so hab ich auch nie wucher triben, noch vom hundert genommen siben, hab nie fürkauft wein, treit und korn, bin sonst auch kein fürkaufer worn, münzfelschen hab ich auch vermitten, so hab ich auch kein münz beschnitten und wusch auch darvon nie kein ünz, trib nie wechsel mit grober münz, keinerlei war ich felschet nicht, het nie kurz eln noch leicht gewicht, hab nie zu vil grechnet noch gschriben, hab auf borg nie kein höher triben, hab auch kein gvorteilt noch betrogen, hab kein verraten noch verlogen, tet keim dieblich sein er abschneiden, tet auch nie kein haßen noch neiden, hab auch kein menschen nie veracht, auch keinen verspott noch verlacht, auch kein mit stichworten gefatzt, auch nie hin und wider geschwatzt, die leut zu hader nie gereizt, niemant gescholten noch verbeizt; auch tet ich nie schmeichlen noch heuchlen, half keinem abtragen noch meuchlen, hab auch nie keinen lam gehauen, nie geschwecht frauen noch junkfrauen, half auch zu kupplerei nit vil. so trib ich auch kein falsches spil, auch tet ich nie keinen gotsschwur, vol weins ich nie mein lebtag wur; hab auch kein meineit nie geschworn, bin auch nie kein mortbrenner worn, braucht nie kein kirchenrauberei und trib auch nie kein zauberei; kein wetter hab ich nie gemacht, fur auf dem bock nie bei der nacht, gelaubt auch nie an kein wuntsegen, nach dem liebtrank tet ich nit fregen; kein waßer goß ich in kein wein, das brot buch ich auch nie zu klein, keinem sein ehalten verhetzt, auch keinem kunden abgesetzt, kein gsetz der herrschaft nie zerspalten, hab auch kein litlon vorbehalten, hab nie kein hoch wiltpret geschoßen, keins heimlich fischens nie genoßen, bin auch gewesen nie aufrürisch, mit meiner ler niemant verfürisch; so braucht ich nie kein simonei, macht kein rot, sect noch ketzerei; kein falsche ler auch von mir kam, auch richt ich auf kein ablaßkram, nam kein annatn noch pallium, verkauft kein pröbstei noch bistum, het auch nie ein pfrünt oder drei. so trib ich auch kein gleißnerei und war auch kein stationierer, kein kesjeger noch terminierer; so war ich mein tag nit bäpstisch, dergleichen auch nie lutherisch. doch bin ich in der echt und ban, wiewol ich der ding keins hab tan, ganz unverhört sie mich verdammen, als kum ich von eim schedling stammen und hab verwürket wol den tot. darumb, o Jupiter, du got, gebeut alln menschen, man und frauen, in irs herzen spiegel zu schauen, so wirt sich ganz menschlich geschlecht finden so bös und ungerecht in allen stücken obbenamt, so öffenlich und unverschamt, so lesterlich, erlos und schentlich, das es int leng nit sten kan entlich, weil doch die ganz menschliche zunft begabt ist mit sin und vernunft, die in gibt underscheit so frei, was erlich oder schentlich sei. darüber hat der mensch auch mer die heilig himlisch christlich ler, auch verheißung von got darneben, ein himelisch ewiges leben. solch ding doch alle manglen mir, wo ich aber ein beßers west, wolt ich erwelen noch das best, das doch der mensch mit nichten tut, strebt nach gwalt, wollust, er und gut, als sei er töricht, dol und blint, dardurch in alle laster rint, darumb er vil streflicher wer. derhalb, o höchster Jupiter, bitt ich, mir ein geleit zu geben, das ich fürwar mög sicher leben bei menschlichem gschlecht auf ertrich, das vil schentlicher lebt den ich; derhalb straf sie und laß mich frei, als lieb dir die grechtigkeit sei. in dem schwang sich herr Jupiter von oben auf eim adler her und sprach: o wolf, es wirt auf erden plötzlich ein große endrung werden; denn sol dein werden auch gedacht, das du kumst aus dem ban und acht. frölich lief ein der wolf gen holz. herr Jupiter schnell als ein bolz fur wider auf zu seinem tron. ich wut in tiefem schnee darvon, gedacht: ach got, der großen schant! ein iedes tier in seinem stant, fisch, vögel und all creatur, was ie von got erschaffen wur, das lebt nach der natur allein, die im got hat gepflanzet ein, und in keim stück das übertrit; allein der mensch tut solches nit, sonder bleibt got nit undertenig, ist sein geboten widerspenig, nach gwalt, er, gut und wollust strebet, dardurch in allen lastern lebet wider vernunft und christlich ler, wider tugent, sitten und er. des werden an dem jüngsten tag all creatur mit großer klag wider den menschen zeugnus geben und wider sein süntliches leben, die er mißbraucht hat allesamen, im selb zu ewigem verdamen; auch ist warhaftig zu vermuten, das uns got wert mit seiner ruten scharpf heimsuchen und gar behenz mit krieg, teurung und pestilenz und ander erschröcklicher plag. got wöll, das dardurch vor dem tag buß und beßrung bei uns aufwachs, das wir from werden, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1543. am 9. tag Augusti. Ein artlich gesprech der götter, die zwitracht des römischen reichs betreffent Als ich meins alters war treten ins fünfzigst jar, lag ich eins nachts betrübet, darzu mich heimlich übet in diser bösen zeit die widerwertigkeit in dem römischen reich, darin man tegeleich hielt mancherlei reichsteg, doch alles fel und treg; gar nichts von stat wolt gen, zu stillen die zwispen; ich dacht lang hin und her, wer des ein ursach wer. in sollichem nachdenken tet sich zu schlafen senken meiner augen gelider, ins bet duckt ich mich nider und mich zusammen schmucket, biß mir der schlaf entzucket mein angefochten sin. in dem traum mir erschin der engel Genius und sprach zu mir: ich mus dich etwas laßen sehen, auf dise nacht geschehen. gar plötzlich nam er mich und fürt mich über sich durch das leuchtent gestirn der himlischen revirn biß zu der götter trön. der mon schin hell und schön samt aller sternen glenster. er stelt mich in ein fenster an einem dunklen ort, das ich möcht alle wort hören in disem sal. die götter allzumal ein groß versamlung hetten, zirkelrunt sitzen teten. Jupiter auf seim tron, sein red fieng also on: Ir götter all geleich, es hat das römisch reich samt teutscher nation zwitracht und widerspon, und wirt man nit ableinen und gütlichen vereinen die zwispelting partei, das frid zwischen in sei, so muß das reich zergen, mag lenger nit besten. es hat zwen mechtig feint, darumb ratschlaget heint, das underkommen wert der groß unfal auf ert, wan es ist hohe zeit. Mars, gewapnet zum streit, stunt auf mit bloßem schwert, sprach: weil unden auf ert das reich ein zwitracht hat, so ist darauf mein rat ich hetz sie zu eim krieg, welche partei den sieg gewinn, die andern dring, nach irem willen zwing, und sei sie darnach herr. Jovis sprach: das sei ferr, dein rat ist ie nit gut, dich dürstet nur nach blut, weil aus des reiches krieg folgt ein blutiger sieg, mort, raub und darzu brant, verderbung teutscher lant; darumb gefiel mir baß, das man solch zenk und haß durch freuntlichkeit hinleget, welche das herz beweget. Juno, gib du dein kraft, ein neue gmahelschaft beweg in regimenten der zwispelting regenten, dardurch einigkeit wert. Juno antwort: auf ert tet ich neulich verwilgen gemahelschaft der lilgen, das unfrid würt gestilt, die doch nie glauben hilt; drumb möchts noch also gen, baß mögst du understen mit gelt der feintschaft schmerz, das weicht des menschen herz und milderts ganz und gar. Jovis sprach: das ist war, Pluto, nim dein reichtum, goldes ein große sum, die fürsten zu begaben, auf das sie fride haben, freuntschaft und einigkeit. Pluto sprach: es felt weit, das golt würt sie erst reizen und auf zwitracht verbeizen, freidig und trutzig machen, würden den krieg zwifachen; denn gwunnen die hauptleut vom golt die besten beut, dann würts erger den vor, e ich mein schetz verlor, armut bhielt lenger frid. Jupiter auf den bschid ruft Penuriam her, sprach: schleich hin mit gefer, und fah in deine bant der zwispeltigen hant, zwing sie zu einigkeit, das sie zu krieg und streit werden ganz mat und schwach. Penuria die sprach: ich wil dir folgen gern, doch werden sie beschwern das lant durch vil aufsetz, zu samlen große schetz, das auch vil neits gebür. schlag andre mittel für, schick aller götter bot, Mercurium, den got, das er mit worten spech durch sein lieblich gesprech die vilspelting partei fridlich vereining sei, weil dein wort vil vermag. Jupiter auf die sag sprach: Mercuri, schwing dich hinab auf erderich, verkünd an alle ort mein willen und mein wort, gib der zwitracht entschid, wer nit wil halten frid, dem dro mein ungenad, in für mein grichte lad, da muß er sten zu bus. Da sprach Mercurius: es ist verloren schlecht, ieder wil haben recht und wil kein mittel leiden, ob gleich dein wort tut schneiden; das der ein teil nem an, würts der ander nicht tan, weil im wont kreftig bei der geist der heuchlerei samt gschwindem orenblasen, und handelt aller masen, als sei er blint und taub; darumb mein red, gelaub, hat weder platz noch stat, biß die finster vergat. rat weiter du darzu. Jupiter sprach: o du glanzender got Phebus, erleucht ir finsternus mit deiner sonnen glest, zu erwelen das best; in iren geist erleucht, mit gütigkeit befeucht, den unfrid zu verhüten, durch mittl all sach zu güten, das all partei sich geben, der warheit nachzustreben; solch lieb und einigkeit erhielt den frid lang zeit. Phebus antwort: mein brunst auf ert ist auch umbsunst; ich sich die regiment, durchaus beiderlei stent, in vil partei zerspalten. ir vil mein schein aufhalten, mit vil practik und tücken die guten zu verdrücken; ob sie gleich wol erkennen, recht, gut und heilig nennen die heilig, ewig warheit mit ir himlischen klarheit, mit lüg sies verunreinen, das mich verdreußt zu scheinen, derhalb in finsternus noch oft verkeren mus, weil als gut ist verloren. Saturnus sprach in zoren: gib du mir in mein hant gwalt über teutsche lant; wer sich denn wil entpörn, den gmein frid zu verstörn, den wil ich grausam töten. Jupiter sprach: von nöten ist, das man nit mit gwalt far, sonder frei erhalt beid teil in frid. o du, Minerva, trit herzu, gib rat durch dein weisheit, das wir in einigkeit bringen das römisch reich. aufstunt die adeleich. Minerva sprach: o der handel ist mir zu schwer, doch weiß ich ein person, wenn die nit stillen kon der teutschen fürsten zorn, so ist all sach verlorn. Jupiter sprach: zeig on, wer ist dieselb person, die solch ansehen hat, zu stillen den unrat. Da antwort Minerva: es ist Respublica. Jupiter sprach: wolhin, ist er nit vor bei in? Minerva sprach: ach nein, abcontrafect allein, welcher doch vor leibhaft regieret hat mit kraft das alt römische reich, hanthabt es ordenleich und machet es großmechtig, hielt die burger eintrechtig, das sie waren allsant einer des andern hant, semtlich biß auf das blut hanthabten das gmein gut treulich durch alle stent; des war ir regiment stanthaft, wie obgemelt, ein herschung aller welt. balt aber eigner nutz des gwalts, prachts, er und gutz bei in riß gwaltig ein, ieder schaut auf das sein, da wurdens in partei gespalten mancherlei, vil bürgerlicher krieg wurden mit bluting sieg, groß tyrannei geübt, der gmein nutz wurt betrübt, der gmein man aus verdrieß in auch gar fallen ließ, also wurt er austriben. wo er seit her ist bliben, das kan ich dir nit sagen. seit her nach disen tagen hat das reich abgenommen, in solchen abfal kommen, das im dreut die entpörung sein entliche zerstörung, wie es denn ietzunt get. wenn man nun wider het den alten gmeinen nutz, der möcht schaffen vil gutz, brecht wider in der zeit stet frid und einigkeit in dem römischen reich. der rat gar löbeleich gefiel den göttern allen, allein tet widerkallen Mars und auch Saturnus. Jupiter sprach: man mus folgen der merern sum; befalch Mercurium, das er den gmeinen nutz, den vatter alles gutz, wölt in sein tron citiern on alles excusiern, das er in eilents sent römischem regiment, den zwitracht und unwilln bei in gar abzustilln, auf das forthin auf ert ent nemen all beschwert. Mercurius sprach: gern, doch must du mir erklern, wo ich in finden sol. Jupiter sprach: ja wol, such in in den reichssteten, die in vor jaren hetten in hohem acht und wert. Mercurius, auf ert, sprach, tu ich teglich wandlen, mit den menschen zu handlen, doch hab ich, mag ich jehen, den gmein nutz lang nie gsehen, sein weder stumpf noch stil. ich hör wol von im vil sagen in stet und mauren, in dörfern von den bauren, in schlößern, merk und flecken; das macht mir einen schrecken, das ich in auf der reis nirgent zu suchen weis. Jupiter sprach besunder: erst nimt mich nimmer wunder, das es so übel get, im reich zwitrechtig stet, weil der gemeine nutz, des römisch reiches schutz, wont bei öbern noch undern; mich tut vil mer verwundern, das römisch reich vor langen jarn nit zu grunt ist gangen. ir götter, zeiget an, wo man doch finden kan den gmein nutz obgemelt, wo man in aller welt iezt sein fußstapfen spür. Luna die trat herfür, sprach: wol vor alten jaren sach ich eins nachts in faren aus ganzem Europa, und wolt in Asia, wider in Kriechenlant, villeicht zu Athen wont. Die göttin Diana sprach: er ist nimmer da, vor vil jarn ausgeschlagen. neulich, als ich wolt jagen, fant ich in mit mein winden weit in dem walt dort hinden, sitzent bei einem brunnen, sein antlitz überrunnen mit ganz kleglichen zehern. als ich mich im tet nehern, verbarg er sein angsicht, wolt mich ansehen nicht, schemt sich leicht seins ellents, und floch schnell und behents in ein finster steinhol, darin gedenk ich wol den vertribenen alten heutigs tags noch haushalten. Jupiter sprach: so eil, bring raus das menschlich heil aus vertribnem ellent, zu hülf dem regiment. Mercurius schwang nider sein lautreisig gefider. dieweil hielt heimlich rat der götter majestat, stießen die köpf zusam, das ich kein wort vernam. Nach dem Mercurius ganz vogelschnell aufschuß mit trauriger geber und sprach: o Jupiter, den gmein nutz hab ich funden, doch vol tötlicher wunden und mit krankheit geplakt, an hent und füß contrakt, sein leib ganz ausgedorret, gerumpfen und verschmorret, das an im hieng allein in der haut das gebein; sein öber lebs am munt sein zen kaum decken kunt, sein antlitz gar erblichen, all lebent geist gewichen, sein herz allein kunt lechzen mit abkreftigem echzen, gar kurzem atemzug, der puls gemachsam schlug. ich dorft in nit anrüren, mit mir herauf zu füren, ich förcht, er möcht verderben, mir underwegen sterben, wan er ist tötlich schwach. In großem ungemach winkt der got Jupiter Esculapio her, dem got aller erznei, und sprach: gerüstet sei und schwing dich eilent nider mit Mercurio wider zu dem hohen gescheft; nim aller kreuter seft, der götter trank, nectar; darmit fleißig bewar Rempublicam, den alten, im leben in zu halten. von verlegner kristier in seuberlich purgier! tu im sein wunden heften, bring im zu voring kreften all glider, bein und mark, das er wert frisch und stark! bring in im augenblick herauf, das ich in schick auf ert, zu reformiern, das fridlich concordiern die herschenden regenten samt allen reiches stenden, das der adler mög wider schwingen sein ganz gefider, den trachen zu vertilgen samt der vergiften lilgen. Der beschluß Balt sich die zwen abschwungen, wart von der Siren zungen in aller götter trön ein wunniglich getön mit jubel und frolocken. mein herz vor freud tet schocken, Rempublicam zu sehen; in dem fieng an zu krehen mein lautreisiger hon, das ich erwacht darvon. das ich des endes nicht erreicht in dem gesicht, des trauret mein gemüt, hoff, got wert durch sein güt selb all zwitracht ableinen und durch sein wort vereinen im reich all stet und fürsten, das sie nach frid wert dürsten, auf das in hohem rum das römisch keisertum sich wider mer und wachs durch gmein nutz, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1544. am 3. tag Martij. Ein epitaphium oder klagred ob der leich doctor Martini Lutheri Als man zelt fünfzehnhundert jar und sechs und vierzig, gleich als war der sibenzehent im hornung, schwermütigkeit mein herz durchdrung, und west doch selb nicht, was mir was. gleich traurig auf mir selber sas, legt mich in den gedanken tief und gleich in unmut groß entschlief. mich daucht, ich wer in einem tempel, erbaut nach sechsischem exempel, der war mit kerzen hell beleucht, mit edlem reuchwerk wol durchreucht; mitten da stunt bedecket gar mit schwarzem tuch ein totenbar. ob diser bar da hieng ein schilt, darin ein rosen war gebilt; mitten dardurch so gieng ein kreuz. ich dacht mir: ach got, was bedeuz? erseufzet darob traurikleich, gedacht: wie, wenn die totenleich doctor Martinus Luther wer? in dem trat aus dem chor daher ein weib in schneweißem gewant, Theologia hoch genant, die stunt hin zu der totenbar, sie want ir hent und rauft ir har, gar kleglich mit weinen durchbrach, mit seufzen sie anfieng und sprach: ach, das es müß erbarmen got, ligst du denn iezt hie und bist tot, o du treuer und küner helt, von got, dem herren, selb erwelt, für mich so ritterlich zu kempfen, mit gottes wort mein feint zu dempfen, mit disputieren, schreibn und predigen, darmit du mich denn tetst erledigen aus großer trübsal und gezwengnus meiner babylonischen gfengnus, darin ich lag so lange zeit, kam schier in die vergeßenheit, von mein feinden in herzenleit, von den mir mein schneweißes kleit vermeiligt wurt, schwarz und besudelt, zerrißen und scheuzlich zerhudelt, die mich auch hin und wider zogen, zerkrüppelten, krümten und bogen? ich wurt geradbrecht, zwickt und zwakt, verwundt, gemartert und geplagt durch ir gotlose menschenler, das man mich kaum kunt kennen mer. ich galt entlich gar nichts bei in, biß ich durch dich erledigt bin, du teurer helt aus gottes gnaden, da du mich waschen tetst und baden und mir wider reinigst mein wat von iren lügen und unflat. mich tetst du auch heilen und salben, das ich gesunt ste, allenthalben ganz hell und rein wie im anfang; darin hast dich bemüet lang, mit schwerer arbeit hart geplagt, dein leben oft darob gewagt, weil bapst, bischof, könig und fürsten gar ser nach deinem blut was dürsten, dir hindertückisch nachgestelt. noch bist du als ein gotteshelt bliben warhaft, treu und bestendig, durch kein gefar worden abwendig von wegen gottes und auch mein. wer wirt nun mein verfechter sein, weil du genommen hast dein ent? wie wird ich werden so ellent, verlaßen in der feinde mit? ich sprach zu ir: o, fürcht dir nit, du heilige, sei wolgemut, got hat dich selbs in seiner hut, der dir hat überflüßig geben vil trefflich menner, so noch leben; die werden dich hanthaben fein samt der ganz christlichen gemein, der du bist worden klar bekant schier durchaus in ganz teutschem lant. die all werden dich nit verlaßen, dich rein behalten aller maßen on menschen ler, wie du iezt bist. darwider hilft kein gwalt noch list; dich sollen die pforten der hellen nicht überweltigen noch fellen, darumb so laß dein trauren sein, das doctor Martinus allein als ein überwinder und sieger, ein recht apostolischer krieger, der seinen kampf hie hat verbracht und brochen deiner feinde macht und iezt aus aller angst und not durch den milt barmherzigen got gefordert zu ewiger ru. da helf uns Christus allen zu, da ewig freud uns auferwachs nach dem ellent, das wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1546, am 22. tag Martij. Der junkbrunn Als ich in meinem alter war gleich im zwei und sechzigsten jar, da mich gar in mancherlei stücken das schwere alter hart was drücken, da dacht ich mit seufzender klag an meiner jugent gute tag, die ich so unnütz het verzert; das mir geleich mein schmerzen mert, und warf mich im bet hin und her, dacht: o das ein arzenei wer für das alter oder ein salben, wie wert würt sie sein allenthalben! in dem nachdenken ich gar tief verwickelter sam halb entschlief. mir traumt, wie ich kem wolbesunnen zu einem großen runden brunnen von merbelstein, polieret klar, darein das waßer rinnen war warm unde kalt wol aus zwölf rörn, gleich eim wiltbad; tut wunder hörn: das waßer het so große kraft, welch mensch mit alter war behaft, ob er schon achtzigjerig was, wan er ein stunt im brunnen saß, so teten sich verjüngen wider sein gmüt, herz und alle gelider. umb den brunnen war ein gedreng, wan darzu kam ein große meng, allerlei nation und gschlecht, mönnich, pfaffen, ritter und knecht, burger, bauer und hantwerker, der kam on zal zum brunnen her und wolten sich verjüngen laßen. vol zog es zu auf steig und straßen aus allen landen nah und ferren auf senften, schlitten, wegn und kerren. ir vil man auf radwerben zug, etlich man auf mistberen trug, und ir vil trug man auf dem rucken, etlich giengen herzu auf krucken. zusamen kam ein hauf der alten, wunderlich, entisch, ungestalten, gerunzelt, zanlucket und kal, zittrent und kretzig überal, dunkler augen und ungehöret, vergeßen, doppet und halb töret, ganz mat, bleich, bogrucket und krum. da war in summa summarum ein husten, reuspern und ein kreisten, ein echzen, seufzen und ein feisten, als obs in einem spital wer. zwölf man waren bestellet her, die allen alten, die sie funnen, solten helfen in den junkbrunnen; die teten sich alle verjüngen: nach einer stunt mit freien sprüngen sprangen sie aus dem brunnen runt, schön, wolgefarb, frisch, jung und gsunt, ganz leichtsinnig und wol geberig, als ob sie weren zweinzigjerig. balt sich ein rot verjünget fein, so steig darnach ein andre ein. da dacht ich mir im schlaf fürwar! alt bist auch zwei und sechzig jar, dir get ab an ghör und gesicht. was zeichst du dich, das du auch nicht wol halt in den junkbrunnen sitzest, die alten haut auch von dir schwitzest? abzoch ich alles mein gewant, daucht mich im schlaf alda zuhant, ich stig in junkbrunnen, zu baden, abzukommen des alters schaden. in dem einsteigen ich erwacht, meins verjüngens ich selber lacht, dacht mir: ich muß nun bei mein tagen die alten haut mein lebtag tragen, weil kein kraut auf ert ist gewachsen, heut zu verjüngen mich, Hans Sachsen. Anno salutis 1557. am 5. tag Novembris. Schwank: die hasen fangen und braten den jeger Eins morgens gieng ich durch ein walt, es het geschneit und war grim kalt; neben der straßen hört ich vispern, etwas hinder eim gstreuß laut zispern; ich guckt hindurch, sach, das da sasen etwas in die zweihundert hasen, heten sam da iren reichstag. ein alter has erzelt die klag über ein gar uralten jeger, der sie teglich in irem leger überfiel mit lauschen und hetzen, mit gschoß, falken, hunden und netzen, darmit sie vilfaltig verstricket und sie on alle barmung knicket, darnach er sie denn schunt und brit, ir etlich gar zu stücken schnit, und bickt sie ein zu eim fürheß, nachdem mit zenen zriß und freß; das müstens leiden und ir kinder und würden ir ie lenger minder, wiewol sie teglich junge trügen und die ausheckten und aufzügen, und wo die leng sie noch da blieben, würdens all von im aufgeriben; derhalb wer not, das sie allsant dem jeger teten widerstant, wenn er zu nechst mit seim weidwerk widerumb züg auf disen berk, das sie im soltn mit gmeinem haufen in einem sturm entgegen laufen, grad zu auf in, on alle krümb, den alten jeger stoßen ümb, in denn mit sein hetzstricken binden, dergleich seine leithund und winden. wenn sie denn also wern gefangen, als übel, vor an in begangen, möcht man volkömlich an in rechen. darzu waren all hasen sprechen, sie wolten ir belg all dran wagen und stracks nachkommen seim ansagen, ob sie möchten den jeger fellen. in dem hört ich ein horen schellen und auch jauchzen der hunde haufen; anfiengen die hasen zu laufen hinab gen tal dem jeger zu; ich stunt ein weil, und in eim nu kamen die hasen in ir leger und brachten mit den alten jeger, mit weidstricken gfangen und bunden, mit all sein winden und leithunden, sein spieß und weidmeßer sie trugen, den jeger an eim strick aufzugen an eim baum zu der strengen frag, wie vil er hasen all sein tag het umbbracht mit seinem weidwerk alhie an dem waldigen berk. da bekent er auf drithalb hundert, ieden mit namen ausgesundert. mit fleiß beschribens sein urgicht; nach dem saßen sie zu gericht, teten sein jegerhoren schellen und über in ein urteil fellen, das man zu straf umb sein untaten in solt an einem spieße braten, wie er den hasen auch het tan, wo ers gfenglich het kummen an. auch feltens ein urteil den hunden, das sie all solten werden gschunden, zerhauen und gesalzen ein und darnach aufgehangen sein. nach dem schürtens ein großes feuer, namen den jeger ungeheuer und bunden in an ein bratspieß; der einen tiefen seufzen ließ und sprach: erst ich erkennen kan, das ich im hab zu vil getan, drumb gschicht mir iezt auch nit unrecht; ich hab euch gar zu hart durchecht on schult wider all billichkeit, wan ich gedacht zu jener zeit, ich wolt euch drucken, wie ich wolt, das ir mich allzeit fliehen solt nach aller hasn natur und art; iezt, so ir haltet widerpart und ir mein meister worden seit, erkenn ich erst mein groß torheit. nach dem die hasen ungeheuer teten den jeger zu dem feuer und dreten in umb an dem spieß; mannichen lauten schrei er ließ, zu helfen ich im oft gedacht, doch sorg und forcht mich darvon bracht, das sie mir nicht gleich wie im taten, ließ gleich den alten jeger braten, all hund erschlagen, darnach schinden, in stück zerhauen; ich stunt hinden, sach, wies ein teil einsalzten auch, darnach aufhiengen in den rauch, eins teils sie in eim keßel suden, all wölf und füchs sie darzu luden, mit in zu halten das frümal. nach dem gieng ich mein straß zu tal und gedacht mir bei der geschicht: war ist es, wie Seneca spricht: welch herr treibet groß tyrannei, macht vil aufsetz und schinderei, meint zu drucken sein underton, auf das sie fürchten sein person, derselb muß ir auch förchten vil; wenn ers gar übermachen wil, wirt es etwan mit ungstüm grochen, und hart gespanter bogen brochen, wie keiser Julio geschach, auch andern mer vor und hernach; wer aber senftmütig regiert, von den seinen geliebet wirt, tun im freiwillig alles gut und setzen zu im leib und blut, darmit sein reich grün, blü und wachs. senftmut bringt gut, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1550. am 25. tag Aprilis. Lantsknechtspiegel Des kriegs art, frucht und lon magst du hierin verston. Als ich vor dreißig jaren, noch jung und unerfaren, oft höret vom krieg sagen, und mir auch hart anlagen mein gsellen, das ich hin solt in den krieg mit in, auch etwas zu erfaren, das ich in alten jaren darvon zu sagen west, fürsagten mir das best, das ich ein lust gewun zum krieg, und dem nachsun, wie noch manch junges blut aus unwißenheit tut. nun, eins nachts gegen tag, als ich frei munter lag, erschin mir hell und pur der groß got der natur, Genius, sprach zu mir: wolauf, gsell, das ich dir den krieg tu zeigen on, sein art, frucht und sein lon! wenn ich dir den fürstel, nach dem dir auserwel, in disen krieg zu ziehen, oder in gar zu fliehen. nach dem da nam er mich, fürt mich hoch über sich hindurch den klaren luft, und auf der erden gruft mir zeigt ein weites tal, verwüstet überal; verhauen warn die welder, zertreten die baufelder, würz, kraut, blü, laub und gras als abgefretzet was samt allerlei getreid und aller wunn und weid; auch die edlen weinreben, all fruchtbar beum darneben waren all abgehauen, die ecker ungebauen, auch stunden die weier von fisch und waßer ler; auch zeigt er mir darum ein übergroße sum, lang und breit etlich meiler, dörfer und kleine weiler, die brunnen hoch und glo, eins teils die lagen do in der aschen und rochen; zeigt mir, wie sich verkrochen die bauren in den welden, in heckn und finstren helden, der ich doch vil sach schetzn, fahen, martren und pfetzn, auch wie da an den straßen vor den dörferen saßen weib und die kleinen kinder. hin war ros, schaf und rinder; auch ir bar gelt eingraben war hin von den kriegsknaben samt futter und getreid. des saßens in herzleid, in hunger, durst und frost ellent on allen trost und westen nit wohin. nach dem zeigt er mir in den bergen mannich schloß, welche durch kriegs geschoß warn hart worden bekümmert, zerscherbet und zertrümmert und ausgebrennt mit feuer; doch stunt noch etlich gmeuer, sonst all notfest zerstört, kein adel man drin hört, hin war als frauenzimmer und als, was man vor immer geflöhnet het darein, das war hin, groß und klein. nach dem er mir auch hat gezeiget die hauptstat, die vor war vest beschloßen, iezt durch den feint zerschoßen; ir pastei warn zerschellet, türn und brustwer gefellet, mit pölern hart gedrenget, mit pulver war zersprenget die mauer, und den graben gar ausgefüllet haben; auch lag da noch vom sturm kriegsrüstung mancher furm; von den die stat wart gwunnen; das waßer und die brunnen warn abgraben und gnommen. als wir darob sint kommen, zeigt er mir hin und her all gaßen öd und ler. ellent stunt das rathaus, all grechtigkeit war aus, niemant het straf noch schutz; es lag gemeiner nutz, freiheit, original, all policei zumal; es schwig rat, gsetz und recht, es galt herr wie statknecht, war als verzagt und blöd, auch stunt die kirch gar öd, geplündert irer zir, kein freiheit war in ir, kein ampt noch sacrament; als kirchengsang het ent, kein glocken noch kein ur in ir gehöret wur; da war kein priester mer, hinwar ir würd und er; derhalb das götlich wort wart darin nit gehort mer auf dem predigstul. auch stunt ganz öd die schul, niemant da mer studieret, in künsten arguieret; kein freie kunst geleret, dardurch denn würd gemeret die zucht, weisheit und tugent bei der blüenden jugent. auch stundn all hemmr und mül; auch sach ich alle stül in den werksteten ler; ich sach kein hantwerker darin schmiden und dreen, bachen, schneiden noch neen, schmelzen, gießen noch weben, graben, zimmern, darneben buchdrucken noch binden; blib alles dahinden; sticken und seidenfitzen, maln, gulden oder schnitzen, sah weder badn noch schern, ler waren all tafern; sah kein hochzeit noch tenz, kein bulerei noch krenz, kein seitenspil, hofiern, kein kurzweil noch turniern; traurig war all ir wandel, all gwerb und kaufmanshandel vom krieg gefeget was; unsicher war die straß, auch alle mess und merk, in summa all hantwerk und hendel lagen nider. ich schauet hin und wider, die heuser stunden offen, das volk het sich verschloffen; all winkel hin und dar mit klag erfüllet war, mit seufzen, gschrei und weinen von großen und von kleinen; dan all heuser im zorn waren geplündert worn. aller hausrat war hin, betgwant, silber und zin, kleider und die barschaft der ganzen burgerschaft; dergleich gemeine stat war an irem vorrat beraubt samt aller schetz. erst sach ich, das all pletz und gaßn vol burger lagen, erschoßen und erschlagen, im blut gewelzt ir leiber, darbei töchter und weiber saßen in großer schar, rauften ir eigen har, wanden vor leid ir hent. ir vil waren geschent an ir weiblichen er von dem unzüchting her. Genius sprach zu mir: nun wil ich zeigen dir auch das gewaltig her, das mit blutiger wer die lantschaft hat verhert, schlößer und stet umbkert, was sie für wert und lon auch entpfangen darvon. schnell mit mir Genius durch die wolken hin schuß über ein weites felt; das stunt voller gezelt, und darumb cirkelrunt ein wagnburg gschloßen stunt; da lag die blutig rot an der ert in dem kot, sam lebendig begraben in irn hüttn gleich den raben, ganz wetterfarb und hager, hungerig, dürr und mager, ire kleider zerrißen, erfaulet und zerschlißen; bei der nacht sie erfruren, beim tag hart peinigt wuren von sonnen, hitz und staub, macht sie ganz mat und taub regen und ungewitter, der kalte wint war bitter, die leus in naßem kleit teten auch vil zu leit. oft wart gesperrt das lant, bracht mangel an provant; derhalb alter und junger must leiden großen hunger. wenn sie dann heten wol, warens denn gar stutvol, fraßens fleisch hinein gar, das kaum halb gsotten war. durch so unornlich leben tet sich bei in begeben, das ir vil waren krank; umb sie war groß gestank, sie heten breun und rur, vil ir begraben wur; kein ru tetens auch haben mit schanzen und mit graben, mit tagwach und schiltwachen und andern kriegessachen; der pfenningmeister gar oft zu lang außen war; vil loffen auf die beut, zaltens oft mit der heut; vil auch durch armut kamen, das sie den freunden namen; die henkt man dann an galgen. o wie sach ich ein balgen, ein gotlestern und schwern, das niemant kunt erwern! auf dem umbplatz vil ringer lagen vil hent und finger; on zal ir wurden wunt, die man oft schlecht verbunt, das ser vil krüppel gab. ich sach von oben ab, wie sie litten zumal vom feint groß überfal; auch kamen vom scharmützel ir oft herwider lützel; auch zeigt er mir von ferren in eim zelt die kriegsherren; teten vil anschleg machen, felten doch in vil sachen, des war in heimlich bang. der krieg verzog sich lang, das lant gar zu gewinnen. oft tet in gelts zerrinnen, bei all iren aufsetzen, der undertanen schetzen. denn tet der krieg sie dringen, eilent gelt aufzubringen; musten zu underpfant versetzn ir eigen lant; ir kleinot und credenz gieng auch dahin behenz. iezt felt pulver, dann blei und ander municei; dem reising zeug gebrach füttrung und obedach. das waßer mancher zeit dem leger war zu weit; oft wart provant verlegt, der lerman sie erschreckt; klag kam abent und morgen; auch mustens hart besorgen, in würt heimlich vergeben, ander aufsetz darneben. auch fürchtens mancherlei aufrur und meuterei in irem eignen her; auch ereignet sich mer untreu irer amptleut; ir vil trugen schalksheut; auch war ir kuntschaft schlecht, oft falsch und ungerecht; auch wurt in hin und wider vil post geworfen nider; dardurch kam an den tag ir heimlicher anschlag. von in fielen auch ab etlich stet, sich begab, ir buntgnoßn wurden gweltigt, not, angst wurt manigfeltigt. ir lant und fürstlich gnad stunt als auf dem glückrad; der feint auch auf sie zug, das leger an sie schlug, beid teil zu tun ein schlacht; wurden ordnung gemacht, beide zu fuß und ros. abgieng das feldgeschos, das gleich das ertrich kracht; nach dem gieng an die schlacht, vom gschütz war ein getös, von rossen ein gestös, ein stechen unde hauen. in dem da tet ich schauen, das ein her sieglos floch, der ander hauf abzoch. Genius ließ mich sehen, balt die schlacht war geschehen, die walstat diser wiesen sach ich mit blute fliesen. da große haufen lagn erstochen und erschlagn; eins teils lagen totwunt, echzten noch mit dem munt, eins teils hört ich laut jemmern seufzen und kleglich wemmern und nach dem tode schreien, aus engsten sie zu freien. Genius zeigt herab, wie man auch urlaub gab dem ganzen hellen haufen. ach wie sach ich ein laufen, beide von jung und alt, des solt nicht gar bezalt! derhalb die straßen schlecht lag gar vol kranker knecht. ir vil sach wir gefangen, auch an den baumen hangen, ir vil die baurn erschlugn; ganz ellent sie heimzugn, wan der tausent teil gleich nit heim kam gsunt und reich; der meist teil kam zu haus erger, dan er zog aus, vol laster und untugent. also die blüent jugent im krieg verdorben war, das ir anhangt vil jar. Genius sprach zu mir: sag an, gsell, wie gfelt dir der krieg und die kriegsleut, sein art, frucht, lon und beut? ich antwort im gar klug: des kriegs hab ich genug; dieweil ich hab mein leben, so wil ich mich begeben in kein krieg nimmermer, weil er on nutz und er handelt, allein mit schaden wirt lant und leut beladen, welche der krieg tut rüren, samt denen, die in füren; derhalb den krieg ich sag ein lauter straf und plag, des gar sol müßig gan ober und undertan. da antwort Genius und sprach: gesell, man muß des feindes sich oft weren, der wider recht und eren bekümmert leut und lant; alda mit teurer hant wert man sich recht und billich, da solt du auch gutwillich deim vatterlant beistan als ein erlicher man; dran setze leib und blut, kraft, macht, gwalt unde gut, dein vatterlant zu retten, als auch die alten tetten, das frid und ru im wachs, spricht von Nürnberg Hans Sachs. Anno salutis 1546, am 24. tag Octobris. Schwank: Eulenspiegels disputation mit einem bischof ob dem brillenmachen Eulenspiegel etwan vor jaren, in aller schalkheit wol erfaren, loff in eim winter über felt, het schlechte kleider und kein gelt; in dem da sach er dort von weiten ein reising zeug gegen im reiten. dasselbige ein bischof war; derselbige wolt gen Worms dar, alda solt werden ein reichstag, und mancher fürste darzu lag, solten betrachten gmeinen nutz, römischem reich zu hilf und schutz, das auf dißmal vil anstöß het. als er im nun begegnen tet, Eulenspiegel tet ab sein hut und neigt sich gen dem bischof gut; der hielt, sach Eulenspiegel an, merkt wol, das er war ein fatzman, dacht im: ich hört bei allen tagen, kinder und narrn die warheit sagen, ich will gleich disen reden an, der wirt mir gar balt sagen tan, was das gschrei ist von fürstn und hern bei dem gmein man nahet und fern. Und sprach: gut gsell, wann her so schwint, so übel kleidt in schne und wint? du solt bleibn under dem obdach. Eulenspiegel hinwider sprach: gnediger herr, ich muß wol wandern von einem lande zu dem andern meim hantwerk nach durch Poln und Preußn, durch Hungern, Behem, Sachsn und Reußn, Frankreich, Schotten und Engellant, durch Niderlant, Hollant, Brabant, den Reinstrom, Frankn, Beiern und Schwaben, kunt doch nirgent kein arbeit haben nun daling in das dritte jar, so bös ist iezt mein hantwerk gar. Der bischof fraget wider her, was hantwerks Eulenspiegel wer, das so unwert wer in der welt. Eulenspiegel herwider melt: gnediger herr, ein brillenmacher; das ist meins laufens ein ursacher, drumb ich kein arbeit überkum. Der bischof antwort widerumb: wie kan das sein? und tet sein lachen, ich denk vürwar, das brillenmachen sei iezt vil beßer den vor jarn, weil wir im teglichen erfarn haben, das ganz menschlich natur wirt schwecher und brechlicher nur und nimt an allen kreften ab; derhalb darfs wol steuer und lab, voraus das blöd menschlich gesicht, das denn durch die brillen geschicht; derhalb ist brillenmachen wert, weil auch iezunt auf ganzer ert die leien lesen also vil, schier ieder doctor werden wil und in der schrift umbfantasieren, wil mit den geistling disputieren und sie auch in die bücher jagen, derhalb darf ich für warheit sagen, das man iezt mer list den vor jaren, weil die leien einfeltig waren, mit den glerten nit conversierten, die auch dest weniger studierten, ließen die bücher auch mit ru. das sint merklicher ursach zwu, das brillenmachen werter ist den vor jaren zu keiner frist, ich glaub noch, die schult wert dein wern, du seist faul und arbeitst nit gern, streunst lieber umb so weit und ferr. Nein, bei meim eit, gnediger herr, ich wil euch die sach baß erklern, das ir mir werdet glauben gern. solt mein hantwerk nit sein verdorben? from geistlich leut sind fast all gstorben, die vil lasen in heilger schrift und leschten aus der ketzer gift, suchten allein die gottes er und die liebe irs nechsten mer, dan iren eigen rum und nutz, on allen neit, zoren und trutz; die sint fast all gen himel gfarn und iezunt vil brillen erfparn; die alten pfaffen, so noch leben, und die alten münich darneben haben ir horas und gebet so lang getriben frü und spet, das sie es als können auswendig, dörfen keiner brillen beihendig, dergleich der jungen münich haufen, so iezt aus den klösteren laufen und hin und wider hantwerk lern, und sich wie ander leien nern, die dörfen auch der brillen nicht, darumb mein hantwerk ist entwicht, dergleichen auch fürsten und hern in teutfch landen weit unde fern nutzen iezt auch kein brillen nicht. Der bischof sprach: mich des bericht, warumb dörfens der brillen nit? Er antwort: sie haben den sit, das sie nur durch die finger sehen. Der bischof sprach: wie mag das gschehen? die fürsten haben groß hofgsint, auch sint ir amptleut runt und schwint, durchtriben, aller schalkheit vol, drumb dörfens scharpfer brillen wol, das sie baß drauf sehen, glaub ich, e die katz würt ir bestes vich; drumb tu mir solches baß erklern. Eulenspiegel antwort: gar gern. gnediger herr, secht! im Teutschlant get raub, gefengnus, mort und brant wider all recht und billichkeit iezunt im schwank ein lange zeit durch heimlich practik und bös tück gar mannich tyrannischer stück, welches den meisten teil auch get über die burger und reichstet. solch unrecht soltn die fürsten wern und understen bei iren ern und dem römischen reich beisten, es nit laßen zu trümmern gen. so sitzn die fürsten stil mit ru und sehen durch die finger zu, derhalb dörfens keinr brillen nicht, zu behalten ein gut gesicht, wie vor die alten fürsten heten, die ir lant sauber halten teten und schauten scharpf auf alle straß, und wo ein lantfridbrecher was, der aufrürisch wart in dem lant, den tetens mit gwaltiger hant hertreiben und teten in stillen; da warn in hohem wert die brillen, gar köstlich da mein hantwerk was, weil iederman noch nutzet das; iezt ist es worden gar unwert bei geistling und weltling auf ert, das mir wer bei meim hantwerk not, das ich schier eß das bettelbrot. Der bischof lachet, frölich sprach: gut gsell, kom gen Wormes hernach und iß zu hof, frei unbeschwert, so lang und diser reichstag wert, wan es wirt drauf von fürstn und herrn, hoff, etwas guts beschloßen wern, auf das im Teutschlant beßer ste, und dein hantwerk von statten ge, das du auch komst zu er und gut. der bischof mit frölichem mut rucket mit seinem zeug dahin und dacht heimlich in seinem sin: weiß der gmein man von disen tücken, das wir heimlich teten verdrücken als mit geferbtem guten schein, vermeinten, es solt heimlich sein, so ist es warlich hohe zeit, das wir unschult und grechtigkeit in dem verdrückten teutschen lant hilf reichen mit gerechter hant, das uns kein unrat daraus wachs. got wöll, das balt gschech, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1554., am 29. tage Augusti. Ein gesprech mit dem faulen Lenzen, welcher ein hauptman des großen faulen haufen ist Eins tags im Maien heuer gieng ich durch abenteuer hinaus gen Erlenstegen; da kam mir underwegen geritten ein hauptman, der sach mich schlefrig an, auf einem esel saß, ein küss sein sattel was, vol stro hieng har und bart, sach ganz dusmiger art, sein rock vol federn hieng, der fragt mich, wann ich gieng. Ich sagt: von Nürnberg her. Da fragt mich wider er, ob er möcht knecht auftreiben, willens wer er, zu schreiben ein fenlein oder zwei von leuten allerlei, wie ers möcht kommen an, beide frau unde man, herren, meit unde knecht, auch allerlei geschlecht, münich, nunnen und pfaffen, jung, alt, schön und ungschaffen, arm, reich, nahet und ferr. Ich sprach: wer ist dein herr? Er sprach: ich bin der man. Ich fragt: wer bist? sag an. Er antwort mir behenz: wiß, ich bin der faul Lenz, der alle arbeit scheucht und in dem lant umbzeucht, und schreib leut, die mir dienen. in dem wart er aufgienen. Ich fragt: was wilt du ir? Er sprach: sie müßen mir den sommer helfen schwürmen, den fauln berg helfen stürmen, der hinter Pfingsten leit. Ich sprach; sag, welche zeit du ligen wirst zu felt. Drei monat lang, er melt, den brachmon und heumon, den Augstmon ich auch hon. Ich sprach: zeig den begrif in deim artikel brief. Er sprach: du fragst zu vil, doch ich nit bergen wil, ob ich dich möcht erschleichen: erstlich müßen die reichen die drei monat spaziern in gerten und meiiern, schalatzen, reitn und farn, im wiltbad nichtsen sparn, lust, ru und schatten suchen, irs handels nichts geruchen, er nem ab oder zu. das geistlich volk sucht ru, sol nit zu vil studirn, das es nit schad dem hirn, sonder im bet tu schwitzen und auf dem polster sitzen und ob den büchern natzen, recht wie die klosterkatzen. die hantwerksleut die sollen leben in allem vollen, sollen frü schlafen gan, morgens langsam aufstan, alsbalt gen auf ein suppen, darzu das fleschlein luppen, denn gen am seumark um, biß der mittag herkum, als denn sich füllen wider, darauf sich legen nider, rastn ein par stüntlein drauf, denn faren wider auf, faulenzen hin und her, erfaren neue mer, oder gen zu dem wein, sich füllen wie die schwein die ganz wochen durchaus. keiner fragt nach seim haus oder seiner werkstat, biß drei monat vergat. dergleich sollen die bauren die drei monat on trauren fliehen den sonnenschein und ligen bei dem wein, auf alle kirchweih laufen, sich vol freßen und saufen. aber die knecht und gselln, welche nur dienen wölln, sollen all montag feiern, drauß vor dem tor umbleiern, nach mittag spiln und zern, am mittwoch heimwerts kern, darnach unfleißig neen, schmiden, feilen und dreen, malen, weben und bachen, zwen tag ein tagwerk machen, weng arbeiten, vil schlafen. wenns der meister wil strafen, sollns wandern und aufsten, ein tag zwo meile gen, kleider verzern, verkaufen und denn in krieg hin laufen. umb die weiber und meit hats auch ein andern bscheit: müßen langsam aufsten, zottet, unlüstig gen und nach den flöhen fischen, die zen ans hemmat wischen, am schlappermark sten schwatzen und ob dem rocken natzen, drei tag ein spulen spinnen, das kraut an laßen brinnen, die suppen überlaufen, heimlich meucheln und saufen, unlüstig spüln und kochen, nit kern die ganzen wochen, nichts waschen überal, in drei tagn bettn einmal. so hab ich überlaufen die stück des faulen haufen, des sie mir müßen schwern, unders fenlein zu mern faulkeit in heißen tagen. der faulst wirts fenlein tragen; all, so arbeiten gern, all ausgemustert wern. Ich sprach: wo wirst du bleibn zu herberg, dein knecht schreibn? wohin solln dir mit haufen jung unde alt nachlaufen? Er sprach: dauß zu Schweinau, dahin kom man und frau, beide knecht und hausmeit, da findens gelt und bscheit. Ich fragt: von wann bist du? Er antwort mir: hör zu, ich bin vom bettelberg, da ich all die herberg, die mit mir ziehen ummer den winter zu dem summer etwan vil mannich jar; da zal ich offenbar, was ieder selbs erwarb, das kleit ist mangelfarb, da mögens zu fuß traben und eßen, wenn sies haben, legen ein gruten arm auf ein hungrigen darm; in einem ströen bet da schlafens in die wett. dise freiheit sie hon zu einer provision forthin ir lebenlang; sie sint alt oder krank, müßens mit mir faulenzen, dem faulen haufen schwenzen, stürmen den faulen berg, spricht Hans Sachs zu Nürnberg. Anno salutis 1547., am 21. tage Aprilis. Klag dreier frauen über ir hausmeit Weil ich noch war ein junger knab, eins morgens ich gehöret hab in der kirchen am liechtmesstag von dreien frauen große klag; stunden under dem glockenturn, und alle drei fast klagen wurn über ir hausmeit in dem haus. Die erst fur grell mit worten raus: ich hab ein meit, die ist stutfaul, die zotten henken ir ins maul, sie tut stet ob dem rocken natzen und bei dem feuer wie die katzen, sie ist der aller größt unlust, und auch der schlüchtischt suppenwust, hat mir nun pfercht in suppenhafen. an ir hilft gar kein zucht noch strafen, tut am tisch nach den flöhen fischen, oft auf ein mal ein par erwischen, get daher rußig und besudelt, in kleidern blöd und gar zerhudelt, ir hent weiß als der ofenhert, in der kuchen ligt an der ert hefen und pfannen ungespült, sam hab ein sau darin gewült, hefen und krüg sie mir zerbricht, hat kein acht auf kein arbeit nicht; um ir schlüchtisch unornlichs leben so wil ich ir heut urlaub geben. Die ander sprach: ach das herzleit! ich hab gleich auch ein solche meit, wolt euch wol ein lied von ir singen; frü kan ichs aus dem bet nit bringen, ists ein waßer ins gießfaß tan, drei wochen leßt sies darin stan, die stuben kerts nur oben hin und schütt das under dstiegen hin. das fleisch leßts ungefeimet sten, die erbeiß erstarrn und übrgen, kitzgrau sint all ir seifenwesch, mit keiner arbeit ist sie resch; ich muß sie hert und fest antreiben, es sei mit fegen oder reiben; sie selb ligt all nacht ungebett, all wort sie mir herwider redt, wenn ich sie schick umb etwas aus, so schwatzet sie denn aus dem haus und leugt auch dreimal mer darzu, bringt neue mer auch spat und fru. dasselb tut sie doch als auf laugen, schwert mir oft ein ding aus den augen, richt an bein nachbaurn vil gezenk, braucht vil listiger tück und renk; mich dunket, sie sei nit gar treu, derhalb hab ich vor ir ein scheu. drum wil ichs für den ars heut schlagen mit der tür, und zum haus ausjagen. Da sprach die drit frau zu der andern: so muß mein meit heut auch mit wandern, sie kan gleich heur als vil als fert, mit arbeit ist sie nichtsen wert, wenn sie het zu schlafen und freßen! und ist so ganz und gar vergeßen, wenn ich sie schick nach etwas aus, so komts ungschafft wider zu haus. das feist sie von den suppen nascht, und was sie ergreift und erhascht, das ist uns abgetragen als, das verfrißt sie denn in den hals. sie hat den meuchler über tag und laugnet mir als, was ich sag; doch kan sie sich gar wol aufsprenzen, lauft auch zu allen bubentenzen und hat vil gficks mit jungen knaben. drumb sol sie heut auch urlaub haben. Der beschluß Also die frauen mancherlei klagten über ir meit all drei, nit weiß ich, war es alles war, bhieltens ie noch all drei ein jar in irem dienste wie vorhin. derhalb ich wol gedenken bin, das die sach nit so heftig was, weil ein alt sprichwort saget das: wenn ein frau sonst nichts weiß zu sagen, so tuts über ir hausmeit klagen; dergleich klagen die hausmeit auch. das ist ein alt gemeiner brauch hie und dergleich jenseit des bachs. ein gute nacht wünscht uns Hans Sachs. Anno salutis 1555., am 26. tag Januarij. Schwank: das unhulden bannen Zu Langenau im Schwabenlant ein bauer saß, Claus Ott genant, der zumal aberglaubig was, den alten unhulden zumas, was unglücks im zustunt auf ert. wart etwan im hinkent ein pfert, oder tet im ein ku verseihen, so tet ers als die truten zeihen und war in auch von herzen feint, an in zu rechen sich vermeint, wenn er nur west, welch truten wern; darumb wolt er sie kennen gern. eins mals an einem pfinztag spat ein farent schulr zu im eintrat, wie sie denn umbgiengen vor jarn und lauter baurenbscheißer warn. der sagt her große wunderwerk, wie er kem aus dem Venusberk, wer ein meister der schwarzen kunst, macht dem bauren ein blaben dunst. der fieng an, übert hexen klagt, wie er in so feint wer, und sagt, er wolt sich geren an in rechen. da wart der farent schuler sprechen: mein freunt, ich kan dich gar wol lern, das du mögst bannen und beschwern all unhulden im ganzen lant, das sie zusam kommen allsant, das du sie all magst zeln und sehen. der bauer tet zum schuler jehen: ein gulden gib ich dir zu lon, lerst michs zsam bringen auf ein plon. er sprach: ja, ich dichs leren wil; iedoch es ist kein kinderspil, ob in der sach mislünge dir, so darfst du kein schult geben mir; es ist mit den unhulden gferlich. der bauer sprach: ich wil gewerlich mit umbgen, drumb fah die kunst an. er sprach: so nim zu dir zwen man und ge mit in naus für den walt, da im felt stet die eichen alt, gleich bei der drifachen wegscheid, da solt du haben und sie beid ieder in der hant ein bloß schwert, und machet ein kreiß an der ert, etwan auf dreißig klafter weit, umb dise eichen groß und breit. nach dem so schürt ein großes feur in den kreiß zu der abenteur und lauft darumb dreimal ringwerz und werft ins feuer ein kalbsherz, das neulich hast gestochen du, sprich disen segen auch darzu: venite, ir unhuldibus, bringt prügel her uns stultibus, die semper mit uns spendibus sub capite et lendibus! schau, wenn ir das habt dreimal gsprochen, so kommen aus dem walt mit pochen die unhuldn und umb den kreiß rennen, das ir sie mögt persönlich kennen. denn sprecht den segen widerumb, das kein ungwitter übr euch kum; doch wo ir felet an dem ort an dem segen ein einigs wort, so wirt der teufel unverholn zu euch werfen feurige koln, und die unhulden wern on scheuch ein ungwitter machn über euch und euch vor engsten machen heiß, doch bleibet all drei in dem kreiß; wo sich einer daraus wirt geben, so wirt es kosten im sein leben, das sag ich dir vor aller maßen, drumb magst du es tun oder laßen. der bauer sprach: ich wil es wagen, hab mich wol vor mit dreien gschlagen, bin von in kommen unbeschedigt, werd etwan von den hexn erledigt. sag, welch zeit muß wir heint naus gen, ich und darzu die andern zwen? er sprach: gleich heint zu mitternacht get naus und dise kunst anfacht. hin gieng der bauer und war fro. der farent schuler sich aldo auf dise abenteur besan, zu effen disen bauersman, gieng im dorf nachts int rockenstubn und bestellet im neun rosbubn, bericht sie, was sie solten ton. die legten frauenkleider on, als weren sie unhulden alt; fürt sie mit im naus in den walt. ieder tet im drei prügel hauen, die abenteuer helfen bauen, warten da auf des schulers bscheit. der schlich von in zu der wegscheit und oben auf die eichen sas, das er mocht sehen alles das, und ein kolscherben bei im het. als nun der bauer kommen tet mit zwen nachbaurn um mitternacht, und der kreiß von in wurt gemacht mit bloßen schwertern umb die eichen, der wol dreißg klafter weit tet reichen. nach dem schürten sie ungeheuer mitten im kreiß ein großes feuer, nach dem loffen die bauren tumb drei mal umb das feuer herumb und warfen drein das herz vom kalb, sprachen den segen, doch kaum halb. als die rosbubn das feuer groß ersahen, das war gleich ir loß, zu hant sie aus dem walde schlichen und umb den kreiß hin und her tichen mit einem ungestümen wesen, mit rocken, gabel und mit besen, mit schaufel, rechn und ofenkruckn. forchtsam tetn sich die bauren schmuckn. nun schin der man so überhell, das man sach und hört ir geschell; sie heten umb den kreiß ir tanzen und machten gar selzam kramanzen. die drei bauren erschrocken wasen, des segen sprechens gar vergasen und zitterten im kreiß allsam; der schuler sein kolscherben nam, warf in rab under die drei bauren. erst wurden gar verzagt die lauren, meinten, der teufel het die koln rab gworfen und würt sie all holn. balt die kolen int höch aufstuben, die truten zu werfen anhuben mit prügeln zu in in den kreiß. den dreien war vor sorgen heiß, im kreiß sich hin und wider schmugen, trafen sie oft, das sie sich bugen, umb bein und lend, auch umb die köpf, das sie sich drehten wie die töpf, noch dorft ir keiner aus dem kreiß; Claus Ott vor angst int hosen scheiß. als die unhulden verwarfen gar ir prügel, loffens wider dar zerstreuet hinein in den walt. fro waren die drei bauren alt, trolten balt aus dem kreiß hinaus und kamen hinkent heim zu haus mit beulen, schwarz und blaben flecken von der hexen prügel und stecken; iedoch so dorft ir keiner klagen, in dreien tagen darvon sagen, und verschwurn bei treu, eit und er, forthin zu bannen nimmermer die hexen oder die unhulden. so mußten sie all drei gedulden, zu der schlappen leiden den spot von der anderen bauren rot, wan die rosbuben nach den tagen die teten allen menschen sagen, wie alle sach sich het verloffen, und wurt ir schad mit schanden offen. der farent schuler nam sein lon des morgens frü und zog darvon. Der beschluß So wirt noch mancher man betrogen und bei der nasen umbher zogen von landfarern und zauberern, die sich großer kunst rümen gern, und ist doch solch ir zauberei ein blaber dunst und fantasei, auch als erlogen und erdicht, wie man denn solches teglich sicht. aus dem folget vil ungemachs: hüt dich vor den, ret dir Hans Sachs. Anno salutis 1556., am 10. tage Januarij. Gesprech: Sanct Peter mit den lantsknechten Neun armer lantsknecht zogen aus und garteten von haus zu haus, dieweil kein krieg im lande was; eins morgens da trug sie ir straß hinauf biß für das himeltor; da klopften sie auch an darvor, wolten auch in dem himel garten. Sanct Peter tet der pforten warten; als er die lantsknecht darvor sach, wie balt er zu dem herren sprach: herr, draußen stet ein arme rot, laß sie herein, es tut in not, sie wolten geren hinnen garten. Der herr sprach: laß sie draußen warten. Als nun die lantsknecht musten harren, fiengens an zu fluchen und scharren: marter, leiden und sacrament! Sanct Peter diser flüch nit kent, meint, sie redten von geistling dingen, gedacht in himel sie zu bringen und sprach: o lieber herre mein, ich bitte dich, laß sie herein, nie frömmer leut hab ich gesehen. Da tet der herr hinwider jehen: o Petre, du kenst ir nit recht, ich merk wol, das es sint lantsknecht; solten wol mit mutwilling sachen den himel uns zu enge machen. Sanct Peter der bat aber mer: herr, laß sie herein durch dein er. Der herr sprach: du magsts laßen rein, du must mit in behangen sein; schau, wie dus wider bringst hinaus. sanct Peter war fro überaus und ließ die frommen lantsknecht ein. Balt sie in himel kamen nein, gartens herum bei aller welt, und balt sie zsam brachten das gelt, knockten sie nider auf ein plan und fiengen zu umbschanzen an, und e ein vierteil stunt vergieng, ein hader sich bei in anfieng von wegen einer umbeschanz, so wurden sie entrüstet ganz, zuckten von leder allesamen und hauten da mit kreften zsamen, jagten einander hin und wider in dem himel auf und auch nider. Sanct Peter diesen strauß vernum, kam, zant die lantsknecht an darum, sprach: wolt ir in dem himel balgen, hebt euch hinaus an liechten galgen! Die lantsknecht in tückisch ansahen und teten auf sanct Peter schlahen, Das in sanct Peter must entlaufn, zum herren kam mit echzn und schnaufn und klagt im über die lantsknecht. Der herr sprach: dir gschicht nit unrecht. hab ich dir nit gesaget heut: laß sie drauß, es sint freche leut!? Sanct Peter sprach: o herr, der ding verstunt ich nit, hilf, das ichs bring hinaus, soll mir ein witzung sein, das ich kein lantsknecht laß herein, weil sie sint so mutwillig leut. Der herr sprach: eim engel gebeut, das er ein trummel nem zuhant und für des himels pforten stant und einen lerman darvor schlag. sanct Peter tet nach seiner sag. balt der engel den lerman schlug, loffen die lantsknecht on verzug eilent aus durch das himeltor, meinten, ein lerman wer darvor. Sanct Peter bschloß die himelpforten, versperrt die lantsknecht an den orten, das seit keiner hinein ist kummen, weil sanct Peter mit in tet brummen. doch nemt auf schwankweis diß gedicht, wie Hans Sachs on als arges spricht. Anno salutis 1556, am 19. tag May. Schwank: Der teufel leßt kein lantsknecht mer in die helle faren Eins tags an einem abent spat da het der Lucifer ein rat unden in seinem reich, der hellen, und saget da zu sein gesellen: man sagt, es sei in teutschen landen gar ein böses volk auferstanden, welche man nennet die lantsknecht, o, der mir ir ein dutzet brecht, das ich nur sech, was für leut wern! man saget, sie fasten nit gern, sie sint lieber allezeit vol, mit schlemmen, praßen sei in wol, achten sich betens auch nit vil, sonder, sagt man, wie ob dem spil sie übel fluchn und balgn darneben, auch wie sie nit vil almus geben, sonder laufen selb auf der gart, eßen oft übl und ligen hart; doch dienen sie gern allezeit eim kriegsherren, der in gelt geit, er hab geleich recht oder nit, da bekümmern sie sich nit mit. nun, Belzebock, far hin, mein knecht, zu dem handel wirst du gleich recht; far obn auf ert in ein wirtshaus, darin die lantsknecht lebn im saus, und in der stuben dich verstell hinder den ofen, in die hell, und schau auf sie an allen orten, wo du mit werken oder worten ein lantsknecht mit fug kanst ertappen, so tu mit im gen helle sappen. bringst du ir ein par, so wil ich für all dein gsellen preisen dich und aus dir einen fürsten machen, dich brauchen zu erlichen sachen. zuhant der teufel Belzebock zog an sein unsichtigen rock und fur von hell in ein wirtshaus, da die lantsknecht lebten im saus, prasten und einander zusoffen. der teufel stelt sich hintern ofen, hört, wie die lantsknecht teten sagen, wies mit den feinden heten gschlagen, gestürmt, geraubet und gebrant in disem und in jenem lant, so große streich, das im fürwar gleich gen berg stunden all sein har; dacht heimlich von in zu entlaufen, doch het er acht auf ir zusaufen. an dreien tischen allenthalb brachtens einander ganz und halb, da einr dem glas nur gab ein schwung und soffs heraus auf einen schlung. der teufel tet sein list nit sparn, vermeint heimlich in ein zu farn, wan einer trünk so ungeschwungen; doch wurt im das auch underdrungen, wan sos einer eim bracht, allwegen sprach jener: das dirs got gesegen, so gsegnets jenem auch ein ander; solch gsegnen triben sie allsander. mit dem sie all gesegnet warn, das der teufl kunt in keinen farn. derhalb der teufel tet verharrn vergebns den abent gleich eim narrn. nun het under in ein kriegsman erschlagen einen alten han, den het er hindern ofen ghangen. als nun der tag schier war vergangen, sprach der lantsknecht zum wirt: mein gsell, ge hindern ofen in die hell und balt den armen teufel nem, rupf und laß braten in! nach dem wöll wir in freßen und zerreißen; tet darmit hindern ofen weisen auf den hangenden toten han. als der wirt der hell zu wart gan, wolt den han von dem nagel schnappen, meint der teufel, wolt nach im tappen, in rupfn und den lantsknechten bratn. da tet er sich nit lang beratn und stieß ein ofenkachel aus und fur zum ofenloch hinaus und kam mit ser großem geschell widerum hinab für die hell und klopft mit großem brummen an; und als man im nun het auftan, fragt der Lucifer: bringst du keinen? Belzebock sprach: ja wol, nit einen! ich bin entrunnen in mit not, es ist die aller wildest rot, man heißt sie die frommen lantsknecht, man tut in aber ie unrecht, wan ich mag auf mein warheit jehen, wilder leut hab ich nie gesehen, ir kleider auf den wiltsten sitten zerflamt, zerhauen und zerschnitten, eins teils ir schenkel blecken teten, die andern groß, weit hosen heten, die in biß auf die füß rab hiengen, wie die gehosten tauber giengen, ir angsicht schrammt und knebelbartet, auf das aller wildest geartet, in summa wüst aller gestalt, wie man vor jarn uns teufel malt. sie brachten einander umbschanz, im hui wurdens entrüstet ganz, balgten und haueten zusam einander beide krumb und lam, fluchten darzu so unbescheiden, als ob sie wern türken und heiden. in meinem sin so dauchte mich, sie weren vil wilder dan ich; derhalb dorft ich ir kein angreifen, stunt und mußt einziehen mein pfeifen. da sprach zu im der Lucifer: ei, du soltst ein bracht haben her, wir wolten in balt heimlich machen. der teufel antwort zu den sachen: hörst du nit, ich forcht mich vor in, mit gwalt einen zu füren hin, tet aber sonst kein list nit sparn, ich dacht etwan in ein zu farn, wenn sie an einander zutrunken; das mocht auch nit sein nach meim dunken, wenns einr eim bracht, sprach: ich kum zuder; ei gsegn dirs got, mein lieber bruder, sprach der ander. so sie es habent einander gsegnt den ganzen abent, das ich gar nichts ausrichten kunt, wie ein narr hinderm ofen stunt. nit weiß ich, wie der lantsknecht schar mein hinderm ofen wurt gewar. ein lantsknecht sprach zum wirt: verste, wirt, balt hinder den ofen ge, nim den armen teufel ungraten, rupf den und tu in darnach braten. der wirt dem ofen tet zu gon, da fur ich durch den ofen darvon, sie hetten mich sonst gwürgt und grupft, gebrüt, mein zotten ausgezupft, hetten mich braten, darnach gfreßen. derhalb kan ich gar nit ermeßen, das uns nütz wer der lantsknecht meng, sie machtn uns wol die hell zu eng; sie sint mutwillig, ungerüg, frech, ungestüm und ungefüg; derhalb wer mein rat (tu versten), wöllst der lantsknecht gar müßig gen, es ist kein war in unsern kram, sie freßen uns wol allesam. unser keinr sicher bei in wer. da antwort im der Lucifer: mein Belzebock, und ist das war, so wöllen wir forthin fürwar nimmermer nach keim lantsknecht fragen, sonder wölln uns wie vor betragen der spiler, gotslestrer, weinzecher, der buler, hurer und ebrecher, wuchrer, dieb, mörder und straßrauber; auch wöllen wir aufklauben sauber die lantfridbrecher und mortbrenner, verreter und all schedlich menner, münzfelscher und falsche juristen und darzu all unglaublos christen, verstockt, die nit buß wöllen würken, juden, ketzer, heiden und türken, gotlos münich, nunnen und pfaffen, die wöll wir umb ir unzucht straffen. auf das kein unrat uns erwachs von den lantsknechten, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1555, am 10. tag Octobris. Die halb rosdeck Es ligt ein stat im Niderlant, dieselbig ist Antorf genant, darin ein reicher kaufman saß, het ein handel groß übermaß, der het einen einigen sun, und als der kam zu jaren nun, er im eins burgers tochter gab und darzu groß reichtum und hab. der sun der trib auch kaufmanshandel und fürt gar ein prechtigen wandel; bei dem vatter anhielt dermaßen, er solt von seinem handel laßen, wan er wer nun ein verlebt man, der iezt billich sein ru solt han, solt schaffen im ein herrenleben, solt hab und gut im übergeben; er wolt in halten wol und erlich sein leben lang reichlich und herlich, in seinem haus zu bet und tisch möcht leben er frölich und frisch, gen kirchen gen und dienen got, und sich so gut und wol erbot, das im der vatter übergab sein handel, reichtum, gut und hab und kam zu dem sun in das haus. der hielt in erlich überaus erstlichen auf ein ganzes jar, und wenn der sun ausreisen war, gab er dem vatter in die hent mitler zeit das hausregiment. so tet der alt denn treulich schauen auf die schnur, seines sunes frauen, tet sie was, sprach er: tochter mein, sollichs und sollichs sol nicht sein, so und so muß man halten haus. sollichs verdroß sie überaus; dergleich schaut er auf meit und knecht, und wo ir eines tet unrecht, straft ers mit worten scharpf und hart. das hausgsint im abgünstig wart, und wart im als neidig und gram und setzt im zu on alle scham; also der alt gehaßet wur von dem hausgsint und von der schnur. als etlich zeit verloffen war, kam er auf das siebenzigst jar, derhalb gar an dem leib abnam, an gsicht und gehör allensam, auch wart er hustent und ser kretzig; erst wurdens im alle aufsetzig und hofften allein auf sein tot, da hub sich an sein angst und not. des sunes jung und stolze frauen wart gar ser ob dem alten grauen, klagt, er erleidet ir am tisch gemüs, wiltpret, vögel und fisch, richt beim sun an so vil zu letzt, das man in zun ehalten setzt. das tet heimlich gar we dem alten, das er mußt eßn mit den ehalten, iedoch so dorft er nichtsen jehen; er het die schanz vor übersehen. entlich klagt knecht und meit, wie er so rotzig und unlüstig wer, wenn er mit in zu tisch wer gseßen, wolten auch nit mer mit im eßen. der sun war auch ein stolzer man, nam sich seins vatters nit ser an, weil er im leben wolt zu lang, wie er im verhieß im anfang, und leget sein vatter allein undert stieg in ein kemmerlein, darin er tag und nacht must bleibn, sein zeit armutselig vertreibn. da wart es im ser gnau gemeßen mit ligerstat, trinken und eßen; schickt gleich der sun was guts dem altn, so warts gefreßn von den ehaltn; da wart er ellent und veracht. erst der alt im herzen betracht sein einfeltig große torheit, das er sein groß gut vor der zeit seim sun so gar het übergeben, und er müst iezt so ermlich leben, sam ob er wer der ermest man. den dingen kunt er nimmer tan und trug solliches mit gedult, dacht im, er het es auch verschult, das von im wer im handel worn auch manchem man zu gnau geschorn, het auch sunst laster und untugent etwan verbracht in seiner jugent. nun, sich begab in winters zeit, das es war kalt und het geschneit, da tet der frost dem alten we, er het kein kraft noch werme me; da bat er eins tags seinen sun, das er im doch solt geben tun ein pelz oder ein alte schaubn und auch ein alte rauche haubn, darmit des frosts sich zu erwern. der sun, vergeßen aller ern, kintlicher treu und aller zucht, unverstanden, verstockt, verrucht, der gieng hinab in den rosstal, aus dem trug er nauf in den sal ein rosdeck und berufet dar ein sünlein, das war alt fünf jar, demselben er die rosdeck gab und sprach zu im: so trag hinab deinem anherren die rosdecken, das er sich tu darunder strecken und wickel sich genau darein, vor kelt wirt er wol sicher sein. das kneblein nam die rosdeck an und breit sie nider auf den plan und dise rosdeck in der mit in zwei teil von einander schnit und den halb teil von der rosdecken tet es in ein winkel verstecken, den andern teil nach disen dingen wolt es nab seim anherren bringen. sein vatter stunt und sach im zu und sprach zum kneblein: was meinstu, das du die rosdeck in der mitten in zwei teil von einander gschnitten? das kneblein sprach: den halben teil den wil ich iezt bringen zu heil hinab meinem anherrn, dem alten, den andern teil hab ich behalten. der vatter sprach: was wilt mit ton? da fieng das kneblein wider on: wenn du einmal wirst krank und alt, das es auch schneiet und ist kalt, dich freust, wie meinen anherrn eben, so wil ich dir den halb teil geben, das du dich auch darunder streckest, dich darein wickelst und bedeckest, wie du hast meim anherren tan. der vatter diser red nach san des jungen knaben, weis und klug, und darvon in sich selber schlug, dacht: wie ich hab meim vatter ton, also wirts mir gleich eben gon mit mein kinden, wenn ich werd alt; und nam sein alten vatter balt, an seinen tisch in wider setzt, voriger hartsel in ergetzt samt seinem weib spat und auch fru und hielt auch sein hausgsint darzu, so lang biß das der alt verschid mit tot und ewig lebt im frid. Der beschluß Bei dieser selzamen geschicht da werden beide underricht die elteren und auch die kint: erstlich die eltern leren sint, das sie sollen bei irem leben ir gut den kindn nit übergeben, sonder in irer hant behalten, wan man balt urdrüz wirt der alten; wo sie kein nutz mer von in haben, woltens, sie weren schon begraben, müßn bei in eßn hartselig brot, leiden trübsal, stichred und spot von schnur, eiden und den ehalten, das stichet alles auf die alten, müßen sich erst hartselig schmigen, iederman undern füßen ligen; ir straf und red aus treuem mut helt in doch gar niemant für gut; nur ungunst darmit auf sich laden, zu vorkommen sollichen schaden, bhaltens in irer hant das schwert, wie das denn doctor Freidank lert. zum andern sollen hie die kinder leren und merken nit destminder, das sie ir eltern halten schon, von den sie gut und ere hon, die sie auch mit mü und arbeit erzogen haben lange zeit; des sollens widerumb die alten erlichen, wol und freuntlich halten mit alle dem, das sie vermügen, in hantreich und narung zufügen. darfür hat got verheißen eben den kinden im lant langes leben, wo aber die kinder die alten verechtlich und unerlich halten, bricht in got ab ir junges leben, tut weder glück noch heil in geben und gibet kein gedeihen nicht. Thales, der weise heide, spricht: wie wir unsr eltern ghalten hon, so wern uns unsre kinder thon; hab wirs gehaltn in treuem mut, so haltn uns auch unsr kint für gut, habn wir abr treu an in vergeßen, so wirt uns auch also gemeßen. also wert wir bei unsren kinden ein gleiche widergeltung finden. das kintlich treu grün, blü und wachs gegen den eltern, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1557. am 20. tage Augusti. Schwank: Sanct Peter mit der geiß Da noch auf erden gieng Christus, und auch mit im wandert Petrus, eins tags aus eim dorf mit im gieng, bei einr wegscheid Petrus anfieng: o herre got und meister mein, mich wundert ser der güte dein, weil du doch got allmechtig bist, leßt es doch gen zu aller frist in aller welt gleich wie es get, wie Habakuk sagt, der prophet: frevel und gewalt get für recht, der gotlos übervorteilt schlecht mit schalkheit den grechten und frommen, auch kan kein recht zu ende kommen. du leßts gen durch einander ser, eben gleich wie die fisch im mer, da immr einer den andrn verschlindt, der bös den guten überwindt, des stet es übl an allen enden, in obern und in nidern stenden, da sichst du zu und schweigst nur stil, sam kümmer dich die sach nit vil und ge dich eben glat nichts an; küntst doch als übel understan, nemst recht int hant die herschaft dein. o solt ich ein jar herrgot sein und solt den gwalt haben wie du, ich wolt anderst schauen darzu, fürn vil ein beßer regiment auf erderich durch alle stent; ich wolt steuern mit meiner hant wucher, betrug, krieg, raub und brant, ich wolt anrichten ein rüwig leben. der herr sprach: Petre, sag mir eben: meinst, du woltst ie beßer regieren, all ding auf ert baß ordinieren, die frommen schützn, die bösen plagen? sanct Peter tet hinwider sagen: ja, es müst in der welt baß sten, nit also durch einander gen; ich wolt wol beßre ordnung halten. der herr sprach: nun, so must verwalten, Petre, die götlich herschaft mein, heut den tag solt du herrgot sein; schaff und gebeut als, was du wilt, sei hart, streng, gütig oder milt, gib auf ert fluch oder den segen, gib schön wetter, wint oder regen, du magst strafen oder belonen, plagen, schützen oder verschonen, in summa, mein ganz regiment sei heut den tag in deiner hent. darmit reichet der herr sein stab Petro, den in sein hende gab. Petrus war des gar wolgemut, daucht sich der herlichkeit ser gut. in dem kam her ein armes weib, ganz dürr, mager und bleich von leib, barfuß in eim zerrißen kleit, die trib ir geiß hin auf die weit. da sie mit auf die wegscheid kam, sprach sie: ge hin in gottes nam, got bhüt und bschütz dich immerdar, das dir kein übel widerfar von wolfen oder ungewitter, wan ich kan warlich ie nit mitter, ich muß gen arbeitn das taglon, heint ich sonst nichts zu eßen hon daheim mit meinen kleinen kinden; nun ge hin, wo du weit magst finden, got der hüt dein mit seiner hent. mit dem die frau wider umbwent ins dorf; so gieng die geiß ir stras. der herr zu Petro sagen was: Petre, hast das gebet der armen gehört? du must dich ir erbarmen, weil ja den tag bist herrgot du, so steet dir auch billich zu, das du die geiß nemst in dein hut, wie sie von herzen bitten tut, und behüt sie den ganzen tag, das sie sich nicht verirr im hag, nit fall noch mög gestolen wern, noch sie zerreißen wolf noch bern, auf das den abent widerum die geiß heim unbeschedigt kum der armen frauen in ir haus; ge hin und richt die sach wol aus! Petrus nam nach des herren wort die geiß in sein hut an dem ort und trib sie an die weit hin dann. sich fieng sanct Peters unru an; die geiß war mutig, jung und frech und blibe gar nit in der nech, loff auf der weide hin und wider, stig ein berg auf, den andern nider und schloff hin und her durch die stauden, Petrus mit echzen, blasn und schnauden must immer nachtrollen der geiß, barhaupt. nun schin die sonn gar heiß, der schweiß über sein leib abran. mit unru verzert der alt man den tag biß auf den abent spat, machtlos, hellig, ganz müd und mat die geiß er widerumb heim bracht. der herr sach Petrum an und lacht, sprach: Petre, wilt mein regiment noch lenger bhaltn in deiner hent? Petrus sprach: lieber herre mein, nim wider hin den stabe dein und dein gwalt, ich beger mit nichten forthin dein ampt mer auszurichten; ich merk, das mein weisheit kaum töcht, das ich ein geiß regieren möcht mit großer angst, mü und arbeit; o herr, vergib mir mein torheit, ich wil fort der regierung dein weil ich leb nit mer reden ein. der herr sprach: Petre, dasselb tu, so lebst du stet mit stiller ru, und vertrau mir in meine hent das allmechtige regiment. Der beschluß Dise fabel ist von den alten uns zu vermanung fürgehalten, das der mensch hie in diser zeit gottes unerforschlich weisheit und sein allmechtigen gewalt, wie er himel und ert erhalt und die verborgenlich regier, nach seinem willen ordinier alle geschöpf und creatur als der allmechtig schöpfer pur, im allein sag lob, preis und er und forsch darnach nit weiter mer aus fürwitz, mutwillig und frech, warumb diß oder jens geschech, warum got solch übel verheng, sein straf verziech biß in die leng, und die bosheit so ob laß schweben. all solch gedanken kommen eben gefloßen her aus fleisch und blut, das aus torheit urteilen tut und leßt sich dunken in den sachen, es wöll ein ding vil beßer machen denn got selber in seinem tron, und wenns im solt von nöten ton, solt er mit mü, not, angst und schweiß auch hie regieren kaum ein geiß. o mensch, erkenn dein unvermügen, das dein weisheit und kreft nit tügen nachzuforschen götlichem willen. laß den glauben dein herze stillen, das got on ursach nichtsen tu, sonder aufs best, und sei zu ru. dergleich urteil in diser zeit auch nit die weltlich oberkeit, sam solts das tun und jenes laßen, dieweil sie ist von got der maßen zu regieren hie auserwelt und seim volk zu gut fürgestelt, das sie gottes befelch ausricht; und ob sie gleich dasselb tut nicht, sonder eben das widerspil, so ist es doch auch gottes will, zu straf der großen sünde dein. sie wirt tragen das urteil sein, derhalb mans auch nit urteiln sol. bitten und beten mag man wol, das uns got wöll die sünt verzeihen und sein gunst und genad verleihen der oberkeit im regiment, weil ir herz stet in seiner hent. auf das ru und frid auferwachs in christlicher gmein, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1555, am 8. tag Octobris. Fabel: Der zipperlein und die spinn Als ich spazieret auf ein tag vor einem walt an grünem hag, in dem erhört ich ein gesprech jenseit des hages in der nech; ich schlich hinein, wolt on gefer hören, wer jenseit hages wer. als ich gemachsam horcht darin, da war es gar ein alte spinn, mit der redet der zipperlein. Der sprach zu ir: gespile mein, wie zeuchst so ellent über felt? tregst weder kleider oder gelt. Die spinn sprach: da trib man mich aus eins mechtig reichen burgers haus, darin ich lenger kunt nicht bleiben. Zipperlein sprach: wer tet dich treiben? Die spinn sprach: ich het vil unfrit, ser großen hunger ich da lit, wan darin waren wenig mucken, die ich in mein netz mocht gezucken, weil man so sauber hielt das haus; die mucken trib man auch oft aus, mit muckenwedel und mit schwammen tet man sie teglich auch verdammen, doch waren im haus vil huntsmucken, die teten mir mein netz zerrucken, der ich gar keine kunt erhalten, des must ich großes hungers walten; auch stellet mir nach meinem leib der herr und darzu auch sein weib, wo sie mich etwan teten sehen, in meinem gespunst in der nehen sahen hangen in einer ecken, mit scheltwort tetens beid aufwecken die hausmeit und auch den hausknecht, von den wurt ich denn hart durchecht, kerten im haus die ganzen wochen, haben mein spinnweb oft zubrochen, das ich kaum in ein kluft entran; so fieng ich denn ein anders an, und e ich dasselb ausgespun, kam etwan tochter oder sun und mir dasselbig auch zerstört. ich hab im haus schier alle ört versucht; in solchem herzenleit spun ich doch mer denn beide meit. ich bin erstlich ein junkfrau gwesen, tut man im Ovidio lesen, Arachne so war ie mein nam, meiner kunst war die Pallas gram, das sie mich in ein spinn verkeret; also hab ich mein zeit verzeret bei den höflichen burgersleuten, mein edle kunst mit zu bedeuten; weil iederman mir setzet zu so streng on alle rast und ru, muß ich die burgerschaft verlaßen und bin gleich iezunt auf der straßen. Zipperlein sprach: wo wiltu naus? Die spinn sprach: in eins bauren haus wil ich mich in ein winkel schmucken, der hat wol hundert tausent mucken, da wil ich mich reichlich erneren, forthin mein tag in ru verzeren, weil oft ein ganzes jar hinferet, e man die spinnenweb abkeret, meit und knecht anderst zschaffen haben. schau, bei dem wil ich mich eingraben, bei dem da bleib ich unvertrieben, dieweil die bauren mich auch lieben, dieweil die alten bei in jahen, ich tu die bösen dempf auffahen; des bleib ich ungeirret henken, vor einem dunklen fenster schwenken, von muckendrecken überzogen. das ich mich hab so lang geschmogen in der stat, das tut mich noch dauren. Der zipperlein sprach: schweig der bauren; ich kum erst flüchtig von in her, sie sint mir grob und gar gefer. wo ich zog zu eim bauren ein, tet er gar nit verschonen mein, er schleppet mich durch dreck und kot; macht ich im schon ein fuß gar rot, so meint er, het in nur verrenkt, mit arbeit er mich oft bekrenkt, lud mit mir mist, ackert und seet, er fur gen holz, er drasch und meet, darmit da tet er sich erhitzen, das er fast dunsten wart und schwitzen; derselbig schweiß macht mich gar krank, wan er mir in die nasen stank, stieß mich auch auf wurzel und stein, auch war mein narung bei im klein, er aß nur millich, rübn und kraut, gersten und erbeiß, was er baut, trank auch nur waßer, milch und schotten, tet mich zipperlein gar verspotten. des wurt ich gar hungrig und mat, kunt nicht mer bleiben an der stat; der erzt halb wolt ich wol sein bliben, mit hunger hat er mich austriben, wan bei solch ringem trank und speis ist gar nicht zu bleiben mein weis, dieweil Bachus mein vatter ist, der mich gebar vor langer frist durch gute bißlein, stark getrank, allem wollust und müßiggank, wie das denn lert die teglich prob. darzu die bauren sint zu grob, drumb ich von in auszogen bin. Die spinn sprach: wo wiltu denn hin, dein zeit forthin im lant vertreiben? Der zipperlein sprach: nun wil ich bleiben bei burgern, adel oder pfaffen, die haben iezt nit mer zu schaffen, denn müßig gen und wollust treiben mit baden, spilen, schlafn und weiben; eßen und trinken auch das best, bei den da wirt ich wol gemest, da legt man mich auf sanfte bet. trutz, der mich da anrüren tet! man wicklt mich ein und helt mich warm, ob mich die erzt mit großem schwarm mit irer kunst wöllen vertreiben, so tu ich dennoch lenger bleiben. so balt ich nur ein weng nachlaß, so lebt der krank voriger maß und tut mir selb locken und heien, mit starker kost und trank erfreien. so tu ich in denn wider drucken, balt tut der krank sich wider ducken und helt ein zeit sich stil und meßig; laß ich nach, wirt er wider gfreßig, als denn so vexier ich in wider und nem im all seine gelieder ie eines nach dem andern ein. von ersten bin ich kurz und klein, tu im an einer zehen we, darnach ich immer weiter ge, wirt mit der zeit lenger und gröser, ein gast, herber, bitter und böser, entlich gar nit zu treiben aus. Die spinn sprach: ich kom in ein haus erstlich einig, alters allein, gleich wie du unachtsam und klein, im winter mich etwan verkreuch, im glenzn ich wider fürher zeuch; ich lege eier und tu nisten, zeuch aus mein jungn in kurzen fristen, derselben ist on maß und zal, umbzeuch das ganz haus überal in stubn, kamer und allen geden, vor allen löchern, fenstrn und leden mit meiner jungen web und netzen, da tu in freuden mich ergetzen, drumb bit ich, kom nach kurzer zeit aufs dorf, beschau mein herlichkeit in meines armen bauren haus. Ich kom nicht mer aufs dorf hinaus, sprach der zipperlein mit verlangen; in der stat wirt ich schön empfangen, da weiß ich einen burger reich, denselben ich noch heint erschleich, weil er gleich sitzt in eim banket, der mich lang zu im locken tet mit starker speise und getrank, der wirt aufnemen mich zu dank und auf ein seiden küss mich legen. mein schwester spinn, laß dich bewegen, in die stat wider mit mir ker und schau mein herlichkeit und er, wie mich der burger helt so wol. Die spinn sprach: müst ich ie sein vol, das ich mein leben wagt dahin! fro bin ich, das ich ledig bin. ich zeuch dahin ins bauren haus und kom auch nimmermer heraus. bleib bei deim burger in der stat, da man dich auch in eren hat, so sei wir all beid wol versehen. Der zipperlein sprach: das sol gschehen, zeuch hin, ich wünsch dir glück und heil. Der beschluß Also zog hin ein ieder teil, die spinn aufs dorf hin zu den bauren, der zipperlein in die statmauren, der fuß für fuß gemachsam gieng. zu laufen ich balt anefing in die stat, die burger zu warnen vor des argen zipperleins garnen: der wirt heint auf den abent kommen und zu gast werden aufgenommen; drumb wer im nit wöll herberg geben, derselb verzeren sol sein leben mit harter arbeit, ringer kost, wie denn Petrarcha gibt ein trost: armut den zipperlein treib aus, der nur wont in der reichen haus, doch welcher reicher ermklich leb, der zipperlein die flucht auch geb. derhalb so fliech, wer fliehen mag, das der zipperlein auf den tag nicht bei im einker und aufwachs durch überfluß, das ret Hans Sachs. Anno salutis 1545, am 28. tag Decembris. Schwank: Die Fünsinger bauren Es ligt ein dorf im Beierlant, dasselbig Fünsing ist genant, darin etwan vor langen jarn ser einfeltige bauren warn, tölpisch, tol, grob und ungeschaffen, als ob sie weren aus Schlauraffen. der bauren einer eins tags fant ein armbrost in dem walt gespant, das ein jeger verzettet het. als der Fünsinger sehen tet, da west er gar nicht, was es war, iedoch schaut er es entlich zwar, vermeint, es wer ein kreuze wert, und hub es balt auf von der ert, küst es und wolt es zu im schmucken, und als ers an sein brust wart drucken, da ließ das armbrost und gieng ab, schlug dem bauren die nasen rab. das armbrost wurf er von im gar, sprach: er legst hie ein ganzes jar, ich wolt dich nicht mer heben auf! eins tags gieng der Fünsinger hauf in walt und woltn eichel abschlagen und iren seuen heimhin tragen. als sie nun stigen auf die eichen, was eichel sie kunten erreichen, schlugen sie mit den stangen ab. nun in eim solchen sich begab, das ein ast mit eim bauren brach, derhalb er gar hoch fiel, hernach mit dem kopf in einr zwisel bhieng und riß ab den hals, aller ding fiel der körper rab in das gras, der kopf in der zwisl bliben was. als nun die baurn heim wolten gen, fundens under dem baumen den, da fundens in on einen kopf, kenten in, das es war Liendl Topf, stunden umb in, sahen in an, sagten: wo hat ern kopf hin tan? wer weiß, ob er sein kopf noch het, als er mit uns raus laufen tet. Heinz Tölp sprach: ich gieng mit im her, weiß aber ie nit, ob auch er sein kopf gehabt hat oder nit; wir wölln sein frauen fragen mit, dieselbig wirt es wißen wol. als sie die fragten tumb und tol, da tet die Fünsingerin sagen: am sambstag hab ich im gezwagen, da het er seinen kopf ie noch, hernach so weiß ich aber doch nicht, ob ern kopf am sonntag het, wiewol ich mit im hab geret. so einfeltig war frau und man; trugn auch nicht andre kleider an, vier ellen lodn nam einer doch und schneit mitten darein ein loch und henkt das tuch denn an den hals und gürt es denn zu im. eins mals ein Fünsinger fur in die stat mit treit, da er gesehen hat ein schneider röck und kleider machen; groß wunder het er ob den sachen und beschaut eben alle ding, und als er darnach einsmals fieng ein großen krebß an einem bach, als der Fünsinger an im sach an fodern füßn zwo große scher, meint er, der krebß ein schneider wer, sein hörner wern zwo nadel ganz, und seine eier underm schwanz das weren eitel kneulein zwirn. mit freuden tet er sich heim tirn, all sein nachbauren sagen tet, ein schneider er gefangen het, der müst in allen kleider machen. die bauren brachten zu den sachen zum schultheiß ir loden zu hauf und setzten den krebß oben drauf; der kruch auf dem tuch auf und ab, fiel oft under den tisch hinab. Heinz Tötschinbrei sprach: es dunkt mich, der unser schneider schemet sich, wil nichts schneiden, weil wir zusehen, und kan doch wol schneiden und nehen, secht, wie tet er sein scher stet wetzen! ich rat, wir wölln im heint zusetzen ein liecht und wölln all von im gen und allein laßen machen den. da folgten sie all seinem rat und giengen alle von im spat; ein liecht man bei im brennen ließ, das doch zu nacht der krebß umstieß und zündet dise loden an, das also das ganz haus abbran. der krebß sich in ein loch verkroch; den fundn die tollen bauren doch und umb sein große missetat urteiltens in mit gmeinem rat und wurfen den krebß in ein brunnen. nach dem sie große forcht gewunnen, füllten den brunnen aus mit erden, auf das nicht mer solt ledig werden das unzifr, und ist seit gwonheit, wenn ein Fünsinger hat hochzeit, muß er füren ein fuder erden auf den krebß, nicht ledig zu werden; ist gar ein hoher bühel worn, so wüt auf den krebß noch ir zorn. lief noch einer durchs dorf zum teil und schrier: krebß feil, krebß feil, krebß feil! der würt gar übel von in gschlagen, so groß feintschaft dem krebß sie tragen. derhalb treiben noch mit in heut mancherlei fatzwerk etlich leut, und wo noch heut zu diser frist ein mensch tol und unbsunnen ist, tölpet, ungschickt, so spricht man: der ist gar ein rechter Fünsinger. der man noch vil findt jenseits bachs und auch herjesseits, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1558., am 19. tage Februarij. Das gesellenstechen Als fünfzehundert jar und achtunddreißig war, nach liechtmess am mittwoch ich nein gen Nürnberg zoch, mein kram wider zu füllen, und kam hin zum Wolf Rüllen mir pfenwert einzukaufen; da wurt ein großes laufen aus allen gaßn am mark mit stül und benken stark. ich sprach: was wirt da wern? er sprach: ir secht es gern; fürt mich hoch in ein gmach, durch ein fenster ich sach ein wolverschrankte ban, zu der kam iederman auf rossen, kerrn und wegen; auf leitern, feßern, schregen stunt volks ein große meng. da war ein groß gedreng, ein gschrei und laut getöß, von rossen ein gestöß, gar oft ein grüst einbrach, ein schön purzeln man sach. ringsweis am mark ich wol sach alle fenster vol von erbern man und frauen, das ritterspil zu schauen; all heuser stecktn vol innen, auf dechern und auf zinnen die leut rab schauen teten. in dem ich ein trommeten hört samt pfeifen und trummen; oben her sach ich kummen in hohem zeug acht frecher gerüster krönleinstecher, ie ein par mit einander, köstlich gebutzt allsander, neben iedem drei narren loffen, auf in zu harren, auch in sein farb bekleit. vor iedem stecher reit ein gsell, wie sich gebürt, und seinen spieß im fürt, und zogen also her ganz höflicher geber in die verschrankten ban, verhüt durch etlich man; sie teten wenig prangen. der schimpf wart angefangen; ir ieder an der stet seinen rüstmeister het, der in schraubt aus und ein. in dem da legt man ein, und traf das erste par, wie das loß gfallen war, das ander, drit und viert; darnach wurt erst turniert, und war der nechst der best; sie saßen stark und fest und trafen wol und frei; hie ritten zwen, dort drei, als obs ein turnier wer, machten vil settel ler; die pfert die loffen schnell, sie teten gschwinde fell; wo eim (wie oft geschach) etwas riß oder brach, war er doch kurzer zeit zum treffn wider bereit; schonten einander nit, sie teten weng felritt, vil ledig fell sie machten; die herren teten achten auf die fell aller weis, die man beschrib mit fleiß oben auf dem portal; der ganz mark oft erhal von manchem starken stos, das beide man und ros oft lagen auf der ban; noch rittens wider dran, als wer in nichtsen drum, zu holen preis und rum. sie triben tapfer zu und hetten wenig ru, sam wers in einem kampf, das in der dunst und dampf her aus den helmen drang. als das nun weret lang, und ser vil troffen hetten, etlich pfert stutzen teten, etlich schadhaftig wasen, auf andre pfert sie sasen und auf ein neues trafen höflich und nit zu strafen. auf ein ritten oft zwen, die er frei tet besten, ich sach kein zagen man; zu lezt numens die ban mit iren rossen kurz; erst litt mancher ein sturz, das im sein leib erkracht; in dem fiel her die nacht. als es die zeit begab, da zogens wider ab von irem ritterspiel, das mir herzwol gefiel, tet mich mit freud erfüllen. da sprach ich zum Wolf Rüllen: wer hat gestochen heut? sint es fremd edelleut? er antwort mir gar kön: es sint hie burgers sön, die haben tun versprechen zusam ein gsellenstechen. ich sprach: wer richt sie an? er sprach: das haben tan ir vetter, so vor jaren auch gute stecher waren, dergleich ein erber rat darin gefallen hat, zu solchem ritterspil gewendet kostung vil, verordnet und versehen, das kein schad sol geschehen, noch vorteil brauchet wert mit spieß, zeug oder pfert. lob hab ein erber rat, sprach ich, der löbling stat, der solch kurzweil hilft meren; dienet zu nutz und eren, darauf ziehen ir sön, zu werden reisig kön. die stechr möcht ich wol kennen. er sprach: ich wil dirs nennen, wer heut gestochen hab. Hans Stark war der in blab; Sigmund Pfintzing war schön geschmückt, rot, weiß und grön; Wolf von Dill, schaut, derselb fürt blau, weiß und halb gelb; Marx Bucher von Leipzg stach in gelb, grau, weiß; hernach Jochim Bemer nach preis ritt halb rot, blau und weiß; Christof Fürer aufwarz der stach in lauter schwarz Gabriel Nützel schön in halb rot, gelb und grön. Matthes Ebner, verstet, blau und rot füren tet; so heißen sie all acht. ich fragt in mer und lacht: wer hat den dank erjagt? zu nacht heint, er mir sagt, geit man den dank erst aus oben auf dem rathaus, dem besten den vortanz, ein ring mit einem kranz, und also nach einander, verert man sie allsander. ieden mit eim vortanz und einem schönen kranz tut sie die braut begaben, der sie zu eren haben gehalten das gestech. urlaub nach dem gesprech nam ich und gieng darvon. die ganz fasnacht ich hon kein tapfer kurzweil gsehen, das lob tu ich in jehen und wünsch, das dise acht auf die künftig fasnacht ir spieß wider zubrechen in einem gsellenstechen nach ganz höflicher weis, das ir rum, lob und preis bei gmeiner stat erwachs, das wünschet in Hans Sachs. Anno salutis 1538, am 8. tage Marci. Fabel der zweier meus Ein hausmaus die gieng über felt, het doch weder zerung noch gelt; der begegnet da ein feltmaus, dieselbige bat sie zu haus, die nachtherberg bei ir zu han. das nam die hausmaus willig an, gieng mit ir in ein hecken nein, da schloffen sie in ein löchlein. die feltmaus gar freuntlicher weis ir fürsetzt ir geringe speis, als eicheln, haselnüß und koren. als sie waren gesettigt woren, schliefens dahin in senfter ru; aber des andren tages fru nam urlaub und ir danken was die hausmaus und zog hin ir stras. als sie nun ir sach richtet aus und wolt widerumb heim zu haus, kerts wider bei der feltmaus ein und saget: liebe schwester mein, du hast mir mitteilt dein armut, kom mit mir heim, da ich als gut dir auch wil tun und herberg geben, da du solt frölich und wol leben! da gieng mit ir heim die feltmaus in ein schön köstliches steinhaus, in die speiskamer schloffens frei, darin sie funden mancherlei der guten speis von fleisch und fisch, was man aufhub vons herren tisch, confect, rosin, mandel und feigen, das tet sie als der feltmaus zeigen und sprach: hie tu trinken und eßen und deiner armut gar vergeßen. die feltmaus aß, war wolgemut und sprach: wie hast du es so gut! nöten bist du so feist und vol. sie sprach: teglich leb ich so wol, so must du mit hartseling dingen dein spröd narung zu wegen bringen. wilt du, so magst du bei mir bleiben, dein zeit in disem haus vertreiben, also wol leben für und für. in dem da rumpelt an der tür der kelner, spert auf, gieng hinein; die meus erschrakn, doch schlof balt ein die hausmaus unten in der want in ein löchlein, ir wolbekant; die feltmaus stunt in großer gfer, lof auf an wenden hin und her, west nicht, wo ein oder wo aus, wan sie war unbekant im haus, und in tötlichen engsten was. als nun der kelner gieng sein stras, kam die hausmaus, sprach: sei frölich, wie stelst dich also trauriglich? du hast ie guter speis genug. da antwort ir die feltmaus klug: o nein, laß mir die armut mein und behalt dir die reichtum dein, darin du must abent und morgen vil angst und gferlichkeit besorgen. ich sich, dir sint all augenblick deim leben gestelt tötlich strick von katzen und auch von mausfallen und dergeleich von menschen allen, und wer dich nur umbbringen kan, der meint ein gut werk haben tan; iederman ist dir gram und feint; derhalben wil ich wider heint hinaus auf meinen acker öd. ist gleich mein narung ring und spröd, so hab ich aber doch darneben ein frölich, frei und sicher leben, da hab ich gut ru und gemach, niemant mir gferlich stellet nach, da wil ich wider eilen naus. und nam urlaub von der statmaus und lof aus der geferlichkeit wider naus in ir sicherheit. Der beschluß Dise erzelte fabel such Esopi in dem ersten buch! aus der ist klar zu merken eben, das gar vil sichrer ist zu leben in einer erlichen armut, den bei ser großem hab und gut. darinnen ist abent und morgen ein immerwerent angst und sorgen, wie man das mer und ordinier, wie man das bhalt und nicht verlier; wan reichtum hat vil feint und neider, verreter und vil erabschneider, die im zuziehen gferlich schmach. auch stellen gar geferlich nach dem reichtum mörder und die rauber mit gfenknus und schetzen unsauber; auch stelt man reichtum nach dem leben, geferlich mit gift zu vergeben, krieg oft reichtum verderbt zu letz; bringt in der tyrann in sein netz, so schindt er in biß auf das mark, dergleichen auch der wuchrer ark, darzu auch die listigen dieb tückischer weis durch nechtlich trieb. auch die finanzer und die trügner, die popitzer, felscher und lügner, die schmeichler, heuchler und schalksnarren auch von der reichen haufen scharren, das stelt als nach der reichen gut. aber die erliche armut hat fast vor disen allen ru, niemant setzt ir geferlich zu, wan man tut sich teglich der armen on allen neit herzlich erbarmen; die neret sich geringer speis, wie sies mag haben aller weis, mit gedult all ding überwindt, den sack zu halbem teil zubindt, des bleibt sie nüchter, frisch und gsunt, mit süßem schlaf munter und runt und wirt mit sorgen nicht gebißen, hat ein sicher gerut gewißen. entladen ist vil ungemachs die erlich armut, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1558, am 14. tage Junij. Fabel von dem fuchs und der katzen Ein fuchs trabet über ein heid und het ausgespecht auf der weid vor einem walt der gens ein hert. dem begegnet da on gefert ein katz, die auch zu felt war gangen, ob sie ir möcht der feltmeus fangen, darmit sie iren hunger büßet. der fuchs sprach: schwester, sei gegrüßet. die katz im danket widerum und hieß den fuchs auch sein wilkum. nach dem sprach er der katzen zu: sag an, mein schwester, was kanst du für künst und was hast du gelert, darmit du wertst auf ert ernert und vor unfal schützst leib und leben? da tet die katz im antwort geben: mein herr fuchs, ich hab gar kein kunst auf diser ert gelernet sunst, den die mir hat einpflanzet nur die herrlich mutter der natur, das ist springen und bhendigkeit, darmit ich fach in diser zeit die meus, darmit ich mich erner. darzu sagt der fuchs aber mer: kanst du nichts den bhent sein und springen, so wirt dein leben balt mislingen; weil du sonst nichtsen kanst den das, so bist unkönnent übermaß, schlecht, beurisch und einfeltig gar. sie sprach: mein herr fuchs, das ist war, ich kan ie warlich nichtsen sunst; ich bit aber, sag, wie vil kunst kanst du, mein herr, gerecht und gut? da antwort der fuchs in hochmut: der künste der kan ich wol hundert, allerlei art, fein ausgefundert, nicht mittelmeßig, sonder wol. wie man die kunst denn können sol, die ich alle tet jehling leren; der iedwede kan mich erneren aus sorgen, angst und hungers not, wenn schon vor augen wer der tot. die katz sprach: domine doctor, du gest mir weit mit künsten vor, mir einfelting, kunstlosen armen, die ich muß sterben on erbarmen; dir aber gebürt langes leben, weil du mit vil kunst bist umbgeben und wirst überal wol gehalten, erlich bei jungen und bei alten, ich aber wert veracht aldo. der fuchs der sprach: es reucht also. nach dem da sprach die katz allein: mich bedunkt in den augen mein, wie ich sech aus dem walt von weiten ein weidman gegen uns her reiten, der fürt mit im zwen fraidig hunt, welche vormals und auch iezunt gewest sint unser ergste feint. der fuchs sprach: aus dein worten scheint, das du forchtsam und töricht bist und einfeltig zu aller frist; ob dus gleich sichst und sagst gleich war, stunt uns doch darauf kein gefar; ich weiß durch kunst in zu entrinnen. die katz sprach: herr, das wirst wol innen. als in der jeger nun war nahen, und die hunt den fuchsen ersahen, da fiengens gschwint auf in zu laufen mit lautem gelzen und mit schnaufen, zu fahen beid katzen und fuchs; derhalb groß forcht in in erwuchs. er sprach: uns ist zu fliehen not. die katz die sprach: du treibst den spot, förchst du dich bei den künsten dein? der fuchs sprach: fliehens wirt not sein, weil uns die hunt kommen genau. ein ieder nun selbs für sich schau! sprach die katz und sprang auf ein baum und den hunden entran gar kaum. der fuchs aber die flucht gab balt gen berg auf zu dem dicken walt, die hunt im aber kamen nahen und nach im schnappten, in zu fahen. das sach die katz hoch auf dem baum und schrei: doctor fuchs, dich nit saum, zeuch eine deiner künst herfür, es tut dir not, als ich wol spür, wan es ist dir zu ferr der walt, wo du das tust nicht eilent balt, so wirst von hunden du zerrißen: was hilft dich denn vil künsten wißen? der fuchs lof schnell und war nit faul, schlug den hunden sein schwanz umbs maul, darmit er sie im laufen blent; doch ergriffens in an dem ent. die katz schrei: bruder fuchs mit nam, wo kom wir auf das nechst zusam? der fuchs sprach: o des ich nicht weiß, etwan beim kürßner in der beiß, da wert wir wider kommen zsam. darmit ir gsprech ein ende nam. Der beschluß Bei der alten fabel gedicht wert wir zweierlei leut bericht. die ersten uns der fuchs bedeut, das sint künstner und rümisch leut, die viler künst sich rümen vol, der sie doch keine können wol; haben keine gelernet aus, das sin möcht tragen brot ins haus, wie man denn sagt von solchem stück: acht hantwerk, neunerlei unglück; fahen vil an, bringen zum ent doch kein werk mit munt oder hent, verachten schlecht einfeltig leut. werden durch die katzen bedeut, die sich in der einfalt ernern, achten nicht hoch rümlicher ern, sonder nur was ist not und nutz und in dienet zu irem schutz; der einig kunst gebrauchen sie, darmit sie sich behelfen hie on allen rum vor ungemachs mit weib und kinden, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1558., am 17. tage Junij. Historia: Bapst Sylvester der ander ergab sich dem teufel Die chronica sagen fürwar, als man zelet neunhundert jar und vier und neunzig on gefer, da regieret bapst Sylvester, der ander dises namens da. der war bürtig aus Gallia und vormals Gilbertus genant, kam in seiner jugent zuhant in ein kloster, zu werden frum, im aurelianischen bistum, doch wider aus dem kloster sprung und ergab sich noch also jung dem teufel und auf schwarze kunst, dardurch zu erlangen die gunst, zu herschen das römisch bapsttum. der teufel das mit im aufnum, doch das er sein wer nach seim tot. das verschrib er mit seim blut rot. doch fraget in Gilbertus eben, wie lang er würt auf erden leben. der teufel sprach: du stirbst nach dem, wenn du berürst Jerusalem. Gilbertus dacht in seim gemüt; vor Jerusalem ich mich hüt, das ich kom nimmermer dahin. nach dem so zug Gilbertus hin frölich in Hispanier lant, in die stat, Hispalim genant, und studiert auf der hohen schul. da er besaß der künsten stul für all doctores kurzer zeit und wurt berümet weit und breit, das er den keiser Ottonem, darzu auch Robertum nach dem, welcher künig wurt in Frankreich, zu schulern het und auch dergleich ander vil hoch berümte mender allerlei nation und lender. nach dem durch ergeiz er annum das groß remensisch erzbistum und auch darzu das ravenisch aus teufelischer hülf ganz frisch. da er ein zeitlang bischof was, ganz begierig über die maß, das römisch bapsttum zu erwerben. als nun bapst Johannes tet sterben, der sibenzehent dises namen, die cardinel zusamen kamen, einen anderen bapst zu stellen, und teten den Gilbertum welen, aus eingab des satans anfengnus und aus der götlichen verhengnus, tetens in für ein bapst erkennen und Sylvester den andern nennen. als er nun saß in dem bapsttum, hielt er sich andechtig und frum; als er aber im fünften jar seines bapsttums auf eim altar in der kirchen des heiling kreuz mess hielt mit vil prenks und geleuz, samt cardinelen und hofgsint, das im alles zu altar dint, als er gleich wolt sacrificieren und das sacrament elevieren, da fieng es an dunkel zu weren, und vor der kirchen nach und feren da flug es als vol schwarzer raben, die zun kirchfenstern gstochen haben mit einem ser großen geschrei, und stachen lenger mer herbei, sam woltens die fenster ausstoßen. darob het alles volk ein großen schrecken und forcht ob disem wunder, und Sylvester der bapst besunder der fraget sein hofgsint zuhant, wie diser altar wer genant. da gaben sie zu antwort dem, der altar hieß Jerusalem. der bapst erschrak, gedacht wol, das seins sterbens zeit vorhanden was, fiel auf sein knie in reu und leid und bekennet on underscheid sein irrtum und sündiges leben, und wie er sich auch het ergeben dem teufl in seiner jugent zeit, begert von got barmherzigkeit, sein schwere sünt im zu vergeben, und warnet alles volk darneben, zu meiden die ergeizigkeit, die wurzel aller grundbosheit; warnet auch alles volk darbei vor teufels gspenst und triegerei, der durch sein tück und hinderlist allen christen aufsetzig ist. nach dem bat er sie allesam, das man nach dem tot seim leichnam solt abschneiden all sein gelider, auf ein wagen zsam legen nider und vier ross darnach daran spannen, die ungeleit in zugen dannen; wo die stünden, solt man acht haben, an der stat solt man in begraben. nach dem und als der bapst verschiet, auf gut hoffnung sein ent erliet, darnach zerschnitten auf ein wagen legtens sein leib nach seim ansagen. da in die pfert gezogen haben in sanct Johanns kirchen, begraben wurt er; das war ein gutes zeichen, das er gots gnad het tun erreichen durch sein warhafte reu und buß. Der beschluß Aus der geschicht man merken muß, das kein sünder in disen tagen in seinen sünden sol verzagen an der gottes barmherzigkeit; dan got ist allezeit bereit, das er den sünder nem zu gnaden und heb in aus ewigem schaden; allein das er nur nicht verharr in sünden, verstock und erstarr, verzweifel an gots gnad und güt. darvor uns got alle behüt, sonder das frucht der buß erwachs bei allen menschen, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1558, am 8. tage Julij. Fabel: Der rab mit dem toten fuchsen Das buch natürlicher weisheit das saget uns, wie auf ein zeit in eim höl lag ein alter fuchs, in dem der hunger groß aufwuchs. in solchem begab sich hernach, der fuchs ein raben fliegen sach, der inbrünstig hungriger weis begeret zu suchen sein speis, wo etwan leg ein totes as. als nun der fuchs vermerket das, war er mit listen gar nit treg, legt sich gestrecket an den weg, mit eingfallen kinbacken als und mit lang ausgestrecktem hals, mit stil diebischem atem ganz, mit ganz aufgeflattertem schwanz, mit allen viern gestreckt on spot, als ob er da leg und wer tot, den hungring raben zu betriegen, ob er herab auf in wolt fliegen und im seine augen aushacken, ob ern möcht bei dem hals erzwacken und möcht ein nachtmal an im haben. als aber der fuchs von dem raben also sam tötlich wart gesehen, da wolt er vor dem grunt nachspehen, wan er war fürsichtig und klug, nahet ob dem fuchsen hinflug; da sach er gewiss an der stet, wie der fuchs atem holen tet und zog den heimlich aus und ein. dardurch erkent die liste sein der rab und flog von im, allein nam in schnabel ein kiselstein und flog auf in den luft mit schallen, ließ den stein auf den fuchsen fallen. der fuchs erstunt balt auf vom tot, da sprach zu im der rab im spot: fuchs, meinst, das nit das rebisch aug so scharpf und wol zu listen taug als dein füchsisch aug vol arglist? derhalb ich auch zu mancher frist eim so liegenden fuchs geschicket sein aug mit meim schnabel auspicket, ließ im denn den spot zu dem schaden. der fuchs sprach: ich hab mit ungnaden auch oft ein raben in den tagen also ertappt und gen walt tragen und den gerupfet und gefreßen, darumb sei nicht also vermeßen, dem weisen oft in diser zeit widerfert nit ein klein torheit, voraus wo in des hungers fraß darzu übet on unterlaß. der geizhunger an manchem ent das herz verdunkelt, augen blent; wo der aufsperret seinen rachen, zu füllen sich und feist zu machen, und er als waget hin auf glück, schlegt alle erbarkeit zurück oft wider billichkeit und recht, das er oft mit dem hals behecht, umb leib, er, gut und leben kum. im antwort der rab widerumb: wiß, das ein fürsichtiger man sich weislichen fürsehen kan vor der arglisting trüglichkeit, wenn er vertraut zu keiner zeit und sich gar wol umbschauen muß, e er setzt nider seinen fuß, das er nicht alle augenblick gefangen werd und sich verstrick mit der welt unzeligen netzen, die in bescheding und verletzen; und wil er in der welt beleiben, muß er oft list mit list vertreiben und muß die fuchslistigen fliehen, von ir gemeinschaft sich abziehen und sich nur zu den frommen halten. der fuchs sprach: des muß als glück walten, mein rab, wo müst ein man hinkommen, das er beisamen fünt die frommen, dieweil ir ist auf ert so wenig? der listing ist ein große menig, die all schauen auf iren nutz und nemen ir arglist zu schutz, darmit iren geizhunger neren, es sei mit er oder uneren, mit gutem schein die leut betriegen, übervorteilen und beliegen mit süßen, schmeichelhafting worten und können auch an allen orten den schalk gar meisterlich verbergen, als ob im herzen sie herbergen nichtes denn lieb, treu unde gunst; das ist denn aller heuchler kunst, darmit sie die einfelting fangen, die darnach in irm netz behangen; derhalb, mein rab, wilt sicher sein, so schick dich nur fürsichtig drein. nach den worten sie beidesander schiden mit friden von einander. Der beschluß Aus der fabel der weisen alten sol ein mensch in gdechtnus behalten, das er allzeit fürfichtig sei, weil untreu ist so mancherlei auf erden gar in allen stenden, geistlich und weltlich regimenten, und ist in aller welt gemein, verdecket doch mit gutem schein, als sei nichts da denn lieb und treu. ist doch Judas kus teglich neu! lach mich an unde gib mich hin, das ist fast aller welte sin. des nem ein man die ler allein: wo er wil unbetrogen sein, da tu er nicht zu weit vertrauen, sonder tu mit fleiß für sich schauen, auf das er nicht betrogen wer; wan wo zu weit vertrauet er, so wirt gewislich er betrogen und mit der nasen umbher zogen, dardurch im denn nachreu erwachs, mit spot zum schaden, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1559, am 11. tage Februarij. Schwank: Der gute montag Nachdem ich meim hantwerk nachzug an dem reinstram, es sich zutrug, eins morgens frü zu bet ich lag, gedacht: heut ist guter montag, da wil dem meister feiren ich. in dem entschlief ich senftiglich wider ein stunde oder zwu, biß der tag rucket baß herzu. im schlaf erschin mir ein gesicht, des inhalts ich mit kurz bericht: ich sach gar selzamer manier ein wundergroßes selzams tier, das tet her auf sechs füßen gen, im maul het es scharpf eberzen, sein bauch war als ein füdrig faß, sein schwanz schebig und reudig was. ich erschrak und floch hin von im; da redt das tier menschliche stim: fleuch nit, du hast mich doch aus gnaden auf heut freuntlich zu dir geladen. ich sprach: wer bist? zeig mir das an, ich mag dich schlecht nit bei mir han, weil du so gar unbschaffen bist, des rechten haus hast du vermist, sichst mich für ein unrechten an. das tier antwort mir: lieber man, du tust mich aus der maß wol kennen, voraus balt ich mich dir tu nennen, wiß, das ich der gut montag bin. wolauf ins wirtshaus mit mir hin zu andern gsellen, die dein warten mit speis und trank, würfel und karten! die haben mich geschickt nach dir, und ob du nit wolst gen mit mir, so wolt ich dich mit gwalt hintragen. ich tet zum guten montag sagen: wie bist du denn so stark und kreftig? der gut montag sprach: ich bin scheftig in merk und steten überal, die hantwerksbursch mit überschwal hab ich all unter meinen fanen, dergleich hersch ich vil hantwerksmanen, die mir gar willig zu hof reiten, samt den gsellen zu allen zeiten. ich sprach: wie das du hast sechs bein? er sprach: mein gang ist schwind, allein kom allemal über sechs tag; oft man mich nit austreiben mag biß gar hinein auf die mitwochen weder mit schelten noch mit pochen, wiewol ich bring gar wenig nutz, wo man mir fleißig heltet schutz. ich sprach: wie hast so scharpfe zen? er antwort: wo ich ein tu gen, vil ganzer beutel ich zerkifel, vil zenk und hader ich antrifel; ich beiß mannichen durch die schwarten, auch zerbeiß ich würfel und karten, und beiß auch manchen aus der stat, das er ertags kein meister hat. ich sprach: wie ist so groß dein bauch? er sprach: da verschlinget mein schlauch gelt, kleider, kleinot und hausrat, den werkzeug oft samt der werkstat, haus unde hof, ecker und wisen, tut in meim bauch sich als verlisen. ich fragt: wie ist deins schwanzes wadel schebig und hat so manchen tadel? mir guten montag, er da sprach, folgt stets ein böser sonntag nach, das er das verdient wochenlon hat an dem montag vor verton. wer mein all wochen wartet aus, dem nistelt kein storch auf sein haus, ich guter montag mach tol köpf, lere beutel und volle kröpf, die hent verdroßen und stutfaul und dem meister ein henkent maul, das er die ganz woch sauer sicht. welch meister sich auch nach mir richt, mach ich sein werkstat ler und öd, hosen und rock schitter und blöd, wie du denn wol sichst an dem haufen, die mir guten montag nachlaufen. in dem wurt im haus ein gerümpel, die katzen machten ein getümpel, warfen ein hafen dstiegen ab, darvon sich ein groß gschrei begab. Der beschluß Da erwacht ich, dem traum nachsan, stunt auf, fieng zu arbeiten an, weil der gut montag in den dingen so mancherlei unrats ist bringen, als trunkenheit, fraß und das spil, daraus denn unglücks folget vil, als zoren, hader und zwitracht, lamhauen und auch menschenschlacht, faulkeit, armut unde krankheit, welchs als nit gschech ob der arbeit. zu entgen sollichs ungemachs, saß in die werkstat ich, Hans Sachs. Anno salutis 1559., am 3. tage Augusti. Der beschluß in das ander buch der gedicht Eins tages im augstmon wart ich spazieren gon in ein au für die stat, wan ich war müd und mat worden ob dem gedicht, das ich het zugericht, wolt mich ein klein erquicken. in dem wart ich erblicken under eim baum ein schatten; zu dem tet ich hinwaten durch kle und grünes gras und mich da legen was nider, zu haben ru ein stunde oder zwu. der wint tet senft her rauschen; in solchem stillen lauschen die augen mir zugiengen, und tet mich überdringen der schlaf gewaltiglich, in dem da dauchte mich, Mir rüft frau Ratio mit senfter stim also: du alter, bericht mich, was du doch zeihest dich, das du dein gmüt und herz peinigst mit mü und schmerz zu dem teutschen gedicht; warumb ruest nun nicht von solch schwerer arbeit? Ich antwort: meiner zeit acht ich mein teutsch gedicht gar für kein arbeit nicht, sonder acht das zum teil nur für ein schön kurzweil. weil mir got hat gegeben die gab in meinem leben, wil ich vergraben nit mein pfunt, sonder darmit suchen die gotes er und nutz des nechsten mer; ich lob und preis die tugent, auf das die blüent jugent der laster müßig ge, so bringen angst und we, und der tugent anhenk. auch etlich erlich schwenk, zu trost trauriger herzen, doch on unzüchtigs scherzen, niemant zu neit und haß hab ich dicht solcher maß vier und vierzig jar lang. du weist, der müßiggang vil übels mit im bringt, dardurch manchem mislingt; menschlich herz feiret nicht, darfür mach ich gedicht, dem zu entgen also. Mir antwort Ratio: mit deinem phantasiern, dichten und speculiern so schwechstu dein vernunft und wirst noch in zukunft tebisch und kindisch wern mit wort, werk und gebern, wie manchem ist geschehen; du merkst schon und tust sehen, das dein gescherpfte sin und gedechtnus ist hin, der nicht mer sint zu hoffen, weil bei dir ist verloffen die gülden quell, mein man! derhalb so tu abstan und forthin nichts mer dicht. Ich sprach: ich laugen nicht, ich entpfint trefflich wol, das nicht volkommen vol mit so herzlichem lust und begirlichem dust meine gedicht herfließen, sonder oft mit verdrießen, nicht wie vor mit so hellen, scharpfen sinnen aufquellen, sonder langsam und treg, das ich oft denk den weg, vom dicht zu laßen ab, iedoch ich etwas hab teglich bei mir beihendig in meim gemüt inwendig, das mir heimlich zuspricht, vermant zu dem gedicht on ru zu aller frist, weiß doch nicht, was das ist, das in mir also schreit. Ratio wider seit: dasselbig ist der won, das dir sol kommen von deim gedicht rum und er und dergleich nutzes mer, wie solchs fast all poeten zu lon entpfangen teten, so dardurch überkamen ein untötlichen namen. schau, der won reizet dich zu deim gedicht warlich; solchs aber felet dir, warhaft gelaube mir, wan durch deine gedicht hast dir selbs zugericht doch heimlich übermaß vil feintschaft, neit und haß. die welt hört diser zeit nicht geren die warheit, wan sie scheuet das licht, weil ir werk sint entwicht, derhalb erlangst du mer feintschaft, den rum und er, weil du nit heuchlen konst. drumb beßer du verschonst dein selb, du alter mon, weil doch on dank und lon dein dichten ligt zu grunt. in dem von mir verschwunt Ratio. nach dem fast schwang sich auf einem ast ein vogl, das ich erwacht. im herzen mein gedacht: ich förcht, im sei also war, wie mich Ratio treulich gewarnet hat; stunt auf, gieng in die stat, zeichnet und ordiniert zusam und registriert diß ander buch, zuricht in druck, meiner gedicht, und mit dem spruch beschluß das buch sam mit verdruß, weil ich für dank und lon nur feintschaft brecht darvon umb ghabt fleiß und arbeit, dacht fort meins lebens zeit gedichts müßig zu gon, auf das mir nicht darvon schaden für lon erwachs, spricht zu Nürnberg Hans Sachs. Anno salutis 1560., am 9. tage Januarij. Der wunderliche traum von meiner abgeschiden lieben gemahel, Künegund Sechsin Als man nach Christi geburt war zelen fünfzehenhundert jar und neunzehen, fürwar ich sag, eben an sanct Egidi tag wart mir zu einer gmahel geben junkfrau Küngunt Kreuzerin eben, die einig tochtr und erb allein Peter Kreuzers zu Wendelstein am berg, der vor sibenzehn jarn samt seinr gmahel verschiden warn, den got genad in ewigkeit! am neunten tag het ich hochzeit, von der mir in zwelf jarn sint worn zwen sün und fünf töchter geborn, welch alle sint mit tot verschiden und bei got ewig sint zu friden. doch von meinr ersten tochter eben, hab ich vier enenklein im leben. nun dise mein gmahel fürwar het ich fast einundvierzig jar ganz lieb und treu, ganz erenwert; wolt got, das ich sie solt auf ert gehabt haben biß an mein ent! got aber selb hat das gewent. als man nach Christi geburt war zeln fünfzehnhundert sechzig jar, da begab sich, leider ich sag, an unser fraun verkündung tag, war der fünfundzweinzgst tag des Merzen, tet sie in einer seiten schmerzen ein wetag und darnach im herzen; aber in solcher wetag schmerzen heim suchten wir der erzte rat, doch folgte nit der gsuntheit tat; derhalb wart sie vor irem ent versehen mit dem sacrament. der schmerz nam lenger herter zu, stunt oft auf und het nirgent ru; iezt wolt sie dort, iezunt da ligen. die krankheit tet ir angesigen, und in der dritten nacht verschit, der sel geb got dort ewig frit. nach dem wart auch nach zweien tagen der leib dahin gen kirchen tragen mit dem teutschen psalmen gesang. ach got, erst wart meim herzen bang, weil ich mein gmahel nicht mer het. wo ich ansach dieselben stet, daran sie war gstanden und gseßen, o, so tet sich mein herz denn freßen, dergleich wo ich ir kleider sach, wurt ich geleich von herzen schwach, das ich mein gmahel auserkorn so schwind und gehling het verlorn, der ich erst gar notdürftig war, weil ich ins sechsundsechzigst jar gieng, sie nur achtundfünfzig was erst alt, derhalb ich übermaß war im herzen bekümmert hoch. oft daucht mich auch, sie lebet noch, etwan bei iren freundin wer, in iren gscheften hin und her. wenn ich mich denn bedacht, das sie gestorben wer und nicht mer hie, so wurt mein herzenleit mir neu, wan ich mich zu ir alle treu versach für all menschen auf ert, besorgt mich von ir keinr gefert, recht lieb und treu ich von anfang bei ir erfunt ir leben lang. sie war ganz heuslich frü und spat, zog all ding rechter zeit zu rat, doch etwan heftig war mit worten bei dem gesint, das an vil orten farleßig war, nit arbeitsam, in summa, all ir ding das kam dem ganzen haushalten zu gut; derhalb mein herz war in unmut, weil ich die treuen nit mer het, mein herz oft nach ir seufzen tet, tag unde nacht ich ir nachdacht. nun begab sich in einer nacht, das ich in den gedanken tief meinr verschiden gmahel entschlief; da daucht mich, ich säch aller ding, wie zu mir in die kamer gieng mein liebe gmahel zu mir her, in weiß, ganz züchtiger geber; von der mein herz erfreuet wur, und gehling in dem bet auffur und wolt sie mit eim kus umbfahen; als ich ir aber wolte nahen, wich sie von mir gleich einem schaten und sprach zu mir nach disen taten: mein Hans, das mag nit mer gesein, ich bin nit mer wie vorhin dein. da fiel mir erst ein gwis und klar, das sie mit tot verschiden war, derhalb mich gleich ein forcht durchschlich, iedoch ir treu die tröstet mich, gedacht, ir geist ist kommen her, zu trösten mich in meiner schwer, und tet mich ir zukunft erfreuen. all mein unmut tet sie zerstreuen, und sprach: o du seliger geist, vergangner zeit du noch wol weist; als dein leib lag in krankheit schwer, tröst ich dich, sagt, wie Christus wer für aller menschen sünt gestorben, bei got genad und hult erworben umbsonst, aus lautr barmherzigkeit, auf disen heilant in der zeit soltst du dich herziglich verlaßen; hoff, du habst das tun aller maßen. der geist mir antwort an dem ort: ich hab auf das gwis gotteswort in rechtem glauben und vertrauen tun von grunt meines herzen bauen; darin bin ich auch abgeschiden vom leib und bin auch wol zu friden und bin schon in ewiger ru, kein zweifel setzet mir mer zu, leb nun in höchster sicherheit und wart ewiger seligkeit in frolockung mit senen groß mit Lazaro in Abrams schoß, mit gewisser, starker hoffnung auf die lezten aufersteung, das sel und leib den widerumb clarificiert zusamen kum, da an uns genzlich wirt erstat, was Christus uns verheißen hat. mich daucht, ich fragt in wunder groß: sag mir, wo ist Abrahams schoß? und was die selen darin tun, was sie haben für freud und wun biß auf den lezten jüngsten tag. antwort der geist: o, auf dein frag so kan ich dir kein antwort geben, wan kein mensch in dem zeitling leben mit nichte die ding kan verston, noch weniger reden darvon, was got mit sein seligen tu, welche sint in ewiger ru; sie berürt mer kein leiblichkeit, sint ganz aus aller stat und zeit, in got als auserwelte geist in himlischer freud allermeist, darin in dann ist ewig wol. nit weiter ein mensch denken sol, biß das er nach seim zeitlichn tot auch dahin kommen wirt durch got aus gnaden zu ewiger ru; auf sollichs solt auch warten du, wan es wirt dir das ende dein fort auch nit lang ausstendig sein; dann wirst mit geistlichn augen sehen ding, die ich dir nit kan verjehen, die kein aug hat gesehen vor und auch gehöret hat kein or, und ist in keins menschen herz kommen, was den gotseligen und frommen got hat dort ewiglich bereit für wonne, freud und seligkeit in dem der geist von mir verschwant. da auferwachet ich zu hant, groß forcht und freud mich da bestan; ich lag und disem traum nachsan in freud und herzlich großem wunder und gedacht mir heimlich besunder an meister Lienhart Nunnenbecken, mein lermeister, der mich tet schrecken vor jaren mit dergleichen traum nach seinem tot, des ich auch kaum mein leben lang vergeßen mag. da ich eins nachts auch schlief vor tag, wie ich in bat in traums gesicht, das er mir geb klaren bericht, wie es zugieng in jenem leben, tet er mir gleiche antwort geben: das du mich fragst, leßt sich nit reden, noch aussprechen zwischen uns beden, biß du einmal komst selb dorthin aus gnaden, dann wirst du erst in, was got sein auserwelten geit nach dem ellent in ewigkeit. nach dem auch derselb geist verschwunt; ich erwacht auch, und manich stunt seit her demselben traum nachsan; denk gwis, das kein mensch wißen kan in disem zergenglichen leben, was got dort ewiglich wirt geben den auserwelten in seim reich, wie denn Christus selb saget gleich; drumb soll wir sein wort herzlich glauben, der hoffnung uns nit laßen rauben solch fürwitzig leiblich gedanken, got vertrauen on alles wanken. derselb wirt uns nach disem leben durch unsern heilant Christum geben aus gnad das himlisch vatterlant. dahin helf uns got allesant, da uns ewig freud auferwachs nach seinem wort, das wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1560., am 19. tag Julij. Historia: Des königs son mit den teufeln Astipulus tut schreiben das, wie in Schweden ein könig sas, welcher Haldanus war genent, der hielt weislich sein regiment, war auch ein streitbar helde kün, der het ein gmahel überschün, mit der er lang kein erben het, des sich der köng betrüben tet; iedoch entlich sie schwanger war und im ein schönen sun gebar. des wart der künig hoch erfreut und darzu mit im lant und leut und ließen freudenfeuer brennen, darbei die groß freud zu erkennen; iedoch wurt dem künig zerstört sein freud zum teil, dieweil er hört von den weisen, die am gestirn heten erforscht durch speculirn: wo dises jungen augen ganz ansehen würdn der sonnen glanz in zwelf jaren, so würt das kint an beiden augen werden blint. den künig das betrübet hat, iedoch funt entlich einen rat von den weisen, das er im hieß: in ein holen berg machen ließ ein wonung, darin man mit fug den jungen künig auferzug. in dem berg an der dunkel fein, mit brinnenden kerzen allein, do das kint aufwuchs und zunam. da es nun zu acht jaren kam, fieng der knab zu studieren an, het bei im nur zwen alte man, die lerten es schreiben und lesen in aller still, on als hofwesen; da war kein rennen noch turnieren, kein tanzen oder banketieren, kein weidwerk oder seitenspil. da sach der jung und hört nicht vil denn sein zwen alte weise herren, die fraget der jung oft: von ferren ist sonst kein mensch, denn ich und ir, wie sint denn nur herkommen wir? sint wir aus den felsen entsprungen? da hörtens wunder von dem jungen, von seinen wunderspehen sinnen; doch musten sie in halten innen, und im mit fleiß in oren lagen, nichts von auswendig ding zu sagen, biß sein zeit gar verschinen war; und da vergieng das zwelfte jar, da ließ der küng holen eilenz sein sun mit freud und reverenz, mit großem pracht, pfeifen und fleten, mit harpfen, posaun und trometen aus dem berge hinein die stat Kopenhagen, da er hof hat; auf seinem küniglichen sal ließ er in schauen überal all seine schetz, silber und golt, all sein kleinot, was er het holt. der knab stunt drob verwundert gar, west nicht, was diß noch jenes war, weil er der ding vor nie het gsehen. der vatter fürt in in der nehen hinab in sein schönen rosstal, drin stunden schöne ros zumal, und füret in hinauf darnach in dem schloß in alle gemach. die warn gezieret also milt mit tefelwerk, manch schönem bilt; und nachdem füret er in immer in das köstliche frauenzimmer, darin manch schöne junkfrau saß, wol geschmücket über all maß. der sun wart zu dem vatter jehen: was sint, das wir hie vor uns sehen? zeigt auf die junkfrauen mit fleiß. da antwort der künig schwanksweis: mein sun, dises die teufel sent, dardurch die ganz welt wirt geblent. fürt in darnach in sein zeughaus vol büchsen, harnisch überaus, darmit zu bschützen lant und stet, die korenböden und vorret. und als er im nun umb und umb het angezeigt all sein reichtum, tet in darnach der vatter fragen: mein lieber sun, tu mir ansagen, was hat am besten gfallen dir in allen schetzen, das sag mir. der sun gar schnelle antwort gab: herr vattr, in dein schetzen durchab so haben mir in disen allen die teufel am besten gefallen. da lachet alles hofgesint. Der beschluß Aus der geschicht sich klar erfint und wirt ermerket klar und pur die große sterk in der natur, welche mit gwalt durchdringet stark vernunft, herz, sin, gebein und mark weil das götliche majestat menschlichem gschlecht einpflanzet hat von wegen menschlicher geberung, die dardurch hat ein stete werung, mit einem so gwaltigen trieb, das man tregt zu dem weibsbilt lieb, das menschlich gschlecht sich mer und wachs biß zu ent der welt, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1562., am 6. tage Maij. Historia: Herzog Heinrich der löw In der sechsischen chronica findt man warhaft geschriben da, als man zelet eilfhundert jar und vierzig, als ein herzog war, regiert zu Braunschweig in dem lant herzog Heinrich, der löw genant, ein streitbar fürst, sighaft und kön. der het ein gmahel from und schön; den doch künig Konrad vertrib, das im nur sein haupstat belib; der auf ein zeit wolt ziehen ab hinein zu dem heiligen grab, in das heilige lant hinein. als er von dem gemahel sein vor seim abscheid sein urlaub num und befalch ir das fürstentum, ein güldin ring von einandr schnit und die fürstin vereret mit dem halben, und das ander teil behielt er im. mit glück und heil mit seim hofgsint abreisen tet, des er ein anzal bei im het. und als er gen Venedig kam, ein galeen er da annam; darmit fur er hin auf dem mer. am dritten tag begab sich ser auf dem mer ein groß ungestum mit sturmenwinden umb und um. wie streng man an den rudern zug, iedoch das ungwitter verschlug das schiff dahin in schneller eil mit gewalt etlich hundert meil gem nidergang, hin über zwerg, hin an den Adamantenberg, daran dann stemt das klebermer, darum kein schiff wirt ledig mer. da waren sie in angst und not und ruften allesamt zu got, wan ir speis weret nicht ser lang, das sie der bitter hunger zwang. all tag ein greif geflogen kam, der ein man aus dem schiffe nam, den füret er hin in sein nest, mit menschenfleisch sein junge mest. solchem unglück hofft zu entrinnen herzog Heinrich mit weisen sinnen; der legt an sein stehlein gewant und verschuf, das man in einbant in ein roshaut und leget in an des schiffs bort. da holet in der greif im luft auf ein fels hoch, sein junge mit zu speisen; doch balt nun der greif wider abflug, aus der roshaut er sich balt zug und würgt die jungen greifen ab und steig über das birg hinab in ein wildnus, darinnen was kein mensch, auch weder weg noch stras, nur wilde tier, giftige würm, der sach er vil grausamer fürm. forchtsam er da in hunger was, wurzel und kraut der herzog as, und wilde frücht von baumens esten die dauchten in süß und am besten; im walt sucht er wider und für, doch funt er keins menschen gespür; des tet er sich ellent bedunken. eins tags sach er vor einr spelunken ein löwen kempfen mit eim drachen gar freidig, doch het in den sachen der drach mit seinem schwanz umbschlungen, das der löw stunt in angst bezwungen. des den fürsten erbarmen tet, zog balt von leder an der stet und dem drachen den hals abhib. nach dem der löw beim fürsten blib und bei im wonet tag und nacht, auch etwan im zu eßen bracht wilds obs und etlich kreuter gut, und hielt den herzogen in hut vor den tieren, und bei im wacht so ganz freuntlich, zam und geschlacht, sam ein gut freunt in allen dingen. den der fürst nicht kont von im bringen, und also in der wildnus war bei im biß auf das sibent jar. nun als der herzog hochgeborn also lange zeit war verlorn, kein botschaft man nie het vernommen, wo er mit seim gsint wer hin kommen, vermeint sein volk, er wer ertrunken, in eim schiffbruch im mer versunken. darob im lant war große klag. die landschaft der fürstin anlag, das sie wider heiraten tet, auf das das lant ein herren het. das also gschach und sich zutrug, ein fürstlich hochzeit man anschlug; nun als frü solt die hochzeit sein, zu nacht der teufel da erschein als ein langer rabschwarzer man und zeiget da dem herzog an: morgen wirt dein weib hochzeit halten, mit eim andern der freuden walten; wilt du aber sein eigen mein, so bring ich dich die nacht hinein gen Braunschweig, e wan kret der han. der fürst sprach: ja, ich wil es tan, wenn du mich und mein löwen mit bringst, doch das ich erwache nit, biß hin gen Braunschweig in die stat; darmit beschloßen war der rat. der teufel nam in samt dem leben und fürt sie in dem lufte eben den nechsten hin auf Braunschweig zu; der fürst der schlief in stiller ru. balt nun die mitternacht her gieng, der löw zu lüen anefieng, darum der herzog auferwacht. des wurt der teufel ungeschlacht und ließ den löwen fallen wider, sezt auch den fürsten ungstüm nider etwas von Braunschweig auf ein meil, bei eim kloster; darein in eil gieng der fürst samt dem seinen leben. frü solt sich in der stat anheben; darein gieng er in pilgrams kleit, vermischt mit freud und herzenleit, kam unerkant hin auf den sal, darauf man hielt das hochzeitmal. mit großem pracht man saß zu tisch, het vergult wiltpret, vögl und fisch, mit seitenspil und mit hofieren, artlichem gesang und quintieren. der fürst schickt den herolt vertraut an tisch zu der fürstlichen braut und ließ ir also sagen an: es wer dort bei der tür ein man, ein alter man, arm und ellent, der begeret aus irer hent einen trunk weins zu einem segen von ires herzog Heinrichs wegen. die fürstin mit weinen durchbrach, in einer güldin scheur darnach schickt sie dem fremden gast ein wein. der trank und ließ fallen darein das halbe fingerlein von golt, begeret, das auch trinken solt die fürstin von herrn Heinrichs wegen, der wer auch noch nit tot gelegen. als ir der herolt solches sagt, da trank die fürstin unverzagt und sach das halb goltfingerlein in der scheuren ligen im wein; das erkennts, das des fürsten was, und es an ir halb ringlein mas, stunt auf vom tisch in großer freut, mit verwundrung aller hofleut, und zu des sales tür hin gieng und iren alten fürstn umbfieng mit höchster freud, doch ungeret, an seinem hals im weinen tet, der gleich er auch. zu hant auffur als hofgsint, und entpfangen wur der fürst mit großer reverenz, und setzten in zu tisch eilenz, wan er der rechte breutgam was. als man nun frölich trank und as und von dem hochzeitmal gieng ab, der fürst dem jungen breutgam gab ein jungs freulein, sein töchterlein. also wurden zwo hochzeit gmein beider fürsten vierzehen tag, da man aller schön kurzweil pflag mit rennen, stechen und turnieren, mit tanzen und mit banketieren, weil man den fürsten wider het, der darnach lang regieren tet. der bhielt den löwen sein lebtag, der zu tisch bei sein füßen lag, und wo der fürst auch reit zu hof, der löw allmal auch mit im lof; zu nacht lag er vor der saltür und wacht als ein wechter darfür. der fürst auch bauen ließ ein stat, Löwenburg die genennet hat seinem treuen löwen zu ern, sein gedechtnus darmit zu mern. nach dem der alte fürste starb und ein seliges ent erwarb, und gar fürstlich begraben wart, sein löw ganz schwach, trauriger art sich leget auf des fürsten grab. niemant kont bringen in herab, und da zu lüen anefieng für unde für kleglicher ding, wolt auch nicht mer eßen und trinken, vor herzleit tet in tot hinsinken. derhalben nent man darnach eben disen herzog Heinrich den leben, dieweil sie heten beidesander so herzlieb gehabt an einander, in rechter treu biß an das ent beider leben heten vollent. Der beschluß Diß ist zu gedechtnus beschriben und uns zu eim exempel bliben: weil der löw also on abscheu so hoch vergalt des fürsten treu, die er am drachen im bewies, das er sein leben bei im lies und nach seim tot mocht nit mer leben, hat er uns ein schön beispiel geben. vil mer sol ein vernünftig man recht lieb und treu vergelten tan, wo im geschicht aus treuem mut ein treu an leib, er oder gut, an freuntschaft, kindern oder weib, das die nicht unvergolten bleib, von dem sie im wirt zugemeßen, sol er ewiglich nicht vergeßen; wan es ist die undankbarkeit ein grob laster, das unser zeit doch get gewaltig in dem schwank. die gegentreu ist schwach und krank hie gleich wie auch jenseit des bachs, das klagt auch zu Nürnberg Hans Sachs. Anno salutis 1562., am 23. tag Maij. Schwank: Von dem frommen adel Als zu Frankfurt vor manchem jar am Mein, der hauptstatte, da war eins tags gehalten halsgericht über gar ein jungen böswicht, gar ein hurtigen reutersmon, der war ein wolgestalt person, von leibe schön, gerad und lang, und het gar ein höflichen gang, in der kleidung geschmuckt und sauber, der war gewesen ein straßrauber, über welchen Augspurg die stat tausent gulden verbürget hat. disem solt man den kopf abhauen, ob welchem aber man und frauen gar ser großes mitleiden het. als man den verurteilen tet und zu dem gericht füret aus, bracht in für ein großes wirtshaus, darin vil fremdes adels lag, solten da machen ein vertrag mit der frenkischen ritterschaft. nun dise waren auch behaft in mitleiden und mit erbarmen, als sie sahen ausfürn den armen, so guter höflicher gestalt und doch kaum zweinzigjerig alt; da dauret sie das junge blut, wurden zu rat und wolgemut giengen hin für den öbern rat, und da auf demütigest hat der adel angelegt ein bit und vermeint, dem jungen darmit beim öbern rat hult zu erwerben, das er nit müß so ellent sterben, sonder würt von dem schwert erret. der öber rat da fragen tet: ir lieben getreuen, sagt an, wist ir, was der jung hat getan, darumb er sol werden gericht? der adel sprach: das wiß wir nicht, allein reut uns die jung person, umb den doch warlich iedermon ein sonderlich mitleiden hat. darauf antwort der öber rat: ir lieben getreuen, so wist, das der jung ein straßrauber ist, welcher den kaufleutn aus vertrauen etlich wegen hat aufgehauen, sie gfangen und geschetzet hart mit seiner rot auf dem Spessart, und hat auch sonst vil schadens ton; darumb wolt wir in richten lon. weil ir aber so große bit anlegt, wöll wir in richten nit, sonder zu eren euch gemein sol im das leben gschenket sein. ganz quitledig all seiner bant, iedoch sol er raumen das lant und nimmermer kommen darein, zu straf diser verhandlung sein. als nun der adel an dem ort vom öbern rat hört dise wort, da sprachens gleich mit entsatzung: wie? hat geraubet diser jung die kaufleut schon auf dem Spessart, und er ist doch nicht edler art? das hab wir nicht gewust vorhin, derhalb nur eilents mit im hin und laßt im nur sein kopf abschlagen! wolt der baurenknecht in den tagen sich mit raub auf dem Spessart nern, welches doch nur zustet mit ern dem frommen adel aller masen, den kaufleuten in busen blasen, das im die gülden heraus stieben? den die reisdienst gar hoch tunt lieben, die bei in bleiben hin biß her nur tapfer gute reutersmer. darmit der from adel abschid und war des urteils wol zu frid. Der beschluß Fro sollen des all kaufleut sein, das alle straßen werden rein in Franken, Beiern, Sachsen, Schwaben, da selbst ist große achtung haben der adel, das auf keiner straß kein rauber mer auffragen laß, er sei denn von adelsgeschlecht, das zu der tat hab fug und recht; derhalb ist iezt gut sicher wandlen gen Frankfurt und Leipzig zu handlen, dergleich durch all gebirg und tal, das vor unsicher war zu mal. wer iezunt durch den Spessart züg und golt auf seinem haupte trüg, man nem im nicht ein birenstil. darauf so laß sich, wer da wil; doch hüt er sich vor ungemachs auf allen straßen, ret Hans Sachs. Anno salutis 1562. am 3. tag Julij. Fabel: Der vogel Cassita mit sein jungen Doctor Sebastianus Brant der macht ein fabel uns bekant vom vogel Cassita mit namen; der nistet in des treides samen, darin junge aufziehen tet, sein narung von der früchte het. als zeit der ernte gieng herein, und sich ferbet das treit gemein, wolt diser vogel obgemelt hinaus fliegen in weites felt und ließ die jungen in dem nest und befalch in aufs aller best, aufzumerken an diser stet, was da würt ghandelt und geret dieweil biß das er wider kem. also schiet er von in. nach dem kam der bauer mit seinem son und sprach: wir müßen schneiden lon, das korn ist reif in beten allen; sonst würt es zu dürr und ausfallen. ge hin und unsern nachbaurn sag, das sie kommen morgen vor tag und uns einschneiden unser treid. nach dem abschiden sie all beid. des warn die jungen vögl forchtsam. nach dem die alt geflogen kam, die jungen sagten böse mer, wie beim acker gewesen wer der baur, seim son befolhen het, das er sein nachbaurn brufen tet auf morgen, abzuschneidn sein korn: des sein wir hart bekümmert worn. die alt sprach: lieben, förcht euch nicht, das schneidn auf morgen nit geschicht. des andern tages gleicher weis flog sie aus, zu samlen die speis. der baur mit seim son wider kam und sprach: wie gar mit schand und scham haben mich mein nachbaurn verlaßen, den ich vil guts tet übermaßen! drumb ge zu den blutfreunden mein, die in dem nechsten dorfe sein, sag zu in: komt auf morgen fru, das man das korn einernten tu, wan es ist zeitig überaus. nach dem giengen sie beid zu haus. die alt die kam geflogen wider und ließ sich zu den jungen nider; die sagten, was befolhen war vom bauren seiner blutfreunt schar. die mutter sprach: seit auch on sorgen, die freunt kommen auch nit auf morgen, das korn ein zu schneiden umbsunst, wan schmal und ring ist lieb und gunst bei blutfreunden, drumb seit zu ru. nach dem des andern tages fru, als die alt war ausfliegen nun, kam der bauer mit seinem sun. als er nun sach und het vernommen, das seiner freunt war keiner kommen, sprach: got gsegn euch freunt und nachbauren! nu wil ich nit mer auf sie lauren, weil mir das von in ist geschehen, het beßers mich zu in versehen. drumb bring du morgn zwo sichel her, mir eine und dir die ander, so wöll wir selbst schneiden das korn; fremd hilf ist ungwiß und verlorn. nach dem die alt hört an dem ort von den jungen des bauren wort, wie er seim sun befolhen het, da sagt Cassita an der stet: nun ist es warhaft große zeit, mit unsrem nest zu fliehen weit; weil der baur und sein sun beidsant selber wöllen anlegen hant, so wirt die sach gwiß gen von stat, die sich vor lang verzogen hat mit den blutfreunden und gesipten, nachbaurn, verwanten und gelibten, von welchen alln komt wenig gutz, wo sie darbei nicht spüren nutz. nach dem der vogel Cassita nam sein nest, fürt es anders wa mit seinen jungen, das sie eben forthin möchten frei sicher leben. des nechsten tages kame mit seim sun der baur, sein ernt einschnit. Der beschluß Die fabel zeiget uns hie an, das ganz fürsichtig sei ein man, sein eigne sach selbert ausricht und sich genzlich verlaße nicht auf sein nachbauren und verwanten, auf sein gsellen und wolbekanten, auch nit auf sein angboren freunt, die im mit sipschaft sint verzeunt; der wort sint wol gut schmeichelhaft, iedoch ganz on leben und kraft; balt die darvon haben kein nutz, vergeßen vor empfangen gutz, ziehen hant ab, laßen den waten in allm unglück, wie von den taten saget das alt sprichwort: in not gen der freunt zweinzig auf ein lot. guter gselln und nachbaurn allein gen wol achtzig auf ein quintlein. derhalb ein man wol für sich sech; wil er, das sein ding recht geschech, so greif ers an, vollent selbst das und sich auf keinen freunt verlas, wil er, das sich aufmer und wachs sein er und gut, wünscht im Hans Sachs. Anno salutis 1562., am 2. tag Decembris. Schwank: Claus Narren drei verwunderung in der stat Leipzig Als herzog Fridrich zu Sachsn lag, der löblich fürst, auf eim lanttag einsmals zu Leipzig in der stat, da sich eins tags begeben hat, das er anrichtet ein banket, auf ein abent zu gaste het die andren fürsten all zu mal, und all sie aßen auf dem sal und lebten da frölich und frisch. als man aber aufhub die tisch, da wart ein confect aufgesezt zu einem schlaftrunk, da zulezt die fürsten an zu reden fingen von selzam wunderlichen dingen hin und herwider in den landen, was wunders eim wer zugestanden bißher in seinem ganzen leben, und was selzams sich het begeben, und brachten vil sach auf die ban. zuletzt da fieng Claus narr auch an, den herzog Fridrich gar lieb het, und ernstlich zu den fürsten ret: ir herrn, vil dings wundert euch ser, doch wundern mich drei ding vil mer, die hie zu Leipzg sint in der stat, die euer keinr gemeldet hat. herzog Fridrich der sprach: mein Clas, so fach an, laß uns hören das, was dich so großes wunder hat allhie zu Leipzig in der stat. Das erste wunder Claus narr fieng an, sprach: auf mein treu, erstlich wundert das groß geben, so die barfußer münich tan in irem kloster, das sie han bauet so köstlich außn und innen, sam solt ein fürst selb wonen drinnen, mit stuben, küchen, kellr und brunnen, mit bad künstlich und wol besunnen. das nimt mich heimlich großes wunder, warmit sie doch bauen besunder, dieweil sie ie kein gelt nicht han; ir keiner rürt kein pfenning an, solchs sie in ir profession in gehorsam verlübet hon, sich nur mit dem bettel zu neren. was sie im kloster tun verzeren, das muß der bettel als hertragen. ir brüder auf die gart sie jagen umb kes, eier, schmalz, fleisch und brot und klagen ser vil hungers not. derhalb mich großes wunder hat, durch wen ir herlich bau aufgat; und wenn mein Fritz ein bau wil fürn, so muß er sein schatz weidlich rürn, darmit er die werkleut bezal. da wil nichts klecken überal; schlegt er ein bau umb tausent an, so muß er gwis zwei tausent han; so vertrogen die werkleut sint, machen mit gsehnden augen blint. das nimt mich wunder überaus, wie die münch mit in bauen haus, weil sie han weder gelt noch pfant, sint lauter bettler allesant; das ist mir wunder über wunder. Das ander wunder Zum andern wundert mich besunder, das hie zu Leipzg der predger orn teglich verkaufet so vil korn, das sie groß schetze samlen mit, und ich hab doch kein münich nit mein lebtag sehn gen acker farn, schneiden noch dreschen bei mein jarn, samlen doch große schetz daraus und haben allesamt durchaus in dem orden die armut gschworn und sint nun all meineidig worn, tun nichts den schlafen, freßn und saufen und terminiern, im lant umb laufen, im chor metten und vesper singen; von wann sie so vil treits herbringen, das kan ich gar nit ausgerechen, vor wunder wil mein bauch aufbrechen, wo das treit nemen die fauln laurn. mein Fritz hat etlich tausent baurn in seim fürstentum hindn und vorn, die all bauen weiz, kern und korn, dinkl und habern, wie tut gebüren, und all ir gilt gen hof nein füren von seinem lande umb und um, und hat doch kaum ein solche sum von seinen kesten zu verkaufen, nach dem er speist des hofgsints haufen. das nimt mich ewig großes wunder. Das dritte wunder Zum dritten wundert mich besunder, das die Damaser münich glat allhie zu Leipzig in der stat schweren keuschheit, doch nicht dest minder haben sie all vil kleiner kinder, die man in aufzeucht allesant in der stat und daus auf dem lant, die all kommen von irem leib, und hat doch ir keiner kein weib genommen nie; drumb tu ich fragen: habens die kinder selber tragen, oder sints in irm garten gwachsen? nun hat mein alter Fritz zu Sachsen ein schön und wolgeborne frauen. kan doch mit ir kein sun erbauen, das er zum lant ein erben het. wie das aber alles zuget, ir herren, des berichtet mich, wan ir vil gscheiter seit als ich, bit ich euch summa summarum, das ich meins wundern gar abkum. Der beschluß Die fürsten lachten diser schwenk und waren darbei ingedenk, das hin und wider im Teutschlant die bettelorden allesant mit irer gleißnerei umbzügen und im bettel zusamen trügen groß schetz durch mancherlei gespor, das sies teten den fürsten vor mit gebeu und wollust oblegen, wiewol iezunt vor kurzen tegen so ist der faulen münich haufen mannicher spulen ler gelaufen, das in der pracht im teutschen lant verget, und wirt enger gespant küchen und keller in alln dingen, derhalb sie aus den klöstern springen, sint unleidlich solchs ungemachs, fliehen das kreuz, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 29. tag Januarij. Schwank: Der Heinz Unru Es ligt ein dorf im Beierlant, dasselbig Fünsing ist genant, da saßen leppisch bauren drin. nun war auch einer under in, derselbig hieß der Heinz Unru, der het zu hadern immerzu mit seinen nachbaurn hindn und vorn, stak vol ungedult, rach und zorn, het gar ein eigensinning laun, brach oft ein hader von eim zaun, auf das er nur zu zanken het; drumb iederman in fliehen tet, hieß auch darumb der Heinz Unru, das er vil haders richtet zu. der het ein garten an seim haus, darinnen het er überaus weiß rüben und das kumpaskraut, auch korn und habern darin baut, vil kreuter und würz mancher art, des er ser fleißig hüten wart. eins tags kam im ein has darein, der im darin das kolkraut sein an eim ort abgefreßen het; darob Heinz Unru zürnen tet. nicht anderst schalt und fluchet er, sam der ganz gart verderbet wer. und als er den hasen ergucket, im stadel er ein drischel zucket und lof dem hasen grimmig nach, zu würgen in zu grimmer rach. der has aber war im zu glenk und brauchet im lauf so vil renk, das der bauer oft fallen was und lag gestrecket in dem gras. dem bauren tet gar we der spot und schwur dem armen hasn den tot: du ragenörlein, du must sterben, kein man sol dir mein hult erwerben, weil du mich so oft wirfst zu haufen. ob ich dich gleich nit kan erlaufen, schick ich dir doch ein übern hals, der dich wol knicken kan nachmals! und balt hin aus dem garten lof zu dem pfleger in seinen hof. vor dem zog er ab seinen hut, ganz entrüst mit zornigem mut klagt, ein has in verderben wolt, vor dem er in beschützen solt mit sein rüden, staubern und winden; der has wer in seim garten hinden und het im großen schaden gtan an seim kolkraut. dem edelman tet er ein simmer habrn versprechen, wenn er in tet am hasen rechen, von dem er wer beschedigt worn, und het im auch den eid geschworn. der edelman ob disen sachen tet seiner großen torheit lachen und balt auf seinen gaule saß und sechs jaghunt mit füren was. darmit kam in Heinz Unru garten, dem hasen auf sein balg zu warten, fieng an und blies sein jegerhorn und sucht im garten hindn und vorn disen armen ellenden hasen. die hunt hin und her spüren wasen, loffen umb mit bellen und schnauden; in dem sprang aus einer hanfstauden der has; balt in die hunt ersahen, gschwint loffen sie im nach zu fahen; der has lof in dem garten rumb und schlug vil haken, schlem und krumb, das keiner in ergreifen kunt. das weret auf ein halbe stunt; all winkl im garten durchaus mit der pfleger auf seim ros nach rit und schrier sein hunden tapfer zu, die strichen nach on alle ru; doch entlof in der hase jung, entlich über den zaun naus sprung und lof wider hinein gen walt. der edelman der fordert balt sein habern an den bauersmon, den er verheißen het zu lon. Heinz Unru sich des widern tet, weil er im nit gefangen het den hasen und bracht zu dem tot. der edelman schwur im bei got, er wolt sein stadl im zünden an, drauf setzen im ein roten han. Heinz Unru im den habern gab, das er mit lieb sein köme ab, das er nit weiter köm zu schaden, darmit er vor war überladen. der pfleger mit dem gaul und hunden het im garten oben und unden zertretn so in einr kleinen kürz rüben, samen, kreuter und würz und darzu auch habern und korn, das war alles zertreten worn; und wenn der has ein ganzes jar in dem garten gewesen war, het er nit so vil schadens tan als mit seim jeit der edelman. also het diser Heinz Unru den schaden und den spot darzu. Der beschluß Also fint man noch manchen man, der gar glat nichtsen leiden kan; ob es schon ist der red nicht wert, er sich doch des so hart beschwert, wil gar nichts laßen ungerochen mit gronen, schelten, fluchn und pochen. sicht einer in nur sauer an, er kans nit ungerochen lan; alle ding tut er widerfechten, auch vor gericht zanken und rechten. dieweil gar nichts kan leiden er, wagt er sich oft in groß gefer und get oft nach eim eher, glaub, verzett darob ein ganzen schaub durch seinen bösen laun und trutz; richter und schergn haben den nutz. wer aller rachsal nach tut gen, der macht aus einem schaden zwen; wer abr ist ein gedultig man, der überhörn und sehen kan, hüt sich vor unnützen gezenken, der selb tut eisern tür anhenken, entget dardurch vil ungemachs, sagt das alt sprichwort und Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 11. tag Maij. Schwank: Die verkert tischzucht Es beschreibet Grobianus in seinem buch Dildappibus, im drittn capitl Stulticia seinen schulern und spricht allda: hör, mensch, wen du zu gast wilt eßen, wasch dein hent nicht, e du bist gseßen, sint dein feust gleich des unlust vol, lang negel zimen dir auch wol, und setz am tisch dich oben an, setzt gleich der wirt dich nicht hinan, des benedicite auch vergiß, sonder zuck den löffel und iß und greif hinein vor andern alten; tu dich grob und ölperisch halten, am tisch schnaude und seuisch schmatz, mit ungestüm nach dem brot platz, ein becher zwen umbstoßen tust, denn schneid das brot an deiner brust, das gschnitten brot oder den weck fein mit der linken hant bedeck, auf das kein schnitten dir entlauf, oder mans zel und merk dir drauf. brock darnach mit den zenen ein, und greif nicht für dein ort allein, sonder, sichst vor dem nechsten dort, der sitzet an eim andren ort, etwas ligen, des du lust hast, so denk, ich bin doch auch ein gast, tu schnell das schleckerbißlein zwacken und spül mit der zungen dein backen. tregt man ein eingebicktes her, des brü vol würz und zuckers wer, so nem den löffel allmal vol; wenn du dich gleich treifst, es stet wol, das es gleich auf das tischtuch rin, nimts doch das waßer alles hin. nach ander speis greif wider her, e dir dein munt sei worden ler, als wöll die schüßel dir entlaufen. scheub brocken ein mit großem haufen; mit vollem munt red, sei gefreßig, sprü umb dich, halt dich gar unmeßig, der lezt ob der speis sei am tisch, zerbrich das fleisch und schneid die fisch. kleine fischlein auch schmecken wol, der nim auch große schnitten vol, wan sie sint klein, nim ir dest mer, darmit erlangst du rum und er. keu mit dem munde unverschloßen, schnarch durch die nasen gleich den rossen, und schlag dein zungen aus dem munt eben gleich eim fleischhackerhunt, und leck dich umb das maul herum, das dir nichts zu unnütz hin kum, und tu geizig dein eßen schlinken; wisch dein maul nit, wenn du wilt trinken, ob du gleich schmalzig machst den wein. trink weidlich, wenn du gleich hust drein, so trinks gar aus, tu darzu kreisten, ein grölzer drauf zimt dir zum meisten. das ist gesunt und schadt dir nicht. auf iederman wirf dein gesicht, merk auf sein trinken und sein eßen. wer dir zunechst am tisch ist gseßen, den irr und ruck stet mit der benk; ob du gleich machest ein gestenk, das dir etwas unden entfar, denk, es ist nur farende war. dein füß laß underm tisch umgampern, und sei der erst mit allen schampern worten, glechter und phantasei, treib nachred, zank und bulerei. an dem tisch solt du dich oft schneuzen, tut gleich den gesten vor dir scheuzen; magst auch umbzausen in der nasen, des zenstürens darfst dich nit maßen; auch magst dich in dem kopf wol krauen, das hemt auftun, in busen schauen und hinein nach dem wiltpret fischen, magst das maul wol ans tischtuch wischen. ist man denn lang zu tisch geseßen, das du vol bist von trinkn und eßen, so leg dich auf mit beidn elbogen, lein dich an und sei nicht geschmogen, oder leg dein kopf in dein hent und spreiz dich hinden an die went, biß das mal hat seinen ausgang; dann sag got weder lob noch dank. wenn man dann hebt das tischtuch auf, sezt darnach ein hantwaßer drauf, wolschmeckend mit kreuter und würzen, so tu beid hent ungstüm drein stürzen und besprütz all, die herumb sitzen; denn spricht iederman wol dein witzen und helt dich für ein ordensman in dem kloster sant Grobian, drin man lert weder scham noch zucht, der auch kein mensch mer bei dir sucht. doch bleibet dir fürhin das lob, du seist unverstanden und grob, on alle gut sitten und tugent; so bleibst ins alter von deinr jugent samt deinen brüdern jenseits bachs sant Grobians, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 15. tag Junij. Schwank: Eulenspiegel mit seinem heiltum Als Eulenspiegel durch vil lant mit seiner schalkheit war bekant, in Hessen, Türingn, Meissn und Sachsen, am Harz, in sesteten unglachsen, Beiern, Schwaben, Franken, Reinstrom, in Behmen und Welschlant zu Rom, da er sich mancher schalkheit fliß und vil selzamer zoten riß durch seine abgeribne tück, oft unverschemte bubenstück, darmit einfeltig leut beschwert, das man seins scherz nit mer begert; derhalb nicht mer het guten platz, wo er hin kam mit seinem fatz. im wurdn verboten etlich flecken; des Eulenspiegel tet erschrecken, als er verlor günstigen trauen, fort nicht mer dorft all flecken bauen, zulezt er im ein list aussan, ein andre sach zu greifen an zu seim betrug, und auf einmal aus einem totenkerker stal ein totenkopf, den er allein mit weng silbers ließ faßen ein, sam der totnkopf ein heiltum wer. eim pfaffen gleich sich kleidet er, gleich eim stationierer reit mit seinem heiltum sommerszeit herumher in dem Pommerlant, darin er vor war unbekant. allda west er, wie bei sein jarn die pfaffen seicht geleret warn, die selten vil studieret heten, nur schlemmerei anhenken teten, in der biertafern war in wol, tag unde nacht fast waren vol. den kunt er mit seinr schalkheit kunst balt machen einen blauen dunst, das sie gelaubten seinen worten, wo er hinkam an allen orten. wo er auf ein dorfkirchweih kam, so richt er zu sein ablaßkram und den dorfpfaffen zu im num und verhieß im die halben sum von dem opfergelt gar gewiß, das er in in die kirchen liß, und lich im seinen chorrock an, dem baurengsint ein predig tan von sanct Stolprianus legent, zeigt im sein heiltum an dem ent. der pfaff des wol zufriden war; denn stunt er an dem choraltar, das bauersvolk stunt umb in runt. wenn man zu predig leuten gunt, so fieng denn Eulenspiegel an sein predig von sanct Stolprian; darmit war er gar schwint und runt und in das heiltum zeigen gunt, sprach: schaut, ir frauen und ir man, das haupt vom heiling Stolprian, welches ich hab zu Rom genommen, bin mit zu euer lieb herkommen, das ir andechtig man und frauen das heilig haupt auch mögt anschauen. dem samel ich zu eim gotshaus, darzu gebt eure steuer aus und nemt vom liebn heilign den lon, der wirts vergelten, wo er kon, euch schaf, kelber, hüner und gens bhüten, das sie kein wolf hin dens, es sei denn er selber darbei; des hab ich brief und sigel frei. ir menner, steuret zu der sum, ir seit geleich bös oder frum, erlich, unerlich, arm odr reich, gilt mir eur opfer als geleich. ir weiber abr opfert allein von gutem gelt sauber und rein nur from junkfrauen und efrauen; wo sich abr eine het verhauen, wer bulrin odr ebrecherin, derselbn opfer nem ich nit hin, die bleib an irer stat still sten, tu bei leib nit zu opfer gen, ir opfer ich nit verantwortn kan bei dem heiligen Stolprian. als solchs hörten die beuerin, traten sie schnell zum opfer hin; welche schon ein ebrechrin was, die opfert im nur dester baß, ein mal zwei drei zu opfer gieng, manche zug ab ein silbern ring vom finger und den opfern tet, wenn sie kein pfenning bei ir het, auf das man sie nur opfern sech, sie darnach from und erlich sprech. derhalb wart von der weiber meng zu dem opfer ein groß gedreng, wan welche het geopfert nicht, die het man übel ausgericht, sam wer sie irer er nit frum. Eulenspiegel mit seim heiltum alda in seinem chorrock stan und nam die opfer alle an von den frommen und von den bösen, gnad und ablaß von im zu lösen. von welcher er das opfer num, der gab er zu küssn das heiltum, sezt ir auch auf den totenkopf, der klappert wie ein alter topf. also der Eulenspiegel frum mit seim schalkhaftigen heiltum bracht ser vil gutes gelts zu wegen. nach dem da sprach er in den segen und ließ sie alle gen zu haus. darmit war sein opferdienst aus, darvon er sich mit got und eren und sonst auch wie vorhin was neren in Pommern mit seiner schalkheit. Der beschluß Ich glaub, wenn iezt zu unser zeit auch Eulenspiegel zu uns kem mit seim heiltum, das er einnem auch opfergelts ein große sum, darmit sich manch weib machet frum, so sie im brecht ir opfer her, obs gleich sonst mü und arbeit wer mit irer ere, scham und zucht, iedoch mit dem sie het ausflucht, tet e ein pfenning daran wagen, das man nichts args von ir dörft sagen, daraus ir er folgt ungemachs; denn wers from wie vor, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 12. tage Augusti. Fabel: Der faul bauer mit sein hunden Doctor Sebastianus Brant ein fabel schreibet mit verstant, wie das auf einem dorfe sas ein baur, der faul und gfreßig was, welchem sein vatter war gestorben, von dem het er sein hof erworben, darin von treit ein vorrat het, das er balt gen mark füren tet und verkaufet das kurzer tag. mit dem gelt in der stat drin lag, in dem wirteshaus bei dem wein, het gar kein achtung auf das sein und saget oft: was sol ich sorgen, ich hab gnug, sterb heut oder morgen, wan ich weiß gewis und fürwar, wenn ich noch lebet hundert jar, so hab ich hundert jar zu eßen. solcher wort trib er vil vermeßen, ie feuler und heilloser wur. forthin nicht mer gen acker fur den ganzen herbst, auch seet nit. als es hinaus kam an den schnit, das sein nachbaurn in dorfgemein schnitten und fürten koren ein und samleten ir kesten vol, zu zeren mit ornlich und wol; aber der faule bauersman der het im sommer nichtsen tan, den sein vetterlich erb an worn, het gebaut weder weiz noch korn; als der winter kam nach den sachen, het er kein treit, im brot zu bachen. als nun der hunger in anfacht, er im ein losen fürschlag macht, stach darnider das weidvich sein, schaf, rinder, böck, geiß und die schwein, eins nach dem andern solcher maß, sie sut und briet, darnach sie fraß. nach dem er auch darnider schlug die ochsen, so vor in dem pflug zugen, und die einsalzen was und einen nach dem andern fraß. als solichs sahen seine hunt, da hettens ein gesprech gar runt, sprachen: schaut, der faul bauersman, so er sein erbteil hat vertan, hat er sein weidvich abgestochen, leßt das sieden, braten und kochen, hat das gefreßen aus dem salz, von den er het kes, milch und schmalz, die im vil nutz haben getragen, das hat er als in wint geschlagen. nach dem sein ochsen nider schlug, welche im zugen in dem pflug, darmit mocht bauen weiz und korn, haben all ir treu dienst verlorn, die frißt er auch in seinen hals. wenn ers hat aufgfreßen nachmals, so hat er ie nichts mer im haus zu freßen, so wirt er voraus auch freßen uns zwen arme hunt, wo wir im nicht entlaufen tunt, uns suchen einen andern hern; drumb wöll wir laufen in die fern, das wir vom faulen baurn vermeßen nicht werden gmetzget und gefreßen. darmit loffen beid hunt darvon, verließn den faulen bauersmon. Der beschluß Aus diser fabel sol verstan noch heut zu tag ein junger man, dem auch etwan ein erb zustet, darvon er gute steuer het, ornlich zu leben spat und fru, iedoch das er auch tu darzu sein arbeit oder seinen handel und füren ein erlichen wandel als ein biderman nach seim stant; wenn er aber nimt an die hant ein lesterlich faulenzeut leben und sich gar darein tut ergeben auf füllerei, hurweis und spil, helt darin weder maß noch zil, wart seins handels gar nicht darbei, dem verschwindt aus sein henden frei sein gütlich und tut von im wandren, denn verkauft er eins nach dem andren umb halbes gelt und wie er kon; möcht sich doch neren wol darvon, wenn er nicht wer so treg und faul, het nicht ein so vernaschtes maul. als denn er seine wolbekanten freunt, gesellen und wolverwanten tückischer weis denn tut ansetzen, mit lehen und bürgschaft zu letzen, die im vor habn vil gutes ton, der keines tut er denn verschon, helt den doch weder zeit noch frist, glauben und traun verloren ist; als denn zu grunt sein handel gat, denn stet wüst und öd sein werkstat. erst komt die armut im zu haus wie ein starker ries überaus, denn muß am hungertuch er neen knecht und meit tunt sich denn ausdreen, weil mangel ist an speis und brot; im haus ist nichts den angst und not. das hat im der jung faule man nur selber gar mutwillig tan, das in unfal als ungemachs sein lebtag reit, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 24. tage Septembris. Schwank: Der bauer mit dem bodenlosen sack Ein bauer saß im Oberlant, dem die armut tet we und ant, sagt: es hat mich als glück verschworn, mir hat umbgschlagen weiz und korn, linsen, erbeiß, ruben und kraut und als, was ich diß jar hab baut, auch sint zwo mastseu mir gestorben, und ein kalb im brunnen verdorben, darzu ein ros worden gestoln. ich weiß mich nit mer zu erholn des schadens, das mein gilt ich zal, die gfordert ist zum dritten mal, ich fürcht den schultturen alwegen, darin ich vor bin drei mal glegen; steck sonst auch in ser großer schult, des reitet mich groß ungedult; ich glaub, wenn iezt der teufel kem, mir gelt brächt, das ichs von im nem und wer darnach ewiglich sein. in dem kam der teufel hinein, sprach: bauer, ich hab ghört dein klag, mit gelt ich dir wol helfen mag, doch das du darnach seiest mein. der bauer sprach: ja, das sol sein, wenn du mir gibest gelts genug. du möchtst abr treiben ein betrug, sprach der teufel, sag mir vor an, wie vil geltes must du denn han, das du des geltes genug hetest? der bauer sprach: wenn du mir tetest gleich eben disen malsack vol, daran sol mich benügen wol; denn sol dein sein mein leib und leben. der teufel sprach: den wil ich geben, daran soltu haben kein zadel, setz dich heint zöberst auf dein stadel mit deinem sack, so wil ich kummen und dir bringen des geltes summen; doch sag im dorf sonst nichts darvon, das gelt nem sonst der edelmon. die sach war schlecht, der teufl fur hin, der bauer dacht in seinem sin: wie greif ichs an, das ich gelt nem und aus mein großen schulden kem, doch nicht verlör der selen heil und dem teufel nicht würt zu teil? ich weiß ein rank, wil den bekennen, wil den sack am boden auftrennen und wiln in dem dachstadel hoch hinein henken durch das firstloch, was der drein schütt von gelde allen, wirt unden durch den sack ausfallen, herab hoch in den stadel innen, das dem teufel muß gelts zerrinnen, e er mir fült disen malsack; und wenn mir fort get mein fürschlag, so überkom ich groß reichtum, wirt doch des teufels nit darum. tet also bei des mones glitzen oben auf den stadelfirst sitzen, sein bodenlosen sack mit zoch und hieng in nein zu dem firstloch. der teufel sich gen Frankfurt hub und ein keßel mit gelt ausgrub, den ein altr jud eingraben het, und den mit im hinfüren tet zum bauren auf den stadel sein, schütt das gelt in den sack hinein. das fiel alles unden durch aus. der teufel hindr eins bauren haus auch ein hafen mit gelt ausgrub und den mit großer eil erhub, den ein beurin eingraben het, den auch in den sack schütten tet. nach dem begrif den sack gar wol, ob er nicht wer mit gelt schier vol, da grif er entlich an der stet, das der sack keinen boden het, sprach: bauer, du hast mich betrogen, das helmlein durch das maul gezogen, weil dein sack hat kein boden nicht; was ich nein schütt, das felt gericht unden durch aus nab in den stadel. ich würt haben mangel und zadel an allen schetzen diser welt und an allem eingrabnen gelt, e ich dir füllet deinen sack. der bauer diser red erschrack und furcht des teufels grimmen zorn. derselb auch fieng an zu rumorn und den bauren grimmig anplatzt, sein hals und sein angsicht zerkratzt mit sein spitzigen klaen scharf, beim har in nab vom stadel warf. der teufl fur hin in zoren grim und ließ ein wüsten gstank hindr im; der bauer lag, war gfallen hart, das er sein lebtag hinkent wart. auffur der bauer obgemelt und klaubt im stadel zam das gelt und legt das in sein haberkasten und dacht: erst wil ich frölich masten, und ob ich gleich bin hinkent schon, bin ich doch iezt ein reicher mon, und hat ein ent mein ungedult, nun kan ich zalen all mein schult, kan sitzen auch bei külem wein, da ander reich bauren auch sein; nun wirt ich auch zogen herfür, darf nicht sitzen hinder der tür. also er aller kurzweil wielt und ein fröliche fasnacht hielt mit seinem schatz im haberkasten; und als es nun war nach mitfasten, wart der bauer seim pfarer beichten, sein herz von sünden zu erleichten, die handlung mit dem teufel melt und von seinem zubrachten gelt und dem sack, der kein boden het. der pfarer dem nachdenken tet und brauchet einen schwinden list, sprach: bauer, wiltu zu der frist, das ich von sünt dich absolvier, so mustu zu lon geben mir disen dein bodenlosen sack. der bauer diser red erschrack, sprach: herr, ich hab den sack erstritten und ser vil unglücks drob erlitten, den sack ich nicht geren verlir. der pfarer der sprach: es zimt mir der sack und ist auch eben recht uns, dem ganz geistlichen geschlecht, das wir darein samleten gelt und alle güter diser welt, auf das er dennoch nit würt vol, drumb zimet uns der sack gleich wol. der bauer sprach: so nemt in hin, sagt, wie lang wolt ir bhalten in? ich denk, es werd in kurzer zeit euch den nemen die obrigkeit, auf das ir schatz sich mer und wachs zu gmeinem nutz, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 5. tag Octobris. Historia: Ein wunderbarlich gesicht keiser Maximiliani löblicher gedechtnus von einem nigromanten Als keiser Maximilian, der großmechtig und teure man löblicher gedechtnus, regiert, das ganz römisch reich guberniert, het er sonderlich lieb und gunst zu allerlei sinreicher kunst, tet auch kein kost, mü und fleiß sparn, artliche künste zu erfarn, het auch mancherlei kunst verstant, die er auch übt mit munt und hant; darauf het er vil größer acht, den sonst auf allen pomp und pracht; hielt kunst und weisheit für ein schatz. derhalb hetten auch bei im platz allerlei künstner, so hin kamen gen hof mit was titel und namen, die hetten all futter und mal zu hof im keiserlichen sal. eins tags dem keiser obgenant auch gen hof kam ein nigromant, ein schwarzkünstner, der sich anzeiget dem keiser, der im wurt geneiget, wie er im künt herbringen ton drei geist drei namhafter person, ob die geleich vor langen jarn mit tode abgeschiden warn, mit aller form, gstalt und geberden, wie sie hetten gelebt auf erden, im die künt under augen stellen, welche er wolt, solt er her zelen. der keiser ob der kunst het wunder und auserwelet im besunder dise drei namhaftig person mit nam, zeigt im erstlichen on Hector von Troia, des küngs son, Priami, solt er bringen ton in all seinen armis und wer, wie er im troianischen her verwalten het die hauptmanschaft in küner, teuer heldes kraft, den Achilles auch het erschlagen. die andr person tet er ansagen, die schönen küngin Helena her aus Lacedemonia, des künigs Menelai weib, die aller schönest frau von leib, die im Paris, des künigs sun, von Troia het entfüren tun; in all irem geschmuck und zier, höflichkeit und geberden ir solt er sie bringen aller gstalt, wie man sie beschreibet und malt. und zu dem dritten solt er da bringen die fürstin Maria, sein gmahel, die durchleuchting frauen, die wolt er herzlich geren schauen, herzog Karls tochter von Burgunt, welche vor kurzer tag und stunt durch unfal am gejeit vor allen war von eim pfert zu tot gefallen. wo er die person überzelt durch sein kunst im persönlich stelt, doch iederman genzlich on schaden, so wolt er sein denken in gnaden von wegen seiner schönen kunst mit schenk und ander woltat sunst. der nigromant im antwort gab: ja, ich wils tun, doch merkt vorab, der geist bring ich euch allesander, iedoch ornlichen nach einander, und wenn ir eins gnug habt geschaut, so stopft mit einem finger laut auf den tisch, so wirt der geist weichen, aus dem kreiß zu der tür ausschleichen; iedoch sol eur gnad an dem ort stil sitzen und reden kein wort; wo ir ein wort darunder ret, ir unglück uns beid bringen tet. das bwilligt der keiser zu tan. nach dem der nigromant fieng an, macht ein weiten kreiß in dem sal mit bloßem schwert, darein zu mal macht vil charakter, kreuz und zeichen und tet sein beschwerung heimleichen. geschwint trat in den kreiß hinein Hector von Troi, der helt allein, ganz ernstlich und trutziger gstalt, starker glidmaß, doch nit zu alt, ungleicher augn, ein herlich man; der het ein stehlen panzer an, ein sturmhut auf dem haupte sein, mit golt ein gwechs geschmelzt darein, am hals hieng im ein breiter schilt, darin von golt ein löw gebilt, trug ein mortaxt in seiner hent, vol scharpfer spitzen aller ent, welche all noch tropften von blut, und als sam mit frech künem mut in dem kreiß vor dem keiser stan. der wurt zum teil entsetzt darvan, doch als er sein recht gnug gesach, da stopft er auf den tisch darnach; zu hant der geist wich aus dem sal mit tapfern schritten ab zu tal. bald trat nach dem in sal hinein Helena, die schön künigein, in einem schönen güldin stück, het umb ir haupt köstlich geschmück von golt, perlein und edlem gstein, güldin ketten und halsbant rein. ir angsicht und alle glidmas so adelich gebildet was, sam wers abgestigen von himeln, ein gürtel von klingenden zimeln der het umbfangen iren leib, in summa das aller schönst weib, freuntlicher, holdseliger gstalt, geiler art, doch der jar nit alt, ir euglein zwinzerten von fern, geleich dem hellen morgenstern; zwischn augbraen het sie ein meslein, ein roten munt, ein kleines neslein, stunt also höflich wolgetan und sach den keiser frölich an. der saß in heimlich großem wunder und beschaut sie mit fleiß besunder von den füßen biß an das haubet, entlich zu weichen ir erlaubet; zu hant sie aus dem kreiß tet prangen. nachdem kam sitlich eingegangen Maria, sein fürstliche gmahel, der lieb und treu war fest wie stahel, trat züchtiglich zu sein genaden, bekleidt, wie sie het gnommen schaden, in eim blauen rock angetan, demütig vor dem keiser stan, in aller gstalt, weis und geber, als ob sie noch im leben wer, ganz sitsam, tugentreicher art, doch sam traurig betrübet hart, und den keiser senlich anblicket, dardurch im keiser sie erquicket sein brünstig lieb, die vor den tagen er ir het herziglich getragen; und die lieb tet sein herz vergwalten und mocht sich lenger nit enthalten, fur auf mit herzlichem verlangen und wolt mit armen sie umbfangen, und schrei gar laut: das ist die recht, von der mein herz all freud empfecht! in dem der geist balt schwint und runt mit eim greusch aus dem kreiß verschwunt, mit eim dampf und lautem gebrümmel; auch wurt vor dem sal ein getümmel, des der keiser erschrak zu hant. zu dem saget der nigromant: eur gnad solt uns mit dergleich dingen all beid umb unser hels wol bringen, eur gnad weiß, das ich solchs verbot. die lieb ist gleich stark wie der tot, sagt der keiser, die nöt mich ie, anzureden die liebst allhie, so ich ie het auf diser ert, welche ist aller eren wert. nach dem zu dank mit reicher gab fertigt den nigromanten ab, der im das wunderbar gesicht zu Insbruck hette zugericht, wie solchs vor sechs und vierzig jarn von seinr gnad hofgsint hab erfarn zu Wels, weil ich noch ledig was, das mir warhaft anzeiget das. dem und uns allen wöll got geben nach disem zergenglichen leben, das uns ewige freud aufwachs im himlischen hof, wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1563., am 12. tag Octobris. Schwank: Der verlogen knecht mit dem großen fuchs Ein edelman in Schwabenlant, des gschlecht und nam hie ungenant, ein frommer man, weis und gerecht, der het ein verlognen reitknecht, rumredig mit gschwülstigen worten, die lant durchloffen an vil orten, het auch, wie ein alt sprichwort sagt, ein hunt durch das Welschlant gejagt; darvon tet er groß wunder jehen, wie er het diß und jens gesehen, darvon groß brocken er narriert, und log, sam wer ims maul geschmiert. sein junkher war ein weltweis man, tet sein rumredig lüg verstan, sagt oft spotweis: wie mag das sein? so schwur der knecht denn stein und bein, solichs und solches wer geschehen, er hets mit sein augen gesehen; doch wurt er oft mit worten gfangen, das er blib in der lug behangen. darnach der knecht nichts fragen tet, weil er der lug gewonet het, doch war er sonst diensthaft durchaus. eins tages frü ritten sie aus, da sach der junkher in dem walt dort laufen einen fuchsen alt und sprach: schau, schau, ein großer fuchs! der knecht sach den und antwort flugs: junkher, habt ir ob dem fuchs wunder? ich bin gwest in eim lant besunder, darinnen die füchs so groß sint als in unserm lant ochsn und rint. der junkher sprach: da sint auf glauben gut futtern die röck und die schauben, wenn man im lant ein kürsner fünt, der die belg wol bereiten künt. da nun der red geschwigen wart, der edelman erseufzet hart und sprach: herr got, ste uns heut bei auf diser straß, darmit wir frei beleiben vor allerlei lügen, auf das wir sicher kommen mügen durch das waßer mit unserm leben, und tu uns heut gut herberg geben. der knecht sprach: junkher, saget frei, wo das groß ungstüm waßer sei, vor dem ir euch gesegnet schlecht? der junkher sprach: hör, lieber knecht, ein groß waßer fleußt dort von weiten, dardurch so müßen wir heut reiten, das hat die kraft, welicher man denselben tag ein lug hat tan, der muß in dem waßer ertrinken, verderben und zu boden sinken. der knecht erschrak ob disen worten, und als sie ritten an den orten, kamen sie an ein großen bach. der knecht zu dem junkheren sprach: o junkher, sagt, ist das der fluß, drin ein lügner ertrinken muß? da sagt durch list der edelmon: nein, wir sint noch gar ferr darvon. der knecht sprach: herr, darumb ich frag, auf das ich euch die warheit sag, ich het mich heut weit überdacht und meinen fuchs zu groß gemacht, er war nur so groß seiner höch als von einem hirschen das rech. der junkher sprach: ich bin sorglos, der fuchs sei gwest klein oder groß; merkt wol des knechts heimlich grisgramen. nach dem sie an ein waßer kamen, da sprach der knecht: junkher, ists das waßer, so tregt dem lügner haß? der herr sprach: nein, das ists auch nicht. darauf der knecht sprach: nemt bericht des fuchsen heut noch meinenthalb, der war nit größer den ein kalb, auf das im waßer ich beste. der junkher sprach: ich frag nit me nach deim fuchs, sei groß oder klein. nach dem kamens sie beid gemein an ein waßer, da der knecht fragt: ist diß das waßr, darvon ir sagt heut frü, drin die lügner ertrenken? so ich des fuchs tu recht bedenken, ist er nicht größer gwesen sider, den bei uns hie ist ein schafwider. der junkher sprach: das waßr ists nicht. nach dem zu vesperzeit gericht kamen sie an ein waßer, floß gar schnell mit wellen breit und groß. der knecht fragt, obs das waßer wer, darvon frü het gesaget er. der junkher sprach: das ist das recht. ob dem waßer erschrak der knecht, weil er sach weder bruck noch schif; der angstschweiß übr sein angsicht lif, zittert beide an füß und henden. als sie zum waßer teten lenden, da saget der verlogen knecht: mein lug muß ich bekennen schlecht, der fuchs, den ich so groß bescheit, der war nicht größer auf mein eit dan der heutige fuchse alt, den wir frü sahen in dem walt. des schwanks lachet der junkher ser und sprach zu seinem knecht: so schwer ich dir, das dises waßer pur hat kein ander kraft und natur als andre waßer in der nehen, die wir vor haben heut gesehen. darmit nam ir gesprech ein ent, schwemmten übers waßer behent. Der beschluß Bei disem schwank verstet man wol, ein mensch mit fleiß sich hüten sol vor lügen, es ist ein groß schant, wan welch mensch des lügens gewant und het ein ungehebe zungen, wirt oft zu widerrufen zwungen, das er an der lügen bestet und schamrot mit spot darvon get. wer alles sagt, was im einfelt, von dem niemant gar nichtsen helt, ist er gleich sonst mechtig und reich, gwaltig, edel oder dergleich, und wenn in gleich got mit der zeit etwan beret mit einr warheit, so tut man im doch nit gelauben. also tut sich der mensch berauben durch sein lüg aller wird und er, das man auf in helt wenig mer durch sein verlogen maul auf erden, und muß darob oft schamrot werden. derhalb wer hie nach eren stell, sein zungen in zaum halten söll, das sie nichts den die warheit sag, dardurch er preis erwerben mag, entget dadurch vil ungemachs, schad, schant und spot, so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1563, am 4. tag Decembris. Summa all meiner gedicht vom 1514. jar an bis ins 1567. jar Als man zelt vierzehundert jar und vierundneunzig jar fürwar nach des herren Christi geburt ich Hans Sachs gleich geboren wurt Novembris an dem fünften tag, daran man mich zu taufen pflag, eben geleich grad in dem herben, grausam und erschrecklichen sterben, der regiert in Nürnberg der stat. den brechen auch mein mutter hat und darzu auch der vatter mein, got aber verschont mein allein. sibenjerig darnach anfieng, in die lateinisch schule gieng; drin lert ich puerilia, grammatica und musica nach ringem brauch derselben zeit; solchs als ist mir vergeßen seit. neunjerig aber dreißig tag ich an dem heißen fieber lag. nach dem ich von der schule kam fünfzenjerig und mich annam, tet der schumacher hantwerk lern, mit meinr hantarbeit mich zu nern; daran da leret ich zwei jar. als mein lerzeit vollendet war, tet ich meinem hantwerk nach wandern von einer statte zu der andern, erstlich gen Regnsburg und Braunau, gen Salzburg, Hall und gen Passau, gen Wels, Münichen und Lantshut, gen Oeting und Burghausen gut, gen Würzburg und Frankfurt, darnach gen Coblenz, Cölen und gen Ach; arbeit also das hantwerk mein in Beiern, Franken und am Rein. fünf ganze jar ich wandern tet in dise und vil andre stet. spil, trunkenheit und bulerei und andre kurzweil mancherlei ich mich in meiner wanderschaft entschlug und war allein behaft mit herzenlicher lieb und gunst zu meistergsang, der löblichn kunst, für all kurzweil tet mich aufwecken. ich het von Lienhart Nunnenbecken erstlich der kunst einen anfang; wo ich im lant hört meistergsang, da leret ich in schneller eil der bar und tön ein großen teil, und als ich meines alters war fast eben im zweinzigsten jar, tet ich mich erstlich understan mit gotes hülf zu dichten an das bar in dem langen Marner: gloria patri lob und er, zu Münichen, als man zelt zwar fünfzehundert vierzehen jar, half auch daselbst die schul verwalten, tet darnach auch selber schul halten in den steten, wo ich hin kam, hielt die erst zu Frankfurt mit nam, und nach zwei jarn zog ich mit glück gen Nürnberg, macht mein meisterstück. nach dem wart mir vermehelt drin mein gmahel Küngunt Kreuzerin geleich an sanct Egidientag; am neunten tag der hochzeit pflag, als man gleich fünfzehundert jar und neunzehen jar zelen war, welche mir gebar siben kint, die all mit tot verschiden sint. und als man fünfzehundert jar und auch sechzig jar zelen war, am sechzehentn Martii im frid mein erster gemahel verschid. als man zelt einundsechzig jar, am zwelften Augusti fürwar wurt mir wider verheirat da mein andre gmahel Barbara Harscherin, und am erichtag nach sanct Egidien, ich sag, war mein hochzeit fein schlecht und stil; mit der leb ich, so lang got wil. als man aber zelet fürwar geleich fünfzehenhundert jar und sibenundsechzig, ich sag, Januarii am ersten tag, meine gedicht, spruch und gesang, die ich het dicht vor jaren lang, so inventiert ich meine bücher, wurt gar ein fleißiger durchsücher der meistergsangbücher zumal, der warn sechzehen an der zal; aber der sprüchbücher der was sibenzehen, die ich durchlas; das achtzehent war angefangen, doch noch nit vollent, mit verlangen. da ich meine gedichte fant alle gschriben mit eigner hant, die vierunddreißg bücher mit nam, darinnen summiert ich zusam erstlich die meistergsang fürwar, der von mir sint gedichtet bar in disen dreiundfünfzig jarn, darin vil schriftlicher bar war aus alt und neuem testament, aus den büchern Mose vollent, aus den figurn, prophetn und gsetz, richter, künigbüchern, zuletz den ganzen psalter in der sum, die bücher Machabeorum und die sprüch Salomon hernach und aus dem buch Jesus Sirach, epistln und evangelion, auch aus apocalypsis schon, aus den ich allen vil gedicht in meistergsang hab zugericht mit kurzer gloss und ir auslegung aus guter christlicher bewegung, einfeltig nach meinem verstant, mit gotes hülf nun weit erkant in teutschem lant bei jung und alten, darmit vil singschul werdn gehalten zu gotes rum, lob, preis und glori; auch vil warhaft weltlich histori, darin das lob der gutn erhaben und der argen lob tief vergraben, aus den gschichtschreibern zugericht; auch mancherlei artlich gedicht aus den weisen philosophi, darin ist angezeiget, wie hoch die tugent zu loben sei bei menschlichm gschlecht, und auch darbei, wie schentlich sint die groben laster, alles unglückes ein ziehpflaster; dergleich vil poetischer fabel, welche sam in einer parabel mit verborgen, verblümten worten künstlich vermelden an den orten, wie gar hochlöblich sei die tugent beide bei alter und der jugent, dergleich, wie laster sint so schentlich; darnach sint auch begriffen entlich schulkünst, straffer, logica, renk, auch mancherlei kurzweilig schwenk, zu frölichkeit den traurign kommen, doch alle unzucht ausgenommen. in einer summa diser bar der meistergesang aller war eben gleich zweiundvierzig hundert und fünfundsibnzig ausgesundert, waren gsetzt in zweihundert schönen und fünfundsibnzig meistertönen; darunder sind dreizehen mein. solichs war als geschriben ein in der sechzehn gsangbücher sum. die achtzehen sprüchbücher num ich auch her in die hende mein; drin durchsucht die gedicht allein, da funt ich frölicher comedi und dergleich trauriger tragedi, auch kurzweiliger spil gesundert, gerade acht und auch zweihundert, der man den meisten teil auch hat gespilt in Nürenberg der stat, auch andern steten ferr und weit, nach den man schicket meiner zeit. nachdem fant ich darinnen frei geistlich und weltlich mancherlei gesprech und sprüch von lob der tugent und guten sitten für die jugent, auch höflicher sprüch mancherlei aus der verblümtn poeterei, und auch von manchen weisen heiden, von der natur artlich, bescheiden, auch mancherlei fabel und schwenk, lecherlich poßen, selzam renk, doch nit zu grob noch unverschemt, darob man freud und kurzweil nemt, und doch das gut darbei verste und alles argen müßig ge. diser gedicht ich allersant tausent und sibenhundert fant; doch ungeferlich ist die zal aus den gedichten überal. vor drei bücher ausgangen sint im druck, darinnen man ir fint acht und achtzg stück und sibenhundert, darob sich mannich man verwundert. auch ists viert und fünft buch zu drucken bstelt, die bei etlich hundert stucken halten, auch spruchsweis mein gedicht werdn in der zeit kommen ans licht. auch fant ich in mein büchern gschriben artlicher dialogos siben, doch ungereimet, in der pros, ganz deutlich, frei, on alle glos. nach dem fant ich auch in der meng psalmen und ander kirchengseng, auch verendert geistliche lider, auch gaßenhauer hin und wider, auch lieder von kriegesgeschrei, auch etlich bullieder darbei, der allersamen ich vernum dreiundsibenzig in der sum, in tönen schlecht und gar gemein; der tön sechzehn mein eigen sein. als ich mein werk het inventiert, mit großem fleiß zusam summiert aus den sprüchbüchern umb und um, da kam in summa summarum aus gsang und sprüchen mit gelück sechstausent achtundvierzig stück aus meinen büchern überal, e mer den minder in der zal, on der, so waren kurz und klein, der ich nicht het geschriben ein. aber hie anzeigte gedicht die sint alle dahin gericht, sovil mir ausweist mein memori, zu gottes preis, lob, rum und glori, und das sein wort wert ausgebreit bei christlicher gmein ferr und weit gesangweis und gereimten worten, und im Teutschlant an allen orten bei alter und auch bei der jugent das lob aller sitten und tugent wert hochgepreiset und berümt; dargegen veracht und verdümt die schentlichen und groben laster, die als übels sint ein ziehpflaster, wie mir das auch nach meinem leben mein gedicht werden zeugnus geben; wan die ganz sum meiner gedicht hab ich zu eim bschluß zugericht in meinem alter, als ich war gleich alt zwei und sibenzig jar, zwei monat und etliche tag. darbei man wol abnemen mag, das der spruch von gedichten mein gar wol mag mein valete sein, weil mich das alter hart vexiert, mich druckt, beschwert und carceriert, das ich zu ru mich billich setz und meine gedicht laß zuletz dem gutherzign gemeinen mon, mit gots hülf sich beßer darvon. got sei lob, der mir sant herab so miltiglich die schonen gab als einem ungelerten man, der wedr latein noch kriechisch kan. das mein gedicht grün, blü und wachs und vil frücht bring, das wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1567., am 1. tag Januarij. Der egelmeier Wer hie für ge, der schau mich an, ich bin ein wunderselzam man; vil egel trag ich in meim schopf, die huntsmuckn schwirmen umb mein kopf, wiewol mein pfabenfedern gut und rot piret mich schmücken tut, sam sei ich weis, verstendig hoch. mein narrenkapp verret mich doch; hab auch ein weit maul, große orn, mein schellen zerkifft der eichhorn; mein selzam kleit und güldin ketten mich wol mit stolz und hochmut fretten, dünk mich der tapferst umb und umb, ge doch mit lauter kintswerk umb, mit vögel, meusen und mit ratzen; wer mich spotweis damit tut fatzen, ich mit meim ledern kolben schlag und mit meim seibel im nachjag. der aff zeucht mein kleit mit dem schwanz, daraus wachsen meiner substanz drei junge gecken über sich, die werden gleich als weis als ich, drumb wer wil sein ein biderman, nem sich meiner abweis nit an, das im nit spot zum schaden wachs, den treuen rat geit im Hans Sachs. Anno salutis 1567., am 18. tage Julij. Historia: Die geschicht keiser Maximiliani löblicher gedechtnus mit dem alchamisten Als ich vor drei und fünfzig jaren in meiner jugnt wolt vil erfaren, weil ich meim hantwerk nach tet wandern von einer statte zu der andern, kam auch hinein in Wels, die stat, da Traun, das waßr, sein fürgang hat, da keiser Maximilian, der großmechtig und teuer man, het hof gehalten vor der zeit, dem gar wol war mit höflichkeit mit ritterspil, stechen und rennen und was man kurzweil mocht genennen, als fechten, schießen, baißen, jagen, mit gemßensteigen bei sein tagen, darzu het er sein freud und gunst auch zu artlich subtiler kunst; des kamen gen hof mannich gest, die man tractieret auf das best, edel, unedel, künstreich leut, ob den der keiser sich erfreut. da sagt man, das eins tages ist gen hof kommen ein alchamist in baurenkleit, ganz grober gstalt, der sam trutziglich mit gewalt wolt in des keisers gmach eingan, drin keiser Maximilian mit seinen reten hielte rat. als er nun an die salpfort trat, der türhüter in frech anret, was er darin zu schaffen het; der künstner trutzig antwort gab: beim keiser ich zu schaffen hab. der torwart sprach: fetsch dich dein straß, kurzumb, hinein ich dich nit laß, der keiser anderst hat zu schaffen, als das er zuhör deinem klaffen, wan er hielt in für ein jaufkint und stieß in von der tür geschwint. der alchamist entrüstet wur, der türhüter in widr anfur, wurden beid lautreisig zumal. das zenk erhöret in dem sal der keiser und schickt sein herolt, das man den man einlaßen solt, der zu dem keiser gert hinein. erst ließ man disen künstner ein in seinem groben baurengwant, dem hofgsint allen unbekant. der trat zu dem keiser eilenz on all gepreng und reverenz und tete zu dem keiser jehen: keiser, wiltu von mir hier sehen recht künstlich grünt der alchamei, der ich denn bin ein meister frei, aus kupfer klares golt zu machen? der keiser antwort zu den sachen: ja, ich hab ie getragen gunst zu alchamei, der edlen kunst, kanst dus, so hilf ich dir darzu, zeig an, was darzu darfest du? triffst dus on all arglist und renk, dir wirt ein keiserliche schenk. der alchamist zum keiser sprach: gib mir im hof ein ler gemach und gib mir ein mark lötigs golt, neun mark kupfers, auch geben solt kolen, blasbalk, tegel und zangen, tu quecksilber und salz mir langen, gleser, hefen, schwefel, schürstein, laß machen ein kamin darein, darin ich schmelz und distillier, dmateri künstlich conficier. über ein monat magst einmal zu mir rab kommen aus deim sal und mein künstreiche arbeit schauen. die ich dir machen wil auf trauen, die du vorhin von keinem gast so grüntlichen gesehen hast; sunst aber so laß mich allein, niemant zu mir gen aus noch ein. der keiser hat ein wolgefallen an der kunst und folgt im in allen, gab im ein zu hof ein gemach und als, was er begert darnach, reicht im teglich hofspeis und wein zu eim engen fenster hinein. also der künstner tag und nacht sein künstreiche arbeit verbracht mit schmelzen und cemphiren schan, und keiser Maximilian dem künstner heimlich hut bestelt, das er heimlich nicht weichen selt; doch nach eim monat lang hernach der keisr zu im eingieng und sach die künstreichen werk aller stück, darzu wünscht im der keiser glück. der künstner tet zum keiser sagen: kom herwider nach dreien tagen, so wirst dus noch klerlicher sehen und meiner kunst erst lob verjehen. nach dem keiserlich majestat wider von dem künstner abtrat frölich und der kunst nachgedacht; doch hernach in der dritten nacht da het sich der künstner verholn aus seim gmach aus dem hof gestoln. das wurt dem keiser gsaget an. zuhant keisr Maximilian in hof nabgieng ins künstners gmach, darin den künstner nit mer sach; doch sach ein güldin kuchen er auf dem tisch ligen, zehn mark schwer, von lauter gutem golde klar, darauf also geschriben war: o keiser Maximilian, wellicher dise kunste kan, sicht dich nochs römisch reich nit an, das er dir solt zu gnaden gan. als der keiser die schrift gelas, vernam er klerlich wol und das der alchamist und fremd künstner ein Venediger gwesen wer, mit dem der keisr in unfrid stan; derhalb ließ Maximilian den alchamistn zu waßr und lant nachsuchen, den man doch nicht fant, der dem keiser geschenket het mit der alchamei das banket. also war genzlichen die sag zu Wels, als ich hört über tag, weil ich mein hantwerk arbeit dar. nach dem gar über wenig jar der keiser wider gen Wels kam, da er ein selig ende nam, eben alt neun und fünfzig jar, der mindern zal neunzehn fürwar, als er das keiserlich regiment het drei und dreißg jar in der hent, da ewig freud im auferwachs und uns allen, das wünscht Hans Sachs. Anno salutis 1568., am 18. tag Februarij. Die werk gottes sint alle gut, wer sie im geist erkennen tut Als ich in meinr kintlichen jugent wurt zogen auf gut sittn und tugent von mein eltern, auf zucht und er, dergleich hernach auch durch die ler der preceptori auf der schul, so saßen auf der künsten stul, der grammatica, rhetorica, der logica und musica, arithmetica, astronomia, poetrei, philosophia, da mein sinreich ingenium die ler mit hohem fleiß annum, da ich lert kriechisch und latein, artlich wol reden, war und rein; rechnen auch lert ich mit verstant, die ausmeßung mancherlei lant; auch lert ich die kunst der gestirn, der menschen geburt judicirn, auch die erkentnus der natur auf erden, mancher creatur im luft, waßer, feuer und erden; darzu mit herzlichen begerden begrif gesangeskunst subtil, manch süß liebliches seitenspil; lert auch entlich die poetrei, darin an tag zu geben frei manniches höfliches gedicht, sonderlich auch darin aufricht manch schöne wunderbar histori, wol zu behalten in memori; auch macht ich ein teutsche comedi, doch nicht ungleich einer tragedi mit scharpf artlichen argumenten, geistlich und weltlichen regenten, von dem rein klaren gotteswort, als ich die vollent an dem ort zu nutz der ganzen christenheit. auch fiel mir zu in diser zeit groß wolfart in mancherlei stück, als reichtum, er, lob und groß glück, wolzogen kint, ein treu eweib, vol schön und mit gesundem leib. iederman hielt mich hoch und herlich, auch hielt ich mich tapfer und erlich. all solch gab ich annemen tet, als ob ichs von mir selber het, von natur und geschicklichkeit, durch kunst und sinreiche weisheit, und fiel also mein fleisch und blut in ein stolz und prechting hochmut; in solch gotloser hoffart schwebet, in phariseischen werken klebet, darin mein leben ich zubracht. gar wenig ich an got gedacht, das ich all gaben, wie vor stet, von got allein entpfangen het; ich höret wol das götlich wort und evangeli an dem ort, doch half von got kein freuntlich locken, die hoffart tet mein herz verstocken, das es meim gwißen nicht eingieng, und lag verblendet aller ding. kein forcht gottes wonet in mir, sicher war mein herz und begir, daucht mich from und gerecht fürwar wie der gleißner im tempel gar, und mein sündig leben ellent ich in dem grunt nie recht erkent, biß mich entlich der herre gar zu im zoge bei meinem har, nemlich durch einen schweren fal stürzet mich got herab zu tal. erst ich von meim sünding gewißen wart hart genaget und gebißen, sam mir die welt zu eng wolt wern in solch gar engstlichen beschwern; mich daucht warlich, auf erderich all creatur wer wider mich; all freud und trost waren verschwunden, er und gut mich nicht trösten kunden, eßen, trinken und seitenspil erfreut mein traurig herz nicht vil; auch war all mein hoffnung verlorn, wünscht mir oft, ich wer nit geborn. mich daucht in solcher angst und quel, ich wer schon im abgrunt der hel und wer von got genzlich verlaßen; die verzweiflung verzagter maßen die focht mit mir nacht unde tag; in solcher anfechtung ich lag, mir war verdrießlich all mein kunst, auch guter freunde lieb und gunst. in solch großer schwermütigkeit lag ich im gwißen lange zeit, dacht: wenn mein fal wirt offenbar, wirt ich beim volk verachtet gar; entlich dacht ich an küng David, wie er dergleichen fal erlit mit Batseba, wie uns denn sagt der psalm, drin er so herzlich klagt sein sünt, bit got im zu verzeien so lang, biß got in tete freien, sein guten geist im wider gab. erst fieng ich an, ließ auch nicht ab mit meim gebet in reu und leit zu got, hofft, sein güt mich erfreit, wiewol sein gnad mir lang aufzug, sam mein hoffnung oft gar abschlug. erst erkent ich mein nichtigkeit, das nichts guts wer in mir allzeit von natur dan sünt, schad und schant, weil got von mir abzüg sein hant, erkennet erst mein ellent leben. got het all gute gab mir geben geistlich und leiblich, doch darob im nicht dank sagt het, preis und lob, wie ich got schuldig wer gewesen; derhalb het er mit der straf besen mich züchtigt als ein stolzen sun, darmit demütig machen tun. da erkent erst mein herz und mut, das mir der fal wer nütz und gut, weil ich sein güt im anfang floch; nun er beim har mich zu im zoch mit strafen, plagen, sünt und schant, doch als mit vetterlicher hant; nun ich erkenn sein milde güt, dargegen mein gotlos gemüt, das nur zu bösem ist geneiget, wie unser wandel teglich zeiget, dem fleisch und blut ist undergeben, tut gottes willen widerstreben und den tag wol siben mal felt, wo gottes hant nicht ob uns helt, durch kreuz und harten fal uns stürzt, das unser stolz uns wert abkürzt, das wir erkennen grüntlich recht, das wir alle sint unnütz knecht und arme sünder dise zeit, den got durch sein barmherzigkeit vom himel hat herabgesant, Jesum Christum, unsern heilant, der für uns an dem kreuze starb, ewig hult und genad erwarb bei dem himlischen vatter sein. unser fürsprech ist er allein, unser mitler in aller not zwischen uns sündern und auch got, da er teglichen für uns bit, versönt und uns treulich vertrit, wer von herzen zu im aufschreit; dem sei lob, er in ewigkeit, da ewig freud uns blü und wachs, das begert auch herzlich Hans Sachs. Anno salutis 1568., am 26. tag Februarij. Das gesang der vollen brüder Wer hie für ge, der schau uns an, der vollen brüder ordn wir han, und all das gaudeamus singen, das fortuna laß wir erklingen, wir haben Bacchum auserkorn, derselb ist unser abgot worn; was uns verließ mutter und vater als unser einige woltater, das muß als mit uns gen zu grunt und als faren durch unsern schlunt. die vögel wöll wir laßen sorgen, ein abnt ist beßer den sibn morgen mit schlemmerei, saufen und freßen, da alles unglücks wir vergeßen, frölich das gaudeamus singen mit allen kurzweiligen dingen. wer das sein spart, nit tag und nacht schlemt, derselb wirt von uns veracht; wir achten keinr sitten noch tugent, wie wirs triben in unser jugent, so treib wirs biß ins alter auch; dasselb ist unser aller brauch, darmit get hauptgut und der gwin mit unser schlemmerei dahin. wir verzeren zwelf pfunt vom taler, sint all gut borger und bös zaler, gut gesellen und bös kintsvetter, stanthaftig wie aprillenwetter; wenn es denn in das alter get, erst unser sach baufellig stet, so ler und öd stet unser haus, der beste hausrat ist heraus, als silbergschirr, kupfer und zin ist mit der schlemmerei dahin, dergleich kleider und betgewant stet under den jüden zu pfant, und ist nichts da den angst und not, da uns erst gute hülf tut not. so wir sint alt, machtlos und krank, so verget uns das frölich gsank, und singen denn den wemmerwe, biß uns die ellent sel ausge. Der beschluß Derhalb ein man nem bei uns ler und in seim haus fein meßig zer nach seinem handel oder gwerb, auf das ein narung er erwerb, das er im alter hab ein zerung samt weib und kinden mit vererung, biß in got nem aus disem leben, für das zeitlich das ewig geben, da ent wirt alles ungemachs, das wünschet uns allen Hans Sachs. Anno salutis 1568., am 26. tag Martij. Schwank: Des schefers warzeichen Vor jarn in Meinz ein kremer saß, der Hans Appol genennet was. als er zur mess gen Frankfurt wolt und im sein kram einkaufen solt, da baten sein nachbauren in, wann er köm in die mess dorthin, das er in solt kaufen dermas eim dises und dem andern das, dienstlich zu irer kremerei, von war und gattung mancherlei. er sprach: das als ich gern tun wil, wiewol ich hab zu schaffen vil selb mit meim handel in der mess; das ich nit etlich stück vergeß, schreib mir iedr ein denkzettel an, was ich im sol einkaufen tan. als man im vil denkzettel bracht, doch keinr keins gelts darin gedacht, biß ein schefer im ganzen haufen bat, er solt im ein sackpfeif kaufen. dem gab er einen jochimstaler, das er wer der sackpfeif ein zaler, auf das er in Frankfurter mess seiner sackpfeifen nit vergeß. als nun Hans Appol auf die fart hin auf die mess bereitet wart, das er zu schif, doch nit allein, fur hin gen Frankfurt auf dem Mein, als sie ans laut nun kamen dar, da lud Hans Appol aus sein war, legt die denkzettel auf ein haufen, was er ein iedem ein solt kaufen; da kam ins schif ein starker wint und warf die denkzettel geschwint dahin aus dem schif in den Mein. keiner blib da im schif, allein der, drauf der jochimstaler lag, der den denkzettel bschweren pflag; darumb die sackpfeif kaufen was, die andern zettel er vergaß, die warn all von dem wint ertrunken und in dem Mein zu grunt gesunken, das der sturmwint hat hin zerstreut; da war umbsonst mü und arbeit. Der beschluß Bei dem merk hie ein iederman, wer im etwas laß bringen tan, aus einem jarmarkt oder mess laß kaufen, das er nit vergeß des schefers zeichn, den jochimstaler; der ist der war ein rechter zaler. dem kremer einzukaufen gsundert waren der denkzettel zweihundert, die mit hohem wert sint gemeßen; der zalung aber wirt vergeßen, die hat der sturmwint all hinblasen, die denkzettl sint zu leicht dermasen, das man vil drumb einkaufen sol. des schefers warzeichen hilft wol, das macht denn einen ganz dienstwillich, dem zalt mans wider recht und billich; wo er abr dank zum gelt verleust, solchs in ser im herzen verdreust, fürbaß man in unwillig fint, und schlegt die denkzettel in wint, wo nit auch des schefers warzeichen den denkzettel tut herfür reichen, das er ist gar on sorg und schaden, so mag er sich des wol beladen, eim guten freunt diensthaftig sein, im aufs getreulichst kaufen ein. das ir freuntschaft sich mer und wachs durch gutwillig dienst, spricht Hans Sachs. Anno salutis 1558., am 18. tag Augusti. Ein klaggesprech über die bitter unglückhaftige lieb Eins morgens gieng ich aus spazieren, für einen grünen walt refieren, da hört ich ein heimlich gesprech, in einem busche in der nech tet ich durch das gestreus nein schauen, da saß ein gsell bei einer frauen; ich lost zu irem freuntlichn sagen, da war es nichts den bitter klagen. Das freulein in senlich ansach und seufzent zu dem jüngling sprach: herzlieb, wie sich ich dich so selten, sag mir doch, wes muß ich entgelten? Der jüngling fieng widerumb an: vil geng ich dir zu lieb hab tan und dich doch nie ersehen kunt; des trauert ich von herzen grunt, dacht, dein hult ich verloren hab, all freuntschast die wer tot und ab, die eifersucht brach mir mein herz, die sensucht bracht mir heimlich schmerz. Sie sprach: weist nit mein treuen mut? ich hab gewagt leib, er und gut mit dir, ist iezunt das mein lon? Der jüngling sprach: herzlieb, far schon, der argwon bracht mich auf das spor, weil ich dich nit sach oft wie vor. Das freulein sprach: der klaffer vil die sehen uns gnau auf das spil; wo ich dich bei dem tag vernim oder hör bei der nacht dein stim, zum fenster darf ich nit aussehen, förcht, dir möcht auf der gaß was gschehen. Er sprach: nechten wars mir nit weit, es jagten mich umb mettenzeit mit bloßer wer der schergen hauf eben gleich für dein tür herauf. Sie sprach: erst machst mir sorgen mer, unglück reit mich, wo ich hin ker, mein man wil mir auch nimmer trauen und tut gar eben auf mich schauen. Der jüngling sprach; merkt es dein mon, erst bleib ich nit, ich wil darvon, es kost sonst mein und deinen leib. Erst wart betrübt das zarte weib und umbfieng den jüngling mit armen, sprach: bleib und tu dich mein erbarmen! Der knab wart wider zu ir jehen: dein brüder mich tückisch ansehen, als ob sie merken unser lieb; nit gut wer, das ich lenger blieb. darmit das freulein er umbfieng, nam urlaub, traurig von ir gieng; sie wunt ir hent und rauft ir har. Der beschluß Da dacht ich mir: und das ist war, das in der süßen lieb verborgen ligt so vil ungelücks und sorgen, klag, eifersucht und klafferei, senen und trauren mancherlei, ich geschweig des letzten abscheiden, ein leiden sonst ob allen leiden, das sel und leibe macht vil schmachs. stampadahin! so spricht Hans Sachs. Anno salutis 1568., am 25. tage Septembris.