1. Amaryllis, ein Sommer auf dem Lande 1. Wenn ich, o du mein Liebling, dich betrachte, O Amaryllis, meiner Kunst Gebilde, Ist's oft, als ob ich fast der Dichtergilde Anzugehören für was rechtes achte. Denn, wenn ich dich mit in Gesellschaft brachte, Wo seinen Rang sonst jeder führt im Schilde, Dich, die Erzeugte ländlicher Gefilde; Wer war's, der da dich zu verachten dachte? Zu zweifeln schien man nicht an deinem Adel, Schien nicht zu ahnden oder nicht zu ahnen, Daß du gekommen seist von Hürd' und Stadel. Wer ist's nun, der dir so ersetzt die Ahnen? Das ist der Dichter, der drum ohne Tadel Sich selbst wohl als ein Pfalzgraf mag gemahnen. 2. Der Frühling kocht sich aus des Winters Reifen Den Tau, den seine Kinder sollen trinken; Er stimmt zum Morgenlied die muntern Zinken Und schmückt sein grünes Haus mit Blütenschleifen. Wohlauf, mein Herz, laß deine Blicke schweifen Nach Blumen, die auf allen Fluren winken! Landmädchen sind's, zur Rechten und zur Linken Stehn sie geputzt; nach welcher willst du greifen? Ach weh! statt zu ergreifen, selbst ergriffen Bist du von einer jungen wilden Hecke, Die scheint, sie wolle künftig Rosen tragen. Jetzt trägt sie Dorne nur für dich geschliffen. Ach, armes Herz, mir ahnt, es wird die kecke Dir bitter dieses Sommers Lust zernagen. 3. Ich wollt', daß Berge, starr von Wäldern grausend, Und Felsenhöhn von nie gesprengten Härten Und Sandeswüsten mir den Zugang sperrten, Und Meeresfluten wild im Sturme brausend; Und Riesen wie vor Zauberschlössern hausend, Und Drachen wie vor Hesperidengärten, Scharwächter mit entblößten tausend Schwerten, Zuchthüter auch mit offnen Augen tausend: So könnt' ich doch bei aller Not noch hoffen, Durch Mut, durch List, am Ende zu bemeistern Den Trotz der einen und der andern Schlauheit; Statt daß mir jetzo Thür und Thor ist offen, Und sie sitzt da, mehr als von tausend Geistern Bewacht von nichts als ihrer eignen Rauheit. 4. Ich seh' es wohl, was hilft mir, daß ich's sehe? Daß Vater, Mutter, alle deine Leute, Wohl wissend, was mein Gehn und Kommen deute, Doch freundlich drein sehn, wenn ich komm' und gehe. Doch seh' ich auch, o weh mir, daß ich's sehe, Daß du, viel schlauer zwar als all die Leute, Doch nicht willst wissen, was mein Kommen deute, Und freundlich drein siehst stets nur, wann ich gehe. Ich wollt', ich könnt' es ihnen all erlassen, Daß, wenn ich künftig käme, mein Willkommen Niemand mehr rief', als du im Herzensgrunde. Wenn du mich liebtest, möchten sie mich hassen; Wenn du mich hassest, kann mir's wenig frommen, Ob all die Welt mich lieb hat in die Runde. 5. Herein von draußen in verworrnem Schwalle Verletzt mein Ohr ein Schwirren und ein Summen, Ein Flattern, Schnattern, Krächzen, Blöken, Brummen, Geflügel in dem Hofe, Vieh im Stalle. Und innen hier die Tisch' und Bänke alle Besetzt mit viel Gesichtern, matten, dummen, Bepflanzt mit viel Gestalten, trägen, krummen; Das Aug' ist mit dem Ohr im gleichen Falle. Da tritt herein im schlankgeschnürten Mieder Ein Mädchen, das mit einem Gruß mich kirret, Von allen Sinnen fällt es mir wie Schuppen. Der Wirtschaft Mißlaut schmilzt in sanfte Lieder, Sowie sie spricht; und wie sie blickt, entwirret Sich rings der Knäu'l in wohlgefällige Gruppen. 6. Thessalierin, obgleich mit keinem Laute Du von Thessalien je gehört im Traume; Thessalierin! von welchem Zauberbaume, Von welcher Zauberwurzel, Zauberkraute, Nahm deine Hand die Stoffe, draus sie braute Das bittere Getränk, in dessen Schaume Verborgen ist, was je vom Wolkensaume Der Mitternächte Gift'ges niedertaute? Daß Gift es ist, muß ich ja wohl erkennen Daraus, weil du aus den gefüllten Scherben, Wie sehr ich flehe, nicht zuvor willst nippen. Drum, statt zu löschen, macht es Durst entbrennen, Und weh! wenn du nicht bald mir statt des Herben Das Süße reichst im Becher deiner Lippen. 7. O könnt' ich doch mit einem Schlag zerbrechen All das Geräte, das zu meinem Schaden Ersonnen ist, die Hacken, Hauen, Spaten, Die Schaufeln, Gabeln, Sensen, Sicheln, Rechen. Die plumpen, die sich jetzt so oft erfrechen, Die Arme meines Mädchens zu beladen, Wo draußen Regenström' ihr Haar bald baden, Des Mittags Gluten bald ihr Antlitz stechen; Derweil ich traurig sitze wie im Bauer Der Gimpel, der entbehrt sein täglich Futter, Weil's Nacht wird und ich sie noch nicht gesehen. Und kommt sie, ach, so kommt erst meine Trauer, Weil sie nun müd' und gähnend fragt die Mutter, Ob sie nicht gleich, weh' mir, zu Bett darf gehen. 8. Du magst doch sonst gern was besonders haben, Magst gerne, wenn die andern in dem Pfuhle Der Wirtschaft wühlen, sitzen auf dem Stuhle, Und etwa stricken, wenn die andern graben. Sprich, kann's denn nicht dein eitles Herzchen laben, Daß dir auch werde ein besondrer Buhle, Dem Zufall und Geschick von ihrer Spule 'nen feinern Rock als hier den andern gaben? Und ist der Rock dir so verhaßt, der feine, So will ich unterm Rock das Herz dir weisen; Nimm hin und gib dafür ein Schäferwammes! Ein tücht'ger Schäfer müßt' ich sein, ich meine, Und mit dem Blick wollt' ich den Wolf zerreißen, Der dein begehrte, meines einzigen Lammes. 9. Ich kleide dich mit einem schönen Kleide, Darin du sollst wie eine Fürstin prangen; Lieb' ist das Kleid, das rings dich soll umfangen; Wen Liebe schmückt, bedarf der Gold und Seide? Ich schmücke dich mit köstlichem Geschmeide, Das um dich soll in goldner Windung hangen; Das Goldgeschmeid' ist Hoffnung und Verlangen, Sie sind der Liebe goldne Kettlein beide. Ich bau' dir eine sanftgewölbte Hütte, Verschlungen aus dem Schatten dreier Äste, Die drei sind Treue, G'nügsamkeit und Sitte. Und wenn du mit mir willst zum stillen Feste Einziehn und wohnen in des Hüttleins Mitte, So wird es uns zum schönsten der Paläste. 10. O daß du doch nur wüßtest jene Sagen Von Göttern, die entstiegen ihrem Reiche, Um unterm Schatten der arkad'schen Eiche An Kronen-Statt den Schäferhut zu tragen; Du würdest nicht den Blick so niederschlagen, Daß einer jetzt auch – nicht vom Himmelreiche – Zu deiner Thür auf Liebespfaden schleiche, Nicht würdest du halb trotzen so, halb zagen. Gebärdest du dich doch, als ob ein Sperber Mit blut'gen Krallen ich herniederstieße, Dich zu zerfleischen, scheueste der Tauben, Als ob ein nächt'ger Blitz ich, ein Verderber, Aus Wolken zuck' und meinen Strahl nur schieße, Um anzuzünden hier dein Dach von Schauben. 11. Komm, setz' dich, laß dir 'mal ins Antlitz schauen, Laß deine Hand 'mal friedlich ruhn in meiner; Ich will einmal als Zimmerer und Schreiner, So gut ich kann, im Geist ein Hüttchen bauen. Ganz schlecht und recht soll's sein, nicht viel behauen, Ganz klein von außen, innen doch viel kleiner, Nur groß genug mir einem und noch einer, Die eine ist – was furchst du denn die Brauen? So klein soll's Hüttchen sein, daß all vorüber Ein jeder Wind geht, ohn' ans Dach zu hauchen, Ein jeder Lärm zieht, ohn' ans Thor zu pochen. Durchaus kein Platz, kein Raum im Hüttchen über, Als nur so viel zwei jetzt zum Bette brauchen, Ein drittes dann zur Wieg' in Jahr und Wochen. 12. Antwort. »Mein Vater ist ein reicher Mann im Lande, Und seine Äcker liegen allerorten, Hier steht sein Haus mit Hallen, Hof und Pforten, Hier kann ich wohnen, dächt' ich, ohne Schande. Auch sonst noch hat er, nicht gebaut auf Sande, Ein Haus im Grund hier, eins im Grunde dorten; Und wär' mir keiner recht von den drei Orten, So kommt noch leicht ein vierter Kauf zu stande. Und will ich in kein fertig Haus mich setzen, So hat er einen Wald mit manchem Baume, Und mancher Berg mit Steinbruch ist ihm eigen. Dann gibt es Zimmerleut' hier und Steinmetzen, Die baun ein Haus mir mit Gelaß und Raume, Drin man auch tanzen kann den Hochzeitsreigen.« 13. Wo Mittagsgluten brüten auf den Thalen, Und ohne Regung stehn des Berges Eichen, Am Weg der Kirsche Wangen rot sich malen, Und sanft am Abhang Sommersaaten bleichen; Heb' ich mich hin zu meiner Liebe Reichen Auf alten Pfaden aber-, abermalen, Stets hoffend auch mit meiner Inbrunst Qualen Mein Ziel als wie der Sommer zu erreichen. Doch eh' ich auch nur eines Keimchens Schimmer Entlocken kann, ist mir der Tag zerronnen, Kalt geh' ich mit der kalten Nacht von hinnen Und schwör's beim blassen Mond: Nun kehr' ich nimmer! Doch ach, schon morgen sehn die glüh'nden Sonnen Den neuen Kreislauf glühend mich beginnen. 14. Bald, wenn dein Blick mir Mut ins Herz gegossen, Ergießt sich meine Zung' in lust'gen Wogen; Bald, wenn dein Wort mir drauf den Mut entzogen, Schließt sich das Herz, die Rede fließt verdrossen. Bald spornt dein Zorn mich, daß gleich störr'gen Rossen Der Witz sich bäumt in keckem Sprung und Bogen; Bald, wenn du wieder scheinen willst gewogen, Schweig' ich verstockt, dir und mir selbst zum Possen. Wohl klagst du: o der Art, nicht zu entschuld'gen! Wer fort und fort so schön gleich unbeständ'gem April sich ziert, was ist mit dem zu machen? Doch klag' auch ich: dich selbst mußt du beschuld'gen, Wenn ich April bin, da du zu beständ'gem Mai mich, wenn du mich liebtest, könntest machen. 15. Die tausend Schritte, die ich täglich schreite, Seitdem der tolle Wahn mein Herz besessen, Stets auf dem Weg, den ich nicht kann vergessen, Bald in der Sonne, bald des Monds Geleite; Wenn ich im Geiste sie zusammenreihte, Wieviel des Landes hätt' ich wohl durchmessen, Wie vieles hätt ich sehen wohl indessen Und hören können in der Fern' und Weite! Meinst du, daß du versammelt alle Strahlen Der Schönheit habest so an deinem Bette, Daß all die Weit' dagegen leere Schalen? Die Berge, Wälder, Ströme, Menschen, Städte! Womit willst du das Leben mir bezahlen, Das ich versitz' an deiner Liebe Kette? 16. Wenn all die Schar von Monden, Wochen, Tagen, Stund', Augenblick', Minuten und Sekunde, Die mir durch dich verschmachteten als Wunde, Die mir durch dich verjammerten als Klagen: Wenn alle sie aus ihren Sarkophagen Erstünden und sich stellten in die Runde Um dich, und hüben an aus einem Munde, Als ihre Mörderin dich zu verklagen: »Wir alle waren einst zur Lust geboren, Berechtigt, unser Dasein zu genießen; Durch dich ging Dasein uns und Lust verloren!« Wenn so sich all die Stimmen hören ließen, Wer weiß, ob du dann würdest noch die Ohren Vor ihnen wie vor meiner einen schließen. 17. Feindsel'ge Fee, die du mit Zaubertraum Luft, Himmel, Erd' und Fluten hältst umsponnen, So daß, wie du mir zürnst, das Licht der Sonnen Nicht lächeln kann, und grünen nicht der Raum, Der Wind nicht kühlen, schatten nicht der Baum, Der Strauch nicht duften, rauschen nicht der Bronnen; O hältst du, um die letzte mir der Wonnen Zu wehren, nun den Traumgott auch am Zaum? Daß, so wie du dich wachend mir versagest, Er dich mir auch versagen muß im Schlafe, Mir nie dein süßes Antlitz läßt erscheinen; Als ob du ihm gedroht: Wenn du es wagest, Auf seinen Augen je zu ruhn, zur Strafe Sollst du hinfort nie ruhen mehr auf meinen. 18. Und will's so ganz und gar denn nicht vom Platze, O Herz, mit deinem Flehen, Seufzen, Lallen; Sieh, ob das Spiel ihr besser wird gefallen, Wenn du's versuchest aus dem Gegensatze. Auf, sei aus Inbrunst zänkisch gleich dem Spatze, Es half nicht zärtlich sein gleich Nachtigallen; Es frommt nicht frommen Lämmern gleich zu wallen, Versuch es denn mit scharfer Tatz' und kratze. Sei ganz an Art und Laun' und List ein Kätzchen, Dräng' dich an sie mit Häkeln und mit Schmeicheln, Lern' art'ge Ungezogenheiten treiben. Die Katzenfreundin gönnt dir dann ein Plätzchen Auf ihrem Schoß, um, wo nicht dich zu streicheln, Doch mindestens mit Bosheit dich zu reiben. 19. Du ist nicht schön, kann ich dir redlich sagen, Du bist nicht schön, ob rot gleich ist die Wange Und blau das Aug' und braun das Haar, das lange, Viel schön're sah ich schon in meinen Tagen. Und daß ich so in Wohl- und Wehbehagen, Nicht zu-, nicht abwärts könnend, an dir hange, Nicht deine Schönheit ist die goldne Spange; Die eherne, die ich muß küssend nagen, Dein Trotz ist es, dein starrer Sinn und steifer, Rauh, dornig, wild, verhöhnend die Bezwinger, Wie Wälder von – du kennst es nicht – Hyrkanien. Das hält mich fest an dir mit Thoreneifer, Dem Knaben gleich, der klaubt mit wundem Finger Die Stachelfrucht des Baumes der Kastanien. 20. Drum wenn du nun, wie du mit jedem Blicke, Mit jedem Laut es gibst mir zu erkennen, Gern dieses Handels Fäden möchtest trennen, So thu's, du kannst es ja im Augenblicke. Sag' nur dem Aug' einmal, daß sanft es blicke, Laß deinen Mund einmal nur sanft mich nennen, Der Lippen Kuß nur einmal sanft mir brennen, So fällt das Band von selbst mir vom Genicke. Denn da die Zauber, die mich halten, Dorne Nur sind des Stolzes und des Trotzes Nesseln; Laß Stolz und Trotz, so fliehn die Zaubereien: Du müßtest denn, so wie mit Groll und Zorne, Mit Huld und Lächeln auch verstehn zu fesseln, Dann kann dich weder Zorn noch Huld befreien. 21. Amara, bittre, was du thust, ist bitter, Wie du die Füße rührst, die Arme lenkest, Wie du die Augen hebst, wie du sie senkest, Die Lippen aufthust oder zu, ist's bitter. Ein jeder Gruß ist, den du schenkest, bitter, Bitter ein jeder Kuß, den du nicht schenkest, Bitter ist, was du sprichst und was du denkest, Und was du hast und was du bist, ist bitter. Voraus kommt eine Bitterkeit gegangen, Zwo Bitterkeiten gehn dir zu den Seiten, Und eine folgt den Spuren deiner Füße. O du mit Bitterkeiten rings umfangen, Wer dächte, daß mit all den Bitterkeiten Du doch mir bist im innern Kern so süße. 22. Du standst in dich verhüllt gleich einem jungen Frühlinge, der sich selbst noch nicht empfunden; Ich kam und brachte deines Lenztums Kunden Dir erst durch meiner Blicke Flammenzungen. Aufwachtest du aus deinen Dämmerungen, Und stehest jetzt, in freier Blüt' entbunden, Siegatmend da. Was hab' ich Lohn gefunden, Daß ich zuerst den Lenz dir angesungen? Die Lerche darf ins Saatfeld, wo sie schwirrte, Die Nachtigall ins Buschwerk, wo sie lockte, Die Schwalbe, wo sie sang, ans Dach von Moose Ihr Nest sich baun. O du, um die ich girrte, Mir Dach und Busch und Saatfeld, o verstockte, Wo soll ich nisten, als in deinem Schoße? 23. So manchen Lufthauch hast du schon gespüret Im offnen Feld um Stirn und Brust und Wange, Daß nun kein Seufzerhauch, wie er auch bange Mag hauchen, Unempfindliche, dich rühret. So mancher Stoff hat deine Hand berühret Mit rauhem Druck in deiner Wirtschaft Gange, Daß nun die Hand der Liebe Druck schon lange, Wie sanft er auch mag drücken, nicht mehr spüret. So manches Täubchen hast du sonder Leide Schon abgewürgt, daß du nun mit Ergötzen Mein Taubengirren hörst, ohn' es zu fühlen; So manches Hälmchen mit der Sichel Schneide Gemähet schon, daß du auch ohn' Entsetzen Den Stahl des Todes in mein Herz kannst wühlen. 24. O daß doch eine Fee den bunten Flitter Zu tausendlei Verwandlungen mir böte, Daß mich als blanken Hirt die Morgenröte, Das Abendrot mich säh' als braunen Schnitter; Daß ich als Spielmann heute mit der Zither Das Land durchzög' und morgen mit der Flöte, Als Weidmann heute meinen Speer erhöhte Und morgen mich erhöht' aufs Roß als Ritter. Ich wollte so mit wechselndem Gepränge Darstellen deinem Blicke mich und ringen Um deine Gunst in so viel Lustgestalten, Daß es in einer endlich mir gelänge; Und welcher es gelang, dich zu bezwingen, Die hielt' ich fest; und würd' ich fest dich halten? 25. »Ich will sonst keinen als den schönsten haben, (Die Liebste hat's gesprochen unverhohlen) Wenn nicht der schönste kommt, mich heimzuholen, So laß ich mich als Jungfräulein begraben. Der schönste ganz mit allen Schönheitsgaben Gerüstet von der Scheitel bis zur Sohlen; Und daß er sei der schönste, unverstohlen Soll's auf der Stirn ihm stehn mit Goldbuchstaben; Daß ich auch sicher bin, daß keiner Dirne Im Grunde hier und auf der ganzen Erden Ein schönerer zu teil werd' als der meine. Find' ich geschrieben das an seiner Stirne, So will ich mich nicht länger stolz gebärden, Da, will ich sprechen, nimm mich, ich bin deine.« 26. Und weil du dich so stolzen Sinns erhoben, Daß du vom schönsten nur willst sein gefreiet, So wünsch' ich dir, daß eigens dir geweihet Die Englein einen bringen her von droben, Aus allem Frühlingsduft zusammgestoben, Aus allem Perlentau zusammgereihet, Aus allem Blütenschnee zusammgeschneiet, Aus aller Herrlichkeit zusammgewoben. Und wenn du dann die goldne Schrift entdeckest An seiner Stirn: Ich bin der schönst' von allen, Und für dich schönste bin ich hergesendet; Und wenn du dann nach ihm die Arm' ausstreckest, So soll der Duftmann dir in Duft zerwallen, Und dir die Sehnsucht bleiben, die nicht endet. 27. O die du lebest mir mit deinem Grolle, Wie ich mit meiner Liebe dir zur Plage; Nun geh' ich schon um dich so lange Tage, Und glaubst du noch nicht, daß ich wohl dir wolle? »Wer weiß.« Wer weiß? Ei, du sollst's wissen, Tolle! Nun sage das nur, ob dir's denn behage, Daß du mich um dich gehen siehst? »Das sage Ich nicht.« So sag' denn, daß ich's lassen solle. »Das sag' ich auch nicht.« Nun, beim Flor des Sarges! Du tötest mich; so sage doch nur, was du Denn überhaupt mir sagest? »Gar nichts sag' ich.« Bei Gott! so wollt' ich, daß du doch recht Arges Mir sagtest, statt so nichts zu sagen. Daß du So gar nichts sagend mir so viel sagst, klag' ich. 28. Da steht sie nun, o daß ihr stehn sie sähet, Wie meine Hand sich fest in ihre drucket, Sie drüber keine Miene nur verzucket Und unbekümmert ringshin horcht und spähet. Der Hund, der draußen bellt, der Hahn, der krähet, Das Mäuschen, das still in der Ecke spuket, Der Sperling, der durchs offne Fenster gucket, Nichts so gering, so klein, daß sie's verschmähet. Denn sie muß alles mit den Augen sehen, Denn sie muß mit den Ohren alles hören, Denn mit den Sinnen muß sie alles wissen. Nur eines scheint sie stets zu übersehen, Nur eines stets scheint sie zu überhören, Nur stets von einem scheint sie nichts zu wissen. 29. Ich bracht' ihr Blumen; als ich die nun immer An ihrer Brust nicht sah und drüber klagte, Versetzte sie getrost: Weil mir's behagte, Recht lang' sie blühn zu sehn, blühn sie im Zimmer. Band kauft' ich ihr, und als ich das auch nimmer An ihrem Arm erspäht' und spitzig fragte: Wo blüht nun das? sprach sie: Im Schrank; ich zagte, Die Sonne bleich' ihm den zu seinen Schimmer. Nun spräche jemand, der das nicht verstünde: O welche Liebe, die mit solcher Treue Bewahrt solch ein vergänglich Angedenken. Ich aber spreche, der ich's wohl ergründe: O daß den Neider solche Lieb' erfreue, Die, was ans Herz soll, niederlegt in Schränken. 30. Dein Blick ist matt, wie wenn mit blöden Augen Die Sonne dreinsieht in die Winterstunde; Dein Kuß ist welk, wie wenn das todeswunde Herbstblatt den letzten Tropfen Tau will saugen. »Kann ich davor, wenn Aug' und Mund nicht taugen?« Ach, nicht am Auge liegt es noch am Munde, Die sind ein tot Gefäß, wenn nicht vom Grunde Die Seele steigt herauf in Mund und Augen. »So werd' ich keine Seel' im Grunde haben.« Ja wohl, entweder hast du keine Seele, Oder du hast zu Blick und Kuß mir keine. Heil ihm, der einst damit dich wird begaben, Und daß ihn ja dann Eifersucht nicht quäle Auf den, der einst gekost mit einem Steine. 31. O Wonneschau, Lustanblick, Augenweide! So hab' ich sie, die schönste, denn gesehen Vor meinen Blicken so verschönert stehen, Wie's nur die Schönheit werden kann vom Kleide. O schmeichelhaftes Kleid! Ich sah die Seide Von ihrem Busen mir entgegen wehen, Und sah die Blumen dort nach mir sich drehen, Die Seid' und Blumen, meine Gaben beide. So sieht der Frühlingstag mit Morgenstrahlen Herab auf der geliebten Erde Glieder, Die er mit seinen Farben sieht geschmücket, Fühlt schauend Lust und fühlt auch schon die Qualen, Daß er am Abend muß vom Himmel nieder, Und ihm die Nacht entzieht, was ihn entzücket. 32. Wenn ich dir könnte, wie ich möchte, geben Die Schätz' aus meiner Liebe vollem Schreine, So wär' auf Erden und im Himmel keine Geschmückt wie du, o du mein süßes Leben! »Wie war das?« Hör' es recht, mein süßes Leben! Geschmückt in Erd' und Himmel wäre keine Wie du, wenn dir aus meiner Liebe Schreine Die Schätz' ich, wie ich möchte, könnte geben. Geschmückt wärst du mit mehr als Königsglanze, Und wenn du schöner dann zu prangen wähntest, Würdest du schöner doch als jetzt nicht prangen. – Das ward gesprochen abends unterm Tanze, Als du, nicht tanzend, sanft dich an mich lehntest, Und littest, daß mein Arm dich hielt umfangen. 33. Mein Kind, ein seltsam Spiel hast du begonnen Hier mit dem wehrlos ausgestreckten Linnen; Und wahrlich, wenn es hätte Menschensinnen, Müßt's ihm ein Spiel sein recht zu Weh und Wonnen; Wie du ihm bald gebietest, sich zu sonnen, Bald kalte Fluten drüber lässest rinnen, Bald wieder sonnst das Flutennaß von hinnen, Bald wieder tilgst die Glut mit neuen Bronnen. Mein Kind, wenn Sonnen gleich sind deine Blicke, Und deines Mundes Grüße gleich den Fluten, So weiß ich, daß ich selbst dem Linnen gleiche; Da du mich sonnend glühst auf Augenblicke, Dann ach, durch kaltes Wort mir kühlst die Gluten, So daß, wie jenes bleicht, ich selbst erbleiche. 34. Du ziehst, nicht sag' ich's, zum wievielten Male, O Mond, am Himmel deine alten Kreise, Derweil mich selber hier im alten Gleise Du ziehen siehst durch diese süßen Thale. Das Fenster aber dort, das blinkt, das schmale, Ist noch vergittert nach der alten Weise; Und kannst du, Freund, die Gitter mir nicht leise Zerbrechen, ach, mit einem deiner Strahle? Kannst du, wie ohne Widerstand die Scheiben Du selbst durchdringst, nicht mich auch werden lassen, Hineinzudringen, ganz in Licht zergangen? Umsonst! ich muß am dunklen Boden bleiben; Du gehst allein, Freund, Feind, den ich muß hassen, Hin, wo du bleich willst ruhn auf roten Wangen. 35. Ich habe dir in heißer Ernte Tagen (Sahst du den Schweiß, der deinethalb mich näßte?) Die Frucht geschüttelt deiner reichen Äste, Doch keine Früchte hat es mir getragen. Ich habe dir des Flachses duft'ge Lagen Gereicht, als deine Hand sie bosselnd preßte, Doch wird kein Weber draus zum Fest der Feste Das Hochzeitkleid für mich zusammenschlagen. Ich habe mich gegeben dir zum Knechte, Ich bin für dich, zum Trotz den Stundenzeigern, Des Tages und des Nachts gerannt, gesprungen. Wohl einen Lohn hätt' ich verdient, ich dächte, Doch kannst du freilich mir den Lohn auch weigern, Denn (kannst du fragen): wer hat dich gedungen? 36. So oft schon bin ich über deine Schwellen Geschritten und geschlichen spat und fruhe, Daß es der Hund, ihr Hüter, sieht in Ruhe, Und nicht der Müh' es wert hält, noch zu bellen. Wohl hab' ich auch in Kammern und in Zellen Erforscht schon jeden Schrank und jede Truhe, Wo deine Hauben und wo deine Schuhe, Wo deine dunklen Tücher, deine hellen. Nur eines hab' ich noch nicht können leider Mir auskundschaften, wo im Schrein verborgen Du aufbewahrst den Vorrat deiner Launen, Die du viel öfter wechselst als die Kleider, Da ich dich oft schon zwischen heut und morgen Bald in der ros'gen sah, bald in der braunen. 37. O die du mich in deine Fesseln zwangest, Wie würde mir der Zwang, den ich empfinde, In Lust sich wandeln, wenn du stets so linde Die Fesseln schlängest, wie du heut sie schlangest, Da du mir fesselnd Hand und Arm umrangest Mit diesem Kranz, dem letzten Spätlingskinde Der Sommerflur, und zu dem Angebinde Mit süßen Blicken redetest, nein, sangest. Den Blick, die Rede und des Kranzes Nelken Will ich nach Hause tragen, und bewahren Den Kranz im Schrank, den Blick, die Red' im Herzen. Und wenn der schöne Kranz wird müssen welken, So soll die Rede und der Blick nach Jahren Mir blühn und glühn noch wie zwei ew'ge Kerzen. 38. Ich wollte, daß ich wär' – o süßes Neiden! – Dein Spiegel mit dem blanken Angesichte; So würd' ich doch an deines Auges Lichte Viel öfter mich als jetzo können weiden. Ich wollte, daß ich wär' – o bittres Leiden! – Dein Schatten, der vor deinem Glanz zu nichte Nie wird; so würd' ich, gleich dem dunklen Wichte, Von deinem Leibe brauchen nie zu scheiden. Ich wollte, daß ich nur dein Lämmchen wäre, So würd' ich doch nicht sehen, daß du bangtest Und flöhst vor mir wie vor dem Wolf, nicht besser. So gäb' ich dir die Wolle, wenn die Schere Du führetest, und, ob du es verlangtest, Das Leben, wenn du führetest das Messer. 39. Ich will den Sonnstrahl mit der Hand zerbrechen, Ich will den Lufthauch bei dem Fittich fangen, Eh' dieser kalt dir rühren soll die Wangen, Eh' jener heiß die Stirne dir soll stechen. Die Vögel will ich zauberisch besprechen, Daß sie dir singen nichts als dein Verlangen, Die Büsche, daß sie, wo du kommst gegangen, Zu dir von nichts als deiner Schönheit sprechen; Die Bienen, daß sie dir auf deine Lippen Den Honig tragen, Blumen an die Hände Dir blühn und Tauben brüten dir im Schoße; Ja, daß dir sei die Erde ohne Klippen, Der Himmel ohne Wolken, ohne Ende Der Lenz und ohne Dornen jede Rose. 40. O süße Göttin von der heil'gen Myrte, Wo du magst weilen unter Paphos Bäumen, Hieher gelenket sei an goldnen Zäumen Dein Wagen, der von Tauben angeschirrte. Und jeder Zephyr, der durch Blumen schwirrte, Soll deinen Spuren folgen ohne Säumen Zu dieses Thales dir geweihten Räumen, Wo seine Hirtin heut umfängt ihr Hirte. Ein Tempe sei der Wiesengrund, der feuchte, Pindus und Ossa jener Hügel Kette, Peneios Silber dieses Baches Welle; Ein jeder Glühwurm eines Amors Leuchte, Ein jeder Schmetterling ein Amorette, Und Nymphe jede flatternde Libelle. 41. Komm, schöne glatte, kalte, goldne Schlange, Auf die ich starker Schlangenwürger passe; Du hast mit buntem Spiel um meine Straße Dich zierlich schlängelnd hergewunden lange. Komm, schmeidige, daß ich mit eh'rnem Zwange Dich fass' und halt' und nicht sobald dich lasse; Wind' du dich nur und krümm' dich, giftig blasse, Mir ist vor deinem süßen Gift nicht bange. Wohlauf, mit allen deinen Schlangenkünsten, Unbändig um des Feindes Leib dich ringelnd, Mit Zähnen blinkend, sprühend mit den Zungen: Laß sehn, wer von uns beiden hier mit Brünsten Das andre wird bestehn, es so umzingelnd, Daß es bekennen muß: ich bin bezwungen. 42. Sieh um dich, meine schöne scheue Taube, Es steht der Wald in seinen bloßen Haaren, Läßt mutig Wind und Sonnschein drüber fahren, Und birgt nicht seinen Schmuck in einer Haube. Was willst du deines Hauptes Blütenlaube, Den jungen Wald im Saft von sechzehn Jahren, Noch unter einem andern Dach verwahren? Gib mir sein Dach, das Haar dem Wind zum Raube! Ich träumte jüngst, ich sähe zartgewoben Als goldnes Hemde wallen dein Gelocke Vom Haupt zum Fuß dir hüllend alle Glieder. Wird das zur Hälfte wahr, so will ich's loben, Wenn du das Haargeweb', wo nicht zum Rocke, Dir lässest dienen mindestens zum Mieder. 43. Beglückt, wer, wenn des Winters Stürme schnauben, Und Schauer durch die öden Räume zucken, Froh flüchten darf und heimlich unterducken Wohl unter eines Strohdachs warme Schauben. Wenn näher dann in ihrem Nest die Tauben, Weil's draußen stürmet, aneinander rucken, Rückt näher auch der Spinnerin, der schmucken, Der Knab', und sie darf sich darum nicht strauben. Du sitzest, süßeste der Spinnerinnen, Wohl jetzt im Kämmerlein beim leisen Rade, Ziehst still die stillen Fädelein vom Rocken. Leb' wohl! du sollst hinfort nicht mehr mir spinnen Mein süßes Weh; es treibt auf rauhe Pfade Mich fort, und meines Lebens Räder stocken. 44. Ich hab' es wohl gefühlt, daß eine Binde Von Amors Zaubern um mein Antlitz hange; Ich hab' es wohl gemerkt, daß eine Spange Von seinen Täuschungen den Geist umwinde. Ich aber wollte selber meine blinde Glückseligkeit nicht stören in dem Gange; Ach, dem Geschick währt bald ein Glück zu lange, Und weise ruft es meiner Thorheit: Schwinde! Ich hab' es ja gewußt, daß ich geträumet, Doch wollt' ich selbst nicht meinen Traum zerschlagen, Denn nur in Träumen wohnt das Glück der Erde. Jetzt hat die Kraft des Schlaftrunks ausgeschäumet, Wach zieh' ich ab, und meine Seufzer fragen: Ob ich so süß noch einmal träumen werde? 45. Ich schäme mich der schwachen Augenblicke, Wo ich mir selbst der Knechtschaft Band gesponnen, Wo es mir galt die höchste meiner Wonnen, Vor ihr im Staub zu beugen mein Genicke. Ich schäme mich, daß ich an ihre Blicke Gefesselt hing, als wären sie nur Sonnen, An ihren Kuß, als wär' nur er ein Bronnen, An ihr Gebot, als wär' nur es Geschicke. Ich schäme mich so mancher Thränenmienen, Ich schäme mich so mancher Seufzertöne, So manches Schmeichelworts voll Lobgebräme. Mich schäm' ich, wie sie mir so schön geschienen, Daß ich nicht längst mich schämt', und noch so schöne Mir scheint, daß ich fast all der Scham mich schäme. 46. Ich hatte dich in Sammet und in Seide Gehüllt, dich angethan mit Purpurzonen; Ich hatte dir aufs Haupt gesetzet Kronen, Dir um die Brust geleget Goldgeschmeide. Thu' von dir den geborgten Schmuck, entkleide Der fremden Pracht dich, steige von den Thronen Zu denen nieder, die im Dunkel wohnen, Und treibe nackt die Lämmer auf die Weide. Ich hatte dich mit Himmelstau gewaschen, Ich hatte dich gesalbt mit Götterschminke, Ich hatte Manna dir zur Kost erlesen. Geh', schminke wieder dich mit Staub und Aschen, Geh' wieder hin an deinen Bach und trinke, Und sag' es niemand, daß du mein gewesen. 47. Nicht doch! Sie steht in ihrer stillen schönen Gleichgült'gen Unbefangenheit noch immer! O lern' von ihr, nimm ohne Klaggewimmer Den Abschied, geh' und nimm ihn ohne Höhnen. Sprich ruhig: Uns zusammen zu gewöhnen Auf läng're Zeit in deinem engen Zimmer, Nie ging es gut, nun geht es immer schlimmer; Leb' wohl! und laß die Trennung uns versöhnen. Ich habe dir einmal ein Lied gegeben, Behalt's und denk' dabei zu Zeiten meiner, Wenn du einst einen hast, der keine singet. Du gabest mir nach kurzem Widerstreben Einst diesen Ring; gedenken will ich deiner, Wenn ich damit wo anstoß' und er klinget. 48. Statt Blatt und Blüten, die vom nackten Leibe Der Nordwind abgeschüttelt hat den Bäumen, Statt Blum' und Gras, die von des Rockes Säumen Herbst hat entpflückt Natur, dem armen Weibe; Sät jetzt der Winter an des Fensters Scheibe Frostblumen aus und auf den öden Räumen Schneeblüten, daß damit, als blassen Träumen Vom Lenz, ihr Spiel des Lenzes Sehnsucht treibe. Die Sehnsucht aber sitzt bei mir im Zimmer, Blickt aus nach dem von ihr getrennten Lenze, Den sie dort sitzen sieht in einem Stübchen; Dort sitzt er hell im eignen Sonnenschimmer, Auf seinen Locken alle Liebeskränze Und alle Rosen um der Wange Grübchen. 49. Ach, es ist keine Kunst, wenn Wald und Heiden Und Berg' und Ströme, die dazwischen rollen, Und Meeresfluten, die, im Sturm erschwollen, Dazwischen brausen, dich von Liebe scheiden; Doch eine Kunst ist's, eine Kunst zu leiden Ist's, wenn von ihr nichts als dein eignes Wollen Dich scheidet, und die stillen Wünsche sollen Die Scheidewand zu überspringen meiden. Ja eine Kunst ist's, über alle Künste, In also freigewählter Selbstverdammung, So fern von ihr zu sein in solcher Nähe, In solcher Nähe, daß, wenn diese Brünste Mein Haus hier setzen könnten in Entflammung, Ganz gut aus ihrem obern Stock sie's sähe. 50. Du denkst vielleicht, ich habe dich vergessen, Weil du nicht mehr mich siehest, daß ich wanke Hinaus nach dem von dir kredenzten Tranke Der Liebesthorheit, wie ich's that vordessen. Nicht denken würdest du es, wenn ermessen Du könntest, wie noch täglich mein Gedanke Ausfliegend Kost mir holt aus deinem Schranke, Wie Raben einst dem Seher holten Essen. Nicht denken würdest du es, wenn du wüßtest, Wie oft ich nächtlich hinter deinem Rücken Veranstaltet mit dir Zusammenkünfte, Ja wie du eben jetzt hier einziehn müßtest, Da ich, dich deinem Lager zu entrücken, Hab' ausgesendet meiner Geister Zünfte. 51. Was hülf' es, ob den Maler in die Wände Des Kerkers sorgsam man verschlossen hätte, Wenn man ihm Pinsel mitgäb' und Palette, Ja ihm auch mitgäb' Augen nur und Hände. Ob er kein andres Werkgerät auch fände, So würd' er machen seiner Steinwand Glätte Zur Leinwand und zum Griffel seine Kette Und drauf eingraben seine Gegenstände. Was hülf' es, daß auch ich den Kerker schlösse, Wenn doch ja meiner Malerkunst Geräte Mir blieb', an Farben Statt, Gedank' und Töne? Und ob kein Strahl des Tags durchs Gitter schösse; So wüßt' ich, daß im Dunkel vor mich träte Ein Bild im Lichtglanz seiner eignen Schöne. 52. Im Sommer draußen, als durch Busch und Hecken Auf deinen Fußtritt meiner sich erpichte, Beklagt' ich deine Schönheit, daß zunichte Daran ein Teilchen ward durch Sommerflecken. Jetzt wie dich die Erinnerungen wecken Vor meinem Geiste, staun' ich, wie im Lichte Du dastehst mit so reinem Angesichte, Daß ich kein einz'ges Fleckchen kann entdecken. Was ist das? Ist es wohl der keusche Winter, Der mit dem Schneeglanz deine Flecken sauber Gemacht hat, daß du strahlst als wie die Lilien? O nein! Ein Quell ist das, aus Himmeln rinnt er, Der trägt von Ewigkeit in sich den Zauber, Daß er kann ird'scher Schönheit Flecken tilgen. 53. Des Sommers, als ich unter bunten Scherzen Dich vor mir gaukeln sah in Hütt' und Triften, Vergaß ich nicht, ein Denkbuch mir zu stiften, Beschreibend manches Blatt von meinem Herzen. Nun sitzend hier bei der Erinnerung Kerzen, Still blätternd in den aufgerollten Schriften; So wie die Biene Honig saugt aus Giften, Saug' ich Erquickung selbst aus meinen Schmerzen. O hier sind wunderbar verschlungne Chiffern, Und Amor, der die Rätsel zu entsiegeln Bestellt ward, ist ein trüg'rischer Dolmetscher. Was herb' daran ist, will er nicht entziffern, Das Süße aber weiß er abzuspiegeln So lieblich, daß vor Luft zerschmölzen Gletscher. 54. Glück, Heil und Segen dir und jeder Quelle An dir, daraus ich sog Genusses Wogen, Berauschung in des Armes offnem Bogen, Entzückung aus des offnen Auges Helle. Glück, Heil und Segen dir und jeder Stelle, Wo du mich in dein süßes Netz gezogen, Wo du beglückt mich, wo du mich betrogen, Denn Trug ist ja der Liebe Spielgeselle. Ich weiß nicht, ob ein Blick, der je ins Leben Mir ging, aus deinem Leben sei gekommen, Aus deinem Geist zu meinem ein Gedanken; Ich weiß nicht, ob du etwas mir gegeben; Doch daß ich etwas mir von dir genommen, Das weiß ich und will dir auch dafür danken. 55. Wann still die Nacht auf dunkeln Pfaden schreitet, Die unterm Mantel trägt die goldnen Sterne, Und im Gewölk gleich heimlicher Laterne Der Mond sein wachsend Silberlicht bereitet; Denk' ich, und meines Auges Thräne gleitet, Zurück in jener Nächte schöne Ferne, Wo er mit seinem lieberglühten Kerne Auf meinen Liebesgängen mich geleitet. Wozu, o Mond, mit deinem Strahlenschimmer Hat dich ein Gott in Lüften aufgehangen, Als daß die Lieb' in deinem Licht soll wallen? Die Liebe wallt in deinem Lichte nimmer, Der Docht in deiner Lamp' ist ausgegangen, Und deine Scherben laß vom Himmel fallen. 56. Welch rasches Tönen wundersanfter Glocken, Das widerklingt in meines Herzens Mitten! Die Liebste kommt, verhüllt, im leichten Schlitten Dahergeflogen durch den Tanz der Flocken. Die stolzen Hengste schütteln ihre Locken Und drehn das Haupt rückwärts, mit art'gen Sitten Zuwiehernd: Lieber als am Zügel schritten An einem Fädlein wir von deinem Rocken. Hast du den Rocken lassen können, Fleißige? Wenn nun indes ihn müßig sieht ein Freier? Doch sieh, für deine Hand spinnt eine fremde, Der Winter selber spinnt für dich, der eisige; Schneeweben wird er bald zum Hochzeitschleier Gesponnen haben und zum Hochzeithemde. 57. Was hilft's dem Hochmut, daß er sich verstocke? Die Macht der Liebe wird ihn doch erfassen; Und ist kein andres Mittel ihr gelassen, So wählt sie sich den Hammer einer Glocke. Die Glocke draußen in dem höchsten Stocke Des Turms, an dem vorbei sonst meine Straßen Zum Hause gingen, das ich jetzt will hassen, Dringt ein zu mir, daß sie mich wieder locke. O die du nur die christliche Gemeinde Berufen solltest zu des Tempels Stufen, Hat statt der Andacht Liebe dich gedungen? Wer schützt mich gegen so verbundne Feinde, Wenn ferne Liebe, wo ihr selbst zum Rufen Nicht reicht die Stimme, borgt Gebetes Zungen? 58. Die du mir, Glocke, zuträgst deine Klänge, Warum denn hast du in des Sommers Schimmer Bei mir dich hier vernehmen lassen nimmer Und thust im Winter jetzt so weite Gänge? »Im Sommer war vom Turme, wo ich hänge, Bis hieher, wo du wohnst im stillen Zimmer, Aus Gass' und Straßen solch ein Leben immer, Daß ich nicht kommen konnte durchs Gedränge. Blumen und Gräser waren lauter Ohren, An Strauch und Bäumen lauschten alle Sprossen, Und alle Felsen horchten auch, die schroffen. Da ging mein Reden unterwegs verloren; Jetzt sind die Ohren draußen all' geschlossen, Nur deins hier steht der Lieb' auch ewig offen.« 59. Wer bist du, der du anklopfst gar nicht leise An meine Fenster mit dem Flügelschlage, O ungestümer Nachtdurchwandler, sage, Der du die Locken mir behauchst mit Eise? »Ein Nordwind bin ich und bin auf der Reise; Ein Gruß an dich ist, was ich mit mir trage, Den mir dein Liebchen auftrug, als am Tage Ich draußen um ihr Haus zog meine Kreise.« Weh' mir, das Blut erstarrt in meinen Adern. Kann sie mir keinen andern Boten senden, Als einen, dessen rauhe Grüße morden? »Mein Freund, da mußt du mit dem Himmel hadern, Der eure Häuser legt' an solche Enden, Gen Süden deins und ihres gegen Norden.« 60. Auf, Südwind, komm heran zu mir und schaue, Wie hier, erblüht in schönsten Farbentinten, Im Winterfenster stehn drei Hyazinthen, Rot eine, eine weiß' und eine blaue. Schüttl' ihre duft'gen Glocken und trag' laue Gewürze hin zu meiner Kaltgesinnten, Dort, wo sie schläft, in ihrer Kammer hinten, Rühr' ihr bereiftes Fenster an und taue. Tau' dich hinein bis hin zu ihrem Schlafe, Und findest du ihr Herz, wie es umstricket Ein Band von Eis, so sprenge du die Kruste Und hauch' ihr duftend in den Mund: zur Strafe, Daß du ihm Winterkälte schickest, schicket Er Odem dir aus glühendem Auguste. 61. O Blumen, die ihr, weil der Winter schauert, Schnee auf der Au und Eis liegt auf dem Bronne, An eines Ofens Wärm' anstatt der Sonne Euch müßt erschließen, o wie ihr mich dauert; Die ihr vergebens auf Erlösung lauert, Wie hinterm Klostergitter eine Nonne; Dürft' ich euch pflücken, euch wie mir zu Wonne An einem Busen stürbt ihr unbetrauert. Nichts sind die Ding', es ist die Lieb' in ihnen; Um Liebe drehen sich der Sterne Reihen, Um Liebe wälzen sich des Himmels Achsen. Und kann die Blume nicht der Liebe dienen, Und kann das Herz sich nicht der Liebe weihen, So ist so Blum' als Herz umsonst gewachsen. 62. O du mein gar zu fleiß'ges Spinnermädchen, Im schönen selbst gesponnenen Gewändchen, Die rührig mit dem Füßchen und dem Händchen Du sitzest Tag und Nacht am Spinnerädchen. Wieviel gesponnen hast du feine Fädchen Und ausgesponnen sie zu festen Bändchen; O wieviel hast du angesponnen Ständchen Am Thürchen oft und oft am Fensterlädchen. O wieviel haben Vetterchen und Bäschen Verworrene Gespinste dir ins Häuschen Getragen, mit umsponnen dich beim Tänzchen. Dann hat sich oft aus Hälmchen und aus Gräschen Entsponnen zwischen uns ein Hadersträußchen, Doch oftmals auch gewebt ein Liebeskränzchen. 63. Ich träumt', ich wär' ein Vögelein und flöge Hinaus zu ihr mit einer Schar von Ammern, Die draußen jetzt vor ihrem Fenster jammern, Bis sie mit Lächeln ihnen füllt die Tröge. Und wenn der Schwarm gesättigt weiterzöge, Blieb' ich, um an ihr Kleid mich anzuklammern, Bis sie, sich mein erbarmend, in die Kammern Mich mit sich nähme und mich drinnen pflöge. Dann thät' ich so erfroren und erstarret, Daß sie aus Mitleid in den Busen nieder Mit Haut und Haar' mich schöb', um zu erwarmen. Dann, wenn ich erst ein Weilchen so verharret, Besänn' ich mich auf meine Menschenglieder, Um sie, statt zu umflügeln, zu umarmen. 64. Mir träumt', ich säße droben an der Eiche, Zu der ich Sommers lenkte meine Bahnen, Wo ich, ein König ohne Unterthanen, Oft blickt' ins Thal auf meine Liebesreiche. Und plötzlich war es jetzt, als überschleiche Den starren Winter laues Frühlingsahnen; Vom Turme drunten knatterten die Fahnen, Und drüben krachte dumpf das Eis vom Teiche. Und als ich niederschaute nach dem Hause, Von Läden grün und rosenblaß von Wänden, Da stieg der dunkle Rauch vom Giebel wieder. Anfaßt' es mich als wie mit Sturmwindsbrause; Am Eichstamm hielt ich mich mit beiden Händen, Sonst riß der Wirbel mich zum Hause nieder. 65. Nun steht sie drinnen in der Hexenküche Und bläst mit ihres Odems falschem Hauche Die Kohlen an, daß von dem Zauberrauche Bis hieher mich umwittern die Gerüche. Aufschichtet sie geknickte Reisigbrüche Am Herde kreuzweis nach gelerntem Brauche; Und murmelt über dem Wachholderstrauche, Der in der Lohe knistert, ihre Sprüche. Sie rasselt mit dem aufgehängten Kessel, Sie klappert mit den aufgespülten Schalen, Sie rührt mit raschem Querl für mich im Topfe; Sie rückt für mich im Kämmerchen den Sessel, Und weiß die Stunde schon genau in Zahlen, Wo ich muß kommen und ans Thürchen klopfe. 66. Gleichwie der Kiebitz, der unbänd'ge Schreier, Um zu verhüten, daß nicht seine Läger Durch seine Schuld an den verschmitzten Jäger Verraten werden, oder an den Geier, Von weitem, scheu um den geliebten Weiher, Wo er sein Nest hat, streifend, zieht in schräger Umkreisung seinen Flug, bis ins Geheg' er Sich senkt auf seine Jungen oder Eier; So kreist, im Zauberwirbel hingezogen, Mein Geist mit sehnsuchtmüden Flügelspitzen Ums Haus der Lieb' an stillen Wasserborden, Stets näher rückend in stets engern Bogen, Bis unaufhaltsam er sich stürzt gleich Blitzen Heiß auf das Nest, das kaum erst kalt geworden. 67. Wie ich eröffne mit geheimem Schauer Die mir so lang' entwöhnte Thür und stöhne, Fällt in die Augen mir sogleich der schöne Kanarienvogel im geflochtnen Bauer. Sein gelbes Hälschen recket er mit schlauer Bedeutsamkeit, als ob er mich verhöhne, Und singt, als wären's klare Menschentöne: »So lang ist also dieser Freiheit Dauer? Klug ist der Vogel, und der Mensch ist thöricht, Ich hab' in der Gefängnis Lustgemache Indes hier fortgesungen meine Lieder, Als säß' ich frei in Teneriffas Röhricht; Du bist der Haft entflohn mit einem Ache Und kehrst zur Haft mit einem Ach jetzt wieder.« 68. Wer bist du, Knäbchen, klingend mit dem Sporne, Und mit dem tönereichen Horn am Munde, Hier ruhend auf der Liebsten Tisch? Gib Kunde! »Ich bin der Knabe mit dem Wunderhorne. Hier ließest du mich ja, als du im Zorne Damals von hinnen gingst; und seit der Stunde Hat sich dein einsam Lieb von Herzensgrunde Gar oft erquickt aus meinem Liederborne.« So bist du also, seit ich aus gewesen, Geblieben, Glücklicher, am alten Platze? Da weißt du wohl recht viel jetzt zu erzählen? »Ich weiß gar nichts, als daß, wenn sie was lesen Seit vierzehn Tagen will aus meinem Schatze, Sie meistens Hochzeitlieder pflegt zu wählen.« 69. Du weiße, schön gewaschne Hemdenkrause, Zur Trocknung hier am Ofen aufgehangen, Du siehst mir eben aus, als ob zu prangen Du habest Lust bei einem Hochzeitschmause. »Ja, Hochzeit gibt's auch nächstens hier im Hause.« Weh' mir, zum Eintritt machst du schlimm mich bangen. »Nicht doch! der gilt's, die dich nichts angegangen; Die jüngre bleibt vorerst noch in der Klause.« Weh' mir, auch so verlier' ich eine Schanze. »Wie so das?« Ach! vorm wüsten Freierhaufen That die mir gute Dienste allerwegen Als Außenwerk; ist das weg, wird der ganze Verwegne Schwarm mir nun ans Hauptwerk laufen. »Da mußt du denn zwiefach ins Zeug dich legen.« 70. Wo ist sie denn, die ich mit Blicken suche, Und mit des Herzens Schlägen, den geschwinden, Mich unterhaltend, weil sie nicht zu finden, Mit Vogel, Spitzenkraus' und Liederbuche? Wo ist sie denn, daß sie mit einem Spruche Nach ihrer Art nach meinem Wohlbefinden Frag' und sich Mühe gebe, zu verwinden Die Freud' an ihres spröden Gasts Besuche? Wo ist sie denn? Ach, aus der Kammer dorten Tritt sie so strahlend, als ob meine Musen Selbst hätten ihr das Kleid mit Licht besäumet, So wunderseltsam ach in Blick und Worten, Als ob sie all das wüßt' in ihrem Busen, Was meiner all die Zeit von ihr geträumet. 71. Mit einem Exemplar der Amaryllis 1827. Den Kopf voll Poesie aus fremden Landen, Das Herz voll Liebesträum' aus andrer Zone, Nachtwandelt' ich den Tag des Lebens, ohne Mich zu verstehn, und ach von wem verstanden? Was meine Blick' im engsten Kreise fanden, Ergriff mein Trieb und bildet' es zum Tone; Aus Ginster flocht ich manche Palmenkrone, Spinnwebe wob ich oft zu Zauberbanden. In einem Thal, worin vom Weltgeräusche Nur war des Waldstroms und der Mühle Rauschen, War's, wo ein Landgewächs ich aufblühn sah. Wie wenig g'nügt, daß, wer es will, sich täusche: Marielies mußte mir den Namen tauschen In Amaryllis formosissima. Zugaben 1. Sage mir nur nicht Willkommen, Sage mir nur nicht Ade! Laß mich kommen, wann ich komme, Laß mich gehen, wann ich geh'. Nicht wann du mich kommen siehest, Liebste, komm' ich her zu dir; Immer schon bei dir geblieben Ist mein Herz von gestern hier. Und nicht wann du gehn mich siehest, Geh' ich, sondern stets im Geist, Liebste! bleib' ich dort in deiner Kammer, ohne daß du's weißt. 2. Mein Liebchen hat das Herz sich abgeschlossen, Den Schlüssel drauf geworfen in die See. Dort hängt er tief, wo die Korallen sprossen, Vergebens taucht nach ihm hinab mein Weh. 3. Warum in der Ecke stehn, Um mir einen Kuß zu gönnen? Laß es doch die Leute sehn, Was sie mir nicht wehren können! Laß den heißen Blick der Sonnen Sehn darein mit Neid und Groll; Unsre Lieb' ist solch ein Bronnen, Der nicht dran versiegen soll. 4. Am Tage kann ich zügeln meine Schritte, Mich nicht zu tragen mehr zu deiner Hütte; Nachts kann ich es dem Traume nicht verwehren, Noch oft daselbst, wie vormals, einzukehren. Am Tage kann ich wenden meine Blicke, Daß sie kein neuer Blick von dir bestricke; Nachts kann ich so nicht die Gedanken zwingen, Daß sie dein Bild mir nicht vor Augen bringen. Nachts kann ich nicht gebieten diesen Trieben, Die eigenwillig fahren fort zu lieben; Allein am Tage soll mein Geist sich fassen, Dich zu vergessen, ach, und dich zu lassen. 5. Was gestern war, o laß es mich vergessen! Was morgen sein wird, laß mich nicht ermessen! Laß mich versinken in das schöne Heut'! Laß mich einmal ganz unbefangen scheinen, O laß mich thun, als könnt' ich niemals weinen, Da mir dein Blick einmal ein Lächeln beut. Was kümmert's mich, daß vor dem Lenz ein Winter? Was kümmert's mich, daß einer ist dahinter? Wenn zwischeninn der kurze Lenz mich freut!