Johann Röling Geistliche Lieder und Oden Daß man von Gott in allen Dingen den Anfang machen soll Wilstu, daß dein Thun und Sinnen Soll erwünschten Gang gewinnen, Stell es erst mit Gott in Rath; Heist es der, so wird es gehen, Spricht er Nein, so muß es stehen, Sein ist Beydes, Will und That. Was ein Vogel sonder Flügel, Sonder Licht und Glanz ein Spiegel, Was ein Schiff ohn Ruder ist, Was der Tag ohn Sonnen-Strahlen Und was sonder Kern die Schalen, Ist ein Werk, das ihn vermist. Und was magstu dir vertrauen? Kanstu, was dir dient, erschauen? Ist nicht böser Will dein Rath? Ist nicht Unverstand dein Führer, Noth und Ohnmacht dein Regierer, Sünd' und Eitelkeit die That? Bistu nicht ein Kind der Erden? Mustu das nicht wieder werden? Bistu nicht des Glückes Ball, Ein Gehege vieler Sorgen? Lebest immerfort auch morgen Und vergehst letzt wie ein Schall. Gott nur weiß, was dir erträglich Und so nützlich, als behäglich, So erwünscht, als selig fällt; Er ist, der dich hat gemachet, Der dich kleidet und bewachet, Dich beschirmet und erhält. Sonder seiner Güt und Gnade Ist all, was du thust, dein Schade Und nichts, als nur Midas Gut: Geld must du zum Hunger wehlen, Ehre zum Beschwer der Seelen, Klugheit zum verkehrten Muth. Baue Schlösser, setze Schrifften, Laß dir grosse Denkmahl stifften, Ohn ihn geht es Alles ein; Hie wird dich die Krafft der Höllen, Dort die Zeit- und Welt-Macht fällen, Hie dein Fleisch dein Tod selbst sein. Herr, ich bin weit zu geringe, Daß ich dich nach Würden singe, Laß es, Liebster, dennoch seyn. Gehstu vor, so wird es gehen, Stehstu ab, so soll es stehen, All dein Nein und Ja ist mein. Vom Gebet Wer bin ich, Gott, doch gegen dich, Und dennoch unterwind' ich mich Mit dir mich öffters zu bereden. Darff Staub und Asch, darff dürres Heu, Darff flüchtigs Laub und öde Spreu, Ein Mensch, ach Herr, sich nicht entblöden, Daß er, o Schöpffer aller Welt, Dich, wenn er will, zu Rede stellt? Was fehlt mir, auch wie schlecht es ist, Drum dich mein Herz nicht frey begrüst! Und bin doch nie dir zu geringe. Der Zutritt hat nicht Maaß noch Ziel, Die Bitte bittet nie zu viel, Und klopfft nicht, daß sie nicht durchdringe, Ist, daß mein Wunsch dein' Hoheit scheut, So stehstu, eh er kömmt, bereit. O Wunder aller Lieb' und Güt, Wo ist ein Mensch von dem Gemüth? Wie lässet sich die Welt doch feyren, Eh man sie anzusprechen kriegt, Noch mehr, wenn man nicht leicht vergnügt, Wie weiß sie, was sie giebt, zu säuren, Und hebt mans doch nicht Himmelan, Heist man ein undankbarer Mann. An dich und dein erhabnes Hauß Schick' ich nur einen Seuffzer auß, So komm ich an und werd' erhöret. Mir Erdenkloß ist das Gesicht, Dafür der Cherub deckt sein Licht, Und nicht die heilge Stett verwehret, Wo der, dem alle Herrschaft frohnt, In unbeschriebnen Ehren wohnt. Bedarff wer viel, wer ist dem gut? Besitzt wer viel, wie bläst sein Muth! Du, o der ganzen Welt Berather, Hast viel und giebst doch für und für, Je ärmer wer, je lieber dir. O reicher Gott und milder Vater, O höchstes und auch tiefstes Gut, Das nie sich spaart und nie verthut! Schreckt Satan mich, so zeigstu dich, Haßt mich die Welt, so liebstu mich, Drückt mich viel Kreuz, so hilffstu tragen; Verdammt mich selbst mein Fleisch und Blut, So machstu durch dein Kind mir Muth Und labst mich, da ich müst verzagen. Ja, was ich habe, will und bin, Ist gut, stell' ich es dir nur hin. Ach, führ' auf dieser schönen Bahn Zu dir, Herr, meinen Geist stets an Und lasse dein Gespräch mich weiden. Mein Hertz ist wie ein schwerer Stein Und sinkt durch sich nur Höllenein; Zermalm' es du durch Kreutz und Leiden, Denn wird es leicht, denn steigt es woll Und wird von deinem Hertzen voll. Gib aber, daß, mein Gott, ich dir Nichts, was dir mißfällt, bringe für, Ich weiß nicht, was ich bitten solle. Mein Aug' erkennt nur, was es sieht, Ist Erd' und ist um Erd bemüht Und zweiffelt selbst stets, was es wolle; Du weist es, Jesu, o mein Licht, Bitt du vor mich, so fehl' ich nicht. Andacht Fromme Seele, laß die Welt; Deines Schöpffers heiligs Zelt, Warum du pflegst beten, Heist dich einzutreten; Sey bedachtsam, wie man ist, Wenn man seinen König grüst. Liebster Gott, ich seh' in mir Dich und alle deine Zier, Deinen Thron und Himmel Und das Jauchz-Getümmel, Das der frohen Engel Schaar Um dich treibet immerdar. Was ich kan, sing' ich mit ein, Aber doch, was kan es seyn? Ich begunt im Bösen, So ist noch mein Wesen, Wie kömmt dessen Tichterey Ihrem heiligen Heilig bey? Werd' ich eins bey ihnen sein, Denn so werd' ich gleichfalls rein, Und was Reines geben. O erwünschtes Leben, O beglückter Stand für hier, Wenn doch sterb' und fall' ich dir? Vater, Sohn und heilge Flamm, Schöpffer, Tröster, Bräutigam, Grosses Eins in dreyen! Wie muß ich mich freuen, Wenn ihr, Haupt der Ewigkeit, Meiner Seelen Gäste seyd. Ich betrübter Erdenkloß Bin der gantzen Gottheit Schooß; Für die Lust und Ehre, Auch wie kurtz sie wäre, Ging' ich nicht auf Ewigseyn Aller Erden Herrschafft ein. Sey, o Seele, frey, und froh, Dein und Gottes allzeit so, Stopff dir Aug' und Ohren; Wenn du die verloren, Denn so hörst und siehstu recht, Drinn dich Aug' und Ohr itzt schwächt. Von der Schöpffung Gott, du warest für und für Und von Ewigkeit in dir, Alles selbst dir und dein eigen. Nie ohn Werk, nie müßig nicht, Doch allein in deinem Licht, Niemand dörfft dir Ehr' erzeigen, Und doch warest du erhöht In der höchsten Majestät. Herr warst du, und Herr allein, Und kontst dies ohn Knechte seyn; Herrlich war es, wo du wohntest, Und es war sonst nichts, als du, Aller Reichthum stand dir zu Und doch war nicht, dem du lohntest, Liebster Gott, ein Stand und Sitz, Der zu hoch für unsern Witz. Biß es endlich dir gefiel, Daß, Herr, deiner Hände Spiel Diese Welt zuwege brachte. Nicht bedörfftstu dazu Müh, Nur ein einigs Wort war hie, Das gab an, das baut' und machte. Es gescheh! sprachst du allein, Dieß hieß Nichtes Alles seyn. Höchster Schöpffer, was für Zier, Was für Krafft muß seyn in dir, Der ein solches Pracht-Gebäude So befestigt, groß und schön, Also leichtlich heist entstehn; Macht das Werk solch Augenweide, Von wie außerwehltem Schein Muß doch dessen Meister seyn. Ach, wie weis' in solcher Eyl Hat ein Jeder doch sein Theil, Wie schickt eines sich zum andern, Was für Kreyse groß und klein Schliessen ein den andern ein, Um das Punkt gesamt zu wandern, Das Punkt, das sich doch so weit Und in so viel Reich' außbreit. Oben spantest du dein Hauß Wie den hellsten Leinwand auß, Der, bedruckt mit güldnen Sternen, Gleich dem schönsten Stickwerk glänzt Und den Herren-Stuhl umgrentzt, Wofür Alle dienen lernen, Und der reinen Engel Stat Ihren Stab und Sitzthum hat. Mitten hat die Lufft den Platz, Drinn der Thau- und Regen-Schatz, Hagel, Reiff und Schnee verborgen Und dein Donner sich anstimmt, Wenn du über uns ergrimmt; Hie entfreyt sich seiner Sorgen Der erfreuten Vögel Chor Und bringt dir sein Lob-Lied vor. Unten blieben Erd' und Flut, Unser Stand und Ritter-Gut, Unten an sind wir gesetzet; Aber welch ein mildes Feld, Welch ein' hulde Garten-Welt Hat uns um und um ergetzet! Kräuter, Früchte, Vieh und Fisch Waren All vor unsern Tisch. O niemals verdiente Gnad, Die uns so begütert hat, Doch die der nicht zu vergleichen, Welch' an uns selbst deine Hand Als ihr Meister-Stück gewandt, Die, Herr, deiner Gottheit Zeichen, Deine Weißheit, deine Zier Hat in uns gebildet für. Aber ach, wie dankten wir Dir doch, treuer Gott, dafür? Alles gabst du uns ohn Massen Nur ein einger Baum allein Solte dir behalten seyn. Sieh, den konten wir nicht lassen, Nichts von Unserm stand uns an, Nur was dein war muste dran. O ein theurer Apffel, Gott! O ein eiferigs Gebott, Das dafür den gantzen Garten Uns durch strengen Spruch entzog, Ja, schon den zum Tode bog, Der noch erst war zu gewarten. Wie kömmt eines Menschen Sünd' Auff sein Kind und Kindes-Kind? Aber, Herr, du bist gerecht, Wir sind Knecht' und böse Knecht', Wir der Thon, du bist der Töpffer, Was will jener wider den? So auch würd' es uns anstehn, Strafften wir dich, unsern Schöpffer; Du hast dennoch deine Hand Nicht gantz von uns abgewandt. Wie uns sonst nichts helffen könnt, Hastu selbst dein Kind ernennt, Das für uns sich tödten lassen Und hiedurch uns neu erzeugt. Warstu vor uns so geneigt, Da an uns nichts, als zu hassen, Wie kanst du uns abhold seyn, Da dir unser Blut gemein? Schön war Alles vor gemacht, Drum die Sünd' uns hat gebracht, Schöner aber sind wir worden, Da dein auserkohrner Sohn Unser Fleisch auf seinen Thron Und uns in den Himmels-Orden Zu der höchsten Majestät Aus dem Staube hat erhöht. Herr, wie groß ist deine Güt! Stell mir dieses zu Gemüth, Daß ich nicht undankbar werde; Trag' ich denn itzt wenig ein, Wird es künfftig besser seyn. Weil ich hie bin, geb' ich Erde, Machest du mich himmlisch dort, Soll auch himmlisch sein mein Wort. Zweymal hastu mich bereit, Erst erschaffen, nach erneut; Noch das drittemal ist über, Wenn du meinen Todt belebst Und mich auß dem Grabe hebst. Ach, je öffter, Herr, je lieber! Drey ist vollkommn insgemein, Laß auch so mein drittes seyn. Über den Himmel Süsser Himmel, heilger Heerd Gottes Pracht-Hauß, Engel-Wohnung, Aller Frommen End-Belohnung, Denk, wie mir zu Muthe werd, Wenn ich deine schöne Höh Aus der Erden Grufft anseh. Deine Stern und was sonst dein, Bleiben immer frisch und munter; Ihr geht auff und wieder unter, Ihr verwechselt Nacht und Schein, Und es fehlt je Keinem ichts, Auch an dem geringsten nichts. Ach, auch ich war gleich wie ihr Und wie eure reinen Geister, Unser hocherhabner Meister Ließ euch stehn und war bey mir, Euch hat er zum Sitz erwählt, Mich mit seinem Bild beseelt. So ging ich euch noch weit für; Aber, o den schnöden Bissen, Der uns diesen Schatz entrissen, Weg ist alle meine Zier, Für des Höchsten Conterfeyt Nahm ich an ein Feigen-Kleid. Was für Sorge, Müh' und Pein Hat mich gleich hiemit umgeben, Immer sterben ist mein Leben! Himmel, du bleibst dennoch mein, Wenn die Erde mich vertreibt, Werd' ich dir doch einverleibt. Dies hat mir durch theuren Kauff Er, dein Erb-Printz, neu erworben; Da er ist für mich gestorben Schloß er mir dich wieder auff, Und daß ich nicht irrte hier, Macht' er selber sich zur Thür. Wie lockt dies zu dir mich ein, Mehr noch, wenn du scheinst zu winken, Denn was kan der Sternen Blinken Anders doch, als dieses seyn? Und was thustu immermehr, Das mich nicht zu dir stets kehr? Donnerst du und schreckest mich, Was heist eh zu dir mich gehen? Bistu unbewolkt zu sehen, So verlieb' ich mich in dich, Regnest, thaust und schneiest du, Fällt dein Gut mir, sag' ich, zu. Also hab' ich allezeit Das mich auff zu dir muß heben, Doch noch mehr nach dem heist streben, Der mir dies durch dich bereit. Herrlich bistu, was du bist; Was ist der, durch den dies ist? Außerwehltes, seelges Zelt, Laß mich so mit dir stets sprechen Und auß mir zu dir mich brechen; Auch wie köstlich, daß die Welt, Gibt sie nichts, als Müh' und Pein, Soll sie uns nicht schädlich seyn. Knirsch mit steter Reu mich hier Und mach mich so weich und mürbe; Würd' ich nicht zu Asch' und stürbe, Käm' ich Träger nicht zu dir. Denn wie steigt sonst auf die Erd', Als wenn sie in Staub verkehrt? An die Sonne Sonne, helles Aug der Welt, Höchster Schmuck vom Himmels-Zelt, Denn wenn Alles noch so schön, Was wärs, wär' es nicht zu sehn? Keinen Gleichen hastu hier, Dieser Vorzug bleibet dir, Doch ist noch ein' andre Sonn, Die von mehrer Zier und Wonn. Du gehst ab und wieder auff, Und so ändert sich dein Lauff; Nicht so aber macht es die, Der es früh nach Abend nie. Diesen auserwehlten Schein Bild' ich mir durch dich stets ein, Denn wie du regierst die Zeit, Führet die die Ewigkeit. Durch dich wird der Tag gemacht, Trittstu ab, so wird es Nacht, Du erweckst der Erden Pflicht Und bist Vater aller Frücht. Jesus gibt ein besser Licht, Das nur mir die Nacht vernicht, Ach, die schwere Sünden-Nacht, Die mich sonst gantz dunkel macht. Durch ihn wächset, grünt und blüht, Was mein Herz für Frücht' erzieht, Nichtes kan ich sonder ihn, Als nur mich zur Höllen ziehn. Dein beliebter Glantz erfreut, Wärmet, quickt und benedeyt, So daß du ohn Segen nicht, Wenn du gleich bewölkst dein Licht. Er entzündt in mir die Glut, Die mit Himmels vollem Muth Und des höchsten Geistes Geist Meine schwache Seele speist. Ob er mich auch gleich betrübt, Bleibt er doch in mich verliebt, Denn je härter er mich drückt, Desto mehr er mich erquickt. Ewger Auffgang vor der Zeit, Sonne der Gerechtigkeit, Gehe, Jesu, o mein Licht, Nimmer in mir unter nicht. Ohn dich bricht nur an der Tag, Daß mein Kreutz anbrechen mag, Und es macht der helle Schein Mir nur sichtbar meine Pein. Wirk' aus meiner Hände Pflicht Viele dir genehme Frücht, Leg' ich mich dann drauf zur Ruh, Lege du dich auch dazu. Wärm mich, wenn ich liebe kalt Und mit dir es laulicht halt, Leucht mir, daß ich zu dir geh', Und erquick' mich, wenn mir weh. Letzt laß deines Todes Pein Meiner Asche Leben seyn; Dieses bittet, ander ich, Deine Sonnenwende dich. Über die Erde Du bist, o schwarzes Erdenzelt, Das Punkt der weit gestreckten Welt. Um dich muß alles Andre gehen, Der Himmel und sein gantzes Heer, Die Lufft und was desselben mehr, Du aber bleibst in Ruhe stehen. Ach aber, was doch sag' ich Ruh? Regt sich es droben immerzu, So bleibt doch Alles gantz beständig; Du, die von keiner Kehrung weiß, Suchst in derselben deinen Preiß Und machst uns mit ganz wetterwendig. Was nicht für Unruh, Zwist und Span Fängt man um deine Herrschaft an, In wie viel Theil bist du zerrissen, Das unser' Hertzen gleich zerstückt! Kan wer bey dir nur seyn beglückt, Der scheint den Himmel gern zu missen. Ach, daß wir sind gemacht auß dir! Dies zweifelsohn macht die Begier, Die wir zu deinen Gütern tragen: Wie du selbst sonder Licht und Schein, So nimmt uns deine Nacht auch ein Und läst im Geist es selten tagen. Du bist gantz schwer und hälst den Grund: Ein Hertz, das dir vertraut sein Pfund Und deiner Sorgen Joch anziehet, Erhebet sich nicht über dir; Wenn er nur dir thut die Gebühr, So ist er weiter nicht bemühet. Thät' es der Obern Güte nicht, Was gebest du auß dir für Frücht? Wir, welche nach der Mutter schlagen, Sind minder nicht gantz öd und wüst; Wo nichts von oben in uns fliest, Was können wir vor Gutes tragen? Ach Gott, es war die Erd' erst rein Und trug nach Wunsch uns Alles ein; Nur unsrer, unsrer Sünde wegen Geschah es, daß sie darben must Und nach zu Stacheln unsrer Lust Nur scharffe Dorn und Diesteln hegen. Woll, gib, so viel mir gnug sind, her, Nur lasse mich durch solch Beschwer Ihr Feind und sie mir gleichfals werden; Ich wünsch', ich suche nichts von ihr. Wer künfftig herrschen wil bey dir, Der muß ein Schlave seyn auff Erden. Rührt dieser Leib gleich her auß ihr, So ist die Seele doch von dir; Was Erd' ist, kehret eins zur Erden; Was dein ist, lasse dein allein Auch hie auff seiner Erden seyn, Bis daß ich gantz dein werde werden. Ich muß noch eins in ihren Schooß Und wie ich kame nackt und bloß, Doch werd' ich nicht darinnen bleiben. Dein Körnlein stirbet nicht in ihr, Das sie nicht wieder gibt herfür, Soll ich auch nicht in ihr bekleiben? Ich bin des Höchsten Amaranth, Der hält ob mir stets seine Hand, Ich fall', ich faule wie ich wolle. Dies heischt die Noth, es muß das Grab Mir erst die Erde ziehen ab Im Fall ich himmlisch werden solle. Von der Vermählung der Seelen mit Christo Wer bin ich, Jesu, o mein Heyl, Daß du dich selbst mir gibst zu Theil Und hälst mich wie für deines Gleichen? Du bist ja Herr, und ich bin Knecht, Ich bös' und eitel, du gerecht, Du bleibst ohn' End', ich muß verbleichen, Und dennoch trägest du zu mir So unvergleichliche Begier. Eh' als der Grund gelegt zur Welt Hastu dein Hauß für mich bestellt Und nachmals mir zu gut verlassen; So nimmstu das, was ich bin, an, Um so vertraut mich umzufassen; Was aber kost ich, Liebster, dir, Eh du so weit es bringst mit mir. Wie ich nur erst das Licht betrat, So wusch mich fort dein seligs Bad Und gab mir deinen Geist zu eigen, Das unschätzbare Himmels-Pfand, Das, o mein Hertz, von unserm Band In meinem Hertzen solle zeugen; Ja selbst du kehrtest offt gemein Durch süße Regung bey mir ein. Ach, aber so auch kan ich dein, Mein Heyland, nicht ohn Anspruch seyn; Die Sünde will mich von dir scheiden, Der Satan hält um mich auch an, Hie mustu, theurer Himmels-Mann, Für mich so schweren Todt erst leiden Und unsre Liebe durch dein Blut Bey deinem Vater machen gut. O, hochbelobtes Gottes-Lamm, Mein Bruder, Burg' und Bräutigam, Wie wehrt hast du mich doch geschätzet, Wie hoch hast du mich angebracht, Wie herrlich, reich und groß gemacht, Da du dich mir zur Seit gesetzet; Für deine Braut, o Herr, zu sein, Nehm' ich die gantze Welt nicht ein. Sprech ich hiefür: Ich liebe dich, Dies ist zu schlecht für dich und mich; Ich sterbe, schaue, für Verlangen, Mein Schatten ist nur mehr an mir, Hertz, Geist und Seele wohnt bey dir. Ach, wenn soll ich dich gantz umfangen? Herr, meinstu mich, wie ich dich mein, So laß es doch nicht lange seyn. Sieh an, wie schmerzlich mir die Welt Von wegen unsers Bundes fällt; Was hat ein Frommer mehr auff Erden, Als Wunden, Neid, Beschwer und Müh? Nur, Jesu, dies erquickt mich hie, Daß ich dein bin und dort soll werden, Ich leide gern so kurtze Zeit, Wird mir bey dir die Ewigkeit. Nichts kann mir schaden, bleibstu mir, Was mich hie treibt, verbindt mich dir, Weg für den Himmel mit der Erden! Ich kan doch dein nicht würdig seyn, Werd' ich nicht durch viel Creutz und Pein Dir, liebster Heyland, ähnlich werden. Drauff leb' ich, Herr, drauff sterb' ich dein, Nie können wir getrennet seyn. Von der Geburt Jesu Christi Ach, kömmstu endlich in die Welt, Du längst versprochner Sternen-Held, Mit deinen Himmels-Gaben? Wie selig sind wir doch für die, So dich mit großer Angst und Müh Vorher gewünschet haben; Uns späten Sündern scheint das Licht, Das auch den Heiligsten ward nicht. Belobter Heyland, sey gegrüst, Du Quell, auß welcher einig fliest Die Wolfahrt meiner Seelen; Was sag' ich dir für Dank, mein Gott, Daß du mit meinem Sünden-Koth Wilst deinen Glantz vermählen? Und daß der Herr der Herrlichkeit Sich in des Knechts Gestalt verkleidt. O großes Wunder, große Gnad! Der alle Ding' erschaffen hat, Läst sich itzunder zeugen; Das Wort des Vaters lallet kaum, Der Fürst des Lebens findt nicht Raum Und kömmt doch in sein eigen; Der Sonn' und Mond in Händen trägt, Wird hin auff Streu und Stroh gelegt. Wie find' ich dich, mein Jesu, hier? Ist doch ein unvernünfftigs Thier Weit klüger, als wir Alle, Das räumt dir seine Krippen ein, Da du nicht kanst im Hause seyn, Das rufft dich an im Stalle, Da Keiner an dich von uns denkt Und dir ein frohes Lob-Lied schenkt. Gleich in der allerlängsten Nacht Wirst du, o Licht, ans Licht gebracht, Gleich da der Kreyß der Erden In Eyß und Schnee gantz liegt verstellt, So mustu, Leben deiner Welt, Ihr neu geboren werden; Da Alles todt und abgethan, So stellstu dein Geburts-Fest an. Dies, ach, dies zeugt von unsrer Noth; Wir lagen gantz in Sünden todt, Uns hielt die Nacht gefangen, Die längst verdiente Höllen-Nacht; Der Seelen erster Schmuck und Pracht War mehr als gantz vergangen Und nichts, als lauter Frost und Kält War um die Hertzen hergestellt. Itzt merk' ich erst, o Vater, recht, Wie viel der Mensch, der Sünden-Knecht, Gehabt hat zu verbüssen, Daß, wo du soltst versühnet seyn, Dein einger Sohn mit grosser Pein Dafür hat zahlen müssen. Was niemand kan, als Gott allein, Das muß ja nichts Geringes seyn. Wie groß ist also deine Huld, Die selbst an sich bezahlt die Schuld Für uns verarmten Armen; Du warst zwar zornig sonder Schertz, Dennoch brach dir dein Vater-Hertz, Dich unser zu erbarmen. Wie wol steht der beklagte Mann, Des sich der Richter selbst nimmt an. Du aber, unvergleichlichs Kind, Du Printz des Höchsten, den man findt So gantz verachtet liegen, Vergib mir, daß ich mich erfreu Ob deiner gar zu schlechten Streu: Dein Schmerz ist mein Vergnügen, Dein abgelegte Herrlichkeit Ist meiner Seelen Ehren-Kleid. Dein' Armuth ist mein bester Schatz, Dein Stall macht mir im Himmel Platz, Das Vieh wird mir zu Engel, Dein Hunger nehrt mich, wenn ich krank, Dein Durst reicht mir des Lebens Trank, Und alle deine Mängel, Die ich dir, Jesu, zubereit, Sind meine gantze Seligkeit. Ja, liebster Bruder, ja, mein Hort, Dies hab' ich eins zu hoffen dort; Weg ist der Schreck der Höllen, Weg Satans angedreute Macht, Dein Fried' und Huld ist wiederbracht, Die alle Feinde fällen. So singet selbst der Engel Heer Und gibt dafür dir Lob und Ehr. Was aber thu doch ich hiebey? Nicht gnug ist, daß ich mich erfreu, Nicht gnug sind meine Lieder, Nimm Alles, was ich kan und bin, Denn ob ich, weil dies dein vorhin, Dir so auch nichts erwieder, So weiß ich, daß du keine Gab Nicht weiter forderst, als ich hab. Nimm, was ich habe, mich selbst, mir Und lege mich, mein Heyl, zu dir In deiner lieben Wiegen; Hie zünd mich an durch deine Glut, Hie will ich, wie der Phönix thut, Herr, meinem Tod' obsiegen Und dir gleich unter deinem Schein Von neuen gantz geboren seyn. Über die Windeln Jesu Wie windelt man dich, Jesu, ein, Denn alle Himmel sind zu klein, Und der die gantze Welt bewegt, Wird unbeweglich hingelegt. Herr, dies macht deine Lieb' und Huld; Wir, die die Fesseln vieler Schuld Dem Tode längst gegeben ein, Wir sollen ewig Schlaven seyn. Ach, mehr als wohlverdientes Joch! Und du gönnst uns die Freiheit doch. Nichts halff uns auß, nichts stand uns bey, So kömmstu selbst und machst uns frey. Du legst die Banden wieder an, Nachdem du uns sie abgethan Und gehst so schwere Knechtschafft ein, Auff daß wir Herren möchten seyn. O, eine Freundschafft, der die Welt Kein Beyspiel halten wird noch hält, Ja wol, die Welt, da Jedermann Den Andern stürtzt, so gut er kan. Gott seyn und nehmen Menschheit an, Dem dienen, der uns unterthan, Dem helffen, der sein ärgster Feind, Dies thut allein ein Himmels-Freund. Entbind mich, Jesu, meiner Sünd Und löse mich, da ich dich bind, So windel' ich mich zu dir ein Und wil dir stets verbunden seyn. Von dem Namen Jesu Nicht gnug, o Jesu, war es dir, Daß du ins Elend kamst zu mir Und nahmest an mein Fleisch und Blut; Dein Nam' auch kömmet mir zu gut, Dein lieber Name, der allein All was ich wünsche schließet ein. O unvergleichlich' Huld und Gnad Die mich so hoch beseligt hat, Ach ja, beseligt, denn was deut Dein Name sonst, als Seligkeit? Gedenk, wie du mich denn erfreust, Wenn man dich einen Jesum heist. Mein Name heist ein Kind der Sünd' Und deiner heist ein Gnaden-Kind, Ich heiß ein Knecht der Nichtigheit Und du ein Herr der Herrlichkeit, Ich heiß des Todes Eigenthum Und du des Lebens Fürst und Ruhm. Dein Nam geht über alle weit, Der hat uns, eh die Welt bereit, Zu seinem Antheil außerwehlt, Der ist in unserm Geist beseelt, Der zieht uns aus der Mutter Grab Und wäscht die erste Schuld uns ab. Der ist, der unsre Stirn bemerkt Und unser Hertz mit dir bestärkt, Er ist, für den der Trauer-Geist Erschrecket und sich von uns reist, Ja, welcher unsern Tod belebt Und zu dir auß der Erden hebt. O Wunder-Nam, o seltne Krafft, Die in nur zweyen Sylben hafft, Auff welchen bloß all unser Gut Wie auff den stärksten Seulen ruht, Nicht anders als wie sich die Welt An ihren beyden Polen hält. Der Ewigkeiten höchster Ruhm, Der Zeiten einigs Heiligthum, Der Himmlischen ihr Paradies, Der Irrdischen ihr Lebens-Fließ, Der Engel stetes Lob-Gedicht, Der Menschen Wonne, Schmuck und Licht. Der Armen ihr erwünschtes Gut, Der Traurigen ihr Trost und Muth, Der Glaubens-Kämpffer Ehren-Kron, Der Abgematten süßer Lohn, Der Kranken ihr Erlösungs-Boot, Der Sterbenden ihr Todes-Tod. Dies Alles, Jesu, ist dein Nam, Der vor dir her von oben kam Und dir der Jungfraun Schooß bereitt, Eh deine Gottheit ihn bekleidt, Gleich wie die schöne Morgenröth Vor ihrer schönern Sonnen geht. Ach selger Name, meine Freud, Sey mir auch meine Seligkeit! Ich bin ein Sünder, sprich mir du, Mein Jesu, daß du Jesu, zu, Hab' ich dies einge Wort nur ein, So ist der gantze Himmel mein. Bename mich mit dir, mein Heyl, Und gib auch meinem Namen Theil In deinem Buch an jenem Licht, Sonst such' ich keinen Namen nicht; Weg alle Titel von der Welt, Wenn dort mein Name Platz behält. Wie aber kömmt es, Himmels-Fürst, Daß, gleich wie du benamet wirst, Du schon dein Blut vergießen must? Dies zeigt mir meinen Sünden-Wust, Und daß ich sonder Kreutz-Beschwerd Mit dir hie nicht benamet werd. Wol, Liebster, wol, es sey also, Ich duld' es gern und leide froh, Du köntest sonder Todes-Pein, O Jesu, nicht mein Jesus sein; Ach, wenn ich, dein erlöster Knecht, Auch deinetwegen sterben möcht! Von dem Osterlamm Du schickest, Jesu, aus nach einem raumen Saal, Woselbst das Osterlamm und letzte Wunder-Mahl Dir zugerichtet würde, Wie das Gesetz gebeut, Seit von Aegyptens Bürde Du hast dein Volk befreit. Ach, nimm mich mit zu Tisch, ich habe großes Recht, Daß ich auch Ostern halt. Ich war der Höllen Knecht, All mein Beginn und Wesen Stand in betrübtem Stand, Hievon bin ich genesen Durch deine liebe Hand. Du hast mich außgeführt, du warst des Feindes Pest, Dies stifft mein Passah an zu einem Andenks-Fest, Daß ich bin durchgekommen Wo sonst nicht Steg noch Bahn, Und du mich aufgenommen Zu einem freyen Mann. Nimm mich denn mit zu Tisch, woselbst das Lamm du bist, Das her von Ewigkeit für uns geschlachtet ist Und itzt wird auffgegeben Bereitt durch Lieb' und Treu, Auff daß, o unser Leben, Es unsre Speise sey. O nie erhörtes Mahl, bei dem der Wirth die Kost, Sein Fleisch selbst ist das Brodt, sein Blut selbst ist der Most, O Mahl, dem keines gleichet, Mahl, mehr als wunderns werth, Da man die Speise reichet, Die nimmer wird verzehrt. Ach, labe mich mit dir, hochheiligs Gottes-Lamm, Es breitt dich meine Sünd' an deines Kreutzes Stamm Am Zorn-Feur, an den Flammen, Die uns dein Vater dreut' Und über uns zusammen Gleich itzund hielt bereit. Du zogst sie all' auff dich, so ward ich ihrer frey, Dies setzet, o mein Heyl, mich deinen Gästen bey, Dies heist mich Ostern feyren. Hilff, Jesu, aber mir, Daß mich nichts mag versäuren, Da ich gespeist mit dir. Im Stehen wurde vor das Osterlamm verzehrt; Lehr mich, daß dieses Hauß mir eigen nicht gehört, Laß mich im Glauben stehen, Der Welt und Erden frey, Daß, wenn du mich heist gehen, Ich Reyse-fertig sey. Legst du indessen hie auch zu dem süßen Brodt Die bittren Salsen mit des Kreutzes und der Noth, Woll, Herr; nur streich dein Zeichen Mir an mit deinem Blut Und laß den Würger weichen, So ist mir Alles gut. Vom Leiden und Sterben Jesu Christi Ich komme, Jesu, her zu dir Und bringe dir mein' Andacht für Von deinem bittern Kreutz und Leiden; Ich habe zwar es mit gemacht, Daß du zum Tode bist gebracht, Doch wirstu mich darum nicht meiden, Weil selbst dein Tod die Ursach ist, Daß du mein Freund geworden bist. Ach Heyland, ja, viel mehr, als Freund! Wer stirbet doch für seinen Feind, Wer dient, der alle Welt regieret, Wer wird ein Mensch, und ist doch Gott, Wer liebet für den Himmel Spott, Wer darbt, von dem das Brodt herrühret, Thust du es, liebster Jesu, nicht, Und das um fremder Sünde Pflicht? Du selber weist von keiner Schuld, Was du hie thust, ist lauter Huld, Du zahlst, was ich verbrochen habe, Du leidst, und das Verdienst ist mein, Ich solt' ein Kind des Todes seyn, Und du gehst für mich hin zum Grabe, Ja, läßest deinen Himmel stehn, Da ich zur Höllen solte gehn. Schau, blinder Jude, doch recht zu, Wen speystu an, wen schlägest du? Kanst du an deinem Heyl noch zweiffeln, Ehrst du den Held aus Juda so, Bist du um Zions Hülff so froh, Must hierum nur der Himmel träuffeln, Ist so dein König dir genehm, Du Tochter von Jerusalem? Muß ihm es denn ein Mörder nun Zuvor in deiner Liebe thun, Verdammstu den, der dich befreyet, Urtheilstu dem das Leben ab, Ohn den die gantze Welt ein Grab, Und kreutzigst, der dich benedeyet? Doch ach, was klag ich Ander' an, Ich habe dieses selbst gethan. Mein, mein ist alle Mißethat, Die, Jesu, dich gemartert hat, Ich fing dich erstlich zu verklagen, Ich flochte dir die Dornen-Kron, Ich sprach dir mehr als Alle Hohn, Ich habe dich ans Kreutz geschlagen, Drum denk', in was für Angst ich steh, Indem ich auff dein Leiden seh. Ach, ruff ich dir, mein Heyland, zu, Ach, höchstes Leben, stirbest du, Du A und O, kanst du dich enden, Neigst du das Haupt, du Haupt der Welt, Starrt dir die Hand, die Alles hält, Kan dich, du Licht, der Tod auch blenden, Und fallen dir die Augen ein, Die mehr als Mond und Sonne seyn? Denn klag' ich, was hab ich gethan, Wer nimmt sich nun doch meiner an, Wenn Gott mich vor Gericht wird stellen? Sein Kind, das mich hat loßgebürgt, Sein einigs Kind hab' ich erwürgt; Der Teuffel fordert mich zur Höllen, Im Himmel ist mir Alles Feind Und von der Erden gilt kein Freund. Wo find' ich Trost in dieser Pein? Du kanst allein mein Labsal seyn, Du unvergleichlicher Erlöser; Du batest selbst für deine Feind' Und nahmst den Schächer an zum Freund, Ach, sey doch gegen mich nicht böser. Du sprichst, daß Alles vollenbracht, Was ist denn, das mich traurig macht! Trotz Höll' und Tod, trotz, Teuffel, dir, Ihr habt fort keine Macht an mir, Mein Jesus hat sich mein erbarmet; Er beugt den Mund zu meinem ab Und liebt den Kuß, den ich ihm gab, Er hat mich und ich ihn umarmet; Wenn ich mit dem vereinigt bin, So hör' ich nach dem Himmel hin. O liebster Bürge, höchster Freund, Mein Bruder, der mit mir es meint, Als nimmer kan ein Bruder meinen, Hie steh' ich und beweine dich Und will bey deinem Kreutze mich Um deinen Tod zu Tode weinen, Weil doch mein Leben nichtes ist, Wenn du, mein Hertz, gestorben bist. Die Welt ist mir, ich ihr nicht gut, Mir eckelt Alles, was sie thut, Und sie kan nichtes mehr, als schmähen, Drum nimm mich nur mit dir ins Grab, So sterb' ich meinen Sünden ab Und werde sauber aufferstehen, Komm so, mein Tod, und sey gegrüst, Der mehr als tausend Leben ist. Über den Garten Gethsemane Ach Adam, dachtest du wol nach, Daß so viel Müh' ein Apffel mach, Der erst dich auß dem Paradies Zum Diestel-Bau der Erden stieß Und dich mit Arbeit, Sorg' und Noth Beleget hat biß an den Tod? Dünkt dies dir Straff genug dafür, So schaue deinen Jesum hier, Wie schwer er deine Garten-Lüst Im Garten auff der Erden büst, Und wie der Safft, der dich erquickt, Das Blut ihm auß den Augen drückt. Du aßest, hierauff folgt der Trank, Der deinen Heyland macht so krank, Daß ihm der Engel giebet Krafft, Der dich auß Eden weggeschafft. Ach Jesu, denk, wie uns hiebey, Die dies gemacht, zu Muthe sey. Was aber heist Gethsemane? O süßes Wort für unser Weh! Das Oel wird allhie zubereitt; Der Oelzweig ist des Friedens Beut, Der ward dem Noah zugebracht, Wie sich die Sündflut weggemacht. An solchem Ort fängt an dein Leid, Dies, Jesu, ist, was uns andeut, Daß uns dein Leiden, deine Pein Ein Bot' zum Frieden solle seyn Und daß, da du dich wirfst zur Erd, Des Vaters Zorn gehoben werd. Was Adam Böses that und thut, Das machstu, ander Adam, gut; Sein Ungehorsam krieget Frist, Da du zum Kelche willig bist, Und deine schwere Garten-Pein Räumt Edens Lust uns wieder ein. Über das Kreutz Christi O seligs Holz, o heilger Stamm, Daran du, liebster Bräutigam, Für deine Braut wirst angeschlagen! Kommt her, ihr Töchter auß Zion, Und sehet, was des Höchsten Sohn Für unsre Liebe muß ertragen. Ach, unser traurigs Erb-Beschwer Rührt von dem Baum des Todes her, Den unser Vater hat geschmecket; Schaut hie den Baum des Lebens an, Was unter jenem mißgethan, Wird unter diesem gantz verdecket. Laufft zu, die ihr das Leben sucht, Und schmeckt, wie süß doch dessen Frucht, Das Sternen-Brodt, des Himmels-Quelle, Der ewge Schatz, das höchste Gut, Selbst Gottes wahrer Leib und Blut, Dein Schöpffer vor, itzt dein Geselle. Ach, kostet diese Wunder-Frücht', Kein Cherub treibt davon mehr nicht, Der Garten ist nicht mehr umgraben, Er stehet frey im freyen Feld', Auff daß dazu die gantze Welt Mag ihren freyen Zugang haben. O werthes Kreutz, o unsre Freud' In allem unserm Kreutz und Leid'! Ist wer, den seine Sünden plagen? Hieher und hol dein' Artzeney, Die Handschrifft, sieh, ist hie entzwey Und durchgestrichen angeschlagen. Wird wer noch durch den Tod bewegt? Dies ist das Speer, das ihn erlegt, Die Baar, darauff er außgetragen. Schreckt wen der Höllen Ungemach? Dies ist die Keul, die sie zerbrach Und die ihr gantzes Heer geschlagen. Daß nicht der Himmel auff uns fällt, Ist dies die Stütze, die ihn hält, Und daß kein Fluch die Erde drücke, Wird dieser benedeyte Stamm, Von dem sie ihren Ursprung nam, Ihr eingepflantzt, der sie erquicke. Sprecht nicht, daß er verdorret sey; Was uns den Wachsthum bringet bey, Kan man kein dürres Holtz nicht nennen, Ach nein, daß unsre Wolfahrt blüht Und in uns gute Frücht' erzieht, Muß hieher seinen Safft erkennen. Bringt Palmen, bringet Oelzweig her, Zu dieses lieben Kreutzes Ehr, Die Oelzweig' als der Gnaden Pflantze, Die Palmen des erhaltnen Streits Die schicken recht sich beyderseits Zu dessen außerwehltem Krantze. Ach, meine Lieb- und Lust-Begier Ist gantz gekreutziget in mir, Da, Jesu, du gekreutzigt worden, Ich such' auch nichts mehr bey der Welt; Der Orden, welcher mir gefällt, Ist nur allein des Kreutzes Orden. Über das Begräbnis Jesu So ist es, Jesu, o mein Leben, So ist zum Tod' es doch gemeint? Es wundert selber deinen Feind, Daß du den Geist hast auffgegeben. Gedenke denn, wie mir hiebey, Mein Bräutigam, zu Muthe sey. Wie, frag' ich, kanstu doch verscheiden? Stirbt der, durch den der Bau der Welt Und selbst die Ewigkeit bestellt, Kan Gott, kan Gott den Tod auch leiden, Und hat der schnöden Menschen Macht Selbst ihren Schöpffer umgebracht? Wie woltest du doch seyn gestorben? Ach leider mehr, ach mehr, als wahr! Dein treuer Joseph ist schon dar, Der deinen Leib durch Bitt' erworben, Der kleidt dich an und nimmt dich ab Und legt dich in sein Garten-Grab. Ein gantzer Felß war außgehauen, Drinn, Jesu, soll dein Ruhstet seyn; Wie muß ich dich nach deiner Pein, Mein Heyl, so hart gelegt anschauen? War denn kein Hertz vor dich nicht mehr, Das sich angab zu solcher Ehr? Ach nein, es waren unser' Hertzen Weit härter, als kein Felß kan seyn, Es rißen sich vor Leid die Stein', Und wir empfinden keine Schmertzen. Die Erd' erbebt, der Himmel zagt, Der Mensch ist, der dich nicht beklagt. Im Garten fingstu an dein Leiden, Im Garten schloßtu deine Noth, Im Garten fing erst an der Tod Und endigten sich unsre Freuden: So muß darin des Todes Pein Bestritten und begraben seyn. In bitter' Aloe und Myrrhen Wirst, Jesu, du gewickelt ein, So solstu unverweßlich seyn; Wie schwer daß deine Lieben irren: Ist selbst die Unverweßlichkeit Nicht von der Fäul' an sich befreyt? Ja, Herr; doch ist uns dies erfreulich. Wie schmertzlich schieden wir erst ab, Wie bitter war uns unser Grab! Nun ist am Tode Nichts abscheulich. Du ziehest ihm den Stachel ab Und hast versüßet unser Grab. Du nemlich bist der starke Leue, Der unsre Feinde hat erlegt Und Honig in dem Tode hegt, Du bist der Pelikan, der treue, Der selber ihm die Brust auffritzt Und Blut für seine Jungen schwitzt. Du bist der Phönix, den die Flamme, Die Liebes-Flamm' hat angesteckt Und wieder auß der Asch' erweckt; Gib, Jesu, daß ich dir nachstamme, Und laß mich so den Tod gehn ein, Um eins recht lebendig zu seyn. Ach nimm, ach nimm mich mit zu Grabe, Das mir vorlängst die Welt schon ist, Ich weiß, wo du, mein Heyland, bist, Daß ich mein bestes Wohnhauß habe, Und gingstu mit mir Höllen ein, So würd' auch da mein Himmel seyn. Danksagung für das Leiden Jesu Christi Was soll ich, liebster Jesu, dir Mein Heyl und Trost, mein Hülff' und Zier, Für dein beschwerlichs Leben, Für all dein Leiden, Müh' und Noth, Für deine Wunden, Blut und Todt Für Dank und Ehre geben? Geb' ich hiefür dir all das Mein', Was kan das für Vergeltung seyn? Du hast mich, was ich bin, gemacht, Du hast mich selbst zu recht gebracht, Wie ich dir abgestorben, Du hast all meine Schuld gebüst Und da ich ewig leiden müst, Den Himmel mir erworben. Geb' ich hiefür dir all das Mein', Was kan das für Vergeltung seyn? Ich baue noch die Nichtigkeit Und bin von deinem Throne weit, Auff den du bist gestiegen; Du bist nun wieder Herr der Welt, Die mir so schwer und ängstlich fällt, Daß ich fast muß erliegen. Geb' ich hiebey dir all das Mein, Was kan das für Vergeltung seyn? Nimm doch es, o mein Heyland, an, Weil ich nichts Beßres geben kan, Biß daß ich frey der Erden. Ach, schöne Lust, ach, süße Freud, Da du und ich, wir, Jesu, beyd Zusammen kommen werden; Denn werd' ich, Herr, und all das Mein' Geschickter zur Vergeltung seyn. Führ' aber du mich, o mein Hort, Hieher in deiner Unschuld fort Und laß mich unterdeßen Nie deines Leidens, deiner Pein Und was wir hiefür schuldig seyn, Nie, Jesu, nie vergeßen, So werd' ich dir und all das Mein' Gefällig zur Vergeltung seyn. Gefällt es dir denn auch, mein Heyl, Daß ich von deinem Kreutz ein Theil Dir nach hie solle tragen, Wol, Jesu, wol, es sey also, Geh gnädig vor, ich folge froh. Wolt' ich hierüber klagen, So müst' ich dir und was sonst mein Nie willig zur Vergeltung seyn. Von der siegreichen Aufferstehung Jesu Christi So lebstu, Jesu, gleichwol noch Und hast das kurtze Todes-Joch Mit Ehren unter dich getreten? Es legte dich das fromme Paar Mit vielen Thränen auff die Baar, Von deinen Feinden loßgebeten, Und senkte dich ins harte Grab Fast ohne Trost und Hoffnung ab. Wie jauchtzte doch die Hölle da, Als sie dich so gefangen sah, Wie dreute Satan deinen Schafen, Da er den Hirten hatt' erlegt! Der Himmel selbst stand unbewegt, Da du, sein Führer, eingeschlafen, Und dieses große Gantz' erbebt, Als sein Erhalter überlebt. Sieh aber, wie das Blatt sich wendt; Kaum ist der andre Tag geendt, So brichstu dich auß deinen Banden, Eröffnest dein verschloßnes Grab, Fuhrst wie ein Sieger Höllen-ab Und machst ihr gantzes Heer zu Schanden. Ach Jesu, ein Triumph und Streit, Dem keiner gleichet bey der Zeit. Es kamen deine Freund' herbey Und brachten mit sich Specerey Zu salben ihren lieben Todten; In dem bricht Blitz und Bebung ein Und weltzt vom Grabe weg den Stein, Zugleich sind da die Sternen-Boten, Die zeigen Stell' und Leinen für Und sagen, daß du nicht mehr hier. Des Himmels Licht war nicht empor, So kömmstu, ew'ge Sonn', hervor Und führest hinter dir gefangen Die überstrebte Sünden-Nacht Und aller deiner Feinde Macht; Mit was für hertzlichem Verlangen, Mit was für Freuden, theurer Held, Wirst du uns also vorgestellt! Der Kampff, die Angst, der Hohn war dein, Der Sieg, der Nutz, die Ehr' ist mein; Nicht hastu dir nicht überwunden, Ich und wir All, die du befreyt, Wir theilen uns die schöne Beut' Und freuen uns der harten Stunden, Da du die auffgebürdte Last Biß auff das Blut getragen hast. Der Himmel war vorher schon dein, Nur daß er unser möchte seyn, Weil wir in Eden ihn verloren, So warbstu ihn mit dem Beschwer. Der Tod, die Höll' und all' ihr Heer Hat dir ohn das die Pflicht geschworen, Nur weil sie uns stets obgesiegt Hierum hast du sie, Herr, bekriegt. Du bist nun wiederum erhöht In deiner ewgen Majestät; Wer kan die Länge deines Lebens Und alle deine Herrlichkeit Von uns ermeßen bey der Zeit? Ach Jesu, dies ist nicht vergebens, Wir haben auch, erwünschtes Heyl, An solchen Ehren unser Theil. Du bist das Haupt, die Glieder wir, Wohin du, Herr, uns gehest für, Da müßen wir uns hinbegeben; Wir trincken auch den sauren Bach, Daher nach allem Ungemach Wir unser Haupt nach dir erheben Und dein hochheiligs Sieges-Kleid Anziehen bey der Ewigkeit. Ach, gib uns hie nur deinen Geist, Der uns zur rechten Bahn anweist, Auff welcher wir dir folgen mögen; Wir sind gantz todt in unsrer Schuld, Erheb' uns du durch deine Huld, Auff daß wir uns nicht widerlegen, Ohn deiner Beyhülff stehn wir All Nicht anders, als auff steten Fall. Thut sich die Welt denn wo herfür Und sucht den Adam noch in mir, So laß mein Hertz die Antwort geben, Er sey erstanden und nicht hier, Gleich, liebster ander Adam, dir, Ich sey nicht todt, ich sey im Leben, Im Leben, welches ich zur Gnüg Auß deinem süßen Tode krieg. Den traurigen Unglaubens-Stein Weltz du von meines Hertzens Schrein, Die Tücher aller Zeitlichkeiten Leg, wenn ich auffersteh, bey Seit Und laß das weiße Himmels-Kleid, Drinn deine Diener dich begleiten, Das mir dein Blut hat angethan, Mich stets allein behalten an. Schreckt dennoch hie der Satan mich, So zeig mir, mein Erlöser, dich Und heiß mich gutes Muthes leben; Stellt sich mir meine Sünde für, So sprich, Herr: Friede sey mit dir, Ich habe sie dir schon vergeben. Und bleibt dennoch die Furcht bey mir, So zeig mir deine Wunden für. Wie aber ehr', o Jesu, ich, Für diese große Gnade dich? Du darffst hie keiner Specereyen, Du lebst, du darffst der Salbung nicht; Ach Herr, ich will mein Lob-Gedicht Dir biß ans Grab dafür verleihen, Verschmähe doch nicht solche Gab', Indem ich nichtes Beßers hab. Es klingt annoch zwar mehr als schlecht; Was kan ich armer Sünden-Knecht Doch bey der Erden Gutes geben? Zieh die mir, Jesu, durch dein Grab, Zieh die nach meinem Wunsch mir ab Und bringe mich zu deinem Leben Und höre denn geneiget an Mas ein dankbarer Tichter kan. Am dritten Tag erstundest du, Der Tag des Leidens und der Ruh, Die beiden müßen vorher gehen. Mein Leidens-Tag quält wohl mich ab, Den Ruhe-Tag giebt mir das Grab, Den ich ohn Fäule nicht kan sehen; Ach, gib, daß eins mein Oster-Tag Mich desto mehr erfreuen mag. Von der Himmelfahrt Jesu Christi Gnug, o Jesu, gnug gestritten, Gnug ertragen und gelitten, Gnug gedienet, theurer Held; Kehr' in deine Wohnung wieder, Setz auff deinen Stuhl dich nieder Und regier wie vor die Welt. Tod-Besieger, Höllen-Zwinger, Sünden-Büßer, Friedens-Bringer, Fahre heim, wir folgen dir. Nicht betrübet uns dein Scheiden, Denn du gehst zu deinen Freuden Und nur eine Weile für. War dein Hauß doch, Herr, verschloßen, Seit wir jenes Baums genoßen, Und gantz wüst dahin die Bahn, Du wirst, Liebster, Weg und Thüre, Und daß uns hie Nichts verführe, Führt dein Geist uns selber an. Menschen-Retter, Lebens-Geber, O, Durchbrecher unsrer Gräber Und des Himmels minder nicht, Fahre heim, fahr heim gesegnet, Schau, was dir für Lob begegnet Da du deinen Zug verricht. Tausend Diener gehn zur Seiten, Tausend Wagen, Herr, begleiten Deinen Einzug vor und nach; Helden-Lorbeers, Sieges-Palmen, Gnaden-Ölzweig, Freuden-Psalmen Ist ganz voll das Stern-Gemach. So gehst du zu deinem Throne Nimmst den Zepter und die Krone Deiner ewgen Majestät, Hebst dich an des Vaters Rechte, Wo die Schaar der reinen Knechte Um dich frölich steht und geht. Fahre, Jesu, fahre heime, Fahr', es folgen meine Reime Und ich selbst zu seiner Zeit; Ich, dein Glied, muß hingelangen, Wo mein Haupt ist hingegangen, Dies nennst selbst du Billigkeit. Wo der Schatz, da ist das Hertze, So lehrst du, der Lehrer Kertze; Ach, mein einger Schatz allhier, Meine Hülle, Füll' und Gabe Bist nur du, Herr, die ich habe, So muß ich auch seyn bey dir. Ja, ich häng' an dir, dir Einem, Dir, mein Heyl, und sonsten Keinem, Ja, ich bin, ich bin bey dir, Du bist, dem ich gantz mich gebe, Was ich hie noch bin und lebe, Ist mein Schatten nur von mir. Ach, ich koste schon mit Freuden, Wie du künfftig mich wirst weiden, Deinen Nectar und dein Mann'; Und mir dünkt, als kan ich sehen, Wie geehrt es mir wird stehen, Wenn ich deinen Rock hab' an. Jesu, mein Mond, meine Sonne, Mein gantz Himmelreich voll Wonne, Ehren-König, Lebens-Fürst, Jesu, Jesu, sey gepriesen, Daß du mir so viel erwiesen Und noch mehr erweisen wirst. Von dem Heiligen Geist Herr des höchsten Himmels-Throns, Band des Vaters und des Sohns, Freuden-Quelle der Betrübten, Feuer der in dich Verliebten, Hochgelobet und gepreyst Sey dein' Ankunfft, Heilger Geist. Unser Heyl zog Himmel ein; Mit wie schwerer Hertzens-Pein Wir sein' Auffahrt angesehen, Must' er selber uns gestehen, Da er uns den Trost einsprach, Daß du ihm soltst folgen nach. Ach, wie treu hält er sein Wort! Kaum sind zehen Tage fort, Wie ein starker Wind entstehet, Der dir, sanffter West, vorgehet, Und du in der Flammen Bild Seine Diener hast erfüllt. Feurig war die Seul bei Nacht, Die Israel hat bewacht, Feurig war Elias Wagen, So ward Gott selbst angetragen, Feurig ist so ins gemein, Wenn was göttlich gantz soll seyn. Und wie wol gleicht dir die Glut, Sie ist, die belebt das Blut, Unsre Geister mehrt und nehret, All' Unsauberkeit verzehret Und für Unlust, Müß' und Kält Trieb und Muth in uns erhält. Schön trifft dieses mit dir ein! Wer macht unser' Hertzen rein, Wer erwärmt der Seelen Geister, Als du, o der Seelen Meister, Und wer regt uns immerzu, Daß wir thätig sind, als du? Denk, wie der Apostel Chor Sich durch dich fort that hervor; Sachen, die sie nie gehöret, Sprachen, die sie nie gelehret, Thaten, die gesehen nie, Sah und hörte man durch sie. Thu an mir, gottreiche Brunst, Thu an mir auch diese Gunst, Zünd' in mir an deine Flammen, Sie, der wahren Andacht Ammen, Und mach, daß dein Geist allein Meines Geistes Trieb mag sein. Saubre mich von meinem Wust, Aller Welt- und Fleisches Lust, Gib mir eine reine Seele, Mit der sich ihr Heil vermähle Und erwärm mich, wenn ichs kalt Oder laulicht mit dir halt. Öffne mir die Gnaden-Schätz, Daß ich lerne dein Gesetz, Dein Gesetz der Huld und Güte; Fülle hievon mein Gemüthe, Sinne, Willen und Begier, Daß ich trunken sey von dir. Wenn ich auch zuletzt erkalt Und den Othem kaum mehr halt, Ach, so laß mich Glauben halten Und in Jesu nicht erkalten, Und entzieh durch deßen Blut Mich der ewgen Höllen-Glut. Von der Heil. Tauffe Du hast uns, Jesu, meine Lust, Zwar von dem faulen Sünden-Wust Durch dein vergoßnes Blut gewaschen, Ach, aber Adams Mißethat, Die uns so sehr verderbet hat, Daß stets die Glut bleibt in der Aschen Und Keiner mehr, als du allein Kan Laster-frey geboren seyn. Du sahst dies unser Elend an, Wie du, belobter Himmels-Mann, Dein Reich gingst wieder einzunehmen, Und legtest hierum an ein Bad, Das diese Wunder-Wirkung hat, Das angezeugte Gifft zu zähmen, Und das, wie Phönix sich belebt, Uns neu aus unserm Tod erhebt. Geht, sprachstu, hin in alle Welt, Ihr, die ihr mir zum Dienst bestellt, Geht auß und lehret und beweist es, Daß dies die neue Bunds-Zeit sey, Und taufft im Namen sie dabey Des Vaters, Sohns und Heilgen Geistes; Dies Wort und Wasser soll es seyn, Das Alle macht der Erbschuld rein. Wie groß ist, Jesu, deine Gnad', Ich bin, der dich getödtet hat, Und du hast mich nach dem noch lieber. Je mehr Beschwerden ich dir mach, Je freundlicher gehst du mir nach Und hilffest überall mich über, Und fängest diese Huld schon an, Da ich noch nichts verstehen kan. Wir kommen auß der Mutter Schooß So wie am Leibe nackt und bloß, Nicht minder dürfftig an der Seelen; Dein Bild ist weg, weg aller Schmuck, Den unser erster Vater trug, Und wer kan alle Mängel zählen, Die wir ohn Sprach, wie taub und blind Und stark an lauter Ohnmacht sind. Also betreten wir die Welt, Fort allem Unglück vorgestellt; Hie sucht der Satan uns zu fällen, Dort krankt und wankt das junge Blut, Dein Vater selbst ist uns nicht gut, Selbst unser Fleisch zieht uns zur Höllen. Ach, uns Elenden mehr als sehr, Wenn dieser Heyles Brunn nicht wär. Nun ist der unser' Artzeney, Sobald das Licht uns bringt herbey, Die unserm unbelebten Leben Die angeborne Seuch' abzieht Und unserm sterblichen Geblüt Muß deines Geistes Wachsthum geben, Für welcher seltnen Gnaden-Kur Sich in den Staub legt die Natur. O mehr, als dort Bethesda Teich! Bewegte den ein Engel gleich, Daher er halff den Leibes-Schwachen, So ist selbst hie der Heilge Geist, Durch den dies Wasser Krafft geneust, Daß es die Seel' auch rein kan machen, Und den Brand, den sonst nichtes lescht, Mit einem Guße gantz hinwäscht. Ist denn der Unflat abgethan, Wie schön ziehst du uns, Jesu, an, Dein Lieb- und Unschulds-volles Leben, Dein schwer-erworbnes Sieges-Kleid Dein Pracht-Rock der Gerechtigkeit Muß mein mühseligs Fleisch umgeben, Und all dein Leiden und Verdienst Ist meine Beute, mein Gewinnst. Vor war ich so ein Kind der Sünd', Itzund bin ich ein Gnaden-Kind, Vor hielt ichs mit dem Welt-Vergiffter, Dem Seelen-Feind und Laster-Freund, Itzt bin ich dein, du Laster-Feind, Du Seelen-Freund und Heyles-Stiffter, Und unter deines Geistes Pflicht, Der in mir Abba, Vater, spricht. Dies ist die auserwehlte Zier, Drinn du zu deiner Braut mich dir Von Ewigkeit her hast erwehlet; Dein Bild wird neu mir eingeetzt, Ich als dein Glied dir eingesetzt Und gantz mit deiner Krafft beseelet, Und überkomm' ich armer Cnecht Des gantzen Himmels Erbe-Recht. Ach, gib doch, daß ich Nacht und Tag So meine Tauff' ansehen mag, Auff daß sie in mir würklich werde, Ich bin in der gestorben dir Und kame frisch durch dich herfür; Ertödt' in mir fort mehr die Erde Und mache mich gantz frey von mir, Auff das ich voll nur sey von dir. Wir nahmen leider allgemein Die Sünd' in uns wie Wasser ein; Laß diese Flut durch die sich legen; Ein Pfropffreiß trinkt des Stammes Safft Und träget Frucht von dessen Krafft; Laß mich, o Lebensbaum, deswegen, Der ich dir eingepflanzet bin, Auch einig seyn mit deinem Sinn. Dies, o mein Heyl, versprach ich dir Da, wie du dich verlobt mit mir; Was aber soll ich Sünder sagen? Ich breche täglich meine Pflicht, Du aber brichst sie, Jesu, nicht, Ohn diesen Trost müst' ich verzagen. Es stehet unser Bund doch fest, So lang ihn deine Treu nicht läst. Bußlied Ich kehr', o Gott der Gnaden, Mich wiederum zu dir, Der Schuld mich zu entladen, Die dich getrennt von mir; Ach, Vater, hör mich doch, Wenn du mich würdst verschmähen, So müst' ich untergehen In diesem schweren Joch. Zwar hab' ichs nicht verdienet, Daß du mehr gnädig seyst, Weil ich, wenn du versühnet, Dich niemals recht gepreyst; Viel wenger mich ergetzt, Da ich mich beßern möchte, Noch daß ich deine Rechte Mir hertzlich vorgesetzt. Was aber willstu machen Mit einem armen Knecht? Sprächst du in meiner Sachen, So führ' ich mehr als schlecht. Ach Gott, erbarm dich mein, Ich hab' es ja geerbet, Daß ich gantz bin verderbet, Wie kan ich beßer seyn? Will gleich der Geist das Gute, So folgt das Fleisch doch nicht, Ich bin in meinem Muthe Offt gantz zu dir gericht. Ach aber, ach, wie leicht Werd', Herr, ich von der Erden Mit Lüsten und Beschwerden Von deinem Dienst gescheucht. Erleb' ich gute Tage, So reitzet mich mein Blut, Quält mich des Kreutzes Plage, So fällt mir fort der Muth. Sieh, Gott, was mir gebricht, Es falle, wie es wolle, So thu ich, was ich solle, Doch das Geringste nicht. Dies geht mir so zu Hertzen, Daß ich für Reu und Leid, Für Angst und Seelen-Schmertzen Nicht von der Höllen weit; Ja, wäre nicht dein Wort, So müst' ich ganz verzagen Und gleich dem Kain klagen, Du treibst ohn Trost mich fort. Nun hastu ja geschworen Auß großer Lieb' und Huld, Daß Keiner sey verloren Von wegen seiner Schuld, Der sich bekehrt zu dir; Auff diese deine Treue Bitt' ich in wahrer Reue, Verzeih, mein Schöpffer, mir. Schon' Herr, ach schone meiner, Ja, schon', o Menschen-Freund, Nicht minder selber deiner: Denn wie kanst du mein Feind Ohn deinen Schaden seyn, Da du auß deinem Leben Mir hast den Geist gegeben, Ist auch mein Fall ja dein? Bestehstu denn, daß Sünde Nicht gut ohn Straffe thu, So siehe deinem Kinde In seiner Marter zu: Das fromme Schäffelein Hat so viel Pein und Plagen Biß auff den Tod ertragen, Daß ich frey möchte seyn. In dem kan ich dir zahlen, All was ich mißgethan, In dem nimm mich nochmalen Zu Gnaden wieder an Und sey mir stets zur Seit; Denn ohn dich ist vergebens Die Besserung des Lebens Bey so verboster Zeit. Wenn denn auch meine Tage Geendet ihren Schein, So laß die Niederlage Doch sanfft und seelig seyn; Es mag mir hie ergehen, So hart es immer wolle, Wenn ich, mein Gott, dich solle In deiner Freude sehn. Bey Genießung des heiligen Abendmahls O Jesu, heiligs Gottes-Lamm Das an des bittern Kreutzes-Stamm Für uns so schmertzlich ließ das Leben, Und für die Schuld der gantzen Welt Das unschätzbare Sühne-Geld An seinen Vater hat gegeben, Ach, es verirrt sich mein Gemüth Im Abgrund aller deiner Güt. Du köntest nicht vergnüget seyn, Daß mit so großer Qual und Pein Dein theurer Leib geopffert würde; Bestriemt, durchnagelt, auffgeritzt Sein Blut hat überall geschwitzt Und endlich starb in seiner Bürde; Wie solches uns recht heylsam wär', Herr, dies bedachtest du weit mehr. So setztest du ein Gastmahl ein, Vermachtest hiezu Brodt und Wein, Nur einen Trank und eine Speise, Die aber uns so vielfach gut. Was, Jesu, selbst dein Fleisch und Blut? Ach, eine höchst geheime Weise, Auff die wir, liebster Heyland, dein Und deines Leidens theilhafft seyn. Der letzte Tag kam schon herbey, Dran du, o Bild der Lieb' und Treu, Für deine Knechte wollest sterben; So machtest du dein Testament Und setztest uns, den wir geschändt, Zu aller deiner Güter Erben, Und daß kein Zweiffel hie wär' an, Hingst du dich selbst zum Siegel dran. O Wunder-Tisch, o seltnes Fest, Da sich der Wirth aufftragen läst Und selber heißet zu genießen, Der so viel hundert tausend nehrt Und dennoch nimmer wird verzehrt. Nichts kanstu, Überwitz, hie wißen, Die Einfalt, die dem höchsten gläubt, Die ist es, der der Krantz verbleibt. Kommt, ruffstu, Jesu, Alle her, Die ihr mit Kummer und Beschwer Des Sünden-Joches seyd beladen, Hie wird die Last euch abgethan. Auff dies dein Wort komm' ich auch an, Nicht wehrt zwar, Liebster, deiner Gnaden, Versag mir doch nicht deine Güt', Denn selbst mein Unwerth mich herzieht. Die Stoltzen, die in ihrem Sinn Schon mehr als heilig sind vorhin, Verachten, Herr, mit dir zu speisen; Der Arm' und Lahme von der Gaß Und der am Zaun der Trübsal saß, Der läßet gern zu dir sich weisen, Und der verhungert und verdürst Sucht deine Taffel, Lebens-Fürst. Auch ich bin aus derselben Zahl, Zwar vor von dir schon mannigmal Auß meinem Elend' auffgenommen, Kaum aber, daß du mich geweidt, Beschenkt, geheilt und neu bekleidt, Nie fort ich wieder abgekommen Und durch der Welt und Höllen Macht Um allen meinen Schmuck gebracht. Herr, werde deiner Huld nicht müd'; Es ist in meinem Geist kein Fried', Eh du denselben mir gegeben; Gedenk, in welcher Furcht man steht, Wenn man zu dir zu Gaste geht, In deßen Händen Tod und Leben, Und der, so bald das Mahl verricht, Uns dieses oder den zuspricht. Ach, der du in der Mutter Schooß Mein Fleisch und Blut doch Sünden loß, O Jungfern-Sohn, hast angenommen, Laß mir dein heiligs Fleisch und Blut, Mir, der ich nach dem Stamm nicht gut, Und böser selbst, zu Statten kommen, Und mach mich unbefleckt und rein, Da du in mir gezeugt wilst seyn. Der du für uns ertrugst den Tod, Ertödte meine Todes-Noth, Der du auß deinem Grab entstanden, Erheb mich auch aus meinem Grab, Und ziehe mir das Sterb-Kleid ab Der Eitelkeit und Sünden-Banden, Und lege mich so auff die Baar, Daß ich dir nach zu Himmel fahr. O Himmels-Brodt, ernehr mich wol, O Brunn des Lebens, mach mich voll, Voll deines Himmels, deines Lebens. In weißer Leinwand wurdest du, Mein Heyl, gebracht zu deiner Ruh, Ich weiß, daß dieses nicht vergebens; Auch mein Hertz muß von solchem Schein, Solst du darinnen ruhen, seyn. So komm, o Jesu, komm denn ein, Gib, liebes Brodt, gib, lieber Wein, Gib her, den meine Seele liebet; Ich bin nunmehro nicht mehr ich, Wir tauschen, Jesu; Ich für dich. Ach, daß ein Sünder Gott sich giebet Und Gott mit größerer Begier Sich doch demselben schenkt dafür. Vom Glauben Eins, spricht Jesus, ist euch noth; Was will unser Heyl hie sagen? Können wir durch ein Gebot Ihm all' unsre Schuld abtragen? Bistu, Meister, so erbötig, Daß ein Einigs uns nur nötig Und daß wir durch dieses Ein Können gantz versorget seyn? Glaube, denke, dies bist du; Nichts und nichtig sind wir Alle, Seit in jener selgen Ruh Unser Vater kam zu Falle, Dennoch, wenn wir dich nur haben, Fehlt uns nichts an Gut und Gaben, Und wie arm wir gehn herfür, Glauben wir, so reich sind wir. Wär' im höchsten Himmel was Unsre Seele zu vergnügen, Oder Gott selbst hätte das Unter seinem Hertzen liegen, Würd' er solches auch auff Erden Uns ohn Zweiffel laßen werden, Wenn der unser Werber ist; Glaube, denke, was du bist. Du, du bist, der wunderbar Jesum, eh wir sind geboren Und dies Gantze selber war, Hat für Aller Heyl erkoren, Du bist, durch den wir umfaßen, Den nicht alle Himmel laßen Und der Fürst der Herrligkeit Sich an unser Hertz befreit. Du bist die geheime Sprach, Drinnen Gott mit uns sich letzet, Du bist, bistu noch so schwach, Welcher große Berg' umsetzet, Du bist die hochheilge Leiter, Welche jener Glaubens-Streiter An dem Himmel sahe stehn, Drauff wir auff- und abwerts gehn. Du warst, der den Gnaden-Schein Über Abeln hat bewogen, Henoch lebend Sternen-ein, Noah in die Arch gezogen. Du machtst Abraham zum Vater, Du warst Josephs sein Berather, Du gabst für Israels Noth So viel Jahr das Himmels-Brodt. Du warst, welcher so erfreut Unsers Heylands theure Zeugen Durch den Erd-Kreyß hat begleitet Und durch kein Beschwer ließ beugen, Aller Straffen Ungeheuer, Hunger, Blöße, Schwerdt und Feuer Waren ihre gröste Lust, Glaube, denke, was du thust. Tugend-Fürstin, Engeln gleich, Wo du dich erwehlst zu setzen, Setzt das gantze Tugend-Reich Sich mit allen seinen Schätzen; Göttlich machstu, was wir sinnen, Reden, wirken und beginnen, Und es wird des Höchsten Bild Wiederum in uns erfüllt. O, wie leicht kan so mein Geist Auff und ab nach Willen reysen Und da, wo sein Schöpffer speist, Sich betränken und bespeisen, Wachen, ruhen, lachen, schertzen; Wo ich so bin mit dem Hertzen, Werd' ich gantz ins Künfftig' seyn, Glaube, dies machst du allein. Drücket mich der Sünden Noth, Glaub' ich, sind sie mir vergeben, Schreckt mich Satan, Höll' und Todt, Glaub' ich, macht mich solches leben. Scheint der Himmel mir zu dräuen, Glaub' ich, so kan ich mich freuen, Und mir fehl' auch, was es sey, Glaub' ich, fällt mir Alles bey. Ach Herr, gib mir diesen Schatz, Diesen Reichthum, diese Fülle, Und mach hiedurch bey mir Platz, Wo ich mich mit dir verhülle, Liebster Gott, in meiner Seelen, Die im Kerker ihrer Höhlen Schlecht zwar wohnt, doch dir gefällt, Wenn sie diesen Schmuck behält. Bin ich ein zerknirschtes Rohr, Laß es doch nicht gantz zerstoßen, Glimm ich wie ein Tocht nur vor, Halt ihn doch unaußgestoßen, Kan ich kaum vom Senffkorn sagen, Werd' ich dennoch Früchte tragen Und ein Baum des Lebens seyn, Gibstu deine Krafft mir ein. Ach, wie selig sind wir hier, Mehr noch, wenn wir dorthin kommen, Wenn du, Jesu, uns, und wir Dich so haben eingenommen, Nichtes ist, das dich uns raube; Dieses macht allein der Glaube. Glaube, denke, was du bist, Mehr noch, was ein Gläubger ist. Von der Liebe zu Gott Gib mir, mein Sohn, dein Hertze her, Dies ist, mein Gott, stets dein Begehr. Wie, ist es dir, dem dies Gebäue Und alle Kronen dienstbar sind, Um ein verarmtes Sünden-Kind, Um eine Handvoll leichter Spreue, Die nirgends in der Welt kan ruhn, Herr, um mein schlechts Hertz zu thun? O, nie genug gepriesne Gnad! Du bist, der mich erschaffen hat, Da ich ein bloßes Nichts gewesen, Hie ward ich an dir treuloß fort, So liestu mich auffs Neu, mein Hort, Durch deines Kindes Tod genesen, Und du begehrst dafür nichts mehr, Als: Gib, mein Sohn, dein Hertze her. Ach, Vater, gerne, sieh es hier, Wem wolte lieber doch als dir Mein Hertz sich wünschen zu behagen? Wenn ich mich hielte, wie ein Sohn, So wär' ich längst gekommen schon Und selbst dir solches angetragen, Nun du dennoch es geben heist, Gedenke, wie du mich erfreust. Nimmstu mein Hertz, so nimmstu mir Mein Leben mit und gibst dafür Dein göttlichs Hertz und heiligs Leben; Erwünschter Tausch, glückselger Kauff, Ich setze meinen Schuldrock auff, Dem ich gantz keinen Preyß kan geben, Und, liebster Gott, du schenkest mir Dich selbst, das höchste Gut dafür. Was will ich so, mein Schöpffer, mehr? Kunst, Hoheit, Reichthum, Lust und Ehr Und was sonst schätzbar bey der Erden? So müst' ich mehr als geitzig seyn, Der, da ich Alles schon hab' ein, Vom Stäublein wolte reicher werden, Und da ich den vorher besitz' Ohn den mir sonsten Nichtes nütz. Nein, Herr, ich weiß, was dir gefällt, Wo du bist, da muß weg die Welt. Ein gantzes Hertz und gantze Seele, Ein gantzes, ungetheilts Gemüth, Dem nicht ein' Ader, nicht ein Glied, Nicht die geringste Krafft nicht fehle, Das ist nur gut für dich allein, So nur wilst du geliebet seyn. Ach, möcht' ich so mich geben dir! Ich weiß für heiliger Begier Nicht wie und wem und was ich gebe. Du bist die Lieb' und lebst in mir, Ich liebe dich und leb' in dir; Dies Leben, das in Gott ich lebe, Die Lieb', Herr, die dich mir gibt inn, Die sind zu hoch für meinen Sinn. Der Himmel ist für dich zu klein, Und ich soll deine Wohnung seyn? Du bist ein allverzehrends Feuer, Für den wir dürre Stoppeln seyn, Und du doch äscherst mich nicht ein? Nein, machst mich meiner Asche freyer, Nicht anders, als die irdsche Glut Dem Erd-gemengten Silber thut. Man rühmt das Glück des Phönix weit, Der durch die Flammen sich verneut, Wenn er nicht mehr vermag zu leben; Ich bin, der in der Sünden-Noth Veraltert gantz und mehr als todt, Kein Brand kan mich hieraus nicht heben, Als deiner heißen Liebe Schein, Als deine liebe Lieb' allein. Herr, es versinket mein Gemüth In diesem Meere deiner Güt. Ach, möcht' ich dich so hertzlich lieben, Als ich wol hertzlich wünsch' und will! Der Hunger wächset durch die Füll'; Ich fange an, mich zu betrüben Wenn du mir nie so lieb nicht bist, Als deine Lieb' es würdig ist. Mein Gott, auß Liebe hat dein Sohn Von seinem hocherhabnen Thron Sich in mein Jammer-Thal begeben; Laß die, die ihn herab gebracht Und niedrig für mich hat gemacht, Mich minder nicht zu ihm erheben, Denn welchen Weg du hältst zu mir, Der muß auch meiner seyn zu dir. Du hingst vor mich dein Hertz ans Kreutz, Mach, daß dies stets mein Hertze reitz', In allem Kreutz an ihm zu kleben. Er gab die Seele willig hin, Gib, daß ich hiefür Seel' und Sinn Ihm täglich wieder möge geben, Und da er litte so viel Pein, So laß ihn meine Lust stets seyn. Sieh aber, wie mir fällt der Muth. Laß, ach laß deine Himmels-Glut, Den Liebes-Geist, den Geist der Freuden, Herr, meinem armen Fünkelein Ein warmes Reitzungs-Lüfftchen seyn; Ist der der dritte von uns Beyden, Er unsres Bundes Band und Pfand, So halt ich ewig bey dir Stand. Von der Liebe des Nechsten Was ist, daß du, o Mensch, dich stellst, Als wenn du viel von Gott hie hälst Und haßest dennoch deinen Nechsten? So wenig Tag es sonder Licht, Ein guter Baum ohn gute Frücht, So wenig liebest du den Höchsten, Wenn dein bedrückter Neben-Christ Nicht solcher Liebe theilhafft ist. Sonst magstu Alles thun und seyn, Gib an die Armen All, was dein, Sprich nach den hochberedten Engeln, Dring selbst dich in das höchste Licht, Hast du dabei die Liebe nicht, So bistu reich an lauter Mängeln, Ein tönend Ertz, ein leerer Schall, Ein lauter Nichtes überall. Sie ist es, die uns nach der Zeit Hilfft bey der süßen Ewigkeit Die ungeendte Zeit vertreiben, Sie ist die Aehren-reiche Saat, Die dort so herrlich Erndte hat, Sie ist das Probstück, das wir schreiben, Zu sehn, was unser Meister sey Und ob wir ihm recht kommen bey. Wir Alle sind von einer Hand Und also von Natur verwandt; Wer thut nicht Gutes seinem Blute? Nur ein Bild ist uns eingeprägt, Das unsern Schöpffer uns vorlegt, Nur ein Bad kömmet uns zu Gute, Das solches wieder sauber wäscht, So weit es Adams Wust verlescht. Nur ein Glaub' ist, der uns verbindt, Nur ein Geist, welcher uns entzündt, Ein Vater, unter dem wir Brüder, Nur ein Brodt, ein Leib, den er schenkt, Nur ein Wein, ein Blut, das uns tränkt, Nur ein Haupt, unter dem wir Glieder, Nur ein Reich kriegen wir dort ein: Was wollen wir hie uneins seyn? Gott liebet dich und darff nicht dein, Sein Sohn hat so viel Angst und Pein Aus Liebe bloß für dich ertragen, Und fordert nichtes mehr von dir, Als nur, daß du ihm Dank dafür In seinen Freunden sollest sagen, Und für zehn tausend Pfund und mehr Nur hundert Groschen gebest her. Thu, was du kanst; klagt wer sein Leid, Der hungrig, kranck, ohn Hauß und Kleid, Da denk, als wenn Gott vor dir stehe Und Zins von seinen Gütern nehm, Und als wenn selbst dein Heyland käm', Um Herberg dich und Kleider flehe, Nach Speis' und Trank Verlangen trag' Und dir von seiner Schwachheit sag'. Ach, denk, wie du um dich bemüht, Wie labt und quickt sich dein Geblüt, Wie suchst und hegest du dir Freunde, Wie baustu allen Nöthen für, Wie deckstu deine Fehl' an dir, Wie streitstu wider deine Feinde! Selbst diese Gunst zu dir, die ist, Die du dem Nechsten schuldig bist. Erfülle, Jesu, mein Gemüth Mit solcher ungeschminkten Güt. Drey soll mit Lieb' ein Hertz verehren: Dich erst, den Nechsten nach, und sich. Ich theile meins für ihn und dich; Nehmt Alles, ich will nichts begehren, Denn wenn ich nichtes von mir halt, So krieg' ich deines Bilds Gestalt. Von der Hoffnung Worauff bestehestu, mein Hertz, Wenn hie dich drückt des Kreutzes Schmertz, Dort lockt die faule Lust der Erden? Dies bringet Anmuth, jenes Pein, Sprich, weßen du gedenkst zu seyn, Denn beyds zugleich dir nicht kan werden. O schwere Wahl! Wer redt mir ein, Im Fall vor mir zween Wege seyn, Der eine wüst und kaum zu sehen, Der ander sauber, sanfft und weit Und in den schönsten Schmuck gekleidt, Daß ich soll den, nicht diesen, gehen? Was bringt mir sonder Zweiffel bey, Daß, was das Auge nicht sieht, sey, Und nicht sey, was man meint zu schauen? Wir nehmen für die Worte That; Was man nur hoffet und nicht hat, Ach, schwer auff solchen Grund zu bauen. Besinne dich hie recht, mein Geist, Schau, wo dich hin der Ausschlag weist, Wirst du es Beyds der Wage geben: Ach, ungleich-wichtiges Gewicht, Da eins sich gantz zur Höhe richt, Das andre nicht ist auffzuheben. Das eine schliest die Erd' allein, Das andre Gott und Himmel ein, Dies hoffstu, das hast du in Händen, Dies wird durch Müh' und Sorge dein, Bey dem darffst du nur frölich seyn; Zu welchem Theil wilst du dich wenden? Wie hart liegt doch uns Beydes an! Gibt aber nicht der Ackersmann Mit frohem Muth sein Korn der Erden, Läst nicht der Kauffmann Kind und Hauß Und zieht auff bloße Hoffnung auß? Und du wilst Alles seyn, Nichts werden. Ein Kriegsmann setzt um schlechte Beut' Offt selbst sein Leben an die Seit', Und um den Schatz der Ewigkeiten, Der Sternen Gold, das höchste Gut Gehst du mit gantz erblödtem Muth Mit deines Schöpffers Feinden streiten. Lockt dich von jener Seit die Lust? Was große Häuser voller Wust, Voll Schlangen eine schöne Weide, Was Honig voller Stacheln ist, Ein klarer Brunn, da Gifft aus fliest, Das, trau, ist gleichfalls diese Freude. Schreckt' dich das Kreutz von dieser Seit'? Ach, wol dir, macht dich das bereit. Der Wein trägt übel unbeschnitten, Die Traube giebt Nichts ungepreßt, Den Baum setzt nur der Sturm recht fest, So nützet dir, was du gelitten. Wir dulden aus des Winters Kält, Weil drauff die Frühlings-Lust einfällt, Die Sonne muß sich wieder stellen, Hierum läst man sie gerne fort, Und auff das Absehn von dem Port Vertraut man sich den rauhen Wellen. Nur auff den Trost von jener Zeit Baut man so ungern dieses Leid. O aber uns elenden Seelen, Sehn wir nur auff die Welt allein, Und wollen, was wir hie nicht seyn, Schon gäntzlich für verloren zählen. Hab' Alles, was man wünschen kan, Sitz' überall nur oben an, Weiß keine Maaß von deinem Gute, Sey lebhafft, frey und unbemüht, Wenn diese Rose hie verblüht, Weh künfftig deinem armen Blute! Nein, liebster Gott, so will ich nicht, Ich weiß, es stehet meine Pflicht Nicht im Genieß von diesem Leben; Mein Gut, mein Wandel ist nicht hier, Will ich zum Himmel und zu dir, So muß ich nicht der Erd' ankleben. Ich schätze Nichtes für das Mein, Als was ins Künfftig mein wird seyn, Ich habe gnug, daß ich Nichts habe; Ich harr' auff dich, dies ist mein Halt, Dies, machet mich der Tod eins kalt, Belebet mich in meinem Grabe. Ich weiß, was mir ist beygelegt Und was mein Kreutz für Früchte trägt, Ich weiß, was du mir eins wirst sagen, Ich kenne meinen Gnaden-Lohn, Den Rock, die Palmen und die Kron, Die ich zu deinem Ruhm soll tragen. Dies ist, was ich gedenk' allein, Hierauff wünsch' ich hie nichts zu seyn. Ach aber, Jesu, deine Wunden Sind, wo die meine Beylag ruht, Gib mir denn Theil an deinem Blut, So hat mein' Hoffnung sie gefunden. Von der Demuth Mensch, woher wächst dir der Muth, Daß du deinem armen Blut So viel Ehr' erzeigest? Was doch blüht und treibt dich so, Daß du dich, gleich einer Loh, Immer übersteigest? Von dem Himmel ist es nicht, Der wirfft abwerts stets sein Licht. Wie, das ist der Überwitz, Der den ersten Übersitz Hat gesucht vor Allen Und so auß der süßten Höh In das allertiefste Weh Kläglich ist gefallen; Wer mit deßen Stoltz es hält, Denk, daß der mit dem auch fällt. Ach, was kommt dir doch an dir So erhebungs-würdig für? Ja, wenn du dein Leben Nicht geleget in den Wust Und für eines Apffels Lust Gottes Bild gegeben, Denn so hättest du ein Recht, Warum man dich ehren möcht. Nun ist weg dieselbe Zier, Schau, was für ein Schmuck dafür Sich an dir erweiset, Unverstand besitzt die Seel', Unlust ihre gantze Höhl, Die die Würmer speiset; Ist denn dies der hohe Pracht, Welcher dich so brüstig macht? Schaff, ach schaff den Irrthum ab Wozu übertünchtes Grab, Daß du dich so putzest? Dünket dich dein Feigen-Kleid Denn so voller Herrligkeit, Daß du damit stutzest, Und meinst du dich groß gesehn, Wenn du oben an magst stehn? Hohe Berge trifft der Blitz, Starcke Schlößer das Geschütz Und der Sturm die Eichen, Kleine Püscher, flaches Feld Und was sich in Thälern hält, Kan dem Unfall weichen. Was sich steiffet, bricht entzwey, Was sich beuget, bleibet frey. Große Segel ziehn geschwind', Aber die bey starkem Wind' Offt das Schiff selbst fällen; Wer nur klein Geräthchen führt Und die Höhe nicht berührt, Ist befreyt der Wellen. Sind die Werke denn nur klein? Wol, er wünscht nicht mehr zu seyn. Trachte nicht nach großer Würd', Große Würde, große Bürd. Wer sich hoch versteiget, Fället hoch auch, wenn er fällt, Und was fällt nicht bei der Welt, Die sich selbst schon neiget Und vorlängst mit Schmertzen harrt, Daß sie ihre Glut verscharrt. Veilchen wachsen niedrig nur, Die von Blumen bey der Kur Vorgehn vielen Großen, Bäume, die hoch auffgericht, Tragen nie die Mänge Frücht, Als die schlecht geschoßen, Und die wolgekörnet Ähr Kehrt sich abwerts durch die Schwer Demuth ist die Morgenröth, Die dem Ehren-Licht vorgeht. Wer sich selbst nicht schätzet, Sein und Gottes ruhig ist Und nach seiner Deck' sich mißt, Wird bald fortgesetzt, Denn je mehr er weicht zurück, Desto mehr treibt ihn das Glück. Ziehe, Gott, durch Kreutz und Pein Alle meine Neigung ein, Welche sich erhebet, Drücke mich, wo ich mich brüst, Säure, wo mir was gelüst, Tödt, was dir nicht lebet, Dieses sind die Stuffen hier, Drauff ich mich erhöh' in dir. Was auff Erden wird geehrt, Ist nicht deines Himmels werth, Seine Pfort' ist enge, Wo hinein die Niedrigkeit Uns allein gibt das Geleit, Und der Welt Gepränge, Ihre Höh' und Überfluß In den Staub sich legen muß. Soll mich eins vor deinem Thron Die mir beygelegte Kron Und der Pracht-Rock zieren, Den dein Sohn mir hat bereitt, Muß ich auch sein Leidens-Kleid Und den Dorn-Krantz führen. Seligs Elend, süße Schmach, Die solch' Ehr und Lust zieht nach! Von der Geduld Wie bistu, meine Seel', in mir So unvergnügt mit Gott und dir Und zankst dich stets mit deinen Schmertzen? Offt kömmt dir nur ein Wort zu nah Und daß dich sauer wer ansah, So wallstu fort in deinem Hertzen; Ach, willstu frey seyn aller Pein, So mustu erst kein Mensch nicht seyn. Du sündigst augenblicklich hie, Verdient es denn wol deine Müh', Daß du auff Rosen wollest gehen? Und hemmte Gott denn seine Ruth, Wie er zu tausend Malen thut, Würd' auch dies deinem Heyl anstehen? Je mehr man einem Kinde schenkt, Je wenger es der Schuld gedenkt. Wer ist bey dieser Zeit so gut, Der was aus Tugend-Liebe thut? Die Straffe, die wir vor uns sehen, Die ist, die unsre Lust einhält. Ging' Alles auff letzt in der Welt, Wohin würd' unser Frevel gehen? Nun ließ man zwar den Himmel seyn, Zur Höllen nur will Niemand ein. Ist denn dein Kreutz so wol gemeint, Kränkt dich dein allerbester Freund, Hast du ein Größers weit verschuldet, So sperr dich doch so ängstig nicht. Wo Nichtes Müh' und Rath verricht, Da ist das beste Kraut: geduldet; Denk, daß, wer gerne folgt, geführt, Und wer nicht will, gezogen wird. Wenn man sich schüttelt mit dem Joch, So wird es doppelt schwerer noch, Zu einer Noth, die Gott uns schicket, Die man nicht trägt in Fried' und Ruh, Legt unser Fleisch die ander zu, Die schwerer, als die erst uns drücket. Denn was von ihm, trägt er gemein, Was unser, bleibet uns allein. Ach, wüstest du, betrübtes Hertz, Was dein dir so unlieber Schmertz Für süße Früchte dort wird tragen, Du gönntest solchen Keinem hier, Wo du dir wol willst, sonst, als dir, Und solltest du darum dich schlagen. Nur bück' dich, biß die Erndt' entsteht Und das Gewitter über geht. Ein Schiffmann zieht die Segel ein Um sicher für den Sturm zu seyn; Fängt Hohn und Neid auff dich zu stürmen, So hülle dich in Gott und dich Und glaub, daß Niemand beßer sich Kan wider die, als so beschirmen. Lach, bistu frey in deinem Sinn, Auch so gehn viele Lügen hinn. Ein feurigs Eisen kühlt die Glut, So bald mans in das Waßer thut; Kanst du dich anders nicht erwehren, So stürtze mit getrostem Muth Vor dem aus deine Tränen-Fluth, Der hie gezählt hält deine Zehren. Wenn dieses Bad dich täglich wäscht, Wird aller Unmuth leicht verlescht. Ach Herr, das Hertze blutet mir, Stell' ich dein liebstes Kind mir für, Wie duldig das in seinem Leiden, Das es ertrug biß auff das Blut Und seinen Feinden, uns, zu Gut', Und wir stehn nur nach lauter Freuden, Die aller seiner Angst und Pein Mit ihrer Wollust Ursach seyn. Nein, Jesu, nein, so will ich nicht; Gedenk' ich hinn zu deinem Licht, So muß ich hie dir ähnlich werden. Gib her denn mein bescheiden Theil, Gib her so viel du wilst, mein Heyl, Es ist und bleibet bey der Erden; Je schlechter und verschmähter hier, Je werther bin ich dorten dir. Gib her, ich folg' und folge gern, Zwar leichter, ist es nur von fern, Ach nein, je näher dir, je lieber. Fall' ich denn offt, zu schwach hiezu, So gehstu vor und leitest du Und hilffest überall mir über; Trag' ich denn noch so schwer an mir, So bleibt das gröste Stück doch dir. Von der Sanfftmuth Nicht so eifrig, meine Seele, Du und deine schwache Höhle Fället euch so vor der Zeit. Wenn die Biene wen gestochen Und den Stachel hat gebrochen, Ist ihr Ende selbst nicht weit. Durch den Honig sanffter Güte Gleicht dem Himmel das Gemüthe, Der auch Bösen Gutes thut; Durch des Zorns gereitzte Flammen Ziehn wir über uns zusammen Gottes und der Höllen Glut. Mein, spricht der, ist nur die Rache, Mir befehle deine Sache; Was denn greiffest du ihm ein? Er ist unser Aller Richter, Er muß unsers Streites Schlichter Auch bey unserm Rechte seyn. Denk, wie offt du dich verbrochen, Da er sich nicht hat gerochen, Und so thut er stündlich dir, Schenket dir zu tausend Pfunden, Und du hälst dich nicht verbunden, Daß du Groschen gebst dafür. Fürchte, daß mit selber Maße Er dir wieder meßen laße, Die zur Außgab deine Lust, Denn du selbst willst dieses eben, Wenn du bittst, dir zu vergeben, So, wie du dem Nechsten thust. Rachgier treibt geringe Geister Und die selbst nicht ihrer Meister; Sanfftmuth wohnt in Helden-Muth, Der den Hohn weit übersteiget Und durch Lieb' und Gunst den beuget, Der ihm Schmach und Unrecht thut. Geht dir dies noch nicht zu Hertzen Ach, so sieh in seinen Schmertzen Deinen frommen Heyland an; Nicht schalt er, wie er verachtet, Wie ein Schaaff ward er geschlachtet, Das den Mund nicht auffgethan. Schäfflein sind wir seiner Weide, Schäfflein nehmen seine Freude, Die er uns beschieden, ein, Wo sie nun das Lamm her prangen; Wilstu hieher auch gelangen, Mustu ihnen ähnlich seyn. Wölffe, welche die zerreißen, Hunde, die sich allzeit beißen, Bären, die ergrimmt aussehn, Böcke, die sich stoßen gerne, Diese heißt er von sich ferne In den finstern Abgrund gehn. Jesu, Vorbild aller Liebe, Wenn ich hie dein Abdruck bliebe! Ach, auch ich entbrenne sehr, Auch ein Wort, das ungleich fället, Machet offt mich so entstellet, Als wenn ich ein Land verlör. Füll mein Hertz mit deiner Güte, Kühl das siedende Geblüte, Leg des leichten Sinnes Loh, Laß mein Wort, Werk und Geberden Alle deiner Huld voll werden Und thu meinem Feind' auch so. Wird mir wer zu nahe treten, Herr, so will ich zu dir beten, Dieses laße Kohlen seyn Die sein Unrecht ihm vergelten; Mich laß zürnen, mich laß schelten Über meine Sünd' allein. Von der Wahrheit Euer Wort sey Ja und Nein, Bindest du uns, Jesu, ein. Ja sey ja, und nein sey nein, Wenn doch dies so möchte seyn! Nun sieht hierauff nicht die Welt, Wer itzt nichts von Farben hält, Und die Worte schminken kan, Ist für unsre Zeit kein Mann. Was ist Wahrheit, frug man dich, Die in dir mit von uns wich. Frag nun uns, o Bild der Treu, Wo bey uns die Wahrheit sey. Meere sind es, die man hört, Da man auff dem Trucknen fehrt, Berge, welche man verspricht, Und man kriegt kein Sandkorn nicht. Wolken, die am grösten sind, Geben meist für Regen Wind; Wer die reichsten Worte hat, Ist der Ärmste mit der That. Auff den schönsten Morgen-Schein Fällt das schlechtste Wetter ein; Wer sich erst so heilig stellt, Ist, der selbst zuletzt uns fällt. So thust du, mein Heyland, nicht; Was dein süßer Mund verspricht, Ist offt widrig, wie es scheint, Und ist dennoch gut gemeint. Wenig sagstu, schaffest viel, Unser Nutzen ist dein Ziel, Stellst dich feind und liebst dennoch, Ja, versagst, und giebst es doch. Liebster Bruder, treuster Freund, Jesu, der es treuer meint, Als kein Bruder oder Freund Nimmer es auff Erden meint, Laß mein Wort nur Ja und Nein, Kurtz und desto wahrer seyn; Rufft die Welt, so laß es Nein, Ruffest du, ein Ja stets seyn. Andacht Ich lebe, doch nicht ich, Nein, der belebet mich, Der alles Lebens Leben; Mein Leben war sein Tod, Und seine Todes-Noth Muß mir das Leben geben. Ich lebe, doch nicht mir, Mein Wandel ist nicht hier; Mich auff zu ihm zu heben Sterb' ich mir täglich ab, Dies ist das heilge Grab, Darinn er gern mag leben. Was Erd' und Welt an mir, Das fällt und faulet hier, Was sein, steht unbeweget Und wird gantz neu verklärt, Wenn sich die Welt und Erd' Eins in die Asche leget. Denn zieh ich ihn wol an, Wenn ich mich abgethan, Sein Kleid und meines beyde, Die einigen sich nicht. Wie fügt sich Nacht und Licht, Wie hären Tuch und Seide? Ach Jesu, ich wil dein, Nicht mein, gantz mein nicht seyn, Sey du auch mein nicht minder; Ich laße mich gantz dir, Nimm mich und gib dich mir, Tausch Gott mit einem Sünder. Sterblied Röm. 8, 18-19. Erschrick, o liebste Seele, nicht, Wenn dich des Todes Noth anficht. Ich weiß, worauf ich leb' und sterbe, Mein Grund des Glaubens stehet fest; Wenn mich die ganze Welt verlässt, So werd' ich erst des Himmels Erbe. Ich bin des Höchsten liebstes Kind, Er hat mich, eh' die Welt gegründt, In Jesu, seinem Sohn, erwählet. Hierauf steht meine Zuversicht, Was mir sein Vaterherz verspricht, Das bleibt mir ewig ungeschmälet. Was will mir hier zuwider sein? Nicht Leben oder Todespein, Noch was hier oder dort zu nennen. Kein tiefes Leid, noch hohe Pracht, Kein Engel oder andre Macht Kann mich von Gottes Liebe trennen. Drauf halt' ich meinem Schöpfer still; Es gehe mir dann, wie es will, Der Frommen Höll' ist auf der Erden. Was kränkt mich diese kurze Zeit, Für welcher Noth die Ewigkeit Mir soll zu lauter Freude werden. Gieb dich zufrieden, liebe Seel', Leg' ab gutwillig deine Höhl', Den Leib, das Haus so vieler Sünden. In diesem Fleisch, das jetzt so schwach Und voll von allem Ungemach, Wird Gott sich selber künftig finden. Trotz sei dem Teufel und der Welt, Die mir so schwer zu tragen fällt; Wenn mich nichts soll von Gott abscheiden, So will ich gern zufrieden sein, Und sollt' ich auch derselben Pein Viel tausendmal noch schwerer leiden. Geistlicher Seelentrost wider die Sünde Röm. 8, 18-19. Mir fället, Jesu, immer ein Die Menge meiner Sünden, Und macht mir oft so große Pein, Daß ich mich nicht kann finden; Der Teufel ruht auch nicht dabei Und spricht, daß ich sein eigen sei. Wie elend bin ich denn daran! Hinauf darf ich nicht schauen, Um mich ist Nichts, das helfen kann, Und unter mir ist Grauen, Ja, wo ich mich hin kehr' und wend', Da seh' ich alles Trostes End'. Doch fass' ich wieder einen Muth, Wenn ich an dich gedenke Und meine Seel' in deinem Blut, O liebster Heiland, tränke. Ein Tröpflein nur von diesem Saft Schlägt aller meiner Feinde Kraft. Dann ruf' ich aus getrost und froh: Wer will mich nun verdammen? Was ich gesündigt, wann und wo, Das tilgest du zusammen, Du, der du gingst zur Hölle ein, Auf das ich sollte seelig sein. Du hast mich, Herr, mit dir vereint, Wer will mich von dir scheiden? Der Tod? Der ist mehr Freund als Feind; Die Welt? Die will ich meiden; Der Teufel? Dessen Wort gilt nicht; Die Höll'? Die ist zu Grund' gericht. Du hast mich gar zu lieb, mein Hort, Und ich dich, Jesu, wieder, Drum schläget weder hier noch dort Nichts unser Bündnis nieder. Du bist ja mein und ich bin dein, Wie können wir geschieden sein? Schreib', Herr, dies meinem Herzen ein Mit deinen Liebesfingern, So wird die schwere Sündenpein Sich unvermerket ringern. Wie groß die Schuld, so freu' ich mich, Seh' ich nur deinen Gnadenstrich. Sterblied 2. Tim. 2, 8. Wie schwer ist doch die letzte Stunde, Da Leben mit dem Tode ringt, Denn wenn der Geist schwebt in dem Munde Und jetzund in die Luft sich schwingt, Da kaum das Ohr ein Wort mehr hört Und schon die Augen halb verkehrt. Ach schwerer Kampf, o hartes Streiten, Darauf die Seeligkeit sich gründt! Der Feind dringt an von allen Seiten, Der Feind, der mehr als tausend sind, Der stört dir immerfort die Ruh Und schreit dir deine Sünde zu. Was hast du, armer Mensch, hierwider? Dein Herz das klagt sich selber an, Du schlägst vor Gott die Augen nieder. Wer ist hier, der dir helfen kann, Wofern es nicht dein Jesus thut, Der dir erstanden ist zu gut? Desselben Leiden, Tod und Schmerzen Halt' im Gedächtnis steif und fest, Mit dem besprich dich in dem Herzen, Wenn dich der Mund nicht reden läßt; Ein Seufzerlein in diesem Hort Ist Gott das angenehmste Wort. Schlag' alles Eitle aus den Sinnen, Gieb herzlich Gute Nacht der Welt, Wenn Gott dich fordert ab von hinnen. Mach', daß dein Haus sei so bestellt, Daß deine Seele rein und frei, Und voll allein von Christo sei. Dann kann dich keine Sünd' erschrecken; Kein Teufel, keine Hölle nicht. In Jesu kannst du dich verstecken Und bergen vor dem Zorngericht. Wie seelig ist dann der daran, Der stets an Jesum denken kann! Sterbenstrost Joh. 3, 16. Was tröstet mich doch in der Noth, Wenn mir der angeerbte Tod Dies Leben endlich ab will kürzen, Wenn mich mein eigen Herz verklagt, Von nichts als von Verdammnis sagt, Wenn mich die Sünd' hinab will stürzen, Hinab, wo die verboste Welt Den Lohn für all' ihr Thun erhält? Es giebet Alles mich verlorn, Der Teufel zeigt mir Gottes Zorn Und schreit von lauter Feuerflammen. Was vor mir kaum besorglich war, Das beut sich jetzt zum Schrecken dar Und schwört auf meinen Tod zusammen, Ja, was von Hölle pred'gen kann, Das sagt sich feindlich bei mir an. Nur du, mein Jesus, stehst für mich, Dein lieber Vater hat ja dich, Dich, seinen ein'gen Sohn, gegeben, Damit durch dich die ganze Welt, Die durch die Sünde war gefällt, Nicht sterben möchte, sondern leben; Es sollte dein Verdienst allein Genug für alle Menschen sein. Das eign' ich mir auch kühnlich zu; Ich glaube, daß, mein Heiland, du Auch mich dem Teufel abgestritten. Dein Vater hat mich auch geliebt, Was ich für Bosheit je geübt, Dafür hast du mit eins gelitten, Dein Blut ist, wie der ganzen Welt, Wahrhaftig auch mein Lösegeld. Dein Reich räumt mir dein Vater ein, Wie kann ich denn verloren sein? Was darf die Sünde mich erschrecken, Was lüget mir der Teufel für, Es lieget meine Schuld auf dir, Dein Grab, das kann mich, Herr, verdecken, Wenn Alles feindlich auf mich hetzt Und mich durchaus verloren schätzt. Erhalte diesen Trost in mir, Denn darauf leb' und sterb' ich dir, Wenn mich die Seele will verlassen; So lang' ein Glied sich an mir regt, So lang' der Tod die Brust mir schlägt, So lass' mich dieses Ein'ge fassen, Daß du mich von der Hölle Noth Erlöset hast durch deinen Tod. Sterblied Wie wol geschieht doch dem, mein Gott, Der früh durch einen sanften Tod Sich machet von der Erden; Es ist doch nichts mehr in der Welt, Das einer Seele wolgefällt, Die dort will Erbin werden; Verfolgung, Armuth, Schmach und Noth Ist aller Frommen zeitlichs Brod. Der Muth zu deinem Dienst ist schlecht, Die Meisten sind des Mammons Knecht, Wer hält was von der Tugend? Die Liebe schweigt, der Neid regiert, Das Alter wird durch Ehr' verführt, Durch böse Lust die Jugend; Wer nicht hiermit stimmt überein, Der muß der Andern Scheusal sein. So wächset immer fort die Schuld, Man sündigt stets auf die Geduld, Die du, Herr, mit uns trägest. Kommt aber einst das End' heran, Dem Niemand sich entbrechen kann, Da du ihn niederlegest, Ach Gott, mit was für Angst und Pein Muß solch ein Mensch umgeben sein! Der Himmel kommt ihm schrecklich für, An den er nicht gedacht allhier, Die Welt kann ihm nicht dienen, Der Satan schärft ihm dein Gericht, Sein eigen Herz das klagt und spricht: Wer will mich hier versühnen? Ja, wenn nicht deine Gnade wär, Wo käm' ihm Trost und Rettung her? Wer jung stirbt, stirbt mit wen'ger Müh', Und wen du liebst, der stirbet früh; Warum solt' er sich kränken? Er kennt nicht Welt, nicht Sünde nicht, Darf nicht, wie und was ihm geschicht, Wenn er erliegt, gedenken; Je wen'ger Jahr', je wen'ger Schuld, Je wen'ger Schuld, je größre Huld. Er geht zu dir, zu seinem Gott, Beut unserm eiteln Wesen Spott, Kommt weg aus allen Mängeln, Aus Müh' und Noth zur höchsten Freud', Aus Eitelkeit zur Ewigkeit, Von Menschen zu den Engeln; Den Zweck, danach so lang' uns bangt, Den hat er unvermerkt erlangt. O sel'ges End', o süßer Tod, Komm', kürz' uns auch doch unsre Noth, Uns, Gott, uns armen Sündern. Gefällt denn unser Alter dir, So lass' uns, liebster Vater, hier Doch sterben gleich den Kindern; Wir achten keine Qual und Pein, Wenn nur das Ende leicht mag sein. Sterblied Weish. 5, 16-17. Wol dem, der sich der Welt entschlägt, Stets seinen Gott im Herzen trägt Und immer auf den Himmel siehet, Nichts denket, als die Ewigkeit, Nichts sorget, als wie er bereit Mag sein, wenn er von hinnen ziehet, Und so ohn' Schein und in der That Den Namen des Gerechten hat. Der lebt erst dann recht, wenn er stirbt, Und grünt hervor, wenn er verdirbt. Hat er viel Müh' und Noth erlitten, Mit Angst und Pein die Zeit verbracht Und mit der Höll' und Sündenmacht Bis an die Seele stets gestritten, So ist der Höchste dort und hier Ihm ein sehr großer Lohn dafür. Der sorget für ihn früh und spat, Erhält ihn auf der Unschuld Pfad Und führt ihn fröhlich von der Erden Hinauf, vor sich und seinen Thron, Da, wo ihm eine schöne Kron' Und überherrlichs Reich muß werden, Drin er mit unbeschriebnen Schein Wird ewig Herr und König sein. Ist sonst was groß, dies übersehr, Ist sonst was reich, dies weit viel mehr, Ist sonst was süß, dies ist das Süßte, Ist prächtig was, dem gleicht es nicht, Ist schön was, hier ist göttlichs Licht, Ist stark was, dies ist das Gewißte, Ja aller Welt Gut, Ehr' und Glück Gleicht nichtes dem geringsten Stück. O Wonne, die kein Ohr gehört, O Freude, die kein Mund gelehrt, O Wollust, die kein Herz vernommen, Wie seelig ist, der sie erwägt Und immer in den Augen trägt, Noch seel'ger, der sie soll bekommen; Der seeligst' ist, der sie schon itzt Ohn' ferner Sorg' und Kreuz besitzt. Gieb, liebster Schöpfer, o mein Licht, Mein ein'ger Trost und Zuversicht, Gieb, daß auch ich hier mag so leben, Daß mir mein Tod nicht schaden mag Und daß ich wachsam Nacht und Tag Durch dich nach dir stets möge streben. Dein Lohn wird zwar in's Künft'ge mein, Doch das Verdienst bleibt dein allein. Christlicher Herzen Vergnügung Ps. 17, 15. Herr, vergnüge mit der Welt, Den, der auf dieselbe hält, Gieb ihm allen Schatz der Erden, Hoheit, Wollust, Ehr' und Freud', Und lass' mir in Schmach und Leid Nur dafür den Himmel werden; Denn ich gern hier nichts will sein, Krieg' ich dort nur Alles ein. Wer nur dieses Leben sucht, Ist auch werth nur dessen Frucht; Hat er nur des Bauches Frommen, Hat er seine Leibeshüll' Und ihm gleicher Kinder Füll', Die nach ihm sein Gut bekommen, Herr, der läßt dir deine Stern' Und derselben Reichthum gern. Ich dagegen finde nicht, Dem mein Herz ohn' dich verpflicht; Täglich sterben, ist mein Leben, Kummer ist mein Trank und Brod Und mein Gut Beschwer und Noth; Dieses heißt nach dir mich streben, Denn was Andre unterdrückt, Ist, was mich hinauf stets rückt. Ach, wie fröhlich wird mein Geist, Wenn er sich der Zeit entreißt Und in dein unsterblich Leben Einen Blick verrichten mag, Wenn ich denk' an jenen Tag, Da ich hier soll Abschied geben, Und wie vieler Freuden voll, Gott, dein Antlitz schauen soll! Setzt mich meine Sünde zwar Gleich den Andern auf die Bahr', Werd' ich endlich doch erwachen Und in deinem Heilesrock, Jesu, wie die schönste Tock' Wiederum hervor mich machen, Wenn mich deines Lebens Bild Mit verjüngter Kraft erfüllt. Dann wird mir der Unschuld Schein, Dann, ach, werd' ich satte sein Von dem Manna, von den Strömen Deiner Liebe, Gnad' und Güt'. Liebster Gott, lass' mein Gemüth Hierher sein' Erquickung nehmen, Bis ich einmal von der Erd' Selbst dahin gelangen werd'. Christliche Betrachtung des Todes Ps. 90, 13. Wie seelig lebt doch der allhier, Der stets sich seinen Tod stellt für Und all' sein Thun mißt nach dem Ende; So wird die Lust in uns gedämpft, So wird der hohe Muth bekämpft; Dies zieht vom Gut die reichen Hände, Und Nichts ist, das uns mehr erhält, Als daß man immer bei sich fällt. Wie schwer will aber dies uns ein! Wir haben Adern und Gebein, Die nichts mehr lieben als ihr Leben. Ach Herr, wir sind hierzu zu schlecht, Lehr' du uns diese Kunst doch recht, Du nur kannst solche Klugheit geben. Tödtst du uns in uns, liebster Gott, So leben wir dir sonder Tod. Wo läuft sonst unser Herz hinaus? Wer sieht auf dein erhabnes Haus, Weiß er sich sicher bei der Erden? Wer sehnt sich nach der Ewigkeit, So lang' ihm wol ist bei der Zeit, Wo er nicht denkt, was er wird werden? Könnt' er nur Herr sein von der Welt, Liess' er dir gern dein Sternenzelt. Giebst du uns aber weißlich ein, Wie kläglich wir geboren sein Und unverhofft zum öfftern scheiden, Stellst du uns unsre Werke für, Wie die verschrieben sind bei dir Und was dafür wir sollten leiden, Ach, wie besorget, trüb' und scheu Wird unsrer Seele doch hierbei. Dann nehmen wir uns recht in Acht Und sind stets auf den Schluß bedacht, Den wir hier endlich müssen machen, Dann kommt uns Alles nichtig für, Dann sind wir Pilgrims nur allhier Und achten Nichts von unsern Sachen Und ziehn in unser künftig Grab Mit unsern Sinnen täglich ab. Herr, halt' uns stets also bereit Und lass' uns fertig sein bei Zeit, Um, wenn du rufest, zu erscheinen; Es sei dann langsam oder früh, Es sei auch, wo es sei und wie, Kein Tod hat etwas an den Deinen. Wer eh' stirbt, eh' er sterben soll, Derselbe stirbt allzeit wol. Der Weg ist zwar sehr hart und streng, Dies machet unsrer Sünden Meng'; Doch weil dein Sohn für uns gestorben, So ist der Tod kein Tod nicht mehr; Sein Grab ist unsre Himmelsfähr', Die uns dort liefert unverdorben. O Tod, o ein'ges Glück der Welt, Der lebt recht, der an dir sich hält! Sehnliches Verlangen nach Christo Off. Joh. 22, 17-21. Ich bin voll heiliger Begier, Dich, Jesu, zu umfangen, Und fühle mehr als gnug in mir, Dies jetzt gleich zu erlangen. Gedenke, wie mir denn zu Muth', Die Schwachheit drückt zwar noch das Blut, Die dir ergebne Seele Steht frei ganz ihrer Höhle. Ach komm', mein Heiland, komme bald, Sie gänzlich zu erlösen, Und führe mich, mein Aufenthalt, Zu dir aus allem Bösen, Aus allem Bösen dieser Welt In dein erwünschtes Himmelszelt, Aus meinen schweren Leiden Zu deinen süßen Freuden. Ein Schatten ist es nur von mir, Den man noch spürt zu leben, Denn ich mich, mein Erlöser, dir Schon längst hab' übergeben. In deinen Wunden ist mir wol, Hier saug' ich deines Bluts mich voll, Hierinnen will ich sterben Um deinen Geist zu erben. Ach komm', mein Heiland, komme bald, Erfülle mein Verlangen! Nun wol, du kommst, mein Aufenthalt, Wie soll ich dich umfangen? Komm', Liebster, komm' und herze mich, Komm', Liebster, komm' ich herze dich, Komm', lass' uns lieben Zweie Uns stellen zu der Freie. Du hast mich, eh' die Welt gegründt, Zu deiner Braut erkoren; Dies' Ehr' hab' ich betrübtes Kind In Adam zwar verloren, Da aber mich dein heilges Bad Von meiner Schuld befreiet hat, So ist mir dieser Orden Noch schöner wieder worden. Komm' denn, mein Heil und sei gegrüsst, Komm', mein Licht, meine Sonne, Komm', sei zu tausendmal geküßt! Die Freude, diese Wonne Macht, daß mir Honig alle Noth Und Zucker selbst der bittre Tod; Denn nun wird mir dein Leben, Da ich meins aufgegeben. Christliches Sterblied Ps. 130 Schutz und Hort betrübter Herzen, Aus der Tiefe meiner Schmerzen Ruf' ich, o mein Gott, zu dir! Laß mir nicht dein Ohr absagen, Wem soll ich mein Elend klagen, Nimmest du es, Herr, nicht für, Und wer ist, der mich aufricht, Hörest du mein Flehen nicht? Steht mir meine Sünd' im Wege Und verleget alle Stege Deiner allgemeinen Huld, Ach so lass' doch Gnade walten, Wer kann dir die Wage halten, Fragst du uns um unsre Schuld? Auch die Heil'gen werden scheu, Legst du mit uns Rechnung bei. Nein, o Bild der' Lieb' und Güte, Nein, dies ist nicht dein Gemüthe; Feind bist du der Sünde sehr, Strafest sie in allen Wegen, Daß wir sie vermeiden mögen Und dich fürchten immer mehr, Und doch schenkst du sie auch leicht, Wenn man nur zu Kreuze kreucht. Ja, zum Kreuze deines Sohnes, Unsres milden Gnadenthrones, Ja, zum Kreuz, da ihn erhöht, Dran mein' Handschrift ist geschlagen, Ausgelescht und abgetragen Und mein Tod selbst mit ertödt; Durch dies weiß ich, daß ich dein Und sonst Keines könne sein. Lass' mir diesen meinen Glauben, Liebster Schöpfer Nichtes rauben; Ach, ich harr' und warte dein Von der frühen Morgenwache, Bis ich mich zur Ruhe mache Und bis wieder an den Schein; Wo doch, ruf' ich immer zu, Wo, Herr, ruf' ich, bleibest du? Nun, ich weiß, du wirst erscheinen; Was du zürnest mit den Deinen, Ist doch nichts als lauter Lieb'; Ach, dein Herz ist viel gelinder, Höchster Freund zerknirschter Sünder, Als daß Solches uns betrüb' Anders, als daß deine Treu' Uns desto bekannter sei. Still denn, meine Seele, stille! Thu', was deines Schöpfers Wille, Erst der Regen, dann das Licht, Als wächst des Feldes Segen, So muß sich dein Herz verpflegen; Erstlich weine minder nicht, Dann folgt Gottes Gnadenschein, Und du wirst recht glücklich sein. Sterblied Galat. 2, 20. Wie wohl wird jetzt, o Jesu, mir, Was ist bisher mein Leben hier Als ein betrübter Tod gewesen, Der täglich mich in's Grab gesteckt Und täglich wiederum erweckt? Nun bin ich einmal recht genesen, Da mich an meines Lebens Statt Dein lieber Tod beseelet hat. Nimm, wenn du willst, erwünschte Bahr', Nimm hin, was an mir sterblich war; Es kann mein Geist nicht ledig werden, Wo nicht sein Kerker wird gefällt. Was von der Welt, das sei der Welt, Was von der Erden, sei der Erden; Was himmlisch ist, mein bestes Theil, Das hat im Himmel nur sein Heil. Ach Jesu, dieses dank' ich dir! Ich war auch dorten, gleich wie hier Schon zu des Todes Beut' erlesen, Mein Leben hatte dies verdient. Wenn mich hier nicht dein Tod versühnt, Was wär' ich für ein elend Wesen? Für ewig in der Höllenpein Ist besser, ewig Nichts zu sein. Du aber, Vorbild aller Güt', Hast ein liebseeliges Gemüth Schon vor der Welt zu mir getragen, Und nachmals, wie die Zeit erfüllt, Dich in mein armes Fleisch verhüllt Und deines ganzen Reichs entschlagen, Daß mir dein Geist, dein Erb' und Recht Zu deinen Gütern werden möcht'. Du gabst dich, Liebster, hin für mich, Entzogst mich mir und schenktst mir dich, Ein Tausch, Herr, den ich nicht erkenne, Daß Gott sich für mich Sünder giebt Und mehr mich als sein Leben liebt. Ach, wer dich auch so lieb gewönne, Und dich so herzlich hielt' umfaßt, Als du es, Herr, verdienet hast. Mein Fleisch kann, Jesu, dieses nicht; Käm' es hier an auf dessen Pflicht, Das folgte seinen Augen leider. Ich spare dies auf jene Zeit, Ich weiß um meine Herrlichkeit, Um meinen Kranz, um meine Kleider, Die ich, gelobter Gottessohn, Einst tragen soll vor deinem Thron. Hierauf, mein Heiland, leb' ich dir, Den Trost setzt sich mein Glaube für, Es mag denn, wie es will, ergehen, Ich falle, wie und wann du willst. Wenn du mich in dein Grab verhüllst, So werd' ich auch mit dir entstehen Und trennet mich kein Tod von dir, Da du, mein Leben, lebst in mir. Gottseeliger Herzen Vergnügung Ps. 73, 25-26. Dennoch halt' ich's, Herr, mit dir; Ziehe deine Feind herfür, Lass' sie gleich den Cedern stehen, Groß im vollen Ehrenschein, Reich an aller Wollust sein, Mächtig selbst dein Volk zu schmähen. Deinen Kindern, o mein Licht, Liebster Vater, dient dies nicht. Mein Begehren, Wunsch und Will', Meiner Seele Hüll' und Füll', Meines Herzens Trost und Leben, Meiner Sinnen Lust und Ruh', Das allein, mein Gott, bist du, Du der mir den Geist gegeben Und dein unvergleichlichs Bild In demselben hast verhüllt. Also hat die Ewigkeit Sich in mein Gebein verkleidt Und mich zum beglückten Erben Deines Sternenreichs bestellt, Was soll mir hierbei die Welt, Die ganz lieget im Verderben Und, je mehr sie uns erquickt, Desto mehr zur Hölle drückt. Lieber kränk', mein Gott, mich hier, Denn so wachs' ich auf in dir; Lass' mir Saft und Kraft vergehen, Also schmeckt mir deine Güt'; Soll mir wol sein am Gemüth, Kann dem Fleisch nicht gut geschehen, Und wo du bestellt dein Haus, Muß zuerst die Erd' heraus. Süsses Elend, schöne Pein, Die mir dort mein Heilsvolk sein! Theurer Kampf, erwünschtes Leiden, Welche meine Ritterkron'! Herrlich' Armuth, lieber Hohn, Die den Himmel mir bescheiden! Herr, ein Wechsel, den die Welt Nur für eine Märe hält. Lass' sie, Gott, bei ihrem Gut, Lass' es, dem es sanfte thut, Also geht es bei der Erden. Ich will gern hier Nichtes sein, Um daß du, o Alles, mein, Ach mein Alles, mögest werden, Und daß mich dein Richtertag Desto mehr erfreuen mag. Sterblied Hiob 14, 5. Du bist von dir, o Mensch, ja nicht, Dein Schöpfer hat dich zugericht, Dein Herz beseelt mit Geist und Leben, Den Leib in schönen Schmuck gekleidt Und Allem diesen Maaß und Zeit Nach seinem weisen Schluß gegeben; Dies fällt auch, steht es noch so fest, So bald es seine Hand verläßt. Was nimmst du denn ohn' dem dir für Und meinst, als wenn dein Auge hier, Dein Witz und Rath dich müsse leiten? Du sinnst auf lange Jahr hinaus, Erweiterst immer mehr dein Haus, Gedenkst auf keinen Staub der Zeiten Und glaubst, du habest dich gesetzt Wo dich kein Unfall nicht verletzt. Ach eitler Wahn, gewisser Tand! So baust du Schlösser auf den Sand Und schöpfest Wasser mit dem Siebe. Was Gott dir zuschickt, ist dir gut, Auch wenn er dir zuwider thut, Er trägt zu dir zu grosse Liebe; Was du dir wählst, das, traue, schadt, Auch wenn es guten Fortgang hat. Mein Gott, so bin ich nicht gesinnt, Du bleibest Vater, ich dein Kind, So will ich gern dich lassen sorgen. Ich schreib' und greife dir nicht für, Mein Thun und Leiden steht bei dir Auf Jahr und Mond, auf heut' und morgen; Wie du mein Ziel gesetzet hast, So sei und bleib' es, Herr, gefaßt. Nicht weiter kann und will ich nicht; Geh', Herr, mir vor mit deinem Licht, Dem will ich folgen ohn' Ermüden, Und folg' ich nicht, so zieh' mich fort, Auch wär' es bis zur Höllenpfort', So weiß ich, was du mir beschieden; Dein Reich, mein Gott, und was hier dein, Dies soll mein Ziel und Ende sein. Die gnädige Führung Gottes Ps. 73, 23-24. Wer bin ich, liebster Gott, vor dir, Daß du mich hast gebracht bis hier? Ach, es versinket mein Gemüthe Im Meere deiner Lieb' und Güte, Und weiß vor grossem Unwerth nicht, Woher mir Alles dies geschicht. Du bist es schon gewohnt mit mir, Daß ich mich gern nachdenk' in dir; Ich halt' ohn' dich mir Nichts geschehen, Noch wen'ger mag ich was angehen, Es sei denn, daß mein Herze Rath Vorher mit dir gehalten hat. Willst du, so geht es glücklich fort Und fordert oft es kaum ein Wort; Will aber nicht mein Wunsch bestehen, So fang' ich fort in mich zu gehen Und seh', ob ich, Herr, oder du Wo Fug und Ursach geb' hierzu. Oft find' ich keinen Weg noch Steg Und weiß so nicht um deinen Zweck, Noch gleichwol bleib' ich unbetrübet; Du hast mich schon so lang geübet, Daß ich von deinem treuen Sinn Mehr als zu viel versichert bin. Bald legt sich deiner Liebe Nacht, Dann sehe ich, was du gemacht. Wie einer, der im Schiffe lieget Und in dem Schlaf die See durchpflüget, So find' ich ausser meiner Acht Mich weiter fort als ich gedacht. Den Berg, die Klippen und das Meer, Die mich beschlossen ganz umher Und meiner Seelen Sorge waren, Die bist du weislich umgefahren Und hast mir einen Weg gebahnt, Davon mir kaum nicht hat geahnt. Führ', o mein Schöpfer, stets mich hier, Wie dir es dünkt und seelig mir; Es mag so rauh es will hergehen, Ich mag nicht um noch vor mich sehen, Du bist doch mit mir auf der Bahn Und nimmst mich letzt mit Ehren an. Ach ja, mit Ehren hin zu dir, Da ich dein Heilskleid, meine Zier, In höchster Würde werde tragen Und ewig meinen Dank dir sagen. Acht', Herz, nicht, was die Welt dir thut, Im Himmel, schau', wird Alles gut. Die Vermählung der Seele mit Christo Offenb. 19, 7-9. Komm', liebe Seele, lass' die Welt, Schau, was in unsres Gottes Zelt Für eine Feier vor wird gehen; Schau an das grosse Hochzeitsfest, Das sich das Lamm bereiten läßt, Dem Erd' und Himmel dienstbar stehen. Wer ist die auserwählte Braut, Die solchem Fürsten wird vertraut? Dies sollst du selbst, o Seele, sein; O Ehre, mehr als ungemein! Gedenk', wie hoch du wirst beglücket, Daß sich des Höchsten ein'ges Kind Mit dir geringer Magd verbindt. Wie aber wirst du sein geschmücket, Daß du für solchen Liebsten recht? Du selbst für dich bist arm und schlecht. Bitt' deinen Bräutgam um das Kleid Der herrlichen Gerechtigkeit, Das er dir durch den Tod erworben; Der blut'ge Rock, in welchem er Mit grosser Marter und Beschwer Am Kreuz gelitten und gestorben, Der ist die schöne Seid' allein, In der du seiner werth kannst sein. Den lege dir im Glauben bei Und sei so aller Sorgen frei; Hierin wird er, dein Schatz, dich küssen Und bei dem Mahl der Ewigkeit Dich freundlich setzen an die Seit', Der Himmelsfreude zu geniessen. O seel'ge Lust, erwünschter Tag, Den hier kein Herz begreifen mag! Ach liebster Jesu, Gottes Lamm, Mein Bruder, Heil und Bräutigam, Du giebst mir hier dein Fleisch zu essen Und tränkest mich mit deinem Blut; Dies heil'ge Mahl komm' mir zu gut, Daß, da ich hier dich selbst gegessen, Ich dort auch, theurer Wirth, mag dein Und deiner Tafel würdig sein! Christliches Sterblied Mein End' ist, liebster Jesu, hier, Ich sehe deinen Knecht vor mir, Den Tod, mich zu dir abzuholen; Ich bin vergnügt mit diesem Schluß, Da ich, auch wolt ich ungern, muß, Wenn du, mein Herr, es ihm befohlen; Nun kannst du mich so gern nicht sehn, Als mich verlangt, zu dir zu gehn. Mein Geist ist her aus deiner Hand Und deinem ew'gen Licht verwandt; Der Leib, womit du ihn umgeben, Ist mehr sein Kerker als sein Haus; Wie wollt' ich nicht hier gern heraus Und bei dir, meinem Schöpfer, leben, Wo meine liebe Vaterstadt Und meine Seel' ihr Sitzthum hat? Du bist mein Haupt und ich dein Glied, Wo du hingehst, da folg' ich mit, Du hast zur Erden dich begeben, Daß mein der Himmel möchte sein, Du gingst ins Grab und Höllen ein, Auf daß ich ewig möchte leben; Sollt' ich nicht gerne sein um dich, Da du so viel gethan für mich? Dein heil'ges Mahl, dein Leib und Blut, Das du mir angericht zu gut, Hab' ich zum öftern hier genossen; So hast du dich vereint mit mir Und ist dein Leben ganz von dir, Herr, meinem Leben eingeflossen, Daß du, mein Heiland, mein, ich dein, Und wir dies ewig sollen sein. Drauf geh' ich fröhlich in das Grab Und lege hier mein Sterbkleid ab, Um seelig mit dir aufzustehen. Es fall' und faule mein Gebein, So muß ich erst geläutert sein, Soll ich mit dir zum Himmel gehen Und ziehen deinen Heilsrock an, Den mir dein Leiden angethan. Ach süsse Hoffnung, schöne Lust, Womit du, Jesu, meine Brust Und ganzes Herze hast erfüllet! Komm', lieber Tod, o meine Ruh', Und drücke mir die Augen zu, Die nur ihr Heil zu sehn gewillet; Ich bin ja nunmehr nicht mehr mein, Um meines Heilands ganz zu sein. Geistliches Ermunterungslied Ps. 121, 1-2. Auf, erheb' dich, meine Seel' Aus der tiefen Schwermuths-Höhl' Hin zu jenen milden Höhen, Wo dir so viel Jahre her So viel Liebe, Gut's und Ehr' Unverdienet ist geschehen, Und woher noch täglich fließt, Was dein Herz und Mund genießt. Achte nicht, ob dir hierbei Höll' und Welt entgegen sei, Lass' sie schmähen, wüthen, toben, Dies hast du mit Gott gemein; Hüll' dich fröhlich in dich ein. Deine Hülfe kommt von oben, Von den Bergen, von dem Thron Dessen, der dein grosser Lohn. Ja, da wohnt für dich nur Rath, Wo der seinen Wohnsitz hat, Der die Himmelskreis' erfüllet Und der Erden Grund bestellt. Liebt dich gleich die ganze Welt, Wird dein Wunsch doch nicht gestillet, Und ist dir dein Freund allein, Kannst du unbekümmert sein. Dies macht, o sein Conterfeit, Daß sein Bild der Ewigkeit Deinem Wesen eingepräget. Göttlich bist du so von Blut, Göttlich muß auch sein das Gut Woraus sich dein Geist verpfleget. Was der Erden zugehört, Ist nicht Furcht noch Liebe werth. Ach mein Gott, dies weiß mein Herz, Und doch kehrt es unterwärts! Bin ich noch so frisch zuweilen Und erhebe mich zu dir, Will mein Fleisch doch nicht mit mir; Dieser Zwist von beiden Theilen, Drin ich sonder Ende steh' Thut mir mehr als schmerzlich weh. Meine Kraft denn ist es nicht Daß ich mich zu dir aufricht, Nein, nur du kannst diese geben. Mach' mich deines Geistes voll, Wenn der zieht, so folg' ich wol, Wenn der hebt, kann ich mich heben, Wenn der mir sein Bild hält für, Seh' ich dich schon kenntlich hier. Oder kann ich so auch nicht Recht erfüllen meine Pflicht, Herr, so zieh' mir mein Gebeine, Dies mein schweres Reiskleid ab, Lass' das säubern durch das Grab, Bis es rein vor dir erscheine; Nur sein Odem, deine Zier, Gehe fort, mein Gott, zu dir. Hier will ich in deinem Licht Beides, Mund und Angesicht, Herr, zu deinem Thron erheben Und für alle deine Güt' Dir mit himmlischem Gemüth Mein erfreutes Danklied geben. Liebster Gott, fällt dies mir ein, Glaub' ich schon bei dir zu sein! Christliches Sterblied Ich steh' in Furcht und Noth, Da mein verlangter Tod Mich fordert von der Erden; Es steht auf diesem Blick Mein Unglück und mein Glück, Das ewig mir soll werden. Ach Gott, kein Sturm der See Thut nicht dem Schiff so weh', Das hin und her muß schweben, Als diese Reise mir, Denk' ich, was dort und hier Mir noch zu überstreben. Hier stellt sich Satan mir Mit meinen Sünden für Und dräut mir mit der Höllen; Dort lockt dein Himmel mich Und spricht, ich soll auf dich, Mein Hort, mein' Hoffnung stellen. Herr Jesu, Gottessohn, Der sich von seinem Thron Der Welt zu Dienst begeben Und mir zu lieb' und gut Mein todtes Fleisch und Blut Gewürdigt zu beleben, Komm', o mein höchstes Gut, Und nimm dein Kind in Hut, Das du für dich erkoren Und dir zur lieben Braut, Mein Liebster, hast vertraut, Eh' daß die Zeit geboren. Ich bin der Erde satt, Von Müh' und Jahren matt; Versammle mein Gebeine In seinen süssen Sand; Mein Geist, dein theures Pfand, Bleib' aber stets der Deine. Derselb' ist her von dir Und hielt sich dein allhier So wol in Leid als Freuden; So muß er jetzt auch dein In seiner Heimfahrt sein, Dies fordert selbst dein Leiden. Der Tod, den du verschmäht, In deinem Tod' ertödt, Sei meines Todes Leben; Das Grab, das dich umschloß, Lass' mir in seinem Schoß Ein sanftes Ruhbett geben. Hierauf umfass' ich dich Und hülle, Jesu, mich In deine blut'gen Wunden Frei, unbesorgt und froh, Und weiß, daß ich also Dir ewig bin verbunden. Ach ja, ich bleibe dein, Da, wo der helle Schein Der Sterne mich umgeben, Und, Jesu, du in mir, Und, Jesu, ich in dir Ohn' Ende werden leben. Der Weg nur fällt mir schwer; Lass' denn, mein Heil, vorher Dein Fleisch und Blut mich weiden, Dies stärkt mir Seel' und Muth Und macht die Bahne gut; So fahr' ich hin mit Freuden. Christliches Sterblied Weish. 4, 10-14. Was wird es endlich mit der Welt, Die täglich mehr danieder fällt In ihrem blut'gen Kriegsgetümmel? Die Gottfurcht macht mehr keine Scheu, Die Ewigkeit ist Dichterei, Nichts ist die Hölle, nichts der Himmel; Wen nicht das Leben irrig macht, Der hat gewiß es hoch gebracht. Was können bös' Exempel nicht? Sieht man der Bosheit Ehrenlicht, Wer ist der Unschuld gern beflissen? Betünchet sich die falsche Lehr', Wie leicht giebt einer ihr Gehör, Der gern vor Andern was will wissen, Und kehrt man bei der Wollust ein, Wem schmecket Kummer, Müh' und Pein? Ach liebster Gott, dies siehest du, Deswegen eilest du zur Ruh' Mit deinen Freunden von der Erden, Daß ihre dir geweihte Seel' Nicht des besorgten Weges fehl' Noch mit verkehret möge werden. Ihr Herz, das stets zu dir gericht, Vergönnst du keinem Andern nicht. Wer früh dein Friedensreich bezieht, Der ist hierüber unbemüht, Hat zwar hier wenig können werden, Doch so auch wenig Schuld gemacht, Und was ist das vor dir geacht, Was einer dient der faulen Erden, Die, wie sie selbst voll Mängel ist, Auch hiernach unsre Arbeit mißt? Bei dir ist unsre Herrlichkeit, Die Ehre, die Vollkommenheit, Wozu wir sind erschaffen worden. Wer denn frühzeitig geht von hie, Der wird bei dir vollkommen früh In dem vollkommnen Engelorden Und hat das Alterthum erreicht, Dem auch Methusalem selbst weicht. Was ein Gottloser lebet hier, Das ist kein Leben, Herr, vor dir, Er graut und hat doch nicht gelebet. Wer sich dein Leben stellet für Und folget nach, der lebt in dir Das Leben, das kein Tod kann heben, Er fällt nur, daß er sich erheb' Und stirbet, daß er ewig leb'. Thu, Vater, deinen Kindern wol Und mach' uns deines Geistes voll, Dein heil'ges Leben zu erfüllen. Halt' uns zur Heimfahrt fertig hie, Es sei denn langsam oder früh, Das steht in deinem freien Willen; Doch wer vor Andern dir gefällt, Den nimmst du zeitig von der Welt. Liebreiches Bündnis der gläubigen Seele mit Christo Hohel. 2, 16-17. Mein Freund ist mein und ich bin sein, Mein Freund, mein Mond- und Sonnenschein, Wenn das bemühte Taglicht scheidet Und die furchtvolle Nacht bricht ein, Er ach, mein Freund ist mein, ich sein, Der unter meinen Rosen weidet! So singet, Jesu, deine Braut, Die du dir vor der Welt vertraut. Ein Wunderpaar seid, traun, ihr Beid', Du bist der Fürst der Ewigkeit Und sie ein armer Kloß der Erden, Und dennoch trägest du zu ihr So unvergleichliche Begier, Um ihr vermähltes Lieb zu werden, Und fällest ihr von Herzen bei, Daß ihr kein Freund nicht näher sei. Ach, mehr als Freund, der du für sie So unbeschreiblich' Angst und Müh', Ja selbst den Kreuztod hast erlitten Und nicht das harte Grab verschmäht; Auch da du wiederum erhöht Und deinen Machtthron hast beschritten, Kehrst du doch allzeit bei ihr ein, Um sicher eures Bunds zu sein. Du schmähst, ihr holdes Augenlicht, Die scharfe Rosenweide nicht, Womit sie um und um beschlossen, Du Rosenfreund, so weiß als roth, Im Leben weiß, und roth im Tod, Mit deinem Purpurblut beflossen; Die Dornenkron', dein' Leidenspracht, Hat ihre Stacheln stumpf gemacht. Ach liebstes Heil, vertrauter Freund, Mein Bruder, der mit mir es meint, Als nie ein Bruder nicht auf Erden, Es bricht mein Abend mächtig ein; Lass' hier mir deinen Gnadenschein Mein himmelreiches Vorlicht werden, Und gehe, meine Sonne, mir Durch das besorgte Todsthal für. Kühl' ab die Hitz', die mich entseelt Und diesen langen Tag gequält, Nimm weg den unmuthsvollen Schatten, Der hier um meiner Seele liegt Und niemals, wie es sie vergnügt, Dir meine Pflichtschuld ab läßt statten, Viel wen'ger dich in deinem Licht Recht kommen lässet zu Gesicht. Versetz' mich in dein Paradies Und lass' hier um dein Lebensfließ Uns unter deinen Rosen weiden; Hier stimmt der Engel Chor mit ein, Mein Freund ist mein und ich bin sein! Ach heil'ge Liebe voller Freuden, Ach schönes Leben voller Wonn' Wann ist der Anfang doch hier von! Bußlied Röm. 3, 23-26. Wir sind doch Alle Sünder hier, Weg ist der Schmuck und Ruhm, den wir Vor unserm Schöpfer solten haben; Er hat uns in der schönsten Pracht Und selbst nach seinem Bild gemacht Und angefüllt mit solchen Gaben, Daß auch sein Himmel ihm zu schlecht, Wenn er bei uns nur wohnen möcht'. Jetzt sind wir ein Geheg' der Noth, Zum Bösen gut, zum Guten todt Und irdisch ganz in unsern Seelen; Ja liebster Gott, das sind wir nun, So find' ich, Höchster, all' mein Thun, Wie wollt' ich meine Schuld verhehlen, Die täglich sich verstärkt und mehrt Und ach, mich höllenab beschwert. Schau aber doch, wie dies mich quält, Wie meine Seel' hierum entseelt Und kaum sich fühlt in ihren Schmerzen; Ich sehe vor mir meinen Feind, Der mich gleich jetzt zu fällen meint; Geht dir, mein Gott, dies nicht zu Herzen Und kannst du dem mich geben hin, Da ich von deinem Odem bin? Dein ein'ges Kind, dein liebster Sohn, Ließ für mich Armen Reich und Kron' Und seine ganze Herrschaft stehen, Nahm an sich sterblich Fleisch und Bein, Erlitt die allerschwerste Pein Und ließ sich an das Kreuz erhöhen, Daß ich bei dir mein Kindesrecht Hinwiederum erhalten möcht'. Den, Vater, hast du so der Welt Zu einem Gnadenstuhl gestellt In seinem theur-vergossnen Blute, Der ist, der die Gerechtigkeit Für uns verdammte Schaf' darbeut Und hinnimmt unsre Sündenflute, Die nun so hoch war angerennt, Daß Gott allein sie tilgen könnt'. Den fass' auch ich im Glauben üm, Zu dem erheb' ich meine Stimm', Sprech: Treuer Jesu, o mein Leben, Dir dank' ich, daß ich nicht ganz todt, Du bist die Heilquell' meiner Noth, Die mir ihr Labsal hat gegeben, Wenn mich der Hölle Angst bedeckt Und selbst dein Himmel hat erschreckt. Woher kommt mir dies grosse Gut? Ach, Gnad ist Alles, die es thut! Was wollten meine Werk' verdienen, Die vor dir nichts und nichtig sind? Nein Jesu, dein Verdienst allein Ist kräftig gnug, mich zu versühnen, Du bist gerecht, und nur allein Von dir auch muß ich solches sein. Ja, o mein Heiland, du nur bist, Der meiner Sünden Zuflucht ist; Wenn ich an deiner Seit' mich sehe, So hab' ich, was ich wünschen kann, Es treffe so mein Tod mich an, Wo, wie und wann es auch geschehe; Ich falle, wo es solle sein, So fall' ich deinen Wunden ein. Kein Sarg, kein Grab verschließt mich nicht, Das du zum Bett mir zugericht, Ach nein, dein Himmel ist mein Erbe, Den, Bruder, du mir hast vermacht. Hier ist mein Kranz, mein' Sonnenpracht, Hier leb' ich ewig, wenn ich sterbe, Hier will ich auch ohn' Ende dir Dein grosses Heilig tragen für! Bußlied Liebster Jesu, Trost der Herzen, Denen ihre Sünden schmertzen, Einigs Heil der gantzen Welt! Wenn ich bei mir überschlage Was für Schuld ich auf mir trage, Die dein Buch verzeichnet hält, Ach, so kann ich nicht ersehen, Wie ich künftig soll bestehen. Von Geburt bin ich ein Sünder, Wegen meines Thuns nicht minder, Weg ist meiner Seelen Zier, Dein Bild hab' ich ganz verloren, Und des Teufels Bild erkoren, Nichtes ist mehr gut an mir, Auch noch alle Tag' und Stunden Mach' ich grösser meine Wunden. Herr, wo soll ich mich hinwenden? Dein Zorn drückt mich aller Enden, In mir hab' ich keine Ruh; Um mich ist der Welt Getümmel, Oben schrecket mich der Himmel, Satan spricht den Fluch dazu, Und mich dünkt, daß auch die Erde Über mich schon Kläger werde. Ach, du frommer Sünden-Büsser, Du getreuster Blutvergiesser, Jesu, komm' mir hie zu statt, Sei mein' Hülf' und mein Berather, Sprich mich los bey deinem Vater Und tilg' aus mein' Übelthat; Hast du vor mich wollen büssen, So lass mich auch deß geniessen. Zwar ich muss es gern gestehen, Daß ich gröblich mich versehen Und verdient der Höllen Lohn. Aber sieh', ich komme wieder, Fall', o Jesu, vor dir nieder, Ich dein längst verlorner Sohn, Und ersuche dich mit Thränen, Laß dich wiederum versöhnen. Ist im Himmel grösser Freude, Wenn ein Sünder kehrt mit Leide Wieder zu der rechten Bahn, Als um neun und neunzig Fromme, Herr, so nimm mich, da ich komme, Wiederum zu Gnaden an; Was ich bis hieher begangen, Will ich an zu bessern fangen. Weicht hinfort, ihr Sünden-Geister, Denn mein einz'ger Seelen-Meister, Jesus, wohnt allein bei mir; Ohn' ihn wär' ich ganz verloren, Durch ihn bin ich neu geboren, In ihm leb' ich für und für, Mit ihm geh' ich aus der Erden Und werd' ewig selig werden.