Freiballonfahrt mit Autoverfolgung (1928) Auf Augsburgs sonntagsbunten Flugplatz lacht Die Sonne. Doch vergeblich brütet Sie auf gigantische Dickhäuteriche, Die von Miliz und Polizei bewacht Und liebevoll von Feuerwehr behütet, Dick aufgeblasen überm Boden schweben, Von Photographen, Pressevolk umgeben. Doch nicht nur diese wichtigen Leuteriche, Sondern vor allem: viele Autos warten Darauf, daß jene gasgefüllten Tiere – Ihrer sind viere – pünktlich drei Uhr starten. Denn es sind Ehrenpreise ausgesetzt Für alle Wagenführer, die Als erste die Ballons, wenn sie Gelandet sind, erwischen. Jetzt Erhebt ein Wind sich. Unsre Riesen zerren An ihren Fesseln wild. Wir, ihre Herren, Klettern in ihre Körbe. – Es schlägt drei. – Gewichte lösen sich. Man läßt uns frei. Die Menge winkt. Wir steigen munter. Als Blick nicht ausreicht mehr noch Winkehand, Schwing ich mich auf der Gondel Rand Und schleudre meinen Hut hinunter, Der Frau zum Gruß, dem Publikum Zum dankbar lauten Gaudium. Mich kümmert's anfangs nicht, wohin Die Luft uns führt. Im Korbe bin Ich nur geladener Passagier. Doch Dr. Weltz, der Führer, neben mir Und Unparteiischer E. Scheuermann, Zwei altbewährte Meisterflieger, sehn Sich kundig um und zeigen lächelnd dann Mir in der Tiefe winzige Chausseen, Auf denen unserer Verfolger Wagen Bald lauernd halten, bald wild weiterjagen. Wir müssen vor zwei Stunden niedergehn, Doch dürfen erst nach einer Stunde landen. Acht Säcke Ballast sind vorhanden, Meßapparate, hundert Meter Tau. Die beiden Sachverständigen zeigen, Erklären alles mir genau. Und unterdessen steigen wir und steigen. Eintausend Meter, zweitausend vierhundert, Fünfhundert – –. Herrlich! Uns umwundert Die Adlerwelt der Überlegenheit. Herr Scheuermann notiert Ort, Stand und Zeit. »Schaut! Jener Wald«, sagt unser Führer, »wär Der rechte Platz, sich zu verstecken. Doch leider schiebt die Strömung uns konträr. Wir müssen tiefer!« – Als ich voller Schrecken Auf ein Gewitter überm Wald weise, Sagt Weltz: »Das stört nicht unsre Reise.« Und hängt sich wuchtig an das Gasventil. Wir sinken rasch, wie wir an Buntpapieren, Die wir auswerfen, deutlich konstatieren. Die Strömung ändert sich; der Wald wird Ziel. Der Himmel hat sich drohend überzogen. Von den Ballons, die mit uns aufgeflogen, Ist nurmehr einer fern zu sehn. Und wir, mit Gas und Spannung angefüllt, Sind plötzlich ganz in Nebel eingehüllt. Drei Männer, die lautlos im Schweigen stehn. O zauberhaftes Indenwolkenschweben! So wie die Märchenengel für die Kinder leben. Wir lauschen, warten, fallen, – – »Da!« Da schimmert etwas unter uns und nah, Wird klar und klarer – – Grüne Waldesmassen. »Dort in die Tannen!« – Gas entlassen, Eh der Gewitterwind uns faßt und treibt! Die Gondel schlägt in Tannenwipfel, bleibt Dort hängen wie ein Riesenvogelnest. Sechs Hände krallen im Gezweig sich fest. Ich muß die Wipfel um Verzeihung bitten. Sie haben sicherlich dabei gelitten. So schweben wir in höchsten Nadelzweigen, Schaun auf die Uhr und lauschen, lauschen, schweigen. Schon fünf Minuten sind verronnen. Fünf weitre unentdeckt, dann ist's gewonnen. Doch: Töff töff töff – – Dann: Eine Stimme schreit Von unten auf: »Hallo! Ergebt euch gütig!« Wir sind gefaßt. Ich rufe übermütig: »Bedaure sehr, wir sind noch nicht so weit!« Dabei versuchen wir, wie vorgenommen, Zu einem Weiterfluge freizukommen. Aus kleinen Säcken schütten wir in Hast Auf die Verfolger all unsren Ballast Und ziehn uns luvwärts gegen Sturm. – – Zu spät! Gewitter und ein Wolkenbruch entlädt Sich. Blitz und Guß und Donner. – Toll! – Und Weltz und Scheuermann, gleich einsichtsvoll, Ergeben sich an die, die uns gefunden. Weltz reißt die Hülle auf. Wir sausen. – Für Sekunden Hakt unser Korb in Zweigen fest. Und dann – Zehn Meter überm Boden mag es sein – Plumpst er hinunter wie ein harter Stein. »Seid ihr gesund?« – »Ja!« Ich, Weltz, Scheuermann.