Die Episteln der Sontage und fürnembsten Fest deß gantzen Jahrs Auff die gemeine Weisen der Psalmen gefasset [1628.] 1. Am Ersten Advent Zun Römern am 13. Auff den 9. Psalm Ich wil dich Herr von Hertzen Grund. Auff, auff, die rechte Zeit ist hier, Die Stunde wartet für der Thür, Ihr Brüder, lasset uns erwachen, Vergeßt der Welt und ihrer Sachen. Bezwingt den Schlaff und kompt in Eyl, Denn unser Liecht und Gnadenheyl, Der rechte Trost und Schutz der Seinen, Ist näher als wir selber meynen. Die ungestirnte schwartze Nacht, Hat ihren schwären Lauff vollbracht, Der vielbegehrte Tag ist kommen Und hat das Leyd hinweg genommen. Legt ihr auch ab den dunckeln Schein Der Wercke, die verborgen seyn, Zieht an deß Liechtes helle Waffen, Laßt nichts als nur die Sünden schlaffen. Geht auff dem Weg der Erbarkeit, Denckt, daß jetzt sey die Tageszeit, Laßt wilde Saufferey und Fressen, Dardurch wir unser selbst vergessen. Lescht auß deß Leibes schnöde Brunst, Seyt feind der falschen Liebesgunst, Auch liebet nicht Zorn, Haß und Zancken, Entsagt den neydischen Gedancken. Zieht Jesus Christ, den Herren, an, Sein Leben sey deß euren Bahn; Versorgt den Leib, das Theil der Erden, Und laßt ihn doch zu geyl nicht werden. 2. Am andern Advent Zun Röm. am 15. Auff den 77. Psalm Zu Gott in dem Himmel droben. Was vor diesem, meine Lieben, Fleissig worden auffgeschrieben, Was wir in den Schrifften sehn, Ist als Lehr, und Trost geschehn, Daß nicht möchten die Gedancken, In dem See deß Zweiffels wancken, Sondern sich wend' aller Sinn Auff Gedult und Hoffnung hin. Aber Gott, so pflegt zu geben Die Gedult und Trost dem Leben, Schaffe, daß euch einerley Willen nach dem Herren sey, Daß ihr stäts, wie sichs gebühret, Des Erlösers Vatter zieret Und erhebt mit Frölichkeit, Die erschalle weit und breit. Thut zu Hülff' einander kommen, Wie euch Christus auffgenommen, Christus, welcher als ein Knecht Der Beschneidung gab ihr Recht Und sie ließ an sich erfüllen, Umb der Warheit Gottes willen, Der Verheissung Grund zu sehn, Die den Vättern ist geschehn. Die Barmhertzigkeit zu weisen, Kan Gott auch ein Heyde preisen, Ob er schon, den er erhöht, Nicht kennt, wie geschrieben steht: Ich wil zu den Heyden bringen Deinen Namen und dir singen. Freut, ihr Heyden, euch ohn End', Als das Volck thut, das Gott kennt. Lobt den Herren, alle Heyden, Gar kein Volck soll sein Lob meiden. Jesaias stimmt auch ein: Es wird Jessen Wurtzel seyn; Er wird prächtig aufferstehen, Bey den Heyden sich erhöhen, Wird auch ihnen seyn ihr Liecht, Ihre Lust und Zuversicht. Gott, der Trost und Hoffnung giebet Und die Menschen hertzlich liebet, Schick' euch mit gewündschter Ruh Freud' und Fried im Glauben zu, Daß sein Geist euch recht regiere Und in wahre Hoffnung führe, In die Hoffnung, welche steht, Wann schon alles untergeht. 3. Am dritten Advent 1. Corinth. 4. Auff den 101. Psalm Ich hab mir vorgesetzt vor allen Dingen. Darfür mag uns ein jederman erkennen, Daß wir mit Recht uns Christus Diener nennen. Der Höchste hat das, was kein Weltmensch schaut, Uns anvertraut. Er fordert uns allhier, ihm Hauß zu halten, Sein' Heimlichkeit und Sachen zu verwalten; Was aber sucht man bey Haußhaltern mehr, Als Treu und Ehr? Ich acht' es nicht, ob schon mich jemand richtet, Ob mich ein Mensch lobt oder auch vernichtet: Ich sage selbst, ihm sey gleich wie ihm wil, Von mir nicht viel, Ich habe zwar ein ehrliches Gewissen, Doch kan ich mich gerecht zu sehn nicht schliessen: Der Herr der ists, so das, was ich gethan, Recht richten kan. Drumb urtheilt nicht von unbekanten Dingen, Biß er, der Herr, sie an das Liecht wird bringen, Wird kund thun, was ein jeder Mensch für Rath Im Hertzen hat. Alsdenn wird er uns geben allzumalen, Den rechten Lohn mit gleicher Wageschalen Und Zahlung thun nach dem ein jederman Hat gut gethan. 4. Am vierten Advent 1. Philip. 4. Auff den 140. Psalm Errett mich, o mein lieber Herre. Nun freuet, freuet euch im Herren, Nun freut euch, sag ich, für und für; Zeigt euren Glimpff von nah und ferren, Sorgt nicht, der Herr ist bald allhier. Laßt eure Bitt im heissen Flehn Mit Danckbarkeit am Tage stehn, Laßt wahren Ernst und Eyffer sehen, Der Gott kan unter Augen gehn. Der Friede Gottes, der die Schrancken, Deß Witzes hinter sich läßt weit, Bewahr euch Sinn, Hertz und Gedancken, In Christo Jesu jederzeit. 5. Am H. Christtage Tit. 3. Auff den 92. Psalm Es ist ein billich Dinge. Das Gnadenliecht deß Herren Ist durch das schöne Zelt Der gantzen grossen Welt Erschienen weit und ferren; Es leuchtet unsern Wegen, Heist uns der Wercke Schein, Dem Gott pflegt feind zu seyn, Weit weg und von uns legen. Wir solln die Lust verlieren Zur Lust und Sicherheit, Mit Zucht und Frömigkeit, Mit Gottesfurcht uns zieren: In warer Hoffnung leben Auff Freud' und Himmelslust, Die jetzt noch unbewust Und Christus uns wird geben. Der Heyland ist gestorben Mit Langmut und Gedult Für unsre schwere Schuld, Und hat uns Gnad erworben, Die Hertzen so zu stercken, Zu machen frey und rein, Damit wir mögen seyn Geschickt zu guten Wercken. 6. Am Sontage nach dem Christtage Galat. 4. Auß den 74. Psalm Warumb verstößt du uns, o Herr, so gar. So lange Zeit ein Erbe bleibt ein Kind, So lange Zeit er geht auch Knechten gleiche, Muß unterthan, biß er die Zeit erreiche, Den Pflegern seyn, die ihm verordnet sind. Das rechte Ziel, in dem er Herr seyn kan Und seiner selbst, das kömpt nicht vor den Jahren; So bleiben wir, in dem wir Kinder waren, Den Satzungen ingleichen unterthan. Als aber ward die Zeit herumb gebracht, Hat Gott gesandt selbst seinen Sohn auff Erden, Ihn gleich wie uns geboren lassen werden Und dem Gesetz auch unterthan gemacht. Jetzt sind wir gantz von dem Gesetze frey Dieweil sein Sohn es hat auff sich genommen Nach dem er ist in unser Mittel kommen Und will, daß nun die Erbschafft unser sey. So höret denn, wißt, daß ihr Kinder seyd, Gott lässet euch die Erbschafft nun gewinnen Und schickt den Geist deß Sohnes euren Sinnen, Der jetzt daselbst o Abba, Vatter, schreyt. Nun bleibet ihr nicht Knechte nach der Zeit, Seyd Kinder nur, so daß ihr Gottes Erben, Durch Gottes Sohn, der einig kunt' erwerben Die Kinderschafft, den rechten Heyland, seyd. 7. Am Neuen Jahrstage Tit. 3. Auff den 93. Psalmen Gott als ein König gewaltiglich regiert. Gott, unser Heyl, hat seine Freundligkeit Mit vollem Glantz erzeiget weit und breit, Hat lassen sehn der grossen Güte Macht, Wo Abend ligt und wo die Sonn' erwacht. Es macht kein Werck und sterblichs Thun gerecht, Denn was verdient ein Mensch, ein armer Knecht? Und thut er gleich, was er vermag und kan, So hat er doch vor Gott noch nichts gethan. Was selig macht, das ist Barmhertzigkeit, Die unser Gott mit reicher Hand verleiht. Der heil'ge Geist, deß neuen Lebens Bad, Ist diß, wormit er uns gewaschen hat. Er hat auff uns gegossen seinen Geist Durch Jesum Christ, der Heyland ist und heist; Desselben Gnad ist die uns selig macht, Durch die ein Mensch zum Himmel wird gebracht. 8. Am Sontage nach dem Neuen Jahre Zun Röm. am 3. Auff den 108. Psalm Dancksaget nun und lobt den Herren. Was das Gesetz heist, wie wir wissen, Das gehet nur die Hertzen an, So auff dasselbe sind beflissen Und ihm noch leben unterthan. Es muß kein Mund geöffnet werden, Die Welt muß gantz Gott schuldig seyn, Kein Mensch lebt auff der weiten Erden, Der durchs Gesetz' ist recht und rein. Hier ist Gesetze nicht vonnöthen; Wir kennen die Gerechtigkeit Auß dem Gesetz' und den Propheten, Die Gott beliebet jederzeit, Gerechtigkeit die Gott beliebet, Die von dem wahren Glauben kömpt, Die Gott demselben Menschen gibet, Der gläubt und seinen Sohn annimpt. Hier ist kein Unterscheyd zu mercken; Sie sind nur Sünder allzumahl, Sind böser Art in ihren Wercken, Ihr arges Thun ist ohne Zahl. Nicht einer kan vor Gott bestehen, Nur Christus pflichtet ihnen bey, Ihr Thun ist nichts und muß vergehen, Denn er macht sie auß Gnaden frey. Gott hat ihm selber fürgestellet Den Gnadenstul, das höchste Gut; Daß ihm nun was an uns gefället, Macht unser Glauben und sein Blut. Er löset uns, weil er uns liebet, Mit eygener Gerechtigkeit, Er macht, daß Gott die Schuld vergiebet, So auff uns lag noch dieser Zeit. Gott hat Gedult mit uns getragen, Der nie zu viel mit Straffen thut, Biß Christus frey uns kundte sagen, Und lösen umb sein theures Blut. Recht und gerecht in allen Sachen Ist Jesus und will in der That Gerecht auch diesen Menschen machen, Der rechten Glauben an ihn hat. 9. An der H. Drey König Tage Jesai. am 60. Auff den 6. Psalm In deinem grossen Zoren. Brich auff und werde Liechte, Laß gehn die Nacht zu nichte, Dein Liecht kömpt her zu dir; Die Herrligkeit deß Herren Gläntzt prächtig weit und ferren Und zeigt sich über dir. Zwar finster ist die Erde, Der armen Heyden Herde Ligt tunckel weit und breit; Dich hat der Herr, dein Leben, Dein Heil und Trost, umbgeben Mit grosser Herrligkeit. Die Völcker auff der Erden, So je beschienen werden Durchs klare Sonnenliecht, Die sollen dein Liecht kennen, Zum Glantze frölich rennen, Der auß der Höhe bricht. Heb auff, heb dein Gesichte, Das Volck folgt deinem Liechte, Die Welt kömpt gantz zu dir; Sie hat von dir vernommen, Die Söhn und Töchter kommen Und suchen deine Zier. Dein Hertze wird dir wallen, Wenn dir kömpt zu Gefallen Die Anzahl umb das Meer; Du wirst die Augen weiden Am Volcke deiner Heyden, So gantz dringt zu dir her. Es kommen alle Seelen Auß Esa mit Camelen, Mit Läuffern Midian; Gold wird dir Saba bringen Und Weyrauch; es wird singen Dein Lob ein jederman. 10. Am ersten Sontage nach der H. drey König Tage Zun Röm. am 6. Auff den 13. Psalm Wie lang wilt du, o lieber Herr. Durch unsers Gottes Gütigkeit, Die über uns schwebt jederzeit, Vermahn ich euch, o lieben Brüder, Bewahret euren Leib und Glieder, Mit denen ihr umbhüllet seyd. Laßt sie ein reines Opffer seyn, Thut weg der falschen Wollust Schein, Entsagt den schnöden Sachen allen; Wolt ihr dem Höchsten wolgefallen, So räumt ihm Leib und Sinnen ein, Gleicht euch nicht dieser eiteln Welt, Die nichts vom Himmel in sich helt; Verneuret eure gute Sinnen, Wolt ihr, was Gott euch heist, beginnen Und leben, wie es ihm gefällt. Er hat die Gnade mir gethan, Daß ich darff sagen jederman, Er solle sich nicht mehr erheben Als ihm ist Maß und Ziel gegeben Von ihm, der alles geben kan. Ein jeder halte ja von sich In rechter Demut mässiglich, Nach dem Gott seines Glaubens Gaben, Den wir von ihm nur einig haben, Getheilt hat unter mich und dich. Der Seelen Hauß, der Leib, ist wol Von Bein, Haut, Blut und Adern voll, Von Gliedern schön und außerlesen, Doch hat ein jedes Glied sein Wesen, Dem es genug thun muß und soll. So sehn wir, daß es sich befind, Daß wir ein Leib in Christo sind Und Glieder, die deß Geistes Gaben Von unterschiednen Kräfften haben, Nach dem uns Gott die Gnade gönnt. 11. Am 2. Sontag nach der H. drey Könige Tage Zun Röm. am 12. Auff den 61. Psalm Thu, Herr mein Geschrey erhören. Es sind unterschiedene Gaben Die wir haben, Nach der Gnade, die Gott giebt; Der, dem er zu Propheceyen Will verleyhen, Schaue, daß er es recht übt. Wer ein Ampt hat, welcher lehret, Dem gehöret, Daß er sehe fleissig zu. Wer ermahnt, gibt und regieret, Dem gebühret, Daß er alles hertzlich thu. Wer Barmhertzigkeit erzeiget, Sey geneyget, Daß er ungezwungen sey Liebe weiß mit falschen Sachen Nichts zu machen: Lebet recht, legt arges bey. Lieb auß brüderlichem Hertzen Kan nicht schertzen, Ist ohn allen falschen Schein. Schaut, daß ihr einander ehret, Als gehöret; Nichts an euch soll träge seyn. Laßt den Geist euch brünstig leiten, Kennt die Zeiten, Hofft und duldet; betet viel. Tragt mit heil'ger Noth Erbarmen: Herbrigt Armen, Segnet, der euch übel will. Freut euch, wenn sich and're freuen, Weint in Treuen Wenn ihr bey Betrübten seyd, Uebt euch, daß ihr gleiche Sinnen Mögt gewinnen, Hasset Pracht, liebt Nidrigkeit. 12. Am dritten Sontage nach der H. drey Könige Tage Zun Röm. am 12. Auff den 114. Psalm Da Israel zog auß Egypten-Land. Meint nicht, ihr habt der Klugheit gar zu viel, Auch dencket nicht, den der euch übel will, Mit Uebel zu belohnen: Laßt Erbarkeit sehn gegen jederman, Schaut alle Welt, so viel es nur seyn kan, Mit Zancke zu verschonen. Nicht rechet euch, laßt Gott die Rache hin, Daß er, der Herr, zur Straffe könne ziehn Die Böses auff euch dencken; Im Fall dein Feind von wegen Hungers klagt, So mach' ihn satt; wenn er nach Trancke fragt, So solstu ihn auch träncken. Wenn du diß thust und gibest ihm vollauff, So wirstu du auch auff seinen Kopff hinauff Wie heisse Kohlen bringen; Nicht räume du dem Bösen zu viel ein, Ist Böses starck, laß Gutes stärcker seyn Und alles Arge zwingen. 13. Am vierdten Sontage nach der H. drey König Tage Zun Röm. am 13. Auff den 39. Psalm Das, was ihr solt einander schuldig seyn, Sey Lieben ohne falschen Schein; Wer Liebesgunst mit Liebesgunst vergielt, Der hat schon das Gesetz erfüllt. Die Liebe bleibt, sie ist es, die der Welt Und auch dem Himmel selbst gefällt. Gott der befihlt: Gedenck' an Ehespflicht, Verlaß sie, tödt' und stihle nicht, Es komme dir kein falsches Zeugniß ein, Laß Lust zu frembden Sachen seyn. Diß thun versteht in diesem Worte sich: Den Nechsten lieb' als selber dich. Die Satzungen, so du zu halten hast, Sind in's Wort Lieben eingefast. Die Liebe liebt mit Treuen jederman, Kein Böses wird von ihr gethan. Er setz' ihm für der rechten Liebe Ziel, Wer das Gesetz erfüllen will. 14. Am fünfften Sontage nach der H. drey Könige Tage Coloss. 3. Auff den 1. Psalm Wer nicht mit den Gottlosen geht zu Rath. Dencket und erwegt, o Brüder, jederzeit, Daß ihr erwehlt und Liebste Gottes seyd; Seyd nicht verstockt, betrachtet, daß wir Armen Gebrechlich sind; tragt hertzliches Erbarmen, Liebt Freundligkeit, Gunst, Demut und Gedult Und übertragt deß Nechsten seine Schuld. Wenn jemand schon mit Rechte klagen kan, Jedoch vergebt, wie Christus euch gethan; Last aber euch für andern Sachen allen Auff dieser Welt die Liebe wolgefallen, Sie ist das meist', ist der Vollkommenheit Ihr starckes Band und währt in Ewigkeit. Laß euch ja lieb den Frieden Gottes seyn, Reumbt danckbar ihm Gemüth' und Sinnen ein, Wo euch soll Gott, die Liebe selbst, belohnen. Laßt Christus Wort ja reichlich bey euch wohnen, Denckt, wie ihr euch ermahnet, führt und lehrt, Zu Gottes Lob', als Brüder angehört. Schaut zu, daß ihr dem Herren Psalmen singt, Daß eure Stimm hoch an die Wolcken dringt, Regt Hertz und Mund, laßt schallen hin und wider Deß Herren Ruhm, die himmelsüssen Lieder, Und alles das, so wird von euch gethan, Das fangt mit Danck' in Jesu Namen an. 15. Am Sontag Septuagesimä 1. Corinth. 9. Auff den 30. Psalm Ich will dich preisen, Herre Gott. Ihr wisset, daß zwar ihrer viel In Schrancken lauffen an das Ziel, Doch einem, der zu erste kömpt, Ist einig nur der Danck bestimpt. Ihr Brüder, lauffet auch ingleichen, Daß ihr das Kleinod mögt erreichen. Ein Kämpffer, welcher siegen will, Der meidet, thut und leidet viel, Damit er kriege durch den Streit Die Krone falscher Herrligkeit; Wir sollen nach der Krone stehen, Die nimmermehr nicht kan vergehen. Ich lauffe wol ingleichen hin, Doch so, daß ich versichert bin; Ich fechte nicht wie mancher pflegt, Der fehlt und in die Lüfften schlägt. Ich zähme mir Leib, Hand und Füsse, Daß ich nicht lehr' und selbst nichts wisse. Wißt, daß der alten Vätter Schar, Gantz unter einer Wolcken war, Als Moses gieng vor ihnen hin Und ließ sie durch die Wellen ziehn. Sie wurden in dem gantzen Heere Getaufft mit Wolcken und dem Meere. Ihr Brod und Tranck war Himmelskost, War weit von schnöder Menschenlust; Der Felß, der sie geträncket hat War Christus; doch an vieler That Hat Gott gehabt ein Mißbehagen Und in der Wüsten sie geschlagen. 16. Am Sontage Sexagesimä 2. Corinth. 2. Auff den 2. Psalm Worauff ist doch der Heyden Thun gestellt. Weil ihr seyd klug, ihr Brüder, und bedacht, So duldet ihr gar weißlich auch die Thoren; Wenn jemand schon euch gar zu Knechten macht, So hört ihr ihn mit nicht erzürnten Ohren. Ihr leidet Geitz und Diebstal, ihr vertraget, Trotzt einer euch, schlägt euch ins Angesicht. Diß red' ich so, als wie die Welt zwar saget, Die nach dem Schein' ihr Urtheil von uns spricht. Wo je ein Mensch was Rühmlichs an sich find, So trotz' ich auch auff meinen guten Namen; Ich bin so wol, wie sie Ebreer sind, Auß Israel und Abrahams sein Samen. Und sind sie gleich auch Diener Christ deß Herren, So bin ich mehr. Gefängniß, Schläge, Noth, Viel Müh hab' ich erlitten weit und ferren, Hab' offt gesehn vor Augen meinen Todt. Wol viertzig Streich' ohn einen an der Zahl Hab' ich fünff mal vom Jüdenvolck ertragen; Ich bin darzu gesteinigt auch ein mal, Man hat drey mal mit Ruten mich geschlagen. Ja Schiffbruch hab' ich drey mal auch erlitten, Hab' umb mich her gesehn das wilde Meer, Mit Wellen, Sturm' und rauer Lufft gestritten, Hab' offt und viel gereiset hin und her. Ich muß viel Noth umb Stätte, Pusch' und Flut, Muß Fehrligkeit bey Mördern, Jüden, Heyden, Müh, Hitze, Frost, Durst, Hunger, Schweiß und Blut, Groß Wachen, List und falsche Brüder leiden. Zu diesem werd ich täglich angelauffen, Es dringet gantz mir die Gemeine zu, Ich bin bemüht für ihren grossen Hauffen, Ihr wol zu seyn verlier' ich meine Ruh'. Wer ist nun schwach? Ich werd' es aber nicht; Wer ärgert sich? Ich pflege nicht zu brennen. Wo jemand mir den Ruhm für billich spricht, So will ich nichts als meine Schwachheit nennen. Der alles weiß, weiß, daß ich nicht will liegen. Es wolte mich in der Damasker Statt Deß Königes Areten Landvogt kriegen, Als wie er denn mich fast ergriffen hatt; Da ließ man mich zur Mauren abwärtshin In einem Korb', auff daß ich so entgangen Und auß Gefahr vom Feinde kommen bin, Daß seine List mich nicht hat können fangen. Mein grosser Ruhm, wiewol ich nichts erdichte, Der nützet zwar mir gantz nicht in der That, Doch will ich noch erzehlen ein Gesichte, Das mir der Herr geoffenbahret hat. Es ist ein Mensch in Christo mir bekandt, Ob dieser auch vor zwey mal sieben Jahren Zu einer Zeit im Leibe sich befand, Das weiß nur Gott, ich hab es nie erfahren, Ich weiß es nicht, ob er auch war darinnen. Er ward entzuckt in dritten Himmel hin, Ich kenn' ihn zwar; was wir nicht wissen können, Das weiß nur Gott, denn ich zu wenig bin. Er war entzuckt biß in das Paradeiß, Wohin niemand vor seinem Tod' ist kommen, Da hat er was, darvon kein Mensch nicht weiß, Noch wissen kan und können soll, vernommen. Was diß belangt, so kan ich wol mich wagen Zu rühmen das, so mir gezeiget ward. Im übrigen vermag ich nichts zu sagen, Als einig nur von meiner schwachen Art. Drey mal bat' ich: O Herr, nim ihn doch hin; Er aber sprach: Laß dir daran genügen, Daß ich so gut, so mild und gnädig bin; Ich mache starck die, welche niederliegen. Drumb will ich auch mich rühmen keiner Sachen Und sage nur: Ich habe nichts gethan, Daß Christus Krafft hier ihre Wohnung machen Und ihren Sitz in mir behalten kan. 17. Am Sontage Quinquagesimä 1. Corinth 13. Auff den 3. Psalm Wie viel sind der, o Herr. Hett' ich Beredtsamkeit Der Menschen weit und breit, Wenn ich wie Engel redte, Doch were solche Zier Ein nichtigs Thun bey mir, So ich nicht Liebe hette. Es were nur ein Thon, Der kömpt und fleucht darvon, Im Fall ein Ertz erklinget, Nur einer Schellen Schall, Die mit vergebnem Hall' Uns in die Ohren dringet. Weissagt' ich recht und wol, Wer' aller Gaben voll Und köndte Berge regen Durch meines Glaubens Krafft, So würde nichts geschafft Der Liebe Mangel wegen. Ließ ich den Armen hin, Das was ich hab' und bin Und liebe nicht von Hertzen, So würd' es allen seyn Nichts als ein blinder Schein, Ein blosser Schimpff und Schertzen. Die Lieb' ist jederzeit Begabt mit Freundligkeit, Läst bösen Eyfer bleiben; Die Liebe schalcket nicht, Sie denckt an ihre Pflicht, Kan nicht viel von ihr schreiben, Nicht ungebärdig seyn, Sie läst den Geitz nicht ein, Läst sich nicht zornig machen, Kan nicht nach Schaden stehn, Weiß auch nicht umbzugehen Mit ungerechten Sachen. Der Warheit ist sie huld, Gläubt, hofft, und trägt Gedult; Drumb wird sie auch bestehen, Die wahre Liebesbrunst, Wenn Sprachen, Witz und Kunst Und alles wird vergehen. Deß Menschen Müh und Fleiß, Das was er kan und weiß, Ist Stückwerck nur zu nennen; Man wird es nach der Zeit, Wenn die Vollkommenheit Wird angehn, nicht mehr kennen. Ich, als ich war ein Kind, War kindisch auch gesinnt Und that was Kinder machen: Nach dem ich ward ein Mann, Da hab' ich weg gethan Der Jugend leichte Sachen. Es siht jetzt unser Sinn Durch einen Spiegel hin, Steht weit vom rechten Liechte; Hernach ists also nicht, Man wird das Angesicht Recht sehn zu Angesichte. Was ich jetzt sehen kan, Ist Stückwerck umb und an In unsrer Schwachheit Orden; Nach dieser Zeiten soll Ich's kennen recht und wol, Wie ich erkandt bin worden. Was aber uns anjetzt Am allermeisten nützt, Ist Glauben, Hoffen, Lieben, Das Lieben sonderlich, In dem ein Hertze sich Soll besten Fleisses üben. 18. Am Sontage Invocavit 2. Corinth. 6. Auff den 148. Psalm Nun lobt den Herren allzugleich. Sinnt nach, ihr Brüder, und bedenckt, Warumb euch Gott die Gnade schenckt. Er spricht: In angenehmer Zeit Hört' ich dich an mit Gütigkeit; Der Tag deß Heiles war verhanden, So bin ich dir auch beygestanden. Der Tag deß Heiles ist jetzt hier, Die rechte Zeit steht vor der Thür. Seyd alles Ergernisses frey, Daß unser Ampt ohn Tadel sey; Zeigt mit der That an jederzeit, Daß ihr deß Höchsten Diener seyd. Erlernet mit Gedult verlachen Angst, Trübsal, Unlust, Kercker, Wachen, Müh, Auffruhr, Schläge, Hungersnoth, Und wo was mehr ist als der Tod. Seht, daß ihr eine Keuscheit liebt, Erkäntniß eures Gottes übt, Der Liebe, Langmut, Freundligkeit, Im heil'gen Geist' ergeben seyd. Sagt frey herauß das was ihr wisset, Weil ihr deß Herren Krafft geniesset; Gerechtigkeit sey euer Schildt, Für dem kein feindlichs Waffen gilt. Es sage gleich der Welt Verstand, Ihr seyd Verführer, unbekandt, Müßt todt, gezüchtigt, traurig seyn, Seyd arm, habt nichts als Noth und Peyn, So wird euch Gott doch Zeugniß geben, Er kennt euch, läst und schützt das Leben, Macht, daß ihr reich und frölich seyd, Habt alles innen weit und breit. 19. Am Sontage Reminiscere 1. Thess. 4. Auff den 102. Psalm Mein Gebett, o Herr, erhöre. Ich ermahn' euch jetzund wieder In dem Herren, liebste Brüder, Laßt auß euren Hertzen nicht, Was für guten Unterricht Wir euch haben mitgegeben, Wie ihr sollet thun und leben, Auff daß ihr noch hier auff Erden Möget mehr als irrdisch werden. Denckt für andern Sachen allen Gott dem Höchsten zu gefallen, Wie ihr denn wol habt gehört, Daß wir treulich euch gelehrt, Daß ihr unsers Herren Willen Müst bedacht seyn zu erfüllen, Müst die Wercke von euch legen, Die uns seinen Zorn erregen. Er befihlet zu vermeyden Ueppigkeit und schnöde Freuden; Ihm ist böse Liebeslust Vor den Augen Koth und Wust; Darumb solt ihr nicht versehren Euren Leib, das Faß der Ehren, Wie die blinden Heyden brennen, Die noch Gott noch Himmel kennen. Niemand gehe falsch im Handeln, Will er für dem Herren wandeln: Denn er schickt in alles Land Seine Rach und starcke Hand. Unsrer Sinnen schöne Gaben, Die wir einig von ihm haben, Sind uns nicht umbsonst gegeben, Sondern wol und recht zu leben. 20. Am Sontage Oculi Ephes. 5. Auff den 100. Psalm Ihr Völcker auff der Erden all. So thut nun was das höchste Gut, Der Vatter, o ihr Kinder, thut, Daß ihr ein solches Leben übt, Wie Christus selbst euch hat geliebt. Er hat sich freudig dargestellt, Für euch und für die gantze Welt, Hat uns in Gottes Huld gebracht, Zur Gab' und Opffer sich gemacht. Schaut, daß ja ferren von euch sey Geitz, Ueppigkeit und Hurerey; Die Ehr' und Zucht sey euer Ziel, Wie Heiligen gebüren will. Kein grober Schertz noch schandbars Wort Soll finden bey euch Statt und Ort; Laßt euer Hertz' ohn argen Schein Dem Höchsten einig danckbar seyn. Denn der, so Hurenwesen liebt, So götzenknechtisch Wucher übt, Der siht das grosse Gnadenliecht In jenem andern Leben nicht. Braucht jemand falscher Worte Schein, So räumet ihm den Sinn nicht ein, Denn Gottes Eyffer der entbrennt Ob dem, der seine Macht nicht kennt. Bedenckt die Irrung vor der Zeit, Die ihr ein Liecht im Herren seyd, Und strauchelt nunmehr weiter nicht, Weil euch noch Weg noch Liecht gebricht. Deß Gnadengeistes reiche Frucht Ist Güte, Warheit, Recht und Zucht; Diß sollen wir haben in gemein, Im Fall wir wollen Brüder seyn. 21. Am Sontage Lätare Galat. 4. Auff den 104. Psalm Wach auff, mein Seel, und sag dem Herren wol. Erzehlet mir, ihr, derer Rede geht, Daß ihr wol kennt, was im Gesetze steht, Und pfleget euch allzeit darmit zu üben; Wißt ihr, was sey vom Abraham geschrieben? Die Magd bracht' ihm den einen an das Liecht, Den andern Sohn der Freyen Ehepflicht, Der von der Magd ist fleischlich nur geboren, Den andern hat ihm Gottes Gunst erkohren. Man muß diß Wort nicht schlagen durch den Wind; Denn solches hier zwey Testamente sind. Was knechtisch ist, das ist von Sina kommen, Hat seinen Stamm von Agar her genommen, Von Agar her, der Sina wird genennt, Und anders Land vom heil'gem Salem trennt, Der fast das Liecht kan mit den Klippen hindern Und unterthan doch ist sampt seinen Kindern. Jerusalem das aber droben steht, Ist frey, ist uns zur Mutter außerkiest, Als wie denn steht: Wil gleich kein Mensch nicht hoffen, Gebierst du nicht, noch solst du dennoch ruffen: Der einsamb lebt, wird mehr durch Gott belohnt, Mehr kinderreich, als die der Mann bewohnt, Wie Gott versprach; so sind wir nun gebohren Von Isaac, sind nicht unaußerkohren. Doch wie zur Zeit der, so vom Fleische kam, Den Geistes-Sohn in Haß und Feindschafft nam, So ist's jetzt auch. Jedoch was wird gelesen? Stoß auß Magd, Sohn, ihr Thun und gantzes Wesen. Soll der Magd Sohn der Freyen gleiche gehn, Mit ihrem Sohn' in einer Erbschafft stehn? O nein, gewiß; nun sind wir, liebsten Brüder, Nicht von der Magd; wir sind der Freyen Glieder. 22. Am Sontage Judica Zun Hebr. am 9. Auff den 146. Psalm Meine Seel mit allem Fleisse. Christus ist auff Erden kommen, Hat ein hohes Priesterthumb Unter seine Pflicht genommen Ueber Güter, derer Ruhm Ferren von Vergängligkeit Blühen wird in jener Zeit. Seine heilig-schöne Hütte Ist gemacht nicht mit der Hand; Kälberfleisch und Bockgeblüte Wird umbsonst vor ihm verbrandt: Er erwirbt das höchste Gut Durch sein eygnes werthes Blut. Denn wo Blut von Vieh und Böcken, Wo die Asche von der Kuh Kan der Menschen Mackel decken Und sich dringt dem Himmel zu, Was verdient nicht durch sein Blut Christus, aller Güter Gut? Er hat selbst sich hingegeben Für die Sünde dieser Welt, Daß wir möchten heilig leben; Er hat kräfftig abgestellt Durch das neue Testament, Das, was Gott und Menschen trennt. Er hat, weil er ist gestorben, Dem, was an uns sterblich war, Leben, Trost und Gnad' erworben; Nun wird die beruffne Schar, Erbe sein nach dieser Zeit Der gewündschten Seligkeit. 23. Am Palm-Tage Phil. 2. Auff den 87. Psalm Gott seine Wohnung und sein Habitackel. Ein jeder soll wie Christus Sinnes werden, Der, ob er schon war göttlicher Gestalt, Hielt er's doch nicht für Raub noch für Gewalt, Gott gleiche seyn und ähnlich auch der Erden. Die Güte hat sein' Hoheit überwunden, Er ward ein Knecht, ein armes Menschenkind, Nam unser Fleisch, ward gantz wie wir sonst sind, Geberd' und Thun ward menschlich an ihm funden. Er hat das Kleid der Niedrigkeit genommen, Hat seinen Thron der Ehren lassen stehn, Für uns're Schuld zum Tode wollen gehn, Ein Opffer seyn und an das Creutze kommen. Drumb hat ihm Gott den Namen auch gegeben, Der Herrligkeit, für dem der Himmel Heer Neigt seine Knie, was Erde, Lufft und Meer In sich beschleust und unter uns kan leben. Es muß ihn nun, was Athem hat, erkennen, Was lebt und schwebt muß sagen recht und frey, Daß Jesus Christ ein Herr der Herren sey, Man muß ihn Gott zur Ehre Gottes nennen. 24. Am Grünen Donnerstage 1. Chorinth. 2. Auff den 46. Psalm Zu Gott wir unser Zuflucht haben. Vom Herren hab' ich es bekommen, Was ihr von mir habt angenommen, Dann Jesus in derselben Nacht, Eh er gefangen ward gebracht, Das Brod mit Dancken hat gebrochen Und seine Jünger angesprochen: Diß ist mein Leib; nemt hin und eßt, Darmit ihr meiner nicht vergeßt. Den Kelch nam er hernach ingleichen, Ihn auff das Abendmal zu reichen, Sprach: Dieser ist in meinem Blut Das neue Testament; diß thut, Mich, wann ihr trinckt, nicht zu vergessen. Ihr solt, so offt ihr diß Brod essen Und trincken werdet diesen Wein, Deß Herren Todtes indenck seyn. So sehet euch nun für und wisset, Daß wer nicht würdig trinckt und isset, Der schertzt deß Herren Leib und Blut. Drumb schau' ein jeder, was er thut; Dann welcher nur auß böser Weise Nimbt diesen werthen Tranck und Speise, Der trinckt und isst für Wein und Brod Ihm selber das Gericht' und Todt. Drumb müsst ihr Theiles Kranckheit haben Und Theiles ligt ihr auch begraben, Müsst vor der Zeit hierumb darvon; Jedennoch, ob wir jetzund schon Durch's Herren Hand gezüchtigt werden, So strafft er darumb hier auff Erden, Dieweil er uns nicht richten mag, Wie sonst die Welt, auff jenen Tag. 25. Am Charfreytage Esa. 52. 53. Auff den 51. Psalm Herr Gott, nach deiner grossen Gütigkeit. Merck auff, mein Knecht wird nicht mehr Elend seyn, Er wird sein Haupt für aller Welt erhöhen, Wird für und für in vollen Ehren stehen, Der zwar zuvor hatt einen schlechten Schein; Wenn mancher sich hoch ärgern über dir Und sagen wird, daß nichts auff aller Erden So scheußlich sey, daß gar kein Mensch allhier Dem Ansehn nach so häßlich könne werden. Er aber wird sich machen klar und kundt Den Heyden selbst und seine Schönheit zeigen; Die König' auch die sollen für ihm schweigen, Verwundert stehn, nicht öffnen ihren Mund. Wer sonst von ihm nie worden ist gelehrt, Wird Freude sehn an seinen grossen Wercken: Was niemand nicht hat für der Zeit gehört, Das werden sie mit stillen Ohren mercken. Wer aber ist's, der unser Wort annimpt? Wem bleibt der Arm deß Herren unverborgen? Er springet auff, als wie ein Kraut zu Morgen Und schwaches Reiß auß dürrem Boden kompt. Sein Ansehn war sehr ungestalt und arg, Man sah' ihn fast für Qual und Pein verschmachten, Daß auch viel Volck sein Antlitz für ihm barg Und wolte nicht im minsten seiner achten. Jedennoch nam er uns're Kranckheit an, Er lud auff sich die Bürden unsrer Schmertzen; Noch waren wir der Meynung in dem Hertzen, Es hett' ihm Gott diß Leiden angethan. Wir sind es selbst, was ihn verletzet hat, Für unsre Schuld hat er die Angst empfunden, Uns wol zu thun trug er die Missethat, Wir sind geheilt durch seine theure Wunden. Wir waren irr, wir lieffen her und hin, Nach unsrer Lust, mit unbedachtem Rennen, Wie Schaffe thun, so keinen Hirten kennen, Doch warff der Herr die Sünden gantz auff ihn. Er hat sich nie geweigert seiner Pein, Als wie man sieht ein Lamb zur Schlachtbanck kommen Und wie ein Schaff gedültig pflegt zu seyn, Wann etwan ihm die Wolle wird genommen. Er aber ist errettet auß der Noth. Wer ist der Mensch, der seine Zeit nun zehlet? Er ward geplagt, ward für mein Volck gequelet, Für dessen Schuld gieng er auch in den Todt. Man übergab ihn der Gottlosen Schar, Deß reichen Hand, der ihn hatt tödten sollen, Weil kein Betrug in seinem Munde war, Der Herr hat ihn mit Kranckheit martern wollen. Nun er dann nie gedacht zu wiederstehn Und willig sich zum Opffer hat gegeben, So wird hernach sein Samen immer leben, Deß Herren Werck durch seine Hände gehn. Er wird schon sehn nach kurtzer Zeit Gedult Die beste Lust, die Füll' in allen Sachen. Mein Knecht der wird die andern, derer Schuld Er auff sich nimpt, wie sich gerecht auch machen. Drumb will ich ihn mit Herrligkeit und Pracht, An reicher Beut' und Gaben hoch erheben, Will grossen Raub ihm außzutheilen geben Mit seiner Schar, die er gerecht gemacht, Dieweil er sich dahin gelassen hat, Ist in die Zahl der Bösen selbst getretten, Hat sich beschwert mit frembder Missethat Und für die Schuld der Sünder noch gebetten. 26. Am H. Oster-Tage 1. Corinth. 5. Auff den 12. Psalm Bewahr mich Herr, thu mir zu Rettung kommen. Fegt ab von euch den Sauerteig der Erden, Den Sauerteig der alten bösen Zeit, Auff daß ihr so ein neuer Teig mögt werden, Als wie ihr dann auch ungesäuert seyd. Das Osterlamb, das Opffer, so wir haben, Ist Christus selbst, geschlachtet für die Welt, Drumb lasset uns die Seele mit ihm laben, Laßt uns auch sein den Teig, der ihm gefelt. Damit ihr mögt die neuen Ostern halten, So seyd auch neu und werdet nach der Zeit Ein neuer Teig, nemt für den sauern alten, Den süssen Teig der Lieb und Lauterkeit. 27. Am Ostermontage Actor. 10. Auff den 135. Psalm Lobt deß Herren werthen Nam. Petrus, Gottes treuer Knecht, That den Mund auff und fieng an: Nun erfahr ich wol und recht, Daß der Herr nichts ansehn kan Und ohn Unterscheyd sich gibt Dem, der from ist und ihn liebt. Seine Predigt ist bekandt, Seinen Frieden, wie ihr wißt, Hat er Israel gesandt, Durch den Herren Jesum Christ, Welcher uns und alle Welt Unter seinem Zepter helt. Wie Johannes hat gelehrt Von der Tauff und Gnadenzeit, Ward das Trostwort angehört Durch Judea weit und breit, Fieng in Galilea an, Das hiervon noch sagen kan. Jauchtze, Nazarener-Land, Jesus, deine Zier und Pracht, Ward gesalbt von Gottes Hand, Mit deß heil'gen Geistes Macht, Mit den Kräfften, die allein Gott zu geben müglich sein. Er ließ weit durch Land und Meer Hören seinen weisen Mund, Zohe ferren hin und her, Machte kranckes Volck gesund, Er vertreibt der Teuffel Schar, Weil Gott selber in ihm war. Wir, die er geliebet hat, Haben selber angesehn Die berümbte Wunderthat, So durch seine Krafft geschehn; Es ist dir, Judeerlandt, Dir, Jerusalem, bekandt. Zwar man hat ihn umbgebracht, An ein schmälichs Holtz gestreckt, Dennoch hat ihn Gottes Macht, Auff den dritten Tag erweckt; Nicht der Pöfel, wir allein Können dessen Zeugen seyn, Wir, die vorerwehlte Schar, Unter der er für und für Nach der Aufferstehung war, Lebte, tranck und aß mit ihr. Nun hat er uns außgesand, Diß zu lehren alles Landt. Er soll richten, was noch lebt Und was schon ist für uns hin; Ihr Propheten selber gebt Wares Zeugniß, daß durch ihn, Wer an ihn gläubt recht und wol, Aller Sünden frey sein soll. 28. Am Osterdiensttage Actor. 13. Auff den 134. Psalm Ihr Knecht deß Herren allzugleich. Ihr Männer, Abrahams Geschlecht, Das Gott lieb hat und helt sein Recht, Ihr habt deß Heiles Wort erkand, Es ist zu euch herab gesand. Jerusalem verstand, es nicht, Den Häuptern schiene zwar diß Liecht, Jedoch fand der Propheten Wort Bey ihnen weder Zeit noch Ort. Drumb haben sie es auch vollbracht Mit ihres Urtheils blinder Macht, Der Todt ward durch sie zuerkand Dem, den man ohne Schuld befand. Nach dem sie ihn zum Creutz' erhöht, Als wie von ihm geweissagt steht, So namen sie ihn da herab Und legten seinen Leib in's Grab. Er aber ist durch Gottes Macht Vom Tode wieder auffgewacht, Hat seiner Schaar sich selbst gezeigt, Die solches billich nicht verschweigt. Den Trost, der vormals ist geschehn Den Vättern, haben wir gesehn: Wir wissen, daß nun allbereit Verhanden sey die Gnadenzeit. Gott hat uns Jesum aufferweckt, Hat unsre Sünden zugedeckt Und die Verheissung so erfüllt, Daß kein Todt weiter bey uns gilt. 29. Am Sontage Quasimodogeniti Johan. im 20. Auff den 49. Psalm Hört zu, ihr Völcker, fleissig Achtung gebt. Ein jedes Ding und Thun, so Gott gefällt Und auß ihm ist, das zwingt die schnöde Welt. Deß Glaubens Macht, der unsre Hertzen regt Und in uns wohnt, der hat die Welt erlegt. Wer aber ist's, der endlich siegen kan, Als welcher gläubt und Gottes Sohn nimpt an? Er ist mit Blut und Wasser zu uns kommen Und hat den Koth der Sünden angenommen. Es bringet uns das allerhöchste Gut, Nicht Wasser nur, er schencket auch sein Blut; So ist der Geist, der zeiget recht und frey, Daß reiner Geist auch reine Warheit sey. Geist, Wasser, Blut die drey sind auff der Welt, Durch welcher Krafft das Zeugniß wird bestellt. Mehr darff ein Mensch, der Siegesherr will werden, Kein Mittel nicht auff dieser weiten Erden. Die Menschen nimpt man ja zu Zeugen an, Wie viel mehr Gott, der nicht betriegen kan? Er weiset uns und unsern schwachen Sinn, Den er nur sterckt, zu seinem Sohne hin; Dem räume man Hertz und Gedancken ein, Im Fall man will im Felde Meister seyn. Wer feste glaubt und seiner Hand vertrauet, Hat schon genug worauff er sicher bauet. 30. Am Sontage Misericordias Domini 1. Petr. 2. Auff den 91. Psalm Wer in deß Allerhöchsten Hut. Bedenckt, ihr Brüder, jederzeit In euren rechten Hertzen, Worzu ihr wol beruffen seyd; Ertraget Noth und Schmertzen, Seht, wie doch Christus in der Welt Hat für uns leyden wollen, Sich als ein Fürbild dargestellt, Daß wir ihm folgen sollen. Bey ihm hat kein Betrug und Schuld, Kein falsches Wort gegolten; Er schweig und litte mit Gedult, Im Fall er ward gescholten; Ließ man ihm weder Rast noch Ruh, So dreut er doch mit nichten, Gab aber dem die Rache zu, Der einig recht kan richten. Der schweren Sünden Last und Schuld, Hat er für uns getragen, Hat seinen Leib aus grosser Huld An's Creutze lassen schlagen. Nun haben wir Gerechtigkeit Für unsre Schuld gefunden, Sind selig noch bey Lebenszeit Und Heil durch seine Wunden. Ihr waret wie der Schaffe Schar, Die irrend umb muß lauffen, Steht augenblicklich in Gefahr Für wilder Thiere Hauffen, Eilt müde, krafftloß und beschwert Durch Berge, Püsch' und Hölen, Nun seyd ihr frey, seyd gantz bekehrt Zum Hirten eurer Seelen. 31. Am Sontage Jubilate 1. Petr. 2. Auff den 45. Psalm Mein Hertz will ein schön Gedichte. Wir sind allhier nur Bilger auff der Erden, Drumb solln wir auch also erfunden werden, Wie Frembde thun, die sich der Ehrbarkeit Für aller Welt befleissen jederzeit. Deß Fleisches Lust, die unsrer Seelen Gaben, Das werthe Pfand, das wir empfangen haben Von oben her, durch ihren bösen Schein In Irrthumb bringt, soll ferren von uns seyn. Führt ehrbars Thun und Wandel für den Heyden, Das keiner nicht die Augen könne weiden An eurer That, bringt Gutes an den Tag, Daß jederman Gott in euch sehen mag. Ihr sollt und must umb eures Hertzen willen, Was Obrigkeit verordnet, recht erfüllen, Sie sey auch hoch und nidrig, wie sie will; Hierauß ersiht man eures Lebens Ziel. Gott will und heist, ihr solt mit guten Sachen, Der Narren Maul zu Spott und Schanden machen, Als Gottes Volck. Ihr seyd ja freylich frey, Doch daß die Macht kein Schandendeckel sey. Die Brüder liebt, die Menschen sämptlich ehret Und förchtet Gott, deß Königs Willen höret. Seyd diesem auch, der bös' ist, unterthan Und nicht nur dem, der nichts als gut sein kan. Dann diß liebt Gott, wann einer übel träget, Das irrgend wird zu Unrecht auffgeleget. Es ist kein Lob, wer Streich erlitten hat, Die er verdient durch seine Missethat. Im Fall ihr wolt was Löblichs von euch sagen, So rühmet euch ihr könnet Böses tragen Für Gutesthun; diß Werck ist auff der Welt, Das Gott erheischt und das ihm wolgefällt. 32. Am Sontage Cantate Jacob. 1. Auff den 84. Psalm O Gott, der du ein Heerfürst bist. Was unser Glaube Gutes thut, So viel als nur an ihm ist gut, Das müssen wir von oben haben: Deß Liechtes Vatter, der uns liebt, Der Athem, Krafft und Leben giebt, Von dem sind alle rechte Gaben. Er wechselt und verkehrt sich nicht, Deß liechtes Herr, ja selbst das Liecht. Er hat uns lassen in die Welt, Hier unter seines Himmels Zelt, Nicht werden nur allein gebohren, Er hat uns auch zur Heiligkeit, Die für ihm bleibet jederzeit, Erzeuget und auffs neu erkohren: Er nimpt zum ersten von uns hin, Das Weltgemüt' und Menschen-Sinn. Darumb erkennt die gute That, Die er an euch erwiesen hat; Seyd schnell und fertig viel zu hören, Zu reden langsamb und bedacht, Deß Zornes ungezämbte Macht Laßt euer Hertze nicht bethören; Deß Menschen Zorn begehet viel, Was Gott nicht von uns haben will. So legt die Boßheit von euch weit, Laßt Liebe der Unsauberkeit, Die ihm ein Haß ist im Gesichte, Seht daß ihr das recht Wort erkiest, Das selbst in euch gepflantzet ist Von Gott, deß Lebens klarem Liechte; Nembt solches Wort mit Sanfftmut an, Das euren Seelen rathen kan. 33. Am Sontage Vocem Jucunditatis Jacob. 1. Auff den 112. Psalm Wol diesem Menschen, der den Herren. Es ist zu wenig das Wort hören, Man soll auch folgen seinen Lehren: Wer hört und dem nicht nach will kommen, Ist wie ein Mensch, der sich besiehet; Wann ihm der Spiegel wird genommen, So hat er sich umbsonst bemühet. Er gehet fort und muß in dessen Wie er gewesen sey vergessen. Wer seiner Freyheit Satzung höret, Ist ihr, so weit er soll, ergeben Und das vollbringet, was er lehret, Derselbe wird recht selig leben. Wer aber seine falsche Sinnen So weit bey ihm läßt Statt gewinnen, Daß er vermeint Gott recht zu ehren Und seine Zunge nicht kan zäumen, Der läst sich falschen Wahn bethören, Läst ihm umbsonst von Wercken träumen. Ein wahrer Dienst, der Gott beliebet, Dem er Gehör und Gnade giebet, Ist mild und gütig sein den Armen, Ist weisen Rath in Trübsal geben, Ist frommer Witwen sich erbarmen Und für der Welt unsträfflich leben. 34. Am Tage der Himmelfahrt Christi Actor. 1. Auff den 107. Psalm Dancket und lobt den Herren. Wie Christus aufferstanden Und nun entgangen war Deß finstern Todtes Banden, Zeigt' er sich seiner Schar, Ließ seine starcke Hand Noch viertzig Tage sehen; Man hat ihn wol erkandt Auß dem, was ist geschehen. Er sprach: Ihr Jünger, weichet Von Solyma hier nicht, Biß ihr die Tauff erreichet, Die Gott euch selbst verspricht; Die Zeit wird eylends seyn. Johannes hat genommen Das Wasser nur allein, Ihr sollt den Geist bekommen. Ihr werdet ihn empfangen Den Geist der Herrligkeit, Und solche Krafft erlangen, Die reiche weit und breit: Ihr sollt mir Zeugen seyn So weit der Bau der Erden Durch meinen Sonnenschein Erleuchtet pflegt zu werden. Mit diesem wolt' er enden, Biß eine Wolcke kam Und ihn auß ihren Händen Hin in den Himmel nam, Von da er nach der Zeit, Wie er ward auffgenommen, Mit grosser Herrligkeit, Und Macht wird widerkommen. 35. Am Sontage Exaudi 1. Petr. 4. Auff den 110. Psalm Der Herr zu meinem Herren hat gesprochen. Ihr müsset Gott euch rein und nüchtern bringen, Müst mässig seyn und nur am Glauben voll, Wann das Gebet hin durch die Wolcken dringen Und ihm sein Hertz auch kräfftig rühren soll. Last sonderlich die Liebe bey euch schweben, Sie heilt und deckt der Sünden Menge zu. Es ziemet sich, daß ihr solt gastfrey leben Und daß ein Mensch dem andern Gutes thu. Gott schencket uns nicht für uns selbst die Gaben, Er machet uns zu Wirten nur allein. Wir solln mit dem, was wir empfangen haben Von seiner Hand, einander dienstlich seyn. Wer reden will, der rede, was Gott lehret, Wer Aempter hat, der lege sie nicht bey, Also wird Gott durch Jesum recht geehret, Dem ewig Lob und Preiß gesaget sey. 36. Am heiligen Pfingsttage Actor. 2. Auff den 89. Psalm Ich will deß Herren Gnad lobsingen ewiglich. Als durch das schöne Liecht der Sonnen ward gebracht Der Pfingsten grosser Tag, kam eines Sturmes Macht Hoch auß den Wolcken her mit einem grossen Sausen, Das Hauß, das gantze Hauß ward zitternd von dem Prausen, In dem der Jünger Volck, die außerwehlten Scharen, In Hoffnung, in Gedult und Trost beysammen waren. Der Ort war lauter Glantz, voll Geistes ward das Hauß, Und ihre Zunge sah als Feuerflammen auß, Er goß sich selbst in sie, ihr Hertze ward gezwungen Zu melden Gottes Wort mit frembder Völcker Zungen, Mit Sprachen vieler Art, die sie kein Buch gelehret Und die ihr Ohr auch noch vor diesem nie gehöret: Das grosse Solyma, das Volck, so dieser Zeit Auß aller Welt da war versamblet weit und breit, Lieff gantz bestürtzt herzu und fund an einem Orte Der weiten Erden Sprach' und aller Länder Worte. Was ist es? sagten sie, wir hören ja mit Ohren Ein jeder seine Sprach', in der er ist geboren. Wir Parthyeer Volck, wir vom Hyrcaner Meer, Auß dir, o Medien, und wir vom Tigris her, Wir Cappadocier, wir Bürger in Judeen, Im Pont, in Asien, wir von Olympus Höhen, Beym engen Hellespont, wir im Pamphylier Lande Und wir Egyptier vom feisten Nilusstrande; Wir wohnen, Lybien, umb deinen heissen Sand, Uns hast, Cyrene, du geschickt, du Pferdeland, Uns Rom, die Frau der Welt, wir sind auß Creta kommen, Wir auß Arabien, noch werden wir vernommen. Wir sehn und können nun die Thaten Gottes hören, Vom Galileer Volck' in unsern Sprachen lehren. Diß Werck verwirte sie und nam die Hertzen ein: Viel trieben Spot darauß und legten auff den Wein Der frembden Sprachen Schuld. Deß süssen Weines Gaben War aber Himmelstranck, den sie empfangen haben Von dem, der Seel' und Leib versorgt mit allen Sachen, Der Geist auß blosser Welt, auß Wasser Wein kan machen. 37. Am Sontage Trinitatis Rom. 11. Auff den 113. Psalm Nun lobt den Herren, ihr sein Knecht. O selig ist ein solcher Mann, Der etwas nur von weiten kan Der Weißheit Gottes innen werden, Dieweil ihr Reichthumb höher geht, Als wo deß Himmels Spitze steht, Und tieffer als der Grund der Erden. Wem stellst du dein Gerichte für, O Vatter, daß du einig dir Für allen Menschen hast verborgen? Was kan der Sterblichen Verstand? Wer hat deß Herren Sinn erkand? Wer darff für seinen Rathschlag sorgen? Wer hat ihm etwas doch geschenckt, Der auff Vergeltung noch gedenckt, Die ihm hergegen jetzt gehöre? Diß alles ist und war vorhin Von ihm und in ihm und durch ihn, Ihm sey unendlich Preiß und Ehre. 38. Am 1. Sontage nach Trinitatis Johan. 4. Auff den 115. Psalm Nicht uns, nicht uns, o lieber Herr. Gott ist die Lieb' und wer daran sich helt, Der bleibt in Gott und thut was ihm gefällt, Er selbst wird in ihm schweben. Damit ihr auch auff jenen Tag besteht, So will er das, was eurer Lieb' abgeht, Von seiner Liebe geben. Wir hatten uns mit eigner Schuld verletzt, Diß läst er sein durch seine Gnad' ersetzt, Macht uns noch hier ihm gleiche. Lieb' hasset Furcht, und Furcht ist nie ohn Pein; Wer lieben will, der soll bemühet seyn, Daß Furchte von ihm weiche. Liebt hertzlich ihn, wie er mit uns gethan; Doch ist kein Mensch, der ihn recht lieben kan Und seinen Bruder hassen. Haßt einer den, der ihm für Augen geht, Wie soll er den, der im Verborgen steht, Nicht gleichfals auch verlassen? Wer Gott begehrt und läst den Nechsten seyn, Gibt nur von sich erlognen Hertzensschein: Er hat uns fürgeschrieben, Hat seiner Schar gesetzt ein solches Ziel, Da wer Gott liebt und lieb gehabt sein will, Auch soll den Bruder lieben. 39. Am 2. Sontage nach Trinitatis 1. Johan. 3. Auff den 96. Psalm Singt ein neues Lied dem Herren. Ihr dürffet euch gar nicht betrüben Weil wir das Thun der Welt nicht üben, Daß euch die Welt auch hast und krenckt; Das Leben wird uns jetzt geschenckt, Weil wir die Brüder wollen lieben. Wer nicht will nach dem Bruder fragen, Der pflegt ihn selber zu erschlagen; Nun sieht ein Mörder ewig nicht Deß andern Lebens schönes Liecht, Darff keine Himmels-Hoffnung tragen. Ließ doch der Herren Herr auch eben Für uns dahin sein eygnes Leben; So sollen nun ingleichen wir Das unsrig' auch gedultig hier Für unsre liebste Brüder geben. Hat jemand alles Gut der Erden Und sieht den Bruder in Beschwerden, Kennt, daß ihm Trost von nöthen thu Und schleust doch Hand und Hertze zu, Wie will ihm Gottes Liebe werden? O Kinder, wann ich euch soll rathen, So haßt der Liebe falschen Schaten, Liebt nicht mit Worten nur allein, Laßt eure Liebe scheinbar seyn, Durch wahren Mund und rechte Thaten. 40. Am 3. Sontage nach Trinitatis 1. Petr. 5. Auff den 38. Psalm Herr, zur Zucht in deinem Grimme. Stellet Gott heim eure Sachen, Laßt ihn machen, Räumbt ihm alle Sorgen ein: Er, der Herr, wird bey euch stehen, Euch erhöhen, Wann es seine Zeit wird seyn. Wie ein Löwe seine Klauen, Einzuhauen, Wan er tobet, fertig hat; Meint der Teuffel euch ingleichen Zu erreichen, Drumb wacht nüchtern frü und spat. Wann er brüllend' auff euch gehet, Bleibt und stehet, Werfft den Schild deß Glaubens für; Dencket, daß die treuen Glieder, Eure Brüder, Eben leyden als wie ihr. Euer Gott, der euch beruffen, Läst stets offen Seine reiche Gnadenthür: Es wird Stärcke, Krafft und Leben, Völlig geben: Ihm sey Ehre für und für. 41. Am 4. Sontage nach Trinitatis Rom. 8. Auff den 34. Psalm Ich will nicht lassen ab. Jech gläube recht und wol, Daß alles Leyden dieser Zeit, Nicht würdig sey der Herrligkeit, Die uns erfreuen soll. Was ist und werden mag, Was lebt und schwebt auff dieser Welt, Hat seine Hoffnung recht gestellt Auff jenen grossen Tag. Die Creatur sieht an, Wie sehr sie unterworffen sey, Sie hofft von dem zu werden frey, Was ihr wird angethan. Sie selbst soll auch wie wir Bekommen Glantz und klaren Schein, Soll Gottes Volcke dienstbar seyn, In einer neuen Zier. Sie sehnt sich immerdar Und sihet stündlich, ob dann nicht Verhanden sey ihr Tageliecht, Wie wir auch, Gottes Schar, Wir Schar deß Geistes, stehn Und warten embsig für und für, Ob die Erlösung gantz nicht schier Mit Freuden an will gehen. 42. Am 5. Sontage nach Trinitatis 1. Petr. 3. Auff den 133. Psalm Schau, wie so fein und lustig ist zu sehen. Ihr allesampt sollt haben gleiche Sinnen, Sollt freundlich sein, einander Gutes gönnen: Thut wol dem, der euch übel meint, Flucht jemand euch, so seyd ihm drumb nicht feind, Ja segnet ihm, weil sein Fluch nicht verterbt, Und ihr den Segen dennoch erbt. Wer leben will und gute Tage kriegen, Halt' an die Zung' und lasse sie nicht triegen, Er handle wol und liebe Ruh. Dem Frommen siht deß Herren Auge zu: Er höret ihn, wann er die Stimm erhebt, Und kennt den, der nicht ehrbar lebt. Kein Mensch kan euch, thut ihr, was recht ist, schaden, Und, da sie auch zu Unrecht euch beladen, So bleibt euch doch die Seligkeit. Erschrecket nicht, ihr Trutz geht überhin: Stellt nur auff Gott den Herren Hertz und Sinn Und heiligt ihn zu aller Zeit. 43. Am 6. Sontage nach Trinitatis Rom. 6. Auff den 42. Psalm Wie nach einer Wasserquelle. Die du, Christus, hast erkauffet Durch dein Creutz und Leidensnoth, Die wir sind auff dich getauffet, Sind getaufft auff deinen Tod, Durch die Tauffe sind nun wir Jetzt begraben auch mit dir, Können gleich wie du erstehen Und in neuem Leben gehen. Du verleihst uns, deinen Zweigen, Einen neuen Leib und Sinn, Heissest uns zum Himmel steigen, Unser alter Mensch ist hin. Uns drückt keine Schuld nun nicht, Weil du, unser Trost und Liecht, Hast so viel für uns erworben, Da wir sind mit dir gestorben. Keiner darff von uns mehr sterben, Sünd und Todt ist abgethan, Christus herrschet und wir erben; Gott der sieht uns jetzund an, Läst uns seine Kinder seyn, Nimpt uns gnädig zu ihm ein; Uner Heil hat uns gegeben Für den Todt das ware Leben. 44. Am 7. Sontage nach Trinitatis Rom. 6. Auff den 35. Psalm Ficht wider meine Anfechter. Dieweil ihr schwaches Fleisches seyd, So red' ich menschlich noch zur Zeit. Ihr habt vor diesem, liebste Brüder, Verunehrt euren Geist und Glieder; Gleich wie ein' unverstopffte Bach Sich selber treibet nach und nach, So ist das eine Sündenquell, Stracks kommen an deß andern Stell'. Jetzt laßt das Unrecht von euch seyn, Und räumbt euch gutem Wandel ein. Ihr müst euch jenes Lebens schämen, Wann ihr es wolt zu Hertzen nehmen. Was trug doch eures Lebens Baum, Wie ihr noch gabt den Sünden Raum? Ein herbe Frucht, die ihre Pest Nicht als zum Todte dienen läst. Nun ihr von Lastern jetzt befreyt Und Gottes Knechte worden seyd, So sollt ihr euer gantzes Leben Der wahren Heiligkeit ergeben, Im Fall ihr ja vermeyden wolt Den bittern Todt, der Sünden Sold, Und selig leben nach der Zeit Mit Christo in der Ewigkeit. 45. Am 8. Sontage nach Trinitatis Rom. 8. Auff den 43. Psalm Richt' mich, Herr Gott, und halt mir rechte. Ihr müsset nach dem Fleische sterben Und abthun allen bösen Schein, Der nichts als Straffe kan erwerben. Wann ihr das Leben wollt ererben, So last deß Fleisches Wercke seyn Und räumbt dem Geist' euch ein. Schaut zu, daß ihr nichts Arges treibet Und auff deß Fleisches Sündenbahn, Als wie für diesem, nicht verbleibet. Wer Gottes Geist ihm einverleibet, Den liebt Gott, daß er ihm fortan O Vatter ruffen kan. Diß söhnet auß bey Gott uns Sünder, Auff Fleisches Todt und zeitlichs Leyd: Wir werden Erben und, nicht minder Als Christus, seine liebe Kinder, Mit Freuden gehn nach dieser Zeit Zur steten Herrligkeit. 46. Am 9. Sontag nach Trinitatis 1. Corinth. 10. Auff den 136. Psalm Lobt den Herren inniglich. O Corinth, du Zier der Welt, Wie daß dir so sehr gefällt, Einer falschen Liebe Gunst Und deß schnöden Fleisches Brunst? Schaue wol zu, was du thust: Meide deß Gelüstens Lust, Stelle deine Götter ein, Die zu wenig göttlich seyn. Folge nicht der alten Schar Die für Gott ein Greuel war, Und nur spielte, tranck und aß, Daß sie ihrer selbst vergaß. Seyd von Unzucht loß und frey, Weil durch jener Hurerey Drey und zwantzig tausend Mann Einen Tag fiel auff den Plan. Auch versucht den Herren nicht, Der ein strenges Urtheil spricht; Als es diß Volck so gemacht, Ward's von Schlangen umbgebracht. Leidet ihr auch irgend Noth, Murret drumb nicht wieder Gott, Dann er jener gleiche That Durch den Todt gestraffet hat. Dieses nemet fleissig ein, Laßt es eure Warnung seyn; Welcher stehet, sehe zu, Daß er keinen Fall nicht thu. Gott der weiß es allzuwol, Wie er euch versuchen soll, Er thut keinem nicht mehr an Als was er ertragen kan. 47. Am 10. Sontage nach Trinitatis 1. Corinth. 12. Auff den 137. Psalm Da wir zu Babylon am Wasser sassen. O Liebste Schar, denckt nach deß Geistes Gaben, Daß wir sie nur von Gott empfangen haben. Ihr wisset wol, daß ihr für dieser Zeit Ein Götzen-Volck und blind gewesen seyd; Drumb sollet ihr ja Jesum nicht verfluchen, Der durch den Geist euch will zum Glauben suchen. Ohn ihn, den Geist, kan niemand Jesum haben; Nur ein Geist ist, sind Aempter, Macht und Gaben, Schon mancherley. Gott ists, der alles giebt Und ernstlich wil, daß jeder seines übt; Er theilt uns auß Erkantnüß, Krafft zu gläuben, Der Weißheit Zier, Kunst, Kranckheit zu vertreiben. Er reget uns viel Wunder für zu bringen, Schenckt Wissenschafft von ungeschehnen Dingen; Er macht, daß der recht urtheil' ohne Wahn, Hergegen der viel Sprachen deuten kan. Diß thut der Geist, der einem jeden giebet Viel oder nicht, nach dem es ihm beliebet. 48. Am 11. Sontag nach Trinitatis 1. Corinth. 15. Auff den 24. Psalm Dem Herren der Erdkreiß zusteht. Ich hoff, ihr liebet noch und ehrt, Was ihr mit Ernst habt angehört Und hertzlich von mir auffgenommen; Ihr stellet ja auff keinen Ort Der Seligkeit ihr wahres Wort, Dardurch ihr könt zum Leben kommen. Es wohnt euch das Gedächtnuß bey, Daß Christus unser Heyland sey Für uns gestorben und begraben; Und als er aufferstanden war, Wie Kefas und der Zwölffen Schar Ihn sichtbarlich gesehen haben. Er ließ sich sehen auff einmal Fünffhundert Brüder an der Zahl, Die theiles schlaffen, theiles leben, Hat mehr gezeigt dem Jacob sich, Und den Aposteln; dann bin ich, Dem er sich an den Tag gegeben. Ich bin es, sein unzeitigs Kind, Das dannoch so viel Gnade sind, Auß der Apostel Zahl der letzte, Nicht werth, daß ich soll einer seyn, Weil ich mich selber der Gemein' Auch mit der Faust entgegen setzte. Doch meine Schuld ist überhin, Ich bin durch Gott der, so ich bin, Ich rühme mich für ihnen allen, Ich habe mehr, als sie gethan; Doch nicht ich, Gott, der alles kan, Thut diß und läßt mich ihm gefallen. 49. Am 12. Sontag nach Trinitatis 2. Cor. 3. Auff den 65. Psalm Auff, Sion dir geschicht groß Ehre. Zu Gott wir setzen ein Vertrauen, Durch Christum nur allein: Wir dürffen auff uns selbst nicht bauen, Von ihm muß alles seyn, Von ihm entspringet, was wir haben; Es gibt uns unser Gott Deß Geistes lebenreiche Gaben, Der Buchstab ist nur todt. Zwar das Gesetze, so in Steine Zuvor geschrieben stund, Kam auch herfür, mit Pracht und Scheine, Bewegte Berg und Grund, Deß grossen Moses sein Gesichte War also hell und klar, Daß es für Stralen, Glantz und Liechte Nicht anzuschauen war. Doch geht deß Geistes schöne Sonne Dem Satzungampte für, Scheint uns mit ungewölckter Wonne, Und breitet seine Zier; Denn das Gesetze zeigt mit Zagen, Auff die Verdamnüßzeit; Der Gnadengeist pflegt anzusagen Trost, Heyl und Herrlichkeit. Sie sind einander nicht zu gleichen, Gesetz und Geistes-Zier; Der zweyer Tafeln Schein muß weichen, Die Gnade gläntzt ihm für. Hat jenes Ampt sehr hohe Gaben, Das auffhört und vergeht, Was wird nicht diß für Klarheit haben, Das ewig bleibt und steht? 50. Am 13. Sontag nach Trinitatis Galat. 3. Auff den 41. Psalm Wol dem, der einen armen Krancken nicht. Dieweil man ja der Menschen Testament Für recht und gut erkent, Thut nichts darzu und nimpt auch nichts darvon, Ists einmal krafftig schon; So gilt viel mehr noch das, so Abraham Vom Himmel selbst bekam; Sein Saamen ists, den Gottes weiser Rath Ihm außerkoren hat. Diß Testament, das gantz auff Christum geht, Verbleibet und besteht, Wiewol es schon mehr als vierhundert Jahr Für dem Gesetze war, Weil kein Gesetz hierüber Urtheil spricht, Und hilfft das Erbe nicht, Gott hat es selbst dem Abraham vermacht Und gnädig ihn bedacht. Doch das Gesetz hat auch Gott eingesetzt, Dieweil wir ihn verletzt, Das stillet nun deß werthen Mitlers Hand, Der selbst ist unser Pfand. Durch Werck erlangt ein Mensch das Leben nicht Und durch Gesetzes Pflicht, Der ist es nur, dem Christus solches giebt, Der gläubet und ihn liebt. 51. Am 14. Sontag nach Trinitatis Galat. 5. Auff dem 121. Psalm Mein Augen ich gen Berg auffricht. Schaut über euch und auff den Geist, Sol euch nicht seyn bewust Deß Fleisches böse Lust, Die den Verstand zu Boden reißt; Ihr müßt zu einer Seiten, Dann Geist und Fleisch hie streiten. Ihr seyt, wann euch der Geist regiert, Gantz vom Gesetze frey, Drumb fliehet Hurerey, Den Ehebruch, der zum Tode führt, Abgötterey, Raub, Neiden, Mord, Schwelgen sollt ihr meiden. Wer solchen Lastern sich ergiebt Und läßt das Gute gehn Worauff sein Sinn soll stehn, Ist gantz in böses Thun verliebt, Der muß nur ewig sterben, Kan Gottes Reich nicht erben. Deß Geistes Frucht ist Liebe, Gunst, Ist Glaub' und Gütigkeit, Fried und Bescheydenheit, Gedult und keusche Liebesbrunst. Wen Christus nicht soll lassen, Muß böse Lüsten hassen. 52. Am 15. Sontag nach Trinitatis Galat. 6. Auff den 23. Psalm Mein Hüter und mein Hirt ist Gott der Herre. Weil unser Gott den Geist uns hat gegeben, So soll er auch erscheinen auß dem Leben; Ihr müsset fliehn den Geitz der schnöden Ehren, Mit Zorn und Haß einander nicht versehren. Wann jemand irrt und gar schnurrecht nicht handelt, So lehret ihn, ihr, die ihr geistlich wandelt. Seht auff euch selbst, helfft frembde Last ertragen, Und seyt nicht stoltz, wann ihr wolt Gott behagen. Wann jemand sich für andern auff der Erden Was düncken läßt, der wird betrogen werden; Er prüffe sich, was an ihm sey zu finden, Ein jeder hat genug an seinen Sünden. Schaut, daß ihr dem, der Gottes Wort euch lehret, Viel Gutes thut, ihn fördert, liebt und ehret. Gott schertzet nicht; ein jeglicher empfähet Zur Erndtezeit das, was er außgesäet. Wer säet auffs Fleisch, der erndtet das Verderben, Wer auff den Geist, der wird das Leben erben. Dieweil uns dann gar reichlich ein wird kommen, Wie sämptlich wir es haben fürgenommen, So seyt an jetzt zu helffen unverdrossen, Zwar jederman, doch mehr den Mitgenossen, Und säet so deß Geistes edle Gaben, Daß ihr hernach mögt ewig Erndte haben. 53. Am 16. Sontag nach Trinitatis Ephes. 3. Auff den 32. Psalm O selig muß ich diesen Menschen preisen. Laßt drumb nicht ab, ihr Brüder, Gott zu lieben Und recht zu thun, wil er mich gleich betrüben. Ich rühme mich, es freuet sich mein Sinn, Daß ich an jetzt für euch gefangen bin. Ich bitte stäts den Vatter unsers Herren, Der Vatter ist in dem, was weit und ferren Welt ist und heist, er woll' in Noth und Pein, Durch seinen Geist euch geben starck zu seyn. Er wolle stäts euch hertzlich lassen treiben Deß Glaubens Thun, und Christum in euch bleiben, Damit ihr so einander treulich liebt, Mit wahrer Brunst, die er nur einig giebt. Er woll' euch auch, wie andre heil'ge Scharen, Sein Gnadenwerck recht geben zu erfahren, Damit ihr seht und fühlt, wie vielerley, Wie lang und tieff und hoch die Güte sey. Er laß euch recht die Liebe Christi kennen, Wiewol ihr Maaß kein Mund gar nicht kan nennen, Kein Auge sehn, dieweil sie weiter geht, Als an die Nacht und wo die Sonn' auffsteht. Ihm, der uns wil gar überschwencklich schencken Viel mehr, als wir begehren und gedencken, Sey unter uns, jetzt und in jener Zeit, Ohn End und Ziel, Lob, Ehr und Herrlichkeit. 54. Am 17. Sontag nach Trinitatis Ephes. 4. Auff den 33. Psalm Wol auff, ihr Heiligen und Frommen. Ich, zwar Gefangner Gottes wegen, Doch der euch gleichwol hertzlich liebt, Bitt' euch, daß ihr auff euren Stegen, Im Geiste recht zu gehn euch übt; Liebt der Demuth Gaben, Denckt Gedult zu haben, Neidet stoltzen Wahn; Knüpfft zum Glaubenspfande Mit deß Friedens Bande Hertz und Sinnen an. Hegt keinen andern Zanck noch Streiten, Als wegen Lieb und Treu allein Und laßt bey euch auff allen Seiten Ein Hertz und ein Gemüthe seyn, Als wie euch auch führet Ein Gott und regieret, Herr in Ewigkeit, Der euch hat gegeben Tauffe, Geist und Leben, Was ihr könt und seyt. 55. Am H. Michaels Tag Offenbar. 12. Auff den 24. Psalm Dem Herren der Erdkreiß zusteht. Im Hause der Unsterblichkeit Kam Michael in einen Streit, Sampt seinen Engeln mit dem Drachen. Der Drach und seiner Engel Schaar Verlohr und mußte gantz und gar Sich auß den Himmelsgräntzen machen. Der Sathanas und Seelen-Tod, So alle Welt verführt in Noth, Der mußt' herab gestossen werden. Er, welcher uns verhetzt zum Fall, Ist selbst sampt seiner Engel Zahl Gestürtzet in den Grund der Erden. Drauff hub sich einer Stimmen Klang, Der durch den Bau deß Himmels trang: Jetzt mögen sie seyn unverzaget, Sie haben Gottes Reich und Macht. Er ist hinweg, der Tag und Nacht Vor ihm sie hefftig hat verklaget. Deß Lambes Blut hat ihn bekriegt, Das wahre Zeugnüß obgesiegt, Weil sie ihr Leben nicht geschonet. Seyt unbesorget nach der Zeit Und brechet auß mit Frölichkeit, Ihr Himmel und was drinnen wohnet. 56. Am 18. Sontag nach Trinitatis 1. Corinth. 1. Auff den 5. Psalm O Herr, dein' Ohren zu mir kehre. Ich muß mit Dancke Gott erheben, Umb daß er seine Gütigkeit, Euch mitgetheilet dieser Zeit Und hat in Christo recht zu leben, Den Geist gegeben. Jetzt könnt ihr euer Hertze laben Mit Troste seiner Himmelsbrunst, Seyt nun in seines Sohnes Gunst Und dörffet ferner keiner Gaben Mehr Mangel haben. Ihr könt getrost und freudig hoffen Auff jene Zeit, so ohne Zeit, Weil ihr durch ihn unsträfflich seyt. Es läßt euch der, so euch beruffen, Den Himmel offen. 57. Am 19. Sontag nach Trinitatis Ephes. 4. Auff den 128. Psalm Selig ist der gepreiset. Schaut, daß ihr von euch leget Den Wandel dieser Welt, Den alten Menschen feget Der sich durch Laster fällt. Thut weg das Kleyd der Erden Und liebt Gerechtigkeit, Ein neuer Mensch zu werden, Wie ihr erschaffen seyt. Seyt feind den argen Lügen Wann euer Mund was spricht, Den Nächsten zu betriegen Gedencket niemals nicht; Ihr sollet Zorn nicht fassen Und nicht nach Feindschafft stehn; Laßt über eurem Hassen Die Sonn nicht untergehn. Er duldet nicht und leydet Ein böses Lästermaul; Den Diebstal flieht und meydet, Seyt was zu nehmen faul Und munter, viel zu geben. Greifft ehrlich Arbeit an, Zu Fristung dessen Leben Der sich nicht retten kan. 58. Am 20. Sontag nach Trinitatis Ephes. 5. Auff den 143. Psalm Erhör, o Herr, mein Bitt und Flehen. Ihr Brüder, weil ihr hier im Leben, Als Bilgersleute müsset schweben, So seht, daß ihr fürsichtig seyt: Ihr müsset auff euch Achtung geben, Dann es ist jetzund böse Zeit. Schaut, das ihr euren Sinn erhöhet Und nach deß Herren Willen gehet, Vermeidet Wein und Trunckenheit, Weil anders nichts hierauß entstehet, Als sichers Leben, Zanck und Streit. Singt, wann die Sonne gehet nider Und wann sie uns bescheinet wider, Dem Herren einen Lobgesang, Ertichtet himmelreiche Lieder Und saget Gott dem Vatter Danck. 59. Am 21. Sontag nach Trinitatis Ephes. 6. Auff den 27. Psalm Der Herr mein Liecht ist und regiert mein Leben. Bemühet euch, ihr Brüder, starck zu werden In Gott, zieht an den Harnisch seiner Macht. Es ist ein Feind nicht hier nur von der Erden, Der stündlich euch zu fällen ist bedacht. Was euch bekriegt, das ist kein Fleisch noch Blut, Kein gleicher Feind; die Fürsten dieser Welt, Der Teuffel Schar, kömpt selber in das Feld, Sie stellet nach auff eurer Seelen Gut. So schauet nun, behertzt zu widerstehen Mit steiffer Hand, legt Gottes Rüstung an; Seyt unverzagt, ihm auff den Halß zu gehen, Und scheuet nicht den ritterlichen Plan. Der Lenden Gurt sey klarer Warheit Schein, Die nie erliegt, der Krebs Gerechtigkeit, Die Schuh Begier der rechten Friedenszeit, So könnet ihr zum Kämpffen fertig seyn. Doch sonderlich ergreifft für allen Dingen Zu dieser Schlacht den vesten Glaubensschild, Den gar kein Pfeil, kein Waffen kan durchtringen Und der allhier am allermeisten gilt. Deß Heyles Helm, deß Geistes scharffes Schwerd, Deß Herren Wort, laßt euch befohlen seyn, Diß ist der Schutz, der einig und allein Auff dieser Welt deß Teuffels Wüten wehrt. 60. Am 22. Sontag nach Trinitatis Philip. 1. Auff den 20. Psalm Der Herr erhör dich in Gefahren. So offt ich an euch dencken können, Wie ich dann allzeit thu, So offt auch wand' ich Hertz und Sinnen Für euch gen Himmel zu. Ihr steht mir allzeit im Gesichte, Seit ihr zum Glauben kommen Und unsern Trost zum Gnadenliechte Habt eyffrig angenommen. Ich bin in hertzlichem Vertrauen, Daß der, so in der That Das gute Werck in euch zu bauen Wol angefangen hat, Der werd' es ferner auch vollführen, Euch seine Gnade geben Und mit deß Geistes Gütern zieren, So lang ihr werdet leben. Es wallet mir zwar mein Geblüte, Daß ich im Kärcker bin; Doch hab' ich bey euch mein Gemüthe, Mein Hertz und gantzen Sinn; Dieweil ich auch allhier gefangen Von Gott die Warheit sage, So weiß es Gott, was für Verlangen Ich stündlich nach euch trage. Ich bete, daß ihr möget brennen In Lieb' ohn Heucheley, Mögt weise seyn und Gutes kennen, Sehn, was das beste sey; Daß eure Schar von Tag' und Tage Den Glauben könne mehren Und rechte Geistes-Früchte trage, Zu Gottes Lob und Ehren. 61. Am 23. Sontag nach Trinitatis Philip. 3. Auff den 125. Psalm All die auff Gott den Herren haben. Wollt ihr die gute Strasse reysen Hin zu deß Lebens Thür, So folgt, ihr Brüder, mir Und denen, die euch recht anweisen, Die als ein gutes Fürbild stehen Und für euch gehen. Laßt Christi Creutzes Feinde lauffen, Ihr Bauch der ist ihr Gott, Ihr' Ehr' ist Schand und Spott; Sie sollen zum verdampten Hauffen, Dieweil sie nichts sonst von sich geben, Als weltlichs Leben. Im Himmel, da wir hin solln dencken, Wird unser Wandel seyn Wann Christus neuen Schein Wird diesem schwachen Leibe schencken Und seinem, als Herr aller Sachen, Ihn gleiche machen. 62. Am 24. Sontag nach Trinitatis Coloss. 1. Auff den 25. Psalm Zu dir sich mein Hertz erhebt. Seyt wir in Erfahrung kommen, Ihr Colosser, wir ihr habt In dem Glauben zugenommen, Wie euch unser Gott begabt, Seit der Zeit auch bitten wir, Er woll euch mit Geist erfüllen, Geben rechter Weißheit Zier Und euch zeigen seinen Willen. Wandelt auff deß Herren Wegen, Der euch solche Gnade giebt; Soll er geben seinen Segen, Lebet so, wie ihm geliebt, Fusset nach der Warheit Bahn, Daß sich euer Glaube stärcke; Nehmet euch der Sanfftmuth an, Duldet und bringt gute Wercke. Dancket Gott für allen Dingen, Als durch den ihr tüchtig seyt, Daß er euch kan nachmals bringen In das Reich der Ewigkeit; Er läßt auß der finstern Nacht Euch zu seinem Liechte finden, Seines Sohnes Blut das macht, Daß wir frey sind aller Sünden. 63. Am 25. Sontag nach Trinitatis 1. Thess. 3. Auff den 130 Psalm Zu dir von Hertzen Grunde. Das blinde Volck der Heyden, So keine Hoffnung hat, Empfindet grosses Leyden, Und ist ohn allen Rath, Wann ihm was Liebes stirbet: Uns lehrt deß Glaubens Krafft, Daß keiner nicht verdirbet, Den gleich der Tod wegrafft. Wie Christus ist erstanden, So wird er mich und dich Auch auß deß Todes Banden Erretten kräfftiglich. Zum allerersten werden Die Todten aufferstehn, Eh als das Volck auff Erden, Wird für Gerichte gehn. Er selbst, der Herr der Herren, Wird durch ein Feldgeschrey Erzeigen weit und ferren, Daß er fürhanden sey. Deß Engels Wort wird schallen, Wird sagen: Kompt herfür, Zu denen Menschen allen, Die jetzt nicht mehr sind hier. Er wird uns, die wir leben, Wie ihre Schar zu sich Hin in die Wolcken heben, Da wir dann ewiglich, Beym Herren wohnen werden. Glaubt sicherlich und frey, Daß dieser Tod auff Erden Deß Todes Ende sey. 64. Am 26. Sontag nach Trinitatis Hebr. 11. Auff den 18. Psalm O Herr, der du mir Macht und Stärck thust geben. Wer recht thun wil, der muß deß Glaubens Gaben, Ohn welchen wir nichts richten können, haben. Der Glaube macht, daß wann man was nicht sieht, Jedennoch weiß, daß es gewiß geschieht. Der Glaube macht, daß wir bestätigt werden Und Zweiffels frey, daß dieser Bau der Erden, Lufft, Himmel, See, was irrgend wird geschaut, Was lebt und schwebt, auß nichts sey auffgebaut, Daß er, der Herr, der über uns regieret, Der Wolcken Zelt hab' herrlich außgezieret, Der Erden Grund auß nichts mit nichts gelegt, Der nirgends ruht und dennoch alles trägt. Durch Glauben ward der Abel angenommen, Diß Opffer ist für Gottes Anlitz kommen, Nicht Cains Schein; allein der Glaube nam Den Enoch weg, daß er gen Himmel kam. Durch Glaubenskrafft hat Noah angehöret Deß Herren Wort und sein Gebott geehret, Wie streng' es war, hat sich ihm gantz vertraut, Hatt für sein Hauß den Kasten auffgebaut. Die Welt war noch mit Wasser nicht umbschlossen, Es hatte sich die Lufft noch nicht ergossen, Doch gieng er hin und fand Gerechtigkeit Bey seinem Gott in grosser Zorneszeit. Durch Glaubenskrafft kundt' Abraham erwerben Den neuen Ort, so Gott ihm gab zum Erben. Er ließ es stehn, das liebste Vatterland, Und gieng dahin, wo er war unbekant. Deß Glaubens Krafft hat ihn bewegt zu ziehen, An End und Ort, den Gott ihm selbst verliehen, Hat dem getraut, der alles schaffen kan, Wie Isaac und Jacob auch gethan. Der Glaube bleibt für andern Sachen allen, Ohn ihn allein kan niemand Gott gefallen; Den pflantzet vest in eure Hertzen ein Und laßt ihn nicht, wann ihr wollt selig seyn. 65. Am 27. Sontag nach Trinitatis 1. Petr. 3. Auff den 19. Psalm Die Himmel allzumal. Seyt jetzt und allezeit Zur Rechenschafft bereit, Fußt auff deß Glaubens Grund, Traut Gott und habt Gedult, Wann euch ohn alle Schuld Beläugt ein falscher Mund. Den, der euch faßt in Neid, Dieweil ihr geistlich seyt, Wird Gott zu Schanden machen. Viel besser ists, daß ihr Umb Wolthat leydet hier, Als wegen böser Sachen. Weil der Gerechte hat Für ungerechte That Erlitten Schand und Noth, Weil er, der alles kan, Den Mund nicht auffgethan, Ertragen seinen Tod, So wil deß Lebens Liecht, Daß wir uns gleichfalls nicht Deß Leydens wegern sollen, Im Fall wir für und für Deß Himmels Lust und Zier Mit ihm besitzen wollen. Deß Noens kleinen Schaar, Die in der Archen war, Gab er die Seligkeit, Das Wasser, das noch jetzt Mit Glaubens Zuthun nützt Und hilfft uns jederzeit, Macht einen Bund mit Gott, Durch seines Sohnes Tod, Der unsre Seelen führet Hin in das Vatterland, Da er an Gottes Hand Sitzt, herrschet und regieret.