Friedrich von Matthisson Gedichte aus der Schulzeit (1776–1778) Lenzbilder 1776. Mit grausem Getümmel, Entfliehen vom Himmel Gewölke voll Nacht! Seht! wie sie, zerrissen, In Regen zerfliessen, Vom Sturme gejagt! Nun kehret, voll Wonne, Dein Lächeln, o Sonne! Den Fluren zurük; Mit segnender Milde Begrüßt die Gefilde Dein himlischer Blik! Nun sprossen und keimen Aus Büschen und Bäumen Die Blätter hervor! Nun rieselt der Quelle Hellschäumende Welle Durch wankendes Rohr! Die Bienen umirren, Mit fröhlichem Schwirren, Violen voll Thau! Sanftathmende Lüfte Entschmeicheln Gedüfte Den Kräutern der Au! Horch! wie in den Thalen, Die bunter sich malen, Das Wollenvieh blökt; Und fern in den dichten, Umdüsterten Fichten Den Wiederhall wekt! Durch Pappelalleen, An bläulichen Seen, Schallt Liedergetön! Im rosigen Kleide, Schwebt lächelnd die Freude Von blumichten Höh'n! Sie winkt, unter Küssen Den Lenz zu begrüssen, Die Mädchen zum Hain, Und schlingt sich in grünen Gebüschen mit ihnen Im zirkelnden Reihn! Blikt fröhlichen Zechern, Bei funkelnden Bechern, Sokratischen Scherz, Und feuriges Sehnen Nach lächelnden Schönen Ins glühende Herz! Da eilen die Stunden, Mit Rosen umwunden, Mit Wonne beschwingt! Die Becher erklingen! Sie scherzen und singen Bis Hesperus sinkt! Frühlingsbilder Mit grausem Getümmel Verschwunden vom Himmel Sind Wolken voll Nacht; Den Seen und den Flüssen In strömenden Güssen Zum Opfer gebracht! O Jubel! o Wonne! Nun kehren der Sonne Verherrlichtem Blick Erwachen und Leben, Verjüngen und Streben Und Liebe zurück! Nun keimen und sprossen, Von Glanz übergossen, Die Blätter hervor; Nun rauschen der Quellen Entwinterte Wellen Durch wankendes Rohr. O seht nur, wie Flore Dem summenden Chore Der Bienen schon winkt! O seht nur, aus welchen Berauschenden Kelchen Der Schmetterling trinkt! Die Freude flog wieder Auf buntem Gefieder Den Sterblichen zu; Ihr himmlisches Walten Verwischte die Falten Der Stirnen im Nu! Vom einsamen Rädchen Entführt sie die Mädchen Des Dorfes zum Hain, Und wirbelt in grünen Gebüschen mit ihnen Den ländlichen Reihn! Begeistert den Zecher, Beim funkelnden Becher, Zu Liedern und Scherz; Haucht Liebe den Blöden, Haucht Liebe den Spröden Allmächtig ins Herz! Da taumeln die Stunden, Mit Rosen umwunden, Bacchantisch vorbei! Und Jubel ertönen: Es leben die Schönen! Es lebe der Mai! Mailied 1776. Nachtigallen flöten Durch die Lenzgebüsche, Wann die Sonne sinkt! Nachtigallen flöten Durch die Apfelbäume, Wann das Morgenroth erwacht! Weis und rothe Blüten Kleiden alle Wipfel, Wo die Biene sumt; Grüne Kräuter duften In den Wiesenthalen, Wo das Maienlämchen gras't! Mädchentänze schweben Ueber Blumenrasen, Unter Flötenklang! Seht! von Jünglingsküssen Glüht die volle Wange. Und der holde Rosenmund! Lustgefühl und Wonne Winkt die junge Freude Sanft in jedes Herz! Ihrem Zauberstabe Huldigt alles Wesen, Bis zum niedren Staubgewürm! Ha! die süsse Göttin Schwebt an meine Seite, Beut mir ihren Arm, Führt mich zu den Tänzen, Zu den Mädchenküssen Und zum frohen Kelchgelag! Ihrer Leitung fröhlich, Will ich stets des Maien Mich fortan erfreun! Eh' sein linder Odem Durch die Trauerkränze Meines Aschenhügels weht. Abschied 1776. Quellenrauschendes Thal! in deinem Schatten, Wo sich schwesterlich Ruh' und Unschuld küssen, Flohn die süssesten meiner Jünglingsstunden, Mit serafischem Lächeln, mir vorüber! Wenn, mit rosiger Hand, auf deine Wipfel Seine Blüten der junge Maimond streute, Und die Nachtigall jeder Abenddämrung Ihren Zaubergesang entgegentönte! Ach! ein trübes Geschik entreißt mich ewig Deinen düstergewölbten Lindengängen, Wo dein lächelnder Engelblik, o Maja! Oft den Himmel mir in die Seele stralte, Und mich höher zu meinem Gott entzükte! Laß, elisisches Thal, noch diese Thränen, Meines wachsenden Kummers stille Zeugen, Mich an deinem beblümten Busen weinen, Eh', mit ehernem Arm, die Scheidestunde Meinen zögernden Fußtrit plözlich flügelt! Wehmut 1776. Sonnenvergoldet flüstert ihr, o Linden! Von der leiseren Herbstluft sanft umlispelt, Banges Ahnden nahender Wintertrauer Mir in die Seele! Senken nicht diese bunten Rasenblumen, Einst des buhlenden Sommerwests Gespielen, Schon dem frühen Tode die Farbenhäupter Traurend entgegen? Ach! es wird ihnen, wenn im kalten Grabe, Unter silbernen Floken, sie nun ruhen, Bald der allverheerende Nord das grause Todtenlied heulen! Traurend durchirr' ich dann die Eisgefilde, Schaue weinend die Stäte wo sie prangten: Denn wie sie verblühten auch meiner Jugend Flüchtige Freuden! An Selma 1776. Geliebte! weine nicht, daß unser trübes Geschick mit Thränen mehr als Freud' hienieden Unsres Erdenlebens rauhe Pfade bezeichnet! Gedenke jener Wonne, die der Tugend In Eden einst, durch Ewigkeiten harret! Wandellose Freude blüht nur Jenseit des Grabes! An Selma. Als sie sich wieder aufs Land begab Wenn der goldnen Stadt Getümmel Du, o Beste, nun entfliehst, Und den heitren Segenshimmel Deines Dörfchens wieder siehst, Und der holde Herzensfriede Liebend dir entgegenwallt, Dir mit jedem Frühlingsliede In die sanfte Seele schallt: O, dann will ich zu dir eilen, Mich des Frühlings mit dir freun, Freud und Wonne mit dir theilen, Unaussprechlich glücklich seyn! Schöner wird der Hain uns lächeln, Lenzgeschmückt und aufgeblüht, Linder uns die Kühlung fächeln, Wann die Abendröthe flieht. Süsser jede Blume düften In dem Pappelweidenthal, Wo, umweht von Mayenlüften, Du uns grüssest, Nachtigall! Denn, o Unschuld, du beglückest Uns mit Engelheiterkeit, Winkst zur Freude, und entzückest Bis zur Himmelsseligkeit! Gutes Mädchen, wann uns immer Unser Leben heiter lacht, Wie des Mondes milder Schimmer In der stillen Sommernacht, O wie sollen unsrer Jugend Wonnetage dann entfliehn, Stets geleitet von der Tugend, Dieser Freudenköniginn! Tröstung Säuselten gleich nicht immer Frühlingslüfte Um den rosigen Lenzbaum meiner Jugend, Beugte gleich verheerender Nachtsturm oft sein Blütenhaupt nieder! O! so enthüllte schöner, nach dem Wetter, Seinen traurenden Zweigen sich die Sonne, Stralt' auf ihren Schmachtenden, mutterfreundlich, Höhere Labung! An Ossian Wenn oft, in Stunden heiliger Mitternacht, Mein Ohr dem Flugschlag deines Gesanges horcht, Und der Vorzeit goldne Bilder Um die begeisterte Seele schweben! Dann rinnt die Thräne! hüllt doch Vergessenheit Die Barden Teutons, ach! schon Jahrhunderte, Werth vieleicht mit dir, o Vater! Um der Unsterblichkeit Kranz zu ringen! An die Nachtigall Vogel der Liebe! töne, wann die Rosen Auf der Wange des Abendhimmels sterben, Traumgesänge nieder auf das bethränte Lager Selindens! Daß seiner Ruh' nur einen linden Tropfen, Aus der silbernen Schlummerschale, Morpheus, Auf den einsamweinenden Blik voll Trauer, Labend ihr träufle! Beruhigung 1777. Wie Regenschauer auf den entblühten Hain, Thaun Wehmuthsthränen auf meinen Jugendpfad! Kein milder Sonnenblik der Freude Lindert die nagende Seelentrauer! Gott ist die Liebe! hallt es, im Feierton Des hohen Jubels, bebende Saiten, nach! Und du, gebeugte, bange Seele, Dulde gelassen! Gott ist die Liebe! Die Schlummernde 1777. Tausend röthlichbesäumte Apfelblüten Auf ihr blendendes Nachtkleid hingeschneiet, Schlummert Minia unter Maienschatten, Von der Nachtigall traulich eingeflötet! Hingefesselten Blikes trink' ich Wonne, Ach! in geizigen, honigsüssen Zügen, Aus des schlafenden Mädchens holdem Antliz! Horche jeglichem leisen Odemlispel, Späh' des athmenden Busens süsses Beben! – Sagt, ihr schüzenden Engel meines Mädchens, Saht ihr reizender einst, in Edens Garten, Unter blühenden Lauben Eva schlummern? Stimme der Liebe 1777. Abendgewölke schweben hell Am bepurpurten Himmel; Hesperus schaut, mit Liebesblik, Durch den blühenden Lindenhain, Und ihr schmelzendes Trauerlied Zirpt im Kraute die Grille! Freuden der Liebe harren dein! Flüstern leise die Winde; Freuden der Liebe harren dein! Tönt die Kehle der Nachtigall, Hoch vom Sternengewölb' herab Schallt mir Stimme der Liebe! Himmel! aus jenem Schattengang Wandelt Maja die Fromme! Heftet den Engelblik auf mich, Fleugt dem seligen Jüngling zu! Heil mir! daß du auch ihr getönt, Süsse Stimme der Liebe! An einen Busenstraus Eine Gottheit erkohr dich unter Tausenden Von den Söhnen des Mays, an der gehobnen Brust Meines Mädchens zu beben, Lieblichduftender Blumenstraus! Neidenswürdiges Loos! schauest das Heiligthum, Das des rosigen Flors wallender Schleyer hüllt! Ruhst am Throne der Liebe, Sonnst im Glanze der Schönheit dich! Wohl mir! wiegte wie du, glücklicher Blumenstraus, Liebetrunken mein Haupt, unter berauschenden Wonneträumen des Himmels, An der klopfenden Mädchenbrust! Ha! dann lacht' ich der Welt, lachte des Stadtgewühls, Und des gauckelnden Tand's, welchen die Mod' ersann! Wäre froher als Adam In den Lauben von Eden war! Das Dorf Da liegt es still, im saatengrünen Thale, Das Dörfchen von Gebüsch umkränzt, Die Dächer roth vom Abenddämrungsstrale, Der durch die Lindenwipfel glänzt! Dort wohnt, in niedrer, weinumrankter Hütte, Von Gottes Engeln stets umschwebt, Ein Mädchen, guter, frommer, deutscher Sitte, Für die mein Herz im Stillen bebt! Sie kümmert nicht der stolzen Stadt Getümmel, Nicht eitler Mode Flitterglanz! Der maibeblümte Garten ist ihr Himmel, Ihr ganzer Schmuk ein Veilchenkranz! Wann durch den Blütenbaum das Frühroth schimmert, Entwandelt sie zum Nelkenbeet, Und pflükt ein Sträuschen, frisch und thaubeflimmert, Vom lieben Morgenwind umweht! Und wann die milde Maienabendstille Vom Thaugewölke niederfleußt, Horcht sie, am Bach, dem Trauerlied der Grille, Das durch die Dämrung sich ergeußt! Freut jedes Strauches sich und jeder Quelle, Auf ihrer kleinen Schäferflur, Und jedes Blümchens, jeder Rasenstelle, Die sanfte Tochter der Natur! Verlebe deines schönen Lebens Tage, Du gutes, frommes Mädchen du! In steter Unschuldsfreude, sonder Klage, Bis hin zur stillen Grabesruh; Da siegbekrönt dein Geist dem lichten Throne Des Mitlers sich entgegenschwingt, Und hohe Jubel, in der Ueberwinderkrone, Dem grossen Gottversöhner singt! Da werd' ich einst gewis dich wieder finden, Und Gottes mich und deiner freun! Mit Edens Palmen meine Schläf umwinden, Beglükt, beglükt auf ewig sein! Die Erscheinung Klagt, um die Dämrung, flötend die Nachtigall, Wann du, o Vollmond! über die Gärten schwebst, Irr' ich einsamtraurend durch die Düfte, Welche den blühenden Lenzbaum hüllen! Denn, wie in Träumen, welche der goldne Stab Des Morgenschlummers, um meine Lagerstat Oft, mit lichten Himmelsfarben, zaubert, Täuschet mich stets eine Stralenbildung! Dem Mädchen ähnlich, welchem, mit Thränen, jüngst Ich mich vom liebebebenden Busen wand! Fleuch, o fleuch, du trübe Klagerscheinung! Daß mir der Kummer das Herz nicht breche! Abendlied Der Abend schleiert Flur und Hain In traulichholde Dämrung ein, Manch Wölklein hell im Westen schwimt, Vom sanften Liebesstern durchflimt! Die Wogenflut tönt Schlummerklang, Die Bäume lispeln Abendsang, Das Wiesengras durchhaucht gelind Der liebe Sommerabendwind! Der Geist der Liebe wirkt und webt In allem was sich regt und lebt! Im Meer, wo Wog' in Woge fließt, Im Hain, wo Blat an Blat sich schließt! O Geist der Liebe! führe du Mir meine fromme Maja zu, Mit ihr, bei dieser Sterne Schein, Der Schöpfung Gottes mich zu freun! Die Kahnfahrt 1777. Eilend gleitet der Kahn über des Abendsee's Sanfterröthendes Blau, schwebet, im leichten Tanz, Saatgefilden vorüber, Und beblütetem Haingebüsch! Freude lächelt der Flut blinkendes Angesicht! Freude flüstert das Schilf, welches am Ufer wankt! Freude lispelt die Welle, Wenn sie schäumend den Nachen küßt! Flügle rascher den Kahn, nervichter Jünglingsarm! Daß uns Feld und Gebüsch schneller vorüberflieh'! Jenes grünende Eiland Winkt zum fröhlichen Traubenmahl! Seht! wir fliegen heran! Nachtigallton entbebt Allen Zweigen umher! Auf! den Pokal bekränzt! Tiefer funkelt im Westen Schon der freundliche Abendstern! Die Wasserfahrt Wiegend gleitet der Kahn über der leisen Fluth Sanft erröthendes Blau, schwebt im Najadentanz Winzerhütten vorüber, Und vergoldeten Erlenreihn! Freude lächelt des Tags herrlicher Niedergang; Freude girret im Forst, flötet im Blüthenstrauch; Freude jauchzen die Hügel; Freude jubelt im Wiederhall! Flügle rascher den Kahn, nervichter Jünglingsarm! Seht! von Lauben umgrünt, unter der Linde Schirm, Winkt, mit wehendem Kranze, Schon das ländliche Sorgenfrei! Herrsch' als Königin da, freundliche Gegenwart! Dir ertön' unser Lied, ström' unser Opfertrank! Halt' uns liebend umschlungen, Bis Aurore den Zauber löst! Herbstgesang 1777. Ueber Rebenhügel, Wo sich Trauben färben, Ueber Obstgeländer, Wo sich Aepfel röthen, Leert der milde Fruchtmond Lächelnd das geudende Segensfüllhorn! Aus den Haingesträuchen, Aus den Hekengängen, Aus den Gartenbeeten, Zirpen tausend Grillen, Um die Abenddämrung, Feiergesänge dem Traubenschöpfer! Wo sein Auge lächelt, Reifen Honigfrüchte! An den vollen Zweigen, Giebt er jeder Pflaume Ihre Himmelbläue, Malt er dem Apfel die Purpurwange! Auf den Rebenbergen, Wo die Winzermädchen Hochgesänge tönen, Knarren alle Keltern, Und aus ihrem Schoosse Träuft der begeisternde Trank der Freude. Daß das liebe Kelchglas, Oft, im Freundeskreise, Unser Herz erfreuet, Unsren Geist beflügelt: Danken alle Zungen Dir, o! allsegnender Rebengeber! Schön bist du, o Erde! Kleidet deine Hügel, Deine Saatgefilde, Deine Gartenfluren, Der allmilde Herbstmond Lieblich mit farbigem Fruchtgewande. Schöner nur, o Mutter! Lächelst du im Lenze, Wenn dir um die Loken Weisse Blüten säuseln, Und dein Götterantliz Wölken die athmenden Mainachtdüfte! Hier am Quellenrande, Wo mich Schilf umflüstert, Wo, von Laubgewölben, Dürre Pappelblätter Auf mich niederrieseln, Soll mich der Abend mit Maja finden! Fleuch, o süsses Mädchen! Fleuch dein Teppichzimmer, Deiner Stadt Gepränge! Hier, im Abendschatten, An der Silberquelle, Harret voll Sehnsucht dein Vielgetreuer! Herbstgesang Siehe! Rebenhügel, Wo sich Trauben färben! Siehe! Fruchtgeländer, Wo sich Aepfel röthen! Liber und Vertumnus Krönen verbrüdert die Bundesfeier! Wo der Segensgötter Mildes Auge lächelt, Schwellen Purpurbeeren, Malt mit ätherblauem Dufte sich die Pflaume, Malt sich der Apfel mit Rosenstreifen! Hoch auf Nektarbergen, Wo der Winzermädchen Wonnelieder tönen, Knarren Keltern selber Harmonien, und Jubel Brausen, o Rhein, deine Silberwogen! Hier am grünumschilften Felsenquell der Wiese Dämmern die geweihten Schatten, wo des Jahres Erste Blumen Laura Weihte den lächelnden Huldgöttinnen. Fleuch, o süßes Mädchen, Fleuch der Stadt Gepränge! Angeblinkt vom Abend, Laß des Jahres letzte Blumen uns der hohen Venus-Urania dankend opfern! Erinnerungslied Hier fließ't die kühle Schattenquelle, Der Freundin Luna jede Welle Mit hellrem Glanz besäumte, Als ich, im Lispel dieser Bäume, Der Liebe goldne Erstlingsträume An Laura's Busen träumte! Wo ihrem schmelzenden Gesange, Vermählt mit süssem Lautenklange, Sich Flur und Hain verschönte; Und ihrer Engelstimme Beben Mir Götterlust und neues Leben Durch jede Nerve tönte! Doch plözlich stürmten schwarze Leiden Den jungen Lenzbaum meiner Freuden, Mit jeder Blüte, nieder! Nun hört Aurorens Stralenwagen, Nun hört mich Hespers Kerze klagen: Er hebt sich nimmer wieder! Todesgedanken Ruht mein Leib in Gottes Erde, Wo ich auferstehen werde, Unter Moder, Nacht und Graus Von dem Lebenskampfe aus: Dann wird hin ins bessre Leben, Lichtumstralt, mein Geist entschweben, Sich des Anschauns Gottes freun, Hochbeglükt auf ewig sein! Jede bange Trauerklage, Jedes Leiden düstrer Tage Schwindet dort vor meinem Blik Dann auf immerdar zurük! Freuden harren des Verklärten, Die du, Gott, dem Kampfbewährten, Von Begin bereitet hast, Freuden, die kein Geist umfaßt! Drum, mein Herz, laß ab zu weinen: Heute kann die Stund' erscheinen, Die mich zu der Todesgruft Auf Jehova's Winken ruft! An den Tod How beautiful is that Death, which closes An uniform Course of virtuos Action. Kronengeber, o Tod! eile, entkette mich! Bring die Palme des Sieges mir! Bald erscheine mir, bald! flügle mich himmelan Zu den Höhen der Seligen; Daß ich engelverklärt knie an Gottes Thron, Unter Chören der Serafim! Trübe, trübe entflohn, öde und wonneleer, Mir hienieden der Tage viel! Stets des Kummers Gefährt wallt' ich die Lebensbahn, Keimten Rosen, zertrat er sie! Hier im schattigten Thal löse die Fessel mir, Palmenkränze in deiner Hand, Himlischlächelnder Tod! eile, ich bin bereit Aufzuschweben zu Gottes Thron! Der Winter 1778. Bis zur fröhlichen Lenzesauferstehung, Ruhn die farbigen Rasenblümlein alle, Und die duftenden Kräuter dieser Wiese, Ach! im starrenden, kalten Wintergrabe, Von hellblinkenden Floken überflimmert! Aehnlich Todtengerippen, stehn die Bäume, Ihres säuselnden Blätterschmuks entkleidet; Wo, gehüllet in grüne Zweigbeschattung, Oft die flötende Sängerin der Mainacht Ihre schmelzenden Zauberlieder tönte! Wes die Jünglinge sich und alle Mädchen, Auf den Blumengefilden, weiland freuten, Hat, verheerender Winternord! dein Odem Von den frostigen Fluren weggewütet! Jedes dämmernde Zweigdach für die Liebe, Jede schattende Laube für das Kelchglas, Hast in ödige Wüste du gewandelt! Unbekümmert der tausend Mädchenthränen, Unbekümmert der bangen Jünglingsseufzer! O des mürrischen Freudentilgers! selbst des Mir so heiligen Pläzchens nicht zu schonen, Wo, am wallenden Busen meiner Maja, Ich, im seligen Taumel, mir den Himmel, Ueberblühet von Lenzgebüschen, träumte! Erinnerung 1778. Engelgesänge tönten durch die Wipfel, Als den heiligen Erstlingskuß der Liebe In die freudigzitternde Seele Maja's Lippen mir glühten! Rosiger wallte da der Abend nieder, Süsser dufteten alle Gartenblumen, Auf den Bäumen wirbelten Nachtigallen Lieder der Liebe! Seliger Abend! den ich nie vergesse, Jede düstere Stunde wird mir lichter, Schwebt dein Bild, in Himmelsgestalt, um meine Traurende Seele! Liebespein 1778. Als ich die Langersehnte fand, Mein Herz sich an das ihre band, Und, durch geheimen Zauberzug, Ihr Busen mir entgegenschlug: Da war ich froh in meinem Sinn! Da tanzte Tag auf Tag mir hin, Wie Bächlein hell im Sonnenschein, So lauter und so silberrein! Da lachte Freud' und süsse Ruh Mir stets ihr blaues Auge zu, Die ganze Welt vor mir vergieng, Wenn mich ihr Schwanenarm umfieng! Da war mir jede Stunde süß, Mein Lebenspfad ein Paradies, Denn alle Erdenseligkeit Lag, sonder Maas drauf ausgestreut. Wenn ich an ihrem Busen lag, Wiegt' ihres Herzens leiser Schlag Mich sanft zu Himmelsträumen ein; Und mir schlug dieses Herz allein! Wenn uns im Laubdach, kühl und grün, Der liebe, volle Mond beschien, Sang Hain und Flur mir Sfärensang, Und jede Seelensait' erklang. Bald wallten wir durch Blumenaun, Des Frühlings Zauberpracht zu schaun; Doch blikt' ich ihr ins Angesicht, Sah' ich die Lenzgefilde nicht! Bald ruhten wir auf Quellenmoos, Wenn sanft der Abend niederfloß, Da drükte heiß sich Mund an Mund, Zu festen unsren Liebesbund! Wie Maienregen niederfleußt, Auf Blütenbäume sich ergeußt: Floß jeder Flammenkuß von ihr Erlabend in die Seele mir. Wir lebten Himmelswohnern gleich, Wie sie an tausend Freuden reich, Es wogt' und rauscht' ein Wonnemeer, Nicht abzusehn, rings um uns her! Genug der Freuden, o mein Lied, Die einst mir Glüklichem geblüht! Hinab! hinab! zum Trauerton, Die Freuden alle sind entflohn! Sie gab, in leichtem Flattersinn, Ihr Herz an einen andern hin! Zerriß das goldne Himmelsband, Das Lieb' um unsre Seelen wand! Das troknete, mit rascher Wuth, Wie wilde Hundstagssonnenglut, Die Quelle meiner Freuden leer, Von Stund' an floß kein Tröpfchen mehr! Nun schleicht, bei wintertrübem Sinn, Mein Leben langsamtraurig hin, Ich irr' in düstrer Mitternacht, Von keinem Sternlein angelacht. Mein armes, tiefgequältes Herz Durchwütet Angst, durchwütet Schmerz; Verhasster Sorgen Natternbrut Nährt grausam sich von meinem Blut! Die Pein, die meinen Busen engt, Mich wild bald hie bald dorthin drängt, Mir rastlos in die Seele stürmt, Mit Wolken stets mein Haupt umthürmt: Hat meine Wangen abgebleicht, Hinweg die innre Ruh gescheucht, Zernagt mich, wie der Morgen graut, Bis wenn der kühle Abend thaut! Ha! wenn mich jezt die Falsche säh', In all dem Ach! in all dem Weh! Von Höllenleiden, sonder Zahl, Umstrikt zu Folterpein und Quaal: Vieleicht daß ihr ein Thränlein denn Vom blauen Auge niederrän', Ihr Herz, von Reu und Busse schwer, Nun wieder ganz das meine wär'! An einen Bruder 1778. Du, dessen Seele Feuerbegeisterung, Im kühnen Taumel, zu den Gestirnen reißt, Singst du, von Eichen rings umschauert, Glühend von Gott und dem Vaterlande: Gesegnet, Theurer, dreimal gesegnet mir! Dein Ausblik kündet flammende Seelenkraft, Zu ringen nach dem Kranz des Lohnes, Welcher am Ziele der Laufbahn schimmert. Wenn stets du singst, wozu dir dein Vaterland, Die Tugend dir und heilige Freiheitsglut, Im Eichenhain die Saiten stimmen, Wo du zuerst deine Harfe prüftest: So schlingt sich einst, (o! wehre der Zähre nicht, Der Freudenzähre, die dir im Auge blinkt!) So wahr als du von Herman stammest, Um deine Loken der Eichensprösling! Voll Glut die Seele, walle die hohe Bahn! Den Sieger, wisse! lohnet Unsterblichkeit! Sie, deren ewiglichten Schimmer Nie die Gewölke der Zeit verdüstern! Weissagung An Rosenfeld. Du, dessen Seele Flammenbegeisterung Auf Adlersflügeln zu den Gestirnen reißt, Singst du, von Eichen rings umschauert, Was dir im Busen der Gott gebietet: Willkommen, Jüngling, in der geweihten Bahn! Dein Auge flammt von heiliger Kampfbegier, Zu ringen nach dem Kranze, welcher, Hell wie Orion, den Siegern schimmert! Wenn stets du singst, wozu dir dein Vaterland, Die Tugend dir, und himmlische Freiheitsgluth Im Bardenhain die Saiten stimmen, Wo du zuerst deine Harfe prüftest: So schlingt sich einst, (o wehre der Thräne nicht, Der Freudenthräne, die deinem Aug' entrollt!) So wahr als du von Hermann stammest, Um deine Locken der Eichensprößling! Und nun beginne muthig den edlen Kampf! Der Sieger Namen gräbt die Unsterblichkeit In Pyramiden, die des Nilstroms Riesengemäuer noch überdauern! Die Betende Laura betet! Engelharfen hallen Tröstung Gottes in ihr krankes Herz, Und, wie Abels Opferdüfte, wallen Ihre Seufzer himmelwärts! Wie sie kniet! in Andacht hingegossen, Schön wie Raphael die Unschuld malt! Vom Verklärungsglanze schon umflossen, Der um Himmelswohner stralt! O! sie fühlt, im leisen, linden Wehen, Näher ihres Gottes Gegenwart, Sieht im Geiste schon die Palmenhöhen, Wo der Lichtkranz ihrer harrt. So von Andacht, so von Gottvertrauen Ihre engelreine Brust geschwellt, Betend diese Heilige zu schauen, Ist ein Blik in jene Welt! Lenzwonne Könt' ich das Entzüken Adams malen, Als in Edens aufgeblühten Thalen Ihn des ersten Lenzes Duft umfloß, Sanft ihn zu begrüssen, jede Kehle Seines Hains ihm in die trunkne Seele Niegefühlte Seligkeiten goß! Dann, o! dann wollt' ich, auf Adlerschwingen, Dich, o Taumelquell der Wonne, singen, Dessen Nektar meine Seele trank, Als der Lenz, mit morgenrother Wange, Unter hellem Nachtigallgesange, Heut' in Laura's Garten niedersank! Laura Dolce nella memoria! Tag voll Himmel! da, aus Laura's Bliken, Mir der Liebe heiligstes Entzüken In die tiefgerührte Seele drang! Und, von ihrem Zauber hingerissen, Ich der Frommen, unter Feuerküssen, An den süßbeklomnen Busen sank! O! wie da, im seligsten Getümmel Niegefühlter Freuden, Erd' und Himmel Mir Beglüktem rings umher vergieng! Sanfte Glut durch meine Adern glühte, Aus dem hocherfreuten Auge sprühte, Wenn es schmachtend an dem ihren hieng! Goldner sah' ich Wolken sich besäumen, Jedes Blätchen auf den Frühlingsbäumen Schien zu flüstern: Sie ist ewig dein! Glüklicher, in solcher Taumelfülle, Werd' ich, nach verstäubter Erdenhülle, Nur in Edens Mirthenlauben sein! Lied 1778. Am Strauche, den des Mädchens Hand Im Frühlingstanze streifte, Daß Silberthau auf ihr Gewand Aus jeder Blüthe träufte: Erinnrung! soll, zu deinem Preis, Ein Altar sich erheben, Bekränzt mit Rosen, roth und weiß, Umgrünt von jungen Reben. Hier wo, mit holdem Engelgruß, Sie mir ins Auge blickte, Und ich den ersten Flammenkuß Auf ihre Lippen drückte: O Hofnung! dankbar weih' ich hier, Mit jedem jungen Lenze, Vor allen Himmelstöchtern dir Des Gartens erste Kränze. An den Abendstern 1778. Stern der Liebe! Bleich und trübe Blinkt dein Silberlicht! Meinen Bliken Stralst Entzüken Du wie vormals nicht! Deine Schimmer Fanden immer Mich bei frohem Sinn; Doch die Tage, Sonder Klage, Flohn zu schnell dahin! Trennung raubte, Eh' ichs glaubte, Meinen Damon mir! Herzen bluten Um den Guten, Thränend klag' ichs dir! Mailied Im Getön der Dorfschalmeie, Sinkt aus unbewölkter Bläue Sanft der Maimond nieder; Durch die grüngelokten Sträuche, Am beschilften Pappelteiche, Wirbeln Frühlingslieder! Lieber Mai! mit Lustgesange, Und mit hellem Gläserklange Wollt' ich dich, begrüssen; Wollte, mit gehellten Bliken, Jedem seligen Entzüken Meine Brust entschliessen; Aber eine trübe Stunde Hat, aus unsrem hohen Bunde, Damon uns entrissen! Ach! nun kann, mit Lustgesange Und mit hellem Gläserklange, Ich dich nicht begrüssen! An Damons Garten 1778. Blühender Garten! deine Apfelbäume, Deren röthliche Loken Zefir küßte, Und die dichtverschlungenen Schattenarme Deiner Alleen, Wo, in geheimer Dämrung, Maienkäfer, Um die Stunde der Abendgloke, sumten, Turteltauben Klage begannen, werd' ich Nimmer vergessen! Ach! es entrauschte manche Wonnestunde, Beim sokratischen Mahl, an Damons Busen, Mir im süßvertraulichen Dunkel deiner Blütengewölbe! Schönster der Erdengärten! sei noch lange Meiner heiligen Freuden stiller Tempel! Jener Freuden, welche die Unschuld Schwester Nennen und Freundin! Winket der Todesengel meine Seele Zu den Sternen empor: so überschatte Jenes dichte Rosengebüsch den Hügel Meiner Gebeine! Freudig entschwebt dann, seinen Lichtgefilden, Oft mein glüklicher Geist, und lispelt leise, In die Seelen der Guten, die dort klagen, Ahndung des Himmels! An die Freiheit 1778. Hrn. Rath Perschke gewidmet. Die ich zur Göttin mir erkohr, O Freiheit! mit dem Flammenblik, Dir huldigte Schon früh mein deutsches Herz! Laut klopft dem Vaterland' es zu, Dem Mädchen und dem Freunde laut, Doch lauter noch, O Tochter Gottes, dir! Wer dich nicht liebt, sei nie mein Freund! Ihm schliesse nie mein Herz sich auf, Und wäre gleich Gebirgtes Gold der Preis! Du bist dem Edlen, der dich kennt, Das gröste Kleinod, felsenfest Im Unglükssturm, Dem Tode selbst zu stark. Heil dem, den du zum Liebling dir, Zu deinem Sänger dir erkohrst, Die Lebensbahn Wird Eden seinem Blik! Ihn lokte falscher Schimmer nie Zum Königsstuhl, zum Fürstensaal, Nicht Selbstgewin Und niedrer Durst nach Ruhm. Heil! Heil! auch mir, ich lernte schon Als Knabe deinen Wink verstehn, Doch besser noch Verstand der Jüngling ihn! Du zeigtest, Göttin! mir zuerst Der Tugend holde Lichtgestalt, An deiner Hand Gewan ich ihren Pfad! Du legtest früh in meine Brust Zu jeder edlen That den Keim, Und mancher ist Emporgeblüht durch dich! Du leitetest zum Himmelsquell Der Weisheit und der Schönheit mich, Gabst Stärke mir Zu schöpfen tief und gut! Dank, Dank, o edle Freiheit, dir! Du flügelst meinen trunknen Geist Mit Feuerkraft, Zu wagen jeden Flug! Du giebst mir himmelhohen Muth, Wenn Unterdrücker, sonder Zahl, Aus deinem Arm Mich loszuwinden, dräun. Sie mögens nicht! denn deine Hand Wird ihrem schlaffen Naken schwer, Wie leichte Spreu, Zerstieben sie vor dir! Durch dich biet' ich der Bosheit kühn Die freie, unbewölkte Stirn; Dein Schwert flamt auf! Ihr Sklavenheer erbebt! Wenn düstres Trauren mich umringt, Tief in der Seele Kummer nagt, Winkst du die Ruh Dem bangen Geist zurük! Du lächelst Engelheiterkeit Auf mein bestrohtes Dach herab, Wo jeder Tag Mir unter Lust entfleugt! Da würzest mir die leichte Kost, Dein Odem weht, beim Nachtbegin, Mir Schlummer zu, Und süß ist meine Rast! So lang mich dieses deutsche Blut Durchrollt, bleibt dir mein ganzes Herz, Ich schwör' es laut! O Freiheit, zugethan! Maria 1778. Im Lindenschatten duftet ein Rasengrab, Von Tausendschön und Thimian rings umblüht; Ein schwarzes Kreuz, das einsam aufragt, Kündet dem Waller, hier ruh' ein Todter! Voll Wehmuth klopfet schneller mein Herzensschlag! Des Mitleids Zähre gleitet die Wang' herab: Denn hier, an dieser ernsten Stäte, Schlummert Maria den Todesschlummer! Im reinen Herzen jeglicher Tugend Keim, Um ihre Stirn den himlischen Unschuldskranz, Von Engelbrüdern ihr gewunden, Lebte sie Tage voll Seligkeiten. Da kam ein schnöder, heuchelnder Bösewicht, Die Höll' im Busen, raubte den Unschuldskranz! – Sie siechte hin, in ihrer Blüte, Einst der geliebteste Stolz der Mädchen! Süß sey dein Schlummer, unter der Blumengruft, Du schöne Seele! bis zum Erwachen süß! Da du, in hellverklärtem Glanze, Nimmer zu welken, in Eden aufblühst! Zu deinem Hügel wandelt die Weinerin, Bricht Todtenblumen, wendet den Zährenblik, Und Auferstehungsschauer beben Durch die erschütterte Mädchenseele! Freudenlied 1778. So lang', in diesen stillen Thalen, Noch Gottes Schöpfung grünt und blüht, Und von den lieben Sonnenstralen Geröthet, Hain und Maiflur glüht; So lang', aus meines Mädchens Bliken, Noch Jugendlenz und Freude stralt, Der Liebe himlisches Entzüken Sich auf die Unschuldswange malt; So lang', in deutscher Brüder Kreise, Noch der gefüllte Becher klingt, Noch jeder, nach der Väter Weise, Von Vaterland und Freiheit singt: Will ich den Gram den Winden geben! Mich jedes Erdentages freun; Mir stets die Bahn im Pilgerleben Mit Freudenblumen überstreun! Jünglingswonne So lang' im deutschen Eichenthale, Natur! dein hehrer Schauer webt, Und, bei des Mondes Geisterstrale, Der Adler Wodans mich umschwebt; So lang' in der Erwählten Blicken Mir tausend Himmel offen stehn, Und, mit vergötterndem Entzücken, Wir Arm in Arm durchs Leben gehn; So lang', in wackrer Brüder Kreise, Der Bundeskelch zur Weihe klingt, Und jeder, nach der Ahnherrn Weise, In Tells und Hermanns Jubel singt: Will ich den Gram den Winden geben, Selbst Augenblicken Kränze weihn, Und noch, wo Todesengel schweben, Den Pfad mit Rosen mir bestreun! Die schöne Erde 1778. Wenn hochentzükt mein Auge sieht, Wie schön die Erde Gottes blüht, Wie alles Wesen angeschmiegt An ihren Segensbrüsten liegt; Und sie, voll Mutterfreundlichkeit, Sich jedes ihrer Kinder freut, So inniglich sie alle liebt, Allmilde Nahrung jedem giebt; Wie groß und hehr, in Himmelspracht, Ihr volles Blütenantliz lacht, Und wie, in steter Jugendkraft, Sie rastlos waltet, wirkt und schaft: Dann fühl' ich hohen Feuerdrang, Zu rühmen den mit Preisgesang, Des wundervoller Allmachtsruf Die weite Welt so schön erschuf! Der Wald und Kraut drauf wachsen ließ, Von Meeren sie umgürten hieß, Von dem der Segen alle kömt Der stündlich ihrem Schooß entströmt! Drum, o! mein Geist, erheb' ihn laut Der diese Welt so schön erbaut! Erfreu', so lang es ihm gefällt, Dich immer dieser schönen Welt! Badelied 1778. Zum Bade! zum Bade! Vom Blumengestade Hinab in die wallenden Fluten! Die Sonne gebietet, Sie wütet, sie wütet, Mit himmeldurchströmenden Gluten! Ha! wie so gelinde Die lispelnden Winde Die glühenden Wangen uns kühlen! Wie schäumend die hellen, Lichtblinkenden Wellen Die schwebenden Hüften umspülen! Bald tauchen wir nieder, Bald heben wir wieder Uns rudernd aus sandichten Tiefen! Und kämpfen und ringen Stromüber zu dringen, Daß Loken und Wangen uns triefen! Auf Wogen zu schweben, Sich jauchzend zu heben, Welch Götterentzüken, ihr Brüder! Da rauschen den Kummer Die Wellen in Schlummer, Da stählt man die nervichten Glieder! Durchbrauset die Flächen Von Flüssen und Bächen, Von pappelumschatteten Teichen; Bis Flokengewimmel Und Stürme vom Himmel Die glänzende Bläue verscheuchen!