Desz andren Tausend achtes Hundert 1. Thorheit Es ist zwar selten klug, wer nichts versteht und kan; Doch minder, wer sich selbst und seine Witz zeucht an. 2. Thätiger Glaube Ob seinen Glauben gleich ein ieder schützt und preist, Glaubt doch am besten der, am besten der es weist. 3. Menschliche Weißheit Sie sey gleich, wie sie wil, die Weißheit in der Zeit, So steckt sie doch zu tieff im Wust der Eitelkeit. 4. Hofe-Föderung Wer nicht hin weiß an das Meer, Geh bey einem Flusse her. Wem bey Hofe Gnade fehlt, Seh, daß er zum Freunde zehlt Den, der das daselbst geneust, Was auß Hofe-Quällen fleust. 5. Ehrenveste Manchem schreibt man Ehrenveste, weil er über Ehre hält, Manchem, weil er gar kein Zeichen einer Ehre von sich stellt. 6. Zweyerley Nacht und zweyerley Tag Zwey Nächte hat der Mensch, der Mensch hat zwene Tage, Drauff er sich freue theils, theils drüber sich beklage: Der Mutter Leib ist Nacht; das Grab ist wieder Nacht; Geburt gibt einen Tag, wie Tod den andren macht; Die erste Nacht und Tag ist voller Noth und Leiden; Der Tag nach letzter Nacht bleibt voller Heil und Freuden. 7. Vom Machiavello Mancher schilt auff diesen Mann, folget ihm doch heimlich nach, Gibt ihm um die Lehre nicht, gibt ihm um die Öffnung Schmach. 8. Weiber-from An den Himmel dencken Männer als die Weiber, dünckt mich, minder; Dann den Himmel zu ervöllen, dencken diese gern auff Kinder. 9. Faulheit Ein Ballon fleugt ungeschlagen nimmer, ob er gleich voll Wind; Manche sind zu faul zu ehren, ob sie gleich begabet sind. 10. Ein Schwerdt Schwerdter schaden, Schwerdter nützen, nützen zum versetzen; Schwerdter nützen, Schwerdter schaden, schaden zum verletzen. 11. An die Leser Sind dir, Leser, meine Sachen mißgefällig wo gewesen, Kanstu sie am besten straffen mit dem sauren nimmer-lesen. 12. Menschlicher Wandel Unsers Lebens gantzer Wandel steht im lernen und vergessen; Das vergessen nur und lernen wird gar selten recht gemessen. Was vergessen solte bleiben, wollen wir am liebsten wissen; Was gelernet solte werden, wollen wir am liebsten missen. 13. Die deutsche Sprache Deutsche mühen sich ietzt hoch, deutsch zu reden fein und rein; Wer von Hertzen redet deutsch, wird der beste Deutsche seyn. 14. Priesterliche Gebethe Gebet, sprechen manche Priester, soll Gebeth für euch man sprechen; Scheint es doch, daß ihre Seuffzer nach dem Thaler sind zu rechen. 15. Mit Rath, nicht mit Gewalt Gewalt ist wie ein Kind; wo nicht Verstand sie leitet, So stürtzet sie sich selbst, weil sie zu frevlich schreitet. 16. Geschencke Wie dann, wann man Advocaten ihre heisse Hände schmieret, Daß davon nicht so die Hände wie die Zunge wol sich rühret? Gelbes wird und etwas weisses, wie man sagt, dazu genummen; Dieses soll zumal dem Hertzen und Gehirne wol bekummen. 17. Auff Marcum Was du, Marcus, hast geschrieben, ist gewiß sehr gut gewesen, Weil die Leute deine Schrifften mit entblöstem Rücken lesen. 18. Göttliche Verordnung Wer die Uhr gleich nicht versteht, Mercket dennoch, wie sie geht. Gottes Rath, den wir nicht kennen, Müssen dennoch gut wir nennen. 19. Falschheit Mohren haben weisse Zähne, sind sonst schwartz fast aller Orten; Falsche Leute bleiben Schwartze, sind sie gleich von weissen Worten. 20. Eifrige Geistlichen Wie ein Ottomannisch Käyser wollen Geistliche regiren, Der, den Scepter zu versichern, läst die Brüder stranguliren; Also sie in Glaubens-Sachen wollen herrschen und die Brüder Lieber räumen von dem Brote, wann sie ihrem Wahn zu wider. 21. Wehr-, Lehr-, Nähr-, Her-Stand Wehr-, Lehr-, Nähr-Stand, ieder Stand hat sein eigen Ehr in sich; Nimm W L und N weg, lehrt der Name solches dich; Nur der Her-Stand, der bißher andrer Stände Hencker war, Hat bey Ständen keinen Stand, ist an Ehr und Namen baar. 22. Regir-Geitz Es ist ein Hut voll Fleisch, das offt ein gantzes Land Um einen hohen Hut setzt in verterbten Stand. 23. Das Gesichte Gott sey Danck für mein Gesichte! Der verleih, daß ich es richte Mehr auffs blaue Himmel-Zelt Als den Schmutz der schwartzen Welt! 24. Das Gehöre Gott sey Danck für mein Gehöre! Der verleih, daß seine Lehre Mehr, als was die Welt mir singt, Stets in meinen Ohren klingt! 25. Der Geschmack Gott sey Danck für meinen Schmack! Der verleih mir, daß ich mag Mehr das Brot, vom Himmel kummen, Als von dieser Welt genummen! 26. Die Entfindnüß Gott sey Danck für mein Entfinden! Der verleih, daß meinen Sünden Ich entfinde stets in mir Und Vergebung, Gott, von dir! 27. Der Geruch Gott sey Danck für meinen Ruch! Der verleih, daß kein Gebruch Auff die Nietligkeit der Welt Mich vom Himmel abe hält! 28. Ein emsiger Verstand Was ist ein göldner Kopff ohn einen bleynen Sitzer? Verstand, der für sich gut, wird durch den Fleiß viel nützer. 29. Orth-Gedächtnüß Wer Gedächtnüß Kunst dencket zu studiren, Dünckt mich, muß voran gut Gedächtnüß führen. 30. Die Welt Alles, alles überall In der Welt ist wie ein Schall; Dann all ihre Prachten Sind, wie wir sie achten. 31. Meß-Kunst Länge, Breite, Höhe, Tieffe vieler Dinge kan man messen; Andre forschen, ist zu wichtig; selbst sich prüfen, bleibt vergessen. 32. Anna und Maria Wenig Annen, viel Marien Pflegen Mütter ietzt zu ziehen. 33. Grabschrifft einer schwangern Frauen Hier liegt ein Grab im Grab, und in deß Grabes Grabe, Was Welt noch nie gesehn, ihm auch nicht Namen gabe; Das Grab begrub zuvor, eh Grab begraben ward; Zwey Gräber sind nur Eins, und eine Leich ein Paar. 34. Ein anders Hier war zweyfach Leben; Hier ist zweyfach Sterben; Gut, das dupelt erben Jene Welt wird geben. 35. Lange Ehe Altes Eh-Volck als die Jungen lieben auch nicht minder, Wo ja nicht wie Ehgenossen, dennoch als die Kinder. 36. Charten-Spiel Wer sein Hertz erfreut mit Schellen, wil nur stets im Sause leben, Hat zu letzte seinem Magen Kraut und Eicheln kaum zu geben. 37. Wucher-Spiel Spielen Wuchrer, spielen sie gerne das Piqueten-Spiel; Weisen dreissig auff den Tisch, zehlen zweymal noch so viel. 38. Verleumder Wer Verleumdung hört, ist ein Feuer-Eisen; Wer Verleumdung bringt, ist ein Feuer-Stein; Dieser würde nichts künnen thun und seyn, Wolte jener nicht hülfflich ihm sich weisen. 39. Herschen, versetzt: Schehren Grosse Herren, die da herschen, mögen schehren, nur nicht schinden; Hirten nemen so die Wolle, daß sie Wolle wieder finden. 40. Gaben-Geitz Wann Beamten, wie sie sollen, Nicht Geschencke solten nemen, Würde selten iemand wollen Sich zu Amt und Dienst bequemen. 41. Die Kinder-Kranckheit der Frosch Udus wird gewiß den Frosch unter seiner Zunge haben, Den er immer fort und fort muß mit etwas nassem laben. 42. Freyen oder heurathen Kümmt vom freuen freyen her? Wie daß manchem armen Tropffe Nicht das freuen kümmt vom freyen, sondern krimmen in dem Kopffe? Kümmt vom freyhen freyen her? Wie daß manchem armen Freyer Frey zu walten, frey zu schalten, Freyheit bleibt für keinen Dreyer? Freyen ist nur ein zu rechen in den Zedel derer Dinge, Die zu kennen, die zu handeln man auff Treu und Glauben ginge. 43. Die Liebe Gottes und der Welt Wer ins Hertze Gott wil fassen, Muß die Welt heraussen lassen; Gott muß der heraussen lassen, Wer ins Hertze Welt wil fassen. 44. Anna-Maria, Süsse-Saures Alle Weiber kan man billich Annen und Marien nennen, Weil das Süß und auch das Saure fast an allen zu erkennen. Wol nun dem, der die bekummen, die zum meisten Anna heist! Weh nun dem, der die bekummen, die sich nur Maria weist! 45. Poeterey Wer durch tichten Ruhm wil haben, kan ihn nissen; Wer durch tichten Lust wil haben, kan sie büssen; Wer da dencket reich zu werden durch das tichten, Tichtet ihme, was ihm kümmet, gar mit nichten. 46. Rache Selten ist die Rache recht; recht zum minsten wird geacht Rache, die zur Rache braucht hohes Amt und dessen Macht. 47. Poetische Namen Venus soll man mehr nicht sprechen; nur Lustinne soll man sagen, Als wann Name zu der Sache künt ein ander Art beytragen. Ist lateinisch Venus Hure, wird Lustinne deutsch nicht frömer; Ob ein Schuster nicht verstehet, was mit Venus meint ein Römer, Wird er fast noch minder wissen, was ein Deutscher mit Lustinne Für Verstand und Deutung führt. Wann wir Christen in dem Sinne Nicht der Heyden Wesen hausten, wurden wenig ihre Worte Ärgern durch die blossen Namen, die so kennlich aller Orte. 48. Von Lecho Lechus redet böse Deutsch; wann er Leute Schelmen schilt, Meint er, daß es auff sein Polsch besser klingt und anders gilt. 49. Schrifften Man schilt die schwartze Kunst; ich halte viel von ihr; Dann durch die schwartze Schrifft kümmt Kunst auff weiß Papier Und vom Papier ins Haupt und so fort für und für. 50. Die deutsche Sprache Ist die deutsche Sprache rauh? Wie daß so kein Volck sonst nicht Von dem liebsten Thun der Welt, von der Liebe, lieblich spricht? 51. Zuschrifften der Bücher Man schreibet grossen Herren die Bücher zu um Schutz; Mich dünckt, um etwas anders, gemeinlich um den Nutz. 52. Undanck gegen Gott Gott hat seinen Sohn gesand, uns zu retten auß der Noth; Noth hat seinen Sohn erbarmt, drum zu leiden bittren Tod; Tod wird schlecht von uns bedanckt, mehrentheils mit Fluch und Spot; Spot darff leichte rechnen so ewig mit Spot, Tod, Noth, Gott. 53. Das Werck der Erlösung Gott, was bin ich gegen dir! Nichts als eitler Koth; Hohn und Tod wie daß dann mir lied zu Nutz dein Sohn? Bloß die Liebe hats gemacht, die mir Erden-Kloß Heil von Sünden hat gebracht und am Himmel Theil. 54. Alles auf Gott Mir nicht, wann ich bin geboren, bin ich, sondern meinem Gott. Mir nicht, wann ich wieder sterbe, sterb ich, sondern meinem Gott. Mir nicht, wann ich etwas habe, hab ich, sondern meinem Gott. Mir nicht, wann ich etwas werde, werd ich, sondern meinem Gott. 55. Gelehrte Daß gelehrte Leut ich liebe, wo ich dran begehe Sünde, So bekenn ich, daß ich drüber dennoch keine Reu entfinde. 56. Jägerey Grosse Herren lieben jagen; besser, wann sie liebten hegen; Wüsten Länder jagen Leute bloß von ihrer Lüste wegen. 57. Leib und Seele Ist die Seele Wirth und der Leib ihr Haus, Wie daß dieses dann jenen offt jagt auß? 58. Dienste Da ist böse dienen, wo das gut-gethan Gut nicht wird verstanden noch genummen an. 59. Franckreich Franckreich hat es weit gebracht; Franckreich kan es schaffen, Daß so manches Land und Volck wird zu seinen Affen. 60. Auff Mammæam Mammæa ist ein Wunderthier, zwey Sitzer werden ihr vergunt; Den einen hat sie auff der Brust, den andern, wo er sonste stund. 61. Grosse- und kleine-Welt Die kleine Welt fällt täglich, die grosse bleibet stehn; Die kleine wird erstehen, wann grosse wird vergehn. 62. Auff Bardum Bardus weinte: seine Kinder würden keine Pfleger haben, (Hatte weder Weib noch Kinder) wann er würde seyn begraben. 63. Grabschrifft eines lieben Ehgenossens Leser, steh, erbarme dich dieses bittren Falles! Ausser Gott war in der Welt, was hier liegt, mir Alles. 64. Klugheit und Redligkeit Klugheit wil nicht mehr Redligkeit zur Schwester leiden; Mercket drauff! ein Fall kümmet, und das Heil wil scheiden. 65. Falschheit Der Falschheit gibt für Witz, wer dem gibt Koth für Gold, Zahlt ihn mit eigner Müntz und zahlet wol die Schuld. 66. Freund und Feind Ein Freund, der nie mir hilfft, ein Feind, der nichts mir thut, Sind beyd in einer Zunfft, sind beyde gleiche gut. 67. Apothecke Einer darff nicht viel in die Apothecke wagen, Der nur weiß die Kunst, recht zu pflegen seinen Magen. 68. Leichtglaubigkeit Wer nichts nicht glaubt, glaubt gar zu wenig; wer alles glaubt, glaubt gar zu viel. Behutsamkeit hilfft allen Dingen; im Mittel ist das beste Ziel. 69. Zärtligkeit Wer nie kein Ungemach und nirgend auß wil stehn, Muß in der Welt nicht seyn, muß auß der Menschheit gehn. 70. Von meinen Reimen Daß immerdar mein Reim, das sag ich nicht, recht lauffe; Ich schliesse mich nicht gantz in Schrancken, die der Hauffe Der Reimen-Künstler baut. Das lang für kurtz, für lang Das kurtz, das glaub ich wol, zu Zeiten schlich und sprang; Zu Zeiten satzt ich was im Kummer, was in Eile; Zu Zeiten hatt ich kurtz-, zu Zeiten lange-weile. Wann nur der Sinn recht fällt, wo nur die Meinung recht, So sey der Sinn der Herr, so sey der Reim der Knecht. 71. Wercke deß Christenthums Den Höchsten zu loben, den Nechsten zu lieben Sind Stücke, drauff Christen sich eignet zu üben, Sind Stücke, die Christen hier unten anheben Und völlig dann würcken im oberen Leben. 72. Von meinen Reimen So ich meinem Reim erlaube hin zu springen in die Welt, Thu ich solches, weil sein Wesen auff die Prob ist vor gestellt; Dann zwey Hundert derer sind aussen schone bey viel Jahren, Und ich seh in fremder Schrifft, daß sie wol gastiret waren. 73. Alte Sitten Wie es scheint, kummt altes Wesen fortmehr wieder was zu rechte: Die im Kriege waren Herren, werden ietzt im Friede Knechte. 74. Hofe-Gunst Die Kinder lieben den, der nachgiebt ihrem Mute; Die Kinder hassen den, der ihnen zeigt das gute. Es ist die Hofe-Gunst als wie die Gunst der Kinder: Die Heucheley hat Preis, die Warheit Haß nicht minder. 75. Gebete Wann du denckst zu beten, dencke fleissig dran, Was du denckst zu reden, wen du redest an, Wer du bist, der redet; sonsten ist gewiß, Daß es Lippen-Rede, nicht deß Hertzens hieß. 76. Zweyerley Kindheit Der Mensch wird erstlich jung und nachmals alt ein Kind; Sarck, Grab ist hier, was dort ihm Bette, Windeln sind. 77. Der Morgen Vom Bette steh ich auff auß meines Leibes Ruh; Gib Gott, daß ich vom Grab ersteh dem Himmel zu! 78. Der Mittag Dein Wort, Herr, scheint so klar als wol kein Mittags-Licht; Hilff, daß es mich erleucht und alle Blindheit bricht! 79. Der Abend Der Abend kummt heran; ich geh dem Tode zu; Gib Gott, daß wann er kümmt, ich nichts verbotnes thu! 80. Die Nacht Der Schlaf gibt neue Krafft; hilff, daß deß Grabes Nacht, O Gott, auff jenen Tag mich ewig freudig macht! 81. Das gewandelte Deutschland Die Deutschen wusten wenig für Zeiten von dem Golde; Sie trugen Treu und Glauben für allem alle Hulde; Ietzt wissen Deutschen wenig vom Glauben und von Treue; Sie dienen mehr dem Golde dann Gott ohn alle Scheue. 82. Eine schöne Frau Meistens sind nur schöne Weiber Männern nütze bey der Nacht; Ihre Wercke bey dem Tage sind nur Müssiggang und Pracht. 83. Das alte Jahr Heute geht ein altes abe, gehet ein ein neues Jahr. Gebe Gott, daß deutsches Wesen sey, wie es vor Alters war! 84. Das neue Jahr Ob das neue Jahr gleich heute mit dem alten Wechsel hält, Wär doch besser, daß der Himmel Wechsel hielte mit der Welt. 85. Genädig und Gestrenge Fürsten nennet man Genädig; Räthe nennet man Gestrenge; Jene meinen, daß nur diese, ihrer keiner Leute dränge. 86. Das verjüngte Jahr Ob das Jahr gleich alle Jahre sich gewohnt ist zu verjüngen, Dennoch kan der Jahre Jugend Menschen nichts als Alter bringen. 87. Güter Daß man ohne Sorgen lebe, sorgt man stets um Gut und Geld, Das doch den, der es ersorget, immerdar in Sorgen hält. 88. Rathschläge Ob gleich kluge Stimmen fallen, wann nicht klug ist aber der, Der das Beste soll erwehlen, geht doch alles in die quer. 89. Auff Vitum Veit soll ein Lehrer seyn, hat selbst gelernt gar übel; Ey, ist es nicht genug? er ist der Leyen Biebel. 90. Das Jahr Das Jahr ist wie ein schwangres Weib, gebieret uns viel Tage, Als Männlein aber Weiblein mehr, als Freude doch mehr Plage. 91. Ein Rätzel und seine Lösung Die Mutter frist das Kind; Daß dieser Stamm vergeh, Frist ihn die Erd und Wind: Es regnet in den Schnee. 92. Von diesem Buche Werden auch wol meine Reimen alle für die Jungfern tügen? Die, als Jungfern, mehr verstehen, die wird ihr Gewissen rügen, Daß sie schweigen vom Verstande; die die Unschuld alber machet, Denen haben meine Reimen schwerlich arges urgesachet. 93. Das Böse und das Gute Was böse sey, was gut, da merckt man, daß im wehlen Die Menschen meistentheils gewaltig gröblich fehlen; Man schätzet selten das, was für die Seele gut; Man schätzet gerne das, was wol dem Leibe thut. 94. Weibliche Reime Was ist ein weiblich Reim? Den Weibern reimt sich wol Ein Reim, der langer mehr als kurtzer Glieder voll. 95. Rath im Beutel Mancher guter Rath ist eitel, Wann ihm wol nicht wil der Beutel. 96. Gott im Kriege Wem Gott wol wil, kan die Städte stürmen mit Posaunen; Wem Gott ablegt, kan nichts richten, ob er braucht Cartaunen. 97. Herodes weiset und kümmt nicht Herodes weist die Weisen, Wo sie zu Christus reisen, Kummt aber selbsten nicht Und bringt ihm seine Pflicht; Wer weiß, was die wol glauben, Die uns zum Glauben schrauben? 98. Poetische Ohren Unter andren Tichter-Gaben Ist auch gut, gut Ohren haben, Die gelehrt sind, was man singt, Recht zu richten, wie es klingt. 99. Röthe und Räthe Morgen-Röth und Abend-Räthe pflegen nicht zu tügen; Abend-Röth und Morgen-Räthe bringen mehr Vergnügen. 100. Auff den hungrigen Macrum Macer hat nicht Niederlagen, Aber offt die Gicht im Magen.