Desz andren Tausend siebendes Hundert 1. Gekauffter Rath Rath, gekaufft um Geld, bringt Reu; Rath bringt Nutz, gelehnt von Treu. 2. Geworbene Soldaten Soldaten müssen haben Sold, sollen sie thun Thaten; Sie mussen Thaten thun für Sold, wolln sie seyn Soldaten. 3. Essen und Trincken Was man isset, was man trincket, wird bey Hofe nicht geacht; Speis und Tranck ist lauter Müntze, weil man die auß jenem macht; Was nun in der Küchel stürbt, kan nicht leben in der Kammer; Was in Magen man vergräbt, macht im Beutel schwartzes Jammer. 4. Brüder Brüder haben ein Geblüte, Selten aber ein Gemüte. 5. Hofe-Werckzeug Mäntel zum bedecken, Larven zum verstecken, Röcke zum verkleiden, Scheren zum beschneiden, Zangen zum verzwicken, Pressen, auß zu drücken, Pensel zum vergolden, Blasen zum besolden, Pulster, ein zu wiegen, Brillen zu vergnügen, Fechel, Wind zu machen: Mehr noch solche Sachen Sind bey Hof im Hauffen; Niemand darff sie kauffen. 6. Unwissenheit Wer nicht viel versteht, der nicht viel bedenckt; Wem nicht viel vertraut, den auch wenig kränckt. 7. Auff eines guten Freundes Hochzeit Wann Propheten Gottes Willen seinem Volcke sagten an, Hingen sie gemein ein Zeichen und ein sondres Merckmal dran, Welches offt für läppisch Ding von den sichren ward geschätzet, Aber Gottes weisen Rath endlich klar an Tag gesetzet. Werther Freund und Gottes-Diener, da der HERR noch hegte Zorn, Da uns biß auffs Blut noch riete manch vergiffter Krieges-Sporn, Da ihr sagtet, was Gott hieß, da ihr wieset, wie Gott dräute, Uns zu werffen gar in Staub, weil niemand die Schläge scheute, Da war dieses euer Zeichen: Euer eigen Augen-Lust Hat, weil so der HERR befohle, zum Exempel fort gemust. Aber nun da Gottes Hertz durch sich selbsten ist erweichet, Da uns seine Vater-Hand wieder Brot, nicht Steine reichet, Da der weisse Friedens-Ritter schlug die rothe Frevler-Schaar, Da nun Leben, Stand und Habe letzlich wieder unser war, So erhebt ihr Gottes Güt und bereitet die Gemüter, Daß mit Buß und rechtem Sinn sie gebrauchen Friedens-Güter; Diesem nach ist diß das Zeichen: Das nach Gottes Will und Wust Euch in gleichem wird ersetzet, was Gott nam an Augen-Lust. Gott bleibt Gott! man wird die Welt gar in neuem Baue sehen, Wann man bey der letzten Brunst meinen wird, es sey geschehen. Gott bleibt Gott! wann ihm gefället, ruffet er dem Würge-Schwerdt, Schafft ihm auch nach seinem Willen, daß es in die Scheide kehrt. Gott bleibt Gott! er leitet ab und hat Menschen weg genummen; Gott bleibt Gott! er weiset an und läst Menschen wieder kummen; Gott bleibt Gott! nimmt weg Rosinen, und Rosinen gibt er her; Wittwer wieder zu beweiben, ist ihm desto minder schwer. Gott, bey dem die beste Lust, mit den Menschen-Kindern spielen, Macht es immer so mit uns, daß wir süß auff sauer fühlen. Herr und Freund, ihr must es zeugen, wie sich Gott mit euch ergetzt, Euch nach vieler Angst und Trauren nun in Fried und Freude setzt. Nun, Herr Bräutgam, dessen Heil ist ein Theil von meiner Freude, Seyd gesichert, daß mein Sinn sich in eurem Gnügen weide. Gebe Gott, der gute Geber, was er euch im Frieden gibt, Daß gar nichts sey drum, dran, drinne, das nicht ihr und euch nicht liebt! Was er gibt den Seinen sonst, dieses sey euch auch gegeben, Seyd zu friede, wann ihr habt Segen hier und dorte Leben! 8. Auff Rizam Riza klagt den Buhler an, daß er wil kein Nemer seyn, Sagt: Er sperr ihr auff das Maul, geb ihr aber wenig drein. Er vermeint: Es sey nicht klar, ob er für auch kummen wär, Weil ihr sonsten sey das Maul nimmer oder selten leer. 9. Auff Lupam Lupa heist zwar eine Wölffin, doch die nie pflegt zu zerreissen, Nur die gerne starcke Männer pflegt im Mittel an zu beissen. 10. Verstand Es geht für Kunst Verstand, Weil dieser jen erfand; Wer nicht versteht ihr Ziel, Den hilfft die Kunst nicht viel. 11. Kluge Weiber Ein Weib, das mehr versteht als sonst ein Weib wol so, Die mag zwar was verstehn, brauchts aber selten wol. 12. Die durchgrabene Welt Wann ein Loch wär durch die Welt, daß hindurch wir künten schauen, Ey, wir schauten manches Ding, drüber sehr uns würde grauen. 13. Lügen Wilstu lügen? Leug von ferne; Wer zeucht hin und fraget gerne? 14. Plauderey Wer immer sagt und sagt und ist doch schlecht gelehrt, Sagt offt, was nicht geschehn, und keiner sonst gehört. 15. Lob-Geitz Wer hungrig ist auff Lob, ist gern an Tugend leer; Die Tugend steht für sich, darff Lob nur ohngefehr. 16. Auff einen gottlosen Sohn Du warst der Mutter Schmertz, eh als du noch geboren; Du bist der Mutter Tod, nun da du bist verloren. 17. Der Spiegel deß Gerüchtes Was der Spiegel dem Gesichte, Ist den Sinnen das Gerüchte. 18. Frauen-List Weil Eva mit der Schlang umgieng Und neben ihr den Adam fing, So hat sie ihren Töchtern auch Verlassen List und schlauen Brauch. 19. Ev-Äpffel Even-Äpffel locken noch Manchen Adam unters Joch, Wo er nichts vom Paradeis, Nur von lauter Hölle, weiß. 20. Spötter Wer andrer Leute höhnisch lacht, Der habe nur ein wenig Acht, Wer hinter ihm, ihm gleiches macht. 21. Die Gesetze Die nützen Gesetze Sind künstliche Netze, Drauß grosses entgangen, Dran kleines bleibt hangen. 22. Das Alter Für Zeiten stunden Junge den Alten höflich auff; Ietzt heist es: Junger, sitze! und: alter Greiner, lauff! 23. Hoffnung und Furcht Furcht und Hoffnung sind Gespielen; Diese wird geliebt von vielen; Und wer dies' ihm hat genummen, Dem ist jene selbsten kummen. 24. Auff Astutum Daß Astutus weiser sey, glaub ich gern, als ich; Daß ich frömer sey als er, drauff befleiß ich mich. 25. An mein Buch Gedeystu für Gericht, wer ist dein Advocat? Dem Richter trau dich nur, im Fall er Weisses hat. 26. Hofe-Diener Treue Diener sind bey Hofe nach dem Tode bald vergessen; O, sie werden schlecht geachtet, wann sie gleich noch da gesessen! 27. Wir wollen, was wir nicht sollen Wir dringen auff den Zaum, und wo wir sollen gehn, Da lauffen wir; wir gehn, wo da wir sollen stehn. 28. Von meinen Reimen Wären meine Reime Jungfern, ey, sie würden alte Mägde, Lebten aber keusch und stille, mieden freches Buhl-Gejägde, Biß sich gleich zu gleiche fünde, daß vielleicht ein Grauer käme, Der zu ihrem guten Wandel ausser Schönheit willen neme. 29. Zucht-Hüter Ein Hüter, der die Weiber für Schand in Obsicht nam, War keiner nimmer treuer als tugendhaffte Scham. 30. Geistlicher und weltlicher Glaube Man merckt, wie gegen Gott der Glaube sey bestellt Auß dem, wie Glaub und Treu man seinem Nechsten hält. 31. Bluts-Verwandten Ist Geld das andre Blut, hat manchen Blutsfreund der, Dem nur der Beutel voll und keinen, dem er leer. 32. Auff Pralinum Pralinus kreht als wie der Hahn, laufft aber wie die Henne, Ist gleichwol sonst nicht ungeübt im fechten auff dem Tenne. 33. Auff Scelestum Scelestus ist ein Schelm in allen seinen Dingen, Weil aller Laster Heer in ihn zu Stuhle giengen. 34. Kunst und Geschicke Wissenschafft und Höfligkeit paaren sich nicht immer, Öffters ist ein höltznes Haus, wo ein goldnes Zimmer. 35. Geduld in weltlichen Sachen Geduld hat manchen Sieg, Macht aber auch viel Krieg; Ein ieder wil sich reiben An den, der sich ließ treiben. 36. Fürsprecher Du must fürher wol stechen, Soll Anwalt für dich sprechen; Gesetze wird er bringen, Nach dem die Müntzen klingen; Am besten ist gerathen Mit denen für Ducaten. 37. Hand und Treu Weiland war die Hand Unsrer Treue Band; Ietzt legt ihre Stricke Durch die Hand die Tücke. 38. Gunst und Abgunst Bey Hofe kan man zu der Gunst langsam dringen; Bey Hofe kan man von der Gunst leichtlich springen. 39. Auff Pætum Pætus wird geehrt von vielen; Dann er sitzt auff zweyen Stühlen. 40. Hoffnung Aller Menschen Thun führet an das hoffen; Dann man beßres stets haben wil getroffen. 41. Freunde Rühmlich ist es, Freunde haben, Kläglich, dürffen ihrer Gaben. 42. Stärcke und Einigkeit Tapffrigkeit von aussen, Einigkeit von innen, Macht, daß keiner ihnen mag was abgewinnen. 43. Gast-Zahl Mit sieben Gästen Gehts fast zum besten; Der achte Gast Wird eine Last. 44. Wein-Freunde Die von dem Weine Sind worden deine, Sind nur zum schertzen, Sind nicht von Hertzen, Sind zum behagen Nur für den Magen. 45. Marcipan Heist Marcipan Soldaten Brot? So essens nur die Grossen; Der arme Knecht der mag sich nur am Pompernickel stossen. 46. Hunger und Durst Wer Durst und Hunger hat, pflegt viel nicht zu verzehren; Dann diese beyde Pursch ist gerne nur im leeren. 47. Brot Das Brot pflegt unsrem Leib am besten zu bekummen; Das macht, es kummt daher, woher der Mensch genummen. 48. Ein ungesaltzen Gastgebot Wo Wirth, wo Gast, wo Kost nicht recht gesaltzen sind, Da kan es leichte seyn, ein Eckel daß sich findt. 49. Kese Der Kes erschreckt den Gast, dieweil er wol kan wissen, Daß er, wann dieser kümmt, den Magen nun soll schlissen. 50. Die tapffere Warheit Ein tapffrer Helden-Mut ist besser nicht zu kennen, Als wann er sich nicht scheut, schwartz schwartz, weiß weiß zu nennen, Der keinen Umschweiff braucht, der keinen Mantel nimmt, Der allem gegen geht, was wider Warheit kümmt. 51. Wahr und Recht Weil nicht durch steten Brauch sich leichtlich abereiben Die Warheit und das Recht, so werden sie wol bleiben. 52. Hofe-Gunst Der unter zehnen vor in Gunsten war der einer, Wird unter zehnen hier in Gunsten bald ein keiner. 53. Rechen-Kunst Wiewol manch andre Kunst ist spöttisch blieben liegen, Ist Rechen-Kunst doch hoch im Krieg ietzund gestiegen. Daß fünffzehn funffzig gab, daß funffzig hundert war, Daß hundert tausend galt, kam her durch ihre Lahr. Sie machte noch wol gar auß Nullen starcke Summen Und kunte künstlich drauff auch gar darhinter kummen, Was offt ein gantzes Land in seinem Beutel trug; Drauß manchem reich zu seyn, kam gar ein schneller Fug. 54. Stern-Deutung Soll man dann am Himmel sehen, Was hierunten soll geschehen? Soll der Himmel geben Blick Auff so manches Schelmen-Stück? Wer wird mehr den Himmel achten, Drauff man sonst so schlecht wil trachten? 55. Begräbnüß in einer Münchs-Kappe Hilfft es, wann man todte Weiber in deß Münches Kappe steckt, Hilfft es besser, die, die leben, wann der Münch sie selbsten deckt. 56. Freye-Künste Daß die Länder außgeplündert, ist noch etwa zu verwinden; Schade! schade! daß die Sinnen sich so leer von Lehre finden. 57. Das Blut Christi Ich wag und glaub es nur, daß Jesus Christus Blut, Zu tilgen meine Schuld, sey gar genug und gut; Wer wil, der wasche sich durch eigner Wercke schwitzen; Im sterben wird man sehn, was Blut, was Schweiß wird nützen. 58. Reime Werden wo nicht meine Reime wol in fremden Ohren klingen, Müssen fremde nur gedencken, es gescheh auch ihren Dingen; Weil die Worte wie die Menschen haben auch ihr Vaterland, Gelten sie nur da am meisten, wo sie lang und wol bekant. 59. Sprach-Lehrer Es ist ein tolles Volck, das in dem Wörter-Kriege Als Türcken um die Welt ist eifriger zum Siege; Wanns um und um nun kümmt, so ist ein Wort erstriten, Indessen Kruch Gebruch und bittres Arm gelidten. 60. Die böse Welt Ist der Mensch die kleine Welt, sind die Weiber auch die Welt, Daß man klein und grosse so immer noch für böse hält. 61. Eingeschobener Balcke Lingus schilt den Nachbar sehr, daß er ihm in seine Wand Heimlich einen Balcken schub, gleichwol dieses nie bekant; Wann er solte wissen das, was er mehr sonst eingeschoben, (Seine Frau, die weiß es wol,) würd er ihn noch minder loben. 62. Reich und grob Wo der Geldsack ist daheim, ist die Kunst verreiset; Selten daß sich Wissenschafft, wo viel Reichthum, weiset; Ob nun gleich ein goldnes Tuch kan den Esel decken, Siht man ihn doch immer zu noch die Ohren recken. 63. Der Buchstabe tödtet Du tödtest, Buchstabe; Wem graut für dem Grabe, Der lasse dich bleiben! Drum hüten die Leute So fleissig sich heute Für lesen und schreiben. 64. Die Gicht Wer sich üben wil im fühlen, Mag mit Gicht ein wenig spielen. 65. Theure Seelen Für die Seelen, für die Christus gab sein theures Blut, Die verkaufft man, die versetzt man nur für Tonnen Gut. Wer dann war es, wer dann thät es? Niemand ist genennt; Gott ists, Welt und sein Gewissen, das den Kauffmann kennt. 66. Seelen-Handel Iedes Land hat sein Gewerb, sein Gesuch und seinen Wandel; Die, die gegen Norden sind, machte reich der Seelen-Handel. 67. Das Wort Gottes Gottes Wort leucht helle; Gottes Wort laufft schnelle; Wer dann wil es demmen? Wer dann wil es hemmen? 68. Speise und Tranck Wann die Kinder essen Brot, Werden ihre Wangen roth; Wann die Alten trincken Wein, Pflegt die Nase roth zu seyn. 69. Zuversicht auff Menschen Wer sein Glück auff Menschen baut, dieser hat es gantz vergessen, Daß in kurtzem diesen Grund Würm und Schlangen werden fressen. 70. Zuversicht auff Fürsten Wer sein Glück auff Fürsten baut, baut sein Wesen auff den Sand, Da es nie für Wind und Flut wird erhalten sichren Stand. 71. Ein Mensch deß andren Wolff Meine Dienste, sagt die Welt; aber Dienste, die sie thut, Sind so nütze, wie der Dienst von dem Wolffe Lämmern gut. 72. Trost der Entjungferung Wann euch wird die Jungferschafft, Jungfern, wo benummen, Tröstet euch! weil ihr hiermit Kundschafft habt bekummen. 73. Täglicher Tod Daß man täglich solle sterben, weil ihr Priester Lehren gebet, Sterb ich täglich, sagte Mopsus, alldieweil mein Weib mir lebet. 74. Der Liebe Martyrthum Buhler sind zwar Märtyrer offt so gut als einer, Martern aber sich nur selbst; drum so preist sie keiner. 75. Ein Frosch Die Stimm ist groß, der Mann ist klein; Was nahe nichts, hat ferne Schein. 76. Fremder Leute Schaden Von ferne wird ein Schlag, eh als gehört, gesehen; Man siht, man fühlet nicht, was andren weh geschehen. 77. Hofe-Schlüssel Schlüssel, die bey Hofe schlissen, schlissen auff und nimmer zu; Dann das geben und das nemen hat bey Hofe keine Ruh. 78. Dreyerley Geitz Geld-, Lust- und Ehren-Geitz macht, daß die gantze Welt So arm ist an Gedieg und nichts von Heil behält. 79. Fremde Kleider Fremde Kleider schimpffen uns; weil sie aber so gemein, Muß alleine seyn ein Narr, wer es nicht wil miete seyn; Fromer Sinn in fremder Tracht bringet alles wieder ein. 80. Das Wort Aber Wann das Aber thäte nicht, wer doch hätte was zu klagen? Aber aber trägt die Schuld, daß uns wenig wil behagen. 81. Von meinen Reimen Hat iemanden wo mein Reim innerlich getroffen, Daß er zörnt und grimmig ist, ey, so wil ich hoffen, Daß er sich und nimmer mich schelten wird Verräther, Weil er selbsten Kläger ist, wie er selbsten Thäter. 82. Menschliche Kranckheiten An dem Leib ist kranck der Mensch, an der Seele kräncker noch; Diese Kranckheit hält er schlecht; jener wartet er gar hoch, Da von dieser jene kümmt, diese jen erwecket doch. 83. Die Liebe Gottes Daß wir unsren GOTT zu lieben Uns so schlecht und übel üben, Macht, daß uns so wol wir üben, Uns in allem selbst zu lieben. 84. Einfaltig Gebet Die Einfalt im Gebet ist grosse Witz für Gott; Genug, wer ihm vertraut und nennt die blosse Noth. 85. Menschliche Unvollkummenheit Daß wir unvollkummen sind, wann wir diß erkennen, Kan man solch Erkäntnüß schon eine Beßrung nennen. 86. Zahlungs-Fristen Es ist zwar eine Frist zu zahlen außgeschrieben; Mit Undanck aber ist zu zahlen frey verblieben. 87. Allgemeine Artznei Moises gab so viel Gesetze niemals, als die Aertzte geben Deme, der gesund wil bleiben, wil auch gerne lange leben; Schweiß und Maß in deinem Thun und die Gottesfurcht dabey, Dich zu halten lange frisch, sind genugsam diese drey. 88. Grabschrifft der Frömigkeit Fromes liegt ins Grabes Nacht; Böses, hat es umgebracht; Frevel erbte seine Habe, Tantzt dafür ihm auff dem Grabe. 89. Seiltäntzer bei Hofe Bey Hofe schwebt das Täntzer-Seil, davon wann mancher fällt, So kan es seyn, daß er nicht recht die Stange gleiche hält. 90. Auff Lingum Weil Menschen beßres nichts als sterben künnen thun, Wüntscht Lingus, daß sein Weib mög auch vom bösen ruhn. 91. Lob-Geitz Ieder buhlt und freyt nach Lobe; mancher aber hat verspürt, Daß er für die schöne Rahel blinde Lea heim geführt. 92. Winter-Lager Weiland hilten unter Häuten allen Winter Krieger auß; Ietzund must' in Schnee der Bauer, und der Krieger nam sein Haus. 93. Menschliche Erfindungen Was vor nicht auch gesagt, wird selten was gesagt; Man sagt wie vor auch noch: Veit schläft bey seiner Magd. 94. Gerüchte Man saget selten was, es ist doch etwas dran; An dem ist aber nichts, daß Mops ein ehrlich Mann. 95. Bücher Böse Bücher tügen auch guten zu der gegen-Probe; Finstres macht, daß desto mehr iederman das lichte lobe. 96. Bücher-Glücke Bücher haben auch ihr Glücke: Wann sie nicht gesaltzen seyn, Fasst man dennoch gute Würtze, Pfeffer oder Saffran drein; Kümmt es dir, ich bin zu friede, liebes Buch, nur auch so gut, Wann mit dir nur in geheime niemand was verschämtes thut. 97. Nach-Folge Ob die Mahler ihre Farben bey dem Krämer schone nemen, Dörffen sie sich ihrer Bilder dannenher doch nimmer schämen. Wer von andren was gelernt, diesem steht es ja wol frey, Daß mit andrer Weis und Art er es andren bringe bey. 98. Von meinem Buche Ist in meinem Buche was, das mir gaben andre Leute, Ist das meiste doch wol mein, und nicht alles fremde Beute; Iedem, der das seine kennet, geb ich willig seines hin, Weiß wol, daß ich über manches dennoch Eigner bleib und bin; Zwar ich geb auch gerne zu, daß das meine böses heisse, Gar genug! wann fremdes Gut recht zu brauchen ich mich fleisse. 99. Buch-Führer Die Bücher, die gedrückt, die drücken Führer mehr, Weil sie sie mit dem Preis beschweren all zu sehr. 100. Gemeinschafft der Gelehrten Wer zu entlauffen denckt für seiner Sterbligkeit, Geh mit Gelehrten um, das ist: mit Ewigkeit.