Desz andren Tausend fünfftes Hundert 1. Auff Quadruncum Quadruncus sticht gemein gelehrte Männer an; Auß diesem hör ich wol, daß er gewiß nichts kan. 2. Ein geraubter Kuß Man meint, ein abgestohlner Kuß sey minder angeneme. Der Kuß wird süsser, wann man schaut, wie sie so schön sich schäme, Und was man leichtlich haben kan, ist selten gar bequeme. 3. Franckenthal Friedens-Hindernüß Franckenthal zeucht Frieden auff, daß er nicht kümmt auff den Berg; Sinnenthal, nicht Franckenthal, dünckt mich, hindert dieses Werck. 4. Alte Jungfern Zanckeisen Alte Jungfern sind ein Stock, da noch Wachs noch Honig innen; Ihre Sinnen würcken nichts, ausser daß sie stechen künnen. 5. Dieselbten Alte Jungfern böse Jungfern; dieses macht die Ungeduld, Daß Gott ihnen nicht legt abe einen Mann, die klare Schuld. 6. Der ietzige Friede Dreissig Jahr und drüber noch hat gewehrt das deutsche kriegen; Wehrt der Friede dreissig Jahr, läst ihm ieder wol genügen. 7. Eine Braut zu ihren Gästen Ihr Gäst, ihr seyd mir lieb, biß daß die Nacht bricht ein Da darff ich keinen Gast; selbander wil ich seyn. 8. Ein rechtschaffener Friede Der Fried ist nun gewiß, Ruchlosigkeit gewisser; Viel Frevler hat es noch und wenig rechte Büsser. Ist Friede da mit Gott, wird Friede Friede seyn; Ist Friede nicht mit Gott, ist Friede nur ein Schein. 9. Der Bauch Der Bauch, der ist der Beutel; drein legt man alles Gut; Man thut nur ihm zum besten das meiste, das man thut. 10. Menschlicher Zustand Der Mensch bringt nichts davon, wie lang er immer lebt, Als daß man ihn vergist, gleich wie man ihn begräbt. 11. Auff Cacum Cacus war ein junger Schelm, ist ein alter fromer Mann; Daß er anders ist, als war, macht, daß er ietzt nimmer kan. 12. Degen und Schild Welch Waffen hat mehr Nutz, der Degen oder Schild? Ob schützen, frage, mehr, ob mehr verletzen gilt? Verletzen dämpfft den Feind und schützen sichert mich; Wann nur der Feind gedämpfft, bin sicher schon auch ich. 13. Das Wort Gottes Gott schuff die Welt; Gott baut die Kirche durch das Wort; Wo dieses nun nicht ist, da ist der Höllen Ort. 14. Vernünfftige Unvernunfft Menschen sind Thiere, vernünfftige Thiere, Aber nicht alle; was wilden gebühre, Pflegen vernünfftige gerne zu treiben; Hohe sind Löwen und dienen den Leiben, Wollen nur herrschen und ihren Geschäfften Machen Gesetze nach Willen und Kräfften; Edle sind Hunde, verpflichtet den Lüsten; Krieger sind Wölffe zum rauben und wüsten; Bürger sind Füchse zum schleichen und schmügen, Vortheln, berücken, finantzen und lügen; Buhler sind Affen zu tollen Geberden; Bauern sind Esel zu lauter Beschwerden. 15. Auff eine geputzte Frau Sie pflegt sich hier zu Schmuck und Schmüncke zu bequemen, Was wird sie dorte thun? Sie wird sich ewig schämen. 16. Weiber-Herrschung Haus, Dorff, Stadt, Land und Reich wird Wolfahrt bald gelosen, Wo Männer tragen Röck, und Weiber tragen Hosen. 17. Schein der Freyheit Die Freyheit ist der Strick, damit man Freyheit fängt; Ie mehr man sie verdrückt, ie mehr man ihrer denckt. 18. Hofe-Gunst Daß seine Tugend lobt, die Laster niemand schilt, Gehöret diesem, der durch Gunst bey Hofe gilt. 19. Hofe-Lauscher Bey Hof ist kein Volck stärcker Als schlaue, schlimme Mercker. 20. Ein unzüchtiger Balg Ein ieder ist besorgt, was er für Nahrung treibe; Die Hure nährt den Leib auch wieder mit dem Leibe. 21. Zweiffelhaffte Keuschheit Ein Bieder-Weib im Angesicht, ein Schandsack in der Haut Ist manche; geiles liegt bedeckt und fromes wird geschaut. 22. Urthel auff Klage Wann die Klage wird zum Urthel, Hat die Unschuld mehr kein Vorthel. 23. Menschliche Irrthümer Daß ich irre, bleibt gewiß, alldieweil ein Mensch ich bin; Der nun mehr ist als ein Mensch, mag mich durch die Hechel ziehn, Sonst werd ich ihn von mir weg an sich selbsten weisen hin. 24. Sterbligkeit Wann nie Niemand auß meinem Haus als sonst auß andren stürbe, Wo wolt ich mit dem Gelde hin, das ich darauß erwürbe? 25. Auff Peninnam Wann man sagt von Frauen-schwächen, lacht Peninna dieser Wercke; Was den andren bringet Schwäche, dienet ihr zu einer Stärcke. 26. Galgen-Straffe Am Galgen und am Strang erworgen, ist nicht ehrlich; O, ehrlich oder nicht, wanns nur nicht wär gefährlich! 27. Diebs-Strick Der Strick, daran ein Dieb erhing, hilfft für deß Hauptes Weh, Gebunden um den krancken Kopff; o, um den Hals viel eh! 28. Artschocken Nicht ieder hat zu Rom Artschocken dürffen essen; Daß dieser, der sie aß, war schwach, ist zu ermessen. 29. Koch-Kunst Ist kochen eine Kunst, so kan ich mich vermessen, Ich habe viel von Kunst, drum künn ich viel, gefressen. 30. Rathschläge Die Vögel fängt man so, nach dem man auff sie stellt; Der Außschlag fällt nach dem, nach dem der Anschlag fällt. 31. Eigen-Lob und Eigen-Schmach Sich selbsten schelten, Sich selbsten loben Thun kluge selten, Thun die, die toben. 32. Von einem Landstreicher Ein Künstler war nechst hier, der suff nur Wasser ein, Gab wieder doch herauß gebrant- und rothen Wein Und Wasser von Anis, von Ziemet und Violen, Von Rosen, andrem mehr, gantz frey und unverholen. Natürlich war es nur; es war nicht Zauberey, Es blieb doch Wasser nur; List, Kunst war bloß dabey. Also sind derer mehr, die zwar die Warheit nennen, Befinden und verstehn, gar selten doch bekennen, Wo was Verlust dabey. Um Nutz, um Ehr, um Gunst Geht Warheit hinten nach, geht vor Betrug und Dunst. Man redet lieblich Ding, was gerne wird gehöret; Man stellt sich knechtisch ietzt; man stellt sich als bethöret; Man gibt, wie mans bedarff, nimmt alle Farben an, Macht, daß man, wie man soll, nur bloß gefallen kan. Was klar und wahr, taug nichts. Man laß es immer gehen, Wanns um und um dann kümmt, bleibt Warheit doch bestehen. 33. Hofe-Lehre Wer bey Hofe dienen wil, wil daselbst Genad erringen, Wie muß der sich stellen an, recht zu rathen seinen Dingen? Ist er treu und redlich gleich, dennoch ist es gar verloren: Alles ist gewonnen dann, wann er dienet nur den Ohren. 34. Wetten Wer Lust zu wetten träget, mag kühnlich drüber wetten, Daß Jungfern gerne Männer und Weiber Kinder hätten. 35. Danckbarkeit Rechter Danck Wird nicht kranck, Pflegt im dancken Nie zu wancken. 36. Menschliche Thorheit Wann keine Thorheit mehr wird seyn, So wird die Menschheit gehen ein. 37. Hofe-Verdienst Wer diß bey Hofe hat gethan, Was man ihm nicht verdancken kan, Der geh bey Zeiten selbst davon; Der Haß ist sonst gewiß sein Lohn. 38. Irrdische Güter Die Güter dieser Welt hat nimmer keiner gar, Und das, was einer hat, bleibt nimmer, wie es war. 39. Vom Mißbrauch der Sing-Kunst Was denckstu, lieber Gott, wann ietzund deine Christen In deinem Hause dir nach ihres Ohres Lüsten Bestellen Sang und Klang? Die krause Melodey Wird angestimmt zum Tantz und süsser Buhlerey; Die Andacht acht man nicht. Der geilen Brunst Gefieder Erwächst und steigt empor durch unsre freche Lieder; Der stille Geist ersitzt: Wir hören viel Geschrey; Die Einfalt weiß nicht viel, obs süß, obs sauer sey, Obs Thier, obs Menschen sind, die ohne Sinn so klingen, Ob seuffzen einer soll, ob einer so soll springen. Man wiegert den Discant; man brüllet den Tenor; Man billt den Contrapunct; man heult den Alt hervor; Man brummt den tieffen Bass, und wann es wol soll klingen, So klingt es ohne Wort, wil keine Meinung bringen; Man weiß nicht, ob es Danck, man weiß nicht, ob es Preis, Man weiß nicht, obs Gebet und was es sonsten heiß. Was denckstu, lieber Gott, wann wir so sehr uns regen Und sagen doch gar kaum, was uns ist angelegen? Wir höhnen dich nur mit, daß wir zu dir so schreyn Und wollen, was es sey, doch nicht verstanden seyn. 40. Auff ein Zweiffel-Kind Du seyst dem Vater gleich; da sagt der Vater: nein; Die Mutter saget: ja; der Mutter stimm ich ein. 41. Loben Thorheit ist es, alles loben; Bosheit ist es, nichts nicht preisen; Mich wird Thorheit schwerlich treffen; Bosheit wird sich eher weisen. 42. Das krancke Alter Weil Alter eine Kranckheit ist, so kan man dem vergeben, Der uns den Tod hat angewüntscht und nicht ein langes Leben. 43. Gekrönte Poeten Einen zum Poeten krönen, Hält man heute für verhöhnen; Gebet ihnen für das kräntzen, Was im Beutel pflegt zu gläntzen; Dieses bringt, ihr hohen Leute! Euch viel Namen, ihnen Beute. Lorber-Blätter künnen schmücken, Aber nicht gar hoch entzücken; Rosenobel künnen zieren Und den Geist zum höchsten führen. 44. Poetische Entzückung Wo Poeten durch entzücken Sich zu guten Reimen schicken, Hat es allenthalben Hasen, Hat es Leute, die da rasen; Hat auch demnach keine Nöthen An den Reimen und Poeten. 45. Weibliche Gestalt Ihr Schönen, seyd nicht stoltz! ein häßlich Weiber-Thier Nimmt eher Lust, als wol, ihr schönsten Engel, ihr. 46. Hoheit und Demut Man siht gemeine nicht, daß Ehr und Demut gleiche; Vielmehr, wann jene steigt, daß diese meistens weiche. 47. Ehre und Hoffart Mancher meinet, Ehr und Würde scheine nicht an ihm hervor, Wann sie nicht steh außgestellet auff der Hoffart Berg empor. 48. Bescheidenheit Wodurch wird Würd und Glück erhalten lange Zeit? Ich meine, durch nichts mehr als durch Bescheidenheit. 49. Sitsamkeit Ie heller Feuer brennt, ie minder Feuer raucht; Ie mehr bey einem Witz, ie mehr er Glimpff gebraucht. 50. Hofe-Verdacht Wann unter redlich thun schon Argwon mit laufft ein, So scheint es nicht mehr gut, bey Hofe lange seyn. 51. Hofe-Folge Alsbald der Herr mir lacht, so lacht mir iederman; Siht sauer er mir zu, siht ieder so mich an. Die Pupen machens so, die fremde Faust regirt; Sie stellen sich nach dem, nach dem sie einer führt. 52. Verehrungen Wer mit Gaben kämpffen wil und wil haben Sieg und Glücke, Schiesse nicht mit kleinem Loth, schieß auß einem groben Stücke. 53. Engeländer Königs-Mörder König Carl in Engeland Ward der Krone quit erkant; Daß er dürffe keiner Krone, Machten sie ihn Köpffes ohne. 54. Auff Vitum Man sagt, daß Veit sein Pfund offt da und dort vergrabe; Ie mehr, sagt er, ich grab, ie mehr ich Wucher habe. 55. Auff Runcum Runcus ist ein Edelmann, Nimmt sich nur deß Ackers an, Wil sich sonst auff nichts befleissen, Wil ein Edler Bauer heissen. 56. Der Frauen-Acker Weiber sind Äcker zum ruhen mit nichten; Weiber sind Äcker zum bauen und früchten. 57. Vom Opitio Der deutschen Tichter Helena, deß Opitz seine Leyer, Hat zwar viel Buhler stets gehabt und, wie man meint, auch Freyer. Mich dünckt, daß ihre Jungferschafft noch richtig sey und rein, Und der, der ihr gehören wird, wird noch von dannen seyn. 58. Auff Gumpertum Gumpertus nimmt ein schönes Mensch und ist gewaltig froh; O, lieber Gümpel, freu dich sacht! es ist gedroschen Stroh. 59. Abgedanckte Soldaten Was werden die Krieger, gewöhnet zum wachen, Nun Friede geschlossen, ins künfftige machen? Sie werden deß wachens nicht abe noch gehn, Sehn, wie es zu Nachte bey Schläfern wird stehn. 60. Buß-Gebete Gebete, welches Wind und welches Wasser hat, Das Thren- und seuffzen führt, schafft gern in Nöthen Rath. 61. Fürstliche Kleidung Gerechtigkeit, das Kleid, und Recht, den Fürsten-Hut, Der diese beyde trägt, derselbe Herr steht gut. 62. Gewaltsame Herrschung Zu herrschen ist das meiste Muster Durch Waffen, nicht durch Pater noster. 63. Gute und Böse Bös und Gute lässt GOTT wallen Auff deß Lebens krummer Brucke, Nicht daß jen ihm wol gefallen, Daß er sie zur Busse locke. Wir, die wir für Ketzer schätzen, Wollen wir vom Leben jagen, Nicht mit Lehren an sie setzen, Noch, wie uns Gott, sie vertragen! 64. Zweyfüssige Esel Daß ein Esel hat gespracht, warum wundert man sich doch? Geh auffs Dorff, geh auff den Marckt: o, sie reden heute noch. 65. Hofe-Rauch Wer Hofe-Gunst geneust und nimmt Taback in Brauch, Dem bleibt zum meisten Asch, und was er neust, ist Rauch. 66. Taback Wie viel hat ein Loth Tabac Rauch? Die Asche kanstu wiegen; Was dir mangelt, ist gewiß an dem Rauche weg gestiegen. 67. Auff Jungfer Manlieb Manlieb hasset fremde Namen, die man ihr gleich nennet für, Weil ihr keiner doch gefallen; Hartman, der gefället ihr. 68. Auff Varillum In Klugheit ist er Narr; in Narrheit ist er klug. Ein Kluger und ein Narr hat an Varillum fug. 69. Die Warheit Ob Warheit sich verkrochen, Die Zeit, die wird sie suchen; Sie wird sie wol auch finden; Sie bleibet nicht dahinden. 70. Die Gicht Die Gicht zeucht weg vom Haupt und Brust, was schädlich, in die Füsse; Mich dünckt, daß selbst sie diesen Weg zu letzt zurücke wisse. 71. Das schädliche L Last, List, Lust und Leid Frisset uns und Zeit. 72. Auff Bullatum Bullatus sprach, gefragt, wo her er edel wär? Mein Adel kummt vom Haupt und nicht vom Bauche her. 73. Verstorbene Freunde Solte Krieg nicht alles fressen, musten bißher feste Plätze (Selten hat es viel geholffen) sichren unsre beste Schätze; Nun der Friede triumphiret, holen wir die besten Sachen, Daß wir sie zu unsrem Brauche wieder künnen nütze machen. Unsre Freund und unsre Kinder, Schätze, die wir Gott gegeben, Lassen in der blauen Feste billich wir bey Gotte leben; Friede, wann er gleich der schönste, kan die Welt doch nimmer stifften, Daß er frey sey von dem sterben und von tausend Unfalls-Gifften. 74. In Person eines guten Freundes, welcher seinem Hause den Grund legte und dieses begehrte beyzulegen Ich, der ich Haus und Stadt im Kriege hulffe stürmen, Bau ietzund hier ein Haus: so sieget Zeit und Würmen Mein Namen ziemlich ob. Nach viermal fünfftem Jahr, Da deutsch und schwedisch Haupt nun wieder friedlich war, Ward dieser Grund gelegt; die Müntze beyder Parten Liegt zum Gedächtnüß bey. Geh, wilstu mehr nicht warten, Der du hieher gelangt: hier steht ein Glas voll Wein, Trinck, bilde dir dabey, was dir beliebet, ein! 75. Die Lügen Daß mehr als Hurerey, Daß Lügen Sünde sey, Kümmt her, weil dieses fuhr Gar wider die Natur, Und jenes in gemein Natürlich pflegt zu seyn. 76. Die Welt, ein Garten Ein Garten ist die Welt (der Mensch, der ist ein Kraut), Drinn Unkraut man vielmehr, als nütze Kräuter schaut. 77. Vorreden Ein schönes Thor und Giebel Steht an den Häusern übel, Drinn alles ohngefehr Steht oder ist ja leer. 78. Jungfrauschafft Ein glüend Eisen in der Hand, Der unverletzte Jungfern-Stand, Ist leichtlich nicht zu tragen allen; Man lässet beydes gerne fallen. 79. An eine fürstliche Person über I.F.G. Geburts-Tag Fürstin! Ihr gabt dieser Welt eure Zier und euer Leben, Da den Engeln gleich ihr Fest pflegt die Christenheit zu geben; Dann, ihr soltet wie ihr seyd, durch der Schönheit reinen Schein, Durch die Tugend, durch die Gunst, unsres Landes Engel seyn. Engel! diesem Engel dient, den uns Gottes Treu verehret, Dem hier Würde, Leben, Heil und dort Ewigkeit gehöret; Engel! diesen Engel schützt durch der Flügel sichres Dach, Führet volles Gnügen zu, führet weg all Ungemach. 80. Merckzeichen deß Gemütes Was an dem Manne sey, weist seiner Augen Schein, Sein Amt, ein Beutel Geld und dann ein Becher Wein. 81. Krieg Der Krieg macht Sinnen voller Lüste, Die Länder aber öd und wüste; Wann aber dieses nur nicht wär: Er machet auch den Himmel leer. 82. Die Seele Zwey Ohren und zwey Aug, auch so viel Händ und Füsse Schuff an dem Menschen Gott, daß, so er eines misse, Das andre noch sey da; die Seel ist nur allein; Wer diese sterben läst, muß gantz gestorben seyn. 83. Auff einen Selbgerühmten Dein Ruhm pflegt auff zu gehn wie Sterne bey der Nacht; Nur dieses ist nicht gut, daß damals niemand wacht. 84. Anders Dein Ruhm pflegt wie ein Stern im finstren auff zu gehn, Ist von derselbten Art, die in dem Ochsen stehn. 85. Der Winter Wer sagt, die Welt sey falsch? Hierzu gehört Beweis; Sie ist Cristallen-rein und meistens ietzund weiß. 86. Hände-Kuß Jungfern! euch die Hände küssen, Pflegt euch heimlich zu verdriessen, Weil man läppisch zugewand, Was dem Munde soll, der Hand. 87. Gerade zu Ich bin nicht wol gewandt; ich muß nur bleiben stehn Da, wo ich nicht vermag gerade zuzugehn. 88. Ein Welt-Bürger Wer in die grosse Stadt, die Welt, wil werben ein, Muß überall zu Haus und allen alles seyn. 89. Hofe-Glücke Ein Glücks-Topff steht bey Hof, in welchem Zettel liegen Zum meisten, welche leer, zum minsten, welche tügen. 90. Auff Magnulum Die Fackel unsrer Zeit wird Magnulus genennt; O, welche nur von Pech und nie noch hat gebrennt. 91. Die Stadt Der Sack, worein der Krieg, was er gestohlen hat, Hat alles eingepackt, wo war er? In der Stadt. 92. Auff Vanum, der mit grosser Mühe nichts thät Herr Vanus ist ein Mann, der nimmer nicht kan ruhn; Er müht sich, daß er schwitzt, im leeren nichts nicht thun. 93. Eigen-Lob Die Zeugen haben den verlassen, Der eignes Lob muß abefassen. 94. Deß Frauenzimmers Vogelfang Der Herd, drauff Frauenvolck ihr Vögel-Wilprät fangen, Ist ihr gerader Leib, Stirn, Augen, Mund und Wangen; Die Locker sind die Wort, und süsses küß- und blicken Sind Körnung; Armen sind das Netze zum berücken. 95. Auff Asinium Wo immer er gleich ist, so ist er unverloren; Man kennt Asinium gar leichtlich an den Ohren. 96. Auff Leporinum Leporinus reit mit Hunden Vetter Hasen nachzusetzen; Immer dünckt mich, daß die Hunde würden ihn noch selbsten hetzen. 97. Auff Vulpiam Vulpia weint um den Mann, weinet Tag und weinet Nacht; Nur daß ihrer Seuffzer Wind bald die Threnen trucken macht. 98. Das Glücke Wer auff Tugend nichts nicht wagt, wil auff Glücke blöslich harren, Irrt, weil Glücke fornen lacht, hinten aber sticht den Narren. 99. Ein geschmücktes Weib Wie mancher nimmt ein schönes Kleid, Findt drunter lauter Garstigkeit. 100. Fliegen Einem träumt, er künte fliegen; Morgens stieg er auff die Banck, Streckte von sich beyde Hände, flog, so breit er war und lang; Warlich, er wär tieff geflogen, wo der Bodem nicht gethan, Der empfing auß Maul und Nase sein Geblüt und manchen Zahn.