Desz dritten Tausend andres Hundert 1. Weiber Schöne Weiber sind der Himmel, greuliche, die sind die Hölle, Dort für Augen, hier für Sinnen. Wie man sich gleich nun geselle, Halten beyde für den Beutel dennoch Fegefeuers stelle. 2. Das Glücke Glück ist keines Lehnman worden, hat auch keinem treu gelobet, Kan das Lehn drum nicht verschertzen, wann es noch so feindlich tobet. 3. Liebe ein Feuer-Wercker Lieb, in deinen Feuer-Wercken Sind viel Schwermer zu vermercken. 4. Auff Clepacem Clepax legt sich nie ungestohlen nieder; Was er Reichen stiehlt, gibt er Armen wieder. GOTT, wird reichen Lohn ihm hingegen geben, Daß er hoch erhöht wird in Ketten schweben. 5. Heußligkeit Wer ein grosses Haus wil bauen, bau die Kuchel erstlich klein; Sonsten muß deß Beutels Fette nur der Kuchel zinßbar seyn. 6. Auff Cnospum Cnospus hat zwey tausent Gölden auff sein Lernen angewandt; Wer dafür ihm funffzehn zahlet, zahlet gar mit reicher Hand. 7. Wissenschafft Wen Vernunfft gelehrt gemacht, Wird viel höher offt geacht, Als den offt deß Buches Blat An Vernunfft verwirret hat. 8. Amt der Obrigkeit Weil Obrigkeiten seugen sollen, Wie kümts denn, daß sie saugen wollen? 9. Abwechselung Andren gehet auff die Sonne, wann sie uns geht nieder; Wann sie andren nieder geht, kümt sie zu uns wieder. Was uns GOTT nicht heute schenckte, kan er morgen schicken, Kan uns, was er heute schickte, morgen auch entzücken. 10. Verschwendung Für altes Geld ist junge Hand Gemeiniglich kein festes Band. 11. Seuffer Gottes Werck hat immer Tadel; wem der Tag zu kurtz zum trincken, Diesen wil auch zum ernüchtern gar zu kurtz die Nacht bedüncken. 12. Gefährligkeit Kohlen, daß die Hand bleibt sicher, fasset man mit Zangen; Mit bedencken, was gefährlich, hat man an zu fangen. 13. Der Rechts-Tittel vom Schencken Die Gesetze von dem Schencken Woln Juristen nur gedencken, Daß sie gehn auff ihr bequemen, Nicht zu geben, nur zu nehmen. 14. Mässigkeit Wer mässig leben kan, und wer ihm lest genügen, Wird leichtlich, wird man sehn, zu keinem Schmeichler tügen. 15. Der Weiber Mitgifft Jungfern, wann man euch soll kauffen, must ihr Geld zu geben; Die nichts zugibt, bleibt wol sitzen, ist niemanden eben. 16. Heuraths-Stiffter L und L, List und Lügen Kunten manche Heurath fügen. 17. Auff Plausillam Plausilla trägt sich hoch, dieweil sie etwas schön; Wie würde sie so hoch, wenn sie wer ehrlich, gehn? 18. Christus mein Alles Christus ist mir alles worden, ist mir so auch worden Ich; Ist er Ich nun worden mir, so wird Ich nicht lassen mich. 19. Der unendliche Gott Gott war stets, wie er ist, wird, wie er ist, stets seyn; Ich aber soll auß Schuld in Busse treten ein, Damit für Höll und Tod sey Heil und Himmel mein. 20. Ärtzte und Juristen Ihr Ärtzt und ihr Juristen, habt euer bestes Wesen Bey andrer Leute Schaden, Verlust und Ungenesen. 21. Auff Plaudrinum Plaudrinus sagt viel her von wunderseltnen Tauben; Auß Freundschafft wil ich ihm, wer thet es sonste? glauben. 22. Das Schwert Ohn Ursach sollen wir nie zucken unsren Degen; Ohn Ehre sollen wir ihn drauff nie nieder legen. 23. Schulden Wer Schuld mit Schulden zahlt, thut selten alles gut; Der letzte, der ihm borgt, den zahlt er mit dem Hut. 24. Göttliche Rache Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein; Ob auß Langmuth er sich seumet, bringt mit Schärff er alles ein. 25. Betriegligkeit Bey Hoff ist alles, wers nur spüret, Mit Falschheit zierlich tapeziret. 26. Danckbarkeit Danck für Wolthat ist ein Saame, Der nicht überall bekame. 27. Geitz und Filtzigkeit Wer mit den Zähnen machet Gold, Hat Koth zu essen wol verschuld. 28. Ehre und Würde Schwer ists, auff nach Ehren steigen, Schwerer, sie zu haben eigen, Und am schwersten, wann sie fleucht, Wie man sie zu rücke zeucht. 29. Liebe der Alten Lieben hat selten viel Flammen geheget, So sich auß Asche deß Alters erreget. 30. Guter Anfang Selten ist wol abgegangen, Was nicht wol ist angefangen. 31. Auff Vitum Quecksilber und das Bley gesellen sich nicht recht; Was soll ein junges Kind dir, Veit, du alter Knecht? 32. Gemässigte Straffen Straffe soll seyn wie Salat, Die mehr Oel als Essig hat. 33. Soldaten Brot und Wasser gibt man Sündern, die am Galgen sollen büssen; Waren Krieger dann noch ärger, die es offte musten missen? 34. Die Hoffnung Ist ein Bettler mancher gleich, Dennoch macht ihn Hoffnung reich. 35. Hunger und Durst Durst und Hunger, die sind Mahner, die man nimmer kan bestillen; Morgen kummen sie doch wieder, kan man sie gleich heute völlen. 36. Unglücke Bey einer guten Zeit denck an die böse Stunde, Die sich der guten Zeit gern auff dem Rücken funde. 37. Stehlen Stehlen darff nicht viel Verlag und hat dennoch viel Genieß; Trägt es sonsten nichts nicht ein, ist doch Holtz und Hanff gewiß. 38. Die gewandelten Deutschen Wir werden nicht mehr starck und wie die Alten alt. O, wann nur Glaub und Treu nicht auch wär schwach und kalt! 39. Wolthätigkeit Wer Wolthat gibt, solls bald vergessen; wer Wolthat nimmt, solls nie vergessen; Sonst ist um Undanck der zu straffen und jenem Hoffart zuzumessen. 40. Entschuldigung Adams erstes Hosen-Tuch waren Blätter von den Feigen. Sünde macht sich immer recht oder wil sich ja verschweigen. 41. Vom Cominæo Cominaeus ist, Ihr Fürsten, Euer Catechismus-Buch; An dem Grunde wol zu herrschen, ist bey ihm fast kein Gebruch. 42. Der Liebe Handels-Wahren Die süsse Liebes-Krämerey, was führet die für Wahren? Sie machen ihren Kauffmann glat und freyen ihn von Haaren. 43. Heuchler Schmeichler sind wie Sonnen-Blumen, blicken nach dem Himmel hin, Wurtzeln aber in die Erde, suchen Vortheil und Gewin. 44. Karten-Spiel Wer mit Karten gerne spielt, hat daran den Reise-Brieff, Da er in das Armen-Haus frey und sicher mite lieff. 45. Menschliche Thorheit Iedem klebet Thorheit an; Dieser ist am besten dran, Der fein kurtz sie fassen kan. 46. Auff Siccum Siccus ist ein fromer Mann, und es ist die Sage, Daß er (wann er nichts nicht hat) faste manche Tage. 47. Räuber Auß dem grossen Satzungs-Buche plündert mancher mehr die Leute, Als vielleicht ein armer Schlucker auß dem Pusche fischet Beute. 48. Thorheit und Halßstarrigkeit Närrisch Hirn und harter Nacke dient für manchen klugen Mann; Denn sie machen durch ihr wüten, daß er was erwerben kan. 49. Deß Jobi Weib Wann der Satan gieng von Job, ist sein Anwalt dennoch blieben Jobs sein Weib; er hatte nie keinen bessern auffgetrieben. 50. Eine reiche Alte Reich und häßlich liebt man halb, Ist Aarons göldnes Kalb. 51. Müntze wider Traurigkeit Frauen-Müntze heilt viel Leid, Wer sie braucht mit maß und zeit. 52. Auff den verschwender Syrum Syrus war ein reicher Mann, muß nunmehr deß Glaubens wegen Ein paar Schuh zum Wettelauff hinter seine Thüre legen. 53. Verstand und Zustand Verstand, den ieder hat, helt ieder lieb und wehrt; Der Zustand, den er hat, wird anders stets begehrt, Da jener, wie mich dünckt, doch mehr als der verkehrt. 54. Verbrieffter Adel Ein federliches Waffen, nicht väterlicher Schild Ist ietzt vorauß gestellet, wo Feder-fechten gilt. 55. Frauen-Volck Weiber sind als wie ein Buch; weil der Abdruck erst gefehlet, Werden Fehler immer fort alle Bücher durch gezählet. 56. Seltsame Jungferschafft Es ist ein Hund, der Jungfern frist; doch wer ihn siht, der sihet immer, Daß er stets dürr und mager sey; fett aber siht ihn keiner nimmer. 57. Auff Latinum Latinus halt doch an und sammle dein Latein! Es wird den Winter durch vielleicht was theurer seyn. 58. Lohn für Dienst Treuer Dienst heischt seinen Lohn, Ob er gleich nicht sagt davon. 59. Der Erde und deß Wassers Hülffe Die Erde speist das Wasser; das Wasser tränckt die Erde, Damit der Mensch gespeiset, getränckt von beyden werde. 60. Der Tod zu Hofe Bei Propheten Kindern war der Todt im Topfe; Bey deß Hofes Heuchlern ist er in der Suppe. 61. Fische sind nicht Fleisch Seinen Weg hat alles Fleisch in der ersten Welt verterbt; Drum hat durch den Sündenfluß Gott gar recht das Fleisch gesterbt. Nur die Fische blieben leben; müssen also billich schliessen, Wer im Fasten Fische speiset, künne ja nicht Fleisch geniessen. 62. Asche und Kohle Kohl und Asche sind Geschwister; Holtz ist Mutter, Vater Feuer; Kohl ist Bruder, Asche Schwester; beyde sind ein Ungeheuer; Denn der Vater wie die Mutter ist so bald durchauß verlohren, Wann der Sohn und seine Schwester werden zu der Welt geboren. Doch zur Rache kümt der Wirbel, treibt die Tochter in die Flüchte, Und deß Vaters Bruder kümmet, macht den Sohn noch auch zu nichte. 63. Auff Gailulam Gailula hält nichts vom sondern, hält nur von gemeinem; Drum verbleibt sie allen willig, dienet nicht nur einem. 64. Weiber sind Menschen Ob Weiber Menschen sind? Sie haben ja Vernunfft, Sie lieben fort und fort; dann wilder Thiere Zunfft Hegt nur zu mancher Zeit der süssen Liebe Brunfft. 65. Ordnungen Wer Ordnung machen wil, der muß auch Leute machen, Bey denen sie ein Ernst, und die sie nicht verlachen. 66. Schmeichler Schmeichler haben keine Straffe, weil sie niemand ie verklagt; Schmeicheln ist fast wie natürlich, weil es keinem mißbehagt. 67. Die Reichen Die mit Säcken voller Geldes sind behencket überall, Kummen schwerlich in den Himmel; dann der Steig ist gar zu schmal. 68. Deß Glückes Maul Glücke hat ein weites Maul; was der gute Tag gesagt, Hat manchmal der böse Tag kurtz hernach mit Reu beklagt. 69. Lügen Wer sein Kleid mit Lügen flickt, der befindt dennoch, Ob er immer flickt und flickt, da und dort ein Loch. 70. Auff Nepotem Nepos geht in grossem Kummer, aber nur biß an die Knie; Weiter läst er ihn nicht dringen; biß zum hertzen kümmt er nie. 71. Der babylonische Thurm Da die Sprache ward verwandelt, ward der Thurm nicht außgebaut. Weil die Kleidung sich so wandelt, wird kein deutscher Sinn geschaut. 72. Der Todes-Schlaf Wer Geld zu zehlen hat, der schläft nicht leichtlich ein; Nur für deß Todes Schlaf wil Geld kein Mittel seyn. 73. Die Kirche Hat beym grossen Hauffen dann die Kirche Stelle? Laufft der grosse Hauffe dann nicht in die Hölle? 74. Tugend und Laster Tugend läst sich nicht begraben; Laster sterben auch mit nichte; Diese leben durch die Schande, jene durch ein gut Gerüchte. 75. Auff Tetcam Tetca wil, man soll sie loben; ihres Leibes schöne Stücke Loben sich ja von sich selbsten; soll man loben ihre Tücke? 76. Deß Arcadis Schutzrede Arcas sagt: Ich bin nicht schlau; doch läst Einfalt nicht verterben; Eh und mehr als Eselshaut siht man einen Fuchsbalg gerben. 77. Vergnügligkeit Wer, was ihm nicht soll, kan meiden, Kan auch, was nur kümmt, erleiden. 78. Auff Fungum Fungus ist ein Witwer; nicht sein Weib ist hin: Nur er ist ein Witwer an Verstand und Sinn. 79. Auff Marcum Marcus macht ein Testament, tröst sein Weib mit letztem Willen; Sie macht auch ein Testament, ihren erstlich zu ervöllen. 80. Das Urthel Paridis Daß Paris nicht recht klug im Urtheln sey gewesen, Meint ieder, der von ihm pflegt hören oder lesen. Mich dünckt, daß heute noch ihm mancher fiele bey, Wann Helena wie ihm, so manchem, stünde frey. 81. Himmel- und Hofe-Leben Hofegunst und ewig Leben Wird nicht auß Verdienst gegeben. 82. An einen Freund Du bittest mich auff morgen, ich solte seyn dein Gast; Gut! wann du mich zu gaste nur nicht im Hertzen hast. 83. Fürsten-Liebe Grosse Herren lieben die, denen sie viel Wolthat gaben, Lieben selten, die um sie sich gleich wol verdienet haben, Wollen, daß man ihre Güte solle stets mit Pflicht entfinden, Wollen sich für fremdes Gute selbst hingegen nicht verbinden. 84. Fürstliche persönliche Zusammenkunfft Grosse Herren solln sich kennen, Als durch sehen, mehr durch nennen; Was das Ohr hat groß gemacht, Hat das Auge drauff verlacht. 85. Der Köhler-Glaube Was die Kirche glauben heist, soll man glauben ohne wancken; Also darff man weder Geist, weder Sinnen noch Gedancken. 86. Eine Frage Ob mehr Augen, ob mehr Haare (wil man fragen) hat die Welt? Ey, mehr Augen! zehle beydes du, dem dieses nicht gefellt. 87. Gewaltsame Bekehrung Wann durch tödten, durch verjagen Christus reformiren wollen, Hett ans Creutz Er alle Juden, sie nicht Ihn, erhöhen sollen. 88. Ein Weltmann Wer so wohnt in der Welt, das Welt in ihm nicht wohnt, Der, weil er ihr nicht dient, fragt nicht, wie sie ihm lohnt. 89. Trew, zurücke: wert Treu hat in sich ihren wert, Wird von iedem zwar begert; Die sie aber ietzund geben, Derer sind nicht viel in Leben. 90. Beschenckungen Wer durch Gaben bey dem Richter denckt zu helffen seinen Sachen, Suche lieber durch das schencken auß dem Feinde Freund zu machen. 91. Auff Picum Picus nam die dritte Frau, immer eine von den Alten; Wolte, mein ich, ein Spital, schwerlich einen Ehstand, halten. 92. Das wanckende Glücke Wandelt Glücke dann die Leute, Daß sie morgen nicht wie heute? Glücke hat es nie gethan, Wann sich wandelt selbst der Mann. 93. Die Gerechtigkeit Das Gerechtigkeit bestehe, muß man Köpffe dazu haben, Theils die kluge Leute führen, theils der Hencker gibt den Raben. 94. Die Welt durchs Wort Die Welt ward durch das Wort; die Welt ist Gottes Affe: Das Cavalliers-parol itzt alles, wil sie, schaffe. 95. Die Tugend Wo Tugend herrscht das Glücke, wo Weißheit zwingt die Fälle, Hat Hochmut kein Gehöre, hat Unmuth keine Stelle. 96. Die Hoffnung Hoffnung ist der Menschen Gauckler, der uns immer Kurtzweil macht; Denn wir hoffen stündlich bessers, biß wir geben gute Nacht. 97. An die Jungfern wegen der Sonne-Flecken Schöne Jungfern, dencket nach! ist die Sonne voller Flecken, Wie die Künstler durch ihr Glaß uns nunmehr gewiß entdecken, Was für Mängel werden doch stecken unter euren Röcken? 98. Ein Kuß Deß Weibes Maul ist ihres Mannes, so weit es Trost und Labsal bringt; Deß Weibes Maul ist ihrer selbsten, wann auff die Zunge Galle dringt. 99. Von Albella und Nigrino Mit Kohlen schreibet auff Pappir, Albella, stets dein Mann dir für; Du achst es nicht, die Schreibe-Stunden, Wann die nur keinen Abgang funden. 100. Heurathen Eines darff deß andren um deß dritten Willen; Sonsten wäre weiter keine Zahl zu völlen.